#101

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 10.03.2013 10:06
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liebe Barbara,

ich kann die Angst des Einzelnen sehr gut verstehen. Auch das diese Angst vorheriger Generationen auf die nachkommende übertragen wird. Insbesondere, wenn Familienangehörige unmittelbar Betroffene waren. Der Verlust der Heimat, wie im übrigen jeder Verlust, kann traumatisch sein und neue Angst(Feind)bilder entstehen lassen. Und ich bin die letzte, die das nicht respektieren würde. Zumal es Millionen waren, die während des Nationalsozialismus und in der Zeit der „Neuorientierung“ nach Kriegsende Verluste erlitten haben. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze.

Und diese „Grundangst“ vor Verlusten ist immer wieder neu befeuert worden und wird es noch heute. Auch wenn die Feindbilder nicht mehr so greifbar sind wie früher. Die heutigen Ängste sind die Angst vor Armut, die Angst vom Konsum ausgegrenzt zu werden, die Angst vor der Energiewende, die mit steigenden Energiepreisen daher geht, die Angst vor steigenden Mieten. Alles zwar sehr persönliche Ängste, die aber unmittelbar die Grundbedürfnisse des Menschen berühren. Diese „unbestimmte Angst“ vor diesen Verlusten ist heute mehr denn je ausgeprägt. Ich finde diese Angst lähmend, da man sich dem „System“ mehr oder weniger ergibt.

Ist nun das heutige System, das mehr oder weniger durch die Finanzwirtschaft bestimmt wird und wo Profit vor Menschenwürde steht, das Feinbild? Nein. Es sind die, die dieses System durchbrechen wollen. Das Feindbild sind unter anderem die LINKEN, die zugegebener maßen Konzepte vorlegen, die zumindest eine Diskussionsgrundlage bilden könnten. Doch was passiert? Statt sich konzeptionell damit auseinander zu setzen, wird das „alte Feinbild“ wieder vor geholt und die unbestimmten Ängste wieder „umgelenkt“.

In Anlehnung an Rainer Werner Fassbinders Film wage ich zu behaupten: „Angst essen - deutsche - Seele auf“.

Liebe Barbara,

ich verstehe Dich persönlich sehr gut und auch wie Du versuchst nachzuspüren, warum die ehemalige „DDR“ und vor allem die Menschen, die in diesem Land gelebt haben, ein „unbekanntes Land“ sind. Und ich freue mich immer wieder, wenn Du Gemeinsamkeiten entdeckst. Für mich ist auch einiges neu. So habe ich zum Beispiel noch nie so intensiv über die „kollektive“ Angst der Deutschen nachgedacht. Wahrscheinlich auch deswegen nicht, weil die Ängste meiner Großmütter, die zweifellos auch vorhanden waren, mich eher angetrieben haben, zu hinterfragen.

Auch habe ich die „Westdeutschen“ eher als mutig empfunden, wenn sie sich gegen die Sprachlosigkeit gewehrt haben, wie z.B. die 68-ger, oder gegen die Atomkraft und ihre Folgen in Gorleben oder gegen den NATO – Doppelbeschluss. Ich werde die Bilder von Bonn nie vergessen. Mut und Angst haben sich bei mir einfach ausgeschlossen.

Ich habe Deinen Beitrag in keinster Weise als Angriff auf die „ehemalige“ DDR verstanden. Sondern viele Beiträge vor Deinen haben mich mürbe gemacht, denn unsere gemeinsame Geschichte bestand nicht nur aus Westpaketen, Westkaffee, usw. Ich war es einfach leid, immer wieder darauf reduziert zu werden.

So jetzt trinke ich eine „Krönung“ und werde mit der Zubereitung einer fleischlosen Mittagsmahlzeit beginnen. Fleischlos nicht wegen „neuer“ Ängste, sondern, weil die Atheistin schon seit Jahren in der Fastenzeit verzichtet. Ein Widerspruch? Für mich nicht. Ein weiterer Aspekt, den man in unserer Diskussion nicht vergessen sollte. Wie hat der Glaube Einfluss auf die Menschen genommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die katholische Kirche mächtig gegen die DDR gewettert hat, als in den 70 -gern der 218-er abgeschafft wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_%C3%...Schwangerschaft

LG von der grenzgaengerin


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.03.2013 11:42 | nach oben springen

#102

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 10.03.2013 13:21
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #101
Liebe Barbara,

ich kann die Angst des Einzelnen sehr gut verstehen. Auch das diese Angst vorheriger Generationen auf die nachkommende übertragen wird. Insbesondere, wenn Familienangehörige unmittelbar Betroffene waren. Der Verlust der Heimat, wie im übrigen jeder Verlust, kann traumatisch sein und neue Angst(Feind)bilder entstehen lassen. Und ich bin die letzte, die das nicht respektieren würde. Zumal es Millionen waren, die während des Nationalsozialismus und in der Zeit der „Neuorientierung“ nach Kriegsende Verluste erlitten haben. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze.

Und diese „Grundangst“ vor Verlusten ist immer wieder neu befeuert worden und wird es noch heute. Auch wenn die Feindbilder nicht mehr so greifbar sind wie früher. Die heutigen Ängste sind die Angst vor Armut, die Angst vom Konsum ausgegrenzt zu werden, die Angst vor der Energiewende, die mit steigenden Energiepreisen daher geht, die Angst vor steigenden Mieten. Alles zwar sehr persönliche Ängste, die aber unmittelbar die Grundbedürfnisse des Menschen berühren. Diese „unbestimmte Angst“ vor diesen Verlusten ist heute mehr denn je ausgeprägt. Ich finde diese Angst lähmend, da man sich dem „System“ mehr oder weniger ergibt.

Ist nun das heutige System, das mehr oder weniger durch die Finanzwirtschaft bestimmt wird und wo Profit vor Menschenwürde steht, das Feinbild? Nein. Es sind die, die dieses System durchbrechen wollen. Das Feindbild sind unter anderem die LINKEN, die zugegebener maßen Konzepte vorlegen, die zumindest eine Diskussionsgrundlage bilden könnten. Doch was passiert? Statt sich konzeptionell damit auseinander zu setzen, wird das „alte Feinbild“ wieder vor geholt und die unbestimmten Ängste wieder „umgelenkt“.

In Anlehnung an Rainer Werner Fassbinders Film wage ich zu behaupten: „Angst essen - deutsche - Seele auf“.

Liebe Barbara,

ich verstehe Dich persönlich sehr gut und auch wie Du versuchst nachzuspüren, warum die ehemalige „DDR“ und vor allem die Menschen, die in diesem Land gelebt haben, ein „unbekanntes Land“ sind. Und ich freue mich immer wieder, wenn Du Gemeinsamkeiten entdeckst. Für mich ist auch einiges neu. So habe ich zum Beispiel noch nie so intensiv über die „kollektive“ Angst der Deutschen nachgedacht. Wahrscheinlich auch deswegen nicht, weil die Ängste meiner Großmütter, die zweifellos auch vorhanden waren, mich eher angetrieben haben, zu hinterfragen.

Auch habe ich die „Westdeutschen“ eher als mutig empfunden, wenn sie sich gegen die Sprachlosigkeit gewehrt haben, wie z.B. die 68-ger, oder gegen die Atomkraft und ihre Folgen in Gorleben oder gegen den NATO – Doppelbeschluss. Ich werde die Bilder von Bonn nie vergessen. Mut und Angst haben sich bei mir einfach ausgeschlossen.

Ich habe Deinen Beitrag in keinster Weise als Angriff auf die „ehemalige“ DDR verstanden. Sondern viele Beiträge vor Deinen haben mich mürbe gemacht, denn unsere gemeinsame Geschichte bestand nicht nur aus Westpaketen, Westkaffee, usw. Ich war es einfach leid, immer wieder darauf reduziert zu werden.

So jetzt trinke ich eine „Krönung“ und werde mit der Zubereitung einer fleischlosen Mittagsmahlzeit beginnen. Fleischlos nicht wegen „neuer“ Ängste, sondern, weil die Atheistin schon seit Jahren in der Fastenzeit verzichtet. Ein Widerspruch? Für mich nicht. Ein weiterer Aspekt, den man in unserer Diskussion nicht vergessen sollte. Wie hat der Glaube Einfluss auf die Menschen genommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die katholische Kirche mächtig gegen die DDR gewettert hat, als in den 70 -gern der 218-er abgeschafft wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_%C3%...Schwangerschaft

LG von der grenzgaengerin






Liebe Grenzgängerin,

ja sehr richtig, das kollektive Gefühl in einer Gesellschaft wird weiter gegeben – wenn es nicht bewusst gemacht wird – immer weiter und weiter ...

Bei der deutschen Kriegsgeneration kam zu diesem Horror noch etwas weiteres hinzu – nämlich Schuld. Als der Krieg zu Ende war zu realisieren, in welchem unvorstellbaren Ausmaß Deutschland sich schuldig gemacht hatte – unabhängig von der persönlichen Schuld des Einzelnen.
Die Stunde Null der Menschlichkeit. Und Europa in Schutt und Asche. Das ist unser gemeinsames Erbe.

Vor diesem Hintergrund wurden die beiden deutschen Staaten gegründet, und das ja auch nicht in „freier Selbstbestimmung der Völker“ sondern als Teil eines jeweiligen Systems.
(Es wäre ja ein interessantes Planspiel, sich mal vorzustellen, wie Deutschland sich nach dem Krieg entwickelt hätte, hätten die Alleierten sich komplett zurück gezogen....)

Was ich im obigen Beitrag über diese „unbestimmte Angst“ bzw. „Unbehagen“ sagte, ist natürlich sehr subjektiv, mancher Wessi, der das liest wird vielleicht denken, sie hat sie nicht alle, aber es ist eben mein Erleben, das sich offenbar so eindrücklich bei meinem Berlin-Besuch ins Bewusstsein gedrängt hat, dass ich mich letztlich in diesem Forum angemeldet habe.

Die „Grenze“, hat neben ihrer geografischen und politischen Dimension auch eine subjektiv psychische, sie ist auch eine Metapher – für mich auf jeden Fall. Sie hat ganz persönlich für mich eine Bedeutung, der ich versuche auf die Spur zu kommen. Ich habe den Eindruck, dieses unterliegt auch anderen Beiträgen hier – ganz unterschwellig. Ich bin keine Psychologin und will auch nicht rum-psychologisieren, aber ich halte diesen Aspekt auch für sehr wichtig.

In der BRD hat viel später als in der DDR die Aufarbeitung über den Nazionalsozialismus begonnen, bei uns ist ganz klar verdrängt worden – aufbauen, anschaffen, vergessen. Der „fröhliche Aufbau“ als ob nie was gewesen wäre. Das ist das große Verdienst der 68er, sie haben angefangen ihre „Väter“ anzuschreien, sie haben angefangen das Gras raus zu reißen, das über die NS-Zeit wachsen sollte, sie haben die Erde umgewühlt- Gott sei Dank!

Ich hatte das große Glück, dass meine Mutter ein unerschöpflicher Quell an Erzählung war über die Nazizeit war, sie war junge Frau und Krankenschwester damals - was die erlebt haben in den Lazaretten, mit 17, 18 Jahre.... Im Bombenhagel.
Und sie hatte den Bücherschrank voll mit „Widerstandsliteratur“, die ich als Jugendliche verschlungen habe – und habe Schuld empfunden! Ich!

Ich habe das für mich durchgearbeitet, mich sehr stark damit auseinander gesetzt. Ich gehe heute nicht mit gesenkten Kopf deswegen, aber ich werde immer dazu stehen, wenn es wichtig ist: ja, das ist Teil meiner Geschichte, es gehört zu mir, zu uns.

Neulich sagte mir mal eine ausländische Freundin: wenn man euch Deutsche von außen betrachtet, ihr seid nicht einfach. (Aha? ) Aber ein Land, dass das Mahnmal der größten historischen Schuld unmittelbar neben das eigene Parlament stellt hat meine ganze Hochachtung. -----
Ich war in dem Augenblick – ja – stolz? Kann man hier „stolz“ sagen? Ich weiß es nicht. Anerkennung von Wahrhaftigkeit.....

Es ist sehr schön, dass du schreibst dass du die West-Deutschen auch als mutig empfunden hast. Ja, wir sind für vieles auf die Straße gegangen, die 70er Jahre waren insgesamt ein großer Aufbruch!
Es ist deswegen besonders schön, weil ich in diesem Forum auch einigen Klischees über die Wessis standhalten muss, das kann ich aber deshalb, weil ich weiß, dass ich zum Einen nicht persönlich gemeint bin und zum Anderen ist es einfach ein historischer Ausgleich wenn man so will.
Aber meine Intention ist – weg von diesen Klischees! Sich gegenseitig die „eigene Welt“ erzählen,
das gelebte Leben – „Aha- so war das!“ sagen können – verstehen, von einander lernen....

Denn natürlich haben wir mehr Gemeinsames als Trennendes: wir sind Menschen, die Liebe, Geborgenheit, Anerkennung brauchen und geben wollen. Wir sind „tüchtige, fleißige“ Deutsche (so das Auslandsklischee :-) , das ich persönlich einfach positiv auffasse). Wir haben einen unglaublichen Schatz an Kultur, wir sind erfindungsreich und kreativ – und können ganz schön was aushalten...

Wir sind in der Lage Intelligenz in Klugheit zu wandeln – wenn wir das wollen.

(Natürlich gilt das oben Gesagte auch für alle anderen Menschen auf der Welt!)

Ich weiß, dass du mich verstehst! Wir sind im Gespräch – in der allerbesten Bedeutung des Satzes! Alle! Machen wir weiter so :-)

Die „Angstszenarien“ heute – ich bin absolut deiner Meinung , Angst lähmt. (Ein toller Fim von Fassbinder!) Ich hatte aus diesem Grund hier das Thema „Bevor die Welt untergeht“ aufgemacht, weil ich weg möchte von dieser Lähmung......
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Dresden: ist deshalb heraus gehoben in der Wahrnehmung, weil die Engländer hier ein Kriegsverbrechen begangen haben! Das für sich selbst anzuerkennen, als Teil der englischen Geschichte, hat bei ihnen auch ganz schön gedauert.... Schuld annehmen können ist eine so wahnsinnig große Herausforderung.... (>>> wieder ein Aspekt zum Thema Befehl, Gehorsam, Gewissen: als einzelner Schütze damit zu leben, Anteil gehabt zu haben, 25.000 Flüchtlinge umgebracht zu haben....)

Kaffee und Schokolade:
oh wie gut ich das verstehen kann, dass man das nicht mehr hören kann!
Als aber nachgefragt wurde von GKUS64 war klar, dass das kommen musste. Denn das war eins der Klischees in den 50er und 60er Jahren über die DDR. Die Wessis hier haben einfach nur wahrheitsgetreu geantwortet. Wir wissen alle heute, dass das ein Klischee war! Zieht euch einfach diesen „Opfer-Schuh“ nicht an, nehmt es als Information zur Kenntnis . Es ging bei diesem Klischee nicht um die reellen Menschen in der DDR - Ihr wart gar nicht gemeint – sondern das Zerrbild einer DDR-Gesellschaft und Menschen, die ihr gar nicht wart. Das gilt für alle anderen Klischees auch – und natürlich auch für Klischees über Wessis!

Dass du als Atheistin fastest ist kein Widerspruch :-)))
Die Selbstreinigung hat so eine lange Kulturgeschichte. Menschen brauchen Rituale!!!

Ich mache mir jetzt auch noch einen leckeren Kaffee:-)))
Mit lieben Grüßen (verregneten! – Köln ist blöd!) in unsere schöne Hauptstadt!

Barbara


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#103

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 10.03.2013 17:04
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #102


Bei der deutschen Kriegsgeneration kam zu diesem Horror noch etwas weiteres hinzu – nämlich Schuld. Als der Krieg zu Ende war zu realisieren, in welchem unvorstellbaren Ausmaß Deutschland sich schuldig gemacht hatte – unabhängig von der persönlichen Schuld des Einzelnen.
Die Stunde Null der Menschlichkeit. Und Europa in Schutt und Asche. Das ist unser gemeinsames Erbe.

...

In der BRD hat viel später als in der DDR die Aufarbeitung über den Nazionalsozialismus begonnen, bei uns ist ganz klar verdrängt worden – aufbauen, anschaffen, vergessen. Der „fröhliche Aufbau“ als ob nie was gewesen wäre. Das ist das große Verdienst der 68er, sie haben angefangen ihre „Väter“ anzuschreien, sie haben angefangen das Gras raus zu reißen, das über die NS-Zeit wachsen sollte, sie haben die Erde umgewühlt- Gott sei Dank!

...

Ich hatte das große Glück, dass meine Mutter ein unerschöpflicher Quell an Erzählung war über die Nazizeit war, sie war junge Frau und Krankenschwester damals - was die erlebt haben in den Lazaretten, mit 17, 18 Jahre.... Im Bombenhagel.
Und sie hatte den Bücherschrank voll mit „Widerstandsliteratur“, die ich als Jugendliche verschlungen habe – und habe Schuld empfunden! Ich!




Liebe Barbara,

alles was ich hier schreibe, ist meine ganz persönliche Wahrnehmung, Erinnerung und Meinung, die nicht immer mit der Meinung der hier im Forum vertretenen „Ehemaligen“ übereinstimmen muss. Und manchmal vermischt sich einiges, weil ich spätestens seit 1975 engen persönlichen (keinen verwandtschaftlichen) Kontakt zu den „westdeutschen Brüdern und Schwestern“ hatte. Zusätzlich kommt hinzu, dass ich seit seit über 5 Jahren mit einem Rheinländer zusammenlebe und es sich fast täglich irgendeine Erinnerung an die Zeit zwischen 1958 und 1989 meldet. Ob es Musik, Bücher, Filme, Fernsehsendungen, Politiker etc. sind, oder bei ganz profanen Dingen, wenn z.B. meinem Rheinländer das Essen zu heiß ist und ich ihm scherzhaft in Erinnerung rufe, dass ich bis 1989 über einer offenen Feuerstelle gekocht habe.

Mag sein, dass bei uns in der ehemaligen DDR die Aufarbeitung mit dem Nationalsozialismus früher begonnen hat. Doch ich vermute stark, dass es auch heute noch Aufklärungsbedarf gibt, oder anders: auch in der DDR sind braune Flecken weiß übertüncht worden.

http://www.sz-online.de/nachrichten/wie-...hten-95706.html

Fakt ist jedoch, dass fast jeder während seiner Schulzeit ein Konzentrationslager besucht hat. Jeder hat im Rahmen des Literaturunterrichtes Anna Seghers „Siebte Kreuz“ gelesen. Von entsprechenden Fernseh- und Kinofilmen ganz zu schweigen. Nicht selten hat man persönliche Bekanntschaft mit einem Opfer des Nationalsozialismus gemacht. Ich habe zum Beispiel den Sohn von Hans und Hilde Coppi, Mitgliedern der Roten Kapelle, kennen gelernt, der nach der Verhaftung seiner Eltern in einem Berliner Frauengefängnis geboren und seine Eltern nie kennen gelernt hat.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Kapelle

Bei all diesen Gelegenheiten und auch bei der ganz persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Familie, habe ich nie das Gefühl der Schuld gehabt. Erbe ja, mit dem man verantwortungsvoll umgehen muss.

In der gleichen Zeit, in der ich diese Erfahrungen gemacht habe, ist das Ziel bundesdeutschen Schüler Berlin gewesen. Die „Mauer“ war das Ziel der Schülerfahrten, die staatlich subventioniert worden sind.

http://www.schulzeitreisen.de/?p=632

Fast alle hier im Forum sind nach 1945 geboren. Unsere Kinder und Enkelkinder werden uns nicht danach fragen, was haben wir in der Zeit des Nationalsozialismus getan, sondern in unserem Leben nach der Teilung Deutschlands, als Ergebnis des 2. Weltkrieges. Das ist unsere Verantwortung. Und da fallen die Antworten in Ost und West immer noch sehr unterschiedlich aus. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Last der Verantwortung ausschließlich bei den Ostdeutschen liegt.

Und wenn ich die Westpakete mit böser Zunge bewerten würde, so sind sie gut gemeinte persönliche Gaben gewesen, die steuermindernd geltend gemacht werden konnten und dem Staat DDR indirekt bei der Verklärung der Mangelwirtschaft unterstützt haben.

Nicht auszudenken, wenn der Kaffeedurst zur Wende geführt hätte. Jedenfalls wäre mir die Kaffeebohne als Wendesymbol viel lieber gewesen als die Banane.

Ganz liebe Grüße aus dem tief verschneiten Berlin von der grenzgaengerin

Ich habe einige Links rausgesucht, die ich leider kappen musste, weil nur 3 Verlinkungen zulässig sind


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#104

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 10.03.2013 17:42
von SEG15D | 1.119 Beiträge

Mädels, ich hab schon Pippi in den Augen...
Es ist eine Freude, Euch zu lesen und das Aufeinanderzugehen zu sehen.
Ich hab Euren Dialog nur aus einem Grund unterbrochen...das mal loszuwerden!
Absolut niveauvolle Kommunikation, Respekt!
Sorry für die Unterbrechung,

SEG15D



Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#105

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 10.03.2013 22:53
von Barbara (gelöscht)
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Was bist du ein Lieber! Dankeschön!

Ich kann zwar nicht für Grenzgängerin sprechen, aber unser Dialog wird nicht unterbrochen, auch wenn andere etwas beitragen - ist doch super! Zumal nicht durch eine solch nette Bemerkung! Das sieht sie bestimmt auch so.


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#106

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 10.03.2013 23:16
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #105
Was bist du ein Lieber! Dankeschön!

Ich kann zwar nicht für Grenzgängerin sprechen, aber unser Dialog wird nicht unterbrochen, auch wenn andere etwas beitragen - ist doch super! Zumal nicht durch eine solch nette Bemerkung! Das sieht sie bestimmt auch so.


Doch Du kannst

Ich sehe das genauso. Außerdem soll es ja kein Frauenkränzchen werden

LG von der grenzgaengerin


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#107

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 10.03.2013 23:58
von Barbara (gelöscht)
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Liebe Grenzgängerin,

ihr habt Schnee in Berlin???????

Und: du hast einen Rheinländer!!! Bitte richte mal einen ganz herzlichen „rheinischen“ Gruß aus :-)

Du sagst: Doch ich vermute stark, dass es auch heute noch Aufklärungsbedarf gibt, oder anders: auch in der DDR sind braune Flecken weiß übertüncht worden.
Da bin ich ganz deiner Meinung! Auch vor allem bei dem Folgenden:

Unsere Kinder und Enkelkinder werden uns nicht danach fragen, was haben wir in der Zeit des Nationalsozialismus getan, sondern in unserem Leben nach der Teilung Deutschlands, als Ergebnis des 2. Weltkrieges. Das ist unsere Verantwortung. Und da fallen die Antworten in Ost und West immer noch sehr unterschiedlich aus.
Wir müssen auch über die Zeit der Zweistaatlichkeit sprechen, denn 40 Jahre sind ja keine Pappenstil! Für unsere Kinder ist das ja schon tiefste Vergangenheit.....

Ich habe mich selbst sehr selbstkritisch gefragt, ob ich mit meiner eigenen Tochter darüber gesprochen habe – zu wenig! Ich habe sie deshalb neulich angesprochen, sie gefragt ob sie weiß, ob Bekannte/Freunde/ehem. Kommilitonen mit Wurzeln (Eltern, Großeltern) in der ehemaligen DDR haben – sie wusste es nicht. Mit einer Ausnahme: sie erzählte bei einem Konzertbesuch vor kurzem sei ein neues Mädchen dabei gewesen, die sich bewusst als „aus dem Osten kommend“ vorstellte. Sie haben einfach zusammen „Party gemacht“. Wahrscheinlich ist die junge Generation einfach weiter, hat sich längst „räumlich“ und „mental“ gemischt, definiert sich nicht mehr in Ost/West, sind mit ihren heutigen Themen beschäftigt. Wie ist das bei deinen Kindern?
Ich habe mir vorgenommen, demnächst mit den jungen Leuten, die in „meinem Zugriff“ liegen (ich habe einen guten Draht zu den Freunden meiner Tochter) über die jüngere deutsche Geschichte zu sprechen. Vielleicht ist das auch hier ein eigenes Thema wert, wieviel und wie wir mit unseren Kindern darüber sprechen/gesprochen haben, was meinst du? Wie sie sich fühlen damit? Oder gibt es das Thema wohlmöglich schon und wir können es aktivieren? Weiß das jemand?

Das obige hat auch mit deinem folgenden Satz zu tun:
Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Last der Verantwortung ausschließlich bei den Ostdeutschen liegt.

In vielerlei Hinsicht – Ja! Ich habe da inzwischen für mich einiges begriffen......

Und wenn ich die Westpakete mit böser Zunge bewerten würde, so sind sie gut gemeinte persönliche Gaben gewesen, die steuermindernd geltend gemacht werden konnten und dem Staat DDR indirekt bei der Verklärung der Mangelwirtschaft unterstützt haben.

Da du ja auch eine „liebe Zunge“ hast – meine Mama ist damit nicht gemeint oder? :-)

Es war in vielen Fällen ganz sicher auch einfach nur gut gemeint. Übrigens dieses „sich helfen und unterstützen“ (es waren ja noch die schwierigen Zeiten – auch bei uns!) - gab es auch innerhalb der BRD, wir haben immer von meiner Oma bekommen, weil das Geld hinten und vorne nicht gereicht hat. Ich habe ihre Päckchen geliebt!


Nochmal das Thema Nationalsozialismus:
Doch, da war die Aufarbeitung in der DDR früher als die BRD, ich glaube, dass ich das inzwischen beurteilen kann.
Was du schreibst, Besuch in Nazi-Gedenkstätten mit der Schulklasse gab es nicht bei uns, jedenfalls nicht zu meiner Zeit, das mag sich nachher geändert haben.

Aber ich möchte gerne mal wieder eine kleine Geschichte erzählen aus meinem Urlaub im letzten Jahr. Ich war ja auch im schönen Weimar, du hast bestimmt mein „Kutscher-Erlebnis“ im Eingangsbeitrag gelesen. Ich war 2 ½ Tage dort, habe mich ganz in die Klassik versenkt und diese Atmosphäre, die man dort wie ich finde „spüren“ kann, und war hin und weg! Ich habe bewusst Buchenwald ausgespart, weil ich auf Grund der wenigen Zeit die ich hatte, nicht so eine touristische Stipp-Visite dort machen wollte, das ist des Ortes nicht würdig. Dafür habe ich mir, sobald ich das nächste Mal in Weimar sein werde, richtig Zeit vorgenommen.
Und nach Weimar werde ich ganz sicher wieder fahren, das ist klar! ----

An meinem Abreisetag habe ich mich zeitlich ein bisschen verhaspelt und musste ein Taxi nach Erfurt nehmen, um meinen IC dort noch zu erreichen.
Der Taxifahrer war ein ca. 40jähriger Mann, so typ Ohrringe und Lederweste. Wir sind auf die Landstraße nach Erfurt, die ja in einem weiten Bogen um den Ettersberg herumführt, der ist die ganze Zeit sichtbar. Ich fragte den Mann danach und er fing an zu erzählen ... Ich habe gefragt und gefragt, er beschrieb mir wie es dort aussieht, dass er mehrmals dort war, mit der Schule, mit der Jugendgruppe. Er kannte jedes Detail, beschrieb mir die Straße, die hinaufführt, erzählte von der Qual der Häftlinge – mit anderen Worten – ich hatte eine ganz eigene Art von „Führung“, durch die Augen eines Landsmanns, durch seine Worte. Er hielt schließlich am Straßenrand an, und da standen wir beiden zusammen und haben auf den Ettersberg geschaut, auf diesen großen Turm, der weithin sichtbar ist... Der Ossi und die Wessi, zwei sich eigentlich Unbekannte, zwei Deutsche beim Blick auf die gemeinsame Geschichte. Es war eine schöne und sehr berührende Situation.

Und dann fuhr er mich nach Erfurt, zum Bahnhofsvorplatz und ich lese „Willy Brandt ans Fenster“ und habe an meinen Lieblingskanzler gedacht.
Für Erfurt hatte ich leider gar keine Zeit, aber das steht auch auf meinem Reiseplan!
Ich habe so schöne Erfahrungen gemacht auf meiner Reise!


Bei deinem Kaffee-Bohnen-Vorschlag habe ich schallend gelacht ;-) Klasse Idee! Vielleicht sollten wir manches inzwischen einfach mit Humor nehmen?
Gibt es das als Thema eigentlich schon? Humor Ost/West?

Mit lieben Grüßen von West nach Ost!
Barbara


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#108

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 08:59
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liebe Barbara,

Ja, ganz viel Schnee,
schneebedeckte Dachfenster,
Rotwein bei Kerzenschein,
Könnte fast Weihnachten sein.
(Sonntagnacht 0.30 Uhr)

Bin zwar kein Goethe, aber Erfurt, Weimar und Ettersberg lassen einen in sich gehen. Diese 3 Orte sind eigentlich Sinnbild unserer Geschichte. Weimar mit unserer Klassik, auf die wir unendlich stolz sind, Buchenwald, dass uns wegen der Verbrechen Deutschlands nie mehr loslassen wird und Erfurt als ein Beginn des Aufeinanderzugehens der Deutschen nach Jahren der Sprachlosigkeit.

Ich war mehrere Male in Buchenwald. Das letzte Mal ist zwar schon Jahrzehnte her, doch es ist eine erschütternde Erinnerung, Ich war dort als Dolmetscherin mit einer sowjetische Jugenddelegation. Das war mein schwerster Einsatz überhaupt. Den Rundgang habe ich gerade noch so überstanden. Doch dann sollte ein Film vorgeführt werden, der leider nicht in russischer Sprache vorlag. Also sollte ich synchron übersetzen. Die ersten Minuten habe ich noch geschafft. Doch dann haben mich die Bilder überwältigt. Ich habe kein Wort mehr raus gebracht. Nach Ende dieses Filmes herrschte Totenstille. Keiner wagte aufzustehen und einfach wieder an den zu dem Zeitpunkt sonnigen Frühlingstag zur Tagesordnung über zu gehen. Ich weiß nicht mehr wie lange es gedauert hat. Am Abend nahm mich der Delegationsleiter zur Seite und sagte mir: „Du. bist die beste Dolmetscherin. Du weißt ganz genau, wann Worte überflüssig sind.“

Als 2 Jahre später die Holocaust – Filme im deutschen Fernsehen gezeigt wurden und eine regelrechte mediale Hysterie losbrach, habe ich nur den Kopf geschüttelt. Was für ein Aufwand. Man muss keine Filme drehen. Man muss der Realität ins Auge blicken und vorhandene Orte und Dokumente nutzen. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass Ost und West außer der Grenze noch mehr trennt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%...r_Familie_Weiss

Irgendwie habe ich im Moment keinen Nerv mehr weiter zu schreiben. Ich muss mich erst mal wieder ins heute zurückholen.

LG von der grenzgaengerin


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#109

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 15:02
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liebe Barbara,

ich will das vorhergehende Thema nicht „zerschreiben“. Nur soviel. Beim Schreiben habe mich erinnert, dass das Thema Nationalsozialismus beim Zusammentreffen von mir und meinen westdeutschen Brüdern und Schwestern sich irgendwann immer wieder in den Mittelpunkt von Gesprächen gedrängt hat und ich erstaunt war, wie oberflächlich das Wissen war. Bitte verstehe das nicht als Vorwurf, aber manchmal habe ich den Eindruck gehabt, dass das Thema bei manchen einfach nur „in oder hip“ und eine sehr großen Distanz zu spüren war – im Sinne: Gut das wir darüber geredet haben. Das war in den 70-ern.

Das Gefühl hat sich bei mir bis heute nicht wesentlich geändert. Durch die Medien sind wir alle aufgeklärt über Hitler, seine Helfer, seine Architekten, seine Generäle, seine Ärzte. Fehlt nur noch Hitler und seine Hühneraugen. Bitte verzeih mir bitte an dieser Stelle meinen Zynismus. Doch wenn es um konkrete Einzelfälle von Opfern geht, ob in der Vergangenheit oder die Opfer der NSU – Gruppe, dann geht ein großer Aufschrei durch die Internetforen, dass man das alles nicht so dramatisieren soll. Und das ist gelinde gesagt, von mir höflich umschrieben. Wenn Du mal Zeit hast wurstel Dich mal durch die Kommentare zu Artikeln über die NSU – Gruppe durch. Als Beispiel habe ich einen Link zur ZEIT rein gestellt. Die krassesten Aussagen hat die ZEIT gelöscht.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc...tart=1#comments

Meine Gedanken sind heute der Spur nach gegangen, warum das so ist. Bei der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte ist man in Deutschland sehr um Sachlichkeit bemüht. Das ist ja auch richtig. In der Diskussion jedoch fehlt den Deutschen sowohl Respekt als auch Empathie. Die Frage ist, woran das liegt. Was die Geschichte der DDR betrifft, ist sie auf DDR und Stasi reduziert. Das polarisiert zusätzlich.

Liebe Barbara,

Jetzt hat Dich wieder die ganze Wucht getroffen. Doch jetzt kommt das Trostpflaster. Es gibt auch eine ganze Menschen, die neugierig, offen und selbst reflektierend an die Sache ran gehen. Diese zu treffen ist fast wie ein 5-er im Lotto. Und so ein Gewinn bist Du.

Und ich denke, wir Frauen packen das schon. Und ich verspreche, mein Bericht über meine Kinder wird eine Portion Humor enthalten.

LG von der heute leicht rebellischen grenzgaengerin

PS Deiner Mutter ist verziehen


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#110

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 16:00
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

@grenzgaengerin
Beschäftige dich mal mit dem Thema NSU, dann verstehst Du auch die Kommentare. Hier brauchen wir keine Empathie für Opfer, sondern eine Grundreinigung im Geheimdienstmilieu. Da stinkt es gewaltig nach Staatsterrorismus.
Die rechte Szene in Deutschland wird finanziert und gelenkt vom Verfassungsschutz, um das derzeitige System aufrecht zu erhalten. Es geht hier um die Diskreditierung von Menschen, die noch national denken und die Faxen dick haben von Multi-Kulti , dem Ausverkauf und der Islamisierung Deutschlands.
In einem normalen Land sagt man dazu Patrioten , in Deutschland sind es Nazis.
Nach dem WK2 wurden fast alle Minderheiten in Europa vertrieben und Millionen Menschen umgesiedelt, mit der Begründung in Zukunft jegliche Konflikte zwischen nationalen Minderheiten zu vermeiden. Heute besteht die europäische Politik darin , nationale Identitäten und Traditionen zu zerstören. Mischi-Maschi-Multi-Kulti ist der Zeitgeist. Nur ist unseren Feministinnen und grün-linken Verfechtern des bunten Lebens, anscheinend nicht bewusst , das sie in Zukunft die ersten Opfer ihrer eigenen Politik sein werden.


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#111

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 16:14
von damals wars | 12.113 Beiträge

Die deuschen Nationalen sind der Empathie für die Opfer der NSU total unverdächtig.

Und das nationale Deutschland ist multi- kulti durch und durch.
Merkt man schon an den Sprachunterschieden.
Und an der Kleidung der Volkstanzgruppen.
Da haben sich Ost und West nicht unterschieden.

Und selbst der nationalste Deutsche holt seinen Döner beim Türken


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#112

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 17:32
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #110
Mischi-Maschi-Multi-Kulti ist der Zeitgeist.


Hallo Eisenacher,

nur eine Verständnisfrage. In welche Richtung soll ich jetzt denken, wenn ich davon ausgehe, dass Du dich verschrieben hast bei der schönen M-Reihe.

l = t, oder
lt = sch

LG von der grenzgaengerin


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#113

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 18:31
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #109
Liebe Barbara,

ich will das vorhergehende Thema nicht „zerschreiben“. Nur soviel. Beim Schreiben habe mich erinnert, dass das Thema Nationalsozialismus beim Zusammentreffen von mir und meinen westdeutschen Brüdern und Schwestern sich irgendwann immer wieder in den Mittelpunkt von Gesprächen gedrängt hat und ich erstaunt war, wie oberflächlich das Wissen war. Bitte verstehe das nicht als Vorwurf, aber manchmal habe ich den Eindruck gehabt, dass das Thema bei manchen einfach nur „in oder hip“ und eine sehr großen Distanz zu spüren war – im Sinne: Gut das wir darüber geredet haben. Das war in den 70-ern.

Das Gefühl hat sich bei mir bis heute nicht wesentlich geändert. Durch die Medien sind wir alle aufgeklärt über Hitler, seine Helfer, seine Architekten, seine Generäle, seine Ärzte. Fehlt nur noch Hitler und seine Hühneraugen. Bitte verzeih mir bitte an dieser Stelle meinen Zynismus. Doch wenn es um konkrete Einzelfälle von Opfern geht, ob in der Vergangenheit oder die Opfer der NSU – Gruppe, dann geht ein großer Aufschrei durch die Internetforen, dass man das alles nicht so dramatisieren soll. Und das ist gelinde gesagt, von mir höflich umschrieben. Wenn Du mal Zeit hast wurstel Dich mal durch die Kommentare zu Artikeln über die NSU – Gruppe durch. Als Beispiel habe ich einen Link zur ZEIT rein gestellt. Die krassesten Aussagen hat die ZEIT gelöscht.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc...tart=1#comments

Meine Gedanken sind heute der Spur nach gegangen, warum das so ist. Bei der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte ist man in Deutschland sehr um Sachlichkeit bemüht. Das ist ja auch richtig. In der Diskussion jedoch fehlt den Deutschen sowohl Respekt als auch Empathie. Die Frage ist, woran das liegt. Was die Geschichte der DDR betrifft, ist sie auf DDR und Stasi reduziert. Das polarisiert zusätzlich.

Liebe Barbara,

Jetzt hat Dich wieder die ganze Wucht getroffen. Doch jetzt kommt das Trostpflaster. Es gibt auch eine ganze Menschen, die neugierig, offen und selbst reflektierend an die Sache ran gehen. Diese zu treffen ist fast wie ein 5-er im Lotto. Und so ein Gewinn bist Du.

Und ich denke, wir Frauen packen das schon. Und ich verspreche, mein Bericht über meine Kinder wird eine Portion Humor enthalten.

LG von der heute leicht rebellischen grenzgaengerin

PS Deiner Mutter ist verziehen




Liebe Grenzgängerin,

ich sagte ja oben schon:
ich bin hier sowohl als "stellvertretender" Wessi als auch als Individuum Barbara, die in der Bundesrepublik Deutschland 1955 geboren wurde.
Solange man mich nicht persönlich unsachlich angreift - was du nicht tust - nur zu, her mit dem ganzen Ärger :-) Denn ich lese sowohl deine, als auch die Aussagen anderer immer im Hinblick auf den inhaltlichen Kern - und der ist aller meistens - bei dir auf jeden Fall! für mich informativ!
So kann ich deine "rebellisch sein" nicht nur annehmen sondern auch verstehen.

Ich habe allerdings nicht ein so ganz schlechtes Bild über die ehemaligen BRD-Bürger bzgl. des Umgangs mit dem Nationalsozialismus. Zwar habe ich selbst viel Kritisches hierzu angemerkt, aber es fand dennoch auch "bei uns" ernsthafte und tiefgehende Auseinandersetzung mit diesem Thema statt.
Ich für meine Person kann das sagen, ebenso für meine Freunde und auch Literatur und Medien waren nicht nur oberflächlich und es war nicht nur Zeitgeist gesteuert. Und meine/unsere Informationen wurden auch nicht nur "Hollywood-gespeist". Aber das weißt du ja.

Den Zeit-Artikel lese ich gerne.
Der reflexhafte Aufschrei von wegen vermeintlicher "Dramatisierung" - haben wir etwas anderes erwartet? Ich nicht.
Es fällt ein "Schlagwort" und eine ganze Gruppe fühlt sich plötzlich bedroht oder diskreditiert. Es gibt großes Geschrei, bis die nächste thematische Woge sich aufbläht....

Dabei geht es um eine schlichte Wahrheit:
die NSU-Gruppe hat Menschen umgebracht und das vor einem rechten Hintergrund!
Da ist die Rechtsprechung gefragt und die bürgerschaftliche Debatte!

Die Spalten, die die NS-Zeit in unserer Geschichte getrieben hat sind ganz tief (siehe meine Beiträge von weiter oben), und noch lange nicht geschlossen.

Meine Gedanken sind heute der Spur nach gegangen, warum das so ist. Bei der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte ist man in Deutschland sehr um Sachlichkeit bemüht. Das ist ja auch richtig. In der Diskussion jedoch fehlt den Deutschen sowohl Respekt als auch Empathie. Die Frage ist, woran das liegt. Was die Geschichte der DDR betrifft, ist sie auf DDR und Stasi reduziert. Das polarisiert zusätzlich

Sachlichkeit ist sehr sehr gut! bei allem!

Respekt und Empathie - du sprichst mir aus der Seele! (Ein grundsätzliches Thema! Auch außerhalb des Ost/est-Themas.)
Ich habe mich das auch gefragt - im Hinblick auf Ost/West - bin deshalb hier Mitglied geworden, weil ich mich der Einschätzung "arroganter und ignoranter Wessi" stellen wollte. Ich habe diesbezüglich schon sehr sehr viel verstanden.

Es ist m.E. grundlegend wichtig, um "unserem Verhältnis" auf den Grund zu gehen zu verstehen:
was ist "Klage" an"Staat, Behörde, Obrigkeit" mit all den dazugehörigen Kritikpunkten (gibt es sehr viel Threads hier dazu, > Thema Treuhand und und und)
was ist "Klage" an mangelnder Mit-Menschlichkeit, Verständnis, Allein-Gelassen-werden - welche Wessis sind das? Bekannte? Arbeitskollegen? Sportverein? Zufällige Begegnungen? - Hat sich das in den 23 Jahren nach der Wende verändert? Oder ist es genau so wie 89/90?

Hier kommen wir in den "Bereich der subjektiven Wahrnehmung" - das ist die, die mich vor allem interessiert.
Wer fühlt sich wie nicht verstanden und warum? Und wie kann man das so artikulieren, dass es ein Aufhorchen dort gibt wo es hingehört - im eigenen Umfeld und nicht in der "anonymen Wessi-Masse"?

Ich werde mir alle Mühe geben!

Barbara
Dein Fünfer :-) danke dafür.......


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#114

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 18:54
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #110
@grenzgaengerin
Beschäftige dich mal mit dem Thema NSU, dann verstehst Du auch die Kommentare. Hier brauchen wir keine Empathie für Opfer, sondern eine Grundreinigung im Geheimdienstmilieu. Da stinkt es gewaltig nach Staatsterrorismus.
Die rechte Szene in Deutschland wird finanziert und gelenkt vom Verfassungsschutz, um das derzeitige System aufrecht zu erhalten. Es geht hier um die Diskreditierung von Menschen, die noch national denken und die Faxen dick haben von Multi-Kulti , dem Ausverkauf und der Islamisierung Deutschlands.
In einem normalen Land sagt man dazu Patrioten , in Deutschland sind es Nazis.
Nach dem WK2 wurden fast alle Minderheiten in Europa vertrieben und Millionen Menschen umgesiedelt, mit der Begründung in Zukunft jegliche Konflikte zwischen nationalen Minderheiten zu vermeiden. Heute besteht die europäische Politik darin , nationale Identitäten und Traditionen zu zerstören. Mischi-Maschi-Multi-Kulti ist der Zeitgeist. Nur ist unseren Feministinnen und grün-linken Verfechtern des bunten Lebens, anscheinend nicht bewusst , das sie in Zukunft die ersten Opfer ihrer eigenen Politik sein werden.



Vor dem 2. Weltkrieg gab es eine sehr gründliche Umsiedlung durch Hitlerdeutschland. Fakt?

Das musst du bitte erklären
Wer hat nach dem 2. WK fast alle Minderheiten (welche?) in (du meinst "aus"?) Europa vertrieben mit der Begründung...usw.

Die Nationalstaatlichkeit Deutschlands war ja historisch, wie wir wissen, ein mühsames Geschäft. Das "Deutsche Nationalgefühl" ist also im Vergleich zu anderen Staaten also relativ jung.
Meine Frage ist: was wollen wir und aus welchem Grund verteidigen oder was ist in Gefahr?
Ich habe ja in meinem Vorstellungsthread diese Frage, was ist Nationalität , wie fühlen wir? schonmal nachgefragt.
Du hast auch damals schon mal diese Überfremdungsangst formuliert. Tatsache ist aber, dass wir längst Multi-Kulti sind. Das wir das rückgängig machen könnten ist genau so unrealistisch wie die Zweistaatlichkeit D's wieder herzustellen. Hast du ganz persönlich für dich Angst vor einem Verlust der "deutschen" Identität? Ich bin inzwischen der Meinung, wir dürfen "national" fühlen - ich möchte aber - auf Grund unserer Geschichte - mit dir und den anderen hier besprechen, was mit "national" gemeint ist.
Menschen, die andere (physisch) totschlagen mit einem "nationalen Argument" - können wir uns mit denen identifizieren - National? Hier gilt es sich doch zu distanzieren!


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#115

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 19:09
von Moskwitschka (gelöscht)
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Liebe Barbara,

mir ist gerade so durch den Kopf gegangen, dass wenn wir uns zufällig irgendwo getroffen hätten, wir uns über alles mögliche unterhalten hätten, aber nicht über "Trennendes".

Aber ich mache gern die "Ossi". Da kann man sich so gut blöd stellen.

LG von der grenzgaengerin


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#116

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 11.03.2013 19:43
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #115
Liebe Barbara,

mir ist gerade so durch den Kopf gegangen, dass wenn wir uns zufällig irgendwo getroffen hätten, wir uns über alles mögliche unterhalten hätten, aber nicht über "Trennendes".

Aber ich mache gern die "Ossi". Da kann man sich so gut blöd stellen.

LG von der grenzgaengerin






Liebe Grenzgängerin,

das glaube ich auch!
Weg mit dem Trennenden - wir brauchen das gar nicht mehr!

Eins muss ich dir jedoch streitig machen: ich bin hier doch die "dumme " Wessi :-)))

Ganz herzliche Grüße vom Rhein!
Barbara


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#117

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 12.03.2013 03:29
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #113


Respekt und Empathie - du sprichst mir aus der Seele! (Ein grundsätzliches Thema! Auch außerhalb des Ost/est-Themas.)
Ich habe mich das auch gefragt - im Hinblick auf Ost/West - bin deshalb hier Mitglied geworden, weil ich mich der Einschätzung "arroganter und ignoranter Wessi" stellen wollte. Ich habe diesbezüglich schon sehr sehr viel verstanden.




Liebe Barbara,

erst einmal grundsätzlich. Arroganz und Ignoranz ist nicht vom Geburtsort abhängig. Und der arrogante und ignorante Wessi aus der Wendezeit ist schon längst weitergezogen. Den findest Du um Beispiel im Aufsichtsrat der Bahn AG, wenn für den Weiterbau von Stuttgart 21 gestimmt wird. Oder in der CSU, die glaube noch nicht Ost unterwandert ist, wenn auf Teufel komm raus das Betreuungsgeld durchgedrückt wird.

Und zum ignoranten Wessi ist der ignorante Ossi dazugekommen und die sitzen heute in Berlin im Bundespräsidialamt und im Bundeskanzleramt.

An der Stelle holt uns unsere Wendegeschichte wieder ein. Für mich gab es damals einen entscheidenden Wendepunkt, an dem für mich die Messen gelesen waren. Das war im Januar 1990, als der Zentrale Runde Tisch zugestimmt hat, dass im Wahlkampf für die Wahlen im März 1990 die finanzielle und personelle Unterstützung der Schwesternparteien für die Blockparteien der DDR zugelassen wird. Die Ost – CDU und der Ost -FDP haben im Zuge dessen von ihren Schwestern aus den Westen den Persilschein erhalten und gemeinsam haben sie dann im Wahlkampf das neue Feindbild auf den Thron gehoben.

In der Zeit wurden auch die Weichen für die Geschichtsaufarbeitung gestellt. Es wurden einerseits Schwerpunkte gesetzt und von den medialen Scheinwerfern so ausgeleuchtet, dass man links und rechts gar nichts mehr sehen konnte, und anderseits ist bei anderen Themen so viel Bühnennebel eingesetzt worden, dass als der verflogen war, vom Thema nichts mehr zu sehen war. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Und das Ergebnis hat mich einmal selbst überrascht: Bei einem Biergartengespräch in Stuttgart mit einem Rheinländer im Wahlsommer 2005. Nach zwei kühlen Feierabendbier kam man zur Politik. „Sind sie nicht stolz, dass Frau Merkel Kanzlerkandidatin ist? Eine Frau? Und noch dazu aus dem Osten?“, fragte er mich. Ein Moment war ich sprachlos. Doch dann erwachte meine Berliner Schlagfertigkeit: „Und Sie? Sind Sie nicht auch stolz, dass Herr Schröder Kanzler ist? Ein Mann? Aus dem Westen?“. Das Gespräch brach sofort ab und jeder ging seiner Wege. Erkläre mal einem Rheinländer beim Bier, warum man was gegen diese ostdeutsche Kandidatin hat. Zumal ich mich beim Genuss des erfrischendes Getränks vom „gegen den Strom schwimmen“ erholen wollte.

So das muss als Futter für dieses Mal reichen. Links werden heute nicht mitgeliefert, weil es sehr mühsam ist, aussagefähige Quellen aus der Wendezeit zu finden. Ich muss mir einfach angewöhnen Links zu speichern.

LG von der schon ausgeschlafenen grenzgaengerin

PS Ich habe es irgendwie mit den Rheinländern. Aber der hier zitierte ist nicht der, dem mein Essen zu heiß ist.


zuletzt bearbeitet 12.03.2013 03:31 | nach oben springen

#118

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 12.03.2013 04:10
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #108
Liebe Barbara,

Ja, ganz viel Schnee,
schneebedeckte Dachfenster,
Rotwein bei Kerzenschein,
Könnte fast Weihnachten sein.
(Sonntagnacht 0.30 Uhr)

Bin zwar kein Goethe, aber Erfurt, Weimar und Ettersberg lassen einen in sich gehen. Diese 3 Orte sind eigentlich Sinnbild unserer Geschichte. Weimar mit unserer Klassik, auf die wir unendlich stolz sind, Buchenwald, dass uns wegen der Verbrechen Deutschlands nie mehr loslassen wird und Erfurt als ein Beginn des Aufeinanderzugehens der Deutschen nach Jahren der Sprachlosigkeit.

Ich war mehrere Male in Buchenwald. Das letzte Mal ist zwar schon Jahrzehnte her, doch es ist eine erschütternde Erinnerung, Ich war dort als Dolmetscherin mit einer sowjetische Jugenddelegation. Das war mein schwerster Einsatz überhaupt. Den Rundgang habe ich gerade noch so überstanden. Doch dann sollte ein Film vorgeführt werden, der leider nicht in russischer Sprache vorlag. Also sollte ich synchron übersetzen. Die ersten Minuten habe ich noch geschafft. Doch dann haben mich die Bilder überwältigt. Ich habe kein Wort mehr raus gebracht. Nach Ende dieses Filmes herrschte Totenstille. Keiner wagte aufzustehen und einfach wieder an den zu dem Zeitpunkt sonnigen Frühlingstag zur Tagesordnung über zu gehen. Ich weiß nicht mehr wie lange es gedauert hat. Am Abend nahm mich der Delegationsleiter zur Seite und sagte mir: „Du. bist die beste Dolmetscherin. Du weißt ganz genau, wann Worte überflüssig sind.“

Als 2 Jahre später die Holocaust – Filme im deutschen Fernsehen gezeigt wurden und eine regelrechte mediale Hysterie losbrach, habe ich nur den Kopf geschüttelt. Was für ein Aufwand. Man muss keine Filme drehen. Man muss der Realität ins Auge blicken und vorhandene Orte und Dokumente nutzen. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass Ost und West außer der Grenze noch mehr trennt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%...r_Familie_Weiss

Irgendwie habe ich im Moment keinen Nerv mehr weiter zu schreiben. Ich muss mich erst mal wieder ins heute zurückholen.

LG von der grenzgaengerin

Du hast die Gräueltaten und den sowjetischen Terror auf dem Ettersberg zwischen 1945und 1950 vergessen zu erwähnen.
Sagt dir ein ex Erfurter und heutiger Rheinländer da kann man auch sehr traurig werden


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 12.03.2013 04:16 | nach oben springen

#119

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 12.03.2013 07:20
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #118

Du hast die Gräueltaten und den sowjetischen Terror auf dem Ettersberg zwischen 1945und 1950 vergessen zu erwähnen.
Sagt dir ein ex Erfurter und heutiger Rheinländer da kann man auch sehr traurig werden



Ach, mein lieber Gert,

warum bringst Du Dich dann nicht als Ex - Erfurter mit einem ausführlichen Zeitzeugenbericht ein? Eine bessere Quelle kann es gar nicht geben. Ganz besonders interessiert mich, wie das heute von den Erfurtern eingeordnet wird, denn zu DDR - Zeiten war da grosses Schweigen. Du hast doch bestimmt noch Kontakte zu der Gegend?

LG von der

Auch warte ich noch auf eine Antwort von Dir auf meine Frage im Frauentagsthread.


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#120

RE: West-Ost-Gedanken 1958 bis 1989

in DDR Zeiten 12.03.2013 08:23
von ddr-bürger (gelöscht)
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Hallo Mädels,

Zu der Frage wie sehen das Erfurter im Bezug auf Buchenwald die sowj. Lagerzeiten?

Ich bin aus der Nähe von Eisenach und kenne Erfurt, Weimar und auch Buchenwald sehr gut. meine Mutter hat in Weimar bis 1945 gearbeitet. Jeder Bürger wußte von der Existenz des Lagers, keiner hat darüber aus Angst geredet. Es gab auch einen Beitrag im MDR welche Firmen in Weimar direkt an dem KZ verdient haben, das waren nicht nur Nazis. Wie sagt man so schön "Geld stinkt nicht". Als die Amis Buchenwald befreit haben waren die Bilder so krass, das man die Bürger von Weimar zwangsweise durch das Lager geführt hat. In meiner Jugend war ich im Rahmen der Jugendweiheveranstaltungen auch dort (Jahrgang 1956), ich habe noch die Filme über das lager in der "ungekürzten" Form gesehen, Berge von Leichen....
Während der DDR war das Thema sowj. Straflager auch ein Tabu, man Denke an solche Leute wie den Vater von Götz George und viele andere die dort ihr Leben ließen. Mein Vater war Offz. der deutschen Wehrmacht und hat sich noch versteckt, aus Sorge als "Werwolf" in ein solches Lager zu kommen.
Bei der Beurteilung dieser Menschenrechtsverletzung durch die Sowjetbesatzung habe ich persönlich durch die Kentnisse der Vorgeschichte immer daran gedacht (und halte es noch heute so), wo soviel Hass erzeugt wurde, da ist die Reaktion kein Wunder. Wir sind hier in der DDR mit solchen Filmen wie "Die Abenteuer des Werner Holt", "Nackt unter Wölfen" aufgewachsen, das waren sehr schockierende Bilder, ich glaube da versteht man auch eher den entstandenen Hass der Sowjets. Ich denke der Jugend in der BRD sind solche Dinge weniger bewußt gemacht worden.

Mich stört am meisten heute, wenn über Opfer der KZ geredet wird, so sind das immer die Juden, wo bleibt die Gerechtigkeit für Kommunisten, das waren genauso Opfer?


Lebensläufer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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