#61

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 25.02.2013 10:12
von 94 | 10.792 Beiträge

Mal seh wer das jetzt wieder gezielt in den falschen Hals bekommen will *nicht_grins*
Also zum Ersten (nur mMn!) Stolz macht blind! Naja, und zweitens scheine ich mit dieser Meinung nicht ganz allein dazustehen, auch nennt auch der KKK seit '92 auf Deutsch nicht mehr der Hochmut, sondern den Stolz als Superbia. Hmm, aber anderseits taucht das Wort Stolz nicht nur in diesem Zusammenhang auf der Internetzpräsenz des Heiligen Stuhls auf ...
http://www.google.de/search?q=stolz+site:vatican.va
Ach irgendwie isses kompliziert mit dem 'Stolzsein'? Na ich lass das dann ma lieber *vorsichtig_grins*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#62

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 25.02.2013 18:32
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #61
Mal seh wer das jetzt wieder gezielt in den falschen Hals bekommen will *nicht_grins*
Also zum Ersten (nur mMn!) Stolz macht blind! Naja, und zweitens scheine ich mit dieser Meinung nicht ganz allein dazustehen, auch nennt auch der KKK seit '92 auf Deutsch nicht mehr der Hochmut, sondern den Stolz als Superbia. Hmm, aber anderseits taucht das Wort Stolz nicht nur in diesem Zusammenhang auf der Internetzpräsenz des Heiligen Stuhls auf ...
http://www.google.de/search?q=stolz+site:vatican.va
Ach irgendwie isses kompliziert mit dem 'Stolzsein'? Na ich lass das dann ma lieber *vorsichtig_grins*


Eben...das mit dem Stolzsein ist so eine Sache.Wie sagte Westenhagen...reden ist silber,schweigen ist Gold.



94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#63

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 25.02.2013 19:34
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Tja, so ist das, wenn ein einzelner Begriff seine Komplexität nur im Kontext entfalten kann. Man kann sich, denke ich, ruhig ein wenig mit dem Stolz anfreunden. Was empfindet man denn, wenn einem am Morgen der Partner der letzten Nacht ins Ohr flüstert: "Hey, das war richtig gut!"? Oder was empfindet ein Sportler nach einem für ihn selbst großen Sieg? Man sollte vielleicht nicht zu sehr über den Begriff eines Gefühls herziehen, das man selbst noch erleben möchte. Im übrigen scheinen mir gerade in diesen Zusammenhängen Religionen und Religionsstifter nicht die zweckmäßigsten Ratgeber.

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#64

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 25.02.2013 19:43
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #63
Tja, so ist das, wenn ein einzelner Begriff seine Komplexität nur im Kontext entfalten kann. Man kann sich, denke ich, ruhig ein wenig mit dem Stolz anfreunden. Was empfindet man denn, wenn einem am Morgen der Partner der letzten Nacht ins Ohr flüstert: "Hey, das war richtig gut!"? Oder was empfindet ein Sportler nach einem für ihn selbst großen Sieg? Man sollte vielleicht nicht zu sehr über den Begriff eines Gefühls herziehen, das man selbst noch erleben möchte. Im übrigen scheinen mir gerade in diesen Zusammenhängen Religionen und Religionsstifter nicht die zweckmäßigsten Ratgeber.

Ciao Rainman


Ja, das isses doch. Wie ich schon mal anfangs geschrieben hatte. Wenn eine eigene nicht alltägliche Leistung dahinter steht, dann kann man berechtigt von Stolz reden. Das gilt m.E. auch für eine mittelbare Leistung, wenn ich z.B. meine Kinder so erzogen habe, daß aus ihnen ordentliche Menschen mit überdurchschnittlichen Leistung geworden sind, oder auch z.B. wenn ein Ehepartner (er oder sie) dem Anderen den Rücken so freigehalten hat und ihn so unterstützt hat, daß er außergewohnliche Leistungen vollbringen konnte. Das gilt m.E. nicht für ein schönes Dummchen, das sich im Erfolg ihres Mannes sonnt, aber außer sein erarbeitetes Geld zu verbraten nichts weiter zuwege bringt.



Rainman2 und schulzi haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#65

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 25.02.2013 21:34
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #64
Zitat von Rainman2 im Beitrag #63
Tja, so ist das, wenn ein einzelner Begriff seine Komplexität nur im Kontext entfalten kann. Man kann sich, denke ich, ruhig ein wenig mit dem Stolz anfreunden. Was empfindet man denn, wenn einem am Morgen der Partner der letzten Nacht ins Ohr flüstert: "Hey, das war richtig gut!"? Oder was empfindet ein Sportler nach einem für ihn selbst großen Sieg? Man sollte vielleicht nicht zu sehr über den Begriff eines Gefühls herziehen, das man selbst noch erleben möchte. Im übrigen scheinen mir gerade in diesen Zusammenhängen Religionen und Religionsstifter nicht die zweckmäßigsten Ratgeber.

Ciao Rainman


Ja, das isses doch. Wie ich schon mal anfangs geschrieben hatte. Wenn eine eigene nicht alltägliche Leistung dahinter steht, dann kann man berechtigt von Stolz reden. Das gilt m.E. auch für eine mittelbare Leistung, wenn ich z.B. meine Kinder so erzogen habe, daß aus ihnen ordentliche Menschen mit überdurchschnittlichen Leistung geworden sind, oder auch z.B. wenn ein Ehepartner (er oder sie) dem Anderen den Rücken so freigehalten hat und ihn so unterstützt hat, daß er außergewohnliche Leistungen vollbringen konnte. Das gilt m.E. nicht für ein schönes Dummchen, das sich im Erfolg ihres Mannes sonnt, aber außer sein erarbeitetes Geld zu verbraten nichts weiter zuwege bringt.

O.K. dann war ich ein wenig Stolz wie ich vor kurzem aus eigenen Kräften auf einem 3000er stand....aber eigentlich war ich nur platt.



Rainman2 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.02.2013 21:35 | nach oben springen

#66

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 25.02.2013 22:36
von arno1990 | 9 Beiträge

Ich gehe noch weiter und sage ich bin Stolz ein Grenzer gewesen zu sein.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#67

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 01:42
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von Zermatt im Beitrag #65
Zitat von DoreHolm im Beitrag #64
Zitat von Rainman2 im Beitrag #63
Tja, so ist das, wenn ein einzelner Begriff seine Komplexität nur im Kontext entfalten kann. Man kann sich, denke ich, ruhig ein wenig mit dem Stolz anfreunden. Was empfindet man denn, wenn einem am Morgen der Partner der letzten Nacht ins Ohr flüstert: "Hey, das war richtig gut!"? Oder was empfindet ein Sportler nach einem für ihn selbst großen Sieg? Man sollte vielleicht nicht zu sehr über den Begriff eines Gefühls herziehen, das man selbst noch erleben möchte. Im übrigen scheinen mir gerade in diesen Zusammenhängen Religionen und Religionsstifter nicht die zweckmäßigsten Ratgeber.

Ciao Rainman


Ja, das isses doch. Wie ich schon mal anfangs geschrieben hatte. Wenn eine eigene nicht alltägliche Leistung dahinter steht, dann kann man berechtigt von Stolz reden. Das gilt m.E. auch für eine mittelbare Leistung, wenn ich z.B. meine Kinder so erzogen habe, daß aus ihnen ordentliche Menschen mit überdurchschnittlichen Leistung geworden sind, oder auch z.B. wenn ein Ehepartner (er oder sie) dem Anderen den Rücken so freigehalten hat und ihn so unterstützt hat, daß er außergewohnliche Leistungen vollbringen konnte. Das gilt m.E. nicht für ein schönes Dummchen, das sich im Erfolg ihres Mannes sonnt, aber außer sein erarbeitetes Geld zu verbraten nichts weiter zuwege bringt.

O.K. dann war ich ein wenig Stolz wie ich vor kurzem aus eigenen Kräften auf einem 3000er stand....aber eigentlich war ich nur platt.


ich stand musste mal aus eigenen Kräften vor einem 2000er stehen... das gilt jetzt aber nicht.. oder? ok, bin schon weg....


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#68

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 07:32
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Der war gut arno dein Satz, der war wirklich gut:

"Ich gehe noch weiter und sage ich bin Stolz ein Grenzer gewesen zu sein."

Den muss man sich erstmal verinnerlichen, in Ruhe sich gut setzen lassen.Der gibt bestimmt hier wunderbaren Diskussionsstoff, zumal, er ist wirklich kurz, bündig, bringt es konkret auf den Punkt, er sagt nicht zuviel und einfach und simpel nicht zuwenig.

Einfach genial. Der Satz wäre einen Extrafred wert. Also wäre ich heute Lehrer, ich würde den wunderbaren Satz als Aufsatzthema in die Klasse schmeißen so Heft raus Mädels und Jungs, es geht los, macht was draus.

Lebensläufer

Einen guten Tag allen ins Forum...jetzt brauch ich erstmal einen starken Kaffee ne wie war der schöne Satz gleich..."Ich bin stolz, ein Grenzer gewesen zu sein."


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#69

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 07:48
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #68
... und simpel nicht zuwenig.

Also genau Deine Augenhöhe? Extra für Dich krame ich mal noch einen Sinnspruch als Geschmacks- und Denkverstärker für Deinen MMF (morgendlichen Muggefuck) raus ... Gier macht arm


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#70

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 07:49
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Lebensläufer im Beitrag #68
Der war gut arno dein Satz, der war wirklich gut:

"Ich gehe noch weiter und sage ich bin Stolz ein Grenzer gewesen zu sein."

Den muss man sich erstmal verinnerlichen, in Ruhe sich gut setzen lassen.Der gibt bestimmt hier wunderbaren Diskussionsstoff, zumal, er ist wirklich kurz, bündig, bringt es konkret auf den Punkt, er sagt nicht zuviel und einfach und simpel nicht zuwenig.

Einfach genial. Der Satz wäre einen Extrafred wert. Also wäre ich heute Lehrer, ich würde den wunderbaren Satz als Aufsatzthema in die Klasse schmeißen so Heft raus Mädels und Jungs, es geht los, macht was draus.

Lebensläufer

Einen guten Tag allen ins Forum...jetzt brauch ich erstmal einen starken Kaffee ne wie war der schöne Satz gleich..."Ich bin stolz, ein Grenzer gewesen zu sein."


Hab mir auch erst einmal die Augen gerieben und dann mal das Profil vom Arno beguckt, der war kein GWDler, kann man ihm schon abnehmen das ihn sein Beruf mit Stolz erfüllt hat und es eben heute noch tut.


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#71

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 08:46
von Rüganer (gelöscht)
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Kann man stolz darauf sein, ein Grenzer gewesen zu sein? Damals oder heute, 20 Jahre danach, nachdem man viele Dinge erfahren hat und der Menschenverstand einem sagen sollte, was haben die damals eigentlich aus uns gemacht?
Das schließt nicht aus, dass man froh darüber war, Grenzer zu sein, froh darüber, nicht hinter einem BMP hinterherlaufen zu müssen, sich einzugraben oder zum Sturmangriff aus dem Graben zu klettern. Froh darüber, diese verfluchte EK-Bewegung der Mucker nicht abzubekommen, froh darüber, am Kanten seine Ruhe zu haben. Vielleicht hätte man dies ja auch bei den fahrenden Einheiten der Marine gehabt, aber dort wohl nur ganz selten für 18 Monate Grundwehrdienst.
Aber stolz darauf, ein Grenzer gewesen zu sein?
Stolz darauf, ein DDR-Bürger gewesen zu sein? Ich finde, man kann stolz darauf sein, die Zeit der DDR anständig und aufrecht gelebt zu haben, sich nicht der Karriere wegen oder wegen irgendwelchen anderen Sachen in eine Partei begeben zu haben, man kann stolz darauf sein, dass man in der DDR trotzt allgegenwärtigen Mangels an Baumaterial ein Haus gebaut hat, man konnte stolz darauf sein, dass man trotzt allen widrigen Umständen doch noch Blumen zur Geburt des Sohnes am 31.12. bekam, und gerade weil man nicht in Berlin wohnte. Man kann stolz auf seine Kinder sein, die man zu anständigen Menschen erzogen hat und die heute fest im Leben stehen. Ja, man hat gelernt, aus gewissen Dingen Bonbons machen zu müssen, andere haben da Probleme, aber die hatten genug Bonbons...
Ich könnte genau so stolz drauf sein, dass ich nach der Wende wieder meine Chancen genutzt habe und einen Betrieb aufgebaut habe, meine Vorstellungen verwirklichen konnte und mich gegen die Übermacht weitaus größerer Betriebe bislang erfolgreich behauptet habe.
Aber all diese Leistungen, auf die man stolz sein könnte, sind doch persönliche Leistungen, was hat das System daran für Anteile? Studium, Ausbildung gab es hüben wie drüben, jedenfalls kenne ich keinen aus meinem Kreis der Verwandten, der in der alten BRD irgendwelche Ausbildungsprobleme hatte, außer – er wollte gar nicht wirklich. Ja und danach? Nach der Ausbildung? Welche Chancen hier bestanden, wenn man nicht das Parteibuch einer der Bündnisparteien oder gar der SED in der Tasche hatte, sattsam bekannt, dass es in Konzernbetrieben der BRD in abgeschwächter Form vielleicht auch so ist, mag sein..
Was hat also die DDR für Anteile daran, dass ich stolz darauf sein könnte, erfolgreich gewesen zu sein?
Und ich gebe zu, ich war nicht ganz unglücklich über die Einberufung zur Grenze, schon wegen der mehrfach erwähnten drohenden Muckerei in Eggesin oder sonst wo. Nachdem ich aber dieses Jahr an der Mauer abgerissen habe, den Stress, diese Nerven, dieser Druck, nachdem ich aber heute weiß, dass wir Soldaten da verarscht wurden, weshalb sollte ich nun noch stolz auf diese Truppe sein? Ich habe da wunderbare Kameraden getroffen, darunter auch einige, die großes Pech hatten, wir alle wollen eigentlich diese Zeit nur verarbeiten, mehr nicht- auf keinen Fall aber stolz drauf sein, höchstens darauf, dass man auch da ein Mensch geblieben ist, was wohl eher dem Zufall verdankt werden muss, denn bei mir kam keiner.


Pit 59, 94, silberfuchs60, DoreHolm, Rainman2, jecki09, vogtlaenderjoe und Wartburgfahrer haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#72

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 09:08
von Pit 59 | 10.131 Beiträge

Ganz toller Beitrag Rüganer,genau so sehe ich das auch.


vogtlaenderjoe hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#73

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 09:23
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Ich sag es mal so.Worauf jeder für sich Stolz sein könnte oder ist.Das muss jeder mit sich selber ausmachen.Man muss sich nun nicht durch Fragen von anderen,Stolz einreden lassen,oder sich zu rechtfertigen warauf man Stolz ist.
Man könnte auch die Fragen stellen.Worauf war man Damals nicht Stolz? Und worauf muss man heute nicht Stolz sein?


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#74

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 10:23
von ddr-bürger (gelöscht)
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Habe es glaube ich schon einmal geschrieben, bin weder stolz weiß, grün, oder gelb zu sein..... Genauso kann ich nicht pauschal auf eine Staatsbürgerschaft oder Gruppenzugehörigkeit stolz sein.

Stolz auf Lebenslesitung oder auf persönliche Verdienste das ist o.k. Wenn ich als DDR Bürger etwas besonderes geleistet hätte, dann wäre ich heute Stolz auf diese Leistung. Ich glaube hier wird emotional Stolz mit Zugehörigkeit oder ähnlichen verwechselt. Ich stehe zu der Vergangenheit und finde den Grundgedanken noch heute gut, doch Stolz? Auf das scheitern, auf mein "durchwinden"? In einigen Dingen war ich nicht "Systemkonform", habe das aber weggesteckt, weil die große Richtung ist ja gut und mir ging es doch auch gut. Darauf Stolz?
Was wäre gewesen wenn sich viel eher zurückgezogen hätten, auf Distanz gegangen wären (ich rede nicht von "Aufruhr") nur von einfacher Distanz..., mal nicht Klatschen bei Blödsinn wegen der eigenen Karriere. Damit eine gewisse Realitätsbezogenheit erhalten hätten. Hier wird immer gemwckert über nachrichten der AK 120% Planerfüllung und trallala. Wir in den betrieben haben doch schon in den Versammlungen der Gewerkschaft und Partei abgeklatscht. Darauf Stolz?
Ich schreibe viel darüber was ich aus dieser Zeit vermisse, mir war auch das Hemd näher als der Rock. Nach einem Jahr Parteischule war für mich klar, so geht es nicht. das war vor der sogenannten Wende (1986) und ich habe mich zurück gezogen. Darauf kann ich ein wenig Stolz sein.

Ich glaube am schlimmsten ist es, zu lesen mit welchem Hass hier oft über die DDR geschrieben wird, das weckt Widerspruch und damit auch eine "Solidarisierung" mit der Vergangenheit. Zu sehen heute gibt es auch Ungerechtigkeit, Übel und eine schlimmere Clique führt uns an der nase herum, bloß das ist o.k., weil das ist ja Freiheit.
Diese Doppelbewertung schaft bei mir eine Stellungnahme pro DDR, das ist aber kein Stolz.


DoreHolm und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#75

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 19:53
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ich setz das mal fort von heute früh(gute Antwort Rüganer, steh ich voll dahinter) und ich versuche es mal anders herum, von der heutigen Betrachtung her was dann kam, mit der Wiedervereinigung daherkam.Genau Leute, es kam nicht nur die grenzenlose schöne Freiheit, es kam die ganze gesellschaftliche Krätze mit, mit Wucht, genau die Krätze, die wir als geborene DDR-Bürger(hier arno als Grenzer/eventuell Offizier) doch garnicht kannten, zumindest im alltäglichen Alltag nicht kannten.

Das alles fängt an mit Armut, Kinderarmut, Obdachlosigkeit, Drogensucht...überhaupt der ganze Dreck was das so alles nach sich zieht, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung des Menschen durch den Menschen...klingt so schön nach Marx/Engels kommt aber hin, kommt voll hin, und so liese sich das noch ellenlang fortsetzen.

Also von dieser Seite betrachtet meine ich ;" Der arno hat so Unrecht nicht mit seinem Satz, im Gegenteil, der hielt diese Unmenge gesellschaftliche Krätze, könnte man auch als Pest bezeichnen doch von einem sozialistischen System ab, für das er da an der Grenze stand."Ich weiß jetzt schon, mein Text reizt zu Widerspruch, macht aber nichts, dafür sind wir ja hier, um das alles mal so richtig zu betrachten...das mit der gesellschaftlichen Krätze.

Denn mal ehrlich, sowas war so weit weg in der DDR, so weit weg wie der Mond. Ich verstehe heute ehrlich noch nicht, wie uns Brüder uns Schwestern West das alles damals so gleichgültig hingenommen haben. Die müssen doch mit offenen Augen geschlafen haben? Oder war das damals im schönen Westen..doch bissel anders wie heute? Eben doch wie im Schlaraffenland?

Lebensläufer


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#76

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 20:25
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #75
Ich setz das mal fort von heute früh(gute Antwort Rüganer, steh ich voll dahinter) und ich versuche es mal anders herum, von der heutigen Betrachtung her was dann kam, mit der Wiedervereinigung daherkam.Genau Leute, es kam nicht nur die grenzenlose schöne Freiheit, es kam die ganze gesellschaftliche Krätze mit, mit Wucht, genau die Krätze, die wir als geborene DDR-Bürger(hier arno als Grenzer/eventuell Offizier) doch garnicht kannten, zumindest im alltäglichen Alltag nicht kannten.

Das alles fängt an mit Armut, Kinderarmut, Obdachlosigkeit, Drogensucht...überhaupt der ganze Dreck was das so alles nach sich zieht, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung des Menschen durch den Menschen...klingt so schön nach Marx/Engels kommt aber hin, kommt voll hin, und so liese sich das noch ellenlang fortsetzen.

Also von dieser Seite betrachtet meine ich ;" Der arno hat so Unrecht nicht mit seinem Satz, im Gegenteil, der hielt diese Unmenge gesellschaftliche Krätze, könnte man auch als Pest bezeichnen doch von einem sozialistischen System ab, für das er da an der Grenze stand."Ich weiß jetzt schon, mein Text reizt zu Widerspruch, macht aber nichts, dafür sind wir ja hier, um das alles mal so richtig zu betrachten...das mit der gesellschaftlichen Krätze.

Denn mal ehrlich, sowas war so weit weg in der DDR, so weit weg wie der Mond. Ich verstehe heute ehrlich noch nicht, wie uns Brüder uns Schwestern West das alles damals so gleichgültig hingenommen haben. Die müssen doch mit offenen Augen geschlafen haben? Oder war das damals im schönen Westen..doch bissel anders wie heute? Eben doch wie im Schlaraffenland?

Lebensläufer


rot: Im Grunde war´s das Gleiche in Grün, wie bei uns. Wirtschaftswunderzeit, wo es fast allen von Jahr zu Jahr besser ging und man da eben nicht hinterfagt, ob das nicht seinen Preis hat, der irgendwann bezahlt werden muß. So eine ähnliche Phase hatten wir ja auch mal und wenn man Historikern glauben kann, sogar mit zeitweise größeren Steigerungsraten der wirtschaftlichen Schwerpunkte als die BRD. Da wurde ein bischen der Boden unter den Füßen verloren. Und dann natürlich jedes System mit seiner doch erfolgreichen politischen Propaganda und dem Vergleichen mit den Ländern ringsum. Die BRDler mit den Italienern, Griechen und Türken, wir mit den Polen und Russen. Weiterhin auch die restriktiven Gesetze gegen deutlich Andersdenkende. Da die Berufsverbotefür Mitglieder einer zugelassenen Partei bzw. deren Verbot, mit dem man sich offensichtlich nicht so schwer getan hat wie heute mit einem NPD-Verbot, hier andere Benachteiligungen in mannigfacher Art insbes. in den 50er und früheren 60er Jahre.



94 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#77

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 20:26
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

@Lebensläufer, ich kann eigentlich recht gut lesend verstehen, aber mir fällt es manchmal etwas schwer deine Beiträge lesend zu verstehen, ich brauche da mindestens zwei Anläufe tendierend zu drei.
Ich empfinde deine Äußerungen als überaus interessant und bemühe mich dem entsprechend, kannst du es bitte für mich und sicherlich auch andere User etwas grundverständlicher ausdrücken?
Wäre nett, ist aber nur eine Bitte, keine Vorderung.
Als R-M-L war alles fein geschliffen geschrieben, faktisch eine Wohltat zu lesen


zuletzt bearbeitet 27.02.2013 08:39 | nach oben springen

#78

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 20:38
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Grenzwolf ich muss ins Bett vorschlafen.....meine Nachtzeitungsschicht(beginnt 1.00Uhr) Machen wir besser morgen weiter. Ich finde um das nochmal zu betonen arnos Satz nicht so falsch, im Gegenteil, auch wenn ich da heute früh das etwas ironisch sarkastisch herübergebracht, besser hinterfragt hatte.

Lebensläufer eine gute Nacht allen ins Forum


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#79

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 26.02.2013 22:30
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #75

Denn mal ehrlich, sowas war so weit weg in der DDR, so weit weg wie der Mond. Ich verstehe heute ehrlich noch nicht, wie uns Brüder uns Schwestern West das alles damals so gleichgültig hingenommen haben. Die müssen doch mit offenen Augen geschlafen haben? Oder war das damals im schönen Westen..doch bissel anders wie heute? Eben doch wie im Schlaraffenland?

Lebensläufer


Hallo Lebensläufer,

1989 war die Bundesrepublik bestimmt kein Schlarraffenland. Wenn man sich an der Werbung orientierte, dann vielleicht. Aber wenn man die Entwicklung der 80-iger betrachtete, so hatte das schon Krisencharakter:

"Entscheidende Kursänderungen gab es 1982 zunächst in der Haushalts- und Wirtschaftspolitik. Die dringend notwendige Haushaltssanierung besaß oberste Priorität, hier stimmten die beiden Koalitionsparteien völlig überein. Der künftige Finanzminister Stoltenberg sah in der Korrektur der bisherigen Wirtschafts- und Finanzpolitik mit der Eindämmung der explodierenden Neuverschuldung die dringlichste – und durch seine Haushaltspolitik erfolgreich gemeisterte – Aufgabe. Dazu zählte ein Sparkurs, aber auch die Kürzung von Sozialleistungen, die Erhöhung der Steuereinnahmen (Mehrwertsteuer), zugleich aber der Versuch, durch Entlastung der Unternehmen die Konjunktur anzukurbeln.
War die Wirtschafts- und Finanzpolitik durchaus erfolgreich, so gelang trotz einer gewissen Verbesserung die Lösung des Arbeitslosenproblems nicht, da es zum erheblichen Teil strukturelle Ursachen besaß."

http://www.kas.de/wf/de/71.8760/

Kohl stand 1989 ganz schön unter Druck.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13507108.html

Die angeführten Quellen belegen nur ansatzweise wie ich die BRD vor 25 Jahren wahrgenommen habe. Im Januar 1990 war ich Leiterin der Lohnbuchhaltung in einem nicht geraden kleinen Berliner Baubetrieb. In zahlreichen Diskussionen habe ich meine Argumente bzw. meine Kenntnisse vom "Mond" eingebracht. Alle vom Bauleiter aufwärts, die alle durchweg Mitglieder der SED waren, haben mich ausgelacht. Zu dieser Zeit haben sie schon Pläne geschmiedet und von einer "Bautorte" geträumt, von der sie ein gehöriges Stück abhaben wollten. Und du wirst es nicht glauben, es sind solche Worte gefallen wie:"Dann werden wir endlich die Alkis los. Und Du musst nicht mehr deren Fehlzeiten hinterherrennen."

Die Ironie meiner persönlichen Geschichte ist, dass ich ein paar Wochen später, in diesem VEB als rote Socke verschrien war. Ich, die spätestens seit 1976 der DDR sehr kritisch gegenüber stand.

Und glaub mal nicht, dass die Brüder und Schwestern im Westen blinder waren als ich.

LG von der grenzgaengerin


Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.02.2013 22:33 | nach oben springen

#80

RE: Vom Stolz, ein DDR-Bürger gewesen zu sein

in DDR Zeiten 27.02.2013 07:54
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Grenzgängerin wenn ich das Problem Arbeitslosigkeit meine, dann meine ich nicht Leutchen(auch schon wie in der DDR siehe die Alkis, Assozialen, Arbeitsscheuen so der sozialistische Sprachgebrauch) die von sich aus null Bock auf Arbeit haben, hatten. Ich bin auf dem Bau groß geworden soll heißen so wie du es sinngemäß getextet hast, ich war ebenfalls ein kritischer Kopf wollte verbessern nur uns feinen Genossen waren zum Teil sowas von verfilzt und stehengeblieben das man eben andere Wege suchen musste, um echt auf Baustellen was durchzusetzen. Zumal wir eine wirklich gute Jugendbrigade waren.

Aber mal hin zum "Schlaraffenland", dem Westdeutschland vor sagen wir 1985 und dazu ein gutes Beispiel. Ich schreibe ab und an Geschichten, hier im Forum müssten noch "Die Irrfahrt des Sozialismo" und Die große Reise des Chaim Jahudin zum Mittelpunkt der Erde" zu finden sein. In einem anderen Forum begann ich mit "Dem Tod eines Maschinenarbeiters" mit noch offenem Ende.

Beschrieben wird darin ein typisch westdeutscher Arbeiter der in den 70er Jahren aus irgendwelchen Gründen arbeitslos wird. Die erste Reaktion eines Bruders West...sinngemäß formuliert"ich wüsste nicht so richtig was ich da schreibe denn im Westen galt zu der Zeit Arbeitslos gleich als Assozial, also anders ausgedrückt Arbeit gabs wohl wie in der Ernte". Wurde man...dann fand man sofort wieder Neue.

Ja Grenzgängerin, was sollte ich, der geborene DDR-Bürger daraufhin erwiedern? Ich musste es so verstehen...müssen. Wars nun doch das Schlaraffenland, so bis vielleicht 1985? Aber wir sind eigentlich OT, gefragt war ja sinngemäß, warum der arno nun stolz ist, ein Grenzer gewesen zu sein?

Und ich brachte gestern...(ich liebe das Wort sinngemäß) sinngemäß:"uns arno konnte stolz drauf sein, weil er eben als Grenzer der DDR den ganzen gesellschaftlichen Schmutz, die Krätze, die Pest vom System des Sozialismus ferngehalten hatte"
Nicht mehr und nicht weniger.

Lebensläufer

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