#1

Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 04.03.2013 12:00
von Duck | 1.741 Beiträge

Ich weiß nicht ob dieser Fall schonmal ein Thema hier war, im Zusammenhang mit den Abriss der East-Side-Gallery und den Gedenken an die Maueropfer wurde in den Medien auch über Cetin Mert nochmal gesprochen. Cetin Mert war ein kleiner türkischer Junge der zu seinen fünften Geburtstag (1975) beim Ball spielen in der Spree (Gröbenufer) ertrunken ist. Das grauenvolle an der Sache war, die Spree gehört in diesem Bereich über die gesamte Breite zum Gebiet der DDR, die Eltern von Cetin waren nicht da, andere Westberliner Erwachsene haben sich nicht getraut zu helfen, da Grenzstreifen, Westberliner Rettungskräfte wollten ein Boot in die Spree lassen und haben keine Genehmigung erhalten,leider war Cetin Mert auch kein Einzelfall gewesen, er war das vierte Kind was innnerhalb von drei Jahren unweit der Oderbaumbrücke ertrunken ist.
Da ich ja nun selber Grenzer war habe ich mir offt selber die Frage gestellt wie hätte ich mich in dieser Situation verhalten, zum einem als Elternteil, zum anderen als Grenzer. Ich denke als Elternteil aber auch als außenstehender Erwachsener ich wäre ins Wasser gesprungen und hätte versucht das Kind zu retten, egal ob Sperrgebiet aber wie hätte man sich selber als Grenzer verhalten, einfach nur teilnahmslos zuschauen und beobachten wie das Kind vergeblich um sein Leben kämpft? Es stellt sich ja Jahre später heraus das ein Postenpaar den Fall beobachtet hatte aber angeblich keine Nachrichtenverbindung hatte, was in meinen Augen einfach nur eine faule Ausrede ware. Ich sag nur Hallo Berliner Grenze und keine Nachrichtenverbindung?? Obwohl ich selber Grenzer war aber solche Typen sind für mich wirklich das letzte. Wie sieht Ihr das, einige waren ja auch an der Berliner Grenze, hättet Ihr Euch anders verhalten?? Vielleicht kennt ja sogar einer diesen Postenbereich?


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#2

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 04.03.2013 17:18
von StabsfeldKoenig | 2.654 Beiträge

Völlig ausgeklammert wurde in dieser Diskussion die Verantwortung des Westberliner Senates (bzw. des Bezirksamtes) die kritischen Uferbereiche ausreichend sicher abzuzäunen.
Eine weitere Mitverantwortung liegt bei den Politikern, die die DDR nicht anerkannt haben und deswegen kein geeignetes Abkommen zur rechtzeitigen Einleitung von Rettungsmaßnahmen, Kommunikationsverbindungen (Rotes telefon zwischen Grenztruppen, WB-Polizei und beiden Feuerwehren) geschlossen haben.



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#3

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 04.03.2013 17:43
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #1

Ich weiß nicht ob dieser Fall schonmal ein Thema hier war, im Zusammenhang mit den Abriss der East-Side-Gallery und den Gedenken an die Maueropfer wurde in den Medien auch über Cetin Mert nochmal gesprochen. Cetin Mert war ein kleiner türkischer Junge der zu seinen fünften Geburtstag (1975) beim Ball spielen in der Spree (Gröbenufer) ertrunken ist. Das grauenvolle an der Sache war, die Spree gehört in diesem Bereich über die gesamte Breite zum Gebiet der DDR, die Eltern von Cetin waren nicht da, andere Westberliner Erwachsene haben sich nicht getraut zu helfen, da Grenzstreifen, Westberliner Rettungskräfte wollten ein Boot in die Spree lassen und haben keine Genehmigung erhalten,leider war Cetin Mert auch kein Einzelfall gewesen, er war das vierte Kind was innnerhalb von drei Jahren unweit der Oderbaumbrücke ertrunken ist.
Da ich ja nun selber Grenzer war habe ich mir offt selber die Frage gestellt wie hätte ich mich in dieser Situation verhalten, zum einem als Elternteil, zum anderen als Grenzer. Ich denke als Elternteil aber auch als außenstehender Erwachsener ich wäre ins Wasser gesprungen und hätte versucht das Kind zu retten, egal ob Sperrgebiet aber wie hätte man sich selber als Grenzer verhalten, einfach nur teilnahmslos zuschauen und beobachten wie das Kind vergeblich um sein Leben kämpft? Es stellt sich ja Jahre später heraus das ein Postenpaar den Fall beobachtet hatte aber angeblich keine Nachrichtenverbindung hatte, was in meinen Augen einfach nur eine faule Ausrede ware. Ich sag nur Hallo Berliner Grenze und keine Nachrichtenverbindung?? Obwohl ich selber Grenzer war aber solche Typen sind für mich wirklich das letzte. Wie sieht Ihr das, einige waren ja auch an der Berliner Grenze, hättet Ihr Euch anders verhalten?? Vielleicht kennt ja sogar einer diesen Postenbereich?


Ja Duck--es ist schwierig,nach so vielen Jahren heute eine Antwort darauf zu suchen.Und warum,mal wieder die Grenzer hier darauf ansprechen.Waren nicht auch andere westberliner Erwachsene und Rettungskräfte vor Ort.Und waren diese Typen dann nicht für Dich auch das letzte.Denn die hatten doch dann auch keinen A.... in der Hose.


Fello hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#4

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 04.03.2013 17:44
von icke46 | 2.593 Beiträge

Ein wie ich finde interessanter Artikel zu den insgesamt 4 in diesem Bereich ertrunkenen Kindern:

http://www.fr-online.de/meinung/kolumne-...02,3092376.html

Gruss

icke



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#5

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 04.03.2013 17:50
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #2
Völlig ausgeklammert wurde in dieser Diskussion die Verantwortung des Westberliner Senates (bzw. des Bezirksamtes) die kritischen Uferbereiche ausreichend sicher abzuzäunen.
Eine weitere Mitverantwortung liegt bei den Politikern, die die DDR nicht anerkannt haben und deswegen kein geeignetes Abkommen zur rechtzeitigen Einleitung von Rettungsmaßnahmen, Kommunikationsverbindungen (Rotes telefon zwischen Grenztruppen, WB-Polizei und beiden Feuerwehren) geschlossen haben.



Die ersten Verhandlungen, die letzlich zu einer Vereinbarung des Berliner Senats und der DDR-Regierung über Rettungsmaßnahmen bei Unfällen an der Berliner Sektorengrenze führten, wurden am 01.06.1973 aufgenommen.
Insgesamt bedurfte es 16 Treffen, bis am 29. Oktober 1975 eine Vereinbarung unterzeichnet werden konnte.
Die zw. der Senatsverwaltung für Inneres (Senatsrat H. Annußek) und dem DDR-Außenministerium (Herr Mitdank) geführten Verhandlungen zogen sich wg. rechtlicher und anderer Schwierigkeiten über 2 Jahre hin und wurden nach den ersten 5 Gesprächen für die Dauer von 8 Monaten unterbrochen.
Danach dauerte es nochmals 16 Monate bis die Regelungsbriefe ausgetauscht wurden.
Hätte es in diesem Zeitraum nicht 1 weiteres Todesopfer (Tod von Cetin Mert, 11. Mai 1975) durch Ertrinken gegeben, wäre es möglicherweise nicht zu einem Ergebnis gekommen.
Nu plötzlich gings ganz flott.
Knappe 5 Monate und die DDR (Ministerrat der DDR, Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten) sendete dem Senat ein entsprechendes Schreiben.


Und mit Befehl 47/75 (08.07.1975) des Kdr GK Mitte über Maßnahmen zur Rettung und Bergung von Personen aus dem Grenzgewässer im Abschnitt des GR 35 gab es eine Weisung für die Grenztruppe.

Nach dem Austausch der Briefe konnte mit dem Aufbau von Rettungssäulen (optische und akustische Signale und Rettungsring mit Leine) auf einer Uferlänge von 7,5 km begonnen werden.
Diese 7,5 km betraf die Grenzgewässer:
Berlin - Spandauer Schiffahrtskanal, Humboldt-Hafen und Spree von Kieler brücke (km 10,6) bis westlich Marschallbrücke (km 15,1)
und
Spree von Schillingsbrücke (km 19,3) bis Einmündung Flutgraben (km 21,3).

Weitere Vereinbarungen betrafen den Einsatz der Westberliner Feuerwehr und der Arbeitsgemeinschaft Wasserrettungsdienst von Berlin (West).
Bei Rettungsmaßnahmen auf den genannten Grenzgewässern konnten die vorgenannten Organe von Berlin (West) für die Dauer der Rettungsmaßnahmen am Unglücksort (bis zu 15 min)
- Rettungskräfte bis zu 4 Personen (davon 2 Taucher)
- ein Rettungsboot (Schlauchboot oder Aluminiumboot)
- Hilfsmittel zur Rettung Verunglückter
einsetzten.

Angehörige des Zoll, der Polizei sowie Privatpersonen konnten durch Zuwerfen von Rettungsringen, Leinen und anderen Hilfsmitteln vom Ufer aus Hilfe leisten.

Quelle:
Chronik der Mauer

Savoca, Guiseppe
Ein von Giuseppe Savocas Spielgefährten herbeigeholter Erwachsener ruft der Bootsbesatzung zu, ein Kind sei in die Spree gefallen. Der Bootsführer hält nur kurz und setzt seine Fahrt fort. Später wird er seine unterlassene Hilfeleistung damit begründen, dass sich keine Blasen auf der Wasseroberfläche gezeigt hätten. So habe er den Anruf vom West-Berliner Ufer für eine Provokation gehalten; zudem sei es ihm verboten gewesen, die rot-weiße Sperrlinie der Spree ohne ausdrücklichen Befehl des Kommandeurs des DDR-Grenzregiments und ohne vorherige Benachrichtigung der Grenzposten am Grenzübergang Oberbaumbrücke zu passieren.[3]

Katranci, Cengaver
einem Angler in der Nähe versucht er begreiflich zu machen, was geschehen ist. Als der ihn verstanden hat, schickt er den Jungen zum nahen Zollstützpunkt und läuft selbst zur Unglücksstelle. Als er schon begonnen hat, sich zu entkleiden, wird ihm bewusst, dass die Spree hier in ganzer Breite zu Ost-Berlin gehört, und dass er riskiert, bei einem Rettungsversuch von den DDR-Grenzposten erschossen zu werden. Er springt dem ertrinkenden Kind nicht hinterher.

Inzwischen haben West-Berliner Zollbeamte Polizei und Feuerwehr alarmiert und sind am Spreeufer angelangt. Auf dem Fluss fährt ein Tankschiff, begleitet von einem DDR-Feuerlöschboot. Die Zöllner rufen und gestikulieren, um die Besatzung des Löschbootes zum Beidrehen und zur Rettung des Kindes zu bewegen. Das Feuerwehrboot stoppt nur kurz und setzt dann seinen Weg fort.

Kroboth, Siegfried
Das Unglück ist offenbar auch von der Besatzung eines DDR-Grenzbootes bemerkt worden. Als das Boot sich der Unglücksstelle nähert, ruft die West-Berliner Funkwagenstreife den Grenzsoldaten zu, wo der Junge ins Wasser gefallen ist und wie sie ihn möglicherweise bergen könnten. Doch die Grenzer reagieren nicht.

Ist schon hart, zu Lesen, dass eine sofortige Hilfe zeitnah (Boote waren ja teilweise in unmittelbarer Nähe) hätte erfolgen können.
Gerade wenn die Personen erst kurzzeitig unter Wasser waren.

Absicherung von Uferbereichen:
Dies geschah, nachdem am 11.05.1975 die damals fünfjährige Cetin Mert ertrunken ist.
Ebenso am Gröbenufer.

P.S.:
Allgemeine Anmerkung:
Selbst in gesicherten Bereichen kann bzw. kommt es zu solchen Unfällen.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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zuletzt bearbeitet 04.03.2013 20:43 | nach oben springen

#6

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 04.03.2013 19:29
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Das war schlimm. Ich war damals auch ein kleiner Junge in West-Berlin. Das wurde einem ständig zur Warnung erzählt. Am Ufer wurden solche speziellen rot-grün-gestreiften Polizeimelder aufgestellt, mit denen man dann wohl GT und Feuerwehr zugleich hätte erreichen können. Außerdem wurden die uralten, gußeisernen Geländer durch Zäune ersetzt und Warnschilder in deutsch und türkisch aufgestellt.

Hier ist noch ein Link zur Fotosammlung "Mauer" des Landesarchivs Berlin:
http://www.landesarchiv-berlin.de/lab-ne...=.¤tPic=1

Bild 40 zeigt ziemlich genau die Stelle am Westufer der Oberbaumbrücke in Kreuzberg.


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zuletzt bearbeitet 04.03.2013 19:33 | nach oben springen

#7

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 05.03.2013 10:27
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
das hetzbild gegen die DDR und Grenztruppen der Medien in Berlin-West ist eine Sache, die mit der Darstellung schießwütiger Killer.

Eine andere Frage wäre die Einschätzung der ehemaligen Grenzer persönlich und kameraden auf Posten,
wer hätte denn wirklich gar tödlich gezielt scharf geschossen? Hätte denn das überhaupt die Befehlslage hergegeben?

wie wurde denn mit ( provizierenden ) Wanderern westseitig in der Höhn, Harz oder um Eisfeld umgegangen die die geometrische Grenze westlich des Zaunes übertraten.
Mit Waffengewalt sofort daran gehhindert das DDR-Gebiet zu verlassen oder Hinweis und Auforderung die 5 Schritt zurückzugehen,
was machten Grenzjäger die "feindwärts" des Zaunes Zivilisten antrafen? Herr Gartenschläger undessen Verhalten ist aber nicht hier gemeint.
im Wasser ein einzelner Schwimmer der nackt heineinsprang war wohl erstmal keine militärische Gefahr.



zuletzt bearbeitet 05.03.2013 10:28 | nach oben springen

#8

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 05.03.2013 11:07
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #7
Hallo,
das hetzbild gegen die DDR und Grenztruppen der Medien in Berlin-West ist eine Sache, die mit der Darstellung schießwütiger Killer.

Eine andere Frage wäre die Einschätzung der ehemaligen Grenzer persönlich und kameraden auf Posten,
wer hätte denn wirklich gar tödlich gezielt scharf geschossen? Hätte denn das überhaupt die Befehlslage hergegeben?

wie wurde denn mit ( provizierenden ) Wanderern westseitig in der Höhn, Harz oder um Eisfeld umgegangen die die geometrische Grenze westlich des Zaunes übertraten.
Mit Waffengewalt sofort daran gehhindert das DDR-Gebiet zu verlassen oder Hinweis und Auforderung die 5 Schritt zurückzugehen,
was machten Grenzjäger die "feindwärts" des Zaunes Zivilisten antrafen? Herr Gartenschläger undessen Verhalten ist aber nicht hier gemeint.
im Wasser ein einzelner Schwimmer der nackt heineinsprang war wohl erstmal keine militärische Gefahr.

Dahin zielte auch meine Frage SET, nicht welches politische System an diesen tragischen Unfällen die meiste Schuld dran trägt, sondern wie hätte man selber persönlich egal jetzt ob als Zivilperson oder Grenzer entschieden, hätte man z.B. trotz konkreter Befehle als Grenzer sich über diese Befehlsgewalt hinwegesetzt um ein Kinderleben zu retten, schließlich war ja zu erkennen das es sich hier nicht um einen Mauerflüchtling handelt, noch dazu von West nach Ost kam ja wohl auch so gut wie nie vor bzw. höchstens versehentlich.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.03.2013 11:08 | nach oben springen

#9

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 05.03.2013 18:37
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #7
Hallo,
das hetzbild gegen die DDR und Grenztruppen der Medien in Berlin-West ist eine Sache, die mit der Darstellung schießwütiger Killer.





Die Realität:
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593925/page/3

http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593920/page/5

Die Gefahr bei einer solchen Aktion an- oder erschossen zu werden war wohl vorhanden!!!


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#10

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 05.03.2013 19:53
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Hallo Duck,

die Frage, wie wer gehandelt hätte, ist schwer zu beantworten. Natürlich schreit es in einem im ersten Moment: Na klar, hätte ich alles getan, um ein Kind zu retten. Vielleicht hätten die damals Beteiligten genauso auf die hypothetische Frage geantwortet. Aber ich fürchte, damit würde man es sich etwas zu einfach machen.

Auf der einen Seite waren auf beiden Seiten die durch Ideologie oder tatsächliches Erleben geprägten Meinungen über die Gegenseite. Für die Westberliner galten die Grenzer als schießwütig, für die Grenzer war alles, was von Westberliner Seite ausging, eine Provokation. In diesem Spannungsfeld standen beide Seiten, man wusste nie, wer auf der anderen Seite wirklich steht und wie er sich verhalten würde. Für die Besatzungen der Boote auf der Spree - sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit die Unfälle selbst nicht bemerkt. Nun wird ihnen plötzlich zugerufen und zugewunken. Was passiert aber, wenn ein Boot plötzlich in Richtung Westberliner Ufer fährt? Wie reagieren dann die eigenen Grenzerkollegen? Ist es eine eventuelle Provokation wert, so ein Risiko einzugehen? Was sollten die Posten am Ufer machen? Selbst ins Wasser springen und rüberschwimmen? Oder rüberrufen, "geht ruhig rein"? Wie reagiert der Nachbarposten?

Es gibt Situationen, auf die kann man nicht vorbereitet werden, für die gibt es keine Ausbildung. Je unklarer bei den Beteiligten das Bild über die Lage ist, desto mehr neigen sie dazu, sich an eingelernte Grundsätze zu halten. Und je mehr Angst dazu kommt, desto lieber möchte man entschlosseneren Leuten den Vortritt lassen. Und so haben wir in allen Beispielen Leute vor uns, die für ihr Nichthandeln alle möglichen Begründungen hervorbringen, die letzten Endes darauf hinauslaufen, dass die politischen Umstände schuld waren. Aber mir geht, ehrlich gesagt, der Angler in einem der Fälle nicht aus dem Kopf. Wenn ich selbst mit meinen eigenen Augen sehe, dass ein Kind ins Wasser stürzt und ich dann erstmal anfange zu überlegen, was alles schief gehen kann, wenn ich hinterherspringe ... dann hätte ich in der Restzeit meines Lebens ab da vermutlich eine schwere Bürde zu tragen. Aber selbst hier darf ich eigentlich kein Urteil fällen. Und so kann ich nur weiterhin Begründungen hin und her wälzen, bis ich wieder auf die Umstände oder auf eine der Seiten oder die Politik im allgemeinen zurückkomme.

Versetze ich mich aber ernsthaft in die Lage der damals eingesetzten Grenzposten hinein, kommt mir das Schaudern. Ich hätte damals wahrscheinlich genauso gehandelt wie sie und zunächst an eine Provokation gedacht. Und es ist wieder, wie so häufig bei diesem Thema: Ein Glück, dass ich nie in eine solche Situation kam.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Duck, 94, Damals87, josy95 und silberfuchs60 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.03.2013 19:55 | nach oben springen

#11

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 02:09
von Schlutup | 4.104 Beiträge


josy95 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 05:01
von damals wars | 12.186 Beiträge

Ich hätte am Griebnitzsee gar nichts machen können, als den Vorgang zu melden. Dank Streckmetallzaun kamen wir gar nicht ans Wasser.
ansonsten waren Grenzverletzungen an der Tagesordnung, ohne das ich einmal geschossen hätte, und das, obwohl wir so schiesswütig waren. schon seltsam, die Berliner hießen sonst auch nicht Schreck.

Mann brauchte wohl nen Popanz für das eigene Versagen, da bot sich die andere Seite an.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
zuletzt bearbeitet 08.11.2014 05:11 | nach oben springen

#13

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 06:03
von damals wars | 12.186 Beiträge

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #9
Zitat von SET800 im Beitrag #7
Hallo,
das hetzbild gegen die DDR und Grenztruppen der Medien in Berlin-West ist eine Sache, die mit der Darstellung schießwütiger Killer.





Die Realität:
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593925/page/3

http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593920/page/5

Die Gefahr bei einer solchen Aktion an- oder erschossen zu werden war wohl vorhanden!!!



Wann und wo wurden mal Rettungskräften beschossen?
Wenn ausgerechnet der Springerverlag sich über die aufgeheizte Stimmung an der Grenze sich beschwert!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
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http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#14

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 07:50
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #2
Völlig ausgeklammert wurde in dieser Diskussion die Verantwortung des Westberliner Senates (bzw. des Bezirksamtes) die kritischen Uferbereiche ausreichend sicher abzuzäunen.
Eine weitere Mitverantwortung liegt bei den Politikern, die die DDR nicht anerkannt haben und deswegen kein geeignetes Abkommen zur rechtzeitigen Einleitung von Rettungsmaßnahmen, Kommunikationsverbindungen (Rotes telefon zwischen Grenztruppen, WB-Polizei und beiden Feuerwehren) geschlossen haben.

@StabsfeldKoenig ,

sowas kann echt nur von Dir kommen....

Indiskrete Frage, brauchst Du nicht beantorten..., hast Du selbst auch Kinder?

Beantworte aber mal bitte diese Frage: Was hättest Du getan, wie hättest Du reagiert, wäre es vor Deinen Augen passiert oder gar Dein Kind oder das Deiner nächsten Angehöhrigen oder Freunde gewesen?

Nun komm aber bitte nicht wieder mit der mehr als abgedreschenen Uraltkamelle, wegen eines spontanen Rettungsversuches hätte es zu einem schweren Grenzzwischenfall und in Folge zum dritten Weltkrieg kommen können..., viele hier können diese Argumentation einfach nicht mehr ertragen..., o. k. !

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#15

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 07:53
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Wenn ein fünfjähriges Kind beim spielen in ein Gewässer fällt, dann kann man nicht erst jemanden um Erlaubnis fragen, ob man es retten darf. Den Vorwurf des tatenlosen zu sehens müssen sich beide Seiten machen lassen. Die einzig richtige Reaktion wäre doch gewesen, Flinte weg, Jacke Hose und Stiefel aus und rein in die Suppe. Glaube kaum, dass der Posten bzw. Postenführer dann geschossen hätte. Wenn doch, dann wäre es eben Pech gewesen. Nicht jeder der in Berlin über die Straße geht kommt auch gesund auf der anderen Seite an. Und ein so freiheitsliebender Westberliner hätte genauso handeln müssen (der brauchte nicht mal eine Flinte wegwerfen). Oder war der Grund für die Tatenlosigkeit, dass der Junge nur ein Türke war?

Der Hesselfuchs


josy95 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#16

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 07:55
von Gelöschtes Mitglied
avatar

In dem Fall wäre es bestimmt von Vorteil gewesen, wenn ein bestimmter Stabsfeldwebel nicht der PF gewesen wäre.

Der Hesselfuchs


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#17

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 09:18
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Noch ein Bild vom Groebenufer (heute May Ayim Ufer)

http://www.panoramio.com/photo/67611497
Theo


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 10:43
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #2
Eine weitere Mitverantwortung liegt bei den Politikern, die die DDR nicht anerkannt haben und deswegen kein geeignetes Abkommen zur rechtzeitigen Einleitung von Rettungsmaßnahmen, Kommunikationsverbindungen (Rotes telefon zwischen Grenztruppen, WB-Polizei und beiden Feuerwehren) geschlossen haben.

Auch dort, wo es solche Telefone gab (z.B. bei der Bahn), war es nicht immer einfach mit der Ostseite ins Gespräch zu kommen.

Nicht jeder den man ans Telefon bekam hatte die "höheren Weihen", sprich die Erlaubnis, mit dem Westen zu kommunizieren. So habe ich es oft erlebt, dass da mitunter einige Zeit verging, bis man einen "ans Rohr" bekam, der über die entsprechende Berechtigung verfügte, mit "Einem aus dem Westen" sprechen zu dürfen.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#19

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 11:01
von damals wars | 12.186 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #14
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #2
Völlig ausgeklammert wurde in dieser Diskussion die Verantwortung des Westberliner Senates (bzw. des Bezirksamtes) die kritischen Uferbereiche ausreichend sicher abzuzäunen.
Eine weitere Mitverantwortung liegt bei den Politikern, die die DDR nicht anerkannt haben und deswegen kein geeignetes Abkommen zur rechtzeitigen Einleitung von Rettungsmaßnahmen, Kommunikationsverbindungen (Rotes telefon zwischen Grenztruppen, WB-Polizei und beiden Feuerwehren) geschlossen haben.

@StabsfeldKoenig ,

sowas kann echt nur von Dir kommen....

Indiskrete Frage, brauchst Du nicht beantorten..., hast Du selbst auch Kinder?

Beantworte aber mal bitte diese Frage: Was hättest Du getan, wie hättest Du reagiert, wäre es vor Deinen Augen passiert oder gar Dein Kind oder das Deiner nächsten Angehöhrigen oder Freunde gewesen?

Nun komm aber bitte nicht wieder mit der mehr als abgedreschenen Uraltkamelle, wegen eines spontanen Rettungsversuches hätte es zu einem schweren Grenzzwischenfall und in Folge zum dritten Weltkrieg kommen können..., viele hier können diese Argumentation einfach nicht mehr ertragen..., o. k. !

josy95

Er wäre mit Sicherheit dem Kind hinterhergesprungen, und hätte nicht erst die Feuerwehr gerufen!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#20

RE: Der Fall Cetin Mert

in DDR Staat und Regime 08.11.2014 11:02
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #15
(...). Oder war der Grund für die Tatenlosigkeit, dass der Junge nur ein Türke war?

Der Hesselfuchs

Ich denke nicht, das konnte man vom Ufer doch gar nicht erkennen. Wie ist es eigentlich mit der Strömung in der Spree? Fliessgewässer sind oft recht tückisch auch für die Retter.
Theo


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