#21

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 12.06.2009 19:46
von skbw | 216 Beiträge

Hallo Rainman,
deine Einschätzung des Herrn Schabowski kann ich nur zustimmen. Durch seine Leichtsinnigkeit und großen Dummheit hätte die gesamte Situation ganz anders ausgehen können. Lediglich die Zurückhaltung und auch der Mut der diensthabenden Grenzer ließ alles friedlich ablaufen. Am 14.11.89 befahl Generaloberst Baumgarten die am 09.11. beteiligten Grenzer zur Auszeichnung nach Berlin. Nach dem Überreichen der Orden, bevor das Kommando zum Wegtreten kam, schnellte ein Faust eines Postenführers nach vorn ( das Zeichen für die Bitte um Redeerlaubnis ). Die Erlaubnis wurde ihm erteilt und er stellte die Frage: "Warum haben sie uns am 09.11.89 im Stich gelassen?" Der Generaloberst wurde rot und schwieg. Nach einer halben Ewigkeit ließ er Wegtreten.
Diese kleine Episode zeigt auch, welche Starre und Hilfslosigkeit Schabowski mit seinem verantwortungslosen Handeln verursacht hat.

Bis bald, skbw


" Man kann nur zu einer eigenen Meinung gelangen, wenn man offen sein kann und sich auch irren darf. "

Maxie Wander
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#22

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 12.06.2009 19:54
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

und es ging ja weiter.unsere komplette führung ab regiment aufwärts war plötzlich nicht mehr erreichbar.die kompanien und battallione an der grenze waren sich selbst überlassen.d a s fand ich verrat


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#23

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 12.06.2009 20:07
von Pirx (gelöscht)
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Zitat von Augenzeuge

Schabowski denke ich, muss in seinem Job soviel Intelligenz gehabt haben, das er die Folgen des gesprochenen Wortes abschätzen konnte....


Ne, der Mann war völlig unbedarft. Ich hab das damals live im Fernsehen gesehen.
Der hat die ganze Zeit vor sich hingenuschelt und von seinem Zettel abgelesen. Viel interessanter ist der Frage wer Riccardo Ehrman "gebrieft" hat, damit er die entscheidende Frage "Ab Wann?" stellte. Die entscheidende Frage zum Mauerfall: Nicht so spontan wie bislang gedacht Dafür hat er vor kurzem das Bundesverdienstkreuz bekommen. Ich bin mir 100% sicher
das einige oberen Chargen von SED und MfS wussten, was in Folge passieren würde. Die haben ihre Schäfchen vorab ins Trockene gebracht und sich entsprechend positioniert. An die Auswirkungen auf die GT haben die als letztes gedacht.

Gruß Pirx




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#24

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 12.06.2009 20:15
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

das seh ich anders.nach der verkündung der reisemöglichkeiten lag d i e frage doch auf der hand.ab wann gilt das?


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#25

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 12.06.2009 22:33
von Buedinger | 1.503 Beiträge

Zitat von Rainman2
... Er ist für mich ein Verräter. ...


... ich wollte es eigentlich nicht so direkt sagen.

Danke Rainman.

------------------------------------------------------

Hallo maja64

Ich fühle mich geehrt.

Tschüß
Ricardo


.

Ich finde Menschen faszinierend, die meinen mich zu kennen.
Manchmal drängt es mich sie zu fragen, ob sie mir ein bisschen was über mich erzählen können ...

Ich übernehme die Verantwortung für alles, was ich sage, aber niemals für das, was andere verstehen!

.
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#26

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 12.06.2009 22:54
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Und ich hab auch noch zwei Bücher von dem gelesen - und gekauft


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#27

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 12.06.2009 23:27
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Schmeiss dein Geld doch nicht zum Fenster raus...



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#28

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 13.06.2009 00:07
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Zu spät!
Ich wollte ihm halt mal was Gutes tun

Hätte ich das Geld doch bloß dem Forum gespendet

zuletzt bearbeitet 13.06.2009 00:26 | nach oben springen

#29

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 14.06.2009 13:22
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo Pirx,

zu Deiner Frage gab es im Thread "09. November 1989" schonmal eine kurze Diskussion:

In Antwort auf:
Viel interessanter ist der Frage wer Riccardo Ehrman "gebrieft" hat, damit er die entscheidende Frage "Ab Wann?" stellte.


Hier der Extrakt:

Im Morgenmagazin der ARD am 24.04.2009 gab es ein Interview mit Ehrmann. Dort sagte er, er habe den Tipp, die Frage an Schabowski zu stellen, vom Chef des ADN Günter Pötschke - Mitglied des ZK. der SED, einem persönlichen Freund von Ehrmann, erhalten. Krenz hatte das Papier am Nachmittag am Rand der ZK-Tagung diskutiert. Ob da die enthaltene Sperrfrist erwähnt wurde, weiß ich nicht. Ich glaube es aber nicht. Was Pötschke mit dem Tipp bezweckte? Ein Freundschaftsdienst unter Kollegen? Eine Bloßstellung der neuen, unfähigen Partei- und Staatsführung? Das können wir nur noch vermuten. Ich denke eher an einen Tipp unter Kollegen nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere. Die Dynamik, die dadurch reinkam, konnte wohl keiner der Beteiligten auch nur ahnen.

Der Weg des Gesetzentwurfes am 09.11.1989 (soweit mir bisher bekannt):
- 09:00 Uhr: Eine Arbeitsgruppe aus 4 Leuten erhält den Auftrag, einen Entwurf für ein Gesetz zur ständiige Ausreise zu entwickeln.
- ca. 09:30 Uhr: Die Arbeitsgruppe erweitert selbständig ihren Auftrag auf ein Gesetz zur generellen Regelung von Aus- und Besuchsreisen
- ca. 13:00 Uhr: Wird der Entwurf vorgelegt ung sofort weitergeleitet an die laufende ZK-Tagung
- irgendwann am frühen Nachmittag: Der Entwurf wird in einer mir nicht bekannten Form (am wahrsheinlichsten am Rande der Tagung) diskutiuert
- Vor der Pressekonferenz: Krenz gibt sein Exemplar des Entwurfs des Reisegesetzes an Schobowski - nach den Aussagen der beiden, gab es dazu nicht noch einmal eine spezielle Absprache über die Art, wie das zu behandeln ist.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#30

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 14.06.2009 21:16
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

also mit der heißen nadel gestrickt,nichts richtig durchdacht und wir blöden am kanten mußten es ausbaden


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#31

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 30.08.2009 12:45
von Alfred | 6.841 Beiträge


Schabowski kannte das neue Reisegesetz, da es Krenz am Nachmittag des 9.11. bei der ZK – Tagung verlesen hat und Schabowski erst nach 17.00 Uhr die Tagung in Richtung Pressekonferenz verließ. Auch als Mitglied des Politbüros war es ihm bekannt.

Unter Punkt 3 des Gesetzes ist zu lesen:

„Über die zeitweiligen Regelungen ( Reisegesetz von mir ) ist die beigefügte Pressemitteilung am 10. November zu veröffentlichen“. In dieser Pressemitteilung, die von Krenz verlesen wurde, steht, dass die Reiseregelung „ab sofort“ das bedeutete, ab den 10. November gilt.

Schabowski gibt jedoch an, nichts von einer Sperrfrist gewusst zu haben.

Rainman,

Krenz kannte also die Sperrfrist und eigentlich müsste diese Schabowski auch bekannt gewesen sein, er sagt aber nein.

Übrigens hätten einige Grenzer gestaunt, wie sich Schabowski nach 1989 verhielt, Staatsgrenze, da spielte er oftmals den Unschuldigen.

Und dass, obwohl er nach seinem Einsatz als Vorsitzender der BEL durch den Chef Grenztruppen und den Kommandeur des GK Mitte in das Grenzsystem eingewiesen wurde.

Schabowski war immer voll über die Lage informiert. Schabowski erhielt von den GT nicht nur die Meldung über besondere Vorkommnisse, sondern auch die allgemeine Tagesmeldung über die Lage an der Staatgrenze, zuzüglich Informationen des MfS und der Volkspolizei.


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#32

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 30.08.2009 13:10
von Pitti53 | 8.788 Beiträge

also war er doch ein arsch und möchte heute ein held sein


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#33

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 30.08.2009 15:07
von Peter F. (gelöscht)
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Zitat von Pitti53
also war er doch ein arsch und möchte heute ein held sein




Nach der Veröffentlichung eines neuen Reisegesetzes am 6. November erntete die DDR-Führung Kritik der Tschechoslowakei, dass DDR-Bürger zunehmend über dieses Land in den Westen „ausreisten“. Deshalb entschloss man sich im Politbüro das Problem der ständigen Ausreise "grundsätzlich freizügiger" zu lösen. Am 9. November berieten Politbüro und Zentralkomitee (ZK) der SED in Ostberlin darüber. Schabowski, auch Chefredakteur der Parteizeitung "Neues Deutschland" und Pressesprecher der SED, nahm selber an beiden Sitzungen nicht teil, SED-Generalsekretär Egon Krenz steckte ihm aber vor der Pressekonferenz während einer kurzen Begegnung im ZK-Gebäude einen Zettel zu dem Thema zu.
Am späten Nachmittag des gleichen Tages bekam der Journalist Riccardo Ehrmann, in der DDR akreditierter Journalist der italienischen Nachrichtenagentur ANSA einen eigenartigen Anruf. Es meldete sich der damalige Chef der DDR-Nachrichtenagentur ADN und SED-ZK-Mitglied, Günter Pötschke. Er sagte seinem Freund Ehrmann, die Pressekonferenz an diesem Abend sei wichtig und Ehrmann müsse nach der Reisefreiheit fragen. Frage: Stichwort für schon heimlich vorbereiteten Schabowskis „Auftritt“ PK oder nur der journaliste Gefallen für den Freund Ehrmann. Fast kam der italienische Journalist zu der Veranstaltung zu spät. Er drängelte sich durch die vollbesetzten Sitzreihen des ehemaligen Kinos, das der SED und der DDR-Regierung nun als Pressezentrum diente. In vorderster Reihe fand Ehrmann einen Platz und konnte dem auf der Bühne sitzenden Schabowski direkt in die Augen sehen.
Als Ehrmann sich um 18.53 Uhr als Stichwortgeber zum Thema meldete, unterbrach der SED-Sprecher sofort einen britischen Journalisten und erteilte dem Italiener das Wort. Und der fragte laut Protokoll: „Sie haben von Fehlern gesprochen. Glauben Sie nicht, dass es war ein großer Fehler, diesen Reisegesetzentwurf, das Sie haben vorgestellt vor wenigen Tagen?“ Schabowski eierte zunächst in alter Politbüromanier herum, bevor er zur Sache kam: „Und deshalb haben wir uns heute entschlossen, eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR ermöglicht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“
Und nun wurde es spannend wie wohl noch nie in der Geschichte der DDR – spannend in dieser Pressekonferenz, aber auch in den vielen Privathaushalten an den Fernsehgeräten, denn diese Veranstaltung wurde vom DDR-Fernsehen zwar etwas zeitversetzt in der Aktuellen Kamera übertragen, doch überall in Ostdeutschland aufmerksam gesehen, auch im Westen. Auf die Zwischenfrage eines Journalisten, ab wann das in Kraft trete, zog Schabowski jenen berühmten Zettel von Krenz aus seinem Jackett und las vor: „Privatreisen können ohne Vorliegen von Voraussetzungen – Reiseanlässe oder Verwandschaftsverhältnisse – beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt…“ Die zuständigen Behörden seien angewiesen, „Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen“. Es wurde von Journalisten nachgefragt, auch nochmals von Ehrmann, bevor Schabowski antwortete: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ Das Politbüromitglied habe ihm später gesagt, so Ehrmann, „dass ich ihn sehr nervös gemacht hätte“…
Stellt sich die Frage, hat Schabowski, der an Politbüro- und ZK-Sitzung an jenem Tag nicht teilnahm, die Weichen für diese Pressekonferenz und in der Veranstaltung so gestellt, dass er in der späteren Geschichtsschreibung als „Öffner der Berliner Mauer“ eingeht? Denn Ex-SED-Chef Krenz hat später bei Fernsehinterviews immer wieder betont, Schabowski sei nur autorisiert gewesen, die Reiseregelungen bekannt zu geben. Dass das "ab sofort - dem 9.11.1989" gelte, so beteuerte Krenz mehrmals, sei nicht so vorgesehen gewesen. Als die Massen am Abend spontan erst an den Grenzübergang Bornholmer Straße strömten, der unter dem Druck der Ostberliner zuerst geöffnet wurde, und dann an die anderen Übergänge, hatten die dort Dienst tuenden Stasileute und die übrigen Grenzpolizisten noch keinen Befehl zur Grenzöffnung.
Und nun offenbarte sich, in welchem Chaos offenbar schon die SED-Führung steckte. Die Grenzen wurden auch ohne die persönliche Anordnung des Chefs der Grenztruppen oder von Krenz persönlich aufgemacht, der zu diesem Zeitpunkt noch als SED-Chef und Vorsitzender des DDR-Verteidigungsrates eigentlich die alleinige Macht dazu hatte. Am 7. November war die DDR-Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph zurückgetreten. Erst am 13. November wurde ein neuer Regierungschef von der Volkskammer gewählt: der bisherige SED-Chef des Bezirkes Dresden, Hans Modrow, der auch als Reformer innerhalb seiner Partei galt. Zwischen 7. und 13. November herrschte also, was die DDR-Regierung betraf, ein „politisches Vakuum“, abgesehen davon, dass die eigentliche Macht in der DDR das SED-Politbüro hatte, das noch im Amt war und dessen Mitglieder zu der Zeit neben Krenz, auch noch Stoph, Erich Mielke (bis 7.11.89 Minister für Staatssicherheit) und Heinz Keßler (bis 7.11.89 Minister für Nationale Verteidigung) waren. Hat Schabowski bereits das Durcheinander einkalkuliert, als er sagte: "Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort, unverzüglich..."?
Fühlte sich Krenz selber so in Druck, dass er das am 9. November 1989 am Rande der Sitzung des SK der SED erarbeitete neue Reisegesetz noch im Stadium einer Kladde (Notizzettel) schon am Frühabend Schabowski zur öffentlichen Bekanntgabe überreichte, obwohl es noch keine neue DDR-Regierung gab, die, um wenigstens nach Außen die Form einer demokratischen Wandlung in der SED-Führung zu wahren, das Reisegesetz letztendlich mit Regierungs- und abschließendem Volkskammerbeschluss am 13. November hätte verabschieden können. Ich war zwar schon lange davor kein Freund der SED mehr, aber mit etwas Klugheit hätte die Parteiführung damit einen großen Öffentlichkeitserfolg erzielt und viele Pluspunkte unter ihren vielen Kritikern: Denn sie hätte sich dann selber als Öffner der Berliner Mauer feiern lassen können. Aber so redet man nun über Schabowski, der mit seinem Satz „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich" – ungewollt oder vielleicht zumindest in seinem „Oberstübchen" auch gewollt - den Stein zum Mauerfall ins Rollen brachte…


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#34

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 30.08.2009 15:30
von Alfred | 6.841 Beiträge

Peter,

da liegst Du nicht richtig.

Es gibt genügend Zeitzeugen, die bestätigen, dass Schabowski bei der ZK – Sitzung anwesend war auch dass er als Mitglied des PB informiert war.

Selbst Schabowski äußert, das er anwesend war. Auch steckte Krenz Herrn Schabowski keinen Zettel zu, sondern es handelte sich um die neue Reiseregelung. Schabowski führte dazu selbst aus: „Ich bin ins Pressezentrum gefahren und habe mir das Papier – Reiseregelung- nicht mehr durchgelesen. Das war aber insofern kein Problem, als ich den Beschluss ja kannte, deutsch lesen kann und in der Lage bin, einen Text fehlerfrei abzulesen“

Schabowski weiter: „Ich habe das eineinhalbseitige Papier unter meine Aufzeichnungen gelegt, ich hatte ja in erster Linie über das Plenum zu informieren, und wir wollten das auch mit einem gewissen Understatement machen. Das wichtigste sollte der Ablauf der ZK- Sitzung sein. Dieser Bericht war dann beendet, und nachher haben alle den Eindruck gehabt, mir hätte jemand einen Zettel zugesteckt. Mir hat aber niemand einen Zettel zugesteckt, sondern ich hatte meinen Vortrag über das ZK – Plenum möglicherweise die Reihenfolge meiner Papiere durcheinandergebracht. Ich blätterte also meine Unterlagen durch, fand das Papier, zog es heraus und las er vor. Zur Entlastung meiner Komplizen muss ich also zurückweisen, dass mir jemand das Papier zugesteckt hat, auch nicht der KGB“..


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#35

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 30.08.2009 16:40
von Peter F. (gelöscht)
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Hallo Alfred, ich lass jetzt einmal offen, von wem ich was weiß. Schabowski hatte die Reiseregelung als Notiz bei sich. Ich verfüge über ostdeutsche Insider-Quellen, die ich jedoch hier nicht nennen werde. In mehreren Interviews, vor allem auch in der MDR-Serie zum Herbst 1989 in der DDR, die Mitte der neunziger Kahre im TV lief, sagte Sch., dass er tagsüber nicht an ZK- und PB-Sitzung teilnehmen konnte, weil er in Fragen ND-Chefredakteur verhindert gewesen sei. Und er berichtete auch dort darüber, dass Egon Krenz ihm Notizen für die PK mitgeben hätte, als er, Sch., zur PK wollte und Sch. Egon noch fragte, ob er noch was für die PK habe.
Nun befinde ich mich leider in Unkenntnis darüber, zu welcher Zeit Schabowski nun diese von Dir erwähnten Aussagen getätigt hat. Aber Fakt ist Sch.´s Aussagen haben sich auch "geändert", seitdem Ehrmann im Frühjahr dieses Jahres (2009)im öffentlichen Fernsehen (ARD und ZDF)zuerst über den anonymen Anruf aus dem Hause ADN berichtete und später im TV einräumte, als er erfuhr, dass Pötschke schon drei Jahre tot sei, Pötschke habe ihn damals am 9.11.89 wg. PK von Sch.mit dem Tipp nach Reiseregelung zu fragen angerufen. Und hast Du die PK damals verfolgt? (Habe ja in meinem Beitrag den Vorgang beschränkt auf den Ehrmann-Auftritt und Sch.-Ausführungen zum Thema Reiseregelung.) In der PK gibt es - dokumentierbar durch die damalige Aufzeichnung des anwesenden AK-Teams des DDR-Fernsehens - den Moment, dass Sch. plötzlich, nachdem er auf Ehrmanns Frage einen englischen Journalisten unterbricht, und zur Reiseregelung überleitet, in seine Jackentasche greift und den Zettel hervorholt, von dem er abzulesen beginnt:„Privatreisen können ohne Vorliegen von Voraussetzungen – Reiseanlässe oder Verwandschaftsverhältnisse – beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt…" Die zuständigen Behörden seien angewiesen, „Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen". Journalisten fragen nach, auch nochmals Ehrmann, bevor Schabowski scheinbar etwas zerstreut antwortet: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich."
Aber interessant ist, dass Sch. nach den "Ehrmann-Offenbarungen" vorsichtiger in seinen Aussagen über die Ereignisse um die PK damals geworden ist. Also mit bekannten Berufskollegen hat er wiederholt telefonisch Absagen auf Interviewfragen zu dem Thema "Ehrmann-Pötschke-Bekanntgabe der Reiseregelung durch Sch." mit der Begründung gegeben, es gehe ihm gesundheitlich nicht sehr gut.
javascript:returnTag('')Wünsche Dir noch einen schönen Sonntagnachmittag und bin erst einmal etliche Tage auf Tauchstation. Gruss Peter


zuletzt bearbeitet 30.08.2009 16:44 | nach oben springen

#36

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 30.08.2009 17:27
von Alfred | 6.841 Beiträge

Peter,

alles was sich geschrieben habe lässt sich nachweisen.

Die Aussagen sind von Schabowski selbst und nachzulesen. Es gab dazu einen Film der ARD , Erstausstrahlung am 4. November 1999 . Das was Krenz sagt, stammt u.a aus seinen Buch und einem persönlichen Gespräch mit ihm.

Natürlich hat Schabowski die „Zettel“ genutzt, nur waren das eben keine Zettel, sondern dies war das Dokument mit dem Titel „ Beschlussvorschlag, Zur Veränderung der Situation der ständigen Ausreise von DDR – Bürgern nach der BRD über die CSSR wird festgelegt“ was ihm Krenz vor seiner Fahrt zur Pressekonferenz überreicht hatte.

Das hat damals Schabowski genutzt. Dieses Dokument hat mit Deckblatt 3 DIN A 4 Seiten, nicht mehr.

Dann kommt noch eine Seite Pressemitteilung hinzu und eine Seite Anschreiben an die Mitglieder des Ministerrates.

Alle Dokumente habe ich vorliegen.

Und warum soll Schabowski nicht wirklich krank sein, der Mann ist immerhin über 80…


zuletzt bearbeitet 30.08.2009 17:48 | nach oben springen

#37

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 10:25
von Drewitz | 356 Beiträge

Zitat von Pitti53
also war er doch ein arsch und möchte heute ein held sein



So schätze ich den Herrn auch ein.Durch sein unüberlegtes Gestammel hat er uns an den Grenzen (AGT und MfS AbtVI) in eine kreuzgefährliche Lage gebracht.

Zumindest am Checkpoint Charlie hätte er sich an den Tagen der Grenzöffnung nicht blicken lassen dürfen-die eigenen Genossen hätten ihn verprügelt.
Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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#38

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 10:39
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von Pitti53
also war er doch ein arsch und möchte heute ein held sein



@pitti, ich versichere dir, auch vorher war er menschlich gesehen, ein ar... auch wenn er sich wie sein vorgänger, gerne volkstümlich gab...


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#39

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 11:11
von wosch (gelöscht)
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Hallo!
Man mag ja den Herrn Schabowski wegen mir als Ar... bezeichnen, sollte aber die anderen Herren aus der Prominenten-Liga in diesem Zusammenhang nicht einfach vergessen. Auch wenn Schabowski beim Verlesen des Textes einen Fehler in Bezug der Terminnennung gemacht hatte, konnte die Art und Weise, wie sich die Grenzöffnung vollzogen hatte, nicht schöner vonstatten gegangen sein. Daß es zu keinem ernsthaften Zwischenfall gekommen war, weil die MA der Übergangsstellen nicht informiert waren, hat doch erst diese wunderschönen Bilder vom 9. 11. möglich gemacht. Die Frage, was hätte passieren können, muß man sich im Nachhinein meiner Meinung nach nicht mehr stellen. Wir sollten froh darüber sein, daß nichts Schlimmes passiert ist und ein Danke an alle Beteiligten aussprechen und dabei auch die mit einbeziehen, die riefen: "Keine Gewalt!"
Ich habe die Maueröffnung seinerzeit in Holland gegen 21:00 Uhr am Fernsehen erlebt, um Mitternacht bin ich losgefahren und gegen 08:00 Uhr morgens war ich in Berlin. Ich habe noch nie soviel glückliche Menschen gesehen wie damals. Auf der Mauer war ich natürlich auch, mit tausenden Anderen. Mag der Schabowski wegen mir für Euch ein Ar... gewesen sein, ich kann ihm für sein "Rumgestammel" nicht böse sein.
Schönen Gruß aus Kassel


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#40

RE: Günter Schabowski - der letzte DDR-Regierungssprecher

in Das Ende der DDR 15.09.2009 11:30
von Drewitz | 356 Beiträge

Es hat aber auch möglich gemacht,daß einem und wirklich nur einem MA oder AGT die Nerven durchgehe und er zu seinem vermeintlichen Schutz nur in die Luft schießt.Die Folgen hätten schlimm sein können.

Für mich ist er nicht nur deshalb ein oben genanntes Körperteil-erst einer der härtesten Einpeitscher und auf einmal der größte Wendehals.Pfui deibel!

Drewitz


MfS,BV Potsdam,Abt.VI,PKE Drewitz 1.Zug,1.Gruppe 1988-1990 danach GR44 bis zum Ende


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