#81

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 04.01.2013 19:38
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #65
Zu dem Thema "Wahl des Wohnsitzes" in der DDR möchte ich anmerken, den Wohnsitz innerhalb des Landes konnte man frei wählen (außer Grenz- bzw. Sperrgebiet). Das Problem war nur der zugehörige Wohnraum. Wenn ich mich recht entsinne ging alles über die Abt. Wohnraumlenkung des Rat des Kreises oder Rat der Stadt. Ich glaube selbst von privat zu privat war das problematisch, weiß das aber nicht genau, habe aber immer privat gewohnt.

Das kann ich aber heute nicht als Vorteil bewerten, da heute finanzielle Grenzen in der Wahl des Wohnsitzes herrschen (egal ob freiheitlich oder nicht). Ein ganz krasser Einschnitt ist natürlich der wahl des Wohnsitzes bei H4. Somit betrachte ich disen Punkt als "gegenstandslos".


Auch der privat vermietete Wohnraum war von der hier schon genannten Wohnraumlenkung beim Rat des Kreises, Rat der Stadt oder der Gemeinde erfasst und wurde darüber, wie der Name dieser Institution schon sagt, gelenkt. Hier gab es Prioritäten für die Vergabe von Wohnraum nach "gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorrang- Interessen", die selbstverständlich diese Kommission festlegte. Bei den BGL (Betriebsgewerkschaftsleitungen des FDGB) gab es noch einen oder mehrere Mitglieder (je nach Betriebsgröße) die in diesen Kommissionen der Wohnraumlenkung mit einer Art Mandat saßen. Diese hatten u. a. die Belange ihres Betriebes bei der Wohnungssuche ihrer Mitarbeiter zu vertreten. In diesen Komissionen hatten natürlich die größeren Betriebe das Sagen. Auch gewann man öfter den Eindruck, das Wohnungen, insbesondere die doch etwas komfortableren und technisch besser ausgestatteten Neubauwohnungen nur über Vitamin "B" oder unter der Theke weggingen. Hier waren u. a. gesellschaftliche Tätigkeit usw. des Bewerbers gefragt. Und wenn jemand bei einem Fuzzi der Betriebsparteileitung der SED, weil er vielleicht kein Genosse werden wollte oder bei der BGL einen schwarzen Peter hartte, dann konnte man lange warten oder bekam nur Löcher angeboten...

Und so einfach von A nach B ziehen..., Fehlanzeige!
Dazu aus dem eigenen Erleben.

Ich wollte nach der Armeezeit im April/ Mai 1980 in meinem jugendlichen Tatendrang von zu Hause raus, von der kleinen Welt der DDR was sehen, das was Millionen Teenager in diesem Alter auch wollen. Schon kurz vor Ende meiner NVA- Zeit habe ich mich beim damaligen Bw (Bahnbetriebswerk) Saalfeld und Dresden als Lokomotivheizer bzw. Diesel- oder Elokbeimann beworben. Ja, da gab es noch auf der Regelspur Dampflokomotiven und es wurde bei der Reichsbahn händeringend Personal gesucht. Auch hatte ich die Beschleunigung meiner Karriere zur Ausbildung zum Lokführer inm Auge, die in größeren Reichsbahndienststellen bekanntlich wesentlich schneller ging als in kleinen Provinzdienststellen wie dem Bw Wernigerode.

Alles chick, man freute sich bei diesen Dienststellen über meine Bewerbung (einen Teil der Antwortschreiben habe ich noch). Nur das große Problem Wohnraum..., noch nicht einmal eine Einzimmerbude war zu bekommen. Man fragte mich, ob es vorerst nicht möglich sein, eventuell bei Verwandten oder Bekannten unterzukommen, man wolle mir dann aktiv bei der Wohnungssuche behilflich sein, ich sollte mich aber trotzdem auf eine Wartezeit von mindestens 2 bis 3 Jahren einrichten...

Es hat vielleicht nicht klappen sollen, heute bin ich manchmal auch nicht böse drum, wer weiß denn schon, was das Schicksal mir gebracht hätte. Nun bin ich immer noch hier, wo meine Wurzeln und die meiner Vorfahren und auch Kinder sind. Habe hier meine Freunde, habe hier meine Großeltern und Eltern, Verwandte, gute Freunde und Bekannte zu Grabe getragen. Habe es nicht weit, brauch keine längere Anreise planen, wenn ich ihre Gräber besuche und in dankbarer Erinnerung so manch schöner gemeinsamer Stunde auch zu DDR- Zeiten schwelge, ihrer gedenke.

Habe mein Haus, meinen (unseren) Garten, für den wir nach der Wende gegen die Wiedervereinigungsmafia hart kämpfen mussten und auch nochmals hart für bezahlen mußten. Habe meine Arbeit und bin mit 36 Dienstjahren in der selben Firma bestimmt ein Exot an Betriebszugehörigkeitsjahren.
Kann und will mich im Großen und Ganzen in 22 Jahren Leben in Der BRD nicht beklagen, auch wenn sich in jüngster Zeit immer öfter wieder die Faust in der Tasche ballt...!

Warum?

Auch ich, ähnlich wie @DH es schreibt, fühle mich, meine Interessen und die abertausender Mitmenschen, die ähnlich "tickern" von den Regierungen ehemals in Bonn, heute in Berlin nicht vertreten. Meine, unsere Interessen ignoriert. Entscheidungen werden fern jeder Realität und den Befindlichkeiten des Wählers auch in den neuen Bundesländern getroffen. Der Weg in einen beängstig wirkendes Monster aus Bürokratie und Überwachung des klleinen Mannes, seiner totalen Reglementierung bis selbst in den intimsten Bereich scheint vollends geebnet zu sein. Das durch die nach- Wende- Regierungen maßlos geförderte Monopol der Finanz- und Bankenkartelle ist genauso aus dem Ruder gelaufen wie das der Energieriesen. Die Regierung (ich spreche bewußt nicht von unserer Regierung!) in Berlin steht machtpolitisch diesen Kartellen gegenüber vor einem gigantischen Scherbenhaufen, einem totalen Machtverlust.

Ich will damit sagen, ich trauere in Hinblick auf diese unheilvollen Entwicklungen jüngst um so mehr dem bestimmt ruhigeren, überschaulicheren und vor allem planbareren Leben in der DDR in einigen Facetten immer mehr nach. Ohne diese SED- ruienierte DDR, wie ich sie auch von der schlechten Seite erlebt habe, erleben und verspüren mußte, wiederhaben zu wollen.

Ich wollte ein Deutschland, wo es sich zu arbeiten und zu leben lohnt, bis in hohes Alter. Ich wollte einen gesunden Mix aus DDR und BRD, was man auchgetrost mit Einflüssen auch aus 40 Jahren DDR noch hätte soziale Marktwirtschaft nennen können.

Nun sind wir ungewollt in einem Deutschland des globalisiertem und organisiertem Raubritterkapitalismus angekommen.

Was nun?

Außer tagtäglich für etwas mehr Gerechtigkeit zu kämpfen, sich nichts, aber auch gar nichts gefallen lassen eine nicht so einfach zu beantwortende Frage...

josy95


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zuletzt bearbeitet 04.01.2013 19:42 | nach oben springen

#82

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 04.01.2013 20:25
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Bezüglich Wohnungsvergabe, wie war das mit den in der DDR üblichen Ringtauschen?
Da konnte man doch die Institution KWV irgendwie aushebeln.
In der Wochenpost z.B. waren da immer seitenlang Kleinanzeigen für Ringtauschinteressierte.


zuletzt bearbeitet 04.01.2013 20:27 | nach oben springen

#83

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:15
von damals wars | 12.145 Beiträge

Das Problem war, das es viele AWG- Wohnungen gab.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#84

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:16
von ddr-bürger (gelöscht)
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@josy
Mit dem privaten Wohnraum war das bestimmt so, ging ja alles über die Wohnraumlenkung.
Kinderreiche wurden bevorzugt, als Single hatte man keine Chance. Das war auch nicht gerade motivierend.

Die Entwicklung in der BRD sehe ich ähnlich. Eigentlich sind das ja auch die Gründe warum ich so den Sozialismus favorisiere. Wie Du schreibst eine art Mischung der Systeme wäre für Dich die Lösung, nur sehe ich unter dem Kap. keine Lösungswege auf diesem Weg. Wenn es da eine Lösung zu einer "Sozialen Marktwirtschaft" gäbe und diese auch gelebt würde, dann würde ich auch sagen- wir lassen es gut sein. Es sind doch die größeren Ungerechtigkeiten die mich in meinem Denken halten.

@grenzwolf
Das ging eigentlich mit jedem Tausch, der neue Wohnraum mußte nur "angemessen" sein. Wenn ich als Beispiel mit meiner Großmutter die Wohnung hätte tauschen wollen (Oma hat 3 Zimmer Wohnung, ich eine 1 Raum Wohnung) dann wäre es nicht gegangen. Oma hätte als Rentner die 3 Raumwohnung behalten können (Mieterschutz als Rentner) nur ich hätte nie die Wohnung bekommen können, weil mir allein keine 3 Zimmer zugestanden hätte. Das wäre nur bei annähernd gleicher "Bezugsgröße" gehen können.


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#85

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:25
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #82
Bezüglich Wohnungsvergabe, wie war das mit den in der DDR üblichen Ringtauschen?
Da konnte man doch die Institution KWV irgendwie aushebeln.
In der Wochenpost z.B. waren da immer seitenlang Kleinanzeigen für Ringtauschinteressierte.



Das war mehr oder minder die fast einzigste Möglichkeit, in eine andere Stadt zu ziehen.

Ich habe da noch eine Episode. Krass und tragisch.

1983, wo mein Kollege und ich im Sommer zur Lokfahrsachule in Güstrow waren, kamen wir eines Freitags Anends in Wernigerode mit dem Zug an. Erste Weg zur Lokleitung. Kurze Begrüßung, was gibt es Neues, also das übliche Gefruzzle.

Da erzählte uns unser Kollege, das sich ein Kollege von uns in der Nacht das Leben genommen hat. Baff!

Besagter Kollege stammte von Leipzig, war Lokführer und Ende 1982 über eine s. g. Dienststellenversetzung innerhalb der Reichsbahn zu uns gekommen. Das war alles kein Problem. Er war in Leipzig geschieden, so um die 40 und hatte im Nachbarort Darlingerode eine neue Lebensgefährtin kennengelernt und war, weil er auch in Leipzig nicht gleich eine neue Wohnung bekommen konnte, zu ihr gezogen. Wohl etwas überstürzt, wie sich noch herausstellten sollte. Die Beziehung ging nicht allzu lange gut und seine neue Lebenspartnerin schmiss ihn aus ihrer Wohnung. Da war guter Rat teuer, auch die unsere Dienststelle konnte nicht helfen. Es gab eben Prioritäten und Wartelisten. Die einzigste Alternative war die s. g. Übernachtung in einem Reichsbaheigenem Gebäude am Bahnhof. Ein typisch runtergekommenes, nicht mehr existentes Haus am heutigen Altstadtkreisel. Dementsprechend das s. g. Übernachtungszimmer. Eigentlich nur eine Notlösung, wenn wirklich mal jemand nicht nach Hause kam. Keine Waschgelegenheit, Toilette (Plumskloset auf dem Hof! Würde man heute noch nicht einmal einem Obdachlosen anbieten!

Er bändelte dann mit einem weibl. Lehrling an, man überlege auch, er war Ü 40 und die junge Frau 18! Gut, geht einen nichts an, heute oft nichts außergewöhnliches, damals aber schon. Das ging natürlich auch nicht lange gut. Am Vorabend seines Suizides beklagte er sich noch am Kaffeetisch (wir nannten diese "gesellige Runde im Sozialgebäude eigentlich Lügentisch) noch über seine scheiß Situation und das er sich am liebsten aufhängen würde... . Ein älterer Kollege, überhaupt nicht dem Ernst der Situation bewußt, soll noch gesagt haben, "...das würde ich nicht machen, das sieht so baumelig aus...". Die Runde löste sich irgendwie irgendwann auf.
Am nächsten Tag hätte besagter Kollege Frühschicht gehabt, Dienstbeginn so gegen 4 Uhr. Er kam nicht. Der diensth. Lokleiter schickte seinen Adjudanten zum wecken los, waren ja nur gute 500 m bis dahin. Der Kollege begab sich dorthin und mußte sich mit einem Feuerzeug den Weg bis unter das Dachgeschoßzimmer leuchten, das Treppenhauslicht war wohl defekt. Auf mehrfaches Klopfenn an der Zimmertür reagierte keiner. Der Lokleiter schickte besagten Kollegen nach einer halben Stunde nochmal los. Selbige Situation, Feuerzeug zum leuchten. Keine Reaktion. Dann ging derv Lokleiter (schon älterer Kollege) selbst los. Er hatte auch eine Taschenlampe vergessen und leuchtete sich den Weg das Treppenhaus hoch mit Streichhölzern(!). Vor der Tür angekommen merkte er jedoch schnell, das die Tür zur Türzarge mit Handtüchern regelrecht abgedichtet war und das Schlüsselloch zugestopft. Da wurde er auch sofort stutzig und suchte sein Heil in der Flucht, stürzte dabei noch die dunkle Treppe hinab und rief vom Büro der Lokleitung sofort Polizei und Feuerwehr. Das Haus war ja noch mit mehreren Familien bewohnt und wurde sofort evakuiert, die Umgebung abgesperrt, denn man hatte im Keller bemerkt, das die Gasuhr fleißig tickerte. Glücklicher Weise verliefen dann die üblichen Maßnahmen ohne weitere Komplikationen. Nicht auszudenken, wenn es zu einer Explosion gekommen wäre, Tragischnist und bleibt, besagter Kollege war an der Gasvergiftung verstorben.

So etwas gab es auch. Quasi eine Art Obdachlosigkeit in der DDR.

josy95


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#86

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:39
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #84
@josy
Mit dem privaten Wohnraum war das bestimmt so, ging ja alles über die Wohnraumlenkung.
Kinderreiche wurden bevorzugt, als Single hatte man keine Chance. Das war auch nicht gerade motivierend.

Die Entwicklung in der BRD sehe ich ähnlich. Eigentlich sind das ja auch die Gründe warum ich so den Sozialismus favorisiere. Wie Du schreibst eine art Mischung der Systeme wäre für Dich die Lösung, nur sehe ich unter dem Kap. keine Lösungswege auf diesem Weg. Wenn es da eine Lösung zu einer "Sozialen Marktwirtschaft" gäbe und diese auch gelebt würde, dann würde ich auch sagen- wir lassen es gut sein. Es sind doch die größeren Ungerechtigkeiten die mich in meinem Denken halten.

@grenzwolf
Das ging eigentlich mit jedem Tausch, der neue Wohnraum mußte nur "angemessen" sein. Wenn ich als Beispiel mit meiner Großmutter die Wohnung hätte tauschen wollen (Oma hat 3 Zimmer Wohnung, ich eine 1 Raum Wohnung) dann wäre es nicht gegangen. Oma hätte als Rentner die 3 Raumwohnung behalten können (Mieterschutz als Rentner) nur ich hätte nie die Wohnung bekommen können, weil mir allein keine 3 Zimmer zugestanden hätte. Das wäre nur bei annähernd gleicher "Bezugsgröße" gehen können.



@ddr-bürger, ich sehe persönlich eigentlich zwischen einem realen Sozialismus und einer wahren sozialer Marktwirtschaft nicht allzu viel und große Unterschiede. Aber tut mir leid, den von der SED propagierten (einseitigen Sozialismus mit Alleinherschaftsanspruch einer Partei, eben dieser SED) kann ich und werde ich für mich nie favoritisieren können.

Dein Einwurf zu @Grenzwolf mit den Tauschmöglichkeiten stimmt natürlich. Der Wohnraum mußte auf Personen- bzw. Familiengröße immer angemessen sein. Also hatte die Wohnraumlenkung immer ein ganz gewichtiges Wörtchen mitzureden. Leider wurde dabei auch getrickst! Auch das andere Problem beim Wohnungstausch in Bezug auf AWG, also Genossenschaftswohnung war nicht so einfach bezüglich der Genossenschaftsmitgliedschaft und -Anteile zu lösen.

josy95


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#87

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 05.01.2013 10:57
von DoreHolm | 7.694 Beiträge

Hatte es schon mal woanders etwas ausführlicher geschildert. Unser Wohnungsproblem für neue Ehefrau (von Außerwärts mit einem Kind) und mich Geschiedenem mit Wohnrecht in der Wohnung der Ex habe ich auf den letzten Drücker (Zeitmietvertrag als Untermieter lief ab) durch Kauf eines 8-Familienhauses in EF gelöst und konnte eine kurzfristig geräumte Wohnung der Schwester (3 Z., Kü.,Bad/WC) des bisherigen Besitzers beziehen. Er war Ausreiseantragsteller (Fam. + 3 Kinder). Notarieller Kaufvertrag und Wohnungszuweisung waren aufeinander abgestimmt, damit jeder seinen Sicherheit hatte.



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#88

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 05.01.2013 16:55
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #79
Zitat von Ecki im Beitrag #75
Zitat von Gert im Beitrag #67

Nr.1 im Staat ex DDR Bürger ( Präsident )
Nr.2 im Staat Stellvertreter ex DDR Bürger (stellv. Parlamentspräsident )
Nr.3 im Staat ex DDR Bürgerin ( Bundeskanzlerin )



Mein lieber Gert,

irgendwie spricht das ja für die hervorragende Qualität der Ossis. Und da es sich ausnahmslos um Personen handelt, welche ihre Erziehung und gesellschaftliche Entwicklung in der DDR nahmen, muss das doch nachdenklich stimmen .

Spaß beiseite .

Ich bin so etwa im Alter der benannten hochkarätigen Ossis und es ist schon komisch, dass, wenn ich die ehemalige Grenze überschreite, immer noch das Gefühl habe, das Territorium der DDR zu verlassen und mich in den "Westen" zu begeben. Unterschwellig warte ich sogar auf die Pass- und Zollkontrolle .

Na ja, das ist aber eine ganz typische Geisteshaltung eines langjährigen DDR-Bürgers . Meine Kinder können das schon gar nicht mehr verstehen .

Liebe Grüße

Ecki




Das kann ich dir nachfühlen, wenn ich Thüringen verlasse und bei Wartha rausfahre , so weiss ich genau, wo früher der Strich war. Auch wenn die alte Grenzstruktur, d.h. der Kahlschlag im Gelände, nicht mehr sichtbar ist. Es ist erstaunlich wie schnell die Natur sich das zurückgeholt hat.
Meine ersten Reisen nach der Flucht 1965 waren 1973 und da war es noch die Hardcore Abfertigung, vor allem der Zoll war einfach so, dass es keinen Spass mehr gemacht hat. In den 80ern wurde das immer lässiger und erträglicher. Ich hatte aber immer die Vereinbarung, dass ich in Herleshausen an der Raststation in die Telefonzelle ging und kurz die Eltern in Erfurt anrief, dass ich übern Strich bin.
1989 Weihnachten konnte ich das erste Mal ohne Visum einreisen udn der Mensch von der PKE war sch..freundlich, so wie ich das nie zuvor gesehen hatte. Er guckte auch nur kurz in den Pass und gab ihn sofort zurück. Da traute ich mich was und fragte ihn, warum sie nicht früher schon so entspannt und freundlich waren. Seine Antwort: Nu joa, de Zeiden hamssch ement geändert und lachte. So einfach ist das, wenn Kommunismus abwesend ist.



Hallo Gert. Da haben wir beide die gleiche Vereinbarung mit unseren Eltern getroffen. Ich mußte mich auch immer in Herleshausen melden. JA. Wenn ich an der Aral Tankstelle in der Telefonzelle stand, dann haben wir es geschafft. Lg Glasi



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#89

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 11.01.2013 17:18
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #78
Zitat von Hackel39 im Beitrag #71
Zitat von Gert im Beitrag #70
Zitat von Hackel39 im Beitrag #69
Zitat von Gert im Beitrag #67
Zitat von DoreHolm im Beitrag #64
Zitat von glasi im Beitrag #63
Zitat von utkieker im Beitrag #10
Für mich war die BRD Ausland. Und selbst nach dem Anschluß der DDR ist mir das "System Deutschland" fremd geblieben. Man hatte sich gefälligst dem Grundgesetz zu unterwerfen. Die Hurra- Deutschland- Euphorie Anfang der 90er war für mich unheimlich.

Gruß Hartmut!

Hallo Hartmut. Diese Ausage macht mich sehr traurig..Was so 40 Jahre Teilung ausmachen können.


Bin Jahrgang 47 und muß gestehen, daß ich auch noch etwas Schwierigkeiten damit habe, mich mit dieser jetzigen Bundesregierung zu identifizieren. Nicht Deutschland als solches, das war für mich immer, also auch vor der Wende, eine nationale Einheit, also die gleiche nationalität der Bürger. Aber aus Bonn bzw. seit dem Regierungssitz in berlin fühle ich michj manchmal etwas fremdbestimmt. Liegt wohl darin, daß mir die jetzigen Politiker noch weniger als Vorbilder dienen können als damals und vor allem in der ersten jahren nach der Wende mehr oder weniger offen und immer mal wieder
durchblicken lassen, daß unsere Leistungen und unser fachliches Können wenig taugt.



DoreHolm Ich habe natürlich keinen Einfluss auf deine Gefühlslage und ich möchte ihn auch nicht haben.
Aber halten wir uns doch mal an die Realität und da bin ich verblüfft, wie du vielleicht verstehen kannst.

Nr.1 im Staat ex DDR Bürger ( Präsident )
Nr.2 im Staat Stellvertreter ex DDR Bürger (stellv. Parlamentspräsident )
Nr.3 im Staat ex DDR Bürgerin ( Bundeskanzlerin )

Rein objektiv gesehen müssten wir Alt Bundis uns fremdbestimmt vorkommen, tue ich aber nicht, weil mich die Herkunft der Regierung nicht interessiert, sondern das was sie leistet. Da macht sie natürlich auch Fehler, aber keine Fehler der Natur, dass sie an den Interessen eines ganzen Volkes vorbei regiert, wie wir das so schön in der Vergangenheit in D vorgeführt bekommen haben.
Dies ist vielleicht mal ein schönes Beispiel, wie hier im Forum von einer ganzen Reihe von Leuten an den Realitäten vorbei geschrieben wird, Hauptsache die Regierungen und seine Leistungen werden in den Dreck getreten.


edit Fähler


Keiner zieht die Leistungen unserer Quotenossis in der Regierungsspitze in den Dreck, innerhalb der vorgegebenen Qualität einer hochverschuldeten, klientelbestimmten und kapitalbeherrschten Demokratie holen die schon noch das Beste raus und von den deutlich besser bezahlten sog. Wirtschaftseliten traue ich keinem die Konsenzfähigkeit der Bundeskanzlerin zu auch wenn sie mit ihrem jämmerlichen Einkommen laut Schröder die Preise versaut.



Hackl, du merkst es wahrscheinlich schon nicht mehr, so bist du von den Scheuklappen im Sehen behindert. Quotenossi z.B. ist auch schon wieder eine sehr abwertende Ausdrucksweise, zumindest aus meiner Sicht. Immerhin sind sie gewählt und zwar vom ganzen deutschen Volk und nicht nach Quoten delegiert oder ähnliches.






Sei nicht so dünnhäutig Gert.
Alle, die Angie ins Amt geholfen haben wissen, daß es für die CDU gefährlich werden könnte, wenn sich der potentielle ostdeutsche Wähler unterrepräsentiert fühlt.
Solche symbolischen Akte sind Balsam auf die geschundene Seele, aber viel wichtiger ist doch, was diese Kanzlerin für die Angleichnug des Ostens an den Westen zu tun im Stande ist und das geht gegen Null.
Dr. Merkel ist die Ärztin, die ihren Patienten mit dem gebrochenen Arm Morphium eintrichtert, weil sie sich die Operation nicht zu traut.
Bitte Gert, tu mir den Gefallen und sieh Dich mal ohne Scheuklappen in der ostdeutschen Fläche außerhalb der Großstädte um, dann weißt Du was ich meine.



Ja Hackl ich habe bisher nur blühende Landschaften gesehen und die dazugehörige neue Infrastruktur, alles vom feinsten und neuester Bauart, da gibt es eine Reihe Gebiete im alten Bundesgebiet die gerne so etwas hätten. Und dafür habe wir uns auch alle schön mit 2 Billionen und mehr verschuldet. Du musst irgendetwas in diesem Lande verwechseln oder fährst du mit deiner Eisenbahn außerhalb Deutschlands umher, wo du solche Bilder siehst ?




Nun Gert, ich kann Dich leider nicht mit nehmen also mußt Du mir glauben, daß es bei der kaputtgeschrumpften Eisenbahn im abgeschriebenen Osten unvorstellbare Zustände gibt, dabei will ich die erst weit über 20 Jahre nach der Vereinigung abgeschlossene Ausstattung der DR- Strecken mit Zugsicherung (mit der es den Unfall von Hordorf nie gegeben hätte http://www.welt.de/vermischtes/weltgesch...verurteilt.html) nur am Rande erwähnen, weil das Dinge sind mit denem Politiker keine symbolischen Feierakte und Selbstbeweihräucherungsorgien durchführen können, die aber trotzdem richtig Geld kosten und Zukunftsinvestitionen sind für eine Infrastruktur, welche unabdingbar für den wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik Ostdeutschland wären.
Nirgendwo auf dem alten Bundesbahnnetz gibt es Hauptgleisabschnitte im Bereich der Güterbahnhöfe von 5-6 km Länge, die nur mit 10-20 km/h befahren werden können wie es z.B. in Halle oder Roßlau schon seit Jahrzehnten (!!) der Fall ist.
Natürlich ist da der Leipziger oder Berliner Hauptbahnhof wichtiger, man will ja was darstellen, anders war Honecker auch nicht mit seinen verfallenen Altstädten einerseits und dem Lampenladen oder der 2. Millionsten Neubauwohnung andererseits, aber die neuen Herrscher wollten ja besser sein und das sind sie nicht.
Prestige kann man nicht essen und wenn immer mehr Leute den Osten verlassen, weil diese Unwuchtrepublik keine homogene Investitionslandschaft hervorzubringen vermag, wird der wirtschaftliche Niedergang im Osten weiter gehen.
Aber was nützt es, sich darüber aufzuregen - wenn wir DDR- Bürger Glanz und Gloria sehen wollten, sind wir früher nach Berlin gefahren und wenn hier unbedingt jemand arbeiten will, ohne aufstocken zu müssen, so muß er eben in den Westen umziehen.
Gert, vergiß bitte auch nicht, daß Straßen eine Abschreibungsfrist von 30 Jahren haben und dann wird neues Geld gebraucht.
Man hat gedacht, die Resterepublik lernt bis dahin, alleine zu laufen aber diese Rechnung wird nicht aufgehen.
Genial ist allein die Kreativität, mit der man die pannengeplagte neue ostdeutsche Marktwirtschaft neuerdings gestaltet.
Als man z.B. feststellte, daß die relativ frisch sanierte Bahnstrecke Halle- Bitterfeld auf 15 km Länge vom Rost kaputt gefressen zu werden droht, beschloß man einfach den Ausbau auf 200 km/ h, um aus der Not eine Tugend zu machen, wirklich ein genialer Schachzug, um das eigene Versagen zu tarnen.
http://www.welt.de/newsticker/news3/arti...-Tempo-200.html
Aber weil das Glas immer halb voll ist, freue ich mich, daß er Ausbau mit Zugsicherung nunmehr komplett abgeschlossen ist- auch im Osten, richtig spektakuläre Unfälle auf Hauptstrecken durch menschliches Versagen im Zusammenhang mit unzulässiger Haltsignalvorbeifahrt werden nunmehr durch diese Technikinvestition immer unwahrscheinlicher.



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#90

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 09:03
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Es paßt mal ganz gut zur Überschrift:
http://www.ardmediathek.de/mdr-fernsehen...mentId=14424048
Es werden im Agrarstraat Dörfer von der Landkarte verschwinden, Stendal ein Vorort von Berlin und nur noch Anarchisten, schwerreiche Exzentriker und Viehstallpersonal werden die versprengten Dörfer bevölkern.
Viele Dörfer werden gemäß den Prognosen des Bauhausdirektors nach der Wende weniger lange existieren als sie in der DDR existiert haben.
Am Ende des Beitrags kommt so etwas wie. "Warum nicht ?"
Das frage ich mal in die Runde.



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#91

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 10:11
von ddr-bürger (gelöscht)
avatar

Clip läßt sich leider nicht öffnen.

Das passiert jetzt schon hier im Ort (Nähe Eisenach), in der veröffentlichten Statistik gehen die Einwohnerzahlen immer mehr zurück. Die Abwanderung der Jugend ist enorm, dazu kommt folgerichtig Geburtenrückgang und der Rest löst sich biologisch. Das ist etwas überspitzt gesagt, so aber treffend.

Geringe Verdienste bzw. Zeitarbeit als Alternative sind nicht prickelnd, das erlebe ich auch im nahen Umfeld. Zuzüge wie früher sind die Ausnahme, die schwindende Mittelschicht (Splittung weniger nach oben, absacken vieler nach unten) tragen dazu bei. Die Preise der Grundstücke fallen als Folge überdimnsionierte Kläranlagen, steigende Nebenkosten.


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#92

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 10:16
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Ich befürchte in 20 Jahren werden in Ostdeutschland wohl nur noch Heerscharen von zerlumpten Bettlern durch verfallene Ruinen ziehen.


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#93

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 10:32
von ddr-bürger (gelöscht)
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #92
Ich befürchte in 20 Jahren werden in Ostdeutschland wohl nur noch Heerscharen von zerlumpten Bettlern durch verfallene Ruinen ziehen.


Ach Grenzwolf, Du scheinst das ja recht persönlich zu nehmen. Mal statt Sarkasmus Argumente bitte.
Die Zahlen habe ich aus dem "Gemeindeblatt", ich lebe hier und in Gedanken habe ich mal die Gasse in der ich wohne "durchstreift".

Die meisten Kinder sind weg, nicht aus dem Haus - aus der Region. Insbesondere die Jugend mit gefragten Berufen..... Mag sein das es in Deiner Region anders aus sieht.


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#94

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 10:51
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von ddr-bürger im Beitrag #91
Clip läßt sich leider nicht öffnen.

Das passiert jetzt schon hier im Ort (Nähe Eisenach), in der veröffentlichten Statistik gehen die Einwohnerzahlen immer mehr zurück. Die Abwanderung der Jugend ist enorm, dazu kommt folgerichtig Geburtenrückgang und der Rest löst sich biologisch. Das ist etwas überspitzt gesagt, so aber treffend.

Geringe Verdienste bzw. Zeitarbeit als Alternative sind nicht prickelnd, das erlebe ich auch im nahen Umfeld. Zuzüge wie früher sind die Ausnahme, die schwindende Mittelschicht (Splittung weniger nach oben, absacken vieler nach unten) tragen dazu bei. Die Preise der Grundstücke fallen als Folge überdimnsionierte Kläranlagen, steigende Nebenkosten.



Hallo ddr- Bürger, es war die Sendung artour vom 02.05.13 (mediathek vom mdr), bei mir geht's zu öffnen...ich hoffe Du wohnst nicht auf so einem Dorf, um das es hier geht....das Licht geht aber noch ?
Das Problem der Entvölkerung durchzieht den gesamten Alltag, z.B. auch die Diskussion über die Strom- und Wasserpreise an anderer Stelle hier im Forum, wo Stromversorger jedes bestehende Gehöft auch noch erreichen müssen.
Es gibt im Osten Orte, z.B. im Kyffhäuserkreis, wo die Realation von weiblicher zu männlicher Bevölkerung schon 4:5 beträgt und man für einen halben Jahresloh schon sofort beziehbare Häuser kaufen kann.
Ich persönlich hoffe nicht, daß es so schlimme Szenarien geben wird, vielleicht ändert man diesen Trend schon mit einer anderen Lebensweise.



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#95

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 10:57
von ddr-bürger (gelöscht)
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Nein Hackel, so schlimm ist es nicht. Dabei hat unser Ort eine relativ gute Infrastruktur, da will ich gar nicht an den Rest denken....

Der Trend ist aber vorhanden und wird auch nicht gestoppt, wie auch? Das wird nicht nur ein Problem des "Osten" sein, hier kommen die Auswirkungen nur schneller und ungefederter durch.


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#96

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 10:59
von DoreHolm | 7.694 Beiträge

Nun gut, ob uns diese Entwicklung der langsamen Entvölkerung einiger Regionen gefällt oder nicht, man kann niemanden zwingen, dort zu bleiben wo er sich nicht wohl oder heimisch fühlt und wo er keine Grundlage für seine Existenzsicherung sieht. Mit Geldspritzen und anderen Lockmitteln kann das eine Landesregierung oder Kommune zwar etwas verlangsamen, aber m.E. nicht gänzlich aufhalten. Solche Wanderbewegungen gab es immer und wird es auch in Zukunft geben. Westberlin hatte seine Förderung, ebenso die "Zonenrandgebiete". Warum ? Damit die Leute dort bleiben. Die Eiszeit hat die Jäger und Sammler Richtung Süden getrieben und danach kamen sie zurück. Verstummte irgendwo in der Welt das "Berggeschrey" , blieben Geisterstätte zurück. Wenn keiner diese Ruinen abreißt, da keiner mehr zuständig oder zu alt oder kein Geld dafür da ist, holt sich die Natur diese ohnehin zurück und in unseren feuchten und gemäßigten Zonen geht das schneller als in der Wüste. Diese Zusammenfassung von Kommunen zu selbständig lebensfähigen Clustern halte ich nicht für die schlechteste Variante. Das freie Land ringsumm wird mit Sicherheit nicht versteppen und verwalden. Dafür gewinnt landwirtschaftliche Nutzfläche zu stark an Bedeutung und Wert. Und wieviel Leute sind heute noch notwendig, um z.B. 50 ha landwirtschaftliche Nutzfläche zu bearbeiten ? Auch eine teilweise Aufforstung hat was für sich. Das wäre ein kleiner Beitrag zur Kohlenstoffspeicherung, zur Klimaverbesserung, für Jagd und Erholung. In den Städten wurde etwa um 2000, wie hier in Erfurt, begonnen, einige Platten abzureißen, um die Übriggebliebenen besser zu belegen. Ja und ? Das war m.E. gut so. Besser finanzierbar, als wenn nur halb belegt und wenn ich jetzt aus dem Balkon meiner Schwester schaue, habe ich freie Sicht in die Ferne. Vorher stand dort ein Betonklotz.



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#97

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 11:00
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von ddr-bürger im Beitrag #95
Nein Hackel, so schlimm ist es nicht. Dabei hat unser Ort eine relativ gute Infrastruktur, da will ich gar nicht an den Rest denken....

Der Trend ist aber vorhanden und wird auch nicht gestoppt, wie auch? Das wird nicht nur ein Problem des "Osten" sein, hier kommen die Auswirkungen nur schneller und ungefederter durch.


Es ist auch ein Problem des Westens. Zum Beispiel in der wunderschönen Eifel:

http://www.ksta.de/dahlem/landflucht-fas...0,16643772.html

LG von der grenzgaengerin


zuletzt bearbeitet 03.05.2013 11:02 | nach oben springen

#98

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 11:16
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Für mich ist es ein Kontrastprogramm von dort wieder heimzukommen, wo schweizer Grenzgänger beim deutschen ALDI für 200 Euro ihre Einkäufe erledigen und dann noch eine halbe Steuererklärung (wohl für den Zoll) an der Kasse machen, wo endlose Autokolonnen den Fußweg zum Hotel zum Hindernislauf machen und wo immer mit irgendwas irgendwelcher Lärm produziert wird.
Mein kleines 3000 Seelen- Nest verbindet die Annehmlichkeiten einer Großstadt mit der Idylle des Landlebens, meine Befürchtung ist nur, daß diese Stellung nicht zu halten ist ohne größere Opfer und Risiken.
Dabei denke ich an die Experimente zur autarken Energieversorgung und der Hetze der Bundesländer Bayern und BaWü um den Länderfinanzausgleich, die vollkommen ignorieren, daß auch wir ostdeutschen Dorfbewohner als Montagearbeiter in deren südbadischen Grenzstädten ihre Gewerbesteuern und die Gewinne ihrer Firmen erwirtschaften.
Und eben auch, daß die wenigen aktiven Kerne in Ostdeutschland immer weiter auskühlen, wobei ich an die wenigen Leuchtürme wie die Romonta, Klemme oder Felswerke hier im Mansfelder Land denke, wo Zeitarbeit und Niedriglohn immer mehr grassieren, weil man mitbekommen hat, daß diese Restbevölkerung an ihrer Heimat hängt.



silberfuchs60 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.05.2013 13:08 | nach oben springen

#99

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 11:26
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich habe letztens einen sehr interessenaten Bericht über Altkünkendorf gesehen - über einen "Dörf - Kümmerer". Da legt man nicht die Hände in den Schoß und bejammert die Ungerechtigkeit der Welt.

"In Brandenburg sterben die Dörfer. Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat. Dagegen soll nun das Projekt "Dorfkümmerer" helfen. Die Idee: Engagierte "Kümmerer" entwickeln Projekte, um das Dorfleben zu revitalisieren. Im 200-Seelen-Dorf Altkünkendorf jedenfalls tut sich einiges, seitdem sich Hans-Jürgen Bewer dort für ein Taschengeld engagiert – im Auftrag des Landes Brandenburg."

http://www.faz.net/aktuell/politik/kampf...r-12128594.html

LG von der grenzgaengerin


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#100

RE: Leben in der BRD nach der DDR

in Leben in der DDR 03.05.2013 11:33
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #98
.......daß auch wir ostdeutschen Dorfbewohner als Montagearbeiter in deren südbadischen Grenzstädten ihre Gewerbesteuern und die Gewinne ihrer Firmen erwirtschaften.



Willst Du damit sagen, dass Du nur deshalb in den Südwesten der alten BRD gezogen bist, um dort tatkräftig an der Mehrung des Steueraufkommens mitzuwirken??


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