#281

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 15:49
von StabsfeldKoenig | 2.654 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #260
Zitat von Rüganer im Beitrag #253
DoreHolm,

mal ganz simpel gefragt?

...... in der DDR bei einer vergleichsweise ökonomischen Gleichwertigkeit mit der BRD.....
Zitat von Dir

glaubst Du ernsthaft, dass dieses jemals so gekommen wäre, eine ökonomische Gleichwertigkeit?
Allein die führende Rolle der Arbeiter - u. Bauernklasse steht diesem doch schon im Wege, du als Wissender solltest doch noch in Erinnerung haben, dass der Meister weniger verdiente, als der Facharbeiter mit der Lohngruppe VIII, geschweige denn der Ingenieur.
Die Ökonomie wurde doch durch diesen Anspruch völlig auf den Kopf gestellt, da ging es doch schon los.
Du selbst kennst doch auch noch dieses geflügelte Wort:"aus unseren Betrieben ist noch viel mehr herauszuholen". Wie auch immer man dies deuten will, es kennzeichnet doch den Fakt, dass sich keiner um die Effektivität kümmerte, dies wurde doch auf dem Papier hingerechnet und gut war es..
in der DDR betrieb man doch eine Art Selbsttäuschung, indem man sich Vorgaben stellte und sie schon bei der Nennung nicht erfüllen konnte, auf dem Papier aber erledigte man dies zu 100 Prozent, siehe nur Einhaltung der Treibstoffkontingente. Wimre hat selbst @feliks irgendwann darüber egschrieben, dass sie da bei den zuständigen Organen privat tankten, um fahren zu können. Schöner Beschiss bei der Einhaltung der Kontingente...
Schau dir die Landwirtschaft in deiner Gegend an, wie viele arbeiten da heute auf der Fläche, und nun vergleiche dies mal mit den DDR - Zeiten. Meinst du nicht, dass dies damals auch schon möglich gewesen wäre, wenn - ja wenn man investiert hätte, wenn man rationalisiert hätte und wenn man sich unter Umständen auch mal auf der anderen Seite was abgekupfert hätte, nicht nur von der Sowjetunion gelernt hätte? Aber dann wäre es ja in die Richtung Ausbeutung gegangen und die war ja abgeschafft worden. Dann hätte der Betriebsleiter ja Anreize schaffen müssen, hätte auch wie ein heutiger Manager verdienen wollen und schon wäre es an die politisch / ideologischen Grenzen gestoßen. Dieses System der DDR hätte niemals mit dem der Bundesrepublik gleichziehen können, da hatte man sich selber schon einen ideologischen Knüppeldamm gebaut.

der Rüganer


Die Chanche war m.E. am Anfang da. Mit der ökonomischen Gleichwertigkeit wollte ich auch nur Gert seinen genannten Gründen widersprechen. Seine Gründe waren ein Teil der Wirkung, nicht der Ursache. Die führende Rolle der AK wurde weit übertrieben. Gedacht war sie politisch, nämlich die bisherige Ungleichheit der Bildungschanchen auszugleichen. Ist heute nicht viel anders (siehe PISA, ungleiche Bildungschanchen abhängig vom Geldbeutel der Eltern, Frauenquote u.v.m.). Ein Unding war, daß später die Söhne u. Töchtern von Arbeitern u. Bauern, die studiert hatten, plötzlich nicht mehr zur AK zählten und somit im Zweifelsfalle deren Kindern in gewisser Weise benachteiligt wurden, wenn eine Stelle auf zwei nahezu gleichwertige Bewerber kam und einer davon eben jenes Akademikerkind mit AK-Großeltern, das Andere aber ein (noch) Arbeiterkind war. Warum fällt mir jetzt gerade Sarrazin mit seinen Ausführungen von Vererbbarkeit ein ?
Das mit der Bezahlung hatte ich doch angesprochen, die Negierung des Leistungsprinzipes. Ich hatte es durch nach dem Fernstudium, meine Frau ebenso, nachdem sie ihren Meister hatte.
Nun, daß sich keiner um die Effektivität kümmerte, das wird abhängig von der Einstellung zu seinem Job jedes Einzelnen sein. Mir war die Effektivität absolut nicht gleichgültig, allerdings waren einem durch vielfache Richtlinien die Hände gebunden, auch durch die Gewerkschaften. Ein Arbeiter mußte schon einiges verzapft haben, bevor er in Regress ging. Das grenzte schon manchmal an Narrenfreiheit. Meine Frau erzählte von einem Kollegen, bei dem nach seinen "glaubhaften" Schilderungen immer frühs ein Löwe vor der Tür gestanden hatte und er dadurch nicht zur Arbeit konnte. Eine Kollegin ging mit ihrer Tochter immer zum Arzt, wenn sie keine Lust hatte. Ein Grund für Krankschreibung fand sich immer. So mancher hat seine 6 Wochen bezahlte Krankschreibung immer ausgenutzt. Im Frühling und im Herbst, wenn die meisten Arbeiten auf der Datsche zu erledigen waren. Wir bekamen mal einen einer nationalen Minderheit zugehörigen jüngeren Kollegen zugewiesen. Seine Normerfüllung betrug max. ca. 50%. (der Durchschnitt der Kollegen lag bei 120% bei einer AZ-Auslastung von ca.2/3 der täglichen AZ). Damit er auf seinen Mindestlohn kam, wurde ihm die fehlende Zeit als Durchschnitt geschrieben. Solche und ähnliche Verhaltensweisen war mit ein Grund für den Niedergang einer Idee. Du rennst bei mir weitgehend offene Türen ein mit Deinen Argumenten. Du kannst ruhig davon ausgehen, daß die Ökonomen und Techniker in den Industriebetrieben die Probleme genau kannten und die ökonomischen Gesetze und ihre Wirkung, insbes. bei Nichtbeachtung derer, ihnen völlig klar war. Ich habe damals schon die Meinung vertreten, daß 2 - 3 % offizielle Arbeitslose uns nicht schaden würden. Das wären einmal die, die sowieso nicht arbeiten gehen und aus der Statistik heruasgerechnet wurden. Die saßen auch damals schon mit der Pulle am Vormittag auf der Parkbank oder hielten sich an einem Schein-Arbeitsplatz fest. Die Firmen müßten dann nicht mehr jeden Schrutz nehmen oder der Kaderleiter zum Kollegen nach Hause fahren, um ihn höflich zu fragen, ob er denn nicht auf Arbeit kommen würde, da er dringend gebraucht würde. Als Arbeitsnormer war mir klar, daß wir von unseren ca. 200 Beschäftigten sofort ca. 10% entöassen könnten, ohne daß etwas zusammenbricht. Das betraf nicht nur die Produktions- u. Produktionshilfsbereiche, sondern auch die Verwaltung.



Die Debatte über Arbeitslose in der DDR ist insofern unsinnig, da es mehr freie Arbeitsplätze gab, als Personen, die Arbeit suchten. Fast jeder Betrieb hatte am Tor Tafel mit der Aufschrift "Wir stellen aus der nicht berufstätigen Bevölkerung ein: ... ". Darüber hinaus wären bei einer umfassenden Wirtschaftsreform mit Arbeitsplatzabbau in der Industrie neue Arbeitsplätze im Bereich diverser Dienstleistungen neu entstanden, es sei denn man hätte ein unsinniges "Wachstumsverbot" per Planwirtschaft angeordet, um Arbeitslose künstlich zu erzeugen.



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#282

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 16:29
von eisenringtheo | 9.182 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #281

Die Debatte über Arbeitslose in der DDR ist insofern unsinnig, da es mehr freie Arbeitsplätze gab, als Personen, die Arbeit suchten. Fast jeder Betrieb hatte am Tor Tafel mit der Aufschrift "Wir stellen aus der nicht berufstätigen Bevölkerung ein: ... ". Darüber hinaus wären bei einer umfassenden Wirtschaftsreform mit Arbeitsplatzabbau in der Industrie neue Arbeitsplätze im Bereich diverser Dienstleistungen neu entstanden, es sei denn man hätte ein unsinniges "Wachstumsverbot" per Planwirtschaft angeordet, um Arbeitslose künstlich zu erzeugen.


Das fett markierte ist interessant: War es verboten (oder nur verpönt), dass Betriebe einander die Arbeitskräfte abwarben? Stelleninserate oder Stellengesuche habe ich in den Zeitungen kaum entdeckt (Zeitraum 1984 bis 1989).
Theo


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#283

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 16:41
von ddr-bürger (gelöscht)
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In den letzten Jahren der DDR gab es auch das "Amt für Arbeit" zur Lenkung der Arbeitsplätze bzw. besetzen. Kann mich da so dunkel erinnern...


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#284

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 16:44
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Stellenanzeigen gab es an fast jedem DDR-Betrieb am Eingang. Das Amt für Arbeit hat ebenfalls Auskunft über freie Stellen gegeben. Man konnte aber auch auf gut Glück, einfach bei der Kaderleitung eines Betriebes vor stellig werden.
In den 70er Jahren gab es für Beschäftigte der Land-und Forstwirtschaft, des Bauwesens und der Deutschen Reichsbahn Einstellungsbeschränkungen in anderen Branchen. Man benötigte eine Freigabe des Betriebes, um einen branchenfremden Job zu bekommen. Jedenfalls war das die Theorie.


zuletzt bearbeitet 03.01.2013 16:45 | nach oben springen

#285

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 17:02
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #282
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #281

Die Debatte über Arbeitslose in der DDR ist insofern unsinnig, da es mehr freie Arbeitsplätze gab, als Personen, die Arbeit suchten. Fast jeder Betrieb hatte am Tor Tafel mit der Aufschrift "Wir stellen aus der nicht berufstätigen Bevölkerung ein: ... ". Darüber hinaus wären bei einer umfassenden Wirtschaftsreform mit Arbeitsplatzabbau in der Industrie neue Arbeitsplätze im Bereich diverser Dienstleistungen neu entstanden, es sei denn man hätte ein unsinniges "Wachstumsverbot" per Planwirtschaft angeordet, um Arbeitslose künstlich zu erzeugen.


Das fett markierte ist interessant: War es verboten (oder nur verpönt), dass Betriebe einander die Arbeitskräfte abwarben? Stelleninserate oder Stellengesuche habe ich in den Zeitungen kaum entdeckt (Zeitraum 1984 bis 1989).
Theo



Nun Theo,dies Thema hatten wie irgendwann schon mal....egal

Territorial sagen wir mal auf Kreisebene,also in einem Wirtschaftsgebiet das Kreisfaktor (Kreisstadt)hatte gabs je Monat eine sogenannte BD Tagung(Betriebsdirektorentagung) in der Regel Genossen/Nicht Genossen waren in den Normenklaturkadern eher selten,....es sei denn insgeheim hat die "Partei"dieser oder jener Person das "Vertrauen"ausgesprochen.
Diese Personen waren i.d.R. Stellvertreter eines BDs Betriebsdirektors (z.B. der Oekonomiedirektor,der Chef Technik,der Direktor Absatz und Beschaffung etc.....
In der Regel fanden diese BD Tagungen im Rat des Kreises beim 1.Wirtschaftssekretaer statt....
Also kamen dort alle BDs eines Kreises zusammen.....dort konnten schon mal die Fetzen fliegen,wenn all zu Viele Arbeiter aus einem Betrieb in den anderen wechseln wollten...was den jeweiligen Kaderabteilungen(Personalabteilungen)natuerlich nicht verborgen blieb...der Dorffunk hat schon funktioniert!

Nein es war in der DDR nicht gewuenscht,das Personal mal sehr schnell wechselte....andersrum kannten sich ja alle.....
Wer sass denn in den leitenden Positionen...da gings um Wohnraum...Kindergarten etc....
Wer wchseln wollte ohne "Einverstaaendnis"der Abteilungen konnte es schwer haben.
Andere Sache,ein Betrieb wie ein Kernkraftwerk(suche nach Maschinisten) ein Expotbetrieb oder in der LVO Produktion hatte Mangel....
nun was wichtig ist wichtig,da half auch oft eine Intervention vom bisherigen Betrieb nicht viel.....Weil eben wichtig!!!
Zuweilen waren diese Sitzungen wirklich manchmal ein Buch wert....

P.S. Es kam natuerlich immer darauf an ob die1. Larve in Sachen Wirtschaft...wirklich Ahnung hatte vom Geschaeft oder ob Der schon vor Jahren im Kopf abgeschlossen hatte und es nur noch um das Beschreiben von Papier ging.
Wie immer im Leben gabs verschiedene Persoenlichkeiten.


Gruessli BO


zuletzt bearbeitet 03.01.2013 17:07 | nach oben springen

#286

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 17:26
von Grstungen386 | 597 Beiträge

Ich vermisse das Redeverbot für Betrugsbanker, die uns täglich mit ihren Unverschämtheiten blöde kommen. Ausserdem denke ich ständig die beherzte Rechtssprechung der DDR in Bezug auf Sabotage und Zerstörung von Volkseigentum. Einer der in den fünfziger Jahren nur ganz knapp der Richterin Hilde Benjamin vom Schafott gehopst wäre ist der ehemalige Bahnchef Mehdorn, der im dritten Reich bestimmt auch dem gesunden Volksempfinden wegen Sabotage zum Opfer gefallen wäre......Selbiger Mehdorn erdreistet sich nun als Air-Berlin Chefsich über Flughafenverzug zu mokieren...



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#287

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 18:09
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Grstungen386 im Beitrag #286
Ich vermisse das Redeverbot für Betrugsbanker, die uns täglich mit ihren Unverschämtheiten blöde kommen. Ausserdem denke ich ständig die beherzte Rechtssprechung der DDR in Bezug auf Sabotage und Zerstörung von Volkseigentum. Einer der in den fünfziger Jahren nur ganz knapp der Richterin Hilde Benjamin vom Schafott gehopst wäre ist der ehemalige Bahnchef Mehdorn, der im dritten Reich bestimmt auch dem gesunden Volksempfinden wegen Sabotage zum Opfer gefallen wäre......Selbiger Mehdorn erdreistet sich nun als Air-Berlin Chefsich über Flughafenverzug zu mokieren...


Nun ja, trotz aller Kampfesstimmung wäre vielleicht doch etwas Nachdenken vorm Losschreiben angebracht.


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#288

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 18:25
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #282
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #281

Die Debatte über Arbeitslose in der DDR ist insofern unsinnig, da es mehr freie Arbeitsplätze gab, als Personen, die Arbeit suchten. Fast jeder Betrieb hatte am Tor Tafel mit der Aufschrift "Wir stellen aus der nicht berufstätigen Bevölkerung ein: ... ". Darüber hinaus wären bei einer umfassenden Wirtschaftsreform mit Arbeitsplatzabbau in der Industrie neue Arbeitsplätze im Bereich diverser Dienstleistungen neu entstanden, es sei denn man hätte ein unsinniges "Wachstumsverbot" per Planwirtschaft angeordet, um Arbeitslose künstlich zu erzeugen.


Das fett markierte ist interessant: War es verboten (oder nur verpönt), dass Betriebe einander die Arbeitskräfte abwarben? Stelleninserate oder Stellengesuche habe ich in den Zeitungen kaum entdeckt (Zeitraum 1984 bis 1989).
Theo


@Theo, natürlich war es nicht verboten, es war nur nicht erwünscht!
Außerdem, eine Überschrift "Wir stellen aus der berufstätigen Bevölkerung ein: ....." hätte etwas merkwürdig geklungen.
Ich kann mich mehr an dei verkürzte Form erinnern: "Wir stellen ein: ....."

Stellengesuche in den Zeitungen waren durchaus vorhanden, weniger im ND dafür aber mehr in der "Tribüne" oder den bezirklichen Blättern oder der 'Wochenpost'.
Selber habe ich 1978 ein Stellengesuch aufgegeben, in der Berliner, einfach aus dem Grund weil ich nach Berlin wollte.
Ich bekam ungefähr 30 Zuschriften von Betrieben, Instituten etc., konnte mir also aus den Angeboten aussuchen wo ich vorspreche und dann anfange .....
Später hat 'man' auf Empfehlung gewechselt, im entsprechenden Betrieb etc. einfach vorgesprochen. Eine Stelle bekam man immer angeboten.....

Stellenanzeigen gab es auch, wenn auch sporadisch und sehr selten.
Denn jede Stellenanzeige eines Betriebes in einer Zeitung war Genehmigungspflichtig durch das Staatssekretariat für Arbeit und Löhne. (Hatte die Aufgaben und Befugnisse eines Ministeriums in der DDR, war bloß keines. Es gab noch ein weiteres 'Staatssekretariat', nämlich das für Kirchenfragen)
Wurde die Stellenanzeige durch das Staatssekretariat nach eingehender Prüfung genehmigt, gab es ein amtliche Genehmigung mit Nummer welche auch in der Stellenanzeige abgedruckt werden mußte. Außerdem wurde mit der Genehmigung festgelegt ob die Anzeige in einem regionalen Presseerzeugnis oder überregional veröffentlicht wurde und wie oft......
Hintergrund der staatlichen Kontrolle von Stellenanzeigen war unter anderem eine unkrontrollierte Bevölkerungsbewegung innerhalb des Landes zu vermeiden und dann war doch ein weiterer Grund, ich sage nur: Wohnraum........
Denn wenn ein Betrieb, sage mal insgesamt 50 oder 100 Stellen zu besetzen hatte mußte er im Antrag zur Veröffentlichung einer Stellenanzeige auch nachweisen welche Möglichkeiten es vor Ort gab um die AK und deren Familien Wohnungsmäßig unterzubringen.
Stellenanzeigen mit denen Einzelstellen besetzt werden sollten wurden nicht genehmigt, solch ein Ansinnen wurde auch nicht gestellt. Dafür "gab" es die Schilder am Werkstor und/oder die Stellengesuche in der Zeitung auf die die Kaderabteilungen oder direkt die Fachbereiche reagierten.....

Es stimmt auch das es für bestimmte Berufsgruppen und/oder Industriezweige in denen besonders starke Fluktuation herrschte, einen Einstellungstop in anderen Betrieben gab. Im Zusammenspiel Industrieministerien/SfAL wurde die entsprechende Order über Rat des Bezirkes --> RdK an die Kaderabteilungen durchgestellt.
Solche Entscheidungen konnten ebenfalls zeitlich befristet sein.

Arbeitsämter gab es in der DDR die ganze Zeit, sie waren dem bereits genannten Staatssekretariat unterstellt und bei den Räten der Kreise angesiedelt.

@DoreHolm, die Idee mit den Arbeitslosen und sei es nur ein "Quotenarbeitsloser" um dem Rest der Arbeitsunwilligen in der DDR zu zeigen so geht es auch wenn ihr euch nicht an gesellschaftliche Normen haltet, von mir an falscher Stelle vor falschen Leuten geäußert brachte anschließend ein wenig Leben ins triste "Parteileben", endlich mal wieder eine Versammlung mit Kritik und Selbstkritik, flammenden Dikussionsbeiträgen über die große Linie, Wachsamkeit, Abweichlertum, ideologische Verwirrung und zum Schluß eine Parteistrafe.........
Ach war sowas schön, besonders wenn es einen nicht selbst traf ......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#289

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 19:10
von Oss`n | 2.779 Beiträge

Zitat von StabPL im Beitrag #1
Gibt es etwas, was man mit dem Untergang der DDR vermisst?
z.B. niedrige Mieten, niedrige Steuern, das Schulsystem, der bessere Umgang miteinander.....
StabPL




Den Umgang von Mensch zu Mensch !


Spucke nie in einen Brunnen - es könnte sein, du mußt mal daraus trinken !
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#290

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 23:19
von DoreHolm | 7.706 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #288
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #282
Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #281

Die Debatte über Arbeitslose in der DDR ist insofern unsinnig, da es mehr freie Arbeitsplätze gab, als Personen, die Arbeit suchten. Fast jeder Betrieb hatte am Tor Tafel mit der Aufschrift "Wir stellen aus der nicht berufstätigen Bevölkerung ein: ... ". Darüber hinaus wären bei einer umfassenden Wirtschaftsreform mit Arbeitsplatzabbau in der Industrie neue Arbeitsplätze im Bereich diverser Dienstleistungen neu entstanden, es sei denn man hätte ein unsinniges "Wachstumsverbot" per Planwirtschaft angeordet, um Arbeitslose künstlich zu erzeugen.


Das fett markierte ist interessant: War es verboten (oder nur verpönt), dass Betriebe einander die Arbeitskräfte abwarben? Stelleninserate oder Stellengesuche habe ich in den Zeitungen kaum entdeckt (Zeitraum 1984 bis 1989).
Theo


@Theo, natürlich war es nicht verboten, es war nur nicht erwünscht!
Außerdem, eine Überschrift "Wir stellen aus der berufstätigen Bevölkerung ein: ....." hätte etwas merkwürdig geklungen.
Ich kann mich mehr an dei verkürzte Form erinnern: "Wir stellen ein: ....."

Stellengesuche in den Zeitungen waren durchaus vorhanden, weniger im ND dafür aber mehr in der "Tribüne" oder den bezirklichen Blättern oder der 'Wochenpost'.
Selber habe ich 1978 ein Stellengesuch aufgegeben, in der Berliner, einfach aus dem Grund weil ich nach Berlin wollte.
Ich bekam ungefähr 30 Zuschriften von Betrieben, Instituten etc., konnte mir also aus den Angeboten aussuchen wo ich vorspreche und dann anfange .....
Später hat 'man' auf Empfehlung gewechselt, im entsprechenden Betrieb etc. einfach vorgesprochen. Eine Stelle bekam man immer angeboten.....

Stellenanzeigen gab es auch, wenn auch sporadisch und sehr selten.
Denn jede Stellenanzeige eines Betriebes in einer Zeitung war Genehmigungspflichtig durch das Staatssekretariat für Arbeit und Löhne. (Hatte die Aufgaben und Befugnisse eines Ministeriums in der DDR, war bloß keines. Es gab noch ein weiteres 'Staatssekretariat', nämlich das für Kirchenfragen)
Wurde die Stellenanzeige durch das Staatssekretariat nach eingehender Prüfung genehmigt, gab es ein amtliche Genehmigung mit Nummer welche auch in der Stellenanzeige abgedruckt werden mußte. Außerdem wurde mit der Genehmigung festgelegt ob die Anzeige in einem regionalen Presseerzeugnis oder überregional veröffentlicht wurde und wie oft......
Hintergrund der staatlichen Kontrolle von Stellenanzeigen war unter anderem eine unkrontrollierte Bevölkerungsbewegung innerhalb des Landes zu vermeiden und dann war doch ein weiterer Grund, ich sage nur: Wohnraum........
Denn wenn ein Betrieb, sage mal insgesamt 50 oder 100 Stellen zu besetzen hatte mußte er im Antrag zur Veröffentlichung einer Stellenanzeige auch nachweisen welche Möglichkeiten es vor Ort gab um die AK und deren Familien Wohnungsmäßig unterzubringen.
Stellenanzeigen mit denen Einzelstellen besetzt werden sollten wurden nicht genehmigt, solch ein Ansinnen wurde auch nicht gestellt. Dafür "gab" es die Schilder am Werkstor und/oder die Stellengesuche in der Zeitung auf die die Kaderabteilungen oder direkt die Fachbereiche reagierten.....

Es stimmt auch das es für bestimmte Berufsgruppen und/oder Industriezweige in denen besonders starke Fluktuation herrschte, einen Einstellungstop in anderen Betrieben gab. Im Zusammenspiel Industrieministerien/SfAL wurde die entsprechende Order über Rat des Bezirkes --> RdK an die Kaderabteilungen durchgestellt.
Solche Entscheidungen konnten ebenfalls zeitlich befristet sein.

Arbeitsämter gab es in der DDR die ganze Zeit, sie waren dem bereits genannten Staatssekretariat unterstellt und bei den Räten der Kreise angesiedelt.

@DoreHolm, die Idee mit den Arbeitslosen und sei es nur ein "Quotenarbeitsloser" um dem Rest der Arbeitsunwilligen in der DDR zu zeigen so geht es auch wenn ihr euch nicht an gesellschaftliche Normen haltet, von mir an falscher Stelle vor falschen Leuten geäußert brachte anschließend ein wenig Leben ins triste "Parteileben", endlich mal wieder eine Versammlung mit Kritik und Selbstkritik, flammenden Dikussionsbeiträgen über die große Linie, Wachsamkeit, Abweichlertum, ideologische Verwirrung und zum Schluß eine Parteistrafe.........
Ach war sowas schön, besonders wenn es einen nicht selbst traf ......

Gruß
Nostalgiker


Nostalgiker, ich war PS, als ich diese Ansicht öffentlich geäußert habe und mir ist nichts passiert. Ich hätte auch dazu gestanden, genau wie ich (ich schrieb es schon mal), als ich als Grenzer gegenüber meinem "Gesprächspartner" (wegen illegalem Westradio hören) die Unfehlbarkeit der SED angezweifelt habe. Du, ich habe an dem Posten als PS nicht geklebt, daher konnte ich mir ein klares Wort leisten.



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#291

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 03.01.2013 23:29
von DoreHolm | 7.706 Beiträge

Bezüglich Arbeitsplatzwechsel: Meine Absicht war damals al junger Mensch, einige Jahre zu pendeln, also mal da und mal dort zu arbeiten, bevor ich micht seßhaft mache. Gelernt in Leuna und dann noch ein knappes Jahr als Chemiefscharbeiter. Mein Kündigungsgespräch war haarig. Eine Gruppe von etwa vier oder fünf Leuten redeten auf mich ein und ich hatte den Eindruck, daß sie mich zu unbedachten Äußerungen provozieren wollten. Ich blieb "cool", wie man heute sagen würde, ließ alles gelassen an mir abprallen und sie mußten mich gehen lassen. Ich fing in EF in einem Industriekühlschrankbetrieb an als Laborant. Dann NVA. Danach wollte ich raus aus der Chemie und bewarb mich im Chemieanlagenbau Rudisleben mit der Option, zum Anlagenbauer ausgebildet zu werden. Bis dahin als Kranfahrer. Irgendiwe zog sich das mit der Quali hin und unser nachbar bot mir an, bei ihm anzufangen. Option Fernstudium Verfahrenstechniker Chemie. Dort bin ich dann hängen geblieben. Wäre das so nicht gekommen, hatte ich mich schon in Schwedt beworben (nicht im NVA-Knast) und zwar im PCK. Hatte schon positive Vorabauskunft. Also wer behauptet, es gab in der DDR keine freie Arbeitsplatzwahl, der weiß nicht, wovon er redet. Bis auf die Ausnahmen eben, wenn es besonders wichtige Industriebereiche ging, wo unbedingt die Arbeitskräftelage gesichert sein mußte. Aber Umwege gab es da auch.



Schmiernippel und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#292

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 10:13
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #290


Zitat
@DoreHolm, die Idee mit den Arbeitslosen und sei es nur ein "Quotenarbeitsloser" um dem Rest der Arbeitsunwilligen in der DDR zu zeigen so geht es auch wenn ihr euch nicht an gesellschaftliche Normen haltet, von mir an falscher Stelle vor falschen Leuten geäußert brachte anschließend ein wenig Leben ins triste "Parteileben", endlich mal wieder eine Versammlung mit Kritik und Selbstkritik, flammenden Dikussionsbeiträgen über die große Linie, Wachsamkeit, Abweichlertum, ideologische Verwirrung und zum Schluß eine Parteistrafe.........
Ach war sowas schön, besonders wenn es einen nicht selbst traf ......

Gruß
Nostalgiker


Nostalgiker, ich war PS, als ich diese Ansicht öffentlich geäußert habe und mir ist nichts passiert. Ich hätte auch dazu gestanden, genau wie ich (ich schrieb es schon mal), als ich als Grenzer gegenüber meinem "Gesprächspartner" (wegen illegalem Westradio hören) die Unfehlbarkeit der SED angezweifelt habe. Du, ich habe an dem Posten als PS nicht geklebt, daher konnte ich mir ein klares Wort leisten.



@DoreHolm, da magst Du durchaus Recht haben, denn es ist Dein Erleben und meins war meins. Ich möchte jetzt nicht wissen was "öffentlich" bedeutet aber bestimmt nicht zentrale Parteiaktivtagung zum Beispiel .............
Außerdem ist es meines Erachtens auch damals ein Unterschied gewesen ob ich solche Sachen im Umfeld der Produktion oder im Umfeld Staatsapparat äußere...... sozialistische Bürokraten waren besonders mies drauf und ständig schlecht gelaunt, jedenfalls die meisten und meinten dann sie müßten besonders revolutionär sein indem sie ihren unerschütterlichen Klassenstandpunkt besonders konsequent heraushängen ließen........

Die eigene Unsicherheit und die permanente Angst etwas falsches zu sagen, zu machen hat sie genau das falsche machen lassen.

Ich hatte es schon erwähnt das Anfang der Achtziger es nicht möglich war aus der Partei auszutreten, dafür gab es ein "ordentliches" Parteiausschlußverfahren in mehren Stufen bei denen der Deliquent geteert, gefedert und anschließend durchs Dorf zum Scheiterhaufen getrieben wurde.....
So ungefähr stelle ich mir die Verfahren der Inquisition im Mittelalter vor. Nachdem der reuige Sünder seine Verfehlungen öffentlich bereut und Widerrufen hatte wurde er von seinen Sünden freigesprochen und dem reinigenden Feuer übergeben........
Gut, beim großen Bruder wurden die geständigen Sünder in der Zeit des großen Terrors, nachdem sie gestanden hatten, kurzerhand erschossen ........
Zum Glück war es in der DDR ab den Sechzigern nicht mehr ganz so drastisch ........

Terror und Gewalt muß sich nicht immer in Formen physischer Vernichtung darstellen ......

Gruß
Nostalgiker

PS.: Es erstaunt mich immer wieder wenn ich mir diese Episode ins Gedächtnis rufe zu welcher Niedertracht und Gemeinheit der Mensch fähig ist um im Namen von irgendwas einen anderen Menschen zu verurteilen, mit dem Ziel ihn umfassend zu demütigen und moralisch zu brechen........
Meine Achtung gilt den Menschen die trotz schlimmster Erfahrungen in dieser Richtung ihrer Überzeugung treu blieben.


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#293

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 10:40
von DoreHolm | 7.706 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #292
Zitat von DoreHolm im Beitrag #290


Zitat
@DoreHolm, die Idee mit den Arbeitslosen und sei es nur ein "Quotenarbeitsloser" um dem Rest der Arbeitsunwilligen in der DDR zu zeigen so geht es auch wenn ihr euch nicht an gesellschaftliche Normen haltet, von mir an falscher Stelle vor falschen Leuten geäußert brachte anschließend ein wenig Leben ins triste "Parteileben", endlich mal wieder eine Versammlung mit Kritik und Selbstkritik, flammenden Dikussionsbeiträgen über die große Linie, Wachsamkeit, Abweichlertum, ideologische Verwirrung und zum Schluß eine Parteistrafe.........
Ach war sowas schön, besonders wenn es einen nicht selbst traf ......

Gruß
Nostalgiker


Nostalgiker, ich war PS, als ich diese Ansicht öffentlich geäußert habe und mir ist nichts passiert. Ich hätte auch dazu gestanden, genau wie ich (ich schrieb es schon mal), als ich als Grenzer gegenüber meinem "Gesprächspartner" (wegen illegalem Westradio hören) die Unfehlbarkeit der SED angezweifelt habe. Du, ich habe an dem Posten als PS nicht geklebt, daher konnte ich mir ein klares Wort leisten.


@DoreHolm, da magst Du durchaus Recht haben, denn es ist Dein Erleben und meins war meins. Ich möchte jetzt nicht wissen was "öffentlich" bedeutet aber bestimmt nicht zentrale Parteiaktivtagung zum Beispiel .............
Außerdem ist es meines Erachtens auch damals ein Unterschied gewesen ob ich solche Sachen im Umfeld der Produktion oder im Umfeld Staatsapparat äußere...... sozialistische Bürokraten waren besonders mies drauf und ständig schlecht gelaunt, jedenfalls die meisten und meinten dann sie müßten besonders revolutionär sein indem sie ihren unerschütterlichen Klassenstandpunkt besonders konsequent heraushängen ließen........

Die eigene Unsicherheit und die permanente Angst etwas falsches zu sagen, zu machen hat sie genau das falsche machen lassen.

Ich hatte es schon erwähnt das Anfang der Achtziger es nicht möglich war aus der Partei auszutreten, dafür gab es ein "ordentliches" Parteiausschlußverfahren in mehren Stufen bei denen der Deliquent geteert, gefedert und anschließend durchs Dorf zum Scheiterhaufen getrieben wurde.....
So ungefähr stelle ich mir die Verfahren der Inquisition im Mittelalter vor. Nachdem der reuige Sünder seine Verfehlungen öffentlich bereut und Widerrufen hatte wurde er von seinen Sünden freigesprochen und dem reinigenden Feuer übergeben........
Gut, beim großen Bruder wurden die geständigen Sünder in der Zeit des großen Terrors, nachdem sie gestanden hatten, kurzerhand erschossen ........
Zum Glück war es in der DDR ab den Sechzigern nicht mehr ganz so drastisch ........

Terror und Gewalt muß sich nicht immer in Formen physischer Vernichtung darstellen ......

Gruß
Nostalgiker

PS.: Es erstaunt mich immer wieder wenn ich mir diese Episode ins Gedächtnis rufe zu welcher Niedertracht und Gemeinheit der Mensch fähig ist um im Namen von irgendwas einen anderen Menschen zu verurteilen, mit dem Ziel ihn umfassend zu demütigen und moralisch zu brechen........
Meine Achtung gilt den Menschen die trotz schlimmster Erfahrungen in dieser Richtung ihrer Überzeugung treu blieben.



Stimmt, einfach von sich aus austreten wurde durch die Führung unterbunden. Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt, aber es wurde immer seitens der Stadtbezirks-PL so gesagt, daß ein Austritt nicht angenommen wird, es mußte immer ein Ausschluss erfolgen. Wie das bei einem besonders Hartleibigen vonstatten gehen sollte ist mir zwar ein Rätsel, aber so war die Richtlinie. Man wollte sich sozus. die "Deutungshoheit" über den Grund des Abganges wahren. Wenn ein Abtrünniger zur Leitung hingegangen ist, hat sein Buch auf den Tisch gelegt und eine schriftliche Austrittserklärung dazu, was hätten die eigentlich machen können, wenn der Austretende unnachgiebig geblieben wäre? Das ging nur zur Wende. Da wurden die Bücher kommentarlos angenommen.



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#294

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 11:33
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #293

Ich hatte es schon erwähnt das Anfang der Achtziger es nicht möglich war aus der Partei auszutreten, dafür gab es ein "ordentliches" Parteiausschlußverfahren in mehren Stufen bei denen der Deliquent geteert, gefedert und anschließend durchs Dorf zum Scheiterhaufen getrieben wurde.....
So ungefähr stelle ich mir die Verfahren der Inquisition im Mittelalter vor. Nachdem der reuige Sünder seine Verfehlungen öffentlich bereut und Widerrufen hatte wurde er von seinen Sünden freigesprochen und dem reinigenden Feuer übergeben........
Gut, beim großen Bruder wurden die geständigen Sünder in der Zeit des großen Terrors, nachdem sie gestanden hatten, kurzerhand erschossen ........
Zum Glück war es in der DDR ab den Sechzigern nicht mehr ganz so drastisch ........

Terror und Gewalt muß sich nicht immer in Formen physischer Vernichtung darstellen ......

Gruß
Nostalgiker

PS.: Es erstaunt mich immer wieder wenn ich mir diese Episode ins Gedächtnis rufe zu welcher Niedertracht und Gemeinheit der Mensch fähig ist um im Namen von irgendwas einen anderen Menschen zu verurteilen, mit dem Ziel ihn umfassend zu demütigen und moralisch zu brechen........
Meine Achtung gilt den Menschen die trotz schlimmster Erfahrungen in dieser Richtung ihrer Überzeugung treu blieben.


Stimmt, einfach von sich aus austreten wurde durch die Führung unterbunden. Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt, aber es wurde immer seitens der Stadtbezirks-PL so gesagt, daß ein Austritt nicht angenommen wird, es mußte immer ein Ausschluss erfolgen. Wie das bei einem besonders Hartleibigen vonstatten gehen sollte ist mir zwar ein Rätsel, aber so war die Richtlinie. Man wollte sich sozus. die "Deutungshoheit" über den Grund des Abganges wahren. Wenn ein Abtrünniger zur Leitung hingegangen ist, hat sein Buch auf den Tisch gelegt und eine schriftliche Austrittserklärung dazu, was hätten die eigentlich machen können, wenn der Austretende unnachgiebig geblieben wäre? Das ging nur zur Wende. Da wurden die Bücher kommentarlos angenommen. [/quote]


Jein..... möchte ich darauf aus eigenem Erleben antworten.
Ich habe mein Mitgliedsbuch am 3.Oktober 1989 zusammen mit einer DIN-A-4 Seite Begründung meinem damaligen Parteisekretär auf den Tisch gelegt.
Meine Schmerzgrenze war genau an jenem Tage überschritten, innerlich war ich auf das "Teeren und Federn" meiner Person vorbereitet, mir war es eigentlich egal, was jetzt noch kommt.
Eine Stunde später hatte ich ihn am Arbeitsplatz, wir redeten uns bis in die Abendstunden die Köpfe gegenseitig heiss und sicher hätte ich die nächsten Tage noch so einiges abbekommen wenn nicht.....
Ich sagte ihm, was in den nächsten Stunden in Dresden passieren wird und so kam es dann auch....obwohl er es sich nicht vorstellen konnte.
Zu jenem Zeitpunkt war noch E.Honnecker der Generalsekretär der SED.

Es passierte mir die nächsten Tage....... nichts.
Am folgenden Tag schlich mein Parteisekretär wortlos auf dem Gang an mir vorbei.

Was war Hintergrund und Auslöser des Ganzen ?
Am 3.Oktober hatte das Politbüro der SED den Beschluss gefasst, die Sonderzüge, die die Ausreisewilligen in der BRD-Botschaft in Prag in die BRD transportieren sollten, über Dresden zu leiten. (nicht einfach über den direkten Weg CSSR-BRD, das wäre ja die undramatische Lösung).
Das das Ganze in bürgerkriegsähnlichen Zuständen auf dem Dresdner Hauptbahnhof (und anderswo auf der Strecke durch die DDR) enden würde, habe ich irgendwie vorhergesehen - und so kam es dann auch.
Eine "chinesische Lösung" war für mich keine sozialistische Politik mehr.


Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#295

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 13:47
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

GeMi, Gert und josy95 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#296

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 17:13
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #295
@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker




Nostalgiker, Chapeau, das ist ja mal ein authentischer Post über das Innenleben der größten und schönsten DDR der Welt. Es liest sich erschreckend, oder vielleicht wirkt es nur auf mich so, der schon so lange dort weg war, aber ein solches Mass an Ignoranz, Rechtswidrigkeit, Schikane, Machtmissbrauch(?) , ich fasse es nicht. Nein, dieser Staat ist nicht nur an wirtschaftlichen Gründen zugrunde gegangen, da muss den Menschen in der DDR noch ein ganz anderer Kaffee hochgekommen sein. Danke dafür, kannst noch mehr bringen, wenn es noch mehr solche Geschichten zu erzählen gibt.

Schönes WE nach Berlin aus dem Rheinland


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#297

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 18:51
von Diskus303 | 485 Beiträge

Auch wenn es heute mit fast 54 Jahren eher banal klingt, aber:
angeregt durch den Fred "Musik für zwischendurch":
Es waren - warum auch immer - weniger die politschen Zwänge die mich zu DDR-Zeiten gestört haben: Irgendwie habe ich mich da immer durchgemogelt (Nostalgiker hat das recht gut/ treffend als innere Emmigration" bezeichnet). Als Junger Mensch hat man Pontius und Pilatus gekannt um (fast) alle Dinge zu bekommen die man wollte (Beziehungen genannt, entsprechende Finanzen vorausgesetzt).
Aber es gab da Dinge die waren halt ums verrecken nicht möglich: so zB ein Konzertbesuch meiner damaligen absoluten Favoritenband "Genesis" (und hier mit Frontman P.Gabriel) live zu erleben. Aber auch ander Sänger und Gruppen hätte ich zu gerne zu Ihrer großen Zeit live gesehen. Sowas ist unwiderrlich verloren und war es im Prinzip auch zu der Zeit meiner Übersiedlung nach BRD.
Sicherlich habe ich "versucht" von den Resten noch was mitzunehmen, aber mit dem Alter verschieben sich dann auch wieder die Interressenschwerpunkte und wenn dann noch "Familie" ins Spiel kommt sowieso.


Gruß Axel
josy95 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.01.2013 18:55 | nach oben springen

#298

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 20:08
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Diskus303 im Beitrag #297
Auch wenn es heute mit fast 54 Jahren eher banal klingt, aber:
angeregt durch den Fred "Musik für zwischendurch":
Es waren - warum auch immer - weniger die politschen Zwänge die mich zu DDR-Zeiten gestört haben: Irgendwie habe ich mich da immer durchgemogelt (Nostalgiker hat das recht gut/ treffend als innere Emmigration" bezeichnet). Als Junger Mensch hat man Pontius und Pilatus gekannt um (fast) alle Dinge zu bekommen die man wollte (Beziehungen genannt, entsprechende Finanzen vorausgesetzt).
Aber es gab da Dinge die waren halt ums verrecken nicht möglich: so zB ein Konzertbesuch meiner damaligen absoluten Favoritenband "Genesis" (und hier mit Frontman P.Gabriel) live zu erleben. Aber auch ander Sänger und Gruppen hätte ich zu gerne zu Ihrer großen Zeit live gesehen. Sowas ist unwiderrlich verloren und war es im Prinzip auch zu der Zeit meiner Übersiedlung nach BRD.
Sicherlich habe ich "versucht" von den Resten noch was mitzunehmen, aber mit dem Alter verschieben sich dann auch wieder die Interressenschwerpunkte und wenn dann noch "Familie" ins Spiel kommt sowieso.



@Diskus303, ich glaube, Du sprichst treffend für wenigstens 90% unserer Jahrgänge!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 04.01.2013 21:45 | nach oben springen

#299

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 20:36
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Diskus303 im Beitrag #297
Auch wenn es heute mit fast 54 Jahren eher banal klingt, aber:
angeregt durch den Fred "Musik für zwischendurch":
Es waren - warum auch immer - weniger die politschen Zwänge die mich zu DDR-Zeiten gestört haben: Irgendwie habe ich mich da immer durchgemogelt (Nostalgiker hat das recht gut/ treffend als innere Emmigration" bezeichnet). Als Junger Mensch hat man Pontius und Pilatus gekannt um (fast) alle Dinge zu bekommen die man wollte (Beziehungen genannt, entsprechende Finanzen vorausgesetzt).
Aber es gab da Dinge die waren halt ums verrecken nicht möglich: so zB ein Konzertbesuch meiner damaligen absoluten Favoritenband "Genesis" (und hier mit Frontman P.Gabriel) live zu erleben. Aber auch ander Sänger und Gruppen hätte ich zu gerne zu Ihrer großen Zeit live gesehen. Sowas ist unwiderrlich verloren und war es im Prinzip auch zu der Zeit meiner Übersiedlung nach BRD.
Sicherlich habe ich "versucht" von den Resten noch was mitzunehmen, aber mit dem Alter verschieben sich dann auch wieder die Interressenschwerpunkte und wenn dann noch "Familie" ins Spiel kommt sowieso.


Genau, man kam sich so abgespeist vor, nimm das einfache Leben und sei glücklich damit.
Wünsche und Sehnsüchte was ist das schon wenn du billige Mieten in Bruchbuden haben kannst und einen festen Arbeitsplatz in einem verotteten VEB.


nach oben springen

#300

RE: Was vermisst man mit dem Untergang der DDR?

in Leben in der DDR 04.01.2013 20:37
von DoreHolm | 7.706 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #295
@DoreHolm Du schreibst, "Ich habe zwar keines direkt als Augen- und Ohrenzeuge erlebt,", dazu kann ich nur sagen sei froh oder auch nicht.......
Das von mir skizzierte Verfahren erlebte ich in der Hauptrolle ........

Was mich im Nachgang zu dieser ganzen Problematik selbst verwundert das man soetwas entweder als "Normal" empfand oder froh war das der Kelch an einem selber vorrüber ging .......
Das erste "Tribunal" solcher Art erlebte ich als Student als zwei Studenten in der APO Versammlung aus der Partei geworfen wurden, wegen parteischädigendem Verhalten. Was der genaue Grund war weiß ich nicht mehr aber parteischädigendes Verhalten passte immer.
Es war ja nicht so das diese Studenten "nur" aus der SED geworfen wurden, nein solche Subjekte konnten an einer soz. Universität nicht geduldet werden!
Die nächste Inszenierung lief dann vor der Sektionsvollversammlung im größten Höhrsaal der zu finden war, Teilnahme Pflicht, ab und vor den Augen und Ohren der versammelten Studenten wurde ein Exempel statuiert.
Nicht nur das Beide umfassende Selbstkritik übten, sie prangerten sich und ihre Verfehlungen "schonungslos" an und "baten" anschließend darum das sie zur Bewährung in die Produktion geschickt werden, damit sie unter der Aufsicht der Arbeiterklasse zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen werden.
Wie gesagt, ihre Verfehlung weiß ich nicht mehr aber ihnen wurde hauptsächlich vorgeworfen das sie die Güte und Großzügigkeit der Arbeiterklasse und der Bauern, welche sie für würdig befanden zu studieren, so schamlos uns skrupellos mißbraucht haben. Von Dankbarkeit keinerlei Spur ......
Daher weiß ich noch das es nicht die eigene Leistung war welche mich zum Studium befähigte, sondern das der Studienplatz vom Proletariat gewährt wurde und meine zukünftige Pflicht war diese Großzügigkeit und Güte mit hohem Einsatz nach Beendigung meines Studiums an dem Ort wo mich die führende Klasse benötigte und hinbeorderte mit hohem Einsatz für die Sache "zurückzuzahlen". Mit anderen Worten; auch nach dem Studium mußte/durfte ich das Vertrauen der führenden Klasse nicht enttäuschen, schließlich hat sie mein Studium finanziert ........
Das nur als Einwurf über den Grundtenor der auf der Vollversammlung spontan gehaltenen Diskussionsbeiträge......
Schließlich stimmte die Versammlung; offen; darüber ab ob den Delinquenten die Großzügigkeit der Bewährung in der Produktion gestattet wird mit der Option das sie (Einer, der Andere war diesbezüglich ein hoffnungsloser Fall) nach zweijähriger Bewährungs-- und Besserungszeit den Antrag auf Wiederaufnahme ihres Studiums stellen dürfen........

War nicht die einzige Veranstaltung dieser Art welche ich als Teilnehmer erlebte ......

Selber habe ich die Prozedur so erlebt das es im drumherum zig "Aussprachen" gab um zu prüfen ob eine Einsicht ins eigene Fehlverhalten vorhanden ist und ob die Chance einer Besserung besteht.
Es haben gesprochen, die APO Leitung, die Parteigruppenleitung, diverse Kader der Kreis- und Bezirksleitung und ganz wichtig war mein zweimaliges Erscheinen vor der Parteikontrollkommision der Kreisleitung.
Beim zweiten "Gespräch" wurde mir mitgeteilt da ich so renitent und uneinsichtig sei ist die "Empfehlung" der PKK an die APO nicht nur den Ausschluß, sondern zusätzlich die anschließende Streichung als Mitglied zu beantragen .......
Damit war der Abtrünnige für die Partei Tot und Tote können bekanntlich nirgendwo wieder einen Antrag auf neue Mitgliedschaft stellen.....

Das dann noch einige Jahre mehr im privaten Umfeld einige Psychospielchen gespielt wurden steht auf einem anderen Blatt. So hatte ich fast ein Dauerabo beim ABV bei dem laufend Anzeigen, natürlich wurde mir nie gesagt von wem, über meinen Lebenswandel der angeblich den Normen der soz. Moral und dem Zusammenleben widersprach eingingen und ich zur Klärung eines Sachverhaltes bei ihm einbestellt wurde.
Gewählt hat man ab dem Zeitpunkt auch für mich, so dass ich mich, nachdem ich bei einer Wahl feststellte das ich schon dagewesen war um meine Stimme abzugeben, zukünftig nicht mehr ins Wahllokal begab. Die "Genossen" haben ja für mich gewählt......
Unter meiner Wohnung quartierte man auch ein MfS Pärchen ein, sie erzählten es mir auch gleich das sie für die Firma tätig sind.......
Später wurde die Wohnung als konspirative Wohnung genutzt ........

Ich habe in diesem Zusammenhang mal durchgezählt wieviele Freunde und Bekannte ab Anfang der Achtziger Jahre "ausgestiegen" sind aus dem DDR Gesellschaftsvertrag. Ohne Ausreiser.
Es haben zwei Lehrer ihren Dienst quittiert, sehr, sehr komplizierte Prozedur es ist ihnen aber gelungen.
Bauingenieure, er wurde Fotograf, sie töpferte ...., beide heute erfolgreich
Malerin/Kunsthistoriker, zogen sich in den Oderbruch zurück....., nicht die Einzigen die sich in der dortigen Gegend ansiedelten um kreativ zu arbeiten und zu leben.....
Statiker gingen von der Bauakademie in kirchliche Einrichtungen ......
Journalisten hängten ihren Job bei der Zeitung und/oder Fernsehen an den Nagel und wurden freie Schreiber oder "verschwanden" bei Privat um einen Job zu haben .....

Diejenigen die es nicht aushielten stellten einen Ausreiseantrag, der Letzte reiste offiziell am 6. November 1989 aus ......
Einer wurde wegen Devisen- und Zollvergehen hopsgenommen und verurteilt, er hatte PC's importiert ........., kurz bevor er 'einrücken' mußte gelang ihm die Flucht über Ungarn im Sommer '89 .....

Wer nicht mit den Wölfen heulen wollte hatte nur die "Möglichkeit" Abzuhauen oder in eine Art innere Emigration zu gehen. Jedenfalls betraf das die Generation welche ich kenne, die in den fünfziger Jahren geborenen .......

In den späten Siebzigern oder Achtzigern möchte ich auch nicht unbedingt Jugendlicher gewesen sein, von der schrecklichen Musik damals abgesehen ......

Gruß
Nostalgiker


Leider hat es sich mancherorts so oder so ähnlich abgespielt. Obwohl ich das in dieser Art nicht selbst erlebt habe, halte ich diese Schilderung für realistisch. Ich würde aber nicht so weit gehen, alle Delinquenten nun als reine Opfer zu sehen. Wie Nostalgiker auch schrieb, die tatsächlichen Gründe in ihren Einzelheiten waren nicht immer bekannt. Die Spanne reichte wohl von ehrlich für eine Verbesserung der gesellschaftlichen Situation in der DDR
Eintretenden über "Gratwanderer" bis zu klaren Gegnern der bestehenden Machtverhältnisse. Wie man es auch sieht, es waren wohl zumeist unwürdige Verfahrensweisen, die sich da abgespielt haben. Abhängig war das nach meiner Ansicht ganz stark von der Größe und Bedeutung der Firma oder Einrichtung, wo sich das abspielte und dem persönlichen Ehrgeiz der verurteilenden Leiter. Ich hatte wohl das Glück, daß mein Umkreis, auch der Politische, eine verhältnismäßig liberale Einstellung hatte.
Na Gert, nun zufrieden, daß ich jetzt nicht alles abgestritten habe ? Oder ist eine gewisse Relativierung schon was Schlechtes ?



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