#21

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 19:12
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #20
... Lebensläufer...bin ich noch beim Thema? Ich denke schon.

Naja, da Du nachfragst, Brüderchen,

nee, so richtig nicht.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#22

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 19:18
von utkieker | 2.922 Beiträge

Was das Nachdienen anbelangt, es kostet doch nur unnötig Geld, denn der Delinquent mußte ja über seine Dienstzeit hinaus versorgt und beköstigt werden. Gibt es hierüber Statistiken, wie viel zusätzliche Mittel flüssig gemacht werden mußten um den Sünder weiterhin zu besolden?

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#23

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 19:36
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #22
Was das Nachdienen anbelangt, es kostet doch nur unnötig Geld, denn der Delinquent mußte ja über seine Dienstzeit hinaus versorgt und beköstigt werden. Gibt es hierüber Statistiken, wie viel zusätzliche Mittel flüssig gemacht werden mußten um den Sünder weiterhin zu besolden?

Gruß Hartmut!

Hallo uitkieker,

von meiner Seite: Nein, Statistiken liegen mir da nicht vor und ich bezweifle, dass es da welche gibt. Aber vielleicht hat jemand etwas dazu in der Schublade. Nur mal eine einfache Betrachtung dazu: Die Kleidung verursachte keine Kosten, da er die bisherige nur ein paar Tage länger nutzte, Ausrüstung war abgegeben, der Sold war so niedrig, dass das kaum ins Gewicht gefallen sein dürfte und die Verpflegungssätze trieben uns, in der Stabskompanie, nun auch nicht in den Ruin. Die Fallzahl war nach meiner Beobachtung auch nicht allzu hoch. Wie gesagt, auf den Grenzkompanien waren Fragen wie Grenzdienststärke und "Blutgruppenzuordnungen" wichtige Faktoren, ob man einen Unterstellten wirklich in den Arrest schickte. Häufungen von Arreststrafen, zum Beispiel bei der von mir hier schon genannten Aktion "Wer einen fahrlässigen Schusswaffengebrauch verursacht, erhält 3 Tage Arrest", führten meist auch zu einer Häufung der Belobigungsart "Streichung einer Strafe".

Ich würde aus heutiger Sicht sagen: Die abschreckende Wirkung des Nachdienens hat durchaus dazu geführt, dass weniger Arreststrafen ausgesprochen werden mussten. Und da hast Du die Gegenrechnung zu den Kosten des Nachdienens: Ein Soldat im Knast nützt der Armee nichts. Er verursacht nur Kosten und führt an anderer Stelle (besonders im Diensthabenden System) zu höheren Aufwänden bei denen, die sein Fehlen ausgleichen müssen. Ich sehe da im Nachhinein keinen großen wirtschaftlichen Schaden. Zumal die Jungs ja auch zu Arbeiten eingesetzt wurden, die nicht immer sinnlos waren.

ciao Rainman


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(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#24

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 03.09.2013 19:54
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Der war schön Leipziger Bruder Rainman:

"von meiner Seite: Nein, Statistiken liegen mir da nicht vor und ich bezweifle, dass es da welche gibt."

Deswegen schrieb ich ja sinngemäß ...alles Hörensagen.Das war wie stille Post....

Lebensläufer

"Alle wussten was nur Keiner was genaues"


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#25

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 09:39
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #23
Zitat von utkieker im Beitrag #22
Was das Nachdienen anbelangt, es kostet doch nur unnötig Geld, denn der Delinquent mußte ja über seine Dienstzeit hinaus versorgt und beköstigt werden. Gibt es hierüber Statistiken, wie viel zusätzliche Mittel flüssig gemacht werden mußten um den Sünder weiterhin zu besolden?

Gruß Hartmut!

Hallo uitkieker,

von meiner Seite: Nein, Statistiken liegen mir da nicht vor und ich bezweifle, dass es da welche gibt. Aber vielleicht hat jemand etwas dazu in der Schublade. Nur mal eine einfache Betrachtung dazu: Die Kleidung verursachte keine Kosten, da er die bisherige nur ein paar Tage länger nutzte, Ausrüstung war abgegeben, der Sold war so niedrig, dass das kaum ins Gewicht gefallen sein dürfte und die Verpflegungssätze trieben uns, in der Stabskompanie, nun auch nicht in den Ruin. Die Fallzahl war nach meiner Beobachtung auch nicht allzu hoch. Wie gesagt, auf den Grenzkompanien waren Fragen wie Grenzdienststärke und "Blutgruppenzuordnungen" wichtige Faktoren, ob man einen Unterstellten wirklich in den Arrest schickte. Häufungen von Arreststrafen, zum Beispiel bei der von mir hier schon genannten Aktion "Wer einen fahrlässigen Schusswaffengebrauch verursacht, erhält 3 Tage Arrest", führten meist auch zu einer Häufung der Belobigungsart "Streichung einer Strafe".

Ich würde aus heutiger Sicht sagen: Die abschreckende Wirkung des Nachdienens hat durchaus dazu geführt, dass weniger Arreststrafen ausgesprochen werden mussten. Und da hast Du die Gegenrechnung zu den Kosten des Nachdienens: Ein Soldat im Knast nützt der Armee nichts. Er verursacht nur Kosten und führt an anderer Stelle (besonders im Diensthabenden System) zu höheren Aufwänden bei denen, die sein Fehlen ausgleichen müssen. Ich sehe da im Nachhinein keinen großen wirtschaftlichen Schaden. Zumal die Jungs ja auch zu Arbeiten eingesetzt wurden, die nicht immer sinnlos waren.

ciao Rainman


War das offiziell oder nur intern?
Meistens knallte es ja bei der Sicherheit nur weil einer übermüdet war, meistens nach A-Gruppe nachts wenn du schon wieder halb im Bett lagst.
Das man mal das Magazin noch drin hatte beim Durchziehen ist einem ja auch öfters passiert, zum Abdrücken kam es seltener.
Dafür 3 Tage abzusitzen erscheint schon etwas hart.
Gab es überhaupt so etwas wie einen offiziellen Strafkatalog wo festgelegt war für welche Vergehen es welche Strafe gab?


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.09.2013 09:43 | nach oben springen

#26

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 09:59
von Hansteiner | 1.417 Beiträge

Hallo Grenzwolf62,

Solche Sachen sind bei uns auch passiert, dass mal ein paar "Harte" in die Fassade gingen. Nach der Nachtschicht, die Leute total kaputt, zum Glück nichts passiert bis auf den Schreck natürlich. Aber deswegen in den "Bau", dass wurde unbürokratisch erledigt !
Ich selber sollte auch mal "einziehen" 3Tage, nur hatte ich Glück das nicht genug Leute für die SM-70 gesperrten Abschnitte vorhanden waren und so konnten sie eben nicht auf mich verzichten. Die Fühst. mussten ja besetzt werden.

H.



Rainman2 und Mike59 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#27

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 10:00
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #25
Zitat von Rainman2 im Beitrag #23
... Häufungen von Arreststrafen, zum Beispiel bei der von mir hier schon genannten Aktion "Wer einen fahrlässigen Schusswaffengebrauch verursacht, erhält 3 Tage Arrest", führten meist auch zu einer Häufung der Belobigungsart "Streichung einer Strafe".



War das offiziell oder nur intern?
Meistens knallte es ja bei der Sicherheit nur weil einer übermüdet war, meistens nach A-Gruppe nachts wenn du schon wieder halb im Bett lagst.
Das man mal das Magazin noch drin hatte beim Durchziehen ist einem ja auch öfters passiert, zum Abdrücken kam es seltener.
Dafür 3 Tage abzusitzen erscheint schon etwas hart.
Gab es überhaupt so etwas wie einen offiziellen Strafkatalog wo festgelegt war für welche Vergehen es welche Strafe gab?

Hallo Grenzwolf,

ich kenne dies als einen zeitweiligen Befehl unseres Regimentskommandeurs (1984). Wir hatten eine Phase, wo die Ausrede "Naja, wir sind ja immer müde ..." auch die Aufmerksamkeit der Kontrollierenden eingeschläfert haben muss. Es gab eine Häufung und ich nehme an, dass sich der Kommandeur des Grenzkommandos Süd oder vielleicht gar der Chef der Grenztruppen selbst mal seines Regimentskommandeurs angenommen hat. Das übliche, wie auf allen anderen Ebenen auch: Anschiss - Stellungnahme - Schlussfolgerungen - Entschluss - Befehl. So habe ich es damals interpretiert. Nur mal so am Rande, wenn wirklich einer übermüdet war, half dieser Befehl wirklich nicht. Aber da, wo es Ausrede für Schlamperei war, da war diese "kleine Zusatzmotivation" schon hilfreich. Es gab definitiv weniger fahrlässige Schusswaffenanwendungen. Man möchte dann immer sagen: "Aber so einfach kann's doch nicht sein!", doch der lebenserfahrene zuckt mit den Schultern und sagt: "Doch". Und das Entscheidende Zünglein an der Waage, dass diese Arreststrafe zog, war das Nachdienen.

ciao Rainman


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(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#28

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 10:14
von Mike59 | 7.972 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #25
Zitat von Rainman2 im Beitrag #23
... Häufungen von Arreststrafen, zum Beispiel bei der von mir hier schon genannten Aktion "Wer einen fahrlässigen Schusswaffengebrauch verursacht, erhält 3 Tage Arrest", führten meist auch zu einer Häufung der Belobigungsart "Streichung einer Strafe".



War das offiziell oder nur intern?
Meistens knallte es ja bei der Sicherheit nur weil einer übermüdet war, meistens nach A-Gruppe nachts wenn du schon wieder halb im Bett lagst.
Das man mal das Magazin noch drin hatte beim Durchziehen ist einem ja auch öfters passiert, zum Abdrücken kam es seltener.
Dafür 3 Tage abzusitzen erscheint schon etwas hart.
Gab es überhaupt so etwas wie einen offiziellen Strafkatalog wo festgelegt war für welche Vergehen es welche Strafe gab?

Hallo Grenzwolf,

ich kenne dies als einen zeitweiligen Befehl unseres Regimentskommandeurs (1984). Wir hatten eine Phase, wo die Ausrede "Naja, wir sind ja immer müde ..." auch die Aufmerksamkeit der Kontrollierenden eingeschläfert haben muss. Es gab eine Häufung und ich nehme an, dass sich der Kommandeur des Grenzkommandos Süd oder vielleicht gar der Chef der Grenztruppen selbst mal seines Regimentskommandeurs angenommen hat. Das übliche, wie auf allen anderen Ebenen auch: Anschiss - Stellungnahme - Schlussfolgerungen - Entschluss - Befehl. So habe ich es damals interpretiert. Nur mal so am Rande, wenn wirklich einer übermüdet war, half dieser Befehl wirklich nicht. Aber da, wo es Ausrede für Schlamperei war, da war diese "kleine Zusatzmotivation" schon hilfreich. Es gab definitiv weniger fahrlässige Schusswaffenanwendungen. Man möchte dann immer sagen: "Aber so einfach kann's doch nicht sein!", doch der lebenserfahrene zuckt mit den Schultern und sagt: "Doch". Und das Entscheidende Zünglein an der Waage, dass diese Arreststrafe zog, war das Nachdienen.

ciao Rainman


Alles richtig was du schreibst - klar war jeder nach einem Anschiss aufmerksamer wir vorher, Zitronenpolitik sagt dir (euch) sicher auch etwas oder mit Giovanni T gesagt " ...wie Flasche leer.." . Das funktioniert immer nur für kurze Zeit. Fakt ist, das für einen einfachen fahrlässigen Schusswaffengebrauch keiner in den Bau gegangen ist. Wenn der Verursacher des selben natürlich schon ein paar Kerben auf dem dazugehörigen Holz hatte, dann kann das auch mal der berühmte Tropfen gewesen sein, ich glaube da hatten die Vorgesetzten auch kaum noch eine Chance dies zu ignorieren.


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#29

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 11:44
von Hansteiner | 1.417 Beiträge

Meiner Meinung wurde mit den Schusswaffen durch den ständigen Umgang damit auch etwas zu"lässig" umgegangen.
Beim Waffenempfang wurde ein volles Magazin schon in der WK eingesetzt. Ich denke da an Einsatz A-Gruppe zb.
Zur Vergatterung waren alle Waffen unterladen und blieben es auch bis zur Rüchkehr vom Dienst !
Jeder ( hoffe ich zumindest ) wusste schon das er 30 Schuss in der "Knarre" hatte.



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#30

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 12:15
von kassberg | 91 Beiträge

Warum ist Nachdienen bei einem Ehrendienst eine Strafe ?


OT: Warum ist eine Sofortrente beim Lotteriespiel ein Gewinn, wenn Arbeit das Leben süß macht ?



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#31

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 13:11
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ich versuchs mal kassberg:

"Wenn die Sofortrente dich der Arbeit enthebt ist sie auch ein Gewinn für die Gesellschaft. Einer weniger halt aus der Masse, der mit Arbeit versorgt werden müsste, du fällst raus aus der Statistik, lebst sozusagen außen vor."

"Und Nachdienen war eine Strafe, weil 18 Monate NVA eh schon viel zu lang waren, dir Familie, Freunde, Sonstiges und ordentliches Einkommen vorenthielten denn damals war das ja nicht so ein Krampf wie heute mit dem Verdienen."

Lebensläufer


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#32

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 15:30
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #28
Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
... ich kenne dies als einen zeitweiligen Befehl unseres Regimentskommandeurs (1984). ...
... Anschiss - Stellungnahme - Schlussfolgerungen - Entschluss - Befehl. ...


Alles richtig was du schreibst - klar war jeder nach einem Anschiss aufmerksamer wir vorher, Zitronenpolitik sagt dir (euch) sicher auch etwas oder mit Giovanni T gesagt " ...wie Flasche leer.." . Das funktioniert immer nur für kurze Zeit. Fakt ist, das für einen einfachen fahrlässigen Schusswaffengebrauch keiner in den Bau gegangen ist. Wenn der Verursacher des selben natürlich schon ein paar Kerben auf dem dazugehörigen Holz hatte, dann kann das auch mal der berühmte Tropfen gewesen sein, ich glaube da hatten die Vorgesetzten auch kaum noch eine Chance dies zu ignorieren.

Hallo Mike,

mit dem Anschiss war in diesem Fall der Regimentskommandeur ("icke") gemeint, der ihn wohl erhalten hatte und der daraufhin den Befehl gab, es sei so zu verfahren, dass der fahrlässig Schießende 3 Tage in den Arrest geht. Es wurde auch mindestens Sommer 1984 bis Frühjahr 1985, wenn ich mich recht entsinne, im GR-3 so gehandhabt. Ich habe es zumindest in Stedtlingen und in der Stabskompanie selbst gegenüber Soldaten bzw. UAZ so anwenden müssen auf der Grundlage dieses Befehls.

ciao Rainman


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#33

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 06.09.2013 16:39
von Mike59 | 7.972 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #32
Zitat von Mike59 im Beitrag #28
Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
... ich kenne dies als einen zeitweiligen Befehl unseres Regimentskommandeurs (1984). ...
... Anschiss - Stellungnahme - Schlussfolgerungen - Entschluss - Befehl. ...


Alles richtig was du schreibst - klar war jeder nach einem Anschiss aufmerksamer wir vorher, Zitronenpolitik sagt dir (euch) sicher auch etwas oder mit Giovanni T gesagt " ...wie Flasche leer.." . Das funktioniert immer nur für kurze Zeit. Fakt ist, das für einen einfachen fahrlässigen Schusswaffengebrauch keiner in den Bau gegangen ist. Wenn der Verursacher des selben natürlich schon ein paar Kerben auf dem dazugehörigen Holz hatte, dann kann das auch mal der berühmte Tropfen gewesen sein, ich glaube da hatten die Vorgesetzten auch kaum noch eine Chance dies zu ignorieren.

Hallo Mike,

mit dem Anschiss war in diesem Fall der Regimentskommandeur ("icke") gemeint, der ihn wohl erhalten hatte und der daraufhin den Befehl gab, es sei so zu verfahren, dass der fahrlässig Schießende 3 Tage in den Arrest geht. Es wurde auch mindestens Sommer 1984 bis Frühjahr 1985, wenn ich mich recht entsinne, im GR-3 so gehandhabt. Ich habe es zumindest in Stedtlingen und in der Stabskompanie selbst gegenüber Soldaten bzw. UAZ so anwenden müssen auf der Grundlage dieses Befehls.

ciao Rainman

Na da - war ich gerade zu Gast an unserer höchsten Bildungseinrichtung. Alles in allem ist das mit dem fahrlässigen ja eigentlich auch nicht zu unterschätzen, obwohl wir das (wenn keine Nebenwirkungen auftraten) auf dem kleinen Dienstweg regelten, im Stab halt immer sehr schlecht. Der letzte Fahrlässige war bei uns vor 2 oder 3 Jahren mit einem G 8. Erste Aussage des Verursachers - ich hab garnichts gemacht - kam mir sehr bekannt vor.


zuletzt bearbeitet 06.09.2013 16:55 | nach oben springen

#34

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 11.09.2013 20:22
von Lutze | 8.039 Beiträge

wie sah eigentlich eine Arrest-Zelle bei den Grenztruppen aus?,
waren das Einzel-Zellen und wo befanden die sich?,
durfte man zum Beispiel bei 3 Tagen Arrest auch mal an die frische Luft?,
durfte man in der Arrestzelle rauchen?,
gab es das selbe Essen,wie sonst auch?,
oder gab es Strafarbeit?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
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Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#35

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 11.09.2013 20:29
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #34

gab es das selbe Essen,wie sonst auch?,

Lutze


In seltenen Fällen bekamen Arrestanten sogar qualitativ besseres Essen als in ihrer "Heimatkaserne".
Mit Kaffee und Kuchen und anderen Schnick-schnack.
Ungelogen!!

seaman


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#36

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 11.09.2013 20:45
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #35
Zitat von Lutze im Beitrag #34

gab es das selbe Essen,wie sonst auch?,

Lutze


In seltenen Fällen bekamen Arrestanten sogar qualitativ besseres Essen als in ihrer "Heimatkaserne".
Mit Kaffee und Kuchen und anderen Schnick-schnack.
Ungelogen!!

seaman

aber Seemannsgarn ist das nicht?,
oder saß eine besondere Person im Arrest?
Lutze


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#37

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 11.09.2013 20:53
von Gohrbi | 575 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #36
Zitat von seaman im Beitrag #35
Zitat von Lutze im Beitrag #34

gab es das selbe Essen,wie sonst auch?,

Lutze


In seltenen Fällen bekamen Arrestanten sogar qualitativ besseres Essen als in ihrer "Heimatkaserne".
Mit Kaffee und Kuchen und anderen Schnick-schnack.
Ungelogen!!

seaman

aber Seemannsgarn ist das nicht?,
oder saß eine besondere Person im Arrest?
Lutze


.....der "Luftwaffe" gab es das normale Essen aus der Truppenküche, nicht vom Teller sondern aus dem Blechnapf.
Wecken war 05:30 damit pünktlich 06:00 mit dem arbeiten begonnen werden konnte....Straße, Plätze fegen oder Schnee räumen.
Faule Haut gab es nicht, wenn nichts generelles anlag, dann wurde der Arrestant vom eigenen Spieß zum schrubben zitiert.


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.09.2013 20:53 | nach oben springen

#38

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 11.09.2013 21:16
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #34
wie sah eigentlich eine Arrest-Zelle bei den Grenztruppen aus?,
waren das Einzel-Zellen und wo befanden die sich?,
durfte man zum Beispiel bei 3 Tagen Arrest auch mal an die frische Luft?,
durfte man in der Arrestzelle rauchen?,
gab es das selbe Essen,wie sonst auch?,
oder gab es Strafarbeit?
Lutze

Hallo Lutze,

wir hatten im Regimentsstab 3 Arrestzellen, die direkt am Kontrolldurchlass der Wache lagen. Über einen schmalen Korridor waren die 3 Türen zu den Zellen zu erreichen. Soweit ich mich erinnere, waren sie ca. 8 Quadratmeter groß (4x2 Meter). An der Wand war eine leicht gepolsterte Pritsche, die tagsüber hochgeklappt und mit einem Vorhängeschloss angeschlossen wurde. Nur zur Nachtruhezeit (22:00 - 06:00 Uhr) wurde diese Pritsche heruntergeklappt. Ansonsten gab es nur noch einen Hocker. Wollte der Arrestant auf die Toilette, hatte er sich durch Klopfen bemerkbar zu machen. Der Wachhabende hatte die Schlüssel zu den Zellen und konnte aufschließen. Benutzt wurde dann die ganz normale Wachtoilette. Zu den Essenszeiten holte die Wache (einer von den Soldaten) für den/die Arrestanten das Essen aus der Küche, wenn er selber essen ging. Die Küche machte gemäß dem normalen Verpflegungssatz ein entsprechendes Essen zu den Mahlzeiten fertig (ein Tablett mit den zugedeckten Tellern). Dazu gemäß der normalen Versorgung etwas Obst bzw. Nachtisch und Tee. Wenn sich der Arrestant gut mit der Wache stand, bekam er von denen auch mal eine Tasse Kaffee.

Es gab die Anweisung, die Arrestanten den Tag über für Arbeiten einzusetzen. Das war aber für die Wache nervig, denn es musste dann immer ein Bereitschaftsposten dabei sein. Die Alternative war, dass der Arrestant für die Arbeiten "übergeben" wurde. Dann brachte ihn ein Bereitschaftsposten der Wache zum entsprechenden Vorgesetzten (i.d.R. dem Hauptfeldwebel der Stabskompanie) und holte ihn nach Anruf bei der Wache wieder ab. Die Wache setzte die Arrestanten auch selbst zu Arbeiten ein - kehren des Außenbereichs der Wache, Reinigungsarbeiten im Wachgebäude. Die Wachhabenden waren erfahrene Unteroffiziere, in wenigen Fällen nur musste da ein Offizier vom Dienst eingreifen. Im Zusammenhang mit solchen mehr oder weniger streng gehandhabten "Arbeitseinsätzen" konnte der Arrestant dann auch eine rauchen und hatte seine frische Luft. Die Unteroffiziere und Soldaten der Wache gingen nicht allzu streng mit den Arrestanten um. Da wir das wussten, wurden die Soldaten der Stabskompanie, vor allem des Wachzuges, nicht in diesen Arrestzellen untergebracht, sondern in der Regel in das Mot.-Schützenregiment nach Bad Salzungen gebracht. Das galt auch für Arreststrafen mit mehr als 3 Tagen (3 Tage war das Minimum und die häufigste Arreststrafe). Für längere Strafzeiten waren die Zellen nicht sonderlich geeignet.

Wir hatten nicht allzu häufig Arrestanten. Alle drei Zellen waren höchstens mal belegt, wenn ich Standortstreife hatte. Ich war durchaus geneigt, Leuten, die nahe an der Besinnungslosigkeit waren und sich nicht mehr benehmen konnten, eine ruhige Nacht in der Zelle zu spendieren. Nach der Ausnüchterung gingen die Delinquenten zurück in die Einheit. Die Nacht in der Ausnüchterung war formal ein Vorkommnis, das aber nicht zwingend zu einer zusätzlichen Strafe führen musste.

Soviel erst einmal dazu.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
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Marder und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 11.09.2013 22:04
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #36
Zitat von seaman im Beitrag #35
Zitat von Lutze im Beitrag #34

gab es das selbe Essen,wie sonst auch?,

Lutze


In seltenen Fällen bekamen Arrestanten sogar qualitativ besseres Essen als in ihrer "Heimatkaserne".
Mit Kaffee und Kuchen und anderen Schnick-schnack.
Ungelogen!!

seaman

aber Seemannsgarn ist das nicht?,
oder saß eine besondere Person im Arrest?
Lutze


Nein ,
kein Seemannsgarn.
es kam mitunter vor,dass alle Arrestzellen im Objekt z.b. belegt waren oder Uffz. ihre Arrestzeit nicht im eigenen Objekt antreten sollten.
Dann wurden diese Arrestanten in Kasernen anderer Waffengattungen verlegt.
Entweder wurden sie dorthin planmässig zum Arrestantritt verbracht bzw.wurden manche auch kurzfristig vom Standortstreifenführer dorthin eingeliefert.
So ergab es sich dann mitunter,dass VM-Angehörige von der Schwedenschanze,Mot-Schützen und FJ-Jäger von der Insel Rügen ihre Arrestzeit in Stralsund verbrachten.In der Kaserne der Bereitschaftspolizei in Andershof,dicht am Rügendamm,also auf dem Weg.
Sie bekamen ihr Essen dann dort normal aus der Truppenküche.
Nur,am 1.Juli war Tag der Volkspolizei und an diesem Tag fuhr die Küche dort ein kleines Festessen auf incl. Kaffee und Kuchen,Eis.....
Für die dort stationierten Bereitschaftspolizisten und ihre Arrestanten....

seaman


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.09.2013 22:10 | nach oben springen

#40

RE: Wer musste nachdienen und wie und was ging da ab?

in Grenztruppen der DDR 12.09.2013 03:43
von schulzi | 1.761 Beiträge

Wobei ich sagen muss betrunken aus dem Ausgang war vielfach eine ermessensfrage des Wachhabenden.wurde auch einmal eingebuchtet und unser Hauptfeld hatte DhO kam an die Wache begutachtet mich und Fragte nach meinen vergehen dachte ich hätte in den Bus gek...... ,doch der Wachhabende meinte mein vergehen sei das ich die Wache nicht gegrüsst hätte, da rastete er aus musste meine 7 Sachen einpacken und nahm mich mit in die Unterkunft.So endete meine Knastkariere nach ca. 20 min. .


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