#41

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 12:21
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Drewitz
Es hat aber auch möglich gemacht,daß einem und wirklich nur einem MA oder AGT die Nerven durchgehe und er zu seinem vermeintlichen Schutz nur in die Luft schießt.Die Folgen hätten schlimm sein können.
---------------------------------------------

In der Haut der MA der Grenzübergänge hätte ich am "eröffnungstag" auch nicht stecken mögen. Von ihren höchsten Vorgesetzten im Stich gelassen, alleine auf sich gestellt, das "Volk" im Nacken und mit dem Bewußtsein, daß es das nun wohl war mit der DDR.
Anderseits hätte es auch anders gekommen sein: Schabowski hätte nichts von "unverzüglich" und "sofort" gestammelt und das Volk hätte am nächsten Tag den Medien entnehmen können, daß man sich ohne Weiteres seinen Stempel zum Hin-und her-fahren bei den zuständigen Stellen abholen könne, die DDR hätte sich den erforderlichen Gegebenheiten angepaßt, der eingeschlagene Weg ist auf Initiative des Generalsekretär´s verwirklicht worden und der Sozialismus wird auch in Zukunft in der DDR seine Heimat haben.

Für mich ist er nicht nur deshalb ein oben genanntes Körperteil-erst einer der härtesten Einpeitscher und auf einmal der größte Wendehals.Pfui deibel!

Drewitz



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#42

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 12:34
von wosch (gelöscht)
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Zitat von wosch

Zitat von Drewitz
Es hat aber auch möglich gemacht,daß einem und wirklich nur einem MA oder AGT die Nerven durchgehe und er zu seinem vermeintlichen Schutz nur in die Luft schießt.Die Folgen hätten schlimm sein können.
---------------------------------------------

In der Haut der MA der Grenzübergänge hätte ich am "eröffnungstag" auch nicht stecken mögen. Von ihren höchsten Vorgesetzten im Stich gelassen, alleine auf sich gestellt, das "Volk" im Nacken und mit dem Bewußtsein, daß es das nun wohl war mit der DDR.
Anderseits hätte es auch anders gekommen sein können: Schabowski hätte nichts von "unverzüglich" und "sofort" gestammelt und das Volk hätte am nächsten Tag den Medien entnehmen können, daß man sich ohne Weiteres seinen Stempel zum Hin-und her-fahren bei den zuständigen Stellen abholen könne, die DDR hätte sich den erforderlichen Gegebenheiten angepaßt, der eingeschlagene Weg ist auf Initiative des Generalsekretär´s verwirklicht worden und der Sozialismus wird auch in Zukunft in der DDR seine Heimat haben.
----------------------------------------

Für mich ist er nicht nur deshalb ein oben genanntes Körperteil-erst einer der härtesten Einpeitscher und auf einmal der größte Wendehals.Pfui deibel!
-------------------------------------------
Obwohl ich Dir hier im Großen und Ganzen zustimme, ist mir dieser "Wendhals" noch angenehmer, als Einer Derjenigen, die in ähnlicher Position waren und sich nicht "gewendet" haben.
Deswegen von mir nur ein "Pfui"
Schönen Gruß aus Kassel

Drewitz




zuletzt bearbeitet 15.09.2009 13:01 | nach oben springen

#43

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 13:13
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo zusammen,

nochmal weg von der politanatomischen Bewertung merkwürdiger Zeitgenossen. Nochmal einen Satz dazu, was Schabowski hätte sagen können und sollen. Laut einem Interview mit Wolfgang Meyer, damaliger Leiter der Hauptabteilung Presse und Information beim Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, enthielt der Entwurf des neuen Gesetzes eine Presse- oder Mediensperrfrist bis (wenn ich mich richtig erinnere) 10.11.1989 04:00 Uhr. Das hieß, die Nachricht sollte am nächsten Tag an Presse, Rundfunk und Fernsehen, und zwar nachdem die "zuständigen Organe" darüber informiert wurden. Wenn Krenz einen solchen Hinweis überlesen hat, sehe ich das nicht als Problem an. Aber Schabowski soll eine Pressekonferenz leiten und er war lange Jahre Chefredakteur des ND. Wenn der auf einem so kleinen Dokument die für die Presse wichtige Information überliest oder gar ignoriert, dann ist er entweder ein unfähiger Trottel oder ein Verräter. Die Bewertung, dass er ein Verräter wäre, geht dabei nicht von der späteren Wirkung seiner Handlungsweise am 09.11.1989 aus, sondern von der Tatsache, dass er als 1. Sekretär der Bezirksleitung Berlin persönlich verantwortlich für die Sicherung der Grenze in Berlin war. Nun würde ich mich ja noch spaßeshalber auf die These einlassen, dass er sich innerlich zu diesem Zeitpunkt schon zum Widerstandskämpfer entwickelt hätte. Allerdings stünde dem mein persönliches Erleben seines Auftretens in militärischen Einheiten gegenüber (u.a. an der Militärpolitischen Hochschule), wobei er noch wenige Wochen zuvor die "Genossen beim Schutz der Staatsgrenze zu höchster Wachsamkeit und Gefechtsbereitschaft" aufrief. Wohl gemerkt: Als deren offizieller Vorgesetzter!

@Alfred: Da Du die Dokumente hast, steht darin etwas von einer solchen Sperrfrist?

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 15.09.2009 13:15 | nach oben springen

#44

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 13:42
von wosch (gelöscht)
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[quote="Rainman2"]Hallo zusammen,

nochmal weg von der politanatomischen Bewertung merkwürdiger Zeitgenossen. Nochmal einen Satz dazu, was Schabowski hätte sagen können und sollen.
------------------------------------------------

Hallo Rainman!
Zu dem was Du geschrieben hast kann ich Dir, was Deine Einschätzung betrifft, sogar recht geben, aber mir ist, so wie Manudave gerne zu sagen pflegt, echt "wurscht", was Schabowski hätte sagen sollen und was er wenige Wochen im Hinblick auf die Wachsamkeit und Gefechtsbereitschaft eingefordert hatte; mich interessiert im Wesentlichen nur das, was er gesagt hatte und was dabei am Ende herausgekommen war. Das Ihr das anders gesehen habt, ist natürlich auch mir verständlich, jedoch hat es auch viele "Gezogene" bei Eurer Truppe gegeben, die froh über diese Entwickelung gewesen waren. Bei den Berufsoffizieren spielten natürlich ganz andere Faktoren mit wie bei den Kurzeitigen.
Ich will hoffen, daß Du mich nicht zu den merkwürdigen Zeitgenossen zählst, wobei es mir letzendlich nur um die Zeit-GENOSSEN geht, mit merkwürdig könnte ich gerade noch leben.
Schönen Gruß aus Kassel


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#45

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 14:11
von werraglück | 679 Beiträge

Hallo,

meine Kameraden und ich haben uns nach dem TV-Auftritt natürlich gefreut!

Natürlich kann ich auch die Verantwortlichen verstehen, die zu dem Zeitpunkt unvorbereitet und überfordert waren. Sie mussten ja damals ziemlich selbstständig entscheiden.
Ich war jung, wie schon oft geschrieben und hatte damals die Lage noch nicht überschauen können, was hätte alles passieren können.
Meine Meinung ist aber auch, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass nach starken Wendewochen noch einer abgedreht wäre und geschossen hätte. Man soll natürlich niemals nie sagen.
Aber die vorgezogene Aussage dieses Funktionärs war natürlich symptomatisch für die vorraus gegangenen Wochen.


MfG


"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Ge­genwart nicht verstehen und die Zukunft nicht ge­stalten"

ROMAN HERZOG
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#46

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 14:57
von wosch (gelöscht)
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Hallo Werraglück!
Danke für Deinen Kommentar; meiner Meinung auch die richtige Einstellung!
Schönen Gruß aus Kassel


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#47

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 15:43
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von wosch
Zu dem was Du geschrieben hast kann ich Dir, was Deine Einschätzung betrifft, sogar recht geben, aber mir ist, so wie Manudave gerne zu sagen pflegt, echt "wurscht", was Schabowski hätte sagen sollen und was er wenige Wochen im Hinblick auf die Wachsamkeit und Gefechtsbereitschaft eingefordert hatte; mich interessiert im Wesentlichen nur das, was er gesagt hatte und was dabei am Ende herausgekommen war.


Hallo wosch,

prinzipiell gebe ich Dir recht, solche Dinge sind das Hintergrundrauschen der Geschichte. Aber dieser Thread beschäftigt sich mit Schabowski. Und die Gefahr, die dieser Trottel heraufbeschworen hat, kann ich nicht ignorieren, zumal sie auch mich ganz konkret betraf. Und wenn ich schonmal die Chance habe, bei Alfred zu dem Entwurf zurückzufragen dann nutze ich sie.

Zitat von wosch
Ich will hoffen, daß Du mich nicht zu den merkwürdigen Zeitgenossen zählst, wobei es mir letzendlich nur um die Zeit-GENOSSEN geht, mit merkwürdig könnte ich gerade noch leben.


Deine Hoffnung ist voll und ganz begründet. Die deutsche Sprache ist ja so schwer. Ich schrieb von "der politanatomischen Bewertung merkwürdiger Zeitgenossen" und meinte das im Sinne "von merkwürdigen ZG" und nicht im Sinne von "durch merkwürdige ZG". Seit Jahren hält mir meine Freundin Vorträge über sprachliche Ambiguitäten (Mehrdeutigkeiten) und wenn ich das mal umsetzen soll, bin ich eine wandelnde Null. Nein, wosch, weder "merkwürdig" noch "Genosse".

Grüße nach Kassel
Rainman

Ansonsten @all noch einen kleinen Hinweis: Der von mir angesprochene Wolfgang Meyer war in der Modrow-Regierung der erste, einzige und somit auch letzte Regierungssprecher der DDR. Nur mal so als Randnotiz zur Überschrift des Threads. Jajajaja - Hintergrundrauschen, aber ich war schon lange nicht mehr als Kümmelspalter unterwegs.

ciao


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 15.09.2009 15:44 | nach oben springen

#48

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 15:45
von Drewitz | 356 Beiträge

Ich glaube unsere kleinen Biestigkeiten Schabowski gegenüber liegen im Widerspruch seines Auftretens als Parteieinpeitscher und seinem späteren als Widerstandskämpfer.Sein missglücktes Interviewe war lediglich das Sahnehäubchen auf dem Bierfaß.
Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#49

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 16:28
von Alfred | 6.841 Beiträge

Rainman,

in der Beschlussvorlage vom 9.11.1989 ist unter Punkt 3 zu lesen:

„………ist die beigefügte Pressemitteilung am 10. November zu veröffentlichen“.

Schabowski kannte ja den Beschluss aus dem Politbüro und dem ZK.

Er sollte also am 9.11. mitteilen, dass Reisen etc. möglich sind. Da sich die Pressemitteilung auf den 10. November bezieht war mit dem im Beschluss genannten s o f o r t der 10. November gemeint, nicht der 9.November.


Nach verschiedenen Zeitzeugen war diese Formulierung damals üblich.

Schabowski hätte also sagen müssen , „ab MORGEN“.


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#50

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 16:29
von Musiker12 | 822 Beiträge

Den Sch. zu beurteilen fällt mir schwer. Ich halte ihn auch für einen Wendehals und Opportunist. Ob ihm die Tragweite seiner Worte bewußt waren vermag ich nicht zu beurteilen. Man muss sich in die Lage derer versetzen die in dieser Zeit verantwortlich waren. Die Ereignisse haben sich überschlagen und ich denke maches wurde ausser Acht gelassen was bei entsprechend mehr Zeit bedacht worden wäre insbesondere im Hinblick auf die Grenzer die ihrem Schicksal überlassen wurden und deren Besonnenheit es letztendlich zu verdanken ist, dass die Situation nicht eskalierte.



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#51

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 16:35
von Musiker12 | 822 Beiträge

Zitat von Alfred
Rainman,

in der Beschlussvorlage vom 9.11.1989 ist unter Punkt 3 zu lesen:

„………ist die beigefügte Pressemitteilung am 10. November zu veröffentlichen“.

Schabowski kannte ja den Beschluss aus dem Politbüro und dem ZK.

Er sollte also am 9.11. mitteilen, dass Reisen etc. möglich sind. Da sich die Pressemitteilung auf den 10. November bezieht war mit dem im Beschluss genannten s o f o r t der 10. November gemeint, nicht der 9.November.


Nach verschiedenen Zeitzeugen war diese Formulierung damals üblich.


Schabowski hätte also sagen müssen , „ab MORGEN“.



Meine Info ist auch die, dass Sch. an der Sitzung nicht teilgenommen hat. Aber wie dem auch sei, ich habe es ja in meinem Beitrag schon mal erwähnt, die Ereignisse haben sich zu dieser Zeit überschlagen. Mich hat nur gewundert, dass der sonst schlagfertige Sch. rumgestottert hat. Dem Eindruck nach hat er diese Mitteilung wirklich erst während der PK gelesen, daher auch die Unsicherheit. Oder sollte er ein so guter Schauspieler sein?



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#52

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 16:54
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von Alfred
Rainman,

in der Beschlussvorlage vom 9.11.1989 ist unter Punkt 3 zu lesen:

„………ist die beigefügte Pressemitteilung am 10. November zu veröffentlichen“.

Schabowski kannte ja den Beschluss aus dem Politbüro und dem ZK.

Er sollte also am 9.11. mitteilen, dass Reisen etc. möglich sind. Da sich die Pressemitteilung auf den 10. November bezieht war mit dem im Beschluss genannten s o f o r t der 10. November gemeint, nicht der 9.November.


Nach verschiedenen Zeitzeugen war diese Formulierung damals üblich.

Schabowski hätte also sagen müssen , „ab MORGEN“.


Hallo Alfred,

danke für diese Information. Damit ist für mich das Bild eigentlich abgerundet. Wenn ein Pressemensch so etwas "übersieht", dann ist er auf dem falschen Platz. Er musste die Spielregeln kennen. Die Brisanz dieser Sache nicht zu erkennen und in einer solchen Frage wie ein Anfänger zu wursteln, das zeigt mir einen akut unfähigen Menschen. Wenn ich einen Beruf habe, in diesem Verantwortung übernehme und dann Mist baue, weil ich mein einfachstes Handwerkszeug nicht beherrsche, dann handle ich mir zurecht Kritik ein. Das hat nichts mit Überlastung zu tun, eher mit der Arroganz der Parteinomenklatura.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#53

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 17:00
von Alfred | 6.841 Beiträge

Berliner,

Schabowski war nach eigenen Angaben in der ZK – Sitzung, „abwechselnd drin und draußen“.

Dies spielte aber auch nicht unbedingt eine Rolle, da er die Vorlage schon kannte. Es gab ja auch schon eine Politbürositzung, bei der er anwesend war. Schabowski hat auch stets betont, dass er die Regelung kannte. Er hatte diese nur anders ausgelegt.

Er war der Auffassung, dass sich das sofort auf den 9. November bezieht.

Übrigens, jeder Grenzer hätte Schabowski mal beim Prozess besuchen sollen, der eine oder andere hätte ihn bestimmt über den Tisch gezogen, den „Armen Nichtwissenden“ …


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#54

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 17:17
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Alfred

Schabowski hätte also sagen müssen , „ab MORGEN“.



Ok, dann nehmen wir doch mal an, er hätte das so gesagt. Seid ihr wirklich so naiv, und glaubt, dann hätte das Volk schön gewartet und dabei auf die Uhr geschaut? In dieser Zeit der aufgeladenen Stimmung? Vielleicht einige wenige. Die Masse wäre dann "morgens" gar nicht zur Arbeit erschienen. Vielleicht hätte man die GÜST alle noch rechtzeitig informieren können. Aber nur eher schlecht als recht. Einen frühen Ansturm ohne ausreichende Informationen hätte es trotzdem gegeben.

Für mich liegt der Fehler in der Regierung, die darüber nicht nachgedacht hat. Zuerst hätte man die Verantwortlichen an den Grenzen informieren müssen. Vor einer Pressekonferenz. Hier lag der Kardinalfehler. Wie kann man denn ein Reisegesetz verabschieden, welches die Kontrolleure gleichzeitig mit den Reisenden erfahren? So wäre es dann gelaufen. Schabo war der Dumme, der das vortragen sollte und musste.

Übrigens, geholfen hätte dies alles der DDR nicht mehr.....

Gruß, Augenzeuge


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#55

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 17:26
von wosch (gelöscht)
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[quote="Alfred"]Berliner,

Schabowski war nach eigenen Angaben in der ZK – Sitzung, „abwechselnd drin und draußen“.

Dies spielte aber auch nicht unbedingt eine Rolle, da er die Vorlage schon kannte. Es gab ja auch schon eine Politbürositzung, bei der er anwesend war. Schabowski hat auch stets betont, dass er die Regelung kannte. Er hatte diese nur anders ausgelegt.

Er war der Auffassung, dass sich das sofort auf den 9. November bezieht.

Übrigens, jeder Grenzer hätte Schabowski mal beim Prozess besuchen sollen, der eine oder andere hätte ihn bestimmt über den Tisch gezogen, den „Armen Nichtwissenden“ …[/quote

-------------------------------

Der arme Schabowski, Viele hier wollten ihm "Aua-Aua" machen, ich hingegen hätte ihn damals knutschen können.
Berliner, ich war da, zur Maueröffnung in Berlin, extra von Holland hingefahren. Es hätte Dir auch gefallen- Tausende Menschen sind sich in die Arme gefallen und vor Freude sind viele Tränen vergossen worden.
Schönen Gruß aus Kassel


zuletzt bearbeitet 15.09.2009 17:28 | nach oben springen

#56

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 17:29
von Drewitz | 356 Beiträge

Die DDR war nicht mehr zu rette.
Der Vorlauf einiger Stunden für die Leute an der Grenze hätte einiges geändert.
Die Chefs der GÜST hätten sich kurzschließen können.
Es wäre genügend Personal vor Ort gewesen.Man wäre sich nicht ganz so verheizt vorgekommen.Und alles wäre ruhiger und unkomplizierter gelaufen.
Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#57

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 22:11
von Thunderhorse | 3.997 Beiträge

Zitat von Alfred
Berliner,
Schabowski war nach eigenen Angaben in der ZK – Sitzung, „abwechselnd drin und draußen“.
Dies spielte aber auch nicht unbedingt eine Rolle, da er die Vorlage schon kannte. Es gab ja auch schon eine Politbürositzung, bei der er anwesend war. Schabowski hat auch stets betont, dass er die Regelung kannte. Er hatte diese nur anders ausgelegt.
Er war der Auffassung, dass sich das sofort auf den 9. November bezieht.
Übrigens, jeder Grenzer hätte Schabowski mal beim Prozess besuchen sollen, der eine oder andere hätte ihn bestimmt über den Tisch gezogen, den „Armen Nichtwissenden“ …



Zu diesem Thema gibt es auch andere Darstellungen, der Tagesabläufe vom 24. Oktober 1989 bis 09. November 1989.
Unter anderem in den Büchern, "Berlin - Bonner Balance" und "Nachtrag", beide von K. Seidel.

Karl Seidel war seit seinem Eintritt in das DDR-
Außenministerium (MfAA) 1956 mit einer Unter-
brechung in der für Westdeutschland zuständigen
Abteilung tätig. 1969 wurde er zum stellvertre-
tenden, im Juli 1970 zum Leiter der Abteilung West-
deutschland befördert, die seit 1971 als Abteilung
BRD firmierte. In dieser wichtigen Position wirkte
er an der Deutschlandpolitik der DDR bis zu deren
Untergang im Jahre 1990 mit.


"Mobility, Vigilance, Justice"
zuletzt bearbeitet 15.09.2009 22:24 | nach oben springen

#58

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 16.09.2009 08:27
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@th, wäre doch nett wenn du diese mal kurz zusammenfassen könntest.
danke


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#59

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 16.09.2009 09:15
von Danny_1000 | 166 Beiträge

Nachdem Schabowski hier von dem einen oder anderen doch mächtig gescholten wurde, sollte man ihn fairerweise auch mal zu Worte kommen lassen.
In seinem 1991 erschienen Buch „Der Absturz“ schreibt er über den 9.November 1989:


Dateianlage:
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Voltaire frz. Philosoph 1694 - 1778)
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#60

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 16.09.2009 10:04
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo Danny_1000,

lt. Aussage von Krenz hatte Schabowski Krenz' eigenes Exemplar des Entwurfs des Reisegesetzes erhalten und der enthielt die Sperrfrist, wie es von Krenz, Meyer und hier von Alfred auch entsprechend bestätigt wurde.

@augenzeuge: Der eigentliche Ansturm auf die Grenzübergangsstellen (also tausende) kam erst nach dem Satz in der ARD, dass die Mauer gefallen sei. Bis dahin waren es "einige hundert", die eine Öffnung nicht hätten erzwingen können. Ob bei der ARD der Bericht so gekommen wäre, wenn eine zeitliche Regelung bekannt gewesen wäre, ist fraglich. Der Korrespondent der ARD an einer der Grenzübergangsstellen behauptete jedenfalls, dass die Regelung über die sofortige Öffnung bei den Grenzorganen wohl noch nicht angekommen wäre.

@wosch: Schabowski hättest Du knutschen können? Naja, wo die Liebe hinfällt ... Wie gesagt, mir geht es hier nicht um die letztliche Wirkung dessen, was im Ergebnis der Stotterei entstand. Der Thread heißt nunmal "Schabowski" und nicht "Segnungen der Grenzöffnung". Und zum Hintergrund gehört nunmal, dass am Abend des 09.11.1989, wie an allen Abenden davor, eine Millionen Menschen schwer bewaffnet (operativ betrachtet) in der Nähe dieser Grenze stationiert waren, dass es durchaus bei uns ein paar "Radaukommunisten" gab und die der "Konterrevolution mit der der Waffe in der Hand entgegentreten wollten". Die Reaktionen von Bush (sen.), Thatcher und Mitterand waren an diesem Abend keineswegs euphorisch. Und zum besonnenen Handeln der Grenzer und PKE: Wosch, hast Du schonmal einen Menschen mit Waffe in Angst und Panik verfallen sehen? Ich habe das mehr als einmal im Grenzdienst erlebt. Es hätte gereicht, dass einer durchgedreht und abgedrückt hätte ... Gegen die Brisanz dieser Situation ist das Sitzen auf einem brennenden Pulverfass ein entspanntes Picknick. Das ist es, wofür Schabowski und Krenz die Verantwortung tragen und worum es für mich hier auch geht.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 16.09.2009 10:06 | nach oben springen



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