#1

Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 17:44
von Ecki | 408 Beiträge

Meine lieben gewesenen DDR-Bürger,

als gewesener DDR-Bürger erlaube ich mir die Frage, ob es euch heute besser, gleich gut oder schlechter als in der DDR geht. Diese Frage betrifft nicht nur, wie heute oft zugrundegelegt, die persönlichen materiellen Dinge, sondern sie ist allumfänglich gemeint.

Um es gleich zu sagen: in Summe geht es mir heute besser.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#2

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 17:50
von KARNAK | 1.690 Beiträge

Geht mir auch so.Wenn ich auch manchmal die Formen des Zusammenlebens etwas vermisse.Der Unterschied zwischen Kollektiv und Team halt.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#3

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 18:11
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

In Summe geht's mir heute auch besser, Ecki.
Im Detail:
Arbeit beim Kapitalisten macht Spass, ist manchmal ein bisschen stressig. Einkommen ist ok.
Team oder sozialistisches Kollektiv - ach, egal wie ich das nenne, derzeit ist für mich der Unterschied gar nicht so gross.
Reisen kann ich, wohin ich möchte. Zeit hätte ich gern mehr dafür.
Meine Familie (erwachsene Kinder, Enkel) sehe ich selten, leider. Sie sind über das Land verteilt. Die Entfernungen sind grösser geworden.
Nun ja, eigentlich klar: Unser Land ist ja auch ein bisschen grösser als früher.
Ein Hobby habe ich, welches ich in der DDR hätte nie so ausüben dürfen.... wegen der Fluchtgefahr.
Dort in der Rhön, wo ich früher mal die innerdeutsche Grenze bewacht habe, fliege ich heute in meiner Freizeit mit dem Gleitschirm herum...

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#4

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 18:17
von Pzella 82 | 356 Beiträge

..insgesamt geht es mir heute besser. Als gelernter DDR-Bürger hilft mir diese Erfahrung heute aber auch oft in meinem heutigen Alltag.
Den Zusammenhalt ehemaliger SBZ-Bewohner schätze ich heute immer noch höher ein, als den mit den Zugereisten. Dies ist aber ein subjektiv gefärbtes Bauchgefühl!

Grüßung

Pzella 82


...poor man wanna be rich, rich man wanna be king
and a king ain´t satisfied ´til he rules everything....Bruce Springsteen
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#5

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 18:18
von Lutze | 8.032 Beiträge

kann nur für mich sprechen,weder noch,zum Beispiel
-das Wort sicheren Arbeitsplatz kenne ich heute nicht mehr
-spüre viel mehr Egoismus als früher
-früher stabile u.a. Verbraucherpreise
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#6

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 18:30
von Acki | 169 Beiträge

ja heute ist alles viel besser, wir werden zwar auch nach Strich und Faden veralbert aber die Lebensqualität hat sich doch sehr verbessert.


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#7

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 18:57
von Ex-Huf (gelöscht)
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Hallo Ecki,

direkte Antwort auf Deine direkte Frage:
Ja, es geht mir heute lebensumständlich besser, keine materiellen Sorgen und ein Reisepass für alle Länder der Welt liegt griffbereit in meinem Sekretär.

Nachsatz: Ich möchte auch nicht verschweigen, dass nach 30 Jahren gelebter glücklicher Kindheit, Jugend, Ausbildung und beruflichen Fortkommens in der DDR nicht nur negative Erinnerungen, sondern auch erinnerungswürdige Umstände des Lebens damals gegenwärtig sind und bleiben.
Leider auch sehr unangenehme..., aber das wäre ein anderes Thema.

VG Ex-Huf


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#8

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 19:45
von Gelöschtes Mitglied
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Dann will auch mal meinen Senf dazu geben.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass es mir heute insgesamt schlechter gehen würde. Das ist nicht der Fall. Auch wenn ich in der DDR viele Dinge geschätzt habe, so wie sie sich aber zum Schluß dargestellt hatte, wollte ich sie und will ich sie auch nicht wieder haben. Man hat sich neu orientieren müssen und auch mit Höhen und Tiefen das Leben bisher gemeistert. Dabei ist auch einiges zu Bruch gegangen.
Den privaten "Luxus", den ich mir persönlich geleistet habe und noch leiste, waren und sind die zahlreichen Auslandsreisen nach 1989. So konnte ich Hongkong, Macau, wie auch Singapur erkunden. War in Myanmar, Thailand, Indonesien und Indien. Bis auf Kolumbien alle Länder Südamerikas kennen gelernt. Und nicht zuletzt auch die USA und Kanada. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Tauchsafaris.
Ich konnte mir eine ordentliche Tauchausrüstung zulegen, wie sie sonst nur die Bergungstaucher der BBB Rostock und die Kampfschwimmer der NVA hatten. Bin richtig stolz auf mein schwedisches Equipment von "Poseidon".
Was ich vermisse, ist der unkomplizierte Umgang der Menschen mit- und untereinander, soziale Gerechtigkeit und Geborgenheit, Chancengleichheit für alle (aber die gab es ja in der DDR auch nicht, wenn man ehrlich ist) und noch einige andere Dinge, die aber mein Leben nicht maßgeblich beeinträchtigen.

Man könnte noch mehr dazu sagen.

Vierkrug


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#9

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 20:01
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #8
Dann will auch mal meinen Senf dazu geben.
Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass es mir heute insgesamt schlechter gehen würde. Das ist nicht der Fall. Auch wenn ich in der DDR viele Dinge geschätzt habe, so wie sie sich aber zum Schluß dargestellt hatte, wollte ich sie und will ich sie auch nicht wieder haben. Man hat sich neu orientieren müssen und auch mit Höhen und Tiefen das Leben bisher gemeistert. Dabei ist auch einiges zu Bruch gegangen.
Den privaten "Luxus", den ich mir persönlich geleistet habe und noch leiste, waren und sind die zahlreichen Auslandsreisen nach 1989. So konnte ich Hongkong, Macau, wie auch Singapur erkunden. War in Myanmar, Thailand, Indonesien und Indien. Bis auf Kolumbien alle Länder Südamerikas kennen gelernt. Und nicht zuletzt auch die USA und Kanada. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Tauchsafaris.
Ich konnte mir eine ordentliche Tauchausrüstung zulegen, wie sie sonst nur die Bergungstaucher der BBB Rostock und die Kampfschwimmer der NVA hatten. Bin richtig stolz auf mein schwedisches Equipment von "Poseidon".
Was ich vermisse, ist der unkomplizierte Umgang der Menschen mit- und untereinander, soziale Gerechtigkeit und Geborgenheit, Chancengleichheit für alle (aber die gab es ja in der DDR auch nicht, wenn man ehrlich ist) und noch einige andere Dinge, die aber mein Leben nicht maßgeblich beeinträchtigen.

Man könnte noch mehr dazu sagen.

Vierkrug




@Vierkrug hat es schon sehr gut auf den Punkt gebracht, auch wenn der seinige DDR- Lebensweg von dem meinigen nicht unerheblich abweicht, sowohl in der beruflichen entwicklung als auch in den persönlichen Interessen und Hobbys, schließe ich mich diesem Statement an.

Kurz und mit eigenen Worten gesagt, wirtschaftlich geht es mir besser, seelisch und geistig nicht unbedingt. Ich fühle mich um einiges freier, aber nicht frei. In mancher Hinsicht fühle ich mich um die Früchte der friedlichen Revolution 1989 betrogen und nach Jahren eines realen Aufwärtstrendes, einer gesunden Euphorie zunehmend rücksichtsloser Politik mit mafiosen Strukturen ausgesetzt. Ich fühle mich angekommen in einer übelen aber anscheinend noch steigerungsfähigen Form des Raubritterkapitalismus und der uneingeschränkten Macht globalisierter Finanzmärkte.
Zukunftsaussicht, Prognose: Trend negativ!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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zuletzt bearbeitet 07.02.2013 20:02 | nach oben springen

#10

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 21:11
von Issjåfør | 6 Beiträge

Hallo,

Ich bin noch nicht lange in diesem Forum.
Nun möchte ich mich aber hier auch einmal der Frage widmen, ob es heute besser geht.

Ich war zu DDR-Zeiten Hochseefischer. Wir hatten einen überdurchschnittlich hohen Lohn, kamen auch mal ins Ausland, hatten ein paar D-Mark, Pound, Dollar oder Peseten in der Hand. Mir ging es also gut in der DDR. Das soll aber nicht heißen, dass wir mit der Politik in der DDR immer konform liefen.
Ich hatte 11 Jahre inklusive Lehre ein und den gleichen Job, ohne Angst was morgen kommt.
Nach der Wende war es das erste was ich verloren habe: meinen Job! All die Jahre hat der Westen sogar in Rostock produzieren lassen (Condor, wenn diese Fischprodukte noch jemand kennt) aber nun waren wir plötzlich zu teuer.
In der Folge habe ich 3 Pleitefirmen erlebt, wo ich noch meinem Geld hinterher lief. Ich habe nie alles bekommen, was ich hätte bekommen müssen.
Mein Fazit:
In der DDR war ich sozial abgesichert, hatte ein gutes Auskommen. Aber gerade in meinem Beruf musste man doch immer aufpassen, dass man nicht politisch auffällt. Ich hatte Kollegen die nach ihrer Scheidung von den Frauen denunziert wurden und ihr Seefahrtsbuch abgeben mussten, obwohl deren Behauptungen aus der Luft gegriffen waren.
Ein anderer Kollege musste sein Seefahrtsbuch abgeben, weil seine MUTTER einen Ausreiseantrag gestellt hatte. Angeblich gab es ja keine Sippenhaft!
Also das Politische war in der DDR schon ein Problem.
Anders heute: Ich kann meinen Mund aufmachen. Dafür kann mich niemand bestrafen.
Trotzdem habe ich im letzten Jahr dreimal meinen Job verloren, weil ich mich dagegen gewehrt habe, als Kraftfahrer bestehende Gesetze nicht einzuhalten.
Ist das nun anders? Nein nur gewiefter! Man vermittelt den Menschen Freiheit und Demokratie. Bist du ihnen aber im Wege, hast du auch nur keine Chance!
Ich möchte die DDR in ihrer Form auch nicht wieder haben, aber die derzeitige Politik ist auch reformbedürftig.
Wirtschaftlich, naja es geht recht gut. Es mangelt den Menschen an nix. Aber auch nur, wenn sie das Geld dazu haben. Ich persönlich halte mich momentan gerade so über Wasser, dass ich alle notwendigen Lebenshaltungskosten bezahlen kann. Also es reicht zum Leben. Aber mehr nicht.
In der DDR hatte ich genug Geld für mehr, aber bekanntlich hatten wir dort eine "Mangelwirtschaft". Was aber nicht heißen soll, dass man nicht mal das Nötigste zum Leben hatte. Das hatten ALLE!
Beide Systeme unterscheiden sich also von einander. Aber in beiden gab/gibt es Gutes und Schlechtes.
Ich kann nicht so genau sagen, ob es mir heute besser geht.



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#11

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 07.02.2013 22:16
von ddr-bürger (gelöscht)
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Materiel lebe ich heute auf dem gleichen Niveau wie zu DDR Zeiten. Dabei ist aber auch zu beachten, das nicht alles 1 zu 1 verglichen werden kann. Vom Lebensgefühl habe ich mich verschlechtert. Die Gründe darin sind für mich auch in den wirtschaftlichen Zwängen zu suchen. Was nutzt ein ca. gleicher Lebensstandart wenn er durch Trennung der Familie aus beruflichen Gründen bezahlt wird (nur als ein persönlich erlebtes Beispiel)?


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#12

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 07:03
von furry | 3.563 Beiträge

Es ist nicht so einfach das Gestern mit dem Heute zu vergleichen, zuviel Zeit liegt dazwischen, in der in jeglicher Hinsicht viel passiert ist.
Alles in allem fühlen wir uns heute zufriedener, was sicher aber mit daran liegt, dass ich mit meiner DDR-Ausbildung beruflich nach unserem Wechsel gen Niedersachsen gut durchstarten konnte. Ich muss aber auch immer wieder sagen, wir hatten sehr, sehr viel Glück im richtigen Moment auf uns wohlgesonnene Menschen zu treffen, die mich schnell als Fachmann auf meinem Gebiet akzeptierten. Durch diese Verbindungen ergab sich auch für meine Frau ein Job in der Schweinezuchtbranche, der zwar nicht ihrer Ausbildung entspricht, ihr aber sehr viel Spaß macht.
In der hiesigen dörflichen Gemeinschaft haben wir auch unseren Platz gefunden und fühlen uns sehr wohl.
Unseren Söhnen hätte ich aber gewünscht, ihre schulische Ausbildung unter DDR -Verhältnissen zu beenden, was sich weniger auf die Lerninhalte bezieht, sondern auf die Durchführung der Wissensvermittlung. So wäre für sie sicher manches einfacher gewesen. Aber im familiären Zusammenhalt ließen sich so einige Klippen umschiffen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#13

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 13:13
von Gohrbi | 573 Beiträge

Zitat von Mutz im Beitrag #6
wir werden zwar auch nach Strich und Faden veralbert .


...damit will ich anfangen.....war in der Ex aber auch genau so.


Ich rede nur von der Familie, das politische Umfeld lasse ich außen vor, habe das beste draus gemacht,
wurde ausspioniert, aber nicht verfolgt......
Ich/wir haben vorher nichts vermißt und heute auch nicht. Was wir gebraucht haben, materiell und finanziell,
haben wir gehabt. Manche ließ sich schwerer beschaffen, aber es wurde beschafft. Dank guter Bekannter/Freunde/Familie.
Uns hat es dank kleiner extra DM-Scheinchen an nichts gefehlt. Arbeit, Wohnung, Kinder, SAPO, Urlaub...na gut nicht am Mittelmeer,
aber wer wollte da schon hin?Keine Schulden, es gab ja nur den Ehekredit und den haben die Kinder uns erlassen.
Wie geht es uns heute? Geld in Tüten (beide Rentner), Wohnung, Toyota, Kinder versorgt, Urlaub auf Sylt....
wer fährt schon an die Ostsee? Immer noch keine Schulden, weil sparsamer Umgang mit Geld in der Ex gelernt.
Zusammenfassung hüben wie drüben gut gelebt.......und glaube im Moment sogar besser.


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#14

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 14:04
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Das ist eine Frage. Du könntest hier, z.T. auch nur in Nuancen, so viel verschiedene meinungen lesen wie es User im Foruem gibt.
Seit 1993 habe ich für eine Pirmasenser Firma als Außendienster gearbeitet, dann auch Kunden in fast ganz D. Da bin ich oft gefragt worden, wie denn so die Leute im Osten über die Wende denken. Habe denen immer nur sagen können, daß sie hundert DDR-Bürger danach fragen können und hundert verschiedene Antworten erhalten werden. Damit waren sie zufrieden. Darauf gepocht, daß ja alle hell begeistert sein müßten und es heute noch sein sollten, hat eigentlich kaum einer gepocht.
Für mich selbst gesprochen, kann ich saldiert sagen, Plus/Minus Null, vielleicht ein kleines Plus, ja, aber vieles vermisse ich.



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#15

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 18:29
von LO-Wahnsinn | 3.485 Beiträge

Also ich mache da feinere Unterschiede, so pauschal und einfach lässt sich das auch garnicht beschreiben, würde eher ein Roman werden.
Es ging mir damals nicht schlecht, ich hatte Essen, Trinken, Dach übern Kopf, es gab eine Grundsicherung, eine Grundsicherung die heute schnell auf der Kippe stehn kann.
Man hat auch heute eine Grundsicherung, jedoch ist die nicht vergleichbar mit der in der DDR.
Hartz4 und Niedriglohn heute, sind mit Niedriglohn in der DDR nicht vergleichbar.
Da ich ein bescheidener Mensch bin, mir gehts heute auch gut, ich hab Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf.
Ich hab heute vielleicht mehr Möglichkeiten, doch im Alltag eines einfachen Arbeiters nutzt man diese nicht aus, bzw. man kann sie auch nicht ausnutzen.
Damals gab es Zwänge, heute gibt es Zwänge, sie sind nur anders, auch die Folgen von Verstössen sind anders, sind heute aber minder einschneidend wie damals.

Ich sag immer, und das trifft auf meine Person, auf meine Lebensumstände zu, mir gehts heute nicht besser oder schlechter wie damals, mir gehts anders.
Ich muss heute keine Abstriche machen wo ich damals welche machen musste, musste aber damals keine Abstriche machen wo ich heute welche machen muss.
Für mich hat sich also nichts wirklich verbessert, es gab nur Änderungen und Anpassungen an das neue Leben.
DAs einzige was sich wirklich gravierend für mich und auch für alle geändert hat, man kann sich auch im Westen verlieben ohne vor einem Berg an Problemen zu stehen.
Natürlich fährt sich mein Honda Accord Tourer auch viel besser als ein Wolga, obgleich ich das Sofa im Wolga nie vergessen werde.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#16

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 18:42
von schulzi | 1.756 Beiträge

mir geht es nicht besser und schlechter als früher, wen ich etwas will muss ich auch bloss sparen will nicht jammern bin im grossen ganzen zufrieden


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#17

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 18:58
von LO-Wahnsinn | 3.485 Beiträge

Zitat
Trotzdem habe ich im letzten Jahr dreimal meinen Job verloren, weil ich mich dagegen gewehrt habe, als Kraftfahrer bestehende Gesetze nicht einzuhalten.
Ist das nun anders? Nein nur gewiefter! Man vermittelt den Menschen Freiheit und Demokratie. Bist du ihnen aber im Wege, hast du auch nur keine Chance!
Ich möchte die DDR in ihrer Form auch nicht wieder haben, aber die derzeitige Politik ist auch reformbedürftig.



Du beschreibst das genauso wie ich das sehe.
Auch ich bin Kraftfahrer, tut aber nichts zur Sache ist in anderen Gewerben ebenso.

Meine West Tante hat eine Kneipe in Frankfurt/M.
Fragte mich ein Gast ob es nun für mich besser sei.
Ich sagte nein, nicht besser, es ist anders.
Früher durfte ich nie sagen Honnecker ist ein Arschloch, ich wär im Knast gelandet.
Ok Knast ist keine Kur, politischer schon garnicht, man hatte abgefrühstückt.
Ich durfte zu meinem Chef aber sagen das er eine dumme Schwuchtel ist, da gabs vielleicht einen Verweis, mein Grundeinkommen war jedoch nicht gefährdet.
Heute kann ich sagen, Merkel -damals noch Kohl- ist ein Arschloch, das juckt keine Sau, aber wehe ich sag das zu meinem Chef, dann bin ich raus.
Gehe ich dann mit dieser fristlosen Kündigung zum Arbeitsamt, bekomme ich noch eine 12 Wochen Sperre, also auch Knast.
Vielleicht schlimmer noch, im Knast gibts Essen und Trinken.

Also man ist nicht wirklich frei, Dinge haben sich geändert, der Mensch ist ein Gewohnheitstier was sich anpassen kann.

Mit anderen Worten, ich bin NUR Volk, ich lebte dort, ich lebe hier, mache das beste draus wie wohl die meisten.
Kritiker würden sagen, Fähnchen nach dem Wind, darauf ist geschissen, ich lebe nur für mich und meine Familie und meine Nachkommen.

Politisch denke ich, trotz das ich politisch links stehe, die soziale Marktwirtschaft ist die besser Gesellschaftsform, doch leider ist diese längst nicht mehr sozial.
Ich denke, wir sind 1989 für eine freie, real soziale Marktwirtschaft auf die Strassen gegangen, leider haben wir das nicht in der Form bekommen wie wir uns das gedacht/gewünscht haben, eine Mischung aus DDR und BRD, wir haben nichtmal BRD (vor 1989) bekommen.
Ich will aber nicht klagen, Essen, Trinken, Dach übern Kopf ist da, auch ein wenig Luxus ist möglich sofern man einen Job hat.
Darum würde ich auch nie sagen das es mir heute schlechter geht, Dinge die früher kompliziert waren sind heute einfacher, Dinge die früher einfacher waren sind heute kompliziert.
Das Ideal haben wir aber nicht und ich denke wir werden das auch nicht mehr erleben.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
damals wars, Kurt, Schmiernippel, silberfuchs60 und josy95 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 19:55
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #15
Also ich mache da feinere Unterschiede, so pauschal und einfach lässt sich das auch garnicht beschreiben, würde eher ein Roman werden.
Es ging mir damals nicht schlecht, ich hatte Essen, Trinken, Dach übern Kopf, es gab eine Grundsicherung, eine Grundsicherung die heute schnell auf der Kippe stehn kann.
Man hat auch heute eine Grundsicherung, jedoch ist die nicht vergleichbar mit der in der DDR.
Hartz4 und Niedriglohn heute, sind mit Niedriglohn in der DDR nicht vergleichbar.
Da ich ein bescheidener Mensch bin, mir gehts heute auch gut, ich hab Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf.
Ich hab heute vielleicht mehr Möglichkeiten, doch im Alltag eines einfachen Arbeiters nutzt man diese nicht aus, bzw. man kann sie auch nicht ausnutzen.
Damals gab es Zwänge, heute gibt es Zwänge, sie sind nur anders, auch die Folgen von Verstössen sind anders, sind heute aber minder einschneidend wie damals.

Ich sag immer, und das trifft auf meine Person, auf meine Lebensumstände zu, mir gehts heute nicht besser oder schlechter wie damals, mir gehts anders.
Ich muss heute keine Abstriche machen wo ich damals welche machen musste, musste aber damals keine Abstriche machen wo ich heute welche machen muss.
Für mich hat sich also nichts wirklich verbessert, es gab nur Änderungen und Anpassungen an das neue Leben.
DAs einzige was sich wirklich gravierend für mich und auch für alle geändert hat, man kann sich auch im Westen verlieben ohne vor einem Berg an Problemen zu stehen.
Natürlich fährt sich mein Honda Accord Tourer auch viel besser als ein Wolga, obgleich ich das Sofa im Wolga nie vergessen werde.


@ Lo-Wahnsinn....Ja was soll ich dazu sagen, ich für meine Person...sehe es genauso.


xxx
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#19

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 19:56
von Kurt | 933 Beiträge

Es hängt vom Lebensweg und der jeweiligen Situation des Menschen ab. Wie schon geschrieben, haben sich Pro und Kontra nur verschoben. Eine "Wiedervereinigung" war das 1990 sowieso nicht. Denn die ehemalige DDR wird immer als "Beitrittsgebiet" bezeichnet. Wer bei der NVA oder GT war, der hat "in fremden Heeren" gedient. Wenn ich nun genausoviel Geld verdiene, wie meine westlichen MitbürgerInnen, dann bekomme ich zwar auch meinen Rentenpunkt von der DRV gutgeschrieben, aber dieser ist in 25 Jahren, wenn ich in Rente gehen sollte, einige Euros weniger wert. Das sind Dinge auf die wir 1990 keinen Einfluß hatten.
Unsere Grenzerkaserne lag/liegt nördlich von Groß Glienicke. In diesen Ort sind wir im März 1990 gefahren, um die "neue Volkskammer" zu wählen. Viele waren damals wirklich der Hoffnung, daß ein besserer Staat entstehen wird. Aber dieser Traum zerplatzte schnell.
Es war nicht nur die Gier nach dem Westgeld und dem damit verbundenen Konsum. Hinter den Kulissen wurde Politik gemacht, während die Masse der Bevölkerung nicht ahnte, wohin der Zug wirklich fuhr. Die Politiker waren schon damals nur Marionetten.
Ich vermisse das Miteinander, die gute Schulbildung und Disziplin der Jugend. Wieviele junge Leute grüßen denn noch oder machen in Bus und Bahn den Platz für alte Leute frei? Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind kälter geworden. Zuviele Dinge laufen heute nur noch über Geld, und das ist schade.
Andererseits kann man reisen, wohin man möchte, wenn genügend Geld vorhanden ist. Aber da sind wir wieder beim Kernübel, der ungerechten Verteilung der erarbeiteten Werte. Irgendwann haben wir auch in unserem Land amerikanische Verhältnisse - wenige Menschen, die alles haben und viele Menschen, denen sehr wenig zur Verfügung steht.


silberfuchs60, LO-Wahnsinn, DoreHolm, Damals87 und josy95 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 08.02.2013 20:43
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Kurt im Beitrag #19
Es hängt vom Lebensweg und der jeweiligen Situation des Menschen ab. Wie schon geschrieben, haben sich Pro und Kontra nur verschoben. Eine "Wiedervereinigung" war das 1990 sowieso nicht. Denn die ehemalige DDR wird immer als "Beitrittsgebiet" bezeichnet. Wer bei der NVA oder GT war, der hat "in fremden Heeren" gedient. Wenn ich nun genausoviel Geld verdiene, wie meine westlichen MitbürgerInnen, dann bekomme ich zwar auch meinen Rentenpunkt von der DRV gutgeschrieben, aber dieser ist in 25 Jahren, wenn ich in Rente gehen sollte, einige Euros weniger wert. Das sind Dinge auf die wir 1990 keinen Einfluß hatten.
Unsere Grenzerkaserne lag/liegt nördlich von Groß Glienicke. In diesen Ort sind wir im März 1990 gefahren, um die "neue Volkskammer" zu wählen. Viele waren damals wirklich der Hoffnung, daß ein besserer Staat entstehen wird. Aber dieser Traum zerplatzte schnell.
Es war nicht nur die Gier nach dem Westgeld und dem damit verbundenen Konsum. Hinter den Kulissen wurde Politik gemacht, während die Masse der Bevölkerung nicht ahnte, wohin der Zug wirklich fuhr. Die Politiker waren schon damals nur Marionetten.
Ich vermisse das Miteinander, die gute Schulbildung und Disziplin der Jugend. Wieviele junge Leute grüßen denn noch oder machen in Bus und Bahn den Platz für alte Leute frei? Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind kälter geworden. Zuviele Dinge laufen heute nur noch über Geld, und das ist schade.
Andererseits kann man reisen, wohin man möchte, wenn genügend Geld vorhanden ist. Aber da sind wir wieder beim Kernübel, der ungerechten Verteilung der erarbeiteten Werte. Irgendwann haben wir auch in unserem Land amerikanische Verhältnisse - wenige Menschen, die alles haben und viele Menschen, denen sehr wenig zur Verfügung steht.


Ich denke, das war den meisten Menschen damals egal, es mußte sich was ändern.Ein Beitritt stand damals gar nicht im Rampenlicht der ehemaligen DDR-Bevölkerung, sondern eine verbesserte, erneuerte Republik und natürlich FREIHEIT.
Auch von seiten der BRD war das so nicht gedacht wie es sich entwickelte, aber die Chance war da, die Trennung zu beenden und es war der schnellste und vielleicht einfachste Weg .(nicht bezogen auf die Kosten)
Jeder wollte einen Teil vom Kuchen und das so schnell wie möglich.
Das was uns DDR-Bürger erwartet...wurde in der Schule gelehrt, wurde aber verdrängt....nicht wegen der Banane...wie viele Altbundesbürger annahmen.
Was die Verwandten im Westteil dachten, würde mich interessieren.
Nun sind 23 Jahre ins Land gegangen und die Einheit konnte nicht vollzogen werden, da es viele Mitmenschen gibt, die den anderen Landesteil noch gar nicht gesehen haben und sich demzufolge mal etwas tiefgründiger mit den "Neugewonnenen" beschäftigt haben.
Hinzu kommt das die Gräben nicht zugeschüttet worden ...von beiden Seiten und es Vorurteile gibt, aber wenn man sich miteinander nicht auseinander setzt...kann auch kein verstehen einsetzen.
Was nutzt uns die neue ausgeprägte Infrastruktur im Ostteil...wenn keine bezahlbaren Arbeitsplätze geschaffen werden und die jungen+Fachkräfte in den Westteil übersiedeln (müssen)..und das Gebiet zum " Altenheim" wird.....und im Westteil die Infrastruktur langsam kollabiert und die Straßen zum Beispiel aussehen wie zu DDR-Zeiten.
Wir sollten uns Alle zusammenraufen und gemeinsam was bewegen, um die Kluft zu überbrücken. Kein Mensch ist besser oder schlechter, als der andere.

silberfuchs60 wünscht Euch ein schönes Wochenende


xxx
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