#181

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 10:42
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Wäre aus heutiger Sicht trotzdem nicht das verkehrteste gewesen!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#182

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 11:01
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #164
Erstaunlich, daß so einige hier nicht richtig damit klarzukommen scheinen, daß nicht nur seitens der Demonstranten, sondern auch seitens der Machtorgane besonnen reagiert wurde. Fast könnte man den Eindruck haben, ein paar Tote, natürlich bei den Demonstranten, wäre für ihre Argumentation hilfreich gewesen. So muß mitunter der Korkenzieher in der Argumentation herhalten, damit die bewaffneten Machtorgane ja nicht zu human wegkommen. Ganz einfach den simplen Aspekt anerkennen, daß es auch für diese Leute eine unheimlich hohe Hürde gewesen wäre, auf Unbewaffnete zu schießen, die Forderungen stellten, die für nicht Wenige auf der anderen Seite zumindest nachvollziehbar waren und die nicht als wilder brüllender Mob, sondern als disziplinierte Masse auftraten. Dieser Fakt wird nich mehr wegzudiskutieren sein, egal welche Motive den Machtorganen für ihr (Nicht)handeln zugebilligt oder unterstellt werden.


Nach dem 40. Jahrestag - ich weilte u.a. in Berlin zur Auszeichnungsveranstaltung des Ministerrates - erhielt ich am Sonntag, dem 08. Oktober 1989 den Auftrag, mich unverzüglich nach Leipzig zu begeben, um an dortige Schutz- und Sicherungsmaßnahmen mitzuwirken. In Leipzig und Umgebung befanden sich u.a. Schwerpunktbetriebe der Grundstoffindustrie der DDR - auch im Bereich des Dittrichringes in Leipzig. Ich begab mich noch am Sonntag nach Leipzig und meldete mich in der "Runden Ecke" (BV des MfS in Leipzig am Dittrichring). Man erwartete nach vorliegenden Informationen für den 9.Oktober 1989 in Leipzig eine gewaltige Demonstration von Bürgern - die dabei geschätzten Zahlen nenne ich mal nicht. Es fanden bereits im Vorfeld, d.h. im September 1989 in Leipzig entsprechende Montagsdemos mit unterschiedlichen Teilnehmerzahlen statt. Ausgangspunkt waren immer die zuvor stattgefundenen Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche. Von dort ging es dann zum Karl-Marx-Platz und dann weiter auf den Ring.
Die Situation am 9. Oktober war bereits im Verlaufe des Tages auf beiden Seiten sehr angespannt und keiner wußte, wie die eine oder die andere Seite reagiert. Zuerst galt der Auftrag, diese Demo zu verhindern, der sich aber dann im Verlauf des späten Nachmittags umkehrte in keine Gewaltanwendung auf beiden Seiten. Ursache dafür waren u.a. die Predigt von Führer in der Nikolaikirche, wie auch der Aufruf der sechs prominenten Leipziger um Gewandhauskapellmeister Prof. Kurt Masur, Theologe Dr. Peter Zimmermann, Kabarettist Bernd-Lutz Lange und die Sekretäre der SED-Bezirksleitung Leipzig Dr. Kurt Meyer, Jochen Pommert und Dr. Roland Wötzel. Alle hatten noch die Bilder vom 3. Juni 1989 vom Platz des Himmlischen Friedens in Peking vor Augen und eine Wiederholung wollte keine Seite, obwohl in und am Stadtrand von Leipzig erhebliche, zusätzliche Sicherheitskräfte disloziiert waren. Hinzu kam noch der Aufruf eines Leipziger Kampfgruppenkommandeurs in der "Leipziger Volkszeitung", der nicht nur die Demonstranten verunsicherte und die militärische Gewaltanwendung zum Inhalt hatte.
Bereits in den Abend- und Nachtstunden vom 8. auf dem 9. Oktober 1989 kursierten in Leipzig Flugblätter die u.a. folgenden Inhalt hatten - Gewalt unter uns hinterläßt ewig blutende Wunden!
Der Aufruf der sechs Leipziger Persönlichkeiten wurde am 9. Oktober von Kurt Masur verlesen und hatte folgednen Wortlaut - "Unsere gemeinsame Sorge und Verantwortung haben uns heute zusammengeführt. Wir sind von der Entwicklung in unserer Stadt betroffen und suchen nach einer Lösung. Wir alle brauchen einen freien Meinungsaustausch über die Weiterführung des Sozialismus in unserem Land. Deshalb versprechen die Genannten heute allen Bürgern, ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird. Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit der friedliche Dialog möglich wird."
Seitens der Organisatoren der Montagsdemo waren Ordnungskräfte eingesetzt, die eine, wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, grüne Armbinde mit dem Aufdruck "Keine Gewalt" trugen.
Es ist der Besonnenhiet und der Umsichtigkeit auf beiden Seiten zu verdanken, dass es bei einer friedlichen Demo blieb und die Situation nicht eskalierte mit unvorhersehbaren und unvorstellbaren Folgen.
Es ist u.a. auch das Verdienst der BEL (Bezirkseinsatzleitung) Leipzig, wie auch des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, dass die Schutz- und Sicherheitskräfte den eigentlichen Auftrag, die Demonstration zu unterbinden, nicht ausgeführten. Er wurde umgewandelt in den Befehl zur Eigensicherung im Falle gewaltsamer Angriffe. Es gab auch keinen Schießbefehl, wie es heute so oft behauptet wird.
Ich blieb dann noch bis einschließlich dem 16. Oktober 1989 in Leipzig und kehrte dann an meinen "Standort" zurück, da es nun auch im diesem Teil des Landes mit den Montagsdemos losging. Aber das war schon wieder eine andere Baustelle im Herbst 1989.

Wenn ich heute ehemalige Verantwortliche und Organisatoren der Demos treffe und spreche, so ist es auch ein wenig der Stolz darüber, dass es durch das besonnene Handeln aller Beteiligter zu keinem "Blutbad" kam.
Was die Hilfeleistung der SU anbetrifft, so muß man differenzieren zwischen der offiziellen Position Moskaus und der der Führung der GSSD.

Vierkrug


DoreHolm, katerjohn, josy95, passport und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 29.12.2012 11:07 | nach oben springen

#183

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 11:13
von ddr-bürger (gelöscht)
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Danke Vierkrug für die Informationen. Zu wenig hat man über diese Seite der Montagsdemos erfahren.


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#184

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 11:23
von ddr-bürger (gelöscht)
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Auch wenn vieles an dem Themenpunkt noch offen ist, mir fällt noch etwas ein.

Ich vermisse die klare und eindutige Trennung von Kirche und Staat.

Ich bin ein "Ungläubiger" und habe mit Glaube und Kirche nichts am Hut. Viele werden sagen das ist heute ähnlich, nur ein Argument was dagegen spricht.

Mit welchem recht werden Kirchensteuern bei Arbeitslosen automatisch einbehalten? Mit der Begründung des Verwaltungsaufwandes, dann sollen sie es doch der Kirche überlassen wie sie zu ihren Steuern kommt und nicht dogmatisch allen diese Zahlung (gegen jede persönliche Glaubensfreiheit) aufdrücken.

Ich denke es wird dann auch Zeit ein Thema, was finde ich besser an der BRD zu eröffnen. Für mich wäre da nicht so viel zum schreiben...., aber es gibt ja immer Anregungen auch für uns als "ewig Gestrige"


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#185

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 11:30
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #176
@DoreHolm, es spielt eben die Skrupellosigkeit vieler dieser ehemaligen, sagen wir mal Funktionäre, oder besser nicht gerade kleinen Leuchten eine gewichtige Rolle. Besonders im Betrachtungs- und Weltbild des ehrlchen kleinen Mannes, der, vielleicht noch kleines SED- Mitglied gewesen, gerade deshalb und unter Vorhaltung dieser Mitgliedschaft seiner Exeistenz beraubt wurde, . nicht unüblich, oft unter dem aktiven Mitwirken "Ehemaliger"...

Es sind einigen auch bestimmte Fähig- und Fertigkeiten nicht abzusprechen. Eine besondere Fähig- und Fertigkeit ist in meinen Augen jedoch die aalglatte Skrupellosigkeit. Ein guter Baustein, ein gutes Element für die Ellenbogengesellschaft...


josy95


Ich will nich alle in einen Topf werfen, aber es gab sicher einige, die es gerade auf Grund dieser Eigenschaften bis in hohe Führungspositionen geschafft haben. Zur Wendezeit haben sie dann die Katze aus dem Sack gelassen, wes Geistes Kind sie sind. Im grunde genommen ist es doch auch heute so, daß z.B. ein Politiker über eine gewisse Skrupellosigkeit verfügen muß, um es bis ganz oben hin zu schaffen. Nicht ohne Grund stehen Politiker im Ansehen der Bürger ziemlich weit unten.



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#186

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 11:52
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #145
Da frag mal die westdeutschen Gewerkschaften, wenn es um Verhandlungen mit den Arbeitgebern ging. Die sind da anderer Meinung. Da wurde ganz klar eingeschätzt, daß die DDR da immer mit als unsichtbarerer Verhandlungspartner mit am Tisch saß.

Ob die heutigen Akteure sich da heute noch dran erinnern können?


Zitat von DoreHolm im Beitrag #145
Und was meinst Du, warum bei Machtübernahmen durch linke Bewegungen in bisher kapitalistischen Ländern die kapitalistischen Industriestaaten alles unternehmen, bis hin zu Gewalt und Aggression, um das zurückzudrängen ? [...] Da geht es ganz klar darum, hier die Entstehung einer möglicherweise für Teile der eigenen Bevölkerung anziehenden Alternative im Keim zu unterbinden.

Um also die Massenflucht von Bundesbürgern in Richtung DDR zu verhindern, hat sich die Bundesrepublik "verbogen"... Ob das tatsächlich notwendig war?
Wenn ich mich hier bei noch lebenden Zeitzeugen umhöre, dann hatte das gemeine Fußvolk damals, kurz nach dem Krieg, ganz andere Sorgen als sich Gedanken um die Flucht in einen anderen Staat zu machen. Trotz sozialer Marktwirtschaft flogen die Tauben keinem in den Mund.

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 29.12.2012 12:46 | nach oben springen

#187

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 12:06
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Ein Blick auf Post 181 zeigt das durchaus wackere Kämpfer zur Niederschlagung der Konterrevolution bereit gewesen wären.
Es war ein unbeschreibliches Glück das in Moskau kein Breshnew mehr saß und diese Kämpfer von der Schnelligkeit der Ereignisse etwas überrollt wurden.


zuletzt bearbeitet 29.12.2012 12:09 | nach oben springen

#188

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 12:34
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #147
von Schuddelkind

Hätten die Russen weiter hinter ihnen gestanden, hätten sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre eigene Bevölkerung zusammengeschossen


Schuddelkind, Behauptungen aufstellen kann jeder. Woher willst Du das Wissen. Ich kannte damals hunderte MA des MfS. Keiner, aber auch keiner war bereit mit der Waffe gegen das eigene Volk vorzugehen. Darin drückt sich auch das humanistische Gedankengut aus was uns DDR-Bürger auszeichnet.

passport


Oh, ich kenne einen und der war mal dein "Chef".
Seine Humanismusvorstellung:
„Wir sind nicht davor gefeit, daß wir einmal einen Schuft unter uns haben. Wenn ich das schon jetzt wüßte, würde er ab morgen nicht mehr leben. Kurzer Prozeß. Weil ich ein Humanist bin. Deshalb habe ich solche Auffassung. [...] Das ganze Geschwafel von wegen nicht Hinrichtung und nicht Todesurteil - alles Käse, Genossen. Hinrichten, wenn notwendig auch ohne Gerichtsurteil.“

Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit, 1982 (Quelle: Abschrift der Tonbandaufzeichnung der erweiterten Kollegiumssitzung am 19.2.1982, dokumentiert bei Joachim Walther: Erich Mielke - ein deutscher Jäger, Audio CD, München 1997.)

Oder auch diese:
„Ich will euch überhaupt mal etwas sagen Genossen, wenn man schon schießt dann muss man dat so machen, dass nicht der Betreffende noch bei wegkommt sondern dann muss er eben dableiben bei uns. Ja so ist die Sache, wat is denn das, 70 Schuß loszuballern und der rennt nach drüben und die machen ne Riesenkampagne."
Auf diese Form von Humanismus kann ich verzichten......


Intellektuelle spielen Telecaster
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#189

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 12:41
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #187
Ein Blick auf Post 181 zeigt das durchaus wackere Kämpfer zur Niederschlagung der Konterrevolution bereit gewesen wären.
Es war ein unbeschreibliches Glück das in Moskau kein Breshnew mehr saß und diese Kämpfer von der Schnelligkeit der Ereignisse etwas überrollt wurden.



Grenzwolf,

die sow. Truppen standen doch hinter der DDR, auch im Herbst 1989.

Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt zu der Problematik:

"Wer hat von wem welche Befehle erhalten bzw. wer hat wem welche Bitten vorgetragen?
Egon Krenz und ich haben am 13. Oktober 1989 nach der Beratung mit der Bezirkseinsatzleitung in Leipzig Erich Honecker den Befehl Nr.:9/89 vorgelegt.
Nach der Unterzeichnung meldete ich Erich Honecker, dass der Minister für Nationale Verteidigung befohlen habe, in der jetzigen politischen Situation keine größeren Truppenbewegungen und Truppenübungen der NVA durchzuführen.
Die Gruppe führt aber ihre Übungen mit größeren Truppenbewegungen durch.
Wenn die Truppenteile der Gruppe ihre Kasernen - vor allen Dingen in den Räumen Leipzig/ Dresden/ Potsdam/ Berlin - verlassen, kann das zu falschen Schlussfolgerungen führen. Es wäre zweckmäßig, wenn auch die Gruppe in dieser Periode keine größeren Truppenbewegungen durchführt.

Erich Honecker beauftragte mich, den Oberkommandierenden der Gruppe, Armeegeneral Snedkow, zu bitten, nach Möglichkeit in den kommenden Tagen und Wochen keine größeren Truppenübungen durchzuführen.
Am 14. Oktober 1989 habe ich diese Bitte Armeegeneral Snedkow vorgetragen, der für unser Anliegen volles Verständnis zeigte und versicherte, den Nachgeordneten die erforderlichen Weisungen zu geben. Gleichzeitig brachte er zum Ausdruck, dass die Gruppe immer bereit ist, bei Notwendigkeit den Waffenbrüdern der Nationalen Volksarmee die erforderliche Hilfe und Unterstützung zu gewähren.

Mitte Dezember 1989 war ich zu einer Beratung der Generalstabschefs des Warschauer Vertrages über die Vorbereitung der „Wiener Verhandlungen zur weiteren Abrüstung" in Moskau.
Der Oberkommandierende der Vereinten Streitkräfte und der Chef des Generalstabes der Sowjetarmee luden mich zu einem 6-Augengespräch ohne Dolmetscher ein.
Beide führenden sowjetischen Militärs äußerten sich wie folgt:

„Genosse Streletz, halte immer engen Kontakt zum Oberkommandierenden der Westgruppe, Armeegeneral Snedkow, Armeegeneral Snedkow hat die Weisung, die NVA der DDR bei Notwendigkeit, allseitig zu unterstützen."

Schlussfolgernd kann festgestellt werden:

Die Partei- und Staatsführung der DDR hat den Oberkommandierenden der West-Gruppe, Armeegeneral Snedkow, gebeten, die Truppen nach Möglichkeit in den Kasernen zu belassen.
Von einem Befehl aus Moskau für diese Maßnahme war niemals die Rede."


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#190

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 12:43
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #182


(Zitat @Vierkrug Auszug)

Wenn ich heute ehemalige Verantwortliche und Organisatoren der Demos treffe und spreche, so ist es auch ein wenig der Stolz darüber, dass es durch das besonnene Handeln aller Beteiligter zu keinem "Blutbad" kam.
Was die Hilfeleistung der SU anbetrifft, so muß man differenzieren zwischen der offiziellen Position Moskaus und der der Führung der GSSD.

Vierkrug



@Vierkrug, besten Dank für diesen sehr offenen und sehr guten, denke auch mal sehr realistischen Tatsachenbericht eines Zeitzeugen!

Erkläre aber doch bitte mal, wie sich der letzte, rot markierte Satz Deines Zitates aus Deiner Sicht darstellt. Würde mich und bestimmt noch viele andsere User intersssieren. Denn der Russe als solches war immer irgendwie ein Geheimnis und auch oft sehr schwer durchschaubar...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 29.12.2012 12:44 | nach oben springen

#191

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 12:52
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #185
Zitat von josy95 im Beitrag #176
@DoreHolm, es spielt eben die Skrupellosigkeit vieler dieser ehemaligen, sagen wir mal Funktionäre, oder besser nicht gerade kleinen Leuchten eine gewichtige Rolle. Besonders im Betrachtungs- und Weltbild des ehrlchen kleinen Mannes, der, vielleicht noch kleines SED- Mitglied gewesen, gerade deshalb und unter Vorhaltung dieser Mitgliedschaft seiner Exeistenz beraubt wurde, . nicht unüblich, oft unter dem aktiven Mitwirken "Ehemaliger"...

Es sind einigen auch bestimmte Fähig- und Fertigkeiten nicht abzusprechen. Eine besondere Fähig- und Fertigkeit ist in meinen Augen jedoch die aalglatte Skrupellosigkeit. Ein guter Baustein, ein gutes Element für die Ellenbogengesellschaft...


josy95


Ich will nich alle in einen Topf werfen, aber es gab sicher einige, die es gerade auf Grund dieser Eigenschaften bis in hohe Führungspositionen geschafft haben. Zur Wendezeit haben sie dann die Katze aus dem Sack gelassen, wes Geistes Kind sie sind. Im grunde genommen ist es doch auch heute so, daß z.B. ein Politiker über eine gewisse Skrupellosigkeit verfügen muß, um es bis ganz oben hin zu schaffen. Nicht ohne Grund stehen Politiker im Ansehen der Bürger ziemlich weit unten.



Richtig, @DoreHolm, insbesondere Deine letzten beiden Sätze.

Und das macht ja gerade die Gefährlichkeit dieser Entwicklung aus, die stetige und systematische Demontage, Unterwanderung der Demokratie oder besser, was davon im Moment noch über ist! Man könnte es etwas diplomatischer auch den moralischen Verfall der guten Sitten nennen. Klassisches, aktuelles Beispiel die Affäre BP Christian Wulff...


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 29.12.2012 12:54 | nach oben springen

#192

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 12:57
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Alfred im Beitrag #189
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #187
Ein Blick auf Post 181 zeigt das durchaus wackere Kämpfer zur Niederschlagung der Konterrevolution bereit gewesen wären.
Es war ein unbeschreibliches Glück das in Moskau kein Breshnew mehr saß und diese Kämpfer von der Schnelligkeit der Ereignisse etwas überrollt wurden.



Grenzwolf,

die sow. Truppen standen doch hinter der DDR, auch im Herbst 1989.

Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt zu der Problematik:

"Wer hat von wem welche Befehle erhalten bzw. wer hat wem welche Bitten vorgetragen?
Egon Krenz und ich haben am 13. Oktober 1989 nach der Beratung mit der Bezirkseinsatzleitung in Leipzig Erich Honecker den Befehl Nr.:9/89 vorgelegt.
Nach der Unterzeichnung meldete ich Erich Honecker, dass der Minister für Nationale Verteidigung befohlen habe, in der jetzigen politischen Situation keine größeren Truppenbewegungen und Truppenübungen der NVA durchzuführen.
Die Gruppe führt aber ihre Übungen mit größeren Truppenbewegungen durch.
Wenn die Truppenteile der Gruppe ihre Kasernen - vor allen Dingen in den Räumen Leipzig/ Dresden/ Potsdam/ Berlin - verlassen, kann das zu falschen Schlussfolgerungen führen. Es wäre zweckmäßig, wenn auch die Gruppe in dieser Periode keine größeren Truppenbewegungen durchführt.

Erich Honecker beauftragte mich, den Oberkommandierenden der Gruppe, Armeegeneral Snedkow, zu bitten, nach Möglichkeit in den kommenden Tagen und Wochen keine größeren Truppenübungen durchzuführen.
Am 14. Oktober 1989 habe ich diese Bitte Armeegeneral Snedkow vorgetragen, der für unser Anliegen volles Verständnis zeigte und versicherte, den Nachgeordneten die erforderlichen Weisungen zu geben. Gleichzeitig brachte er zum Ausdruck, dass die Gruppe immer bereit ist, bei Notwendigkeit den Waffenbrüdern der Nationalen Volksarmee die erforderliche Hilfe und Unterstützung zu gewähren.

Mitte Dezember 1989 war ich zu einer Beratung der Generalstabschefs des Warschauer Vertrages über die Vorbereitung der „Wiener Verhandlungen zur weiteren Abrüstung" in Moskau.
Der Oberkommandierende der Vereinten Streitkräfte und der Chef des Generalstabes der Sowjetarmee luden mich zu einem 6-Augengespräch ohne Dolmetscher ein.
Beide führenden sowjetischen Militärs äußerten sich wie folgt:

„Genosse Streletz, halte immer engen Kontakt zum Oberkommandierenden der Westgruppe, Armeegeneral Snedkow, Armeegeneral Snedkow hat die Weisung, die NVA der DDR bei Notwendigkeit, allseitig zu unterstützen."

Schlussfolgernd kann festgestellt werden:

Die Partei- und Staatsführung der DDR hat den Oberkommandierenden der West-Gruppe, Armeegeneral Snedkow, gebeten, die Truppen nach Möglichkeit in den Kasernen zu belassen.
Von einem Befehl aus Moskau für diese Maßnahme war niemals die Rede."




Wie geschrieben, es waren sehr glückliche Umstände.
Hätte dieser Snedkow aus Moskau den konkreten Befehl erhalten loszuschlagen dann hätte er es vermutlich sehr gern und intensiv getan.
Hätte die damalige sowjetische Führung aber wirklich noch solch einen Befehl erteilen wollen?


zuletzt bearbeitet 29.12.2012 13:01 | nach oben springen

#193

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 13:27
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #189
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #187
Ein Blick auf Post 181 zeigt das durchaus wackere Kämpfer zur Niederschlagung der Konterrevolution bereit gewesen wären.
Es war ein unbeschreibliches Glück das in Moskau kein Breshnew mehr saß und diese Kämpfer von der Schnelligkeit der Ereignisse etwas überrollt wurden.



Grenzwolf,

die sow. Truppen standen doch hinter der DDR, auch im Herbst 1989.

Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt zu der Problematik:

"Wer hat von wem welche Befehle erhalten bzw. wer hat wem welche Bitten vorgetragen?
Egon Krenz und ich haben am 13. Oktober 1989 nach der Beratung mit der Bezirkseinsatzleitung in Leipzig Erich Honecker den Befehl Nr.:9/89 vorgelegt.
Nach der Unterzeichnung meldete ich Erich Honecker, dass der Minister für Nationale Verteidigung befohlen habe, in der jetzigen politischen Situation keine größeren Truppenbewegungen und Truppenübungen der NVA durchzuführen.
Die Gruppe führt aber ihre Übungen mit größeren Truppenbewegungen durch.
Wenn die Truppenteile der Gruppe ihre Kasernen - vor allen Dingen in den Räumen Leipzig/ Dresden/ Potsdam/ Berlin - verlassen, kann das zu falschen Schlussfolgerungen führen. Es wäre zweckmäßig, wenn auch die Gruppe in dieser Periode keine größeren Truppenbewegungen durchführt.

Erich Honecker beauftragte mich, den Oberkommandierenden der Gruppe, Armeegeneral Snedkow, zu bitten, nach Möglichkeit in den kommenden Tagen und Wochen keine größeren Truppenübungen durchzuführen.
Am 14. Oktober 1989 habe ich diese Bitte Armeegeneral Snedkow vorgetragen, der für unser Anliegen volles Verständnis zeigte und versicherte, den Nachgeordneten die erforderlichen Weisungen zu geben. Gleichzeitig brachte er zum Ausdruck, dass die Gruppe immer bereit ist, bei Notwendigkeit den Waffenbrüdern der Nationalen Volksarmee die erforderliche Hilfe und Unterstützung zu gewähren.

Mitte Dezember 1989 war ich zu einer Beratung der Generalstabschefs des Warschauer Vertrages über die Vorbereitung der „Wiener Verhandlungen zur weiteren Abrüstung" in Moskau.
Der Oberkommandierende der Vereinten Streitkräfte und der Chef des Generalstabes der Sowjetarmee luden mich zu einem 6-Augengespräch ohne Dolmetscher ein.
Beide führenden sowjetischen Militärs äußerten sich wie folgt:

„Genosse Streletz, halte immer engen Kontakt zum Oberkommandierenden der Westgruppe, Armeegeneral Snedkow, Armeegeneral Snedkow hat die Weisung, die NVA der DDR bei Notwendigkeit, allseitig zu unterstützen."
Schlussfolgernd kann festgestellt werden:

Die Partei- und Staatsführung der DDR hat den Oberkommandierenden der West-Gruppe, Armeegeneral Snedkow, gebeten, die Truppen nach Möglichkeit in den Kasernen zu belassen.
Von einem Befehl aus Moskau für diese Maßnahme war niemals die Rede."




Rotmarkiert:
"Der Befehlshaber der sowjetischen Westgruppe General Snetkow wurde strengstens angewiesen, die sowjetischen Truppen aus der Einmischung in die Ereignisse in der DDR herauszuhalten. Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu merken, dass der Nachrichtendienst des KGB in der DDR in seinen Berichten nach Moskau hervorhob, der Militäreinsatz in der DDR müsse vollständig ausgeschlossen sein, denn er werde die schwersten Folgen haben. Auch der Chef des Generalstabes Marschall Achromejew war gegen ein gewaltsames Vorgehen."
Aus: Die DDR zwischen Mauerbau und Mauerfall, 2.Auflage


Intellektuelle spielen Telecaster
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#194

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 13:43
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von josy95 im Beitrag #190
Zitat von Vierkrug im Beitrag #182


(Zitat @Vierkrug Auszug)

Wenn ich heute ehemalige Verantwortliche und Organisatoren der Demos treffe und spreche, so ist es auch ein wenig der Stolz darüber, dass es durch das besonnene Handeln aller Beteiligter zu keinem "Blutbad" kam.
Was die Hilfeleistung der SU anbetrifft, so muß man differenzieren zwischen der offiziellen Position Moskaus und der der Führung der GSSD.

Vierkrug



@Vierkrug, besten Dank für diesen sehr offenen und sehr guten, denke auch mal sehr realistischen Tatsachenbericht eines Zeitzeugen!

Erkläre aber doch bitte mal, wie sich der letzte, rot markierte Satz Deines Zitates aus Deiner Sicht darstellt. Würde mich und bestimmt noch viele andsere User intersssieren. Denn der Russe als solches war immer irgendwie ein Geheimnis und auch oft sehr schwer durchschaubar...

josy95



Ich antworte gerne auf Deine Frage - schränke aber ein, dass es sich um meine rein persönliche Meinung bzw. Position handelt. Im Wesentlichem hat auch schon Alfred die Frage beantwortet.
Es waren mehrere Faktoren, die eine Rolle spielten und auch das Handeln der SU, insbesondere der sowjetischen Streitkräfte maßgeblich beeinflussten. In Moskau war man von der Breshnew-Doktrin abgekehrt und es war der Gruppe um Gorbatschow auch schon zu diesem Zeitpunkt egal, was mit der DDR passiert. Sie kungelten bereits mit Kohl hinter dem Rücken der DDR-Führung, um einen Kredit über 15 Mrd. Dollar zu bekommen, denn sie lagen bereits wirtschaftlich am Boden. Zugleich hatten sie enorme finanzielle Verpflichtungen gegenüber der DDR, denn die Außenhandelsbilanz zwischen beiden Ländern war seitens der SU finanziell nicht ausgeglichen worden. Da war die deutsche Einheit und die Opferung der DDR der Faustpfand der sowjetischen Intrige - und der Bote auf sowjetischer Seite in Bonn hieß Falin. Gorbatschow verarschte sogar Egon bei seinem Antrittsbesuch in Moskau im Vieraugengespräch. Deshalb kam Egon auch mit einer gewissen Hoffnung aus Moskau zurück, die jedoch bald platzte, spätestens nach dem Treffen zwischen Kohl und Gorbatschow im Kaukasus. Nur nebenbei bemerkt - für diesen Deal erhielt die SU von der BRD lediglich einen 5 Mrd.-Dollarkredit, der ihr aber auch nicht groß half die Probleme im eigenem Land zu lösen.
Die Führungskräfte der GSSD hätten bei einer Bitte der Partei- und Staatsführung der DDR um Hilfeleistung, diese auch getätigt. Sie waren aber auch sehr realitätsbezogen und kannten die Situation in der DDR und waren sich auch darüber im Klarem, was passieren würde, wenn sie ohne Bitte der DDR bzw. Order aus Moskau selbstständig eingegriffen und gehandelt hätten. Also auch eine sehr besonnene Handlungsweise der Genossen um Snedkow. Sie mußten aber dann auch mit ansehen, was sich in der Folge vollzog.

Auch wenn der Untergang der DDR, dessen Art und Weise bei mir Schmerzen hervorrief und auch seine Wunden hinterlassen hat, so bin ich heute dafür dankbar, dass es keine Menschenopfer in der unmittelbaren Auseinandersetzung und kein Blutbad bei diesem Umsturz gegeben hat. Opfer hat es gegeben, davon zeugen die zahlreichen Selbstmorde von ehemaligen SED-Funktionären, Staatsfunktionären, wie auch Angehörigen der bewaffneten Organe der ehemaligen DDR: Für mich der Opfer zu viele.
Im meinem letztem persönlichem Gespräch mit Egon waren wir uns auch darüber einig, dass es heute darum geht, ein reales Geschichtsbild auf die DDR zu werfen, es zu bewahren und zu vermitteln, wie auch geschichtlichen Verwerfungen entgegen zu treten. Darin sehe ich auch meine heutige Aufgabe und Verantwortung. Man kann keine Zukunft aufbauen, ohne die Fehler aus der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Vierkrug


Pitti53, DoreHolm, passport und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#195

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 14:23
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #193
Zitat von Alfred im Beitrag #189
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #187
Ein Blick auf Post 181 zeigt das durchaus wackere Kämpfer zur Niederschlagung der Konterrevolution bereit gewesen wären.
Es war ein unbeschreibliches Glück das in Moskau kein Breshnew mehr saß und diese Kämpfer von der Schnelligkeit der Ereignisse etwas überrollt wurden.



Grenzwolf,

die sow. Truppen standen doch hinter der DDR, auch im Herbst 1989.

Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt zu der Problematik:

"Wer hat von wem welche Befehle erhalten bzw. wer hat wem welche Bitten vorgetragen?
Egon Krenz und ich haben am 13. Oktober 1989 nach der Beratung mit der Bezirkseinsatzleitung in Leipzig Erich Honecker den Befehl Nr.:9/89 vorgelegt.
Nach der Unterzeichnung meldete ich Erich Honecker, dass der Minister für Nationale Verteidigung befohlen habe, in der jetzigen politischen Situation keine größeren Truppenbewegungen und Truppenübungen der NVA durchzuführen.
Die Gruppe führt aber ihre Übungen mit größeren Truppenbewegungen durch.
Wenn die Truppenteile der Gruppe ihre Kasernen - vor allen Dingen in den Räumen Leipzig/ Dresden/ Potsdam/ Berlin - verlassen, kann das zu falschen Schlussfolgerungen führen. Es wäre zweckmäßig, wenn auch die Gruppe in dieser Periode keine größeren Truppenbewegungen durchführt.

Erich Honecker beauftragte mich, den Oberkommandierenden der Gruppe, Armeegeneral Snedkow, zu bitten, nach Möglichkeit in den kommenden Tagen und Wochen keine größeren Truppenübungen durchzuführen.
Am 14. Oktober 1989 habe ich diese Bitte Armeegeneral Snedkow vorgetragen, der für unser Anliegen volles Verständnis zeigte und versicherte, den Nachgeordneten die erforderlichen Weisungen zu geben. Gleichzeitig brachte er zum Ausdruck, dass die Gruppe immer bereit ist, bei Notwendigkeit den Waffenbrüdern der Nationalen Volksarmee die erforderliche Hilfe und Unterstützung zu gewähren.

Mitte Dezember 1989 war ich zu einer Beratung der Generalstabschefs des Warschauer Vertrages über die Vorbereitung der „Wiener Verhandlungen zur weiteren Abrüstung" in Moskau.
Der Oberkommandierende der Vereinten Streitkräfte und der Chef des Generalstabes der Sowjetarmee luden mich zu einem 6-Augengespräch ohne Dolmetscher ein.
Beide führenden sowjetischen Militärs äußerten sich wie folgt:

„Genosse Streletz, halte immer engen Kontakt zum Oberkommandierenden der Westgruppe, Armeegeneral Snedkow, Armeegeneral Snedkow hat die Weisung, die NVA der DDR bei Notwendigkeit, allseitig zu unterstützen."
Schlussfolgernd kann festgestellt werden:

Die Partei- und Staatsführung der DDR hat den Oberkommandierenden der West-Gruppe, Armeegeneral Snedkow, gebeten, die Truppen nach Möglichkeit in den Kasernen zu belassen.
Von einem Befehl aus Moskau für diese Maßnahme war niemals die Rede."




Rotmarkiert:
"Der Befehlshaber der sowjetischen Westgruppe General Snetkow wurde strengstens angewiesen, die sowjetischen Truppen aus der Einmischung in die Ereignisse in der DDR herauszuhalten. Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu merken, dass der Nachrichtendienst des KGB in der DDR in seinen Berichten nach Moskau hervorhob, der Militäreinsatz in der DDR müsse vollständig ausgeschlossen sein, denn er werde die schwersten Folgen haben. Auch der Chef des Generalstabes Marschall Achromejew war gegen ein gewaltsames Vorgehen."
Aus: Die DDR zwischen Mauerbau und Mauerfall, 2.Auflage



Hallo,

Du solltest immer beachten, wann, wer , was gesagt hat.

Leider war es so, dass einige Politker sich nach 1989/90 an einige Äußerungen nicht mehr korrekt erinnern wollten oder konnten.
Marschall Achromejew war übrigens 1990 nicht mehr Chef des GS sondern Berater von Gorbatschow. Übrigens war er nach einiger zeit auch kein Fan von Gorbatschow , weil er merkte, dass die Sowjetunion immer mehr zerfiel. Dies war auch einer der Gründe, warum sich der Marschall nach dem gescheiterten Putsch gegen Gorbatschow selbst das Leben nahm.
Und noch ein Hinweis. Ich muss nicht unbedingt Gewalt ausüben. Es macht schon gewaltigen Eindruck, wenn ich mit gewisser Technik auf der Straße stehe....


zuletzt bearbeitet 29.12.2012 14:31 | nach oben springen

#196

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 14:32
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #195
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #193
Zitat von Alfred im Beitrag #189
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #187
Ein Blick auf Post 181 zeigt das durchaus wackere Kämpfer zur Niederschlagung der Konterrevolution bereit gewesen wären.
Es war ein unbeschreibliches Glück das in Moskau kein Breshnew mehr saß und diese Kämpfer von der Schnelligkeit der Ereignisse etwas überrollt wurden.



Grenzwolf,

die sow. Truppen standen doch hinter der DDR, auch im Herbst 1989.

Generaloberst Streletz äußerte sich wie folgt zu der Problematik:

"Wer hat von wem welche Befehle erhalten bzw. wer hat wem welche Bitten vorgetragen?
Egon Krenz und ich haben am 13. Oktober 1989 nach der Beratung mit der Bezirkseinsatzleitung in Leipzig Erich Honecker den Befehl Nr.:9/89 vorgelegt.
Nach der Unterzeichnung meldete ich Erich Honecker, dass der Minister für Nationale Verteidigung befohlen habe, in der jetzigen politischen Situation keine größeren Truppenbewegungen und Truppenübungen der NVA durchzuführen.
Die Gruppe führt aber ihre Übungen mit größeren Truppenbewegungen durch.
Wenn die Truppenteile der Gruppe ihre Kasernen - vor allen Dingen in den Räumen Leipzig/ Dresden/ Potsdam/ Berlin - verlassen, kann das zu falschen Schlussfolgerungen führen. Es wäre zweckmäßig, wenn auch die Gruppe in dieser Periode keine größeren Truppenbewegungen durchführt.

Erich Honecker beauftragte mich, den Oberkommandierenden der Gruppe, Armeegeneral Snedkow, zu bitten, nach Möglichkeit in den kommenden Tagen und Wochen keine größeren Truppenübungen durchzuführen.
Am 14. Oktober 1989 habe ich diese Bitte Armeegeneral Snedkow vorgetragen, der für unser Anliegen volles Verständnis zeigte und versicherte, den Nachgeordneten die erforderlichen Weisungen zu geben. Gleichzeitig brachte er zum Ausdruck, dass die Gruppe immer bereit ist, bei Notwendigkeit den Waffenbrüdern der Nationalen Volksarmee die erforderliche Hilfe und Unterstützung zu gewähren.

Mitte Dezember 1989 war ich zu einer Beratung der Generalstabschefs des Warschauer Vertrages über die Vorbereitung der „Wiener Verhandlungen zur weiteren Abrüstung" in Moskau.
Der Oberkommandierende der Vereinten Streitkräfte und der Chef des Generalstabes der Sowjetarmee luden mich zu einem 6-Augengespräch ohne Dolmetscher ein.
Beide führenden sowjetischen Militärs äußerten sich wie folgt:

„Genosse Streletz, halte immer engen Kontakt zum Oberkommandierenden der Westgruppe, Armeegeneral Snedkow, Armeegeneral Snedkow hat die Weisung, die NVA der DDR bei Notwendigkeit, allseitig zu unterstützen."
Schlussfolgernd kann festgestellt werden:

Die Partei- und Staatsführung der DDR hat den Oberkommandierenden der West-Gruppe, Armeegeneral Snedkow, gebeten, die Truppen nach Möglichkeit in den Kasernen zu belassen.
Von einem Befehl aus Moskau für diese Maßnahme war niemals die Rede."




Rotmarkiert:
"Der Befehlshaber der sowjetischen Westgruppe General Snetkow wurde strengstens angewiesen, die sowjetischen Truppen aus der Einmischung in die Ereignisse in der DDR herauszuhalten. Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu merken, dass der Nachrichtendienst des KGB in der DDR in seinen Berichten nach Moskau hervorhob, der Militäreinsatz in der DDR müsse vollständig ausgeschlossen sein, denn er werde die schwersten Folgen haben. Auch der Chef des Generalstabes Marschall Achromejew war gegen ein gewaltsames Vorgehen."
Aus: Die DDR zwischen Mauerbau und Mauerfall, 2.Auflage



Hallo,

Du solltest immer beachten, wann, wer , was gesagt hat.

Leider war es so, dass einige Politker sich nach 1989/90 an einige Äußerungen nicht mehr korrekt erinnern wollten oder konnten
.


Ach so, und der Genosse Streletz erinnert sich als Einziger richtig, oder wie?


Intellektuelle spielen Telecaster
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#197

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 14:51
von Alfred | 6.841 Beiträge

Schuddelkind,

wer schreibt dies denn :

"Der Befehlshaber der sowjetischen Westgruppe General Snetkow wurde strengstens angewiesen, die sowjetischen Truppen aus der Einmischung in die Ereignisse in der DDR herauszuhalten. Es ist in diesem Zusammenhang interessant zu merken, dass der Nachrichtendienst des KGB in der DDR in seinen Berichten nach Moskau hervorhob, der Militäreinsatz in der DDR müsse vollständig ausgeschlossen sein, denn er werde die schwersten Folgen haben. Auch der Chef des Generalstabes Marschall Achromejew war gegen ein gewaltsames Vorgehen."


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#198

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 14:51
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #196


Ach so, und der Genosse Streletz erinnert sich als Einziger richtig, oder wie?


Scheint fast so, eine Art Erinnerungsmonopol was ja auch fleißig publiziert wird, paar kleine Erinnerungslücken mal ausgenommen.


zuletzt bearbeitet 29.12.2012 14:52 | nach oben springen

#199

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 14:53
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #194
Zitat von josy95 im Beitrag #190
Zitat von Vierkrug im Beitrag #182


(Zitat @Vierkrug Auszug)

Wenn ich heute ehemalige Verantwortliche und Organisatoren der Demos treffe und spreche, so ist es auch ein wenig der Stolz darüber, dass es durch das besonnene Handeln aller Beteiligter zu keinem "Blutbad" kam.
Was die Hilfeleistung der SU anbetrifft, so muß man differenzieren zwischen der offiziellen Position Moskaus und der der Führung der GSSD.

Vierkrug



@Vierkrug, besten Dank für diesen sehr offenen und sehr guten, denke auch mal sehr realistischen Tatsachenbericht eines Zeitzeugen!

Erkläre aber doch bitte mal, wie sich der letzte, rot markierte Satz Deines Zitates aus Deiner Sicht darstellt. Würde mich und bestimmt noch viele andsere User intersssieren. Denn der Russe als solches war immer irgendwie ein Geheimnis und auch oft sehr schwer durchschaubar...

josy95



Ich antworte gerne auf Deine Frage - schränke aber ein, dass es sich um meine rein persönliche Meinung bzw. Position handelt. Im Wesentlichem hat auch schon Alfred die Frage beantwortet.
Es waren mehrere Faktoren, die eine Rolle spielten und auch das Handeln der SU, insbesondere der sowjetischen Streitkräfte maßgeblich beeinflussten. In Moskau war man von der Breshnew-Doktrin abgekehrt und es war der Gruppe um Gorbatschow auch schon zu diesem Zeitpunkt egal, was mit der DDR passiert. Sie kungelten bereits mit Kohl hinter dem Rücken der DDR-Führung, um einen Kredit über 15 Mrd. Dollar zu bekommen, denn sie lagen bereits wirtschaftlich am Boden. Zugleich hatten sie enorme finanzielle Verpflichtungen gegenüber der DDR, denn die Außenhandelsbilanz zwischen beiden Ländern war seitens der SU finanziell nicht ausgeglichen worden. Da war die deutsche Einheit und die Opferung der DDR der Faustpfand der sowjetischen Intrige - und der Bote auf sowjetischer Seite in Bonn hieß Falin. Gorbatschow verarschte sogar Egon bei seinem Antrittsbesuch in Moskau im Vieraugengespräch. Deshalb kam Egon auch mit einer gewissen Hoffnung aus Moskau zurück, die jedoch bald platzte, spätestens nach dem Treffen zwischen Kohl und Gorbatschow im Kaukasus. Nur nebenbei bemerkt - für diesen Deal erhielt die SU von der BRD lediglich einen 5 Mrd.-Dollarkredit, der ihr aber auch nicht groß half die Probleme im eigenem Land zu lösen.
Die Führungskräfte der GSSD hätten bei einer Bitte der Partei- und Staatsführung der DDR um Hilfeleistung, diese auch getätigt. Sie waren aber auch sehr realitätsbezogen und kannten die Situation in der DDR und waren sich auch darüber im Klarem, was passieren würde, wenn sie ohne Bitte der DDR bzw. Order aus Moskau selbstständig eingegriffen und gehandelt hätten. Also auch eine sehr besonnene Handlungsweise der Genossen um Snedkow. Sie mußten aber dann auch mit ansehen, was sich in der Folge vollzog.

Auch wenn der Untergang der DDR, dessen Art und Weise bei mir Schmerzen hervorrief und auch seine Wunden hinterlassen hat, so bin ich heute dafür dankbar, dass es keine Menschenopfer in der unmittelbaren Auseinandersetzung und kein Blutbad bei diesem Umsturz gegeben hat. Opfer hat es gegeben, davon zeugen die zahlreichen Selbstmorde von ehemaligen SED-Funktionären, Staatsfunktionären, wie auch Angehörigen der bewaffneten Organe der ehemaligen DDR: Für mich der Opfer zu viele.
Im meinem letztem persönlichem Gespräch mit Egon waren wir uns auch darüber einig, dass es heute darum geht, ein reales Geschichtsbild auf die DDR zu werfen, es zu bewahren und zu vermitteln, wie auch geschichtlichen Verwerfungen entgegen zu treten. Darin sehe ich auch meine heutige Aufgabe und Verantwortung. Man kann keine Zukunft aufbauen, ohne die Fehler aus der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Vierkrug

@Vierkrug
Danke für die interessante Einschätzung der damaligen Lage. Zu den Selbstmorden habe ich folgende Frage: Aus welchem Grund haben sich diese Leute das Leben genommen ? Mussten sie Anklagen wegen Gesetzesverstößen fürchten, mussten sie Racheakte fürchten, was waren die Gründe, liegen dir da allgemeine Erkenntnisse vor?


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#200

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 29.12.2012 14:53
von Alfred | 6.841 Beiträge

Grenzwolf,

dies hat nichts mit einen Monopol zu schaffen.

Das lag wohl mehr an den Funktionen die Streletz hatte. Ich kann ja nichts dafür, dass nicht Stechbarth Chef des Hauptstabes war und Generaloberst Rheinhold nicht Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates der DDR
Und ich kann es auch nicht ändern, dass Streletz ebenfalls als Stellvertreter des Oberkommandierenden der Streitkräfte des Warschauer Vertrages für die DDR tätig war.


zuletzt bearbeitet 29.12.2012 14:56 | nach oben springen



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