#21

RE: Erfahrungen/Kenntnisse/Wissen über Militärknast in Schwedt

in Leben in der DDR 21.12.2012 09:35
von Schuddelkind | 3.512 Beiträge

Zitat von silberfuchs60 im Beitrag #20
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #18
[quote=Mike59|p222271][quote=Schuddelkind|p222109][quote=mannomann14|p222108]

Galt das eigentlich auch für die Bausoldaten?


Welche meinst Du, die Baukompanie oder die Kollegen mit dem goldenen Spaten auf dem Schulterstücken ?
Da gibt/gab es Unterschiede. silberfuchs60



Äh, keine Ahnung...... Klär mich mal auf, das interessiert mich!


Intellektuelle spielen Telecaster
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#22

RE: Erfahrungen/Kenntnisse/Wissen über Militärknast in Schwedt

in Leben in der DDR 21.12.2012 22:31
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #21
Zitat von silberfuchs60 im Beitrag #20
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #18
[quote=Mike59|p222271][quote=Schuddelkind|p222109][quote=mannomann14|p222108]

Galt das eigentlich auch für die Bausoldaten?


Welche meinst Du, die Baukompanie oder die Kollegen mit dem goldenen Spaten auf dem Schulterstücken ?
Da gibt/gab es Unterschiede. silberfuchs60



Äh, keine Ahnung...... Klär mich mal auf, das interessiert mich!


weiß nicht , das gehört nicht zur Thematik Schwedt ...können über PM oder falls es noch andere Interessenten gibt auch..... Gruß silberfuchs60


xxx
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#23

RE: Erfahrungen/Kenntnisse/Wissen über Militärknast in Schwedt

in Leben in der DDR 23.12.2012 07:11
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Hallo zusammen,

zunächst einmal: Bausoldaten wurden die genannt, die auf Grund der Verweigerung des Dienstes mit der Waffe mit einem Spaten auf der Schulterklappe gekennzeichnet waren. Die Bezeichnung traf nicht für Angehörige von Baukompanien beispielsweise der Grenztruppen zu, die ja für Bauarbeiten bis einschließlich zum vorderen Sperrelement engesetzt wurden.

Zur Unterscheidung bei "Schwedt": Es gab zwei verschiedene Arten der Insassen. Einmal die Strafarrestanten, die maximal bis zu 3 Monaten dort verbringen mussten. Und zum zweiten die Militärstrafgefangenen, die bis zu zwei Jahren dort einsitzen konnten (mehr dazu im bereits von Feliks genannten Link: militärgefängnis-schwedt.de).

Dann zur Frage, wie und wofür man nach Schwedt kam (hier nur mir bekannte Beispiele):
Tätlichkeiten waren eine Möglichkeit und das nicht nur gegenüber Vorgesetzten. Hier hing es von der Schwere des Vergehens und der Einsicht desjenigen mit ab, ob es nur Arrest in der Einheit, Strafarrest in Schwedt oder Militärstrafvollzug wurde. In einem Fall in meiner Einheit hatten 2 Soldaten einen anderen Soldaten verprügelt. Der eine zeigte sich reuig und bekam 10 Tage Arrest im Regimentsstab, der andere zeigte keine Reue und kam für 3 monate nach Schwedt.
Ähnliches galt auch für Kameradendiebstahl. Da ging beim Kleindiebstahl von Arrest in der Einheit bis Militärstrafvollzug so ziemlich alles. In einem Fall hatte ein Offiziersschüler mehrere Spinde aufgebrochen und Kleinigkeiten entwendet. Andere vor ihm waren glimpflich davongekommen. Er hatte zuvor Alkohol getrunken, den er mit auf die Einheit gebracht hatte. Das wurde ihm zum Verhängnis und führte ihn nach Schwedt, wobei ich nicht mehr sagen kann, ob als Arrestant oder Militärstrafgefangener.
"Progressive Bestrafungen" konnten im schlimmsten Fall auch nach Schwedt führen. In einem Fall in meiner Einheit hatten wir einen Soldaten, der wiederholt Befehle nicht ausgeführt hatte. Am Anfang gab es Verweise, dann Ausgangs- und Urlaubssperre, dann Arrest. Als die Sache so weiterging, wurde vom Offizier Innerer Dienst des Regiments als nächste Strafe Strafarrest in Schwedt in Aussicht gestellt.
Fahrlässige Tötung. Ein Fähnrich aus unserem Regiment hatte bei einer Jagd einen Hauptmann erschossen. Er kam als Militärstrafgefangener nach Schwedt (die Dauer ist mir nicht mehr bekannt).

Was passierte dort mit den Arrestanten bzw. Militärstrafgefangenen?
Ich war selbst nie dort und habe damit keine eigenen Erlebnisse. Als Polit in der Stabskompanie des Regiments erlebte ich allerdings häufiger die Rückkehr von Leuten aus Schwedt. Sie waren alle auf eine für mich erschreckende Weise verändert. Sie waren verschlossen, schweigsam, meist in sich gekehrt und kaum noch in ihre Gruppe integriert. In politischen Diskussionen kam man nicht mehr an sie ran, es kamen bestenfalls noch Statements wie aus dem Staatsbürgerkundelehrbuch. Das militärische Verhalten ließ sich durch ein Wort treffend beschreiben: Kadavergehorsam.
Der Hauptfeldwebel unserer Kompanie hatte mal einen Soldaten nach Schwedt zu bringen und er schilderte sehr ausführlich den Empfang des Soldaten. Die Einzelheiten sind mir entfallen, da sich relativ schnell ein treffendes Vergleichsbild darüber schob, und das war der Film von Stanley Kubrick "Full Metal Jacket". Ich denke, es lief auf diese Art der Brechung des eigenen Willens hinaus. Nur so ließen sich für mich die Veränderungen an den Rückkehrern erklären.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


exgakl, silberfuchs60, Eisenacher und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.12.2012 07:29 | nach oben springen


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