#21

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 11.02.2013 10:33
von josy95 | 4.915 Beiträge

[quote=LO-Wahnsinn|p231481][quote]


(Zitat @LO-Wahnsinn Auszug)



Ich denke, wir sind 1989 für eine freie, real soziale Marktwirtschaft auf die Strassen gegangen, leider haben wir das nicht in der Form bekommen wie wir uns das gedacht/gewünscht haben, eine Mischung aus DDR und BRD, wir haben nichtmal BRD (vor 1989) bekommen.



....mit diesem eine Satz schilderst Du sehr präziese und treffend die Situation, die Stimmung der meisten Menschen im s. g. "Beitrittsgebiet" und ganz besonders die letzten 7 Worte haben es in sich!

Und wenn man parallel dazu einige besorgniserregenden Meldungn der letzten Tage sieht, ließt, wohlwissentlich natürlich keine Schlagzeilen, obwohl sie den idellen Wert dazu hätten:

- Todesfälle durch Alkoholmißbrauch in den neuen Bundesländern am höchsten, prozentuale werte erhebich über Bundesdurchschnitt, Spitzenreiter Mecklenburg- Vorpommern gleich gefolgt von Sachsen/ Anhalt und Thüringen....und...

- Überschuldung in den neuen Bundesländern am höchsten, besonders bei den 18 bis 30 Jährigen. Quote weit über Bundesdurchschnitt...

- Zahl der Minnijobber und Zahl der Abwanderung von Fachkräften ins benachbarte EU- Ausland in den neuen Bundesländer überproportional gestiegen...

- Zahl der Geschäftsaufgaben einschl. Insolvenzen im Dienstleistungsgewerbe wie auch Hotel- und Gaststätengewerbe der neuen Bundesländer besorgniserregend...., kultureller Kahlschlag auch bei vielen Vereinen durch massive Nachwuchssorgen...


Zu Letzterem, warum wohl? Weil durch Minnijobmodelle und Niedriglöhne kaum noch jemand Geld dafür übrig hat...




josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#22

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 11.02.2013 11:14
von Gelöschtes Mitglied
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Wie schrieb mir ein Freund heute Morgen:

>Irgendwann wird ja dann der 108.000 qkm-Landstrich das Reservat der Rentner, Pensionäre und Hartz IV-ler sein, sozusagen als verspottete, ähm verspätete "Sonderwirtschaftszone-Ost"<


zuletzt bearbeitet 11.02.2013 11:37 | nach oben springen

#23

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 19.02.2013 18:44
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #22
Wie schrieb mir ein Freund heute Morgen:

>Irgendwann wird ja dann der 108.000 qkm-Landstrich das Reservat der Rentner, Pensionäre und Hartz IV-ler sein, sozusagen als verspottete, ähm verspätete "Sonderwirtschaftszone-Ost"<


Klingt sehr traurig, aber da steckt für mich auch Wahrheit drin.

Wie oft habe ich mir diese Frage gestellt. "Geht es mir nun nach der Wende besser, bin ich nun frei?"

Freiheit, was ist das? Jeder gibt da bestimmt eine andere Antwort, denn für jeden ist doch Freiheit etwas anderes, oder?

Mein Leben, ja das hat sich verändert. Bei mir nicht gerade negativ, doch habe ich ja Augen im Kopf und sehe wie es anderen einst ging und heute geht!

Gruß vom Glatten


ACRITER ET FIDELITER


Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#24

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 19.02.2013 19:07
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #21


- Todesfälle durch Alkoholmißbrauch in den neuen Bundesländern am höchsten, prozentuale werte erhebich über Bundesdurchschnitt, Spitzenreiter Mecklenburg- Vorpommern gleich gefolgt von Sachsen/ Anhalt und Thüringen....und...

- Überschuldung in den neuen Bundesländern am höchsten, besonders bei den 18 bis 30 Jährigen. Quote weit über Bundesdurchschnitt...

- Zahl der Minnijobber und Zahl der Abwanderung von Fachkräften ins benachbarte EU- Ausland in den neuen Bundesländer überproportional gestiegen...

- Zahl der Geschäftsaufgaben einschl. Insolvenzen im Dienstleistungsgewerbe wie auch Hotel- und Gaststätengewerbe der neuen Bundesländer besorgniserregend...., kultureller Kahlschlag auch bei vielen Vereinen durch massive Nachwuchssorgen...
Mein lieber yosi95,

"Wir wollen zueinander Vertrauen fassen und gemeinsam unsere Schuldigkeit tun"

(Tagesbefehl von Generalfeldmarschall v. Hindenburg vor der Schlacht bei Tannenberg 1915)

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


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#25

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 19.02.2013 19:56
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Eigentlich ist nach 24 Beiträgen alles gesagt, da könnte ich von jedem was übernehmen, wobei ich trotz allen nominalen Wohlstands nur ein Bewertungskriterium anerkennen möchte und das ist die Summe der glücklichen Tage und die war in der DDR trotz allem deutlich höher.
Dazu zählt die soziale Einbindung außerhalb der Familienstrukturen- sprich Nachbarn- Kollegen- Vereine- Jugendverband- die sind im Prinzip komplett zerschlagen, hier steht kein Stein mehr auf dem anderen, das will ich nicht im Detail ausführen, nur soviel- es hat ausschließlich mit der nicht mehr planbaren Zeit am Heimatort zu tun.
Für wichtige Vorhaben, wie Banktermine, Zahnarztbehandlungen, Umzugshilfe etc. muß man Urlaub nehmen (oder krank machen...dazu bin ich nicht abgebrüht genug), alles andere ist riskant, es ist fast schon Leibeigentum, wobei ich daran auch ein wenig selbst schuld bin, so müßte ich eben andere Prioritäten setzen, nach dem Motto "Privat geht vor Katastrophe".
So z.B. als plötzlich neue Züge im Dienstplan auftauchten und die Loks dafür nicht reichten.
So wurden über Nacht neue angemietet, für die nur ich als Uraltbahner die Ausbildung hatte und innerhalb von zwei Wochen die Kollegen einzuweisen hatte.
Da wird man nun fragen, Hackel bist Du der Chef ?
Natürlich nicht, aber Hackel weiß wo er hergekommen ist, von einer Bahn AG dessen Vorstandschef sich innerhalb von 5 Jahren das Gehalt versechsfacht hatte und Leute wie Hackel in die DB Zeitarbeit drücken wollte...für 2/3 des bisherigen Einkommens.
Die neue Firma bot den doppelten Lohn als die DB Zeitarbeit, machte aber unmißverständlich klar, daß man dafür etwas erwartet und danach richte ich mich auch bis heute.
Hätte es nun keine derart ethische Verdreckung eines Staatsbetriebes gegeben, einen Vorstand, der weiterhin mit 500.000 Euro/ Jahr zufrieden ist, so wäre Hackel auch noch der Protokollführer im Anglerverband, der gefragte Gartenspezialist für die Vermehrung von Ziergehölzen für die Nachbarn, der Chronist für das Eisenbahnwesen am Heimatort oder sonst was- statt dessen macht er weiter Klassenkampf.
Zwar weiß er, daß er beim Staatsbetrieb DB weniger produktiv ist als bei einer westdeutschen Privatbahn mit durchweg profitablen Geschäftsfeldern aber er hätte sich trotzdem mit weniger zufrieden gegeben, wenn es diese raffgierigen Bonzen eben nicht geben würde.
Das gesellschaftliche Anliegen nach maßvollen Einkommensstrukturen ist eben auch ein privates Anliegen, dem sich fast alles unterordnet und ich bin davon überzeugt, daß es diese Niedriglohnspirale nicht geben würde, wenn jeder so flexibel wäre, was wiederum kein Vorwurf an andere ist, die noch höherwertige Verpflichtungen haben, wie Kleinkinder im Haushalt oder Pflege der Eltern usw.
Wie gesagt, es ist alles hier beschrieben, was sich darauf aufbaut, es sind eben diese Strukturen, die in den letzten 20 Jahren kaum noch Aufsteiger hervorgebracht haben, über die Ursachen müssen wir anderswo kommunizieren.



damals wars und Pitti53 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#26

RE: Frage an die gewesenen DDR-Bürger

in DDR Zeiten 28.02.2013 19:25
von KaPeEm | 19 Beiträge

Hallo,
zur Eingangsfrage wurde von vielen ja schon etwas gesagt, aber ich möchte mich auch äußern.
Ja, mir ging es als gelernter DDR - Bürger gut, ich habe eine gute Bildung genießen können, einen schönen Beruf gelernt und war 3 Jahre bei den Grenztruppen. Aber 3 Jahre nur deshalb, weil das Voraussetzung für mich war, um Diesellokführer werden zu dürfen.
Nach den 3 Jahren hat mir der selbe Kaderchef gesagt, daß ich erstmal wieder 3 Jahre im Schuppen arbeiten müßte, um zum Loklehrgang delegiert zu werden.
Also weg von der Bahn und über Umwegen den Lokschein für die Anschlußbahn gemacht. Habe sehr viel Geld da verdient durch rollendes Schichtsystem und Überstunden. Nach dem Studium denn in leitenden Positionen bis 89 tätig gewesen. Der letzte Betrieb wurde dann aber schnell abgewickelt ( welch ein Ausdruck) und ich durfte gehen. Mit 40 Jahren war ich auf einmal zu alt.
Ich habe aber schnell gelernt ( von s.g. Wessis), daß man nicht ducken darf, und sein Leben selbst in die Hand nehmen muß.
War dann für 10 Jahre selbstständig und habe diese selbst aufgegeben, um als Taxifahrer tätig zu sein im Angestelltenverhältnis.
Das hatte seine Ursache mit der sozialen Absicherung bei Krankheit und Berufsunfähigkeit; seit November 2011 weiß ich, daß ich richtig gehandelt habe.
Fazit für mich:
Ich bin selbstbewußter geworden, kann mich behaupten und auch aufrecht gehen ohne mich verbiegen zu müssen.
Materiell geht es mir besser, aber ich habe bis 1989 nicht viel vermißt, denn mir und meiner Familie ging es ja gut.
Klar, habe ich auf der Transitautobahn die Westschlitten und Motorräder begafft, während ich zu Hause in der Trabbiwerkstatt auf eine Durchsichtstermin Wochen warten mußte. Ich kann mir eine Farbfernseher kaufen und sogar wählen welche Marke und welche Preislage.

Was ich aber vermisse, daß ist der soziale Kontakt, der ist echt den Bach runtergegangen, sei es in der Firma oder im Haus, jeder ist sich selbst der Nächste.
Auf der anderen Seite kann meine Tochter (11 Jahre) im Sportverein tätig sein, die für ein Proletarier nicht zugänglich waren, trotz Diktatur des Proletariats, und sie hat durch ihre Fähigkeit und Talent schon in Ländern wie Mexiko und Singapur Deutschland vertreten und präsentieren dürfen.
So viel von meiner Seite, wie wurde hier schon in einen Beitrag gesagt, wir Menschen passen uns schnell an.
Klaus


Ich bleibe bei der alten Rechtschreibung, und,
geht mir vom Acker mit der Biokost,
in meinen Alter braucht man Konservierungsmittel
zuletzt bearbeitet 28.02.2013 19:52 | nach oben springen



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