#1

Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 17:09
von furry | 3.581 Beiträge

Nachdem das Thema „Angst und Schrecken“ schon bearbeitet wird, würde mich mal interessieren, wie denn die wesentlichsten Organellen, hiermit meine ich die Menschen in diesem Organ, miteinander oder auch gegeneinander agierten.
Aus den Berichten der ehemalige „Organellen“ dieses Organs entnehme ich, dass das Herangehen an gewisse Aufgaben oder Vorgaben zumindest heute doch etwas verschieden gesehen wird.
Oberstes Gebot war die Konspiration. Jeder erfüllte seine Aufgabe, durfte aber nicht wissen, was zwei Türen weiter bearbeitet wird aber am Ende mussten die Erkenntnisse ein einheitliches Ganzes ergeben.
Nun kommen einige Fragen an das breite Spektrum der ehemaligen MfS-Angehörigen:
1. Als militärisch organisiertes Organ waren Befehle zu erfüllen, die sich letztlich aus Vorgaben der Partei ableiteten. Fanden diese Befehle immer bedingungslose Zustimmung oder wurden im kleinen Kreis oder gar in Dienstbesprechungen Zweifel angemeldet?
2. Wie waren die Zusammenarbeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Dienstgraden? Wir haben inzwischen gelernt, dass so mancher Höhergestellte seine eigenen Leute nach der Wende bloß gestellt hat. Wurden die höheren Dienstgrade von den niederen und umgekehrt voll respektiert oder hat man so manchen „Raupenschlepper lieber von hinten als von vorn gesehen? Wenn ja, was zeichnete solch eine Person aus, dass sie sich eine gewisse Arroganz leisten konnte?
3. Was motivierte einen Mitarbeiter trotz abgehobener Vorgesetzter, seine Aufgaben zu erfüllen? War es Angst vor einer Disziplinarstrafe oder innerste Überzeugung?
4. Organisiert wurde der Dienst über Dienstvorschriften, von denen einige schon eingestellt wurden. Wie die ehemals aktiven Grenzer berichten und wie es auch in der Wirtschaft vorkam, wurde nicht immer danach gehandelt. Wurden beim MfS die DVO immer 1:1 umgesetzt, oder wurde nicht doch mal so ganz nebenbei ein Telefon angezapft, eine nichtgenehmigte Brieföffnung durchgeführt oder sind gar doch mal einem Mitarbeiter die Pferde durchgegangen und ihm dabei die Hand ausgerutscht?
5. Wenn überhaupt, wie wurden solche DVO-Verstöße geahndet?
6. Wie erfolgte die Vergabe von Sonderkontingenten, wie Wohnung oder Auto? Nach Bedarf oder von oben nach unten?
7. Ergab es sich, dass bei der Vergabe von Wohnungen mehrere Mitarbeiter einer Dienststelle dicht beieinander wohnten? Gab es in dem Fall private Kontakte und wie intensiv waren die?
8. Gab es für MfS-Mitarbeiter einen internen Feriendienst, denn eine Mitgliedschaft im FDGB gab es meines Wissens nicht? Wo und wie verbrachte man seinen Urlaub? Konnte der widerspruchslos auf Befehl unterbrochen werden? Wenn es „firmeneigene“ Ferienheime gab, wurden die Plätze in einem bestimmten Heim querbeet vergeben oder erfolgte hier je nach Qualität des Heimes eine Klassifizierung nach Dienstgrad bzw. –stellung oder saß dann der Oberst nebst Gemahlin mit dem Feldwebel an einem Tisch?

Zwar würden mir noch weitere Fragen einfallen, aber soviel bis hierher.
Für offene und ehrliche Antworten bedanke ich mich schon einmal. Sollten einige Fragen zu direkt sein, dann bitte keine Hausnummern sondern lieber gar nicht antworten.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#2

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 17:48
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #1
Nachdem das Thema „Angst und Schrecken“ schon bearbeitet wird, würde mich mal interessieren, wie denn die wesentlichsten Organellen, hiermit meine ich die Menschen in diesem Organ, miteinander oder auch gegeneinander agierten.
Aus den Berichten der ehemalige „Organellen“ dieses Organs entnehme ich, dass das Herangehen an gewisse Aufgaben oder Vorgaben zumindest heute doch etwas verschieden gesehen wird.
Oberstes Gebot war die Konspiration. Jeder erfüllte seine Aufgabe, durfte aber nicht wissen, was zwei Türen weiter bearbeitet wird aber am Ende mussten die Erkenntnisse ein einheitliches Ganzes ergeben.
Nun kommen einige Fragen an das breite Spektrum der ehemaligen MfS-Angehörigen:
1. Als militärisch organisiertes Organ waren Befehle zu erfüllen, die sich letztlich aus Vorgaben der Partei ableiteten. Fanden diese Befehle immer bedingungslose Zustimmung oder wurden im kleinen Kreis oder gar in Dienstbesprechungen Zweifel angemeldet?
2. Wie waren die Zusammenarbeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Dienstgraden? Wir haben inzwischen gelernt, dass so mancher Höhergestellte seine eigenen Leute nach der Wende bloß gestellt hat. Wurden die höheren Dienstgrade von den niederen und umgekehrt voll respektiert oder hat man so manchen „Raupenschlepper lieber von hinten als von vorn gesehen? Wenn ja, was zeichnete solch eine Person aus, dass sie sich eine gewisse Arroganz leisten konnte?
3. Was motivierte einen Mitarbeiter trotz abgehobener Vorgesetzter, seine Aufgaben zu erfüllen? War es Angst vor einer Disziplinarstrafe oder innerste Überzeugung?
4. Organisiert wurde der Dienst über Dienstvorschriften, von denen einige schon eingestellt wurden. Wie die ehemals aktiven Grenzer berichten und wie es auch in der Wirtschaft vorkam, wurde nicht immer danach gehandelt. Wurden beim MfS die DVO immer 1:1 umgesetzt, oder wurde nicht doch mal so ganz nebenbei ein Telefon angezapft, eine nichtgenehmigte Brieföffnung durchgeführt oder sind gar doch mal einem Mitarbeiter die Pferde durchgegangen und ihm dabei die Hand ausgerutscht?
5. Wenn überhaupt, wie wurden solche DVO-Verstöße geahndet?
6. Wie erfolgte die Vergabe von Sonderkontingenten, wie Wohnung oder Auto? Nach Bedarf oder von oben nach unten?
7. Ergab es sich, dass bei der Vergabe von Wohnungen mehrere Mitarbeiter einer Dienststelle dicht beieinander wohnten? Gab es in dem Fall private Kontakte und wie intensiv waren die?
8. Gab es für MfS-Mitarbeiter einen internen Feriendienst, denn eine Mitgliedschaft im FDGB gab es meines Wissens nicht? Wo und wie verbrachte man seinen Urlaub? Konnte der widerspruchslos auf Befehl unterbrochen werden? Wenn es „firmeneigene“ Ferienheime gab, wurden die Plätze in einem bestimmten Heim querbeet vergeben oder erfolgte hier je nach Qualität des Heimes eine Klassifizierung nach Dienstgrad bzw. –stellung oder saß dann der Oberst nebst Gemahlin mit dem Feldwebel an einem Tisch?

Zwar würden mir noch weitere Fragen einfallen, aber soviel bis hierher.
Für offene und ehrliche Antworten bedanke ich mich schon einmal. Sollten einige Fragen zu direkt sein, dann bitte keine Hausnummern sondern lieber gar nicht antworten.



Bin zwar nicht von der "Firma", aber bezüglich eigener Ferienheime wäre mir das logisch, damit nicht abends bei etwas zu viel Bier nicht zu viel Fremden gegenüber gequatscht werden konnte. Die Rothenburg auf dem Kyffhäuser soll so ein vorrangig vom MfS genutztes Ferienheim gewesen sein. Könnte das so stimmen ?



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#3

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 20:20
von 80er | 572 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #2
Zitat von furry im Beitrag #1

8. Gab es für MfS-Mitarbeiter einen internen Feriendienst, denn eine Mitgliedschaft im FDGB gab es meines Wissens nicht? Wo und wie verbrachte man seinen Urlaub? Konnte der widerspruchslos auf Befehl unterbrochen werden? Wenn es „firmeneigene“ Ferienheime gab, wurden die Plätze in einem bestimmten Heim querbeet vergeben oder erfolgte hier je nach Qualität des Heimes eine Klassifizierung nach Dienstgrad bzw. –stellung oder saß dann der Oberst nebst Gemahlin mit dem Feldwebel an einem Tisch?



Bin zwar nicht von der "Firma", aber bezüglich eigener Ferienheime wäre mir das logisch, damit nicht abends bei etwas zu viel Bier nicht zu viel Fremden gegenüber gequatscht werden konnte. Die Rothenburg auf dem Kyffhäuser soll so ein vorrangig vom MfS genutztes Ferienheim gewesen sein. Könnte das so stimmen ?


Die Rothenburg auf dem Kyffhäuser war als Ferienheim des MfS ein offenes Geheimnis und unter der Bevölkerung als solches Ferienobjekt bekannt!


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#4

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 20:51
von andy | 1.199 Beiträge

Wo fange ich dann mal an?
Natürlich bei Pkt.1) und ich kann natürlich nur berichten, wie es bei mirin der HA I/Aufklärung lief.

Natürlich waren wir ein militärisch organisierterv Dienst, allerdings lief das bei uns etwas anders ab.

Jeder operative MA hatte eine Aufgabenstellung zu realisieren. In meinem Fall ging es um die Werbung inoffizieller Mitarbeiter im Bereich der Westberliner Polizei, des Zoll's oder Anwohner des direkten Grenzvorfeldes.

Dazu gab es mit dem direkten Vorgesetzten Absprachen über umzusetzende Maßnahmen (Speicherabfragen, Ermittlungen etc.), die durch den MA umzusetzen waren und durch den Vorgesetzten kontrolliert wurden.

Mal nebenbei ein Telefon anzapfen oder eine nicht genehmigte Brieföffnung realisieren ging nicht, denn dafür gab es ganz klare Weisungen:

Alle diese Maßnahmen waren genehmigungspflichtig, kein MA konnte ohne die Unterschrift seines Vorgesetzten irgendetwas in Gang setzen.

Eine Maßnahme M (Postkontrolle) war durch den UA-Leiter zu genehmigen, ebenso die Maßnahme 26 A (Telefonkontrolle). Alle weiteren Maßnahmen (Raumüberwachung, Videokontrolle, Beobachtung usw.) waren durch Abt.-Leiter und höher zu genehmigen.
Eine Maßnahme 26 B (Audioübeerwachung von Wohnräumen) war bei uns durch den Leiter der HA I bzw seinem Stv. zu genehmigen und diesen Stress tat man sich nur höchstselten an (ich komme auf max. eineinhalb Hände solcher Maßnahmen). Alle diese technischen Dinge wurden nie vom operativen MA selbst sondern ausschließlich von MA'n der entsprechenden Fachabteilungen durchgeführt. Also nix da von in jeder Hosentasche ne Wanze.

An die geltenen Dienstvorschriften sollte man sich schon halten, sonst gab es Ärger. Ich habe mal gegen die DV bzgl. der Kfz-Nutzung verstossen (24 km/h drüber) und war für 4 Wochen meine Dienstfahrerlaubnis los. Alkohol im Dienst führte im schweren Fall zur Strafversetzung - beliebte Abteilungen waren PKE sowie die Abwehr-DE der HA I.

Bis hier erst mal.

andy


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zuletzt bearbeitet 03.02.2013 20:52 | nach oben springen

#5

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 22:22
von andy | 1.199 Beiträge

Pkt 2 und 3)

Die Zusammenarbeit mit Dienstgraden ober- oder unterhalb des eigenen Dienstgrades/Dienststellung habe ich durchweg als sehr entspannt erlebt. MA untereinander, auch in unterschiedlichen DE'en haben sich i.d.R. geduzt, das "Sie" war bei uns erst ab Abt.-Leiter üblich. Natürlich kam man mit dem einen oder anderen besser zurecht und andere haben vielleicht auch mal Dienstgrad oder Dienststellung raushängen lassen, insgesamt empfand ich es aber als entspannend..
Ich war viel in der Republik unterwegs, habe mit MA'n von KD'n, entsprechenden Fachabteilungen im MfS direkt oder den BV'en zu tun gehabt. In persönlichen Absprachen spielte der Dienstgrad nie eine Rolle, den bekam man lediglich im Rahmen des offiziellen Schriftwechsels mit.

Hinsichtlich der Realisierung der eigenen Aufgabenstellung empfand ich diese schon losgelöst vom Charakter des Vorgesetzten. Glücklicherweise war ich nie in der Situation, mit meinem direktem Vorgesetzten ein Problem zu haben. Abgehobene Chefs habe ich nicht erlebt und wenn - ich habe meinen Job so oder so so gut gemacht, wie ich es eben konnte - die Allüren oder nicht-Allüren des Leiters spielten dabei für mich keine Rolle.
Insgesamt hatte ich das Glück, in meiner Dienststellung relativ eigenständig arbeiten zu können - natürlich zählten die Ergebnisse und wenn die da waren, war alles ganz entspannt.

Ich kenne aus meiner DE niemanden, der als Vorgesetzte nach der Wende seinen Unterstellten blossgestellt hat, bestenfalls hat sich ein MA mit seinen vermeintlichen geheimdienstlichen Erfolgen zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Was Bestrafungen angeht, es war besser, alles im grünen Bereich zu halten, das galt für Kontoüberziehungen genauso wie für übermäßigen Alkoholgenuss, fremdgehen, mit dem Dienstwagen rasen oder mit dem Dienstausweis rumwedeln. Kam letzteres raus wurde es echt ernst.

Das MfS war eigentlich für Grosskotze kein geeigneter Tummelplatz, obwohl es diese ganz sicher gab.

andy


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#6

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 22:24
von Gelöschtes Mitglied
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Das ist ja ein ganzer Fragenkomplex, der hier einer Beantwortung bedarf !!! Ich werde aber nicht alle Fragen in einen Beitrag beantworten. Und auch nur die, die ich selbst erlebt habe.

Als "Schild und Schwert der Partei" waren die Beschlüsse der Partei auch für uns bindend und bestimmend für unser Handeln. Sie waren die Richtschnur, aber nicht immer Dogma für unser Handeln. Gerade in unserer HA erlebten wir die Probleme in der Volkswirtschaft recht hautnah und wir erkannten auch die Widersprüche zwischen den Ansprüchen in den Beschlüssen der Partei und der objektiven Realität in der Praxis.
Wir konnten schon differenzieren und taten es auch.
U.a. wurde in durch unsere HA eine grundlegende und ungeschminkte Analyse der Situation in der Volkswirtschaft der DDR vorgenommen und der Parteiführung vorgelegt. Sie fand keine Beachtung und die Empfehlungen und Schlußfolgerungen zur Verbesserung der Lage wurden negiert. Das hat uns aber nicht davon abgehalten, den Daumen immer wieder auf die Wunden zu legen und Veränderungen in der Wirtschaftspolitik anzumahnen. Deshalb wurden auch alle Quellen genutzt, um den Istzustand wahrheitsgetreu zu beschreiben.
Aussagen dieser Analyse widerspiegelten sich dann in der "Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlußfolgerungen", die von Gerhard Schürer, Gerhard Beil und Alexander Schalck-Golodkowski als "Geheime Verschlußsache b5 - 1158/89" am 27.Oktober 1989 dann der Parteiführung vorgelegt wurde.
Unsere Ergebnisse und Analysen deckten sich jedoch nicht immer mit den Berichterstattungen und Informationen der Parteiorganisationen an die Parteiführung. Allein die Stimmungen und Meinungen aus den Parteiorganisationen vermittelten oftmals ein vollkommen anderes Bild, wie unsere Erkenntnisse.

Was die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten anbetrifft, so hatte ich keine Probleme. Mein letzter Vorgesetzter war zugleich einer der Abteilungsleiter in der HA und hatte den Dienstgrad OSL. Ich stand ja selber kurz vor der Beförderung zum Raupenschlepper, aber das "Volk" wollte es nicht mehr. Die Aufgabenstellungen waren klar umrissen und die Ergebnisübermittlung erfolgte über mehrere Kanäle bzw. im direkten Gespräch bei einer der Dienstreisen nach Berlin am einem öffentlichem Ort - im meinem Fall nie direkt im Ministerium. In der Gaststätte "Zur letzten Instanz" konnte man außerdem recht gut speisen - auch mein Lieblingsgericht Eisbein.
Das Verhältnis zu meinem Abteilungsleiter war gekennzeichnet vom gegenseitigem Respekt, Vertrauen und der Achtung voreinander. Mit den Jahren hat sich auch ein freundschaftlicher Umgang miteinander entwickelt. Ich habe ihn als ehrlichen, offenen, aber auch kompromißlosen Vorgesetzten kennen gelernt. Seine Autorität, seine Fach- und Sachkompetenz standen für mich nie zur Diskussion bzw. in Frage.
Wir haben uns auch einmal über einen Ausspruch des Ministers amüsiert, in der er von der Zuständigkeit und Verantwortung unserer HA sprach - dabei erwähnte er auch die Verantwortung für die Reparatur einer defekten Dachrinne bei einem Krankenhaus. Die Arbeitsschwerpunkte wurden eben unterschiedlich gesehen.

Manchmal stelle ich mir selbst die Frage, war ich immer ein guter Genosse, denn wir waren auch nur Menschen mit ihren individuellen Stärken und Schwächen. Ich weiß nicht, ob ein Glas Wodka oder ein Cognac zuviel, schon einen Verstoß gegen bestehende DV bedeutete.
Zugleich war ich ein entschiedener Gegner des sogenannten "Kadavergehorsames", der Menschen instrumentalisierte, aber ihre Initiative behinderte.

Was die Zusammenarbeit mit anderen HA und DE anbetrifft, so kann ich wenig dazu schreiben und ausführen. Ich hatte nur ein besonderes Erlebnis mit der selbsternannten Elite des MfS in Mocambique, über das ich heute immer noch schmunzeln muß.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 04.02.2013 07:33 | nach oben springen

#7

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 22:39
von werner | 1.591 Beiträge

Andy hat ja schon angefangen und vierkrug nun auch schon . . .

Und aus Deinen Fragen höre ich die Frage heraus, ob das MfS denn nun ein ganz besonderer Laden gewesen war. In der Aufgabenstellung sicher, aber es waren alles Menschen mit Stärken und Schwächen, keine Maschinen.
Nichts ausschließlich Elitäres, es gab in meinem Umfeld vor allem ganz normale Menschen, die Ihren Dienst aus Überzeugung für die Sache, für eine bessere Gesellschaft machen wollten, eben auch Mitarbeiter mit Lese-Rechtschreibschwäche, Alkoholiker und häusliche Schlampen, diensteifrige, Anscheißer, Tiefenentspannte, Choleriker, Wichtigtuer – eben alles, was auch sonst auf der Straße rumläuft – und natürlich auch solche, denen die Sache egal war und dann die Seiten so schnell wechselten, wie ich meine Schuhe. Die gab es aber auch in der NVA, den GT. Die wollten nur eine Uniform anziehen, welche, war denen wurscht.

Ich werde immer nur für meinen Zuständigkeitsbereich bzw. Dunstkreis etwas sagen. Grundsätzlich kannst Du aber davon ausgehen, dass es bei uns ebenso zuging, wie heute in jeder Firma auch – was die zwischenmenschlichen Beziehungen betrifft. Auch wenn diese durch die Aufgabenstellungen und Fragen der Konspiration sehr determiniert und sicher dadurch auch überdeckt wurden.

Zitat
Fanden diese Befehle immer bedingungslose Zustimmung oder wurden im kleinen Kreis oder gar in Dienstbesprechungen Zweifel angemeldet?


Zur Frage gab es hier unter anderen Threads schon Bemerkungen, die allerdings von bekannten Seiten - auch hier - regelmäßig abgebügelt und angezweifelt bzw. als Grundlage für Vorwürfe und Anfeindungen verwendet werden.

Zitat
Wie waren die Zusammenarbeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Dienstgraden?


Man braucht sich nichts vorzumachen: Das MfS war keine homogenes Organ – auch wenn es manche gerne so hätten, weil es so schön einfach wäre und man damit die Mitarbeiter als willenlose, einfach nur funktionierende Wesen darstellen kann und somit alle über einen Kamm gemäß Einigungsvertrag in die Ecke stellen kann. Insofern ist Deine Verkürzung auf Organelle nicht angebracht und vor allem falsch. Was wiederum auch eine Teil- Antwort auf Frage 1 ist.

Die Frage Dienstgrad hat in meiner Wahrnehmung und in meinem Dunstkreis im Tagesgeschäft nur eine untergeordnete Rolle gespielt, weil für die Aufgabenverteilung die Dienststellung entscheidend war. I.d.R. wurde die Dienststellung über den Dienstgrad abgebildet, aber eben nicht immer. Die Ansprache mit dem Dienstgrad war auch nicht überall angesagt – z.B. war das Tragen von Zivil die Regel und da gibt es keine Schulterstücke. Dazu kommt, dass in den mir bekannten DE das „DU“ die Umgangsform bestimmte.

Natürlich gab es Mitarbeiter, die man als eher unangenehm empfunden hat, auch Vorgesetzte und selbstverständlich gab es Mitarbeiter/ Vorgesetzte, zu denen man tatsächlich ein kameradschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis hatte, zu denen man auch privat Kontakt hatte und es gab auch solche, zu denen man sich nur auf das dienstlich Notwendigste beschränkt hat. Habe ich in meiner beruflichen Laufbahn nach dem Zusammenbruch aber auch nicht anders ge- und erlebt.
Wenn sich Menschen eine gewisse Arroganz leisten, dann oftmals eher aus Ihrer Persönlichkeit in Verbindung mit Ihrer dienstlichen Stellung heraus, weniger aus Ihren Verdiensten. Das Peter – Prinzip funktionierte auch in der Firma. Wobei ich rückblickend das Gefühl habe, dass anscheinend dieser Typus sich häufig in eher nachgeordneten Diensteinheiten aufhielt – und diese Menschen im Wunsch, doch auch bedeutend zu sein, sich durch besonderen Eifer selbst aufwerten wollten. Also auch nichts Außergewöhnliches.

Zitat
Was motivierte einen Mitarbeiter trotz abgehobener Vorgesetzter, seine Aufgaben zu erfüllen?


Diese Frage kannst Du auch heute in jeder Behörde stellen.
Dem arroganten Stiesel konntest Du in der Linie oft nicht entgehen. Versetzen in eine andere Linie war nicht mal eben so. Also musstest Du Dich arrangieren.

Wurden beim MfS die DVO immer 1:1 umgesetzt . . .?
Wenn überhaupt, wie wurden solche DVO-Verstöße geahndet? [/quote]
Zur Konsequenz der Umsetzung von DV wurde hier in anderen Threads auch schon was gesagt und dies regelmäßig angezweifelt.
In meinem Bereich wurden DV konsequent umgesetzt, auch die Regeln für das Verhalten in der Öffentlichkeit. Schädigung des Ansehens des MfS in der Öffentlichkeit war kein Kavalierdelikt:
Bsp. Ich hatte MA, die der Meinung waren, in der Disco im Suff den Herrmann machen zu können. Und als die Ordner sie dann rausschmeißen wollten, den Dienstausweis zogen. Die Ordner haben sich davon aber nicht beeindrucken lassen und die VP gerufen. Das ganze endete für die Genossen auf der Wache, mich klingelte der Einsatzfahrer früh um halb vier aus dem Bett und ich konnte meine Schäfchen einsammeln. Verweis und Pickelschnippsen waren die Folge.
Es gab auch Fälle, in denen die betreffenden MA konsequent eingefahren sind.

Zitat
Wie erfolgte die Vergabe von Sonderkontingenten, wie Wohnung oder Auto?


Dazu gibt es hier schon grundsätzliche Ausführungen, auch von mir. Aber kurz abgerissen: Mein erstes Auto habe ich von meinem Vater übernommen. Ich habe mein nächstes Auto wie beim IFA Vertrieb bestellt, andere Wege kenne ich nicht. Diese Bestellung wäre vermutlich 1993 zur Auslieferung gekommen.

Ich habe 4 Jahre in einem Ledigenwohnheim des MfS in einer WG gewohnt, meine Zimmergenossen waren aus anderen Abteilungen.
Wie im zivilen Leben auch, gab es nur die Möglichkeit über Heirat eine Wohnung zu beziehen. Das MfS hatte, wie z.B. die Kombinate und andere Behörden auch, als Bedarfsträger Kontingente zur Verfügung. Ich war zu der Zeit mit einer MA-in liiert und wir haben in Vorausschau einer Heirat eine Wohnung beantragt. Das hätte 1988 auch geklappt, wenn die Führung der BV angesichts des massiven Wohnungsmangels nicht in dem Jahr beschlossen hätte, das gesamte Kontingent an die Kommunale Wohnungsverwaltung abzugeben.

Zitat
Ergab es sich, dass bei der Vergabe von Wohnungen mehrere Mitarbeiter einer Dienststelle dicht beieinander wohnten? Gab es in dem Fall private Kontakte und wie intensiv waren die?



ja, das gab es. Und die privaten Kontakte kamen wie überall zustande, wenn man sich gut versteht

Zitat
Gab es für MfS-Mitarbeiter einen internen Feriendienst, denn eine Mitgliedschaft im FDGB gab es meines Wissens nicht?
Konnte der widerspruchslos auf Befehl unterbrochen werden?


Es gab Ferienheime, so wie die Betriebsferienheime, der Ferienheime der NVA, der Polizei auch, querbeet im Land. Z.B. Haus „Lugstein“ für alle MA, und „Lug ins Land“ daneben war eigentlich für gehobene Dienststellungen vorgesehen, das wurde aber irgendwann aufgeweicht – zumindest dort.

Ob es solche Unterbrechungen auf Befehl gab, weiß ich nicht, möglich war es natürlich. Ich konnte sogar im Dez ´89 meinen Urlaub im Ferienheim noch "ganz normal" machen.

Wie die Vergabe erfolgte, weiß ich nicht, ich habe beantragt und entweder bekommen oder nicht. Und wer am Nebentisch oder mit am Tisch saß, war mir schnuppe. Dienstliches war sowieso erst mal tabu, also auch der Dienstgrad. Und wenn man wollte und die Chemie stimmte, konnte man auch dort Bekanntschaften oder Freundschaften schließen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#8

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 03.02.2013 22:52
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Zitat von andy im Beitrag #5

Pkt 2 und 3)

Die Zusammenarbeit mit Dienstgraden ober- oder unterhalb des eigenen Dienstgrades/Dienststellung habe ich durchweg als sehr entspannt erlebt. MA untereinander, auch in unterschiedlichen DE'en haben sich i.d.R. geduzt, das "Sie" war bei uns erst ab Abt.-Leiter üblich. Natürlich kam man mit dem einen oder anderen besser zurecht und andere haben vielleicht auch mal Dienstgrad oder Dienststellung raushängen lassen, insgesamt empfand ich es aber als entspannend..
Ich war viel in der Republik unterwegs, habe mit MA'n von KD'n, entsprechenden Fachabteilungen im MfS direkt oder den BV'en zu tun gehabt. In persönlichen Absprachen spielte der Dienstgrad nie eine Rolle, den bekam man lediglich im Rahmen des offiziellen Schriftwechsels mit.

Hinsichtlich der Realisierung der eigenen Aufgabenstellung empfand ich diese schon losgelöst vom Charakter des Vorgesetzten. Glücklicherweise war ich nie in der Situation, mit meinem direktem Vorgesetzten ein Problem zu haben. Abgehobene Chefs habe ich nicht erlebt und wenn - ich habe meinen Job so oder so so gut gemacht, wie ich es eben konnte - die Allüren oder nicht-Allüren des Leiters spielten dabei für mich keine Rolle.
Insgesamt hatte ich das Glück, in meiner Dienststellung relativ eigenständig arbeiten zu können - natürlich zählten die Ergebnisse und wenn die da waren, war alles ganz entspannt.

Ich kenne aus meiner DE niemanden, der als Vorgesetzte nach der Wende seinen Unterstellten blossgestellt hat, bestenfalls hat sich ein MA mit seinen vermeintlichen geheimdienstlichen Erfolgen zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Was Bestrafungen angeht, es war besser, alles im grünen Bereich zu halten, das galt für Kontoüberziehungen genauso wie für übermäßigen Alkoholgenuss, fremdgehen, mit dem Dienstwagen rasen oder mit dem Dienstausweis rumwedeln. Kam letzteres raus wurde es echt ernst.

Das MfS war eigentlich für Grosskotze kein geeigneter Tummelplatz, obwohl es diese ganz sicher gab.

andy



pink: Auf diese Weise wurde unser Nachbar, der mich später für seine Firma mit der Zusage des Ing.-Fernstudiums abwarb, Betriebsdirektor in einem mittelständischen Industriebetrieb. Ja, bei moralischen Verfehlungen kannten die wohl keinen Spaß, wenn Derjenige uneinsichtig war.



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#9

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 04.02.2013 04:36
von furry | 3.581 Beiträge

Zitat von werner im Beitrag #7
Insofern ist Deine Verkürzung auf Organelle nicht angebracht und vor allem falsch. Was wiederum auch eine Teil- Antwort auf Frage 1 ist.


Vielen Dank für die bisherigen Antworten.
Den Begriff "Organelle" bitte nicht falsch verstehen. Wie weiter oben geschrieben, meine ich die Menschen in ihrem Zusammenwirken, die dieses Organ funktionieren ließen.

Eine mir wichtige Frage habe ich vergessen, auf die @Vierkrug zwar schon eine knappe Antwort gegeben hat.
Wussten eure Familienangehörigen und Verwandten von eurer Zugehörigkeit zum MfS und den damit verbundenen Aufgaben?
Wenn nein, wie haben sie reagiert, als ihr bei Auflösung des MfS die Karten auf den Tisch legen musstet?

Mir ist klar, dass hier auf Grund verschiedener Aufgaben- und Dienststellungen die Antworten stark variieren können.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#10

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 04.02.2013 08:52
von Gelöschtes Mitglied
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Auch wenn ich schon darauf geantwortet hatte, noch einmal kurz zur "Enttarnung" ein paar Bemerkungen.
Wie bereits geschildert, erfuhren Frau und Kinder im Dezember 1989 von meiner eigentlichen Tätigkeit. Sie haben es sehr gefasst aufgenommen und auch erst einmal keinerlei Fragen gestellt. Die kamen später. Meine Tochter haute spontan nur die Bemerkung heraus, jetzt weiß sie auch warum sie und die Mutti nicht an das "rote" Telefon durften und es dafür keine Rufnummer gab. Das hatte jedoch eine andere Bewandnis - es war eine Direktschaltung / -leitung zum Kombinat.
Bei Familienfeiern war es immer ein wenig komisch, wenn man wußte der Onkel und der Bruder meiner Frau, wie auch der eigene Bruder waren bei der Firma. Man fühlte sich zugehörig und durfte sich trotzdem nicht outen. Es war dann Maskerade angesagt.
Nach meiner Enttarnung berieten meine Frau und ich zunächst darüber, wie geht es in und mit der Familie weiter, zumal meine Frau auch auf dem "Pulverfass" saß. Sie gehörte als frisch gewählter Sekretär einer SED-Kreisleitung zum "letztem Aufgebot" der Partei.
Für die Kinder war es eine Zeit, in der sie ihren Vater über eine längere Phase für sich und ihre Probleme hatten. Es war eine Zeit, die die Familie noch enger zusammenrücken ließ.
Eine Nachfolgetätigkeit war dann auch recht schnell gefunden, denn Dank der Solidarität des ehemaligen Chefs der BdVP wurde ich im Januar 1990 in den Polizeidienst übernommen und war somit für eine gewisse Zeit abgesichert. Auch die Befürchtungen, das sich mit der Ernennung von Peter-Michael Diestel zum Innenminister der DDR, Konsequenzen ergeben würden, erwiesen sich dann als unbegründet.

Noch eine kleine Bemerkung zu den Ferienheimen. Das MfS unterhielt in den bekannten Feriengebieten der DDR eigene Ferienheime. Ich konnte jedoch aus des genannten Gründen nicht darauf zurückgreifen. Aber gerade dieser Umstand hätte fast zur unbeabsichtigten Enttarnung geführt, denn das MfS hatte sein Ferienheim in Schierke, wie auch der Zentralrat der FDJ (meine Frau hatte diesen Ferienplatz vom ZR erhalten). Sie lagen sich gegenüber, wenn ich mich noch recht erinnere am Ortsausgang von Schierke, an der Straße zum Brocken.
So ergab es sich, das wir bei einem Ortsbummel auf einen mir bekannten Mitstreiter aus der Firma mit seiner Familie trafen (er war im MfS-Heim und wir im Haus des ZR der FDJ). Aber wir haben diese Situation recht gut gemeistert.

Vierkrug


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#11

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 04.02.2013 10:58
von Gelöschtes Mitglied
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Die von mir erwähnte Episode in Mocambique, die auch vielleicht bei Max Schautzers "Pannen, Pech und Pleiten" einen Platz gefunden hätte.

Vorab ein paar einleitende Bemerkungen zum besserem Verständnis der Situation. Es ist bekannt, dass die DDR in den Jahren von 1976 - 1990 gegenüber der FRELIMO und der VR Mocambique umfangreiche Hilfeleistungen gewährte. Es ist auch bekannt, dass zu diesen Hilfeleistungen der Einsatz von DDR-Experten vor Ort in Mocambique gehörte - auch im Bereich des Aufbaus und der Schaffung eigener Schutz- und Sicherheitsorgane und einer eigenständigen Volksarmee. Im diesem Prozeß waren auch Hauptabteilungen des MfS involviert.
Es ist auch bekannt, das es zwischen Erich Mielke und Markus Wolf nicht gerade ein freundschaftliches Verhältnis gab und Mielke sich angeblich diebisch freute, wenn die Abwehr der HVA mal auf ihre Schliche kam, so wie im diesem Fall.

Im Auftrag der DDR arbeiteten von 1977 - 1990 in Moatize (Provinz Tete) im dortigem Steinkohlenkomplex für die CARBOMOC Bergbauspezialisten aus allen Bergbaubetrieben der DDR unter Leitung des Gaskombinates Schwarze Pumpe, dessen Kombinatsbetrieb August Bebel Werk Zwickau und nicht zuletzt des Außenhandelsbetriebes Limex.
Diese Zusammenarbeit zwischen der CARBOMOC und dem Gaskombinat Schwarze Pumpe basierte auf zwischenstaatlichen Vereinbarungen und umfasste
- die Beteiligung an Leitungsfunktionen durch Entsendung von Bergbauspezialisten und Führungskadern,
- das Angebot wissenschaftlich-technischer Leistungen und
- die Lieferung von Maschinen und Anlagen, Ersatz- und Verschleißteilen, wie auch von anderen Hilfsmitteln.

Die Lieferung der Maschinen und Anlagen erfolgte mittels Schiffen der DSR über den natürlichen Tiefseehafen in Nacala, im Nordosten von Mocambique.

So wurde auch bei einem turnusmäßigem Aufenthalt in Moatize die Ankunft eines Stückgutfrachters der DSR in Nacala mit Lieferung von Maschinen und Ausrüstungen angekündigt. Wir fuhren daraufhin nach Nacala um die Entladung vor Ort zu verfolgen und den zügigen Transport der dringend benötigten Fracht umgehend nach Moatize zu gewährleisten.
Nachdem die ersten Holzcontainer abgeladen waren, wollten wir den Inhalt mit den Frachtpapieren vergleichen. Nach der ersten Öffnung schauten wir nicht schlecht. Dann noch die Öffnung eines weiteren Containers und wir wurden immer unsicherer. Es befanden sich nicht die in Frachtpapieren deklarierten Bergbauauasrüstungen in den Containern, sondern anderes schweres Gerät. Es dauerte auch nicht lange, bis der Irrtum aufgeklärt wurde. "Handelsvertretungspersonal" aus Maputo, welches sich sehr gut mit dem Frachtgut auskannte nahm sich der Sache dann an und wir zogen ergebnislos vondannen., kabelten jedoch das Ergebnis nach Berlin. Das "Mißverständnis" klärte sich dann aber auf - die HVA hatte diese Geräte über den AHB Limex als Bergbauausrüstungen deklarieren lassen. Unsere Fracht kam dann mit dem nächstem Schiff.

Die vorangegangen Fracht war von ihrer Zweckbestimmung ebenso erforderlich und notwendig, wie die von uns Erwartete. Die Aktivitäten der RENAMO verstärkten sich auch im Gebiet von Moatize und der Cabora-Bassa-Staudamm war nicht weit von uns entfernt - es gab immer mehr militärische Übergriffe und Angriffe der RENAMO auf die dort befindlichen Wasserkraftanlagen.
In Mocambique machte ich auch meine erste Bekanntschaft mit um die Ohren fliegenden Geschossen des Kalibers 7,62 mm.

Es gibt ein gutes Buch über das Mocambique-Engagement der DDR. Es nennt sich "Wir haben Spuren hinterlassen". Jedoch teile ich nicht die darin vorgenommenen Wertungen der Arbeit des MfS, da hier dem Autor die Details nicht vollumfänglich bekannt waren.

Samora Machel bin ich dann im September 1980 bei seinem Staatsbesuch in der DDR letztmalig begegnet. Deshalb ist das Erinnerungsgeschenk, eine Figur aus schwarzem afrikanischem Ebenholz geschnitzt - überreicht vom Präsidenten der FRELIMO und der Volksrepublik Mocambique Samora Machel nicht nur von symbolischer Bedeutung für mich.

Vierkrug

PS: Shit Tippfehler !!!

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#12

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 04.02.2013 12:15
von Gelöschtes Mitglied
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Wohnungen und PKW.

Mit der Übersiedelung nach Hoywoj erhielten wir auch unsere erste eigene Wohnung. Bis dato haben wir im ehemaligem "Kinderzimmer" meiner Frau mit drei Personen bei Schwiegereltern gewohnt.
Die neue Wohnung war eine 2 Zimmer-Altneubauwohnung mit Ofenheizung im 2. Stock in der Altstadt. Briketts waren kein Thema, denn wir erhielten jeweils 120 Zentner Bergmannsdeputat, also insgesamt 240 Zentner pro Jahr. Das einzige Privileg dabei, wir bekamen andere Briketts, wie die normalen Hausbrandbriketts - sie besassen eine höhere Standfestigkeit und einen höheren Heiz- und Brennwert.
Nach einer gewissen Wartezeit (ca. 5 Jahre) wurde uns eine 3 Zimmer-Neubauwohnung im "Kosmonautenviertel" von Hoywoj zugewiesen - Stirnseite, ohne Balkon. Aber das störte uns weiter nicht.
Also bei Wohnungen kein Sonderstatus und ob man die Deputatbriketts als Privileg bezeichnen kann, bezweifele ich sehr stark, denn diese Leistung erhielt jeder Werktätige in der Kohle- und Energiewirtschaft der DDR: Beim Bezug der Neubauwohnung mit Fernwärme wurde dieser Deputatanspruch finanziell abgegolten, wenn man es wollte oder man gab ihn innerhalb der Familie weiter, was wir z.B. taten.

PKW. Im Prinzip benötigten wir auch keinen. Es gab einen sehr guten Stadtverkehr,. Zur Arbeit kam man mit dem kostenlosem Berufsverkehr, der in drei zeitlich unterschiedlichen Wellen fuhr. Nachts gab es dann noch den "sogenannten Lumpensammler" für diejenigen, die nicht vom Schreibtisch wegkamen. In manchen Fällen griff man dann auch auf das Bereitschaftsfahrzeug bzw. die Fahrbereitschaft zurück.
Mein erster PKW war dann der gebrauchte Sapo des Schwiegervaters. Ihm folgte dann ein gebrauchter Shiguli, den ich von einem Trassenbauer erwarb - er bekam über das Sonderkontingent für Trassenbauer einen Neuwagen. Der Kaufpreis war noch vertretbar, wenn man die Schwarzmarktpreise für Gebraucht-PKW in der DDR in Betracht zieht.
Mein Bruder hatte etwas mehr Glück, denn er erwarb einen ausgesonderten Wartburg von der Firma, den er dann aufarbeitete.
Mein erster eigentlicher Neu-PKW war dann der Lada Samara "Night", den ich mir 1990 anschaffte und von dem ich mich schweren Herzens trennte. Also auch hier keine Privilegien oder Sonderbehandlung.

Und am Freitag, wenn es die Arbeit ermöglichte, reihte man sich ebenso zeitig (ab 06.00) beim Fleischer in die Schlange ein, wie jeder andere DDR-Bürger, um Kochschinken, Rouladen oder Wiener im Naturdarm zu ergattern.

Vierkrug

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#13

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 05.02.2013 15:16
von StabsfeldKoenig | 2.656 Beiträge

Die Geheimhaltung der Tätigkeit war nicht in jedem Fall so eng gesehen worden. In dem betrieb, wo meine Mutter damals arbeitete, wußte man von zwei Kolleginnen, bei welcher "Firma" die jeweiligen Ehemänner arbeiteten (sogar mit einer Ahnung von der Aufgabe/Abteilung). Es dürfte ca. 150 Mitwisser (alle Angestellten, deren Ehepartner und z.T. die Kinder). Über diesen Kreis ist die betreffende Info nicht hinaus gedrungen, daß MfS hat aber auch nicht gemerkt, daß es hier ein solches Leck gab, denn beide blieben bis zur Wende in der Firma.



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#14

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 06.02.2013 18:05
von KARNAK | 1.697 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #1
Nachdem das Thema „Angst und Schrecken“ schon bearbeitet wird, würde mich mal interessieren, wie denn die wesentlichsten Organellen, hiermit meine ich die Menschen in diesem Organ, miteinander oder auch gegeneinander agierten.
Aus den Berichten der ehemalige „Organellen“ dieses Organs entnehme ich, dass das Herangehen an gewisse Aufgaben oder Vorgaben zumindest heute doch etwas verschieden gesehen wird.
Oberstes Gebot war die Konspiration. Jeder erfüllte seine Aufgabe, durfte aber nicht wissen, was zwei Türen weiter bearbeitet wird aber am Ende mussten die Erkenntnisse ein einheitliches Ganzes ergeben.
Nun kommen einige Fragen an das breite Spektrum der ehemaligen MfS-Angehörigen:
1. Als militärisch organisiertes Organ waren Befehle zu erfüllen, die sich letztlich aus Vorgaben der Partei ableiteten. Fanden diese Befehle immer bedingungslose Zustimmung oder wurden im kleinen Kreis oder gar in Dienstbesprechungen Zweifel angemeldet?
2. Wie waren die Zusammenarbeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den verschiedenen Dienstgraden? Wir haben inzwischen gelernt, dass so mancher Höhergestellte seine eigenen Leute nach der Wende bloß gestellt hat. Wurden die höheren Dienstgrade von den niederen und umgekehrt voll respektiert oder hat man so manchen „Raupenschlepper lieber von hinten als von vorn gesehen? Wenn ja, was zeichnete solch eine Person aus, dass sie sich eine gewisse Arroganz leisten konnte?
3. Was motivierte einen Mitarbeiter trotz abgehobener Vorgesetzter, seine Aufgaben zu erfüllen? War es Angst vor einer Disziplinarstrafe oder innerste Überzeugung?
4. Organisiert wurde der Dienst über Dienstvorschriften, von denen einige schon eingestellt wurden. Wie die ehemals aktiven Grenzer berichten und wie es auch in der Wirtschaft vorkam, wurde nicht immer danach gehandelt. Wurden beim MfS die DVO immer 1:1 umgesetzt, oder wurde nicht doch mal so ganz nebenbei ein Telefon angezapft, eine nichtgenehmigte Brieföffnung durchgeführt oder sind gar doch mal einem Mitarbeiter die Pferde durchgegangen und ihm dabei die Hand ausgerutscht?
5. Wenn überhaupt, wie wurden solche DVO-Verstöße geahndet?
6. Wie erfolgte die Vergabe von Sonderkontingenten, wie Wohnung oder Auto? Nach Bedarf oder von oben nach unten?
7. Ergab es sich, dass bei der Vergabe von Wohnungen mehrere Mitarbeiter einer Dienststelle dicht beieinander wohnten? Gab es in dem Fall private Kontakte und wie intensiv waren die?
8. Gab es für MfS-Mitarbeiter einen internen Feriendienst, denn eine Mitgliedschaft im FDGB gab es meines Wissens nicht? Wo und wie verbrachte man seinen Urlaub? Konnte der widerspruchslos auf Befehl unterbrochen werden? Wenn es „firmeneigene“ Ferienheime gab, wurden die Plätze in einem bestimmten Heim querbeet vergeben oder erfolgte hier je nach Qualität des Heimes eine Klassifizierung nach Dienstgrad bzw. –stellung oder saß dann der Oberst nebst Gemahlin mit dem Feldwebel an einem Tisch?

Zwar würden mir noch weitere Fragen einfallen, aber soviel bis hierher.
Für offene und ehrliche Antworten bedanke ich mich schon einmal. Sollten einige Fragen zu direkt sein, dann bitte keine Hausnummern sondern lieber gar nicht antworten.


Antworten aus meiner Sicht
zu 1.Im persönlichen,privaten Bereich fanden Befehle nicht immer bedingungslose Zustimmung.Aber wie Du schon schreibst,es war ein militärisches Organ und es waren Befehle,damit ist die Situation klar.
zu 2.Von offiziellen Anlässen abgesehen,hatten die Dienstgrade nicht die Bedeutung wie ich es bei den GT kennengelernt habe.Von ganz großen Tieren mal abgesehen.
zu3.Im Gegensatz zum Militär,gab es relativ wenig abgehobene Vorgesetzte.Innere Überzeugung stand sicher im Vordergrund,zumindest hätte NIEMALS jemand es irgendwie öffentlich gemacht wenn es anders gewesen wäre.
zu 4.Es war wie im Leben halt.Papier KONNTE MANCHMAL auch geduldig sein.Und Konspiration konnte in der Richtung auch einen weiteren Vorteil haben,man war schwerer zu erwischen dabei.
zu 5.Natürlich wurden sie geahndet,wie in jedem anderen militärischen Organ,je nach Schwere bis zur Entlassung.
zu 6.Das gab es für einen Mfs-Mitarbeiter nicht,ist eine Legende und böswilliger Unsinn,der verbereitet wird um die"Firma"noch feister dastehen zu lassen als sie es sowieso schon ist.Ob es bei den ganz großen Tieren sowas gab,weiß ich nicht bis dorthin hatte ich es noch nicht geschafft.
zu 7.Gab es.Wie in der DDR ziemlich üblich,auch andere Großbetriebe hatten Wohnungsbestände.Aber die Menge der Dienstwohnungen war nicht unbedingt übermäßig.Die Beziehungen dort waren auch nur wie in einer Gesellschaft üblich,mit dem Einen im Haus konnte man und hatte Kontakt und mit dem Anderen nicht und hatte eben keinen.
zu 8.Gab es.Es gab auch Heime für die großen Tiere,da kamst Du als OttoNormal Mfsler natürlich nicht hin.Das hohe Tier konnte natürlich auch in ein Heim für die kleinen Lichter,wenn es denn wollte.Aber im Urlaub waren alle gleich,auch am Tisch.Meist kannte man den Dienstgrad des Anderen gar nicht.Und dienstliche Dinge waren auch nur beschränkt Thema,man hatte halt Urlaub.
So jetzt weißt Du Bescheid.


"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."
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#15

RE: Anatomie und Physiologie des MfS-Organ(ismu)s

in DDR Staat und Regime 25.10.2014 23:49
von UGI | 19 Beiträge

Hallöchen miteinander,
nun ich möchte hier mal einen Aspekt zur Thematik der "Angehörigen des MfS in Uniform" darlegen - gemeint ist das WR "Felix Schmunzelwitz" !! mit Dienstfarbe Bordeauxrot und Sitz in Berlin A-Hof / Teupitz und Erkner ...
Auch alle diese "Mitarbeiter" werden ja heutzutage gehandelt unter dem Trugschluß es wären 100% tige und in Ihren Fähig- & Fertigkeiten Top ausgebildete Spezis gewesen ... manchmal bekomme ich beim lesen in der heutigen Tagespresse dann immer den Eindruck wir wären dem GSG-9 oder den Green Baretts gleichgestellt ... das alles ist Blödsinn, leider will das ja heute keiner hören - allein der Passus "Mitarbeiter der Stasi" reicht heute schon aus um gesellschaftlich im Abseits zu landen ...
Wie war das aber tatsächlich !! - nun es handelte sich eigentlich um eine ganz normale Diensttruppe mit all ihren Stärken und Schwächen einer Armeeeinheit wie jede andere auch auf der Welt ... das sie der Stasi unterstellt war, hing mit dem 4-Mächteabkommen in Berlin zusammen (früher gehörte das WR ja mal zur Polizei (MdI) - die Eingliederung zur Stasi kam erst später - der Unterschied bestand hauptsächlich darin, das es bei uns nur 3ender & 25ender gab - eine andere Verpflichtungszeit gab es nicht. Hauptaufgabe - Sicherung der Dienstobjekte der Regierung ... im Wald und auf der Heide
und warum ging man da nun hin ? - nun die einen, weil man ihnen bei der Musterung im Wehrkreiskommando dies nahe legte wenn man gleich mit 18 gezogen werden wollte und danach zum Studium ging, andere weil man so in den Dienstbereich Berlin gelangte und dann dort bleiben konnte (Hauptstadt Zuzug Wohnung etc.) - alles also ganz banale menschliche Probleme - nix da mit heroischen Staatsbürgerlichkeitsgehabe und hura ich diene der DDR Empfindungen ... ganz im Gegenteil, diejenigen (wenigen) die so empfanden, fielen im täglichen Dienstgeschäft schnell auf und meistens dann auch ganz schnell auf die Fresse, da der tägliche Dienst eben nichts mit Glanz und Gloria zu tun hatte ... natürlich gab es auch Spezialeinheiten (Angeh. der PKE in Grenzeruniform HA-VI mit Grenzeruniform - diese durften sich dann im U-Bahn und S-Bahn-Tunnel austoben und Pässe stempeln) die anderen begannen ganz normal mit Grundausbildung (gehobenere GST-Ausbildung in Teupitz Kdo-3) oder als Uffz-Schüler in Prora - um anschließend dann 2 1/2 Jahre lang täglich mit W-50 LKW 60 km bei Wind & Wetter über die Autobahn (heute A-13 > A-10 > A-11) bei vorgeschriebenen 65 km/h Kollonenfahrt nach Wandlitz geschüsselt zu werden um dort in der Außenringsicherung des Regierungsviertels ihren "Ehrendienst" ab zu reißen, oder als Sicherungskordon stundenlang die Karl-Marx-Allee zum 1. Mai und zum 7. Oktober zu sichern ... Ein echt tolles Erlebnis ... !! ...ach ja, da wäre auch noch das Highligth der Objektsicherung "Palast der Republik", nun da waren die Genossen ja wenigstens im wirklichen Leben integriert ...
Andere hatten da mehr Glück, die durften im Kochzug oder in der Kfz-Kompanie, Objektfeuerwehr, -handwerker (Rückwärtige Dienste) in den Objekten ihren Dienst tun ... bei der Feuerwehr war es sehr beliebt nachts unter Lebensgefahr den halben Wald zu löschen, wenn die sowjetischen Kollegen vom Nachbarreginemt trotz Waldbrandwarstufe IV mit Leuchtspurgeschossen diesen mal wieder angezündet hatten...
Nach 3 Jahren war für die Zeitsoldaten bei einer max. Beförderung zum Feldwebel (z.Bsp. als Gruppenführer) dann "für viele endlich" die Dienstzeit vorbei - natürlich ebenfalls mit all den Freuden einer EK-Zeit und den dazu gehöhrigen Utensielien (waren oftmals tolle selbstgebaute Varianten dabei - habe zum Abschied der Genossen in Uniform diese dann meistens als Erinnerungsgeschenk bekommen - ich selbst hatte ja als 25ender eher eine Kabeltrommel statt eines Maßbandes)

Und dennoch werden heute in diesem System all diese zig-zehntausenden Grundwehrdienstler noch Jahrzehnte nach ihrer Dienstzeit (damals 18-jährig) für dieses "Verbrechen" als 100% dargestellt und defamiert... jüngstes Beispiel die Furcht es könnte ein Linker mal Ministerpräsident in der thüringischen Landeshauptstadt werden - da kommt es doch gut gelegen, das der Abgeordnete ebenfalls bei WR war !! - was für ein Schreckgespenst ... das er dabei bei uns im Kochzug war und als Stabsunteroffizier Kartoffeln schälen muste, für das ganze Objekt Suppe kochte und wenn er Glück hatte im Offizierskasino den gehobenen Dienst bedienen durfte wird freilig verschwiegen, denn dann wäre er ja ein ganz normaler Mensch gewesen, eher zu bedauern als zu fürchten.

Und für uns alls 25ender ?
nun wir hatten unser tägliches Dienstprogramm wie jeder andere Buffz oder Offz. in einer regulären Truppe der Armee oder der VM auch. Mit Nachtdiensten als Offz. vom Dienst oder bei "Rückwärts" als Offz. v. Transportpark / mit wöchentlichem Staatsbürgerkundeunterricht (Politausbildung) wo man halt hin mußte ... (ich hab jedenfalls keinen in meiner langjährien Dienstzeit getroffen der sich darauf freute) und abends fuhr man halt nach Hause zu Frau und Kindern (mit all den häuslichen Problemen einer stink normalen Familie) eben ein Beruf in Uniform oder im Blaumann wie bei mir, nur halt mit Schulterstücken / man traf sich beim Bierchen mit denen die man mochte & mied den Kontakt zu denen die man eben nicht so mochte. Feierte Geburtstage oder Kindesgeburten sowie Weihnachten in familie oder auch Silvester zusammen - wenn man nicht gerade mal wieder zum Dienst eingeteilt war...

Die Urlaubsfrage wurde jedes Jahr besprochen wie bei einem VEB Betrieb - man bekam Listen mit Ferienobjekten (bei uns war das u.a. im Thüringer Wald oder in Kuhlmühle bei Wittstock) - und dann hieß es warten, bekam man einen saß man im Standkorb in Badehose eben direkt neben einem Oberstleutnant oder einem Feldwebel ... und dann beim Essen genauso - Berührungspunkte zum Genaral gabs auch nicht, wir hatten ja nur einen und der machte seinen Urlaub meistens wo anders... auch Urlaube im Ausland waren möglich - ich fuhr damals als Oberfeldwebel auch nach Bulgarien (vielleicht hatte ich ja auch nur Glück - keine Ahnung).
... und im täglichen Leben, na ja das liebe Fernsehen ... Karl Eduard und AK ansehen war Pflicht, machte man so wie so, könnte ja ein Thema beim nächsten Politunterricht werden ... auch die andere Seite wurde heimlich gesehen (wer was anderes behauptet lügt) als z.Bsp. 1986 das SAT-1 pünktlich um 18:00 Uhr auf Sendung ging, wuste das fast jeder ... und darüber gequatscht hat man nur mit denjenigen denen man vertraute (oder glaubte vertrauen zu können) also auch wie ganz normale Leute überall / ... tja und heute werden ganze Länder vom Internet abgehängt - is das nicht auch Staatspolitik ? - warum durften Angehörige der BW oder der Polizei nicht in den "Osten" (DDR) - vermutlich aus den gleichen Gründen wie die Kollegen aus dem Osten nicht in den Westen ...

Na ja, wie auch immer - ihr seht der Alltag war eben irgendwie ganz normal, vielleicht sogar völlig gleich mit denen eines Anghörigen der Bundeswehr als Offz. (?) - ein großer Vorteil, warum man sich für den Dienst im WR oder einschränkend bei der Volksmarine verpflichtete wird oftmals nie angesprochen ... nun es war die "Angst" vor Versetzungen in andere Dienstobjekte, wenn man weiter kommen wollte (oder sollte) - das gabs eben beim WR nicht - alle DO waren eben in Berlin !! und die Volksmarine war auch immer ander Küste - da blieb man dann eben auch, das war eine sichere Bank... zumindestens in meinen Überlegungen, wer wollte schon immer wieder umziehen und neu anfangen ...??

und warum dann das Schreckgespenst der STASI heute: ... nun es dient auch heute der "herschenden Klasse" als Druckmittel und verschleiert die wahren Problem im geeinten Deutschland, lenkt so schön von den heutigen Problemen ab ... also wurde man bis 1990 sozialistisch "unterdrückt", wird man heute "demokratisch" beschissen ...!! wo liegt denn nun der Unterschied zwischen beiden ? ich kann da nicht so viele erkennen, denn letztlich sind wir doch im Grunde allesamt wie Schafe und wollen geführt werden ... früher eng an der Leine des sozialistischen Systems mit all seinen Vorzügen und Nachteilen und heute zusammen getrieben durch einen Schäferhund der "sozialen Marktwirtschaft" ebenfalls mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Fazit:
... was war nun der größte Fehler der DDR ? ... nun einer war wohl das Verbot des "Westfernsehens", ich persönlich glaube, wenn man jedem diese Möglichkeit gegeben hätte (einschließlich dem / im Tal der Ahnungslosen) hätten viele erkannt, das es eben nicht möglich ist die harte D-Mark zu bekommen und so weiter zu wurschteln wie in der DDR ... wo sich doch so viele ganz nett eingerichtet hatten, staatlich behütet und umsorgt und polizeilich beschützt (wie es doch heute immer wieder gefordert wird - mehr Polizei / mehr Überwachung etc.) - aber das geht eben vermutlich nur in ebem umzäunten Gebiet wo keiner raus kann oder in einem Polizeistaat den keiner recht will.
Datenerfassung will auch keiner, aber mal ehrlich - heut zu Tage haben alleine die Einkaufskonzerne mehr Daten über jederman als die Stasi jemals hätte auf Karteikarte erfassen können ... Reisen ist schön - wenn man heute das Geld dazu hat, wäre ggf. frührer ebenfalls möglich gewesen, wenn die BRD unsere Währung frei konvertierbar anerkannt hätte (selbst ein Kurs von 1:10 hätte viele doch nicht verschreckt - Geld gabs genug wie wir bei der Währungsumstellung festgestellt haben) ... tja und selbst Frau Merkel wurde ja in die FDJ "gezwungen" nur hab ich heute das falsche Parteibuch, werde ich in diesem Staat auch nichts ... und mal ehrlich, soviel Steuergeld wie die heutigen "mächtigen & reichen" (inkl. der Politik) verplämpern und in den Sand setzen, könnten selbst der Honni und Getreuen nicht verprassen...

Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, das es in jedem Staat dieser Welt (eigentlich logisch) üblich und sicherlich nicht vorteilhaft ist - diejenigen einzusperren die versuchen aus dem System auszubrechen, die Gründe die dazu führen sind sicherlich unterschiedlich - dienen aber dem Machterhalt, werden aber letztlich gleichartig behandelt - ein Fall spricht genau für dieses System:

ein ex DDR-Bürger war damals in den 80ern in der Bewegung "Schwerter zu Pfugscharen" (gegen Atomwaffen etc.) - wiedersetzte sich somit dem DDR-System und kam in den Knast - die BRD kaufte ihn frei und er kam in der damailgen BRD-Presse als "Held" sogar bei seiner Einreise in die BRD in die Zeitung - dummerweise hatten sich aber doch seine Ansichten nicht geändert, er war immer noch gegen Atomwaffen und Militarisierung - kettete sich somit nach Anschluß an eine dortige Wiederstandsbewegung an den Sperrzaun der Atomanalge in Mutlangen (BRD) und siehe da ... nix mehr mit "Held des Wiederstandes" - die Bundesdeutschen Behörden benutzten ihre Wasserwerfer und Polizei-Einsatztruppen - nahmen ihn genauso fest und er kam wieder in den Knast !!

Abschließende Gedanken:
nun wie schon gesagt, wir waren Schafe und bleiben Schafe wenn wir ehrlich zueinander sind und freundschaftlich mit einander leben wollen, ansonsten muß man halt ein "Wolf" werden - hüben wie drüben.


94, Damals87 und Rothaut haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 26.10.2014 00:13 | nach oben springen


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