#1

Waffenkeim II

in Leben in der DDR 20.11.2012 16:47
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,

ein freundlicher User hat ja hier zum Thema "Waffenkeim" ganz amüsante Begebenheiten erzählt. Nun, dieses erinnerte mich an meine vaterländische Grundwehrdienstpflichtübung bei der Nationalen Volksarmee. Hier hatte ich ein Erlebnis, welches ich mir gestatte in einem gesonderten Thema zu beschreiben.

Nach unserem ersten Schießen mit der Kalaschnikow war Waffenreinigen angesagt. Hierzu mussten wir unsere Schemel in den Kasernenflur stellen. Der Schemel war die Ablage für das Reinigungsgerät und die zu reinigende Maschinenpistole. Das Reinigen wurde von Unteroffizieren beaufsichtigt. Oberaufsichtshabender war der Kompaniechef. Gleich zu Beginn wurde uns mitgeteilt, dass das Herunterfallen eines Teiles 10 Liegestütze nach sich zieht. Kaum gesagt, schon fiel eine Blechschachtel, in der sich die Reinigungsutensilien befanden, scheppernd auf den Fußboden. Natürlich bei Pfeifer. Pfeifer ging freiwillig in Liegehaltung über, lächelte den bei ihm stehenden Unteroffizier an und absolvierte die Liegestütze mit Bravour. Plötzlich kam ein großer, fülliger und entschlossen daherschauender Offizier mit Raupenschulterstücken und zwei goldenen Sternen (wie sich später herausstellte war das Oberstleutnant Krieghoff, Waffenmeister des Regiments) und ging schnurstracks zu den ihm nächststehenden Soldaten. Er nahm den Überströmkanal der Kalaschnikow, hielt ihn gegen das Licht und brüllte mit tiefer Stimme: „Saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Dann ging er zum nächsten Soldaten, wiederholte die Prozedur, wieder zum nächsten und arbeitete sich so erneut an Pfeifer heran. „Der Überströmkanal ist saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Pfeifer nahm den Überströmkanal, hielt ihn gegen das Licht und erwiderte: „Ich sehe keinen Dreck, alles blitzblank“. Der Oberstleutnant ging auf Pfeifers Schemelseite, hielt den Überströmkanal wieder gegen das Licht, forderte Pfeifer auf, in diesen hineinzusehen und sagte mit scharfer Stimme: „Mann, sehen sie nicht den Dreck?“. Darauf Pfeifer: „Nö“. Der Oberstleutnant tobte so, dass es alle vernehmen konnten: „Wenn ich ihnen sage, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. Pfeifer: „Zu Befehl, wenn sie sagen, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. „Soldat, sie sollen das nicht nachplappern, sondern begreifen!“. Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf ging der Oberstleutnant zum Kompaniechef, brüllte diesen an „Sautrupppe!“ und bewegte sich von dannen.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


zuletzt bearbeitet 20.11.2012 16:56 | nach oben springen

#2

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 20.11.2012 19:25
von Vogtländer (gelöscht)
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Lass mich raten:
Der Wutschnaubende hat den Begriff Waffenkeim erfunden?

Eine Bitte:
Schreib weiter!Echt lustig,was Du berichtest!


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#3

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 20.11.2012 19:43
von utkieker | 2.920 Beiträge

Jawoll jeder bekommt sein Fett weg! Der Osl. kannte die Teile, die schwer zu reinigen sind.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#4

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 20.11.2012 19:46
von PF75 | 3.293 Beiträge

So war das ebend -"Sauberkeit kann befohlen werden oder auch nicht "


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#5

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 20.11.2012 19:57
von Vogtländer (gelöscht)
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Und was macht man bei Reinigungsblindheit?Richtig!Bohnern bei Kerzenschein!


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#6

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 20.11.2012 20:02
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #1
Meine Lieben,

ein freundlicher User hat ja hier zum Thema "Waffenkeim" ganz amüsante Begebenheiten erzählt. Nun, dieses erinnerte mich an meine vaterländische Grundwehrdienstpflichtübung bei der Nationalen Volksarmee. Hier hatte ich ein Erlebnis, welches ich mir gestatte in einem gesonderten Thema zu beschreiben.

Nach unserem ersten Schießen mit der Kalaschnikow war Waffenreinigen angesagt. Hierzu mussten wir unsere Schemel in den Kasernenflur stellen. Der Schemel war die Ablage für das Reinigungsgerät und die zu reinigende Maschinenpistole. Das Reinigen wurde von Unteroffizieren beaufsichtigt. Oberaufsichtshabender war der Kompaniechef. Gleich zu Beginn wurde uns mitgeteilt, dass das Herunterfallen eines Teiles 10 Liegestütze nach sich zieht. Kaum gesagt, schon fiel eine Blechschachtel, in der sich die Reinigungsutensilien befanden, scheppernd auf den Fußboden. Natürlich bei Pfeifer. Pfeifer ging freiwillig in Liegehaltung über, lächelte den bei ihm stehenden Unteroffizier an und absolvierte die Liegestütze mit Bravour. Plötzlich kam ein großer, fülliger und entschlossen daherschauender Offizier mit Raupenschulterstücken und zwei goldenen Sternen (wie sich später herausstellte war das Oberstleutnant Krieghoff, Waffenmeister des Regiments) und ging schnurstracks zu den ihm nächststehenden Soldaten. Er nahm den Überströmkanal der Kalaschnikow, hielt ihn gegen das Licht und brüllte mit tiefer Stimme: „Saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Dann ging er zum nächsten Soldaten, wiederholte die Prozedur, wieder zum nächsten und arbeitete sich so erneut an Pfeifer heran. „Der Überströmkanal ist saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Pfeifer nahm den Überströmkanal, hielt ihn gegen das Licht und erwiderte: „Ich sehe keinen Dreck, alles blitzblank“. Der Oberstleutnant ging auf Pfeifers Schemelseite, hielt den Überströmkanal wieder gegen das Licht, forderte Pfeifer auf, in diesen hineinzusehen und sagte mit scharfer Stimme: „Mann, sehen sie nicht den Dreck?“. Darauf Pfeifer: „Nö“. Der Oberstleutnant tobte so, dass es alle vernehmen konnten: „Wenn ich ihnen sage, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. Pfeifer: „Zu Befehl, wenn sie sagen, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. „Soldat, sie sollen das nicht nachplappern, sondern begreifen!“. Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf ging der Oberstleutnant zum Kompaniechef, brüllte diesen an „Sautrupppe!“ und bewegte sich von dannen.

Liebe Grüße

Ecki


Leider gab es immer wieder solche Wichtigtuer


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#7

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 21.11.2012 17:57
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #1
Meine Lieben,

ein freundlicher User hat ja hier zum Thema "Waffenkeim" ganz amüsante Begebenheiten erzählt. Nun, dieses erinnerte mich an meine vaterländische Grundwehrdienstpflichtübung bei der Nationalen Volksarmee. Hier hatte ich ein Erlebnis, welches ich mir gestatte in einem gesonderten Thema zu beschreiben.

Nach unserem ersten Schießen mit der Kalaschnikow war Waffenreinigen angesagt. Hierzu mussten wir unsere Schemel in den Kasernenflur stellen. Der Schemel war die Ablage für das Reinigungsgerät und die zu reinigende Maschinenpistole. Das Reinigen wurde von Unteroffizieren beaufsichtigt. Oberaufsichtshabender war der Kompaniechef. Gleich zu Beginn wurde uns mitgeteilt, dass das Herunterfallen eines Teiles 10 Liegestütze nach sich zieht. Kaum gesagt, schon fiel eine Blechschachtel, in der sich die Reinigungsutensilien befanden, scheppernd auf den Fußboden. Natürlich bei Pfeifer. Pfeifer ging freiwillig in Liegehaltung über, lächelte den bei ihm stehenden Unteroffizier an und absolvierte die Liegestütze mit Bravour. Plötzlich kam ein großer, fülliger und entschlossen daherschauender Offizier mit Raupenschulterstücken und zwei goldenen Sternen (wie sich später herausstellte war das Oberstleutnant Krieghoff, Waffenmeister des Regiments) und ging schnurstracks zu den ihm nächststehenden Soldaten. Er nahm den Überströmkanal der Kalaschnikow, hielt ihn gegen das Licht und brüllte mit tiefer Stimme: „Saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Dann ging er zum nächsten Soldaten, wiederholte die Prozedur, wieder zum nächsten und arbeitete sich so erneut an Pfeifer heran. „Der Überströmkanal ist saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Pfeifer nahm den Überströmkanal, hielt ihn gegen das Licht und erwiderte: „Ich sehe keinen Dreck, alles blitzblank“. Der Oberstleutnant ging auf Pfeifers Schemelseite, hielt den Überströmkanal wieder gegen das Licht, forderte Pfeifer auf, in diesen hineinzusehen und sagte mit scharfer Stimme: „Mann, sehen sie nicht den Dreck?“. Darauf Pfeifer: „Nö“. Der Oberstleutnant tobte so, dass es alle vernehmen konnten: „Wenn ich ihnen sage, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. Pfeifer: „Zu Befehl, wenn sie sagen, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. „Soldat, sie sollen das nicht nachplappern, sondern begreifen!“. Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf ging der Oberstleutnant zum Kompaniechef, brüllte diesen an „Sautrupppe!“ und bewegte sich von dannen.

Liebe Grüße

Ecki
Meine Lieben,

Ich muss mich insofern revidieren, als die Kalaschnikow gar keine Maschinenpistole war, wie heute üblicherweise meist, aber fälschlich, angenommen, sondern ein Maschinenkarabiner, insofern vergleichbar mit dem Sturmgewehr 44.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


zuletzt bearbeitet 21.11.2012 17:58 | nach oben springen

#8

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 27.11.2012 12:08
von 94 | 10.792 Beiträge

Passend zu einem anderenorts und teilweise privat geführtem Gespräch möchte ich hier nur kurz erwähnen, es gibt Waffen zum Putzen und Waffen zum Schießen. Und nicht nur bei den GT wurde seeeeehr viel geputzt.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#9

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 27.11.2012 16:26
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #8
Passend zu einem anderenorts und teilweise privat geführtem Gespräch möchte ich hier nur kurz erwähnen, es gibt Waffen zum Putzen und Waffen zum Schießen. Und nicht nur bei den GT wurde seeeeehr viel geputzt.
Mein lieber p218976,

es ist eine alte Geschichte. Es wird heute noch gemunkelt, dass die grandiose Niederlage der Preußen bei Jena und Auerstedt 1806 letztlich damit zu erklären ist, dass die preußischen Soldaten befehlsgemäß ihre Gewehre so blitzeblank putzen mussten, dass sie infolge der Laufdünnheit gar nicht mehr schussfähig waren.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#10

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 27.11.2012 18:57
von jecki09 | 422 Beiträge

Da hätten die Preußen aber schon mit einer Feile oder gutem Sandpapier putzen müssen. Meine Muskete hat eine solch dicke Laufwandung, da hätte ich mit Sandpaier schon Jahre beötigt. Also am Putzen konnte es nicht gelegen haben.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#11

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 27.11.2012 19:17
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von Ecki im Beitrag #9
Zitat von 94 im Beitrag #8
Passend zu einem anderenorts und teilweise privat geführtem Gespräch möchte ich hier nur kurz erwähnen, es gibt Waffen zum Putzen und Waffen zum Schießen. Und nicht nur bei den GT wurde seeeeehr viel geputzt.
Mein lieber p218976,

es ist eine alte Geschichte. Es wird heute noch gemunkelt, dass die grandiose Niederlage der Preußen bei Jena und Auerstedt 1806 letztlich damit zu erklären ist, dass die preußischen Soldaten befehlsgemäß ihre Gewehre so blitzeblank putzen mussten, dass sie infolge der Laufdünnheit gar nicht mehr schussfähig waren.

Liebe Grüße

Ecki



Tja Ecki,

zumindestenst konnte man viel Zeit vertrödeln, um anschließend doch noch die Schlacht zu verlieren!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#12

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 25.10.2014 00:49
von G. Michael (gelöscht)
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Zitat von Ecki im Beitrag #1
Meine Lieben,

ein freundlicher User hat ja hier zum Thema "Waffenkeim" ganz amüsante Begebenheiten erzählt. Nun, dieses erinnerte mich an meine vaterländische Grundwehrdienstpflichtübung bei der Nationalen Volksarmee. Hier hatte ich ein Erlebnis, welches ich mir gestatte in einem gesonderten Thema zu beschreiben.

Nach unserem ersten Schießen mit der Kalaschnikow war Waffenreinigen angesagt. Hierzu mussten wir unsere Schemel in den Kasernenflur stellen. Der Schemel war die Ablage für das Reinigungsgerät und die zu reinigende Maschinenpistole. Das Reinigen wurde von Unteroffizieren beaufsichtigt. Oberaufsichtshabender war der Kompaniechef. Gleich zu Beginn wurde uns mitgeteilt, dass das Herunterfallen eines Teiles 10 Liegestütze nach sich zieht. Kaum gesagt, schon fiel eine Blechschachtel, in der sich die Reinigungsutensilien befanden, scheppernd auf den Fußboden. Natürlich bei Pfeifer. Pfeifer ging freiwillig in Liegehaltung über, lächelte den bei ihm stehenden Unteroffizier an und absolvierte die Liegestütze mit Bravour. Plötzlich kam ein großer, fülliger und entschlossen daherschauender Offizier mit Raupenschulterstücken und zwei goldenen Sternen (wie sich später herausstellte war das Oberstleutnant Krieghoff, Waffenmeister des Regiments) und ging schnurstracks zu den ihm nächststehenden Soldaten. Er nahm den Überströmkanal der Kalaschnikow, hielt ihn gegen das Licht und brüllte mit tiefer Stimme: „Saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Dann ging er zum nächsten Soldaten, wiederholte die Prozedur, wieder zum nächsten und arbeitete sich so erneut an Pfeifer heran. „Der Überströmkanal ist saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Pfeifer nahm den Überströmkanal, hielt ihn gegen das Licht und erwiderte: „Ich sehe keinen Dreck, alles blitzblank“. Der Oberstleutnant ging auf Pfeifers Schemelseite, hielt den Überströmkanal wieder gegen das Licht, forderte Pfeifer auf, in diesen hineinzusehen und sagte mit scharfer Stimme: „Mann, sehen sie nicht den Dreck?“. Darauf Pfeifer: „Nö“. Der Oberstleutnant tobte so, dass es alle vernehmen konnten: „Wenn ich ihnen sage, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. Pfeifer: „Zu Befehl, wenn sie sagen, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. „Soldat, sie sollen das nicht nachplappern, sondern begreifen!“. Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf ging der Oberstleutnant zum Kompaniechef, brüllte diesen an „Sautrupppe!“ und bewegte sich von dannen.

Liebe Grüße

Ecki


Ecki, ich melde hier mal Zweifel an, nicht an der Geschichte, die hätte fast so geschehen können. Aber Oberstleutnant=> Waffenmeister, das geht nicht!
Waffenmeister war eine Planstelle/Dienststellung für Unteroffiziere. Wenn es ein OSL. war, dann ein Oberoffizier Bewaffnung und das schließe ich
auch aus. Für die OOffz. war beim Major Schluß. Als OSL. kommt nur der Stv.Regimentskommandeur, je nach dem wann das war RD, oder TB
in Frage.
G.M


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#13

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 25.10.2014 01:00
von G. Michael (gelöscht)
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Zitat von Ecki im Beitrag #7
Zitat von Ecki im Beitrag #1
Meine Lieben,

ein freundlicher User hat ja hier zum Thema "Waffenkeim" ganz amüsante Begebenheiten erzählt. Nun, dieses erinnerte mich an meine vaterländische Grundwehrdienstpflichtübung bei der Nationalen Volksarmee. Hier hatte ich ein Erlebnis, welches ich mir gestatte in einem gesonderten Thema zu beschreiben.

Nach unserem ersten Schießen mit der Kalaschnikow war Waffenreinigen angesagt. Hierzu mussten wir unsere Schemel in den Kasernenflur stellen. Der Schemel war die Ablage für das Reinigungsgerät und die zu reinigende Maschinenpistole. Das Reinigen wurde von Unteroffizieren beaufsichtigt. Oberaufsichtshabender war der Kompaniechef. Gleich zu Beginn wurde uns mitgeteilt, dass das Herunterfallen eines Teiles 10 Liegestütze nach sich zieht. Kaum gesagt, schon fiel eine Blechschachtel, in der sich die Reinigungsutensilien befanden, scheppernd auf den Fußboden. Natürlich bei Pfeifer. Pfeifer ging freiwillig in Liegehaltung über, lächelte den bei ihm stehenden Unteroffizier an und absolvierte die Liegestütze mit Bravour. Plötzlich kam ein großer, fülliger und entschlossen daherschauender Offizier mit Raupenschulterstücken und zwei goldenen Sternen (wie sich später herausstellte war das Oberstleutnant Krieghoff, Waffenmeister des Regiments) und ging schnurstracks zu den ihm nächststehenden Soldaten. Er nahm den Überströmkanal der Kalaschnikow, hielt ihn gegen das Licht und brüllte mit tiefer Stimme: „Saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Dann ging er zum nächsten Soldaten, wiederholte die Prozedur, wieder zum nächsten und arbeitete sich so erneut an Pfeifer heran. „Der Überströmkanal ist saudreckig, Genosse Soldat! Saubermachen!“. Pfeifer nahm den Überströmkanal, hielt ihn gegen das Licht und erwiderte: „Ich sehe keinen Dreck, alles blitzblank“. Der Oberstleutnant ging auf Pfeifers Schemelseite, hielt den Überströmkanal wieder gegen das Licht, forderte Pfeifer auf, in diesen hineinzusehen und sagte mit scharfer Stimme: „Mann, sehen sie nicht den Dreck?“. Darauf Pfeifer: „Nö“. Der Oberstleutnant tobte so, dass es alle vernehmen konnten: „Wenn ich ihnen sage, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. Pfeifer: „Zu Befehl, wenn sie sagen, der Überströmkanal ist verkeimt, dann ist er verkeimt!“. „Soldat, sie sollen das nicht nachplappern, sondern begreifen!“. Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf ging der Oberstleutnant zum Kompaniechef, brüllte diesen an „Sautrupppe!“ und bewegte sich von dannen.

Liebe Grüße

Ecki
Meine Lieben,

Ich muss mich insofern revidieren, als die Kalaschnikow gar keine Maschinenpistole war, wie heute üblicherweise meist, aber fälschlich, angenommen, sondern ein Maschinenkarabiner, insofern vergleichbar mit dem Sturmgewehr 44.

Liebe Grüße

Ecki




Ecki, ich schon wieder, danke für diese Korrektur. Die Fakten hast Du im Prinzip genannt. Das die AK47 in den Bereich Maschinenpistole gerutscht ist
hat einen politischen Hintergrund. Der Warschauer Vertrag konnte die Kalaschnikow nicht als Sturmgewehr bezeichnen, das hätte ja bedeutet, die würden die selbe Waffenkategorie wie die Wehrmacht benutzen, ein no go.
G.M


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#14

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 26.10.2014 04:08
von G. Michael (gelöscht)
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Zitat von utkieker im Beitrag #3
Jawoll jeder bekommt sein Fett weg! Der Osl. kannte die Teile, die schwer zu reinigen sind.

Gruß Hartmut!


Ja Hartmut, dazu muss man kein OSL. sein. Ich war oft genug zu Waffenkammerkontrollen eingeteilt. Ein Streichholz und ein weißer Putzlappenfetzen.
Angestezt am Auszieher im Vershlußkopf, da kam eigentlich kein Mensch hin. Das bedeutete aber Waffenreinigen für die ganze KP..
Das war aber nicht die Regel, die Einheiten wurden nicht zufällig ausgewählt. Ich musste für das GAR 5 die monatliche Verschußmeldung machen,
und wer da im Verzug war, der war dran. Munitionsempfang, Verschuß nach Kladde und Abrechnung. Wenn das zum Monatsende nicht geklappt hat
gab es Sanktionen. Es ist auch vorgekommen, das es für eine KP. keine Munition gab, wenn eine vorherige Angelegenheit nicht abgerechnet war.
Monatlich hatte ich eine Bestandsabstimmung,und das hat mir oft graue Haare beschert
G. M


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#15

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 26.10.2014 11:38
von FRITZE (gelöscht)
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das hat mir oft graue Haare beschert

Lass mich raten Kahlkopf oder Weisshaar !

Mensch mjahr ! Trag mal niche so dicke uff !


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#16

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 08.11.2014 22:59
von G. Michael (gelöscht)
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Zitat von FRITZE im Beitrag #15
das hat mir oft graue Haare beschert

Lass mich raten Kahlkopf oder Weisshaar !

Mensch mjahr ! Trag mal niche so dicke uff !


Tach Fritze, was möchtest Du denn hier kundtuen? Ich denke mal, die Frage G. Michael => mjahr ist in meiner Vorstellung vollständig geklärt worden.
Was das "dicke Auftragen" betrifft, das liegt mir fern. Aber so wie sicher im Forum gewünscht, sollte doch die Realität gewahrt bleiben.
Ich könnte das Thema dahingehend ausbauen, mitzuteilen nach welchen Kriterien wann welche Munition verschossen wurde, dann kommt aber der
technische Nachweis für Munition ins Spiel und damit nur noch 6-stellige Zahlen.
Ich belasse es jetzt dabei, kann mir aber ein Zitat vn @94 nicht verkneifen. "geht es denn hier nicht ohne gegenseitige Anmache?".
Grüße aus LE


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#17

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 08.11.2014 23:54
von Thunderhorse | 4.010 Beiträge

Zitat von G. Michael im Beitrag #13
Zitat von Ecki im Beitrag #7
Zitat von Ecki im Beitrag #1

Ecki
Meine Lieben,

Ich muss mich insofern revidieren, als die Kalaschnikow gar keine Maschinenpistole war, wie heute üblicherweise meist, aber fälschlich, angenommen, sondern ein Maschinenkarabiner, insofern vergleichbar mit dem Sturmgewehr 44.

Liebe Grüße

Ecki




Ecki, ich schon wieder, danke für diese Korrektur. Die Fakten hast Du im Prinzip genannt. Das die AK47 in den Bereich Maschinenpistole gerutscht ist
hat einen politischen Hintergrund. Der Warschauer Vertrag konnte die Kalaschnikow nicht als Sturmgewehr bezeichnen, das hätte ja bedeutet, die würden die selbe Waffenkategorie wie die Wehrmacht benutzen, ein no go.
G.M


M. T. Kalaschnikow hat diese Waffe selbst als Sturmgewehr bezeichnet.
Je nach Entwicklungsstufe:
Sturmgewehr Nr. 1 - ff.

Letztlich eingeführt als:
Awtomat Kalaschnikowa Obrasez 1947g

Bei der NVA (DDR) wurde es als Maschinenpistole bezeichnet.

Am ehesten noch Maschinenkarabiner, aufgrund der Munition jedoch zu den Sturmgewehren zählend.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#18

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 09.11.2014 02:31
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #17
Zitat von G. Michael im Beitrag #13
Zitat von Ecki im Beitrag #7
Zitat von Ecki im Beitrag #1

Ecki
Meine Lieben,

Ich muss mich insofern revidieren, als die Kalaschnikow gar keine Maschinenpistole war, wie heute üblicherweise meist, aber fälschlich, angenommen, sondern ein Maschinenkarabiner, insofern vergleichbar mit dem Sturmgewehr 44.

Liebe Grüße

Ecki




Ecki, ich schon wieder, danke für diese Korrektur. Die Fakten hast Du im Prinzip genannt. Das die AK47 in den Bereich Maschinenpistole gerutscht ist
hat einen politischen Hintergrund. Der Warschauer Vertrag konnte die Kalaschnikow nicht als Sturmgewehr bezeichnen, das hätte ja bedeutet, die würden die selbe Waffenkategorie wie die Wehrmacht benutzen, ein no go.
G.M


M. T. Kalaschnikow hat diese Waffe selbst als Sturmgewehr bezeichnet.
Je nach Entwicklungsstufe:
Sturmgewehr Nr. 1 - ff.

Letztlich eingeführt als:
Awtomat Kalaschnikowa Obrasez 1947g

Bei der NVA (DDR) wurde es als Maschinenpistole bezeichnet.

Am ehesten noch Maschinenkarabiner, aufgrund der Munition jedoch zu den Sturmgewehren zählend.



Technisch gesehen, ist die Bezeichnung "Maschinenkarabiner" die richtige. Die Bezeichnung "Sturmgewehr" stammt aus der V- und Wunderwaffen-Propaganda der Nazis, als die erste automatische Schützenwaffe für die Wehrmacht, die einen höhere Reichweite, als Maschinenpistolen (Mpi 38 und Nachfolger mit 9 mm-Pistolenpatronen) hatte, unter der Bezeichnung "Sturmgewehr 44" den veralteten Karabiner 98 und die nur in geringer Stückzahl gefertigten, schmutzempfindlichen Selbstladegewehre "SSG41/42" ersetzen sollten.



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#19

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 09.11.2014 09:22
von Thunderhorse | 4.010 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #18
Zitat von Thunderhorse im Beitrag #17
Zitat von G. Michael im Beitrag #13
Zitat von Ecki im Beitrag #7
Zitat von Ecki im Beitrag #1

Ecki
Meine Lieben,

Ich muss mich insofern revidieren, als die Kalaschnikow gar keine Maschinenpistole war, wie heute üblicherweise meist, aber fälschlich, angenommen, sondern ein Maschinenkarabiner, insofern vergleichbar mit dem Sturmgewehr 44.

Liebe Grüße

Ecki




Ecki, ich schon wieder, danke für diese Korrektur. Die Fakten hast Du im Prinzip genannt. Das die AK47 in den Bereich Maschinenpistole gerutscht ist
hat einen politischen Hintergrund. Der Warschauer Vertrag konnte die Kalaschnikow nicht als Sturmgewehr bezeichnen, das hätte ja bedeutet, die würden die selbe Waffenkategorie wie die Wehrmacht benutzen, ein no go.
G.M


M. T. Kalaschnikow hat diese Waffe selbst als Sturmgewehr bezeichnet.
Je nach Entwicklungsstufe:
Sturmgewehr Nr. 1 - ff.

Letztlich eingeführt als:
Awtomat Kalaschnikowa Obrasez 1947g

Bei der NVA (DDR) wurde es als Maschinenpistole bezeichnet.

Am ehesten noch Maschinenkarabiner, aufgrund der Munition jedoch zu den Sturmgewehren zählend.



Technisch gesehen, ist die Bezeichnung "Maschinenkarabiner" die richtige. Die Bezeichnung "Sturmgewehr" stammt aus der V- und Wunderwaffen-Propaganda der Nazis, als die erste automatische Schützenwaffe für die Wehrmacht, die einen höhere Reichweite, als Maschinenpistolen (Mpi 38 und Nachfolger mit 9 mm-Pistolenpatronen) hatte, unter der Bezeichnung "Sturmgewehr 44" den veralteten Karabiner 98 und die nur in geringer Stückzahl gefertigten, schmutzempfindlichen Selbstladegewehre "SSG41/42" ersetzen sollten.


Ja die Propaganda.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#20

RE: Waffenkeim II

in Leben in der DDR 09.11.2014 09:44
von damals wars | 12.167 Beiträge

Die KVP hatte bekanntlich Sturmgewehre im Gebrauch, vielleicht wollten sie einfach nur eine sprachliche Verwechslung vermeiden. Man muss nicht immer alles so hoch hängen!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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