#161

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2012 17:27
von 94 | 10.792 Beiträge

Na Du weißt aber auch schon, wie man seine Schweinebande an den Trog bekommt. Hätte ich einem graduierten Architekten nun mal garnicht so zugetraut. Und Gratulation, wobei die Tage nach deinem gelungenem Durchbruch möchte wohl keiner der 'Anwesenden' im der GK oder im GB zugebracht haben.
Nimm's dem Kulper (hießen die Bäuerlein in dieser Gegend eigentlich noch so?) nicht übel, aber der konnte das ja nicht erkennen, das die GT keine Tschangse hatte und diese dann nicht mal nutzte. Haste mal die (Deine?) BStU-Akte gezogen? Steht da (irgend)was zu dem ersten SuPo (ja ich weiß, nichtvorhandner K2 und so) drinne?

Aber will nicht drängeln, schöne Lesung bis jetzt, chapeau!


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 17.12.2012 17:33 | nach oben springen

#162

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 17.12.2012 18:00
von 80er | 560 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #161
Na Du weißt aber auch schon, wie man seine Schweinebande an den Trog bekommt.

Kannste so sehen, aber das ist nicht meine Absicht! Sowenig, wie der Bericht mit der eigentlichen Flucht begann, sowenig kann er mMn. auch nicht mit derselben enden.

Zitat
Nimm's dem Kulper (hießen die Bäuerlein in dieser Gegend eigentlich noch so?) nicht übel, ...


Ja, an diesen Begriff kann ich mich noch erinnern.

Zitat
Haste mal die (Deine?) BStU-Akte gezogen? Steht da (irgend)was zu dem ersten SuPo (ja ich weiß, nichtvorhandner K2 und so) drinne?


Ich habe schon sehr früh, Anfang der Neunziger, meine Akte "gezogen". Am Tag nach dem "unerlaubten Grenzübertritt" wurde eine Akte "Architekt" angelegt, die aber (noch) keine Details enthielt, die für mich zu einem "AHA-Erlebnis" geführt hätten. Ich habe aber vor, auch angeregt durch Beiträge hier im Forum, einen neuen Antrag zu stellen, weil ja durch das (später) speziell entwickelte "Schnipsel-Puzzle-Schredderfolgen-Computerprogramm" mit weiteren, Akte füllenden Beiträgen zum Thema, zu rechnen ist.


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zuletzt bearbeitet 17.12.2012 18:02 | nach oben springen

#163

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2012 16:46
von 80er | 560 Beiträge

Der VW-Bus kam pünktlich, lud Benno ein und nahm in mit in den nächsten grösseren Ort. Das gleiche Bild wie eben, Schlaf vertriefte Insassen ohne jegliches Interesse an Bennos Ge-schichte. Am nächsten Tag werden sie Bennos Flucht in der Blöd Zeitung lesen, aber sich nicht erinnern, dass der Flüchtling mit ihnen im gleichen Bus gesessen hat. Schon wieder enttäuschend!
Der Fahrer zeigte ihm noch, wo der Wohnblock der GZD-Beamten zu finden war und setzte ihn am Ortsrand des nächsten grösseren Dorfes ab.

Der Wohnblock für Bundesbeamte war leicht auszumachen; quadratisch, praktisch, gut lag er am Dorfrand der Ortschaft. Benno betätigte die Klingel, aber es passierte nichts.
Nach gefühlten 10 Minuten ging Benno um das Haus herum und während er am Gartenzaun wartete, ging in Rufweite ein Fenster im Erdgeschoss auf und ein Mann rief aus dem Fenster heraus:
Issn los?
Ich bin gerade geflüchtet und will mich melden.
Aber jetzt doch nicht! Fenster zu.
Ich musste ihn aus dem Bett geklingelt haben, denn nach ein paar Sekunden ging das Fenster noch einmal auf und er rief erneut;
Wie? Was noch mal?
Ich bin gerade geflüchtet und will mich melden.
Aaach, ich dachte du bist der Handwerker – Benno hatte noch immer die Strickleiter unter dem Arm -, warte mal, ich komme.
Der Bundesbeamte liess Benno in der Küche seiner Wohnung Platz nehmen, setzte sich im Unterhemd an den Küchentisch, hörte sich die Kurzgeschichte von Bennos nächtlicher Flucht an und telefonierte dann umgehend mit irgend einer weiteren Amtsperson, während er Benno von oben bis unten betrachtete.
Also, du wirst dann gleich abgeholt!
Mehr wollte der Beamte mit Benno nicht anfangen. Gut, er sah vielleicht aus wie ein Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft, aber eine Frage nach dem persönlichem Befinden, von heissem Kaffee ganz zu schweigen, wäre leicht drin gewesen.
So abgeklärt hatte er sich den Westen nun wirklich nicht vorgestellt!
Nach peinlicher Stille – vom Radioprogramm in HR3 einmal abgesehen- holte Benno ein Streifenwagen ab, der ihn in die Polizeiwache nach Eschwege brachte.
Das war auch der erste Ort, dessen Namensnennung Benno erwähnenswert findet, denn hier begann die richtige Zivilisation. Ein Ort, dessen Grösse immerhin ein eigenes Kfz Kennzeichen –ESW- rechtfertigte.

Edit: Rechtschreibfehler


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zuletzt bearbeitet 18.12.2012 19:49 | nach oben springen

#164

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 18.12.2012 22:49
von amigaguru | 96 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #144
Schei... Engstellen, grenztaktisch eine echte Herausforderung. Will nicht sagen keine, zumindest sehr schlechte Tschangsen, also für GT. Doch was mich jetzt bissel überrascht auch bei Dir @amigaguru (auch ich spielte ja schon mal mit dem Gedanken am Anfang fast jede Schicht sogar); Ihr habt Euch alle Zeit der Welt gelassen, das fiel mir auch schon bei dem Zaunkletterer auf. Und ich hatte immer den größten Schiß vor einem Speedrun ...

Hallo,
ich habe damals das Grenzgebiet gut gekannt,war ja selbst dabei.Ich bin erst ca.14 Tage nach meiner Entlassung "abgehauen".
Zu meiner Zeit,hieß es nur beobachten,egal wie lange es dauert.Ich mußte ja sehen,wie die Ablösung der Posten waren.Natürlich war Voraussetztung,das
ich mich im Grenzgebiet auskannte.Dein"Speedrun" wäre vielleicht in späterer Zeit angebracht gewesen.Damals war auch die Grenze noch etwas
offener gewesen,als später.Oft waren am Tage,nur drei-vier B-Türme besetzt und auch nachts waren nur nur drei Grenzposten im Abschnitt,außer
einer Grenzstreife,auf ca. 5-7 Km.Ich habe es selbst einige Male erlebt,das alle Grenzposten sich am Ortsende von Kirchgandern auf einer Bank getroffen haben und dort "Einen Getrunken" haben.Die Grenze war da vollkommen frei,man hätte mit einen Möbelwagen da durchbrechen können.
Irgend ein Soldat oder Gefreiter hatte Geburtstag gehabt.Ich habe als "Gruppenführer" nichts dazu gesagt,obwohl ich es melden mußte.Aber wir wollten
auch nicht den"Löwen" wecken.
Damals ging es ruhiger zu,acht,sechs oder vier Stunden Dienst und ab und zu mal UvD.Danach war Freizeit angesagt.Fernsehen oder Ausgang.Ausgang meist,oder fast immer in einer Kneipe,auch schon mit Moselwein und mit den"Dorfschönheiten"schäkern,oder auch mehr.

Gruß
amigaguru


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#165

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 19.12.2012 12:34
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von amigaguru im Beitrag #164
Dein"Speedrun" wäre vielleicht in späterer Zeit angebracht gewesen.Damals war auch die Grenze noch etwas offener gewesen,als später.Oft waren am Tage,nur drei-vier B-Türme besetzt und auch nachts waren nur nur drei Grenzposten im Abschnitt,außer einer Grenzstreife,auf ca. 5-7 Km.

Der sogenannte Speedrun (so richtig glücklich bin ich mit diesem Begriff zugegebnermaßen nicht) war zu meiner Zeit mMn die einzige Option, mal von Brute-Force mit gepanzerten Fahrzeugen o.Ä. abgesehen. Was mich (nachträglich) überrascht, ist das es gelang (bei Dir, aber auch beim Threadowner und beim Zaunkletterer) den 'Klingelzaun' ohne wesentliche Anzeichen zu überwinden bzw. die Anzeichen vom SuPo 'übersehen', also ignoriert wurden. Damit war der Rest dann ein Spaziergang. Bitte nicht falsch verstehen, aber es kam ja zu keinen weiteren grenztaktischen Handlungen von seitens des Gegners, also in eurem Fall der GT. Also ich will damit die Leistung eines erfolgreichen Durchbruchs in keinster Weise schmälern, nur hattet ihr da ein ausgesprochenes Glück. Deswegen an dieser Stelle die Frage, @80er hatte die ja sogar schonemal indirekt beantwortet.
Wie war Dein 'Plan B', wenn es zu massiven Handlungen seitens der GT gekommen wäre? Also das volle Programm, SuPo mit Färtenhund innen am Zaun, Abrieglung erst verbreitern, dann verdichten. Dann Abrieglung staffeln, damit auch der Rückweg dicht ist, bei Anbruch Helligkeit Hundemeute usw.

P.S. Die Postendichte war zu meiner Zeit fast noch geringer, 3 Postenpaare, davon 2 als AGruppe was meint motorisiert, eine halbe (nur 4h) KSt und ein Hund mit GAkl im Hinterland für 15km Staatsgrenze, mehr hatte ich nicht in der Standardkonfig für eine 19/03. Um so wichtiger war es für den KGSi über den tatsächlichen Aufenthalt der Posten Bescheid zu wissen und trotzdem gewisse 'Delikte' (wie zum Beispiel ein Trainigsanzug unter der Watte) im Grenzdienst mehr oder weniger wohlwollend zu aktzeptieren ...


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zuletzt bearbeitet 19.12.2012 12:57 | nach oben springen

#166

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 19.12.2012 13:19
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #165
... Was mich (nachträglich) überrascht, ist das es gelang (bei Dir, aber auch beim Threadowner und beim Zaunkletterer) den 'Klingelzaun' ohne wesentliche Anzeichen zu überwinden bzw. die Anzeichen vom SuPo 'übersehen', also ignoriert wurden...


Mich überrascht das eigentlich nicht so sehr.
Selbst dort wo wir einen GSZ hatten war der wetter- und klimabedingt genau wie der zugehörige Spurenstreifen eigentlich immer in einem Zustand, der eine wirklich sichere Beurteilung nur selten zuließ. Anders, ganz anders als im Flachland, welches ich im Bereich Abbenrode ja auch erlebt habe. Vom Signalaufsatz auf dem Zaun I ganz abgesehen. Es soll Fälle (Frühsommer 1985) gegeben haben, wo der kontrollierende GAK absichtlich eine Spur hinterließ, damit der nach einem Durchbruch schon tagelang andauernde Sa...stand mit Kontrollen da und dort endlich ein Ende hatte. Und dann wollte keiner glauben das da wirklich eine Spur war!!!
Von dem Umstand, das bei besonders nassen Wetter, bei Eisregen, bei Schneesturm wie zu hohem Schnee, bei Nebel der GSZ wie auch der Signalaufsatz abgeschaltet waren um nicht zu viele Dauerauslösungen zu fabrizieren, ganz abgesehen.
Bis zur Einführung der Glasfieberstäbe als Signaldrahtträger waren selbige oft auch stabil genug um den Aufstieg eines normalgewichtigen Menschen problemlos und spurlos auszuhalten. Anders als in der Theorie.
Postendichten von einem Posten auf 3 Kilometern waren auch im Harz normal.
Ich habe unseren "Laden" in einer Dienstversammlung mal mit Potemkinschen Dörfern gleichgesetzt. Das hat mir einigen Ärger eingebracht aber falsch war´s nicht.
Jedoch auch dann, Respekt Benno, es gehörte durchaus eine ordentliche Nervenstärke dazu, so durchzumarschieren.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#167

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 19.12.2012 16:41
von 80er | 560 Beiträge

Nach einer ersten Begrüssung durch den Dienststellenleiter schickte dieser seine Sekretärin zum Bäcker, um belegte Brötchen zu holen, in der Zwischenzeit kochte ein anderer Beamter Kaffee und ein weiterer besorgte Benno neue trockene Füsslinge für seine nassen Lederstiefel aus Polizeibeständen. Ob er sonst noch etwas brauche, wurde er anschliessend noch gefragt, aber Benno fiel nichts Existentielles ein. Jetzt war er endlich im Westen bzw. in der Zivilisation angekommen. Vorher, das war nur der vergessene Osten des Westens. Nachdem Benno die Ereignisse der letzten Nacht zu Protokoll gegeben hatte und die Grundbedürfnisse befriedigt waren, wurde er noch am gleichen Nachmittag wieder von einem VW Bus im Bundeswehr Grün abgeholt und in die BGS Kaserne nach Bad Hersfeld gebracht.

Ein BGS Beamter hörte sich die vollständige Fluchtgeschichte an und protokollierte auch Bennos Fluchtzubehör. Die Strickleiter „spendete“ Benno an die Asservatenkammer der Kaserne. Als Bennos Kunststoffkompass von der rechten Schreibtischseite, am verächtlichen Gesicht des Betrachters vorbei, auf die linke Tischseite wanderte, schrieb er mit süffisantem Kommentar „Plastikkompass, Kaufhausware“, in sein Protokoll. Aha, hier werden die Dinge immer zuerst nach ihrem Wert und nicht nach der Funktion taxiert; Daimler, Fiat, Trabant! Dieser Blödmann konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass es in der Ehemaligen keine Wahl gegeben hat, sondern der Konsument froh war, überhaupt etwas zu bekommen. Möglich sogar, dass in der DDR nach dieser Flucht selbst „Kaufhauskompasse“ nicht mehr zu bekommen waren!.

Dies war auch so ein Schlüsselerlebnis. Wenn Benno heute einen Menschen mit Sonnenbrille auf der Birne, ja, auf der Birne und nicht auf der Nase, sieht, wo z.B. „Lucci“ draufsteht, dann lacht er innerlich und weiss, keine Kaufhausware, der/die kann sich Daimler leisten – „Lucci“ wird sich freuen, auch ohne Sonne Werbung umsonst, Haben geht vor Sein? (lt. Standardwerk von E. Fromm genau umgekehrt; war übrigens Pflichtlektüre in der Studentengemeinde und wurde vor Spitzelzugriff im „Giftschrank“ verwahrt, anstatt in der Bibliothek).

Dennoch nannte Benno Namen von ehemaligen Vorgesetzten seiner alten Einheit, an die er sich noch erinnern konnte. Schliesslich konnte er auch als geschleuster Agent eine Geschichte auftischen. Je mehr er aber von seinem alten Wissen preis gab, desto eher konnte er sich von dem, aber zu keiner Zeit in den Raum gestellten Vorwurf, ein Agent zu sein, befreien.
Hinzu kam noch, dass Benno ausgerechnet in einem Grenzabschnitt geflüchtet war, in dem die Splitterminen auf eine Länge von höchstens 800 m tatsächlich noch nicht montiert waren. Auf der Karte im Dienstzimmer des BGS Beamten war deutlich mit Rot eingezeichnet, wo der Grenzzaun bereits fertig gestellt war und mit einer anderen Farbe, wo eine Komplettierung noch zu erwarten sein würde. War soviel Zufall denn überhaupt möglich?


Gert, 94, Schuddelkind, Schreiberer, Svenni1980, CAT und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.12.2012 14:23 | nach oben springen

#168

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 19.12.2012 19:32
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #167
Nach einer ersten Begrüssung durch den Dienststellenleiter schickte dieser seine Sekretärin zum Bäcker, um belegte Brötchen zu holen, in der Zwischenzeit kochte ein anderer Beamter Kaffee und ein weiterer besorgte Benno neue trockene Füsslinge für seine nassen Lederstiefel aus Polizeibeständen. Ob er sonst noch etwas brauche, wurde er anschliessend noch gefragt, aber Benno fiel nichts Existentielles ein. Jetzt war er endlich im Westen bzw. in der Zivilisation angekommen. Vorher, das war nur der vergessene Osten des Westens. Nachdem Benno die Ereignisse der letzten Nacht zu Protokoll gegeben hatte und die Grundbedürfnisse befriedigt waren, wurde er noch am gleichen Nachmittag wieder von einem VW Bus im Bundeswehr Grün abgeholt und in die BGS Kaserne nach Bad Hersfeld gebracht.

Ein BGS Beamter hörte sich die vollständige Fluchtgeschichte an und protokollierte auch Bennos Fluchtzubehör. Die Strickleiter „spendete“ Benno an die Asservatenkammer der Kaserne. Als Bennos Kunststoffkompass von der rechten Schreibtischseite, am verächtlichen Gesicht des Betrachters vorbei, auf die linke Tischseite wanderte, schrieb er mit süffisantem Kommentar „Plastikkompass, Kaufhausware“, in sein Protokoll. Aha, hier werden die Dinge immer zuerst nach ihrem Wert und nicht nach der Funktion taxiert; Daimler, Fiat, Trabant! Dieser Blödmann konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass es in der Ehemaligen keine Wahl gegeben hat, sondern der Konsument froh war, überhaupt etwas zu bekommen. Möglich sogar, dass in der DDR nach dieser Flucht selbst „Kaufhauskompasse“ nicht mehr zu bekommen waren!.

Dies war auch so ein Schlüsselerlebnis. Wenn Benno heute einen Menschen mit Sonnenbrille auf der Birne, ja, auf der Birne und nicht auf der Nase, sieht, wo z.B. „Lucci“ draufsteht, dann lacht er innerlich und weiss, keine Kaufhausware, der/die kann sich Daimler leisten – „Lucci“ wird sich freuen, auch ohne Sonne Werbung umsonst, Haben geht vor Sein? (lt. Standardwerk von E. Fromm genau umgekehrt; war übrigens Pflichtlektüre in der Studentengemeinde und wurde vor Spitzelzugriff im „Giftschrank“ verwahrt, anstatt in der Bibliothek).

Dennoch nannte Benno Namen von ehemaligen Vorgesetzten seiner alten Einheit, an die er sich noch erinnern konnte. Schliesslich konnte er auch als geschleuster Agent eine Geschichte auftischen. Je mehr er aber von seinem alten Wissen preis gab, desto eher konnte er sich von dem, aber zu keiner Zeit in den Raum gestellten Vorwurf, ein Agent zu sein, befreien.
Hinzu kam noch, dass Benno ausgerechnet in einem Grenzabschnitt geflüchtet war, in dem die Splitterminen auf eine Länge von höchstens 800 m tatsächlich noch nicht montiert waren. Auf der Karte im Dienstzimmer des BGS Beamten war deutlich mit Rot eingezeichnet, wo der Grenzzaun bereits fertig gestellt war und mit einer anderen Farbe, wo eine Komplettierung noch zu erwarten sein würde. War soviel Zufall denn überhaupt möglich?




Hab ziemlich genau die gleiche Fürsorge von der bayrischen Grenzpolizei erfahren. Hatte mir während der Fluchtaktion am Stacheldraht die Hose zerrissen, sodass ein Grenzpolizist beauftragt wurde, mir eine neue Hose zu kaufen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#169

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.12.2012 14:27
von 80er | 560 Beiträge

Nach etwa einer Stunde Befragung kamen zwei Beamte des BGS in das Zimmer und wollten wissen, ob DAS ihm gehören würde. Benno bejahte ihre Frage. Sie hielten das Tablettenröhrchen hoch, das er nach der Übersteigung des GZ in die Büsche geworfen hatte. Benno war beeindruckt. Einerseits bedeutete dieser Fund, dass Benno seinen Grenzübertritt präzise an der Übersichtskarte lokalisieren konnte und andererseits, wie es möglich war, ein kleines Tablettenröhrchen, der Nadel im Heuhaufen gleichend, auf unkultiviertem Terrain zu finden.
Ja, sie mussten vermutlich dabei auch noch DDR Gebiet betreten haben! Dies war eine erneute Bestätigung seiner Geschichte. Sie erwähnten noch, dass SIE ihn da drüben schon suchen würden!
Am anderen Tag nach einer Übernachtung mit Vollpension in der Kaserne, durchlief er noch die Befragungen von BND und MAD ohne konkrete Erinnerung an Einzelheiten. Es ging dabei wahrscheinlich auch darum, ob Bennos Fluchtgeschichte plausibel ist und ob noch irgendwelche strategisch militärischen Informationen abzuschöpfen waren.

Der Bundesgrenzschutz brachte Benno anschliessend in das Notaufnahmelager nach Giessen. Dort wurde er neu eingekleidet – leider nur mit Kaufhausware -, sein Perso im sog. Notaufnahmeverfahren umgeschrieben und mit 80(?) DM Begrüssungsgeld beglückt. Die Altkleider samt Lederstiefel landeten im Container, sicher auch deshalb, weil damit symbolisch ein altes Leben zu Ende gegangen war. Seine Familie und Freunde würde er nun längere Zeit nicht mehr sehen. Nun war er Bundesbürger. Das Übergangswohnheim Schweinfurt war Bennos letzte Station im Aufnahmeverfahren.

Hier erinnert er sich an eine kleine Anecktode; für die Umschreibung seines Führerscheins hatte er sich 2 Passbilder zu besorgen. Ihm wurde ein Passbildautomat im nahen Kaufhaus genannt und Benno liess von sich eine Serie Bilder knipsen. Abschliessend wollte er die Fotos der Ausgabestelle entnehmen, aber es gab keine. Nach keiner Minute Warten ging Benno einmal durch das EG des Kaufhauses und entschied, es noch einmal zu versuchen, denn Bilder brauchte er ja. Vielleicht hatte er ja etwas falsch gemacht - Passbildautomaten waren in der DDR ja völlig unbekannt. Als er wieder zum Automaten kam, zeigte ein Fotostreifen aus dem Ausgabeloch – es war seiner!
Es stand nirgends ein Hinweis, wie lange die Wartezeit bis zur Bildausgabe dauern würde...

Nach 2 Wochen Aufenthalt im Übergangswohnheim, verliess Benno Bayern in Richtung Baden Württemberg. Es war kurz vor Weihnachten und seine Verwandten in Süddeutschland fühlten sich verpflichtet, ihn vorerst aufzunehmen.


Gert, Schuddelkind, Svenni1980, CAT und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#170

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.12.2012 15:02
von Gert | 12.354 Beiträge

Hallo 80 er , Benno müsste 150,00 DMchen einmalige Beihilfe der Bundesregierung im Giessener Lager erhalten haben , so wie 1965 ich es in Giessen erlebt habe. Oder hatten die da schon wieder den Rotstift angesetzt ?
Das mit den Bildern finde ich gut, musste echt schmunzeln. So hat man BRD gelernt, ist mir in der Anfangszeit hin und wieder in verschiedenen Lebenssituationen auch passiert. Es gab ja kein Handbuch "wie lebe ich BRD", und so etwa haben es die Zurückgebliebenen 1989 kollektiv erlebt.
Sehr interessanter Bericht, diese Fluchtgeschichte und ich habe so manchen aha Effekt.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#171

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.12.2012 15:10
von linamax | 2.015 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #170
Hallo 80 er , Benno müsste 150,00 DMchen einmalige Beihilfe der Bundesregierung im Giessener Lager erhalten haben , so wie 1965 ich es in Giessen erlebt habe. Oder hatten die da schon wieder den Rotstift angesetzt ?
Das mit den Bildern finde ich gut, musste echt schmunzeln. So hat man BRD gelernt, ist mir in der Anfangszeit hin und wieder in verschiedenen Lebenssituationen auch passiert. Es gab ja kein Handbuch "wie lebe ich BRD", und so etwa haben es die Zurückgebliebenen 1989 kollektiv erlebt.
Sehr interessanter Bericht, diese Fluchtgeschichte und ich habe so manchen aha Effekt.



Hallo Gert
Ich habe 1967 auch noch 150.- DM bekommen .Bei meiner Flucht hatte die Dienststelle des BGS wo wir uns melden wollten komplett geschlafen .
Wir mußten lange klingeln ehe sie wach wurden .


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#172

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.12.2012 15:17
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #171
Zitat von Gert im Beitrag #170
Hallo 80 er , Benno müsste 150,00 DMchen einmalige Beihilfe der Bundesregierung im Giessener Lager erhalten haben , so wie 1965 ich es in Giessen erlebt habe. Oder hatten die da schon wieder den Rotstift angesetzt ?
Das mit den Bildern finde ich gut, musste echt schmunzeln. So hat man BRD gelernt, ist mir in der Anfangszeit hin und wieder in verschiedenen Lebenssituationen auch passiert. Es gab ja kein Handbuch "wie lebe ich BRD", und so etwa haben es die Zurückgebliebenen 1989 kollektiv erlebt.
Sehr interessanter Bericht, diese Fluchtgeschichte und ich habe so manchen aha Effekt.



Hallo Gert
Ich habe 1967 auch noch 150.- DM bekommen .Bei meiner Flucht hatte die Dienststelle des BGS wo wir uns melden wollten komplett geschlafen .
Wir mußten lange klingeln ehe sie wach wurden .

@linamax
Ja ähnlich ging es uns, wir sind etwa morgens um 1/2 5 in Fladungen/Bay angekommen und haben bei der bayr. Grenzpolizei geklingelt. Die Frau des Stationschefs schaute verschlafen aus dem Fenster und fragte unwirsch , wos woinns denn ? Dann ging aber alles ganz schnell, wir wurden eingelassen und der Chef sprang in seine Uniform, endlich wieder mal etwas los an der Zonengrenze.


.
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#173

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 20.12.2012 18:10
von 80er | 560 Beiträge

@ Gert
@ linamax


Legt´mich bitte nicht fest, ich kann mich irren! Ich habe 80 DM in Erinnerung, aber es können auch 150 gewesen sein.
Sind ja 30 Jahre her und Geld hat mir nie soviel bedeutet.


Gert und linamax haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.12.2012 18:42 | nach oben springen

#174

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.12.2012 13:21
von 80er | 560 Beiträge

Epilog

Durch Vermittlung der Verwandtschaft bekam Benno sehr schnell Arbeit bei einem der grossen Baulöwen am Ort. Ein schwerer Moschusgeruch ging morgens durch das Büro und jeder wusste, der Chef ist heute schon durch …
Als nach 1 ½ Jahren dort Schluss war, weil sich die Auftragslage auf dem Bau bekanntlich in Wellenbewegungen hinzog und wieder einmal zurückging, bewarb er sich bei verschiedenen Institutionen, die Entwicklungshelfer vermittelten.
Die Bundesrepublik war ja nie das Land seiner Wahl!
Weil Benno aber weder Hebamme noch Krankenschwester war, Pädagogik, Medizin, Wasserbau oder Landwirtschaft studiert hatte, wurde daraus nichts.

Nach verschiedenen beruflichen Stationen landete Benno Ende der 80er im öffentlichen Dienst bei einer Landesbehörde. Als man Anfang der 90er Jahre feststellte, dass der „Anschluss“ nicht nur Geld, sondern viel Geld kosten würde, erfand man im öffentlichen Dienst die Sparaktion „Verwaltung 2000“ (keine Ironie, das hiess wirklich so und hatte mMn überhaupt nichts zu tun mit einer Unterabteilung des MfS gleichen Namens!)
In deren Folge wurden u.a. Personalkosten im öffentlichen Dienst eingespart indem u. a. keine Arbeitsverträge mehr verlängert wurden (die Mitarbeiter, die bereits einen Festvertrag hatten, wurde man ohnehin bis zur Pensionierung nicht mehr los), so dass man Benno beruflich als „Wendeopfer“ bezeichnen könnte – sein Vertrag wurde nicht verlängert! Sch**ss Wende!

Um das Bild abzurunden; 1983 stand Benno in der Menschenkette gegen Nachrüstung zwischen Ulm und Stuttgart mit auf der Strasse und wählte im gleichen Jahr mit seiner Stimme die GÜNEN in den Bundestag.
Seit diese Partei zur Öko FDP mutiert ist, wählt er die (West) LINKE und hofft, dass die, diese Partei mit wählenden Betonköpfe im Osten, möglichst bald die biologische Lösung treffen möge.

Als Frühpensionär konnte er endlich Deutschland verlassen und lebt seit 5 Jahren auf einem abgelegenen Hof in den Südvogesen, wo er in schöner Natur und Ruhe Hobbylandwirtschaft betreibt.

Denn:

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!


Pfropfmesser 949, CAT und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.12.2012 14:58 | nach oben springen

#175

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.12.2012 14:25
von Fritze (gelöscht)
avatar

Dann hat er ja bekommen ,was er verdient hat . (ohne Ironie)


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#176

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.12.2012 15:20
von kassberg | 91 Beiträge

@80er:
Danke für den Bericht, war sehr interessant.
Ich habe noch ein paar Fragen und Anmerkungen.

Hast Du Die Wirkung der Faustan vorher mal getestet? Ich kann mir vorstellen, dass die durch das Medikament hervorgerufene Gelassenheit auch Nachteile hat (verringerte körperliche Leistungsfähigkeit o.ä.)

Da Du Dich entschieden hast, in Frankreich zu leben: Gehe ich richtig in der Annahme, dass für Dich der Vorteil einer entspannteren Lebensart schwerer wiegt als ein nicht perfekter Service ?

Es gab schon in den achziger Jahren befristete Verträge im ÖD? Ich dachte immer , das Teilzeit und Befristungsgesetz wäre eine Erfindung der "Neuzeit" ?

Da Du wählen gehst: Was bringt Dich dazu , nach mehreren Jahrzehnten in der Bundesrepublik noch an die parlamentarische Demokratie zu glauben ?



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#177

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 21.12.2012 17:00
von 80er | 560 Beiträge

Zitat von kassberg im Beitrag #176

Hast Du Die Wirkung der Faustan vorher mal getestet? Ich kann mir vorstellen, dass die durch das Medikament hervorgerufene Gelassenheit auch Nachteile hat (verringerte körperliche Leistungsfähigkeit o.ä.)

Was die Medikamenteneinnahme angeht, war ich sehr blauäugig. Ich hatte zu dieser Zeit keinerlei Erfahrung mit Medikamenten. Mir wurde gesagt, dass diese „Faustan“ beruhigend wirken sollen.
Diesen Eindruck habe ich auch gewonnen. Vielleicht war ich nicht lange genug im Schutzstreifen unterwegs bzw. hatte körperlich nicht wirklich etwas zu leisten; an irgendwelche Nachteile kann ich mich im nach hinein jedenfalls bzgl. der körperlichen Leistungsfähigkeit nicht erinnern.

Zitat
Da Du Dich entschieden hast, in Frankreich zu leben: Gehe ich richtig in der Annahme, dass für Dich der Vorteil einer entspannteren Lebensart schwerer wiegt als ein nicht perfekter Service ?


Das kann ich eindeutig mit JA beantworten.
Heute morgen auf der Post. 3 Schalter, einer besetzt, Weihnachtsandrang, Pakete, Päckchen, ganz schnell standen 8 Leute hintereinander. Niemand kommt dort auf die Idee „zweite Kasse bitteee“ zu rufen, während ich mich als Deutscher in solchen Situationen immer noch als schwer durchatmend erlebe, obwohl ich überhaupt keine Eile habe.
Noch ein Satz zum Thema Service; wer Klopapier braucht, wird es kaufen, ob ich als Kassierer lächle oder nicht, ist unrelevant! Der Unterschied zu früher in der DDR ist nur, ich habe die Wahl zwischen min. 10 Dicken, Marken und Designs –ob das nötig ist, eine andere Frage - und es gibt immer welches.

Und noch etwas. Die sozialistischen Traditionen bringen ganz schnell das Volk auf die Strasse – ähnlich auch in Italien. Man verlässt sich nicht auf die Gewerkschaften, wie in Deutschland. Droht z.B. ein Staatsbetrieb privatisiert zu werden, fahren tagelang keine Öffentlichen und die Mehrheit toleriert das auch. Selbst in der Provinz wird z.B. mit Dispfarbe quer über die Strassen geschrieben „Der Betrieb XY muss staatlich bleiben“.
Über die Deutschen sagt man: „Die Deutschen würden auch gerne streiken, aber die haben keine Zeit, sie müssen arbeiten!“

Zitat
Es gab schon in den achziger Jahren befristete Verträge im ÖD? Ich dachte immer , das Teilzeit und Befristungsgesetz wäre eine Erfindung der "Neuzeit" ?


Zu dieser Frage kann ich nur von mir ausgehen. Mein 5 Jahresvertrag wurde nicht verlängert und endete 1994. Eine Verlängerung hätte mich unkündbar gemacht und solche Arbeitsverträge hatte der ÖD schon zur Genüge.

Zitat
Da Du wählen gehst: Was bringt Dich dazu , nach mehreren Jahrzehnten in der Bundesrepublik noch an die parlamentarische Demokratie zu glauben ?


MMn. ist die parlamentarische Demokratie noch nicht ausgeschöpft, denke ich nur an mehr Entscheidungsmöglichkeiten von „unten“ (Volksentscheide). Andererseits glaube ich nicht, dass eine Linke Regierung in einer Kapitalgesellschaft eine reelle Chance hätte. Nur im europäischen Massstab könnte die Linke einen grösseren Einfluss nehmen, als sie es in Deutschland je haben wird. Nicht wählen ist für mich keine Lösung, obwohl ich auch ab den späten 90er Jahren nicht wusste, was oder wen ich wählen sollte.


Pitti53, Schuddelkind und damals wars haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#178

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.12.2012 10:42
von 80er | 560 Beiträge

Da es offensichtlich zu meinem Bericht keine Fragen mehr gibt, gehe ich davon aus, dass mein Beitrag insoweit plausibel
gewesen ist.
Mein Dank geht deshalb an alle Leser dieses Freds, Insbesondere auch, weil die Forennutzer mir "meinen" Fred
gelassen haben, ohne ihn zu zerpflücken.

Ich wünsche allen Lesern, die den Weltuntergang überlebt haben, besinnliche Weihnachtstage 2012.

Es grüsst
80er

PS: Gerne hätte ich die 10.000 Klicks in 4 Wochen erreicht, aber da hat der Stoff doch nicht so weit gereicht.


Svenni1980, tesssi55, CAT und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.12.2012 12:10 | nach oben springen

#179

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.12.2012 13:27
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Hallo 80er,

ein paar Fragen hätte ich schon, bin mir nur noch nicht schlüssig ob ich sie hier im öffentlichen Teil stellen werde.

Gruß
Nostalgiker

Ps.: Insgesamt ein interessanter Bericht


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#180

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.12.2012 13:33
von Brandy | 21 Beiträge

Ja auch brandy meldet sich,an Interesse soll es nicht fehlen also leg los


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