#61

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.11.2012 18:25
von 80er | 561 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #55

Sag mal, verwechsle ich hier was mit der Kompaniesicherung oder gab es da unterschiedliche Definitionen ? Bis in´s zeitige Frühjahr rein 1968 hatten wir eine Sicherung, in der ebenso die Kompanie nur ihren Abschnitt sicherte. Das bedeutete, jeder Zug in der Kompanie hatte eine andere Schicht, sodaß ständig Umgangsformen auf dem Flur herrschten, die denen bei Nachtruhe glichen. Es wurde nicht laut rumgebrüllt und in unserem Kfz-Zug schlief ständig irgendeiner im Zimmer. Bei uns hieß das aber "Zugsicherung", weil der betreffende diensthabende Zug den Kompanieabschnitt sicherte.
Bei der anschließend eingeführten "Kompaniesicherung" war die Kompanie komplett draußen und sicherte den gesamten Regimentsabschnitt.


Scheinbar wird der Begriff unterschiedlich definiert, in Abhängigkeit der jeweiligen Dienstzeit. Während meiner Dienstzeit waren die Kraftfahrer schon auf die Züge verteilt. Ansonsten lief die Sicherung so ab, wie bei Euch Ende der 60er Jahre. Nur hiess es Kompaniesicherung, weil die Kompanie ihren Abschnitt allein zu sichern hatte. 1 Zug Dienst, 1 Zug Vorbereitung/Bereitschaft, 1 Zug Nachtruhe, 1 Zug Frei/Freizeit/Alarmgruppe.

Beim Lesen hier im Forum ist mir aufgefallen, dass später in den 80er Jahren wieder von Kompaniesicherung geschrieben wurde. Mir ist dabei nicht klar, ob man dabei zum alten Dienstaufzug zurückkehrte, oder diese Sicherungsart neu definiert wurde.


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#62

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.11.2012 18:32
von 80er | 561 Beiträge

Zitat von jecki09 im Beitrag #58
wie sollte denn ein Stück Wild, nach Auslösung von Minen "feindwärts des GZ I" gelangen???

Soweit mir bekannt ist, wurden Antipersonenminen in den 60er Jahren verlegt. Der GZ1 wurde erst später zwischen Minengasse und Hoheitszeichen gebaut. In dem einen Abschnitt früher, in einem anderen Abschnitt später. Im Grenzverlauf der 6. GK gab es Minengassen ohne GZ1 und Minengassen ohne GZ1 und ohne Minen!


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#63

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.11.2012 18:39
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Zitat
Scheinbar wird der Begriff unterschiedlich definiert, in Abhängigkeit der jeweiligen Dienstzeit. Während meiner Dienstzeit waren die Kraftfahrer schon auf die Züge verteilt. Ansonsten lief die Sicherung so ab, wie bei Euch Ende der 60er Jahre. Nur hiess es Kompaniesicherung, weil die Kompanie ihren Abschnitt allein zu sichern hatte. 1 Zug Dienst, 1 Zug Vorbereitung/Bereitschaft, 1 Zug Nachtruhe, 1 Zug Frei/Freizeit/Alarmgruppe.

Beim Lesen hier im Forum ist mir aufgefallen, dass später in den 80er Jahren wieder von Kompaniesicherung geschrieben wurde. Mir ist dabei nicht klar, ob man dabei zum alten Dienstaufzug zurückkehrte, oder diese Sicherungsart neu definiert wurde.




Das ist richtig 80er, selbst für Berlin wurde sowas 1988 wieder erprobt. Ob es besser gewesen wäre da habe ich so meine Zweifel.
An der Grünen gab es das bereits wieder seit Mitte der 80er?


zuletzt bearbeitet 27.11.2012 13:09 | nach oben springen

#64

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.11.2012 18:40
von jecki09 | 422 Beiträge

[quote=Soweit mir bekannt ist, wurden Antipersonenminen in den 60er Jahren verlegt. Der GZ1 wurde erst später zwischen Minengasse und Hoheitszeichen gebaut. In dem einen Abschnitt früher, in einem anderen Abschnitt später. Im Grenzverlauf der 6. GK gab es Minengassen ohne GZ1 und Minengassen ohne GZ1 und ohne Minen![/quote]

Zu meiner Zeit in der GK, ab 1985, habe ich den GZ I durchgehend gesehen. SM 60 - oder SM 70 -Bereiche gab es, wie auch die Anlage 501/601, nicht mehr. Unser Abschnitt war vollkommen von Minen geräumt. Daher konnte ich mir nicht vorstellen, dass verletztes Wild nach feindwärts flüchten konnte. Darüber hinaus waren die Minensperren im Bereich unserer Kompanie - nur freundwärts des GZ I.


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#65

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.11.2012 11:28
von Vogtländer (gelöscht)
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Wie gings denn nun weiter im Alltag des jungen Burschen?


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#66

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.11.2012 13:08
von 80er | 561 Beiträge

Es war Sommer und die ersten Wochen an der Grenze vergingen für Benno recht schnell. Dreischicht System. 60 Schuss scharfe Munition („Russen“ genannt) pro Mann, davon 30 in der Waffe. Vergatterung immer auf dem Hof vor jedem Aufzug, manchmal auch 2 Mal am Tag, wenn kurzer Wechsel war. Sie endete jedesmal eindeutig mit: " ... Grenzverletzer vorläufig fest zunehmen, oder zu vernichten"!
Schnell kannte man sich im Abschnitt aus, wusste, dass die Frühschicht von 4.00 Uhr bis 12.00 Uhr am schnellsten verging, im Gegensatz zur Spätschicht von 12.00 Uhr bis 20.00 Uhr, die einem immer am längsten vorkam. Nachtschicht war nach 24.00 Uhr kritisch, weil „vorschlafen“ ja nicht wirklich etwas gebracht hat und sich nach Mitternacht häufig Müdigkeit einstellte.

Benno realisierte auch, dass hier „Grenzer“ mit unehrenhaften Absichten nicht gestoppt werden konnten. Aber irgendwie kam dann Fahnenflucht für ihn doch nicht in Frage.
Es genügte ihm, zu wissen, dass es relativ leicht machbar war, wenn ihm jemand „dumm“ kam.
Es kam ihm aber niemand „dumm“. Die Kameraden waren i. O. Sicher, mit dem Einen ging Benno lieber in den Dienst, als mit einem Anderen, aber Angst vor einer Schicht, weil der PF doof war, daran konnte er sich nicht erinnern.

Das Essen war gut, die Postenverpflegung auch, obwohl letztere wegen der ständigen Wiederholung irgendwann langweilig wurde.
Die Vorgesetzten wussten, dass die Soldaten die Drecksarbeit zu machen hatten und legten deshalb keinen Wert auf die sonst beim Militär so hoch gehaltenen Regeln wie Anzugsordnung, „Männchen“ machen usw. Während die Uffz. Dienstgrade eher mit den Soldaten kooperierten, gab es bei den
Offizieren ohnehin nur 2 Kategorien. Die einen, zu denen auch der KC gehörte, an deren Führungsstil es nichts zu meckern gab und die anderen, die niemand wirklich ernst nehmen konnte. Dabei waren die nicht wirklich böse, nein, einfach nur lächerlich.
Ja, so unglaublich es auch klingen mag, es hatte etwas von einer kleinen Firma, mit Chefs und Angestellten,
wo jeder seine Aufgabe hatte und diese so gut es ihm möglich war, durchführte..

Jedenfalls fühlte sich Benno nie wirklich unwohl, so dass er zu der Erkenntnis gelangte, der Dienst ist eine Art Geben und Nehmen. Im Gegensatz zu den Landstreitkräften, wo die AA 18 Monate „ausgebildet“ und dabei nicht selten gestriezt wurden, deswegen keinen richtigen Sinn in ihrem Tun entdecken konnten und daher den Dienst bei der NVA als verlorene bzw. gestohlene Zeit betrachteten.

Benno sah es als Job an. Für ihn war es eine reale Tätigkeit, deren politischen Sinn er zwar nicht nachvollziehen wollte, aber weder hatte er sich an die Grenze „beworben“, noch wollte er sich mit einer Totalverweigerung die Zukunft verbauen. Die Möglichkeit, den Dienst bei den Bausoldaten zu absolvieren, war in weiten Teilen der Bevölkerung nicht so bekannt, wie man heute gerne glauben machen will. Ausserdem hatte er ja den Schwur bei der Vereidigung nicht mitgesprochen und die entsprechenden Finger sogar beider Hände überkreuzt …

Das erste mal in seinem DDR Leben hatte er das Gefühl, dass DIE (da oben einschl. deren Ausführungsorgane) ihn hier richtig brauchten und nicht umgekehrt. In einem Land gross zu werden, wo dir jeder Post-, Sparkassen- und sonstige Angestellte zeigte, dass seine Macht gegen über deiner unendlich grösser ist, war das doch ein erhebendes Gefühl und eine völlig neue Erfahrung.

Der Job bestand eben darin, im 3 Schichtdienst eine Grenze zu bewachen – vor wem auch immer. Als potentieller Mörder fühlte sich Benno indes nie. Einen GV zu erschiessen, dass war mit ihm nicht zu machen. Er war sich sicher, dass die Posten, handelnd zwischen GSZ und MGZ, wo sie sich auskannten, mit 120 Schuss scharfer Munition gegenüber fluchtwilligen Zivilisten i. d. R. immer im Vorteil waren – ganz im Gegensatz zur Berliner Mauer, wo die Distanzen wesentlich geringer und die Reaktionszeiten zu entscheiden, festnehmen oder direkte Schussabgabe, entsprechend kürzer sein mussten. Es war eine Illusion, mit einer AK gezielt nur bestimmte Körperteile treffen zu wollen.
Daneben schiessen war leider keine Option, weil allgemein bekannt war, dass eine Untersuchungskommission in der Lage sein würde, bei einer gelungenen Republikflucht, den Posten die Notwendigkeit der gezielten Schussabgabe nachzuweisen.

Sollte es doch zu einer Situation kommen, wo er die Schusswaffe hätte anwenden müssen, hätte er seine Waffe abgelegt und wäre unter keinen Umständen mehr in die Grenzkompanie zurückgekehrt, dass war sein Plan „B“.

Nein, zum überzeugten Sozialisten, vom Saulus zum Paulus, ist Benno nicht geworden. Schliesslich bedurfte es keiner mittleren Reife, um zu realisieren, wen letztendlich die Grenze abhalten sollte. Der K6 war freundwärts angelegt, ebenso, wie die Richtung der Abweiser auf dem GSZ nach freundwärts zeigten (Y Abweiser gab es dort in den 70ern noch nicht).

Doch die Entscheidung, seinen Dienst halbwegs gewissenhaft bis zum Ende der Dienstzeit durchzuziehen, war dann doch ganz anders motiviert.


GZB1, Schuddelkind, Svenni1980, LOSfahrer, CAT und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#67

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.11.2012 13:18
von GZB1 | 3.286 Beiträge

Zitat
...i. d. R. immer im Vorteil waren – ganz im Gegensatz zur Berliner Mauer, wo die Distanzen wesentlich geringer und die Reaktionszeiten zu entscheiden, festnehmen oder direkte Schussabgabe, entsprechend kürzer sein mussten. Es war eine Illusion, mit einer AK gezielt nur bestimmte Körperteile treffen zu wollen.



So war es @80er, Entscheidung mitunter innerhalb von zwei Sekunden.

Da gab es z.B. den gelungenen Grenzdurchbruch rechts der Sonnenallee (Heidekampweg 43c) innerhalb von 16 Sekunden.

Dort, wo danach dann der GP an der Mauer stand.

Foto 209, 210, 211, 215 http://www.berliner-mauer.de/fotos-der-g...-915-pixel.html


zuletzt bearbeitet 27.11.2012 18:28 | nach oben springen

#68

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.11.2012 14:11
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von GZB1 im Beitrag #63

Zitat
Scheinbar wird der Begriff unterschiedlich definiert, in Abhängigkeit der jeweiligen Dienstzeit. Während meiner Dienstzeit waren die Kraftfahrer schon auf die Züge verteilt. Ansonsten lief die Sicherung so ab, wie bei Euch Ende der 60er Jahre. Nur hiess es Kompaniesicherung, weil die Kompanie ihren Abschnitt allein zu sichern hatte. 1 Zug Dienst, 1 Zug Vorbereitung/Bereitschaft, 1 Zug Nachtruhe, 1 Zug Frei/Freizeit/Alarmgruppe.

Beim Lesen hier im Forum ist mir aufgefallen, dass später in den 80er Jahren wieder von Kompaniesicherung geschrieben wurde. Mir ist dabei nicht klar, ob man dabei zum alten Dienstaufzug zurückkehrte, oder diese Sicherungsart neu definiert wurde.



Das ist richtig 80er, selbst für Berlin wurde sowas 1988 wieder erprobt. Ob es besser gewesen wäre da habe ich so meine Zweifel.
An der Grünen gab es das bereits wieder seit Mitte der 80er?


Schon Anfang.
Die Züge gingen aber da nicht geschlossen raus, die Mitglieder des Zuges bildeten nur die einzelnen Postenpaare.
Aufzug nach Dienstplan selbständig.


zuletzt bearbeitet 27.11.2012 17:07 | nach oben springen

#69

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 27.11.2012 15:21
von 80er | 561 Beiträge

Zitat von GZB1 im Beitrag #67


http://www.berliner-mauer.de/fotos-der-g...-915-pixel.html

Danke für den aufschlussreichen Link!


CAT hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#70

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 28.11.2012 10:25
von 94 | 10.792 Beiträge

Ein Unterschied zwischen der sogenannten Zug- und Kompaniesicherung könnten doch die festen Zeiten ohne überlappende Ablösung einerseits und die 'rollende' Schicht später dann auf der anderen Seite sein?

Aber jetzt weiter mit dem von Tarsus, aufgehts!


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#71

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 28.11.2012 14:08
von 80er | 561 Beiträge

Ein Zimmerkamerad im gleichen DHJ wie Benno, war ebenfalls an seiner ersten Studienbewerbung gescheitert. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, Architektur zu studieren, so dass diese „Umlenkungsgespräche“ bei ihm zu nichts führten und er deshalb keinen Studienplatz hatte.
So beschloss er, seinen hervorgehobenen Dienst bei den GT in seine neue Bewerbung einfliessen zu lassen. Und Benno?
Ja, Benno freundete sich ebenfalls schnell mit diesem Gedanken an. Eine bessere Ausgangsposition für eine neue Bewerbung als hier an der Grenze, würde er nie wieder bekommen. Auch eine Art Vitamine.
Im Gegensatz zu seinem Zimmergenossen hatte Benno den „Baufacharbeiter“ und da lag das Studium für Architektur geradezu auf der Hand.

Sie schrieben also beide ihre neuen Bewerbungen und was Benno anging, war diese mit Floskeln gewürzt, die aus zahlreichen Stabü-Stunden immer noch irgendwie im Kopf rumgeisterten und sich jetzt auszahlen könnten:
"Ehrendienst an der Friedensgrenze"," Frontlinie zwischen den Systemen", "antifaschistischer Schutzwall" usw.

So, nun mussten DIE DA OBEN Farbe bekennen. ICH, Benno, hatte ihnen eine Chance gegeben, SIE hatten zu wählen: Zulassung zum Studium, oder in Kauf nehmen, dass eine erneute Ablehnung Kurzschlussreaktionen auslösen könnte ...

In diesem konkreten Fall waren DIE DA OBEN für Benno die für seine Kompanie zuständigen VO des MfS. Er war sich sicher, dass derartiger Schriftverkehr deren Interesse erregen musste.

Wenige Wochen später erhielten beide auch prompt von der gleichen Uni eine Aufforderung, zeichnerische Probearbeiten anzufertigen.

Obwohl es keine Beweise dafür gab, aber Bennos Kalkül ging auf. Beide Bewerber erhielten eine Zusage zum Architekturstudium für das Herbstsemester 1975/76 an der TU Dresden.
Dennoch konnte sich Benno an den Gedanken gewöhnen, dass es nicht allein an den Zeichenkünsten der Bewerber gelegen haben konnte.
Wer auch immer mit an den Fäden gezogen hat, wird Benno wohl nie erfahren, aber letztendlich war es auch Wurscht.

DIE DA OBEN hatten eine Chance bekommen und diese im Sinne zumindest eines Bewerbers genutzt. Dieser gelobte, gedanklich, dafür im Gegenzug seinen Dienst ohne Vorkommnisse zu Ende zu bringen.
Das war natürlich alles nur Kopfkino, denn mit Kameraden über derartige Gedanken zu reden, war mehr als unklug und daher absolut tabu.

Benno hatte mit DENEN DA OBEN einen unausgesprochenen Deal (man verzeihe dem Autor die Anglizisme!) abgemacht und er war bereit, seinen Teil dazu beizutragen.
Eine vertane Chance, wie sich noch zeigen wird und der er später noch nachtrauern würde.

Im Frühjahr 1975 beendete Benno seinen Grundwehrdienst bei den GT der DDR.

Edit: Rechtschreibfehler


Schmiernippel, Pitti53, Svenni1980, CAT, Harzwald und der Anderdenkende haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.11.2012 15:18 | nach oben springen

#72

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 29.11.2012 16:14
von Vogtländer (gelöscht)
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Mal wieder ein guter Lesestoff!


80er hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#73

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 29.11.2012 20:12
von kassberg | 91 Beiträge

Lass mich raten, wie es weitergeht:

Nachdem Du unter anderem bei Meister Zumpe Vorlesungen gehört, Modelle gebastelt , die Dresdner Kneipen unsicher gemacht und in Deiner Diplomarbeit ein tolles "Versorgungszentrum" aufs Papier gebracht hast,wurdést Du im Frühjahr 1980 diplomierter Architekt.

In festen Händen, aber unverheiratet und ohne Delegierung eines Betriebes unterlagst Du der staatlichen Absolventenlenkung, die Dich "in die Wüste " schickte.

Du warst dafür vorgesehen, für die Buna - Schkopau - Werke Lehrlingswohnheime zu planen. Das kanns doch nicht gewesen sein , in der Plattenbauprojektierung zu versauern, hast Du Dir gesagt. Attraktivere Projekte blieben Dir versagt, denn Du wast nicht in der Partei.

Es musste doch noch etwas anderes geben, Stararchitekt zum Beispiel. Schlechter als Helmut Jahn warst Du auch nicht. Während Du im Clubhaus bei einem Pils Deinen trüben Gedanken freien Lauf gelassen hast, kamen Erinnerungen und Wünsche aus dem Grenzdienst wieder auf....



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#74

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 29.11.2012 21:33
von 80er | 561 Beiträge

Zitat von kassberg im Beitrag #73
Lass mich raten, wie es weitergeht: ....

Schön, dass sich jemand gefunden hat, der für mich weiterschreibt!
Auf Deine Fluchtbeschreibung bin ich schon sehr gespannt.


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#75

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 29.11.2012 21:47
von Vogtländer (gelöscht)
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@ 80er:
1. Nicht beirren lassen!
2. Dein Auftrag:WEITERMACHEN,ähm WEITERSCHREIBEN!


Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#76

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 30.11.2012 11:10
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #74
Auf Deine Fluchtbeschreibung bin ich schon sehr gespannt.

Nu und auf Deine erst.

P.S. Hast echt beim Zumpe TM hören dürfen?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#77

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 30.11.2012 13:54
von kassberg | 91 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #74
Zitat von kassberg im Beitrag #73
Lass mich raten, wie es weitergeht: ....

Schön, dass sich jemand gefunden hat, der für mich weiterschreibt!
Auf Deine Fluchtbeschreibung bin ich schon sehr gespannt.


@80er
Wenn Du keine Zeit hast ,dann schreib doch : "hab den Tisch voll Arbeit ,in drei Wochen gehts weiter" . Man hat dafür Verständnis.

Für mich bestand kein Grund , mich mit Flucht zu befassen (Gnade der späten Geburt). Nachdem ich mir einen Teil der Ereignisse im Dresdner Hauptbahnhof angeschaut habe, bin ich Wochen später legal über die Grenze gelaufen.

@94
Vermute mal, dass @80er beim Meister Zumpe gehört hat.
Ich selbst hatte das Vergnügen, zusammen mit vielen schönen , jungen Damen.



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#78

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 30.11.2012 16:52
von 80er | 561 Beiträge

Zitat von kassberg im Beitrag #77

Wenn Du keine Zeit hast ,dann schreib doch : "hab den Tisch voll Arbeit ,in drei Wochen gehts weiter" . Man hat dafür Verständnis.


Wenn ich in 3 Wochen hätte weiterschreiben wollen, hätte ich es auch mitgeteilt. Die Forenregeln verlangen nicht, den eigenen Faden täglich zu bedienen.
Zitat von 94 im Beitrag #76

P.S. Hast echt beim Zumpe TM hören dürfen?

Zitat von kassberg im Beitrag #77

@94
Vermute mal, dass @80er beim Meister Zumpe gehört hat.

Da muss mir was entgangen sein, aber eigentlich haben wir vorrangig die MaLenismus Vorlesungen geschwänzt.
Hättet Ihr richtig gelesen, so wäre Euch aufgefallen, dass es im Beitrag nicht um die Studienrichtung Bauingenieurwesen geht,
sondern um ARCHITEKTUR mit eigenen Koryphäen!
Soviel Dünkel muss sein.


Büdinger hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#79

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 01.12.2012 10:28
von 80er | 561 Beiträge

Die Immatrikulation an der TU Dresden erfolgte im September 1975. Es war eine völlig neue Welt, in die Benno eintauchte. Vom Dorf in die Grossstadt, vom liberalen Westen der DDR in das „Tal der Ahnungslosen“ im Osten der Republik. Vielleicht lag es daran, dass die Medienvielfalt, wie sie im Westen des Ostens und in Berlin gegeben war, dort nicht möglich gewesen ist, oder dass der Menschenschlag – wie ihm nachgesagt wurde – immer schön die Fahne in den herrschenden Wind gehalten hat (besonders Braun während der NS Zeit, besonders Rot zur Zeit der Proletarischen Diktatur und schwarz seit der friedlichen Revolution)?

In der POS wurde Benno einmal gefragt, ob er der DSF beitreten wollte. Als er dies verneinte, wurde er nie wieder danach gefragt. Die Lehrer waren agitatorisch wenig aktiv, sieht man von Geschichts- und Stabü-Lehrer einmal ab.

An der Uni war das alles anders. In Bennos Seminargruppe agierte eine besonders aktive Parteigruppe. Bis auf wenige Ausnahmen weibliche Parteigenossen mit erstaunlich gefestigtem Weltbild, welches sie sich mit ihren jungen 18 Jahren aus ihren langjährigen Erfahrungen in der Schule angeeignet haben müssen -ein nicht geringer Anteil Vererbung muss auch eine Rolle gespielt haben - da sie direkt von der Penne mit viel Vitamine in die Uni gestolpert waren, naturgemäss nicht gedient und auch keine Berufsausbildung hatten.
Naive Hühner eben, die ihre politische Daseinsberechtigung mit Agitation und Propaganda verdienten. Noch angespornt durch Bennos junge Parteigenossin Seminargruppenleiterin.

Der Studienbetrieb lief noch keine 4 Wochen, da meldete sich die Front. Ja, die Kartoffelfront im Landkreis schrie förmlich nach unendgeldlicher Hilfe. Sektionsübergreifend ging es 1 Woche an die Kartoffelfront!
Wo war Benno hingeraten? Zum Studium? In die landwirtschaftliche Produktion? Wohl etwas von Bbeidem. Ausscheren galt nicht!
Nicht dass ihm Kartoffellesen fremd gewesen wäre. Als Nachkomme von Arbeiter und Bauern vom Land hatte er oft in den Herbstferien bei der LPG für 10 bis 15 Pfennige pro Korb Kartoffeln aufgesammelt, aber freiwillig und gegen Kohle! Doch das hier?

Benno konnte sich gerade noch einen Trecker organisieren – jetzt machte sich die Kraftfahrerausbildung im GAR bezahlt - um die vollen Hänger vom Acker abzufahren. Glück im Unglück!
Während einer seiner Fahrten kam er wieder einmal mit leerem Hänger auf den Acker zurück, als er 2 Kommilitonen, Söhne der „Intelligenz“ wie sich herausstellte, in der Furche sitzend und H. Hesse vorlesend, antraf. Na prima, das passt ja. Die aussterbende Klasse liest bürgerlich dekadente Literatur, anstatt mit Einsicht in die Notwendigkeit die Klasse der Bauern zu unterstützen. Ein Bild, das Benno nicht mehr vergessen konnte. Dass war eine Protestform, die ihm gefallen würde, aber er musste ja die vollen Anhänger weg bringen.

Er erinnert sich, dass ihm hier erste Zweifel gekommen sind, ob die vor einem guten halben Jahr bei den GT getroffene Entscheidung für das Studium, richtig gewesen ist.

Damit beim Leser kein falscher Eindruck entsteht, das Studium war inhaltlich richtig gut, nur die heisse Luft, die nebenbei ständig produziert wurde. Nein, danke.
Vieles davon erinnerte an den Witz, wo auf die Frage des Senders „Eriwan“, ob es stimme, „dass der Sozialismus mit Volldampf in den Kommunismus fahre“, geantwortet wurde: „Im Prinzip ja, nur dass 99% des Dampfes zum Tuten benutzt wird!“

„Die Seminargruppe trifft sich geschlossen zur Kommunalwahl am Sonntag morgen um …“
„Die Seminargruppe nimmt geschlossen im Blauhemd an der 1. Maidemonstration teil und trifft sich …“
„Die Seminargruppe trifft sich am Montag, den …, um …, zur Seminargruppen Versammlung “
„Die Seminargruppe nimmt am Samstag am Subbotnik teil“ usw.

KiTa für Erwachsene? Wer fehlt, hat wieder einen Minuspunkt mehr auf der roten Kladde.
War das der Preis für die Ehre, einen Studienplatz belegen zu dürfen?


Svenni1980, harzstreuner, CAT, Harzwald und der Anderdenkende haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.12.2012 10:32 | nach oben springen

#80

RE: Vom Paulus zum Saulus

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 03.12.2012 10:19
von 80er | 561 Beiträge

Die Krönung dieser Gängelei war das 5 wöchige Militärlager nach dem Grundstudium. Obligatorisch für alle Studenten. Frauen getrennt von Männern. Selbst ein ungedienter, weil ausgemusterter Student aus Bennos Seminargruppe hatte daran teilzunehmen.

Es war wie bei der Armee. Gefechtsausbildung in Mot-Schützen Manier in Felddienst. Schiessen, ABC Schutzausbildung, Ausbildung im Gelände, Gefechtssimulation, Rotlicht (Polit Unterricht) – das ganze Programm eben mit echten Reserve Offzen. und Uffzen. im Tatendrang Modus.

Um ein Haar hätte Benno hier richtig Probleme bekommen. Er schlidderte ganz scharf an der Exmatrikulation vorbei und das kam so:

Die 2-3 km zum Ausbildungsgelände, eine verstrahlte, gigantische Abraumhalte der Wismut, wurden täglich mit voller Ausrüstung hin und zurück marschiert! Nach wenigen Tagen gab´s die ersten Fusskranken, weil das natürlich nicht alle durchhielten. Benno war natürlich dabei.
Da sie aber durch einen Arzt als solche ausgewiesen wurden, hatte alles seine Richtigkeit. Simulanten wurden grosszügig aussortiert.

Da es keine Fahrzeuge gab, mussten diese Versehrten nach 2 Tagen ohne Ausrüstung erneut in Formation zur Ausbildung in das Gelände laufen.
Das Unglück kam auf die kleine Truppe von etwa 15 Mann in form einer 3 köpfigen Offz. Gruppe auf sie zu.
Der Uffz. grölte in vorauseilendem Gehorsam noch „Achtung“, aber es war schon zu spät. Der Ranghöchste, ein Major, liess anhalten.

Was ist das für eine Truppe, Genosse Uffz.
Das sind die Fusskranken der Versehrtengruppe aus dem Lazarett, Genosse Major.

Der Major lief die Truppe ab, wobei er jeden zweiten Studenten mit seinen Weisheiten über die Anzugsordnung übergoss.

Was haben Sie, Genosse Soldat!
Blasen am rechten Fuss, Genosse Major.
Was fehlt Ihnen, Genosse Soldat!
Blasen am linken Fuss, Genosse Major.
Und was haben Sie, fragte der Major, als er auf Bennos Höhe angekommen war.
In Benno kochte das Blut und sehr betont gab er zur Antwort:
Blasen an beiden Füssen, Genosse Major.
Aber rasieren hätten Sie sich doch wohl können? schrie er Benno an.
Überbetont schoss es aus Benno heraus:
Jawollll, Geeenosseee Majorrr!

Dabei schaute Benno direkt an dem Major vorbei, während sich die Truppe das Lachen ve-kneifen musste. Benno wollte einfach dieses ganze neuerliche Krieg spielen nicht mitmachen, weil er ja eigentlich zum Studieren gekommen war. Er fühlte sich nicht als Gefreiter der Reserve, im Gegensatz zu diesem Major, der sehnsüchtig darauf gewartet zu haben schien, sein Lametta heraus graben zu dürfen, um Kraft seiner „Wassersuppe“ Untergebene zu demütigen.
Folglich muss er so perplex gewesen sein, dass er rot anlief und das Blut die Halsschlagadern aufwölbte. Es passte einfach nicht in sein Weltbild, dass er von einem Rangniederen nicht ernst genommen wurde. Nun war er natürlich seinen Adjutanten gegenüber in der Pflicht. Nach kurzem Luft holen schrie er Benno an:
Sie werden sich dann und dann, da und da, in dem und dem Zelt melden!
Genosse Uffz., lassen Sie weitermachen!

Oh je, das war´s, dachte Benno, die Exmat-Keule schwebt. Im ZELT wurde er nach seiner Ent-schuldigung verwarnt und ihm mitgeteilt, dass man doch einen sehr langen Arm hätte und er sollte sein Verhalten zukünftig überdenken und überlegen, ob er sein Studium zu Ende führen möchte. Wow, noch mal gut gegangen!


Svenni1980, Schuddelkind, CAT und Harzwald haben sich für diesen Beitrag bedankt
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