#301

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:13
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #300
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #295
@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker


Leider hat es sich mancherorts so oder so ähnlich abgespielt. Obwohl ich das in dieser Art nicht selbst erlebt habe, halte ich diese Schilderung für realistisch. Ich würde aber nicht so weit gehen, alle Delinquenten nun als reine Opfer zu sehen. Wie Nostalgiker auch schrieb, die tatsächlichen Gründe in ihren Einzelheiten waren nicht immer bekannt. Die Spanne reichte wohl von ehrlich für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Situation in der DDR
Eintretenden über "Gratwanderer" bis zu klaren Gegnern der bestehenden Machtverhältnisse. Wie man es auch sieht, es waren wohl zumeist unwürdige Verfahrensweisen, die sich da abgespielt haben. Abhängig war das nach meiner Ansicht ganz stark von der Größe und Bedeutung der Firma oder Einrichtung, wo sich das abspielte und dem persönlichen Ehrgeiz der verurteilenden Leiter. Ich hatte wohl das Glück, daß mein Umkreis, auch der Politische, eine verhältnismäßig liberale Einstellung hatte.
Na Gert, nun zufrieden, daß ich jetzt nicht alles abgestritten habe ? Oder ist eine gewisse Relativierung schon was Schlechtes ?


Hall Erfurter du bist auf dem Weg der Erkenntnis. Gruß Ex-Erfurter


.
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#302

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:13
von damals wars | 12.179 Beiträge

Seit 1976 war ein Austritt aus der SED möglich.
Es musste nur erklärt werden.
Scheinbar kannte da jemand das Statut der SED nicht.

Ich hatte da mal ne Disskusion mit meinem Parteiseketär, deshalb weiß ich das so genau.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#303

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:27
von ddr-bürger (gelöscht)
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Will ja auf keinen fall die Seite wechseln, aber Papier ist geduldig. Es war zwar möglich auszutreten, aber da keine Parteiorganisation sich mit diesem Makel belasten wollte hat man versucht unter eindringlicher Diskussion den Genossen zu halten.
Es wurde da auch schon mal bei Einsicht mit Vorteilen im beruflichen Werdegang gelockt...
Im Notfall wurde das Mitglied ausgeschlossen, das war dann für die Organisation "sauberer", ein Ausschluß war ja Folge einer persönlichen Verfehlung und nicht wie der Austritt ein Zweifel an der Partei und Gesellschaft.

Und ein eindutiges Ja, das war nicht richtig und unrecht. Es hält mich aber nicht ab den Sozialismus als Vorteil zu sehen, nur hat die DDR den Sozialismus in manchen Dingen verleugnet und das wäre zu ändern gewesen.

Heute steht unter vielen Verträgen die "salvatorische Klausel", sollte ein relativ unwesentlicher Vertragspunkt nicht gültig sein so bleibt der Vertrag grundsätzlich gültig..., denke da gibt es eine Ähnlichkeit.


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#304

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 21:49
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #302
Seit 1976 war ein Austritt aus der SED möglich.
Es musste nur erklärt werden.
Scheinbar kannte da jemand das Statut der SED nicht.

Ich hatte da mal ne Disskusion mit meinem Parteiseketär, deshalb weiß ich das so genau.



Theoretisch war der Austritt möglich..., selbst war ich kein SED- Mitglied, kenne aber aus dem Kollegenkreis, von Freunden und Bekannten die oft sehr rüden Methoden, wenn es jemand wagte, mit dem Austritt aufzubegehren. Da wurden oft alle nicht gerade feinen Register gezogen. Heute würde man mabche Maßnahmen schlicht weg Mobbing oder psychische Gewalt, Körperverletzung nennen...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#305

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 05.01.2013 10:43
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #301
Zitat von DoreHolm im Beitrag #300
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #295
@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker


Leider hat es sich mancherorts so oder so ähnlich abgespielt. Obwohl ich das in dieser Art nicht selbst erlebt habe, halte ich diese Schilderung für realistisch. Ich würde aber nicht so weit gehen, alle Delinquenten nun als reine Opfer zu sehen. Wie Nostalgiker auch schrieb, die tatsächlichen Gründe in ihren Einzelheiten waren nicht immer bekannt. Die Spanne reichte wohl von ehrlich für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Situation in der DDR
Eintretenden über "Gratwanderer" bis zu klaren Gegnern der bestehenden Machtverhältnisse. Wie man es auch sieht, es waren wohl zumeist unwürdige Verfahrensweisen, die sich da abgespielt haben. Abhängig war das nach meiner Ansicht ganz stark von der Größe und Bedeutung der Firma oder Einrichtung, wo sich das abspielte und dem persönlichen Ehrgeiz der verurteilenden Leiter. Ich hatte wohl das Glück, daß mein Umkreis, auch der Politische, eine verhältnismäßig liberale Einstellung hatte.
Na Gert, nun zufrieden, daß ich jetzt nicht alles abgestritten habe ? Oder ist eine gewisse Relativierung schon was Schlechtes ?


Hall Erfurter du bist auf dem Weg der Erkenntnis. Gruß Ex-Erfurter




Diesbezüglich bin ich nicht erst auf dem Weg. Das sich solche Verfahrensweisen abgespielt haben könnten, war mir auch schon damals klar und eben weil ich sowas als unwürdig fand, habe ich mich nicht so verhalten, wenn es mal um ein klärendes Gespräch mit einem Genossen ging. Das ändert aber alles nichts an meiner bekannten Grundeinstellung zu den verschiednene Gesellschaftssystemen. Ich sage es noch mal: Nicht das System an sich ist schlecht. Die sich dieses Systems bedienenden Menschen können das bestens Gedachte versauen.



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#306

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 05.01.2013 12:13
von GKUS64 | 1.609 Beiträge

"Die sich dieses Systems bedienenden Menschen können das bestens Gedachte versauen."

Dore,
auf die Schnelle könnte man dir ja recht geben, doch bei genauerer Überlegung fragt man sich jedoch, gibt es diese Menschen überhaupt? Ich bin der Meinung sie gibt es nicht. Es müssen also in den jeweiligen Systemen Kontrollmechanismen existieren, die gierige und kriminelle Eigenschaften der Menschen in geordnete Bahnen lenken. Diese Kontrolle muss natürlich in allen Bereichen (Politik, Wirtschaft, Privatsektor) unabhängig und demokratisch wirken und das wird natürlich schon wieder kompliziert. Z.Z. ist unsere überwiegend demokratisch geführte überwiegend soziale Marktwirtschaft ein gegenüber den überwundenen Systemen ganz gut funktionierendes Gebilde, was natürlich in vielen Bereichen auch verbesserungswürdig ist. Also nach meiner Meinung ist also der richtige Rahmen bzw. das richtige System ganz wichtig, dann funktioniert es auch mit den Menschen.

Schönes Wochenende wünscht

GKUS64


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#307

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 05.01.2013 13:36
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von GKUS64 im Beitrag #306
"Die sich dieses Systems bedienenden Menschen können das bestens Gedachte versauen."

Dore,
auf die Schnelle könnte man dir ja recht geben, doch bei genauerer Überlegung fragt man sich jedoch, gibt es diese Menschen überhaupt? Ich bin der Meinung sie gibt es nicht. Es müssen also in den jeweiligen Systemen Kontrollmechanismen existieren, die gierige und kriminelle Eigenschaften der Menschen in geordnete Bahnen lenken. Diese Kontrolle muss natürlich in allen Bereichen (Politik, Wirtschaft, Privatsektor) unabhängig und demokratisch wirken und das wird natürlich schon wieder kompliziert. Z.Z. ist unsere überwiegend demokratisch geführte überwiegend soziale Marktwirtschaft ein gegenüber den überwundenen Systemen ganz gut funktionierendes Gebilde, was natürlich in vielen Bereichen auch verbesserungswürdig ist. Also nach meiner Meinung ist also der richtige Rahmen bzw. das richtige System ganz wichtig, dann funktioniert es auch mit den Menschen.

Schönes Wochenende wünscht

GKUS64



Ich würde das Funktionieren nicht an ein bestimmtes System festmachen. Unter "System" verstehe ich die überwiegend vorherrschenden Eigentumsformen an PM. Auswüchse jedes dieser Systeme sowieso ausgeschlossen (Diktatur, die physische und psychische Gewalt in großem Stil anwendet). Glaube, ddr-bürger hatte es auch so geschrieben: Eine funktionierende Soziale Marktwirtschaft, die diesen Namen verdient und in der sich die Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den von ihnen abhängig Beschäftigten als auch gegenüber Faktoren wie z.B. Umwelt verantwortungsbewußt verhalten kann für die Masse der Bevölkerung genauso akzeptabel und anziehend sein wie eine Gesellschaft mit vorwiegend gesellschaftlichem Eigentum, wenn hier ähnliche Maßstäbe an die politisch Verantwortlichen gelegt werden. Da ist es m.E. sogar zweitrangig, ob es sich um ein Ein- oder Mehrparteiensystem handelt, wenn sich die Führenden jederzeit ihrer Aufgaben und ihrer Verantwortung bewußt sind. Ich weiß, das ist Wunschdenken und Idealismus und ich weiß auch, daß der Faktor Mensch in beiden Systemen letztendlich entscheidet, wohin die Reise geht. Jedes noch so demokratische Gesetz, was Auswüchse in negative Richtungen verhindern soll, kann über den Haufen geworfen werden, sobald sich eine parlamentarische Mehrheit dazu findet und die findet sich, wenn sich nur lange genug große Anteile der Bevölkerung in ihrer sozialen Existenz massiv bedroht fühlen. Die Ursachen dafür müssen nicht unbedingt Politikerverschulden sein. Auch globale Entwicklungen, gegen die nicht wirksam gegengesteuert werden kann, können mittelfristig dazu führen.



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#308

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 05.01.2013 17:53
von StabPL | 456 Beiträge

Natürlich kann man aus einer Partei austreten, wenn man will aber bringt es etwas?
Kritik an manchen Teilen des Systems äußern, damit erreicht man vielleicht etwas mehr.
Mir hat es jedenfalls eine Parteistrafe eingebracht, dienstlich aber nicht geschadet.
Interessant ist nur, wie die Personen, welche damals für meine Parteistrafe gestimmt haben heute darüber denken.
Manche haben sich heute um 180 Grad (wenn das mal reicht!) gedreht.
StabPL



josy95 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#309

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 05.01.2013 18:40
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von StabPL im Beitrag #308
Natürlich kann man aus einer Partei austreten, wenn man will aber bringt es etwas?
Kritik an manchen Teilen des Systems äußern, damit erreicht man vielleicht etwas mehr.
Mir hat es jedenfalls eine Parteistrafe eingebracht, dienstlich aber nicht geschadet.
Interessant ist nur, wie die Personen, welche damals für meine Parteistrafe gestimmt haben heute darüber denken.
Manche haben sich heute um 180 Grad (wenn das mal reicht!) gedreht.
StabPL



@StaPl, ich weiß ja nicht, ob Du zu Deiner damaligen Parteistrafe mehr schreiben möchtest...? Wäre bestimmt interessant!

Es war ja oft so, das Menschen in der DDR, Parteimitglieder der SED waren und in ihrem Fach echt was auf dem Kasten hatten, durch diesen Umstand natürlich auch in der Lage waren, offen und sachlich Kritik zu üben. Das kam natürlich Hardlinern, Holz- und Dummköpfen gar nicht gelegen. Sie mussten einfach um ihre Pfründe fürchten, Angst haben, das ihre Faulheit, Dummheit und Unfähigkeit, vielleicht sogar manche strafbare Handlung ans Licht kamen.

(Soll ja in den s. g. großen Volksparteien heute noch so sein....)

Anderseits, in eine Partei tritt man eigentlich nur aus Überzeugung ein. Mit der SED war dies schon etwas anders. Mag sein, das nach ihrer Gründung 1946, dem von Stalin vorgegebenem Zwangszusammenschluß von KPD und SPD viele aus echter Überzeugung, die Folgen des Hitlerfaschismus noch hautnah in Erinnerung, eingetreten sind und sich haben von der geschickten und aus Moskau gesteuerten Propaganda fehlleiten lassen. Es ist m. Ea. dann irgendwann Anfang der 50-er in eine Art freiwilligen Zwang umgewandelt wurden. Dieser geschickt inszenierte aber nur im verdeckten handelnde Zwang bestand doch quasi fast bis zum Ende der DDR.

@StaPL, s ist sehr ernüchternd, wie Du darstellst, was die 180- °- Wendehälse anbelangt. Sei mir bitte nicht böse, aber hier verwende ich bezeichnend und direkt meine Interpretation *cheißhausfliegen wieder...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 05.01.2013 18:42 | nach oben springen

#310

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 05.01.2013 21:08
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #302
Seit 1976 war ein Austritt aus der SED möglich.
Es musste nur erklärt werden.
Scheinbar kannte da jemand das Statut der SED nicht.

Ich hatte da mal ne Disskusion mit meinem Parteiseketär, deshalb weiß ich das so genau.


@damals wars,

da meine ich gehst Du ein wenig blauäugig an das Thema "Austritt" aus der SED heran.
Tante Wiki sagt zu diesem Thema, "Die Mitgliedschaft in der SED endete durch Ausschluss, Austritt (Streichung) oder Tod. Ein Austritt war jedoch faktisch nicht möglich, da der betreffende abtrünnige Genosse einfach vorher ausgeschlossen wurde. Dies wurde dann als Streichung bezeichnet. Parteistrafen wie Rüge, Strenge Rüge und Ausschluss wurden durch die Parteikontrollkommissionen auf allen Parteiebenen verhängt, die über die „Einheit und Reinheit“ der Partei streng zu wachen hatten."

Unter Punkt 3 des Statuts; Das Parteimitglied hat das Recht; findet sich unter 6a) folgender Passus:
"Parteimitglieder oder Kandidaten die nicht Willens sind und nicht in die Festigkeit haben, den mit der Mitgliedschaft in der Partei verbundenen Pflichten nachzukommen, können nach Beschluß der Mitgliederversammlung der Grundorganisation und Bestätigung durch die Kreisleitung als Mitglied oder als Kandidat der Partei gestrichen werden."

Soweit der Text aus dem Statut welcher auf den ersten Blick ziemlich harmlos klingt .........
Nur wer hatte die Traute vor der APO Versammlung zu erklären das er aus der Partei auszutreten gedenke; respektive um Streichung der Mitgliedschaft zu bitten, weil er nicht Willens ist oder es ihm an Festigkeit fehlt die Pflichten eines Parteimitgliedes mit Leben zu erfüllen.
Ich erspare mir die Pflichten aufzulisten die alle zu Erfüllen waren ......

Wer das durchgezogen hat damals, ich meine nicht in der Endzeit Spätherbst '89 bis Frühjahr '90, mußte ein gewaltiges Stehvermögen haben und der hatte anschließend mit massiven Schwierigkeiten im Leben incl. Arbeit zu rechnen. Natürlich nicht aus dem Grund seines Austrittes, das nicht aber es ließen sich genügend andere "Gründe" finden um dem abtrünnigen das Leben schwer zu machen.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

josy95 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#311

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 05.01.2013 22:50
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #310
Zitat von damals wars im Beitrag #302
Seit 1976 war ein Austritt aus der SED möglich.
Es musste nur erklärt werden.
Scheinbar kannte da jemand das Statut der SED nicht.

Ich hatte da mal ne Disskusion mit meinem Parteiseketär, deshalb weiß ich das so genau.


@damals wars,

da meine ich gehst Du ein wenig blauäugig an das Thema "Austritt" aus der SED heran.
Tante Wiki sagt zu diesem Thema, "Die Mitgliedschaft in der SED endete durch Ausschluss, Austritt (Streichung) oder Tod. Ein Austritt war jedoch faktisch nicht möglich, da der betreffende abtrünnige Genosse einfach vorher ausgeschlossen wurde. Dies wurde dann als Streichung bezeichnet. Parteistrafen wie Rüge, Strenge Rüge und Ausschluss wurden durch die Parteikontrollkommissionen auf allen Parteiebenen verhängt, die über die „Einheit und Reinheit“ der Partei streng zu wachen hatten."

Unter Punkt 3 des Statuts; Das Parteimitglied hat das Recht; findet sich unter 6a) folgender Passus:
"Parteimitglieder oder Kandidaten die nicht Willens sind und nicht in die Festigkeit haben, den mit der Mitgliedschaft in der Partei verbundenen Pflichten nachzukommen, können nach Beschluß der Mitgliederversammlung der Grundorganisation und Bestätigung durch die Kreisleitung als Mitglied oder als Kandidat der Partei gestrichen werden."

Soweit der Text aus dem Statut welcher auf den ersten Blick ziemlich harmlos klingt .........
Nur wer hatte die Traute vor der APO Versammlung zu erklären das er aus der Partei auszutreten gedenke; respektive um Streichung der Mitgliedschaft zu bitten, weil er nicht Willens ist oder es ihm an Festigkeit fehlt die Pflichten eines Parteimitgliedes mit Leben zu erfüllen.
Ich erspare mir die Pflichten aufzulisten die alle zu Erfüllen waren ......

Wer das durchgezogen hat damals, ich meine nicht in der Endzeit Spätherbst '89 bis Frühjahr '90, mußte ein gewaltiges Stehvermögen haben und der hatte anschließend mit massiven Schwierigkeiten im Leben incl. Arbeit zu rechnen. Natürlich nicht aus dem Grund seines Austrittes, das nicht aber es ließen sich genügend andere "Gründe" finden um dem abtrünnigen das Leben schwer zu machen.Gruß
Nostalgiker

richtig !! das sind solche sachen die in der 'ddr' nicht korrekt waren und auch als solche angeprangert gehören !!! hatte glaube hier schon mal so was eingestellt und dies berufte sich auf erlebnisse damals mit einem befreundeten schulkammeraden !! wenn man mich so fragen würde von angsicht zu angesicht , heute , würde ich sagen ja ich vermisse eigentlich ein teil (nicht alles) von dieser 'ddr' !!! wer hat bock auf arbeitslösigkeit , abhängigkeit vom 'AMT', dessen willkür und bevormundung ??? 'freie' reisen in ferne länder ( für viele ein 'unmöglich' schlechthin) , wenn sie es bezahlen können ??? vieles wird einfach 'schön' geredet obwohl man genau weiß , das die ralität anders aussieht !! menschen verarmen immer mehr und das nicht nur in meinem umfeld !!! wer die scheuklappen mal aufmacht , erkennt das die diktatur des kapital's auch nicht besser ist wie die des proletariat's , vielleicht sogar schlimmer für das volk !!!???
PS: nur meine Meinung und kein statemend auf beitrag von @ Nostal....



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#312

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 06.01.2013 12:45
von ddr-bürger (gelöscht)
avatar

Was nützen eigentlich die vielen Parteien, wenn sie sich für Spendengelder und Einfluss zur Hure der Industrie machen?
Was nützt mir eine Regierung die den Entwurf von Gesetzentwürfen an "Spezialisten" und "Berater" aus Reihen der Industrie auslagert?

Mein Fazit - viele Parteien, ein vorordnetes Ziel - stärken der Lobby von Unternehmen!

Da kann ich sagen: Ich vermisse die "überschaubaren" Lügen (110% Planerfüllung, 99,9% Wahlteilnahme), statt der kompletten 100% verarsche!


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#313

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 06.01.2013 12:54
von Lutze | 8.039 Beiträge

meine miete zu ddr-zeizen 41,20 ost-mark (platte,1-zimmer),incl.heizung,wasser/abwasser ,strom=0,08 ost-pfennig k/wh,verdienst ca.800-900 ost-mark.....schon komisch......und heute........?????


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#314

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 06.01.2013 12:59
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #313
meine miete zu ddr-zeizen 41,20 ost-mark (platte,1-zimmer),incl.heizung,wasser/abwasser ,strom=0,08 ost-pfennig k/wh,verdienst ca.800-900 ost-mark.....schon komisch......und heute........?????


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#315

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 06.01.2013 13:13
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #313
meine miete zu ddr-zeizen 41,20 ost-mark (platte,1-zimmer),incl.heizung,wasser/abwasser ,strom=0,08 ost-pfennig k/wh,verdienst ca.800-900 ost-mark.....schon komisch......und heute........?????


Will Dir hier nur mal etwas verdeutlichen, was der Vermieter (kommunal, genossenschaftlich oder privat, ist egal) mit dieser Miete bezüglich Werterhaltung so alles machen konnte.
8-Familien Miethaus, Bj. 1938, Super Lage gleich hinter dem Dom in EF. Hypothek wegen Sannierung (Vorderfront Doppelverglasung (Holzrahmen), neue Elt-Leitungen (Alu) u. Wasser 26.000,- Mark. Kredit Tilgung u. Zinsen jährl. ca. 4.000,- Mark. Jährliche Mieteinnahmen ca. 4.500,-Mark. Bleiben ca. 500,- Mark für ungeplante reparaturen übrig (pro Jahr !). Nun sag noch was ! Und da hatten wir schon die höchst möglichen Mieten von 1,- Mark/m². Erdreistete sich doch eine Mieterin, einen Antrag beim Wohnungsamt zu stellen, ihre Miete um 2 Pfennig/m² zu senken. Aber er und sie täglich 40 oder mehr Zigaretten qualmen und an den imbisbuden essen zu gehen. Dafür war das Geld da. Übrigens, der Antrag auf Mieminderung wurde vom Amt wegen der hohen Verschuldung des Hauses abgelehnt. Also, nicht alles, was in der DDR als gut empfunden wurde, war wirklich gut.



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#316

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 06.01.2013 13:33
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #315
Zitat von Lutze im Beitrag #313
meine miete zu ddr-zeizen 41,20 ost-mark (platte,1-zimmer),incl.heizung,wasser/abwasser ,strom=0,08 ost-pfennig k/wh,verdienst ca.800-900 ost-mark.....schon komisch......und heute........?????


Will Dir hier nur mal etwas verdeutlichen, was der Vermieter (kommunal, genossenschaftlich oder privat, ist egal) mit dieser Miete bezüglich Werterhaltung so alles machen konnte.
8-Familien Miethaus, Bj. 1938, Super Lage gleich hinter dem Dom in EF. Hypothek wegen Sannierung (Vorderfront Doppelverglasung (Holzrahmen), neue Elt-Leitungen (Alu) u. Wasser 26.000,- Mark. Kredit Tilgung u. Zinsen jährl. ca. 4.000,- Mark. Jährliche Mieteinnahmen ca. 4.500,-Mark. Bleiben ca. 500,- Mark für ungeplante reparaturen übrig (pro Jahr !). Nun sag noch was ! Und da hatten wir schon die höchst möglichen Mieten von 1,- Mark/m². Erdreistete sich doch eine Mieterin, einen Antrag beim Wohnungsamt zu stellen, ihre Miete um 2 Pfennig/m² zu senken. Aber er und sie täglich 40 oder mehr Zigaretten qualmen und an den imbisbuden essen zu gehen. Dafür war das Geld da. Übrigens, der Antrag auf Mieminderung wurde vom Amt wegen der hohen Verschuldung des Hauses abgelehnt. Also, nicht alles, was in der DDR als gut empfunden wurde, war wirklich gut.

deine fakten will ich nicht bezweifeln,aber meinen mietvertrag von damals habe ich noch,ein glück auch,lebe seit 92 in s/h ,habe mal meine kollegen den mietvertrag gezeigt,wie die blöb aus der wäsche kuggen .........hab selber blöd aus der wäsche........als ich den anblick sah....


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#317

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 06.01.2013 22:39
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #315
Zitat von Lutze im Beitrag #313
meine miete zu ddr-zeizen 41,20 ost-mark (platte,1-zimmer),incl.heizung,wasser/abwasser ,strom=0,08 ost-pfennig k/wh,verdienst ca.800-900 ost-mark.....schon komisch......und heute........?????


Will Dir hier nur mal etwas verdeutlichen, was der Vermieter (kommunal, genossenschaftlich oder privat, ist egal) mit dieser Miete bezüglich Werterhaltung so alles machen konnte.
8-Familien Miethaus, Bj. 1938, Super Lage gleich hinter dem Dom in EF. Hypothek wegen Sannierung (Vorderfront Doppelverglasung (Holzrahmen), neue Elt-Leitungen (Alu) u. Wasser 26.000,- Mark. Kredit Tilgung u. Zinsen jährl. ca. 4.000,- Mark. Jährliche Mieteinnahmen ca. 4.500,-Mark. Bleiben ca. 500,- Mark für ungeplante reparaturen übrig (pro Jahr !). Nun sag noch was ! Und da hatten wir schon die höchst möglichen Mieten von 1,- Mark/m². Erdreistete sich doch eine Mieterin, einen Antrag beim Wohnungsamt zu stellen, ihre Miete um 2 Pfennig/m² zu senken. Aber er und sie täglich 40 oder mehr Zigaretten qualmen und an den imbisbuden essen zu gehen. Dafür war das Geld da. Übrigens, der Antrag auf Mieminderung wurde vom Amt wegen der hohen Verschuldung des Hauses abgelehnt. Also, nicht alles, was in der DDR als gut empfunden wurde, war wirklich gut.



das war eben das andere krasse Beispiel, wie es auch absolut nicht gehen konnte. Ich bin dieser Tage durch Zufall auf ein Video bei You Toube gestoßen, zeigte Wismar 1989. Oh je, die tristen Fassaden, alles grau in grau. Bröckelnder Putz... Ich kann mich auch noch gut an die Innen- (Alt-) städte von Quedlinburg, Nordhausen, Halberstadt, Osterwieck, also hier gleich um die Ecke, erinnern. Mancherorts traute man sich nicht zu husten oder zu niessen, weil man Angst haben mußte, das die Dachziegeln vom Dach geflogen kamen...

Gut. Gibt aber eigentlich heute noch langem niemanden das Recht, Wohnraum per Spekulation zum Wucherobjekt und für viele zum unbezahlbaren Luxusobjekt zu machen. Und wenn die vielen und von unserer Politik hoch beschworenen Selbstregulierungsmechanismen nicht funktionieren, dann muß auch in einer freien Marktwirtschaft Vater Staat mit Gesetzen eingreifen. Wenn man aber heute die Nachrichten vom Parteitag der FDP und dieses dämliche Geschwätz eines Bubis P. *ösler gehört hat, dann nennt er das ja "...Einschränkung der Freiheit...!".

Oh, lieber Gott, hilf mir. Von was für umnachteten Typen werden wir nur regiert...!


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 06.01.2013 22:45 | nach oben springen

#318

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 07.01.2013 11:23
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #317
Zitat von DoreHolm im Beitrag #315
Zitat von Lutze im Beitrag #313
meine miete zu ddr-zeizen 41,20 ost-mark (platte,1-zimmer),incl.heizung,wasser/abwasser ,strom=0,08 ost-pfennig k/wh,verdienst ca.800-900 ost-mark.....schon komisch......und heute........?????


Will Dir hier nur mal etwas verdeutlichen, was der Vermieter (kommunal, genossenschaftlich oder privat, ist egal) mit dieser Miete bezüglich Werterhaltung so alles machen konnte.
8-Familien Miethaus, Bj. 1938, Super Lage gleich hinter dem Dom in EF. Hypothek wegen Sannierung (Vorderfront Doppelverglasung (Holzrahmen), neue Elt-Leitungen (Alu) u. Wasser 26.000,- Mark. Kredit Tilgung u. Zinsen jährl. ca. 4.000,- Mark. Jährliche Mieteinnahmen ca. 4.500,-Mark. Bleiben ca. 500,- Mark für ungeplante reparaturen übrig (pro Jahr !). Nun sag noch was ! Und da hatten wir schon die höchst möglichen Mieten von 1,- Mark/m². Erdreistete sich doch eine Mieterin, einen Antrag beim Wohnungsamt zu stellen, ihre Miete um 2 Pfennig/m² zu senken. Aber er und sie täglich 40 oder mehr Zigaretten qualmen und an den imbisbuden essen zu gehen. Dafür war das Geld da. Übrigens, der Antrag auf Mieminderung wurde vom Amt wegen der hohen Verschuldung des Hauses abgelehnt. Also, nicht alles, was in der DDR als gut empfunden wurde, war wirklich gut.



das war eben das andere krasse Beispiel, wie es auch absolut nicht gehen konnte. Ich bin dieser Tage durch Zufall auf ein Video bei You Toube gestoßen, zeigte Wismar 1989. Oh je, die tristen Fassaden, alles grau in grau. Bröckelnder Putz... Ich kann mich auch noch gut an die Innen- (Alt-) städte von Quedlinburg, Nordhausen, Halberstadt, Osterwieck, also hier gleich um die Ecke, erinnern. Mancherorts traute man sich nicht zu husten oder zu niessen, weil man Angst haben mußte, das die Dachziegeln vom Dach geflogen kamen...

Gut. Gibt aber eigentlich heute noch langem niemanden das Recht, Wohnraum per Spekulation zum Wucherobjekt und für viele zum unbezahlbaren Luxusobjekt zu machen. Und wenn die vielen und von unserer Politik hoch beschworenen Selbstregulierungsmechanismen nicht funktionieren, dann muß auch in einer freien Marktwirtschaft Vater Staat mit Gesetzen eingreifen. Wenn man aber heute die Nachrichten vom Parteitag der FDP und dieses dämliche Geschwätz eines Bubis P. *ösler gehört hat, dann nennt er das ja "...Einschränkung der Freiheit...!".

Oh, lieber Gott, hilf mir. Von was für umnachteten Typen werden wir nur regiert...!


josy95


Das ist das andere Extrem zu meinem Beitrag oben. Habe in den 90ern Teile meiner Sammlung verkauft und alles, was vom Gehalt übrig war in´s Haus gesteckt, um die Bank bedienen zu können. Leerstände, laufende Mieterwechsel daß es eine "Freude" war, Mietschuldner, Instandsetzung von beschädigten Wohnungen auf meine Kosten, Gerichtskosten u.a. Die Lage verbesserte sich erst, als durch Abriss von Plattenbauten die Auslastung besser wurde und wir konsequent nur dann den Schlüssel rausrückten, wenn zwei Kaltmieten Kaution bei der Bank lagen. Ende 2007 war die Immobilienlage so, daß wir das Haus zu einem akzeptablen Preis verkaufen konnten. Praktisch kann ich sagen, das Haus hat uns nervlich und finanziell ca. 15 Jahre unseres Lebens gekostet. Deshalb reagiere ich immer etwas allergisch, wenn in den Medien von den "bösen Vermietern" gesprochen wird. Die gab es, zweifellos und man sollte da immer beide Seiten hören. Unsere Devise beim Umgang mit den Mietern war: Leben und leben lassen, d.h., wir gestatten den Mietern größtmögliche Freiheit, die sollen aber auch uns nicht mit jedem Pfortz behelligen. Hat leider nicht immer geklappt.



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#319

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 07.01.2013 12:02
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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In Chemnitz z.B. sind die Kaltmieten im Keller, da ist nix mit Spekulation, hier gab es bis zu 45% Leerstand.
Objekte die sich z.B. in Hand der Real Estate befanden werden buchstäblich "verklitscht".
Die Banken geben schon seit Jahren so gut wie keine Kredite mehr im Miet-Immobiliensektor, ist pauschal als Risikokapital eingestuft.
Eine Hütte mit 8 Mietparteien in München zu erben ist der Hauptgewinn, Kaufen kann das wohl keiner mehr so recht.
Ich war mit einem Kollegen in München Innenstadt unterwegs, Potemkinsche Dörfer, außen top, innen 50er-Jahrestandart so richtig mit Oelsockeln und teilweise Aufputzinstallation, so etwas bekommst du hier im im Osten nimmermehr vermittelt und dort gehen solche Wohnungen weg wie warme Semmeln, ein Traum.


zuletzt bearbeitet 07.01.2013 12:12 | nach oben springen

#320

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 07.01.2013 18:18
von PF75 | 3.294 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #319
In Chemnitz z.B. sind die Kaltmieten im Keller, da ist nix mit Spekulation, hier gab es bis zu 45% Leerstand.
Objekte die sich z.B. in Hand der Real Estate befanden werden buchstäblich "verklitscht".
Die Banken geben schon seit Jahren so gut wie keine Kredite mehr im Miet-Immobiliensektor, ist pauschal als Risikokapital eingestuft.
Eine Hütte mit 8 Mietparteien in München zu erben ist der Hauptgewinn, Kaufen kann das wohl keiner mehr so recht.
Ich war mit einem Kollegen in München Innenstadt unterwegs, Potemkinsche Dörfer, außen top, innen 50er-Jahrestandart so richtig mit Oelsockeln und teilweise Aufputzinstallation, so etwas bekommst du hier im im Osten nimmermehr vermittelt und dort gehen solche Wohnungen weg wie warme Semmeln, ein Traum.




Einige Leute finden das aber schick,habe selber alte Bauerhäuser mit umgebaut, E-Anlage -Aufputz/schwarz 30-iger Jahrestil.


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