#321

RE: 8. Mai 45 - War es wirklich ein Tag der Befreiung?

in Leben in der DDR 20.01.2013 21:13
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #314
Ich war im Mai 2009 in Israel und im Westjordanland. Habe auch die Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem besucht. Schon die Fahrt mit dem Stadtverkehrsbus hinaus zur Gedenkstätte bereitete mir etwas Unbehagen. Obwohl ich es vermied mich auf Deutsch zu verständigen, erkannten sehr viele Israelis im Bus meine Nationalität. Ich spürte aber keinerlei Haß und Verachtung, nachdem ich ihnen erklärte, warum ich nach Yad Vashem wollte. Ich begab mich auf Spurensuche auch in der Vergangeheit meiner Familie. Meine Großmutter (Lydia) mütterlicherseits war eine gebürtige Odessaerin - mein Großvater (Samuel) mütterlicherseits stammte aus Tschitomir. Beide, wie auch andere Familienmitglieder überlebten durch Formfehler in den Personalunterlagen in der Abgeschiedenheit Ostpreussens die Shoah. Andere nicht !!!
Ich hatte im meinem bisherigem Leben schon zahlreiche ehemalige KZ und die darauf errichteten Gedenkstätten gesehen und besucht. Sehr stark emotional berührt haben mich das "Alte Lager" in Auschwitz und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Aber als ich die Gedenkstätte in Yad Vashem betrat, war alles bisher dagewesene dahin. Mir steckte ein regelrechter Kloß im Hals und ich konnte meine Emotionen und Tränen in der "Halle der Erinnerung" nicht mehr zurückhalten, nachdem ich die Gedenk- und Erinnerungsstücke und -tafeln von Odessa und Tschitomir vor meinen Augen sah.
Als ich dann die "Halle der Erinnerung" verließ, versuchte ich mich erst einmal wieder zu sammeln - ich war emotional zu sehr aufgewühlt und meine Knie waren weich wie Butter. Aber ich konnte mich nicht sammeln, da es draußen einen Eklat gab. Es war eine deutsche Reisegruppe mit älteren Damen und Herren recht fragwürdiger Gesinnung, die sich über die Shoah amüsierten. Mir brannte im dem Moment die Sicherung durch, nachdem ein älterer Herr dieser Gruppe die Bemerkung fallen ließ:"Der Adolf hätte sich was die Judenvernichtung anbetrifft, ein Beispiel an Napoleon nehmen sollen.." Ich stellte dann diesen Anisemititen zur Rede und forderte ihn auf die Gedenkstätte zu verlassen - zwischenzeitlich hatten schon die israelischen Sicherheitskräfte diese Auseinandersetzung mitbekommen und geleiteten diese kleine Gruppe in Richtung Busparkplatz. Seitens der anderen Besucher und der Israelis gab es ein zustimmendes Nicken mit dem Kopf, ein freundliches Lächeln und auch Umarmung für meine Handlungsweise. Solche Leute haben in Yad Vashem nichts verloren - sie verhöhnen mit ihrer Anwesenheit die unermesslichen Opfer des Holocaust.
Für mich ist die Menora meiner Großeltern nicht nur Andenken, sondern auch Symbol dafür, dass sich so etwas nie wieder in der Menschheitsgeschichte wiederholen darf.

Shalom
Vierkrug

PS: Ich habe ein paar Fotos von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem dem Beitrag angefügt. Verständlicherweise werde ich einige Fotos nicht anhängen, da sie mich zu sehr persönlich berühren.


Solche Konfrontationen nehmen einen sicherlich ganz schön mit, auch wenn man selbst keine Opfer dieser Verbrechen in der eigenen Familie zu beklagen hat. Als ich vor ca. zwei Jahren einmal einen Zug der Erinnerung in Aachen besucht hatte http://www.zug-der-erinnerung.eu/fahrplan.html fand ich als Exponat einen Originalfahrplan vor, wie ich ihn aus alten Reichsbahnzeiten schon kannte.
Dort waren die Laufwege mit den Verkehrshalten (Freiburg, Offenburg; Karlsruhe...Berlin usw.) so dargestellt, wie sie bei jedem anderen Frachtenzug auch vom Layout her gestaltet waren, da konnte man schon weiche Knie kriegen, wie geschäftsmäßig diese Transporte abgewickelt wurden.
Die Kenntnisse über diese Vernichtungszüge und andere Greueltaten hatten wir schon in unserer Schulzeit vermittelt bekommen, sie haben wohl auch so manchen Zweifel beim Aufbau des Sozialismus wieder verdrängt, zu spektakulär waren die Naziverbrechen und zu eindeutig war die Positionierung der SED gegenüber dem Faschismus.



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#322

RE: 8. Mai 45 - War es wirklich ein Tag der Befreiung?

in Leben in der DDR 20.01.2013 21:44
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #321
zu spektakulär waren die Naziverbrechen und zu eindeutig war die Positionierung der SED gegenüber dem Faschismus.


Aber leider nur gegenueber dem braunen Faschismus.


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#323

RE: 8. Mai 45 - War es wirklich ein Tag der Befreiung?

in Leben in der DDR 20.01.2013 22:56
von frank | 1.753 Beiträge

für mich , außer der vorhergehende beitrag , ein fall für melancholie ! habe mal als sehr junger mensch so ein graues 'bilderbuch' in den händen gehabt ! wo es her kam und wo es abgeblieben ist kann ich heut zu tage nicht mehr nachvollziehen !
dieses bilderbuch hatte ein grauen einband , so groß ungefähr wie ein heute handelsüblicher laptop , mit der aufschrift ich glaube in schwarz :
'buchenwald' was ich da an fotografien mit kurzen erklärungen darunter sah , prägte mich wahrscheinlich über mein gesammtes leben !
selbst heute noch wenn ich an solchen objekten auch nur vorbei fahre , wie :oranienburg oder fürstenberg/havel , kommt dieses 'kopfkino' !
auch bei spielfilmen wie 'schindler's liste' etc. sehe ich dieses buch noch heute vormir !!
die frage die ich mir dabei immer stelle : warum sind menschen dafür in der lage solche grausamkeiten zu begehen !!!???
für mich war damals beim schließen dieses 'buches' klar : so was darf sich nie wiederholen und dafür werde ich auch alles tun !!!



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#324

RE: 8. Mai 45 - War es wirklich ein Tag der Befreiung?

in Leben in der DDR 21.01.2013 10:24
von Diskus303 | 485 Beiträge

Zitat von frank im Beitrag #323
für mich , außer der vorhergehende beitrag , ein fall für melancholie ! habe mal als sehr junger mensch so ein graues 'bilderbuch' in den händen gehabt ! wo es her kam und wo es abgeblieben ist kann ich heut zu tage nicht mehr nachvollziehen !
dieses bilderbuch hatte ein grauen einband , so groß ungefähr wie ein heute handelsüblicher laptop , mit der aufschrift ich glaube in schwarz :
'buchenwald' was ich da an fotografien mit kurzen erklärungen darunter sah , prägte mich wahrscheinlich über mein gesammtes leben !
selbst heute noch wenn ich an solchen objekten auch nur vorbei fahre , wie :oranienburg oder fürstenberg/havel , kommt dieses 'kopfkino'
!
auch bei spielfilmen wie 'schindler's liste' etc. sehe ich dieses buch noch heute vormir !!
die frage die ich mir dabei immer stelle : warum sind menschen dafür in der lage solche grausamkeiten zu begehen !!!???
für mich war damals beim schließen dieses 'buches' klar : so was darf sich nie wiederholen und dafür werde ich auch alles tun !!!


Mein erstes Erlebnis dieser (erschütternden) Art hatte ich bei dem (damals obligatorischen, 8. Klasse) Besuch der Gedenkstätte des KZ Buchenwald, kurze Zeit später nochmal während eines Ferienlageraufenthalt in Waren/ Müritz und hier bei einem "Besuch" der Gedenkstätte des KZ Ravensbrück (Frauen-KZ)....
Noch etwas später habe ich dann das Buch "SS im Einsatz" zwischen die Finger bekommen... eine Lektüre, die mich ebenso wie Dich, bis heute geprägt hat.
Wen es interessiert. Das Buch wurde voriges Jahr neu verlegt http://www.shop24direct.de/ss-im-einsatz...CFUmN3godwloAZQ


Gruß Axel
damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.01.2013 10:25 | nach oben springen



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