#1

Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 14:23
von Schuddelkind | 3.511 Beiträge

Lief gestern auf ARD. War mir bisher auch nicht bekannt. Unglaublich das Ganze, aber offentsichtlich eine typische Win-Win-Situation. Die Leidtragenden waren die Leute, die "Versuchskaninchen" spielen durften.


http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/12669370_tests-und-tote-pharmaversuche-an-ddr-buergern?buchstabe=T


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zuletzt bearbeitet 04.12.2012 14:24 | nach oben springen

#2

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 14:30
von Schuddelkind | 3.511 Beiträge

Hier alles in Kurzform:

Gefährliche Allianz westlicher Pharmakonzerne

Wie Recherchen der Journalisten Stefan Hoge und Carsten Opitz für ihren Film "Test und Tote" belegen, war die DDR Ende der achtziger Jahre zu einem der wichtigsten Testgebiete für neue Arzneimittel avanciert. In der Dokumentation kommen nicht nur betroffene Patienten und deren Angehörige zu Wort, auch Pharmahistoriker und ein früherer Manager des Hoechst-Konzerns erklären, wie es zu den umfangreichen Arzneimitteltests kommen konnte. Bisher unzugängliche Akten belegen die planmäßige Zusammenarbeit von staatlichen Institutionen, Ärzten und westlichen Pharmakonzernen.

Eine Nummer auf der Medikamentenschachtel von Gerhard Lehrer brachte die Journalisten auf die Spur: In lange verschollen geglaubten Unterlagen des DDR-Gesundheitsministeriums lässt sich der Arzneimitteltest zuordnen: Lehrer war ohne sein Wissen Teilnehmer einer Studie des Wirkstoffs Ramipril geworden. Der Pharmakonzern Hoechst war auf der Suche nach neuen Anwendungsgebieten für den erfolgreichen Blutdrucksenker.

Mangelwirtschaft begünstigte die Deals

Begünstigt wurden die geheimen Pillentests in der DDR durch zwei Entwicklungen: Insbesondere in den achtziger Jahren entwickelte sich der sozialistische Staat zur Mangelwirtschaft. Es fehlte nicht nur an Südfrüchten und Autoersatzteilen: Auch Ärzte konnten ihren Patienten nicht immer alle benötigten Medikamente verordnen. "Es gab durchaus auch Apotheken, die 20 Prozent der Präparate nicht mehr liefern konnten, zu bestimmten Zeiten", berichtet Pharmaziehistoriker Christoph Friedrich von der Uni Marburg. "Und das setzte sich natürlich auch in den Kliniken fort."

Genau in dieser Phase erlebte die Pharmaindustrie die Auswirkungen des bis dahin größten Arzneimittelskandals. Weltweit kamen Anfang der sechziger Jahre mehrere tausend Neugeborene mit schweren Fehlbildungen zur Welt, deren Mütter Contergan eingenommen hatten. Ende 1961 nahm die Firma Grünenthal ihr Beruhigungsmittel vom Markt. Infolgedessen verschärfte die Regierung in Westdeutschland die Zulassungsbedingungen für neue Medikamente. Ein wirklich neues Arzneimittelgesetz trat erst 1978 in Kraft, seitdem müssen Patienten über ihre Rechte und die Risiken in Studien aufgeklärt werden.

Westgeld für Menschentests

Die neuen gesetzlichen Auflagen zur Marktzulassung zwangen die Hersteller zu umfangreicheren klinischen Studien ihrer Präparate an großen Patientengruppen. Sie verschärften die notwendige Suche nach mehr testwilligen Ärzten und Patienten zusätzlich. Eines dieser neuen Testgebiete fanden die westdeutschen Unternehmen in der DDR.

In dem Staat waren Ende der siebziger Jahre die Klagen über Mängel im Gesundheitssystem der Ärzte unüberhörbar geworden, berichtet Journalist Opitz aus den Stasi-Akten. Um eine schnelle Lösung jenseits der Planvorgaben zu erreichen, habe der DDR-Gesundheitsminister Ludwig Mecklinger mehrere Brandbriefe direkt an Erich Honecker geschrieben. Hierin warnt er sogar vor steigenden Zahlen ausreisewilliger Ärzte. Honecker reagiert in einer Nacht- und Nebelaktion. Er weist den Zugriff auf die für den Ernstfall gebunkerten Staatsreserven an.

In einer geheimen Sitzung mit für das Gesundheitswesen verantwortlichen Zentralkomitee-Mitgliedern werden im Frühjahr 1983 die Weichen für einen folgenschweren Deal gestellt, berichtet Historiker Friedrich. An ausgewählten Kliniken sollen Ärzte für westliche Pharmaunternehmen klinische Tests von noch nicht zugelassenen Medikamenten durchführen. Das dafür eingenommene Westgeld sollte hauptsächlich für Investitionen in den eigenen Kliniken dienen. Zuvor wurden hier nur West-Medikamente getestet, die für den Import genehmigt werden sollten. "Sie nannten das 'immateriellen Export'", sagt Opitz, der für den Film in zwei Jahren zahllose Dokumente durchforstet, Experten und Zeitzeugen befragt hat.

Kopfprämie in D-Mark

Wie der Handel konkret lief, wie West-Konzerne Verträge mit der als GmbH agierenden DDR-Außenhandelsfirma schlossen, davon erzählt die Dokumentation. In monatelangen Verhandlungen wurde knallhart um Fallpauschalen für jeden erfolgreich durchgeführten Test gefeilscht. Wie gut diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit lief, belegen die Akten des Gesundheitsministeriums. Von 20 Auftragstestungen im Jahr 1983 steigt ihre Zahl auf 165 im Jahr 1988.

"Wir waren keine dummen DDR-Bürger", sagt Hubert Bruchmüller. "Wenn das da so festgelegt ist, hat man das einfach so gemacht." Der heutige Invalidenrentner hatte eine Sportlerkarriere einschlagen wollen, eine unentdeckte Herzkrankheit machte dem Elektromonteur einen Strich durch die Rechnung. Der damals 30-Jährige wurde ins Bezirkskrankenhaus Lostau bei Magdeburg geschickt, eine der wenigen Spezialeinrichtungen im Land. An ihm wurde - ohne sein Wissen - das Medikament Spirapril von Sandoz getestet. Während seiner Zeit im Krankenhaus erlebte er, wie sein Bettnachbar eine Herzattacke bekam - "ich habe den nie wieder gesehen". Bis Dezember 1989 starben während dieser Auftragsstudie in Lostau sechs der 17 getesteten Menschen. Dann wurden die Ärzte gestoppt, berichten die Journalisten aus den Akten des Bundesarchivs.

Lukratives Geschäft bis zum Mauerfall

Die Testklinik DDR schloss mit dem Mauerfall ihre Pforten - bis dahin verdiente der Staat Millionen an D-Mark. Wie viel er an jeder Auftragsstudie verdient hat, lässt sich nicht mehr herausfinden. Der Großteil der Akten ging nach der Auflösung des Gesundheitsministeriums der DDR verloren. Einzelne Auftragsstudien mit Medikamenten haben nachweislich bis zu 860.000 DM eingebracht.
Auch die journalistischen Recherchen über die Aufklärung der Patienten bringen keine Klarheit. Trotz wiederholter Anfragen in den Archiven der Krankenhäuser und der beteiligten Pharmafirmen blieben die rechtsgültigen schriftlichen Einwilligungserklärungen der Patienten verschollen. Natürlich habe man die Nachfolger von Hoechst und Sandoz angefragt, sagt Opitz. Sanofi-Aventis sei ganz kooperativ gewesen und hat einige Prüfakten von Gerhard Lehrer aus dem übernommenen Hoechst-Archiv geschickt.

Doch weder die Verbände der Pharmaindustrie noch die zuständigen Ministerien konnten angeblich einen einzigen Verantwortlichen finden, der Ahnung von den grenzüberschreitenden Tests hatte. Dagegen konnten die Journalisten sogar jene Mitarbeiter ausfindig machen, welche die Tests von Hoechst in der DDR tagtäglich organisierten. Auf der West- und Ost-Seite wurden Interviews vor der Kamera jedoch kategorisch abgelehnt.

Ein einziger ehemaliger DDR-Arzt war zu Aussagen über seine Auftragstestungen an den befragten Patienten bereit. Die meisten DDR-Mediziner würden ihr Gesundheitswesen gern als von politischen und wirtschaftlichen Zwängen freien Raum in Erinnerung behalten, vermutet Journalist Opitz. Dass dies keineswegs so war, zeigt seine Dokumentation.


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#3

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 15:06
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #2
Hier alles in Kurzform:

Gefährliche Allianz westlicher Pharmakonzerne

Wie Recherchen der Journalisten Stefan Hoge und Carsten Opitz für ihren Film "Test und Tote" belegen, war die DDR Ende der achtziger Jahre zu einem der wichtigsten Testgebiete für neue Arzneimittel avanciert. In der Dokumentation kommen nicht nur betroffene Patienten und deren Angehörige zu Wort, auch Pharmahistoriker und ein früherer Manager des Hoechst-Konzerns erklären, wie es zu den umfangreichen Arzneimitteltests kommen konnte. Bisher unzugängliche Akten belegen die planmäßige Zusammenarbeit von staatlichen Institutionen, Ärzten und westlichen Pharmakonzernen.

Eine Nummer auf der Medikamentenschachtel von Gerhard Lehrer brachte die Journalisten auf die Spur: In lange verschollen geglaubten Unterlagen des DDR-Gesundheitsministeriums lässt sich der Arzneimitteltest zuordnen: Lehrer war ohne sein Wissen Teilnehmer einer Studie des Wirkstoffs Ramipril geworden. Der Pharmakonzern Hoechst war auf der Suche nach neuen Anwendungsgebieten für den erfolgreichen Blutdrucksenker.

Mangelwirtschaft begünstigte die Deals

Begünstigt wurden die geheimen Pillentests in der DDR durch zwei Entwicklungen: Insbesondere in den achtziger Jahren entwickelte sich der sozialistische Staat zur Mangelwirtschaft. Es fehlte nicht nur an Südfrüchten und Autoersatzteilen: Auch Ärzte konnten ihren Patienten nicht immer alle benötigten Medikamente verordnen. "Es gab durchaus auch Apotheken, die 20 Prozent der Präparate nicht mehr liefern konnten, zu bestimmten Zeiten", berichtet Pharmaziehistoriker Christoph Friedrich von der Uni Marburg. "Und das setzte sich natürlich auch in den Kliniken fort."

Genau in dieser Phase erlebte die Pharmaindustrie die Auswirkungen des bis dahin größten Arzneimittelskandals. Weltweit kamen Anfang der sechziger Jahre mehrere tausend Neugeborene mit schweren Fehlbildungen zur Welt, deren Mütter Contergan eingenommen hatten. Ende 1961 nahm die Firma Grünenthal ihr Beruhigungsmittel vom Markt. Infolgedessen verschärfte die Regierung in Westdeutschland die Zulassungsbedingungen für neue Medikamente. Ein wirklich neues Arzneimittelgesetz trat erst 1978 in Kraft, seitdem müssen Patienten über ihre Rechte und die Risiken in Studien aufgeklärt werden.

Westgeld für Menschentests

Die neuen gesetzlichen Auflagen zur Marktzulassung zwangen die Hersteller zu umfangreicheren klinischen Studien ihrer Präparate an großen Patientengruppen. Sie verschärften die notwendige Suche nach mehr testwilligen Ärzten und Patienten zusätzlich. Eines dieser neuen Testgebiete fanden die westdeutschen Unternehmen in der DDR.

In dem Staat waren Ende der siebziger Jahre die Klagen über Mängel im Gesundheitssystem der Ärzte unüberhörbar geworden, berichtet Journalist Opitz aus den Stasi-Akten. Um eine schnelle Lösung jenseits der Planvorgaben zu erreichen, habe der DDR-Gesundheitsminister Ludwig Mecklinger mehrere Brandbriefe direkt an Erich Honecker geschrieben. Hierin warnt er sogar vor steigenden Zahlen ausreisewilliger Ärzte. Honecker reagiert in einer Nacht- und Nebelaktion. Er weist den Zugriff auf die für den Ernstfall gebunkerten Staatsreserven an.

In einer geheimen Sitzung mit für das Gesundheitswesen verantwortlichen Zentralkomitee-Mitgliedern werden im Frühjahr 1983 die Weichen für einen folgenschweren Deal gestellt, berichtet Historiker Friedrich. An ausgewählten Kliniken sollen Ärzte für westliche Pharmaunternehmen klinische Tests von noch nicht zugelassenen Medikamenten durchführen. Das dafür eingenommene Westgeld sollte hauptsächlich für Investitionen in den eigenen Kliniken dienen. Zuvor wurden hier nur West-Medikamente getestet, die für den Import genehmigt werden sollten. "Sie nannten das 'immateriellen Export'", sagt Opitz, der für den Film in zwei Jahren zahllose Dokumente durchforstet, Experten und Zeitzeugen befragt hat.

Hab es gesehen, war und ist sehr interessant und lehrreich

Kopfprämie in D-Mark

Wie der Handel konkret lief, wie West-Konzerne Verträge mit der als GmbH agierenden DDR-Außenhandelsfirma schlossen, davon erzählt die Dokumentation. In monatelangen Verhandlungen wurde knallhart um Fallpauschalen für jeden erfolgreich durchgeführten Test gefeilscht. Wie gut diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit lief, belegen die Akten des Gesundheitsministeriums. Von 20 Auftragstestungen im Jahr 1983 steigt ihre Zahl auf 165 im Jahr 1988.

"Wir waren keine dummen DDR-Bürger", sagt Hubert Bruchmüller. "Wenn das da so festgelegt ist, hat man das einfach so gemacht." Der heutige Invalidenrentner hatte eine Sportlerkarriere einschlagen wollen, eine unentdeckte Herzkrankheit machte dem Elektromonteur einen Strich durch die Rechnung. Der damals 30-Jährige wurde ins Bezirkskrankenhaus Lostau bei Magdeburg geschickt, eine der wenigen Spezialeinrichtungen im Land. An ihm wurde - ohne sein Wissen - das Medikament Spirapril von Sandoz getestet. Während seiner Zeit im Krankenhaus erlebte er, wie sein Bettnachbar eine Herzattacke bekam - "ich habe den nie wieder gesehen". Bis Dezember 1989 starben während dieser Auftragsstudie in Lostau sechs der 17 getesteten Menschen. Dann wurden die Ärzte gestoppt, berichten die Journalisten aus den Akten des Bundesarchivs.

Lukratives Geschäft bis zum Mauerfall

Die Testklinik DDR schloss mit dem Mauerfall ihre Pforten - bis dahin verdiente der Staat Millionen an D-Mark. Wie viel er an jeder Auftragsstudie verdient hat, lässt sich nicht mehr herausfinden. Der Großteil der Akten ging nach der Auflösung des Gesundheitsministeriums der DDR verloren. Einzelne Auftragsstudien mit Medikamenten haben nachweislich bis zu 860.000 DM eingebracht.
Auch die journalistischen Recherchen über die Aufklärung der Patienten bringen keine Klarheit. Trotz wiederholter Anfragen in den Archiven der Krankenhäuser und der beteiligten Pharmafirmen blieben die rechtsgültigen schriftlichen Einwilligungserklärungen der Patienten verschollen. Natürlich habe man die Nachfolger von Hoechst und Sandoz angefragt, sagt Opitz. Sanofi-Aventis sei ganz kooperativ gewesen und hat einige Prüfakten von Gerhard Lehrer aus dem übernommenen Hoechst-Archiv geschickt.

Doch weder die Verbände der Pharmaindustrie noch die zuständigen Ministerien konnten angeblich einen einzigen Verantwortlichen finden, der Ahnung von den grenzüberschreitenden Tests hatte. Dagegen konnten die Journalisten sogar jene Mitarbeiter ausfindig machen, welche die Tests von Hoechst in der DDR tagtäglich organisierten. Auf der West- und Ost-Seite wurden Interviews vor der Kamera jedoch kategorisch abgelehnt.

Ein einziger ehemaliger DDR-Arzt war zu Aussagen über seine Auftragstestungen an den befragten Patienten bereit. Die meisten DDR-Mediziner würden ihr Gesundheitswesen gern als von politischen und wirtschaftlichen Zwängen freien Raum in Erinnerung behalten, vermutet Journalist Opitz. Dass dies keineswegs so war, zeigt seine Dokumentation.




xxx
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#4

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 15:42
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Och ne!
Eine Schlampig durchgeführte Recherche bei der ich nur darauf wartete bis das Wort "Stasi" fiel und in dem Zusammenhang natürlich von tausenden Opfern die Rede war.....

Fazit:
Drei "Kronzeugen", davon zwei mittelbar betroffene. Der eine Patient verstarb über ein Jahr später, wann die Zweite verstarb wird nicht weiter erwähnt.
Der Dritte, ein Patient, hat bemerkt das Mitpatienten auf einmal nicht da waren....
Tolle Kronzeugen.
Ein Arzt, welcher wahrscheinlich Patient Eins behandelte kann sich nach über 20 Jahren ganz genau an überhaupt nichts mehr erinnern und mir drängte sich die Vermutung auf das er noch nie im Leben eine Medikamentenstudie mitgemacht hat.....
Ein in Fachkreisen sehr umstrittener "Pharma-Kritiker", und der Fabulierer vom Fach "Historiker" der alles sehr genau vermutet.....

Letztendlich noch ein Pharmavertreter, wie es der Zufall so will ein Flüchtling aus der DDR, der, ganz pikant, von der Stasi in seiner Wohnung verhaftet wurde weil er als Student!!! nicht in die FDJ eintreten wollte, "erinnert" sich auch noch.
Stasiakten liegen auf einmal im Bundesarchiv und viele, viele weitere Schnitzer hätten eine gewisse Erheiterung zu später Stunde gebracht wenn, ja wenn nicht in diesem Beitrag mal wieder subtil, mal brachial die Stasi/Funktionärs/SED Unmenschen Keule geschwungen worden wäre.

Kein Wort darüber wie so ein Medikamententest abläuft, was eine klinische Studie ist, in welchem Stadium sie erfolgt, warum an Probanden in solch einer Studie; Stufe III gewöhnlich; an eine Gruppe Placebos ausgegeben werden und an eine Andere nicht.

Kein Wort darüber dass das Arzneimittelgesetz der DDR dem damaligen der BRD weit überlegen war, es wird in der Doku noch nicht einmal erwähnt das es in der DDR überhaupt so ein Gesetz gab.
Es wird zwar lobend erwähnt das es ab 1976 eines in der BRD gab, das in der DDR gab es seit 1964......

Noch etwas persönliches zu diesem Mummenschanz zu später Stunde.
In der Klinik wurde ich gefragt ob ich an einer Studie Phase III teilnehmen möchte.
Natürlich wird da nicht mein Medikament, Blutdrucksenker, eventuell durch ein Placebo ersetzt. Ich bekomme noch genug Andere.
Ein zusätzliches Medikament welches in Zusammenwirkung mit einem benötigtem getestet werden soll nehme ich.
Es gibt für diesen Test eine separate Kranken- und Testakte! Da wird nichts "vermischt"!
Weder der Arzt, noch die Laborkräfte oder Schwestern wissen ob ich den Wirkstoff bekomme oder ein Placebo. Das "Geheimnis" lüftet sich erst nach Ende der Studie wenn an Hand der Codierung auf den Medikamentenflaschen festgestellt wird was drin war.
In Phase III sind ca. 10.000 Probanden in klinischen Untersuchungen eingebunden.
Ein Einverständniserklärung habe ich unterschrieben, es ist ein gesondertes Blatt.
Die Testakte mit meinen Daten ist eine PC Datei in einer Datenbank und da steht auch nur drin, der Proband hat sein Einverständnis erklärt.

Schon aus dieser, gerade frischen Erfahrung, halte ich den Beitrag für überspannt, unrealistisch und schlecht recherchiert.
Ein wie in der Doku erwähnter "Zwischenfall" das bei einer Studie von 17 Probanden 6 verstarben hätte nie geheimgehalten werden können.

Ein ähnlicher Zwischenfall bei einer klinischen Studie in England,bei der 6 der insgesamt 8 Probanden lebensgefährlich erkrankten, sorgte in der Fachwelt, und nicht nur dort, für entsprechenden Wirbel und politische Konsequenzen. Es handelte sich übrigens um ein deutsches Medikament welches in England getestet wurde. Es handelt sich um ein Medikament von TeGenero entwickelt mit dem Testnamen "TGN 1412".

Wer will kann in diesem Link hier klicken in einer Sammlung von Arzneimittelskandalen ab 2000 blättern und lesen......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#5

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 18:54
von Schuddelkind | 3.511 Beiträge

@Nostalgiker
Fakt ist, es gab die Studien. Fakt ist, es wurde Geld damit gemacht. Fakt ist, es gab Todesfälle.
http://www.spiegel.de/media/0,4906,30202,00.pdf

Und der Spiegel hat schon 1991 darüber berichtet: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13487494.html


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zuletzt bearbeitet 04.12.2012 18:54 | nach oben springen

#6

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 18:57
von PF75 | 3.292 Beiträge

zu solchen geschäften gehören ja wohl immer 2 partner und der böse saß natürlich mal wieder im Osten.


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#7

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 19:16
von damals wars | 12.143 Beiträge

Das besagte Ramipril wird heute noch getestet.
Z.B. an meiner Mutter.
In der DDR gab es nur solche Medikamente wie das Kalium- Magnesium vom Arzeneimittelwerk Dresden.
Gibt es heute leider nicht mehr, es war einfach zu billig.
Mit diesem Medikament istr mein Opa 96 geworden.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#8

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 19:23
von Gert | 12.354 Beiträge

die Geschichte ist doch nicht neu. Nostalgiker, ja die Stasi war beteiligt, durch ihren Oberst Scha...- Go.... Der hat den Deal doch eingefädelt.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#9

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 19:27
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #7
Das besagte Ramipril wird heute noch getestet.
Z.B. an meiner Mutter.
In der DDR gab es nur solche Medikamente wie das Kalium- Magnesium vom Arzeneimittelwerk Dresden.
Gibt es heute leider nicht mehr, es war einfach zu billig.
Mit diesem Medikament istr mein Opa 96 geworden.



Du irrst, Ramipril ist nicht mehr in der Testphase, es ist ein zugelassenes Medikament zur Blutdrucksenkung und wird auch heute zu diesem Zweck verschrieben.


.
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#10

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 19:50
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #5
@Nostalgiker
Fakt ist, es gab die Studien. Fakt ist, es wurde Geld damit gemacht. Fakt ist, es gab Todesfälle.
http://www.spiegel.de/media/0,4906,30202,00.pdf

Und der Spiegel hat schon 1991 darüber berichtet: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13487494.html


@Schuddelkind, ich muß nicht alles für bare Münze nehmen was im 'Spiegel' stand/steht.

Zum Thema fand ich eine ziemlich interessante Dissertation. darin wurden auch Fälle erwähnt wo in den einzelnen Phasen der Versuchsreihen etwas schief gegangen ist.
Da sich ein Kapitel der Arbeit ziemlich ausführlich mit dem Gesundheitswesen der DDR befasste und auch mit dem Fakt das westliche Konzerne durchaus Klinikstudien von Medikamenten in der DDR durchführen ließen, behaupte ich mal das der Doktorand solche "Fälle" wie sie der Spiegel nennt oder die Fachkräfte in der gestern ausgestrahlten Doku, sie zumindest erwähnt hätte. Hat er aber nicht, komisch was?
Die Dissertation ist von 2010, also ziemlich aktuell, leider finde ich den Link nicht auf die Schnelle.

Überleg mal bitte ganz sachlich.
Bevor in den Phasen einer Arzneimittelstudie es zur Klinischen Studie kommt liefen bereits vorher, teilweise bis zu 10 Jahre, präklinischer Studien (Tierversuche) bevor in Phase 0 der klinischen Studie mit Mikrodosierung bei ca. 10 bis 15 Personen getestet wird. Diese Personen werden ziemlich genau ausgesucht. Zeitdauer, mehrere Wochen. Test finden nur in Kliniken statt.
In Phase I wird der Personenkreis auf ca. 80 erweitert und es wird immer noch nicht die volle Menge getestet.....
Die im Beitrag erwähnten Toten, 6 von 17 Probanden müßten dann in Phase 0, also mit Mikrodosierung aufgetreten sein. Meinst Du wirklich und allen ernstes das solch eine Katastrophe nicht vom Klinikpersonal, Angehörigen, Mitpatienten etc. nicht bemerkt wurde bzw. von der "Stasi" unter den Teppich gekehrt wurde. Glaubst Du etwa, da in diesem Fall eine westliche Firma involviert war, diese durch "Stasi" Drohungen zum Stillschweigen verdonnert wurde?
Und das alles kommt nach knapp 23 Jahren oder länger heraus weil sich ein Patient "erinnert" da war doch auf einmal ein Mitpatient weg?!?

Bei aller Liebe aber mit dieser "Horrorgeschichte" welche da gestern Abend über den Bildschirm flimmerte, wurden ja faktisch die DDR auf die Stufe einer über und über korrupten Bananenrepublik gestellt welche ein völlig rechtsfreier Raum war.

@Gert, ein Deal wird immer von irgendjemand abgeschlossen, was soll dieser süffiante "Hinweis" auf S***- G***?
Eine unausgesprochene Modifizierung eines Spruchs, verbietet Tierversuche, nehmt DDR-Bürger?
Nichts anderes versuchst Du zu suggerieren.

Auch bereits zugelassene Medikamente werden aus vielfältigen Gründen nach einem gewissen Zeitraum ihrer Zulassung erneut getestet, dann allerdings im Phase IV Test.
Da der ziemlich teuer ist, dachte sich irgendein Ministerium der vereinten Republik, beschließen wir doch flugs ein Gesetz das alle Hersteller von Medikamenten die in der DDR bereits Zugelassen waren, also Pharmafabriken aus dem Osten, erneut eine Phase IV Studie zur Wiederzulassung durchzuführen haben. Wo sie das Geld für die Studiendurchführung hernehmen ist und war nicht das Problem des Ministeriums.
So verschwanden einige gute Medikamente vom Markt, nur weil es DDR Medikamente waren.


Gruß
Nostalgiker


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die neuen Menschen, der neue Mensch,
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außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#11

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 20:00
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat Nostalgiker : @Gert, ein Deal wird immer von irgendjemand abgeschlossen, was soll dieser süffiante "Hinweis" auf S***- G***?
Eine unausgesprochene Modifizierung eines Spruchs, verbietet Tierversuche, nehmt DDR-Bürger?
Nichts anderes versuchst Du zu suggerieren.




dann lies mal deinen Post # 4, die Stasi hast du ins Gespräch gebracht- Den Nutzen des Versuches habe ich gar nicht so gesehen, wie du mir unterstellst, dass ich so etwa suggerieren wollte. Bringst mich aber auf eine Idee.


.
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#12

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 04.12.2012 20:34
von Schuddelkind | 3.511 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #10
[quote=Schuddelkind|p220022]

Überleg mal bitte ganz sachlich.
Bevor in den Phasen einer Arzneimittelstudie es zur Klinischen Studie kommt liefen bereits vorher, teilweise bis zu 10 Jahre, präklinischer Studien (Tierversuche) bevor in Phase 0 der klinischen Studie mit Mikrodosierung bei ca. 10 bis 15 Personen getestet wird. Diese Personen werden ziemlich genau ausgesucht. Zeitdauer, mehrere Wochen. Test finden nur in Kliniken statt.
In Phase I wird der Personenkreis auf ca. 80 erweitert und es wird immer noch nicht die volle Menge getestet.....
Die im Beitrag erwähnten Toten, 6 von 17 Probanden müßten dann in Phase 0, also mit Mikrodosierung aufgetreten sein. Meinst Du wirklich und allen ernstes das solch eine Katastrophe nicht vom Klinikpersonal, Angehörigen, Mitpatienten etc. nicht bemerkt wurde bzw. von der "Stasi" unter den Teppich gekehrt wurde. Glaubst Du etwa, da in diesem Fall eine westliche Firma involviert war, diese durch "Stasi" Drohungen zum Stillschweigen verdonnert wurde?
Und das alles kommt nach knapp 23 Jahren oder länger heraus weil sich ein Patient "erinnert" da war doch auf einmal ein Mitpatient weg?!?

Bei aller Liebe aber mit dieser "Horrorgeschichte" welche da gestern Abend über den Bildschirm flimmerte, wurden ja faktisch die DDR auf die Stufe einer über und über korrupten Bananenrepublik gestellt welche ein völlig rechtsfreier Raum war.




1.Falls du richtig gelesen hast, waren es überwiegend Phase1/Phase2 Tests.
2. Wenn du wüßtest, was alles in deutschen Kliniken unter den Teppich gekehrt wird..........da hab ich zufällig Ahnung von. Und nur das Wenigste schwappt an die Oberfläche, siehe als Beispiel zuletzt die Geschichte mit den Spenderorganen.........Und wer hat schon Bock, 100.000sende von Patientenakten zu durchwühlen?
3. Rechtsfreier Raum ist richtig, siehe Sportsdooping in der DDR. Da wurden nämlich das eigene Arzneimittelgesetz ausgehebelt bzw. gar nicht erst beachtet.
4. Das die Westlichen Pharmariesen die Klappe halten, ist doch klar. Negativpresse bracht keiner und ich könnte mir auch vorstellen, dass die Angst vor Prozessen haben.......


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#13

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 01:34
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #5
@Nostalgiker
Fakt ist, es gab die Studien. Fakt ist, es wurde Geld damit gemacht. Fakt ist, es gab Todesfälle.
http://www.spiegel.de/media/0,4906,30202,00.pdf

Und der Spiegel hat schon 1991 darüber berichtet: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13487494.html


Fakt scheint aber auch, laut dem .pdf Dokument des Spiegels, siehe unten im Dokument, dass dort keine Patienten unwissend waren, sie also offenbar die Wahl hatten.
Bei schwer kranken oder todkranken Menschen, mit wenig Aussicht auf ein langes Leben, sind materielle Aspekte sicherlich ganz als letztes angesiedelt, selbst wenn sie das Geld bekommen hätten, vielleicht haben sie ja etwas bekommen, ist nicht zu erkennen.
Für mich ist das nicht verwerflich solange die Patienten davon wussten und dies freiwillig getan haben, wie es scheinbar der Fall war.
Sie kannten also vermutlich das Risiko, lesen konnte in der DDR ja fast jeder.
Wenn man unheilbar krank ist, die Uhr tickt und tickt, dann nimmt man jeden Strohhalm wahr.
Die Frage ist auch, was nicht nachzulesen war, ob die Verstorbenen nicht eh gestorben wären oder nur allein auf Grund der Testmedikamente starben.

Und nun die DDR zu verteufeln, wegen diesen Einnahmen, wo doch sonst die komplette Medizinische Versorgung für 16 Millionen Menschen gratis war, und die Testpatienten nicht unwissend über die Risiken, naja denk mir mein Teil.
Vielleicht kannten sie nicht alle Risiken, aber da in der DDR die meisten einen 10 Klassen POS Abschluss hatten und der ausreichte abschätzen zu können, dass Pharmatests nicht ohne Risiko sein können, so darf man davon ausgehn das jeder Patient im Bilde war
Es geht im Leben nicht immer NUR ums Geld "in die Welt ruf" und dabei nach Westdeutschland guck.
Sicher hat der Staat dort kassiert, aber glaubt einer das hat den todkranken einen Pfifferling gejuckt? der wollte Leben einfach nur Leben!
Klar Geld stinkt nicht und es ist eine gute Beruhigungspille (womit der Kreis sich schliesst :-D) aber wenn man regelrecht schon auf dem Sterbebett liegt, dann ist das jedem Latte.
Gut damals in der DDR wars Latte, man musste ja im Krankenhaus nichts zuzahlen und brauchte keine Angst haben nach dem Krankenhausaufenthalt mittellos dazustehn.

Ich nehme mal an im heutigen Deutschland, kann man auch Testperson werden, und man kann auch an den Nebenwirkungen sterben.
Ob man dafür Geld bekommt, dass weis ich nicht, Krankenkassenbeiträge hat man aber zuvor auf jedenfall gezahlt, also fürs verrecken auch noch selber geblecht.
Die Beerdigung muss dann auch noch die Sippe tragen.



Nun ja, heute testet man in der 3. Welt, in Afrika, dort kann natürlich jeder lesen was man ihm vorlegt.

Medizin ist immer so eine Sache, ohne testen an Lebewesen gehts offenbar noch nicht.
Mir ist es jedenfalls lieber, man testet an "Halbtoten" die darüber Kenntnis haben und sich Hoffnung versprechen, als an Analphabeten oder Tieren oder was sonst noch wehrlos ist.

Das Bild was die Medien vermitteln möchten, DDR (ganz böse), Pharmatests (ganz ganz böse), Geld dafür nehmen (ganz ganz ganz böse), ist nichts gegen die Hoffnungen die diese schwer kranken Menschen hatten und das Leben, das heute viele Dafür verlängern können.
Angesichts dessen wie und wo man heute testet ein scheinheiliges Bild.
Die Zeiten in denen Quacksalber Selbstversuche machten, sind schon lange vorbei.

Lasst euch nicht immer von billiger Polemik irgendwelcher Schmierfinken zu sehr beeinflussen, hinterfragt alles 3 mal, beleuchtet alles 3 mal und wägt das Für und das Wieder ab, viele Dinge sind weit weniger problematisch als sie auf den ersten Blick aussehn.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#14

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 10:52
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Übrigens...

Zitat
Schmutzige Geschäfte mit westlichen Pharmakonzernen brachten dem SED-Regime Millionen



...das ist die eine Seite der Münze.
Wobei das Wort "schmutzige", extrem reisserisch ist, wenn diese Geschäfte, sowohl von der Ost wie auch der Westseite, legal waren.
Die andere Seite ist, Pharmakonzerne verdienten an den Tests mit Sicherheit nicht nur paar Millionen, sondern Milliarden, wenn Medikamente erfolgreich getestet und dann in den Markt übernommen wurden.
Nicht unerwähnt dabei darf sein, wieviel Arbeitsplätze in der BRD dadurch gesichert oder erst geschaffen wurden.
Hat je ein Mitarbeiter eines Pharmakonzerns hinterfragt, wo und wie und unter welchen Bedingungen getestet wird?

Wer muss sich also hier in Wirklichkeit schämen, oder zumindest AUCH mit schämen?
Aber das ist typisch deutsch, stehts mit dem Finger auf andere zeigen ohne dabei selbst mal in den Spiegel zu schauen.


Zusatz:
Ich las auch, dass die DDR diese Einnahmen dazu verwenden wollte im medizinischen Bereich Modernisierungen durchzuführen, damit 16 Millionen Menschen eine bessere medizinische Versorgung haben.
Das ist auch ganz pööse
In der so genannten freien Marktwirtschaft, wären diese Einnahmen sicher GANZ woanders hin gewandert.


Und noch ein Zusatz - fällt mir beim lesen noch so ein.
Für viele Menschen, vielleicht sogar den überwiegenden Teil -mich da ausschliesse- war ja rigoros alles was aus dem Westen kam was ganz besonderes, was gutes, da konnte nichts schlecht sein, Ostmedizin taugte ja angeblich nichts, was war Ostmedizin gegen Westmedizin, Westmedizin half immer.

Selbst die billgste Bierplärre die im Westen nur arbeitslose soffen, war für uns im Osten ein ganz besonderer Schatz, die leeren Dosen wurden noch Jahre aufbewahrt, um mal zu zeigen, dass man mal ein Westbier hatte.
Ganze Brigaden oder Familien, haben EINE auf dem Tisch stehende Dose angehimmelt als würde da gleich Gott raus schlüpfen.

Arzt: Herr XYZ ich habe hier eine neue Medizin die Ihr Leiden mindern könnte.
Es ist noch nicht bekannt wie sie wirkt, sie wird noch getestet.
Diese Medizin kommt aus dem Westen, wollen sie testen? (a.d.R. der Arzt ist auch Dichter :-D)

Patient: Oh aus dem Westen, (ein freudiges Lächeln kommt ins Gesicht des Patienten)
Er denkt, da kommt nur gutes her, im Westen ist alles gut hat er aus der Werbung im Westfernsehn gelernt.
O.K. Herr Doktor ich möchte das testen, es kommt ja aus dem Westen.



Nach der Injektion kollabiert der Patient, ein letzter Gedanke geht durch sein Hirn, "die Kanüle aus dem Osten war bestimmt verseucht, die Medizin aus dem Westen konnte das nicht Schuld sein".
Bevor Kleinhirn an Grosshirn melden kann "Westmedizin war Schuld", ist der Probant dahin geschieden.

Ich glaub jeder der in der DDR gelebt hat, kann sich diesen oder ähnlichen Dialog vorstellen.
Heute stellen sich solche Patienten hin und sagen wie böse das alles war.
Immerhin leben sie noch, hat ihnen vielleicht diese Medizin geholfen?
Fragt sich wer hier die Trolle sind.
Ich geb auf solche Zeitzeugen schon lange nichts mehr, diese sind für mich unzurechnungsfähig.


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Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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zuletzt bearbeitet 05.12.2012 11:37 | nach oben springen

#15

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 11:13
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Ich bin echt kein DDR-Euphoriker, im Gegenteil, der miefige und großmäulige Überwachungs-Kleinstaat hat mich angek...
Was ich aus eigenem Erleben weiß das weiß ich und das lasse ich mir auch nicht ausreden.
Ganz vorsichtig bin ich aber bei diversen Enthüllungsstorys.
Das Böse kann durchaus auch Quote bringen und ein netter Programmfüller sein.
Ich traue den Verwaltungssozialisten so manches zu, speziell im Verhökern von Dingen für Hartgeld, da waren sie recht schmerzfrei.
Trotzdem sollte immer der Grundsatz gelten den wir aus der Mathematik kennen: "w.z.b.w."


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#16

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 11:15
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

In Polen nehmen die Schweizer Pharmakonzerne gern Obdachlose als Versuchskaninchen. Für 2Euro pro Kunde ein echtes Schnäppchen. Vor allem gibt es keine großen Probleme, wenn da mal ein paar den Löffel abgeben.
http://scienceblogs.de/lob-der-krankheit...ippe-impfstoff/


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#17

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 13:21
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

wieder ein schönes Beispiel für gut gemachte Propaganda, aus dünner Faktenlage, die kaum für einen Vierzeiler reichen würde, wird eine schmissige Story gezaubert mit Guten und Bösen im finsteren Reich.
Respekt für die Macher, die wissen, wie's geht!
Seltsam, daß die andere Seite das nicht annähernd so gut hingekriegt hat. Der einzige, der wenigstens etwas vom Fach verstand, war der böse Sudel-Ede.
Der gesamte Bereich "Öffentlichkeitsarbeit" war im "Wettstreit der Systeme" die mit weitem Abstand schwächste Disziplin des Ostens und ich habe bis heute keine plausible Erklärung dafür gefunden. Wurden alle, die in diesem Bereich etwas konnten und wollten, im gesamten Einflußbereich Moskaus von oben gedeckelt? Wenn ja, warum?
Vielleicht kann ja hier mal ein Insider aus der Schule plaudern...

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#18

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 15:52
von josy95 | 4.915 Beiträge

@LO- Wahnsinn, das hastb Du sehr schön und exellent treffend umschrieben!

Ich sehe da auch das zwielichtige Schwert - Täter im doppelten Sinne und wissende Opfer.

Es ist moralisch wenigstens ebenso verwerflich, Probanden total im Unwissenden zu lassen oder bewußt zu belügen. Aber ich denke mal, das ist hier in den wenigsten Fällen passiert. Ausgenommen natürlich die immer vorhandenen schwarzen Schafe, die es auch in der Pharmabranche gibt. Ebenso die schwarzen Schafe unter den Ärzten, die ihre Patienten nicht aufkärten. Ob nun aus Karrieregründen, politischem Untertangeist oder was für Gründen auch immer.
Es ist auch nüchtern davon auszugehen, das die Medikamente, die hier an Probanden aus der DDR getestet wurden, etlichen Vortests`s wie u. a. an Tieren unterzogen waren. Einen Skandal ähnlich wie beim Schlafmittel Contergan hätte man sich auf beiden Seiten nicht leisten können. Das wäre ein echter und bestimmt auch politischer Skandal geworden, über den die Medien wie die Geyer hergefallen wären. Bundesdeutsche bzw. westliche Pharmakonzerne wären da garantiert auch nicht gut bei weggekommen. Denn nicht zu vergessen, damals war die Macht namenhafter Pharmakonzerne auch bei Weitem noch nicht so ausgeprägt wie heute und sowas hätte durchaus das Aus für den einen oder anderen bedeuten können.

Auf der anderen Seite hat das Finden von geeigneten Probanden auch erheblich mit der sozialen Stellung, des Wohlstandes zu tun. Der besser betuchte kann sichn nun mal auch eine bessere medizinische Behandlung, bessere Medikamente leisten, auch wenn er selbst bezahlen muß. Und wie @LO- Wahnsinn es schon treffend beschrieb, der weniger Betuchte nimmt dann doch schon ein gewisses Risiko auf sich. Und damals, dafür verwette ich mich, war der Wohlstandsfaktor in der alten BRD eben schon so hoch, das hier Probanden kaum zu finden waren, weil doch jeder das Risko scheute.
In der DDR waren aber Westmark, Westprodukte gefragter denn je... und gerade die Medienpropaganda, die heute was ankreiden will, hat doch damals für diesen Eindruck östlich des Eisernen Vorhangs aktiv gesorgt, oder?

josy95


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#19

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 16:01
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ärzte in D erhalten z.B. Medikamente kostenlos von Pharmaziekonzernen, um sie in der Praxis zu testen, beliebt sind dafür unsere ausländischen Mitbürger mit geringen Deutschkenntnissen und schwacher sozialer Stellung. Da droht dann kein Ungemach infolge von Schadensersatzforderungen, wenn das Medikament nach hinten losgeht. Die Kunden greifen dann auch zu , da diese Medikamente kostenlos abgeben werden.


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#20

RE: Tests und Tote - Pharmaversuche an DDR-Bürgern

in Leben in der DDR 05.12.2012 18:21
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #19
Ärzte in D erhalten z.B. Medikamente kostenlos von Pharmaziekonzernen, um sie in der Praxis zu testen, beliebt sind dafür unsere ausländischen Mitbürger mit geringen Deutschkenntnissen und schwacher sozialer Stellung. Da droht dann kein Ungemach infolge von Schadensersatzforderungen, wenn das Medikament nach hinten losgeht. Die Kunden greifen dann auch zu , da diese Medikamente kostenlos abgeben werden.



...nun bleibe bitte mal etwas auf dem Teppich!


Selbst habe ich auch schon Testmedikamente (gegen meine chronische Borreliose) mir nach vorhergender ausführlicher Abwägung und Gesprächen verabreichen lassen, obwohl ich sonst in der glücklichen gesundheitlichen Verfassung bin, wenig oder besser im Moment von dem Zeug nichts wirklich zu brauchen. Ich bin auch glücklicher Weise nicht in einer finanziellen Schieflage, das ich dies nötig hätte. Es ist mir bisher alles gut bekommen, Nebenwirkungen auch nicht anders wie bei bereits handelsüblichen und konsumierten Medikamenten. Der s. g. Reißer gegen die Auswirkungen einer chronischen Borreliose waren jedoch auch nicht dabei. Ich wurde von meinem Hausarzt bzw. behandelnden Arzt anständig gefragt und aufgeklärt. Das Restrisiko war ich bereit zu tragen. Klar ist es ein Dienst am Profit der Pharmakonzerne, aber auch ein Dienst an der Allgemeinheit. Denn wie soll sonst die Medizin Fortschritte machen? Die Kriterien und Arzeneimittelgesetze sind schon sehr gestrenge in EU, USA usw.. Ein heutiger Pharmakonzern wird sich schlecht einen Skandal leisten können. Für Konkurenz und Medien wäre es das gefundene Fressen...!

josy95


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