#1

Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 20:09
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Da am 27.Januar der diesjährige Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialimus begangen wird, erlaub ich mir mal dies Thema zu eröffnen. Als ein "feindwärts" Geborener (geiles Wort....) hab ich den Umgang mit dem Thema Nationalsozialismus natürlich anders erlebt als ihr. Ich kann ja mal kurz schildern, wie es hier aussah: In der Schule haben wir exakt mit der Machtergreifung 1933 aufgehört, um danach bei den Römer wieder anzufangen( nebenbei gesagt, von der Gründung der BRD und DDR haben wir auch nix gehört.........so kann man seine Staatsbürger auch erziehen ). Will sagen, der Umgang mit dem Thema war stark von der Lehrkraft abhängig, ich kenn auch Leute, die während der Schulzeit Gedenkstätten wie Bergen-Belsen kennengelernt haben. So war ich gezungen, mich alleine mit dem Thema auseinanderzusetzen, was ja auch durchaus seine Vorteile haben kann, da der Faktor Beeinflussung wegfällt. Mich würde nun interessieren, wie ihr die antifaschistische Erziehung erlebt habt, bzw., wie diese euer Leben geprägt hat, wie diese aussah und ob ihr der Meinung seit, dass dies in unserem Staat zu kurz kommt.


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#2

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 20:48
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Nur, wie definiert man den Begriff "Faschismus"? Denn dieses Wort laesst sich heutzutage, also seit 1945, wie Gummi in alle Richtungen biegen, verschieben und ausdehnen. Und wenn wir jetzt mal historisch ganz korrekt sein wollen, dann stellen wir fest das es in Deutschland nie einen Faschismus in der urspruenglichen Defination des Wortes gegeben hat.
Allerdings was die Aufarbeitung der NS Zeit in den Schulen im Westen und Osten betrifft, so muss man nur mal die heutigen Wahlergebnisse in Ost und West vergleichen. Im Osten die NPD in fast jedem Parlament drinnen, aber im Westen krebsen die so um die 0,5% rum. Warum? Umso mehr man Jugendlichen etwas mit Gewalt eintrichtern will, um so mehr straeuben die sich dagegen und machen das gerade Gegenteil von dem was die Lehrer von ihnen wollen. Warum rauchen soviele Jugendliche? Weil die Lehrer ihnen staendig einpauken "Ihr duerft nicht rauchen, Ihr duerft nicht rauchen, Ihr............". Das erzeugt natuerlich eine Trotzreaktion, und man macht es erst recht. Zumindest war das so in meiner Schulzeit.
Im Osten hoerten die Schueler nichts weiter als "Nie wieder Faschismus, Nie wieder............ Und die Trotzreaktion daruf lautet halt heutzutage "NPD, NPD,......."
Mit anderen Worten man hat den Antifaschismus im Osten uebertrieben und damit das direkte Gegenteil von dem erreicht was man eigentlich erreichen wollte.


zuletzt bearbeitet 25.01.2013 20:50 | nach oben springen

#3

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 20:52
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten im Beitrag #2
Nur, wie definiert man den Begriff "Faschismus"? Denn dieses Wort laesst sich heutzutage, also seit 1945, wie Gummi in alle Richtungen biegen, verschieben und ausdehnen. Und wenn wir jetzt mal historisch ganz korrekt sein wollen, dann stellen wir fest das es in Deutschland nie einen Faschismus in der urspruenglichen Defination des Wortes gegeben hat.
Allerdings was die Aufarbeitung der NS Zeit in den Schulen im Westen und Osten betrifft, so muss man nur mal die heutigen Wahlergebnisse in Ost und West vergleichen. Im Osten die NPD in fast jedem Parlament drinnen, aber im Westen krebsen die so um die 0,5% rum. Warum? Umso mehr man Jugendlichen etwas mit Gewalt eintrichtern will, um so mehr straeuben die sich dagegen und machen das gerade Gegenteil von dem was die Lehrer von ihnen wollen. Warum rauchen soviele Jugendliche? Weil die Lehrer ihnen staendig einpauken "Ihr duerft nicht rauchen, Ihr duerft nicht rauchen, Ihr............". Das erzeugt natuerlich eine Trotzreaktion, und man macht es erst recht. Zumindest war das so in meiner Schulzeit.
Im Osten hoerten die Schueler nichts weiter als "Nie wieder Faschismus, Nie wieder............ Und die Trotzreaktion daruf lautet halt heutzutage "NPD, NPD,......."
Mit anderen Worten man hat den Antifaschismus im Osten uebertrieben und damit das direkte Gegenteil von dem erreicht was man eigentlich erreichen wollte.

Zieht das Argument auch dann noch, wenn die solcherart "indoktrinierten" Schüler schon Rentner sind ? WzdW, die noch bewußt unter DDR-Bildungs erzogenen Schüler sind heute alle deutlich über 30. Merkst Du was ?



Schuddelkind und Diskus303 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#4

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 21:21
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #3

Zieht das Argument auch dann noch, wenn die solcherart "indoktrinierten" Schüler schon Rentner sind ? WzdW, die noch bewußt unter DDR-Bildungs erzogenen Schüler sind heute alle deutlich über 30. Merkst Du was ?



Das Argument zieht immer noch wenn man bedenkt wieviele DDR-Lehrer nach Wende/Vereinigung uebernommen wurden (fast alle) und das auch Leute ueber 30 extrem rechts waehlen. Die Juengeren die das DDR Schulsystem nicht selbst erlebt haben uebernehmen dann die politischen Tendenzen der Eltern. Die Saat wurde im Honeckerstaat ausgelegt und staendig noch geduengt mit einer sinnlos uebertriebener Vergangenheitsbewaeltigung die selbst schon an Faschismus grenzte.


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#5

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 21:27
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten im Beitrag #4
Zitat von DoreHolm im Beitrag #3

Zieht das Argument auch dann noch, wenn die solcherart "indoktrinierten" Schüler schon Rentner sind ? WzdW, die noch bewußt unter DDR-Bildungs erzogenen Schüler sind heute alle deutlich über 30. Merkst Du was ?



Das Argument zieht immer noch wenn man bedenkt wieviele DDR-Lehrer nach Wende/Vereinigung uebernommen wurden (fast alle) und das auch Leute ueber 30 extrem rechts waehlen. Die Juengeren die das DDR Schulsystem nicht selbst erlebt haben uebernehmen dann die politischen Tendenzen der Eltern. Die Saat wurde im Honeckerstaat ausgelegt und staendig noch geduengt mit einer sinnlos uebertriebener Vergangenheitsbewaeltigung die selbst schon an Faschismus grenzte.



Jaja, und die Kinder vererben es dann an ihre Kinder und die wieder an ihre u.s.w. Wenn ich richtig informiert bin, unterrichten auch eine ganze Menge ehemalige DDR-Lehrer an Schulen in den Altbundesländern. Mensch, viele Lehrer waren/sind nach der Wende so verunsichert, etwas Falsches zu sagen, daß sie zu sensiblen Themen lieber schweigen als sich beim gewendeten Schuldirektor, den Eltern von Schüler/in XYZ oder beim Kultusminister unbeliebt zu machen.



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#6

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 21:29
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Ähm, wenn ich mal unterbrechen dürfte.......ich bin an Berichten von Zeitzeugen interessiert......


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#7

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 21:35
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #6
Ähm, wenn ich mal unterbrechen dürfte.......ich bin an Berichten von Zeitzeugen interessiert......


Ich bBin Zeitzeuge. Jahrgang 1961. Bin zwar im Westen aufgewachsen, hatte aber Verwandtschaft in der DDR und habe mich sogar schon als 14 oder 15 jaehriger fuer deutsche Geschichte und auch Politik interessiert. Also damals war mein Interessengebiet groesser als nur Pink Floyd oder Blondie und der oertliche Fussballverein


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#8

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 21:40
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten im Beitrag #7
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #6
Ähm, wenn ich mal unterbrechen dürfte.......ich bin an Berichten von Zeitzeugen interessiert......


Ich bBin Zeitzeuge. Jahrgang 1961. Bin zwar im Westen aufgewachsen, hatte aber Verwandtschaft in der DDR und habe mich sogar schon als 14 oder 15 jaehriger fuer deutsche Geschichte und auch Politik interessiert. Also damals war mein Interessengebiet groesser als nur Pink Floyd oder Blondie und der oertliche Fussballverein



Aber ja doch, ich auch. Nur haben wir beide wohl kaum die antifaschistische Erziehung in der DRR genossen........ Lassen wir doch erstmal denen den Vortritt, die es selbst erlebt haben.


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#9

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 22:15
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Um es mal aus meiner Erfahrung her zu sagen. Bin von 1953 - 1963 in die Schule gegangen. Es wurde m.E. gegengesprochen, wenn jemand anfing, daß Hitler ja die Arbeitslosen von der Straße geholt und die Autobahnen gebaut hat und es das KdF gab. Nicht, daß sowas nicht stimmte, sondern was der Zweck dieser vordergründig positiven Sachen war. Vorbereitung der Kriegsproduktion, Rollbahnen gen Osten, ideologische Vereinnahmung der Bevölkerung durch KdF u.s.w. Rechtsextremen Erscheinungen wurde m.E. sehr schnell und sehr konsequent begegnet. Ich erinnere mich noch daran, daß an unserer Schule irgendwer ein winziges Hakenkreuz in einen Ziegelstein der Mauerwand geritzt hatte. Vermutlich wurde kein Verursacher gefunden. Besuch von KZ-Gedenkstätten war obligatorisch, spätestens im Rahmen der Jugendweihevorbereitungen, an denen nur Wenige nicht teilnahmen, aber ich nehme an, daß auch diese, zumeist kirchlich Gebundenen, dort irgendwann mal waren. Die "Nachnutzung" nach 45 war allerdings ausgeblendet, war aber nicht unbekannt, daß da sowas war. Für die Machtergreifung Hitlers waren natürlich die Hauptschuldigen die SPD und die anderen bürgerlichen Parteien wegen ihrer zögerlichen Haltung. Na, daß die KPD aber vor Hitler konsequenter gewarnt hat als die SPD und folglich auch die ersten Opfer unter den Kommunisten zu suchen waren, dürfte nicht zu bestreiten sein. "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, wählt den Krieg", wurde schon im Vorfeld durch die KPD argumentiert, was widerlegt, daß "man" es ja nicht gewußt hatte, was da auf Deutschland zukommt. Dem Kampf gegen den Faschismus wurde in der DDR die Hauptaktivität zugeschrieben. Geschwister Scholl war ein Thema, auch das Attentat durch Stauffenberg, wobei hier weniger hehre Motive als vielmehr Machterhalt der hauptgrund gewesen sein soll. Auch daß einzelnen Beteilgten
vorschwebte, mit den Alliierten im Westen Frieden zu schließen und alle Kräfte im Osten zu konzentrieren.
Dass waren so meine Erinnerungen, aber ich kann mich auch in dem einen oder anderen Fall täuschen. Ist immerhin ca. 50 Jahre her und auch der subjektive Faktor spielt hier eine Rolle. Der Lehrstoff war zwar einheitlich vorgegeben, aber jeder Lehrer hat seine subjektive Sicht, was hervorgehoben werden muß und was nicht so wichtig erscheint und dann kann es ja in den 70er und 80ern auch wieder etwas anders gewesen sein.
Auf jeden Fall ist mein Eindruck, daß Antifaschismus nicht "befohlen" wurde, wie mitunter behauptet, sondern weitestgehend mit geschichtlichen Fakten
versucht wurde, Wissen und damit Einsichten zu vermitteln.



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#10

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 22:43
von SEG15D | 1.119 Beiträge

Von einer bewußt antifaschistischen Erziehung würde ich hier auch nicht reden wollen. Gut, es war verboten irgendwelche NS-Symbole
zu tragen oder irgendwo anzubringen. Aber hat das schon mit Erziehung zu tun?
Man kann 1 und 1 zusammenzählen um zu begreifen, daß die DDR dieses dunkle Kapitel (schon das 2.) der deutschen Geschichte nicht
nochmals wiederholt haben mochte. Aber aus der eigenen Familie weiß ich mit den Dingen nicht undifferenziert umgehen zu können.
Mein Großvater war BU bei der Luftwaffe, integrer Mensch mit hohen Wertvorstellungen, für die ich auch eintreten kann.
Seinen aus dem Krieg "geretteten" Ehrendolch haben wir in den 70 Jahren kastriert, der Adler mußte seine Beute fallen lassen.
Das war auch der allgemeinen Tatsache der Realitäten in der DDR mit solchen alten Symbolen geschuldet.
Und schon die Tatsache, daß er als Soldat in Uniform den Krieg überstand, machte ihn anschließend in der DDR an seinem
Heimatort zur Unperson. Nach Kriegsende hatten sich die "Wendehälse" der neuen Ordnung ruck-zuck das Kleid des Widerstandes gegen
das NS-Regime übergezogen.....handfeste Nazis von damals kehrten als "Widerstandskämpfer nach 45 an die Öffentlichkeit zurück!
Und wurden gern gesehen von den Machthabern der neuen Ordnung.
Meinem Großvater wurde die Baugenehmigung zum Errichten eines Eigenheimes bis zum Jahr 1965 abgelehnt, trotz Schreiben an
Wilhelm Pieck, den damaligen Arbeiterpräsidenten des Landes.
Die Sache eskalierte, irgendwann wurde er vor den Gemeinderat vorgeladen.....der gebürtige Oberschlesier war jedoch vorbereitet.
Er ging mit einer Klinge in die Versammlung. Als die versammelten Alt-Nazis= neuer Gemeinderat über ihn herfallen wollten,
hatte er nur einen Satz: "Wenn ich hier gehe, nehme ich mindestens 4 von Euch mit!"

Kurzes Ende, 65 wurde der Bauantrag genehmigt, und Großvater baute mit meiner Mutter und meinem Vater mein Elternhaus,
im Alter von fast 45 Jahren!
Soviel zum Thema Antifaschismus in der DDR. Klüngelei, Duckmäusertum und Ars..kriecherei waren niemals ein Merkmal einer
bestimmten Zeit, denn Opportunisten gibt es überall und immer.

Achja, und ich spotte immer noch gern über den Austerlitscher!

SEG15D



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#11

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 25.01.2013 22:46
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Man hat eine Erbteilung gemacht. Die Guten, also die kommunistischen Antifaschisten die schon immer gegen Hitler waren , waren unsere Vorfahren, die bösen Faschisten saßen dann nach dem "Endsieg" alle im Westen.
Geschichtsschreibung ist immer ideologisch beeinflußt. Ob nun heute oder damals, in der schönsten und einzigen DDR auf deutschem Boden oder auch heute in der BRD.
Geschichte so wie wir sie aus den Geschichtsbüchern kennen, hat niemals stattgefunden.

Zur heutigen Entwicklung in der Ex-DDR habe ich folgende Gedanken.
Es gibt ein universell anwendbares Rezept, um national-sozialistisches Gedankengut und Rassismus in Teilen der Bevölkerung zu verankern.
1. Region deindustriealisieren
2. Die intelligenten jungen Menschen zwecks Berufsausbildung und Beschäftigungsmöglichkeit aussiedeln
3. Migranten und Ausländer in diese perspektivlose Region ansiedeln
4. die Eingewanderten gegenüber den Einheimischen bevorteilen und dann Kriminalitätsstatistiken veröffenlichen

Der Erfolg ist bei Einhaltung der Rezeptur garantiert, sonst Geld zurück.


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 08:20
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Mein Vater der alte Frontkämpfer im Südabschnitt der Ostfront hatte uns Kindern jedes Wochenende nach dem Mittag(darüber stehen hier schon etliche Texte unter Rainer-Maria Rohloff/mein alter Nickname) soviel aus seiner Kriegszeit erzählt, das ich als Junge von vielleicht zehn..zwölf Jahren ein tolles Hakenkreuz an die Tafel gemalt habe. Und das in der DDR.

Da war dann sprichwörtlich Polen offen. Wenn ich mich heute so erinnere, dann erinnere ich mich nicht an Stasi oder Kripo oder? Mein Vater wurde zum Direktor einbestellt, der muss auch ein ehemaliger Frontkämpfer gewesen sein, die quatschten lange, ich bekam ne ordentliche Tracht Prügel von meiner Mutter(mein Vater schlug mich nur ein...zweimal, da war ich schon älter) und dann war alles wieder in Butter.

Lebensläufer der Jahrgang 1953 ist (wird im Vorstellungsfred noch geändert)

War ich da nun fehlgeleitet als Jugendlicher, bin ich heute gar ein Nazi? Das denke ich nicht. Gute Frage trotzdem was? Klärt lieber mal, warum heute so ein junger Mensch in die rechte Szene abtriftet, meinetwegen mit nem Extrafred. Denn an den Erzählungen der Eltern kann das bestimmt nicht liegen. Oder doch?


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#13

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 08:30
von Alfred | 6.841 Beiträge

WZZW,

wenn Du schreibst : "Im Osten die NPD in fast jedem Parlament drinnen" so ist dies wohl nicht ganz so.
Bei den letzten Landeswahlen kam die NPD in keinen Bundesland in den neuen Ländern über 5 %.
Anders sah es leider bei den letzten Wahlen zum Bundestag aus. Da kam die NPD in Sachsen auf 5,6% und in MV auf 6,0 %.

Also bitte nicht so allgemein.


zuletzt bearbeitet 26.01.2013 08:31 | nach oben springen

#14

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 08:38
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von SEG15D im Beitrag #10
Von einer bewußt antifaschistischen Erziehung würde ich hier auch nicht reden wollen. Gut, es war verboten irgendwelche NS-Symbole
zu tragen oder irgendwo anzubringen. Aber hat das schon mit Erziehung zu tun?
Man kann 1 und 1 zusammenzählen um zu begreifen, daß die DDR dieses dunkle Kapitel (schon das 2.) der deutschen Geschichte nicht
nochmals wiederholt haben mochte. Aber aus der eigenen Familie weiß ich mit den Dingen nicht undifferenziert umgehen zu können.
Mein Großvater war BU bei der Luftwaffe, integrer Mensch mit hohen Wertvorstellungen, für die ich auch eintreten kann.
Seinen aus dem Krieg "geretteten" Ehrendolch haben wir in den 70 Jahren kastriert, der Adler mußte seine Beute fallen lassen.
Das war auch der allgemeinen Tatsache der Realitäten in der DDR mit solchen alten Symbolen geschuldet.
Und schon die Tatsache, daß er als Soldat in Uniform den Krieg überstand, machte ihn anschließend in der DDR an seinem
Heimatort zur Unperson. Nach Kriegsende hatten sich die "Wendehälse" der neuen Ordnung ruck-zuck das Kleid des Widerstandes gegen
das NS-Regime übergezogen.....handfeste Nazis von damals kehrten als "Widerstandskämpfer nach 45 an die Öffentlichkeit zurück!
Und wurden gern gesehen von den Machthabern der neuen Ordnung.
Meinem Großvater wurde die Baugenehmigung zum Errichten eines Eigenheimes bis zum Jahr 1965 abgelehnt, trotz Schreiben an
Wilhelm Pieck, den damaligen Arbeiterpräsidenten des Landes.
Die Sache eskalierte, irgendwann wurde er vor den Gemeinderat vorgeladen.....der gebürtige Oberschlesier war jedoch vorbereitet.
Er ging mit einer Klinge in die Versammlung. Als die versammelten Alt-Nazis= neuer Gemeinderat über ihn herfallen wollten,
hatte er nur einen Satz: "Wenn ich hier gehe, nehme ich mindestens 4 von Euch mit!"

Kurzes Ende, 65 wurde der Bauantrag genehmigt, und Großvater baute mit meiner Mutter und meinem Vater mein Elternhaus,
im Alter von fast 45 Jahren!
Soviel zum Thema Antifaschismus in der DDR. Klüngelei, Duckmäusertum und Ars..kriecherei waren niemals ein Merkmal einer
bestimmten Zeit, denn Opportunisten gibt es überall und immer.

Achja, und ich spotte immer noch gern über den Austerlitscher!

SEG15D





Aus welchen Grund Wendehälse ?

Übrigens, an Pieck konnte man nur bis 1960 schreiben, in dem Jahr ist er verstorben.


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#15

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 09:46
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Ja und hallo aufgewacht, wer hatte denn nach 1990 die Rechte Szene im Osten, der ehemaligen DDR mit viel, viel Westgeld aufgebaut? Das waren doch alte Herren aus dem Ausbundesländle und die Namen kann man gerne mal hier ergänzen.Denn da bin ich nicht so bewandert mit. Ich denke nämlich nicht, nur weil der antifaschistische Kochtopf auf einmal erkaltete das die Kartoffeln nun noch in einen anderen Kochtopf hüpfen wollten, der auch nur mit Wasser kochte.

Denn die waren schon gut durchgekocht. Und das merkt man heute noch manchen Leutchen im Osten an, das die doch bissel Hintergrundwissen ums Dritte Reich haben...wer da wohl wen aufs Pferd gehoben hatte siehe die Monopole den Adolf und nicht umgekehrt. Hätte man damals schon Lobbyismus nennen können siehe "Unterstütze bitte meine Wahl und komm dann mal in einer stillen Stunde zu mir und trage mir dein Anliegen vor. Ich werde dann sehen, was ich für dich tun kann".

Lebensläufer


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#16

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 09:57
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Es muß so Mitte der 50er gewesen sein. Ich vielleicht 8 oder 9 jahre. Ich malte und zeichnete gern. Auf einem Blatt malte ich U-Boote, die hintereinander langsam abtauchten. Auf den Turm hatte ich Hakenkreuze gemalt. Wahrscheinlich hatte ich das mal irgendwo auf einem Bild gesehen. mein Vater sah es und erklärte mir, daß es doch schöner aussehe, wenn ich statt der Hakenkreuze einen Stern malen würde. So radierten wir die Kreuze weg und ich malte fünfzackige Sterne drauf. War für mich genauso gut und damit war die Sache erledigt.



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#17

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 10:51
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #16
Es muß so Mitte der 50er gewesen sein. Ich vielleicht 8 oder 9 jahre. Ich malte und zeichnete gern. Auf einem Blatt malte ich U-Boote, die hintereinander langsam abtauchten. Auf den Turm hatte ich Hakenkreuze gemalt. Wahrscheinlich hatte ich das mal irgendwo auf einem Bild gesehen. mein Vater sah es und erklärte mir, daß es doch schöner aussehe, wenn ich statt der Hakenkreuze einen Stern malen würde. So radierten wir die Kreuze weg und ich malte fünfzackige Sterne drauf. War für mich genauso gut und damit war die Sache erledigt.


Es war 1956/57.
Vor unser Schule befand sich ein Kaugummiautomat.
10 Pfg. Einsatz.Es waren Kaugummikugeln in verschiedenen Farben darin,gross wie eine dicke Murmel in verschiedenen Farben.
Mit etwas Glück kam ein "Bonus" dabei raus.Plastikringe mit Totenkopf,Plastikfiguren etc.
U.A. befand sich ein kleiner Revolver darin.Abmessung etwa 3-4 cm.Eine Woche schmissen wir Kinder den Groschen in den Automaten ein,wir wollten unbedingt den kleinen Revolver erobern.
Dann,ich hatte ihn.
Stolz richtet ich im Turnunterricht dieses Miniteil auf einen Mitschüler......peng,peng.
Das bekam der Sportlehrer mit,stellvtr.Schuldirektor.
Er hatte eine Handprothese aus Holz.
Er zerbrach mit mir gemeinsam dieses Minipistole,gemeinsam traten wir auf diesen zerbrochenen Teilen,für mich unverständlich,am Boden herum.
Vor allen Kindern,die das mit Unverständnis aufnahmen,erläuterte dann sein Vorgehen.
Die Turnstunde verlagerte sich in das Klassenzimmer und der stellvtr.Schuldirektor erzählte über seine Kriegserlebnisse und von Menschen die NIE wieder aufeinander schiessen dürfen.
Es hat mich nachhaltig beeindruckt.
Geschehen in einer Schule in Westberlin.

Gruss


Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#18

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 10:54
von SEG15D | 1.119 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #14
Zitat von SEG15D im Beitrag #10
Von einer bewußt antifaschistischen Erziehung würde ich hier auch nicht reden wollen. Gut, es war verboten irgendwelche NS-Symbole
zu tragen oder irgendwo anzubringen. Aber hat das schon mit Erziehung zu tun?
Man kann 1 und 1 zusammenzählen um zu begreifen, daß die DDR dieses dunkle Kapitel (schon das 2.) der deutschen Geschichte nicht
nochmals wiederholt haben mochte. Aber aus der eigenen Familie weiß ich mit den Dingen nicht undifferenziert umgehen zu können.
Mein Großvater war BU bei der Luftwaffe, integrer Mensch mit hohen Wertvorstellungen, für die ich auch eintreten kann.
Seinen aus dem Krieg "geretteten" Ehrendolch haben wir in den 70 Jahren kastriert, der Adler mußte seine Beute fallen lassen.
Das war auch der allgemeinen Tatsache der Realitäten in der DDR mit solchen alten Symbolen geschuldet.
Und schon die Tatsache, daß er als Soldat in Uniform den Krieg überstand, machte ihn anschließend in der DDR an seinem
Heimatort zur Unperson. Nach Kriegsende hatten sich die "Wendehälse" der neuen Ordnung ruck-zuck das Kleid des Widerstandes gegen
das NS-Regime übergezogen.....handfeste Nazis von damals kehrten als "Widerstandskämpfer nach 45 an die Öffentlichkeit zurück!
Und wurden gern gesehen von den Machthabern der neuen Ordnung.
Meinem Großvater wurde die Baugenehmigung zum Errichten eines Eigenheimes bis zum Jahr 1965 abgelehnt, trotz Schreiben an
Wilhelm Pieck, den damaligen Arbeiterpräsidenten des Landes.
Die Sache eskalierte, irgendwann wurde er vor den Gemeinderat vorgeladen.....der gebürtige Oberschlesier war jedoch vorbereitet.
Er ging mit einer Klinge in die Versammlung. Als die versammelten Alt-Nazis= neuer Gemeinderat über ihn herfallen wollten,
hatte er nur einen Satz: "Wenn ich hier gehe, nehme ich mindestens 4 von Euch mit!"

Kurzes Ende, 65 wurde der Bauantrag genehmigt, und Großvater baute mit meiner Mutter und meinem Vater mein Elternhaus,
im Alter von fast 45 Jahren!
Soviel zum Thema Antifaschismus in der DDR. Klüngelei, Duckmäusertum und Ars..kriecherei waren niemals ein Merkmal einer
bestimmten Zeit, denn Opportunisten gibt es überall und immer.

Achja, und ich spotte immer noch gern über den Austerlitscher!

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Aus welchen Grund Wendehälse ?

Übrigens, an Pieck konnte man nur bis 1960 schreiben, in dem Jahr ist er verstorben.


Weshalb Wendehälse? Nun, weil sie die braunen Klamotten genauso schnell gegen die neuen tauschten, inclusive Ihrer Gesinnung.
Da waren es dann auf einmal alles "Widerstandskämpfer" in der NS-Zeit....

Ich hatte bewußt nicht geschrieben, wann der Brief an Pieck ging, da fehlt es mir an chronologischer Erinnerung.



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#19

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 10:59
von Alfred | 6.841 Beiträge

Es soll wohl nicht wenige gegeben haben, die hatten die Schnauze voll von der Zeit 1933 - 45.
Ob man die alle als Wendhälse bezeichnen kann ?
Ich sehe dies etwas anders. Da kam die Einsicht, dass man einer falschen Sache gedient hat.


zuletzt bearbeitet 26.01.2013 11:00 | nach oben springen

#20

RE: Antifaschismus/antifaschistische Erziehung in der DDR---ein Erfolgsmodell?

in DDR Staat und Regime 26.01.2013 11:10
von schulzi | 1.757 Beiträge

möchte mich auch der frage frage stellen die sehr heikel ist den wen man von elternhaus antifa. erzogen wurde hatte man oft probleme mit andersdenkenden(für mich getrige) die den ns-system nachtrauerten. klar war es interesannt wen über partisanen oder wiederstandskämpfer erzählt wurde ,aber diese leute die es uns erzählten haben vergessen das es menschen mit ängsten und keine überhelden. die waren helden waren dan die leute die kriegsgefangenen und zwangsarbeitern brot und andere sachen zugesteckt haben oder unter einsatz ihres juden und anderen verfolgten obdach boten. lebensläufefer das mit dem h-kreuz haben wir wohl alle mal gemacht,bloss meine eltern hatten mich nicht verkloppt sondern sich mit mir und meinen opa hingesetzt und mir erklärt wie es war in den bombennächten oder wen die nachbarn auf einmal verschwunden waren ,das sind zum beispiel dinge die mich pägten und mir zu meiner antifa. haltung verhalfen.


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