#41

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 06.12.2012 09:40
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Mal so zwischendurch einwerf.
Tolle Geschichte Fritze!
Ich hab noch nicht alles gelesen, nur hier und da bruchstückhaft, aber das was ich las hatte Bestsellergewicht, zumindest für gediente Männer (natürlich auch Frauen ;-) ), nicht nur im Osten gediente, sondern für alle aktiven Soldaten und für Reservisten wie wir alten Männer hier.

Wenn man bedenkt, dass Du das nicht selber warst den Du da beschreibst, dann muss ich echt sagen, Hut ab!
Ich habe in 2 solcher Sicherstellungskompanien gedient, weis daher auch wie es dort zuging und wie der Waffen-Uffz. drauf war.
Was soll ich sagen, voll getroffen!
Wenn ich Deine Geschichte lese, dann gehn an mir die Bilder von damals vorbei, die Geschichte liest sich so, als schaut man sich einen Film an.
Ich bin nun kein grosser Romaneleser auch wenn ich Romaneschreiber in Foren bin.

Deine Geschichte ist 1:1 authentisch, sie beschreibt absolut authentisch wie es damals auf solchen Kompanien zuging, angefangen vom Dienstalltag, bis hin zu den Gedanken die man so hatte und wie man auf so einer Kompanie miteinander umging.

Viele die nicht gedient haben, nicht an der Grenze oder garnicht, viele junge Leute heute oder Geschichtsinteressierte, für die wäre diese Geschichte für den Blick hinter die Kulissen wertvoll, weil sie auch beschreibt, dass wir keine 300% linientreue, blutrünstige, mordende Monster waren, sondern einfache junge Männer, nicht viel anders gestrickt als das junge Männer heute sind in diesem Alter.

Selbst mein Hundechef hab ich dort gefunden, eigentlich sogar beide.

Danke dafür Fritze!

Schreib ein Buch, denk an Deine Rente.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Damals87 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#42

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 06.12.2012 09:55
von 94 | 10.792 Beiträge

Sehr schön, auch wenn sich für mich mal wieder die Geheimnisse der weiblichen Logistik nicht erschließen wollen.
Achso, klar, war ja 'ne Überraschung ...

Doch nun noch eine Anmerkung zu dem vorherigen Teil, ähnlich verworren wie die Urlaubsplanungen von Doppel-X-Trägern erscheint ja die Personalplanung der GT. Die trieb ja schon einige Stilblüten. So wurde ein Grundwehrdiener aus meinem Zug zum Hundezwingerbau 'abkommandiert'. Und das nur weil der Hauptfeld, wohl der teutschen Sprache in Wort und Schrift nicht so ganz mächtig, den erlernten Beruf des Offsetdruckers als Ofensetzer weitermeldete. Als vor Ort festgestellt wurde, das der Gute zum erstenmal in seinem Leben eine Maurerkelle aus der Nähe sah ..., also am Tag drauf war der wieder im Grenzdienst.

Zitat von Fritze im Beitrag #38
Warum wurde bei der Auswahl nicht immer gleich darauf geachtet,sondern erst in der Kompanie .Dort musste dann der gelernte Koch aus der Werkstatt geholt werden oder der gelernte Elektriker von der Hundestaffel erst zu den GSZ Leuten versetzt werden.
Doch zu dem Unterstrichenem eine Anmerkung, es spielte ja nicht nur die berufliche Qualifikation eine Rolle. Da hatte die 2000 auch noch ein kleines, aber entscheidendes Wörtchen mitzureden. Gerade beim GSZ-Trupp war eine AO13 'Pflicht'. Das diametrale Gegenteil von den Zaunkaschpern (sowieso mindestens 3-Ender) war die Küche. Da kann ich mich noch an einen Koch erinnern, der es strikt ablehnte eine Waffe auch nur anzufassen. Der machte so bissel auf Catch-22, hat aber nix geholfen, der 2000er zog ihn einfach nicht ab vom Kanten.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#43

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 06.12.2012 17:41
von Fritze (gelöscht)
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@94 haste treffend formuliert.Die politische Bindung war ja meist wichtiger als die Fachliche.
Ach , die Geheimnisse weibl. Logik erschliessen sich mir nach 12 Jahren Ehe auch noch nicht .
Und Verliebte sind doch kaum zu klaren Entscheidungen fähig.
Hatte auch damit gerechnet ,daß DU die Erzählung nicht nur aus dem heiteren Blickpunkt siehst ! Einige kleine Fehler sind schon gewollt und sollen zum Nachdenken anregen.Wie gesagt ist es ja auch eine Erzählung aus meinem Sichtwinkel, auch weil ich den Edgar nur ein halbes Jahr kannte.Im Nachhinein war er aber eine der prägendsten Gestalten der Sicherstellungskompanie.Zwar sah ich ihn (fast) jeden Tag ,wenn ich meine Spritze an der "Kiste " abholte ,aber über seine Freizeit weiss ich nur sehr wenig.Da war der Zirn schon länger in meinem Blickfeld,denn der war mein Gänger.
Heute abend ,wenn mich die Muse überfällt werde ich die amorösen Tage in Elbflorenz schildern.
Gruss Fritze


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#44

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 06.12.2012 18:53
von 94 | 10.792 Beiträge

Ähm, und was hat jetzt Logistik mit Logik zu schaffen? Das eine entspringt dem Logos, das andere wurde erst im Barock von Logis im Zusammenhang mit dem Bereitsstellen von Unterkünften von französischen Militärs 'abgeleitet'. Auf Warschauervertrags-Militärdeutsch nannte man es (verschämt ?) Rückwärtiger Dienst oder Sicherstellung. Logik habe ich in diesen Truppenteilen als Ausnahmeerscheinung erlebt.

Hallo Fritze, also so sieht das aus, wenn ich mal wirklich Sultaninien k*cke *grins_und_wink*
Ich wollte nur nicht so zusammenhangslos Deinen letzten Beitrag ignorieren, da er schneller kam als wie die 'Ungereimtheit' im Beitrage davor aufgeräumt war. Und vielleicht tritts Du mal nicht ganz so auf die schriftstellernde Tube? Der 80er kommt ja kaum noch hinterher und der gewendete Volkspolizist hat auch eine mehr oder weniger wundersame Reinkarnation erfahren. Also nur mal so, achso und bei Dresden sollteste dann schon extra auf die Details in Deinen Erinnerungen achten, bin da ja nun nicht der Einzige mit (wenn auch nicht aboriginem) Insiderwissen aus dem ahnungslosem Tale *gespannt_freu_auf_Details*


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zuletzt bearbeitet 06.12.2012 18:55 | nach oben springen

#45

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 06.12.2012 19:18
von Fritze (gelöscht)
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na was meinste ,warum ich Dresden genommen habe ? Kenne doch durch die Besuche in den 1980er Jahren ,die Genauigkeit der Erben Augusts.Hatte auch sone Stilblüte als Funker.Aber keine Bange ,werde nicht auf historisch -architektonische Details eingehen.
Das Magdeburger Interhotel kannte ich ja aus eigenem Aufenthalt.Aber ,die Anhaltiner werden es mir verzeihen,fand die Bördestadt nicht attraktiv.

Ach und meinste Frauen können sofort den Unterschied zwischen Logik und Logistik beschreiben.Werde eben noch genauer hinlesen müssen ,wenn sich Ihro Gnaden bequemen mein literarisches Geschreibsel zu komentieren.


zuletzt bearbeitet 06.12.2012 19:28 | nach oben springen

#46

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 06.12.2012 19:40
von Fritze (gelöscht)
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Jetzt muss der ganze schöne Ausflug platzten ,nachdem ich erfahren habe ,daß die Interhotels direkt unter Kontrolle der Hauptverwaltung VI standen .
Dann würde wieder alles zerissen und das alles beherrschende Thema (Die böse Stasi ) würde wie ein Damoklesschwert auch über diesem Beitrag hängen . Tut mir leid !


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#47

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 06.12.2012 19:53
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Ach Fritze, die war doch überall, im Brötchen als Brötchenkrümel, im Fleisch als Knochen, im Fisch als Gräte, im Fotoapperat als Linse, im Telefon als Ohrmuschel und eben auch im Interhotel als Fahrstuhl und Tapete, ja sogar im Klopapier als Altstofffaser.

Den geneigten DDR Kritiker sollte das also nicht schocken, wenn im Foyer der Interhotels die Schlapphüte sassen.
Schliesslich waren die doch auch nur dort, um unsere ausländischen Gäste zu schützen, nicht wahr.


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Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#48

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 17.01.2013 01:41
von Fritze (gelöscht)
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Nachdem mich einige Bitten um Weiterführung der Erlebnisse des Waffenkeims erreicht haben,will ich mal versuchen den Faden wieder aufzunehmen.
Aber der Ausflug nach Elbflorenz ins Interhotel ist abgehakt . Dank nochmal an Koka.

Der Himmel schien alle Schleusen zu öffnen . Es schüttete wie aus Eimern. Die armen Schweine dachte Edgar von den Zweien ,welche gereade das Taxi angehalten hatten.Ihre Regenpellen waren schon hoffnungslos durchnässt. Nachdem sie die drei Uniformierten wahrgenommen hatten,liessen sie das Taxi wieder fahren."Die sollen sich mal ne richtige Lampe zum Anhalten besorgen",schnarrte der Taxifahrer in schönstem Mecklenburger Dialekt,
"die Funzel war ja kaum zu sehen ! " Edgar drehte sich kurz um ,sah daß die zwei Gefreiten auf dem Rücksitz schliefen und entgegnete zum Fahrer:"Na die Batterien halten bei dem Wetter auch nicht lange ! "
Mittlerweile waren sie im Standort und der Fahrer drosselte das Tempo .Dann rief er nach hinten :" Biddde die Häärrn ,da wären wir ! "
Jeder von den Dreien gab ihm einen Zwanziger,dann stiegen sie aus ."Sauwetter elendes " , fluchten alle ! Sie nahmen ihre Taschen aus dem Kofferraum und gingen zum Eingangstor der Kompanie . Der Wachposten öffnete ihnen die kleine Tür und sagte :" Was bringt ihr denn fürn Scheisswetter mit ?"
Sie schüttelten nur mit den Köpfen und gingen schnell ums Gebäude zur Eingangstür der Sicherstellungskompanie .Im Flur erwartete sie eine Überraschung. Oben auf dem Podest standen der UvD und der Spiess. Der Hauptfeld morgens um 0400 ,das gabs auch nicht oft. Er nahm ihnen gleich die Urlaubsscheine ab und fragte Edgar :" Wie wars im Urlaub ? " Die zwei Gefreiten wurden mit einer Kopfbewegung zum Abgang aufgefordert.Sie verschwanden im Laufschritt im Treppenhaus. "Leg dich auch noch was hin ,seh dich dann um 0900 in meinem Dienstzimmer ! "ließ der Spiess jovial vernehmen.Das liess Edgar sich nicht zweimal sagen, schnappte seine Tasche und nachdem er dem Glasmann ,welcher UvD war, kurz auf die Schulter geklopft hatte,lief er schnellstens die Treppe rauf in Richtung Stube.Er drückte leise die Klinke runter und trat ein .
Nachdem er ein kleines Lämpchen an seinem Bett angeschaltet hatte,blickte er sich im Zimmer um. Der Unterfeld von der PIK lag oben im Doppelstockbett und pustete leise im Schlaf ,das Zimmer sah sehr aufgeräumt aus und auf dem Tisch lag ein Brief ,welcher an Ihn adressiert war.
Nanu, wer hats da so eilig,komme doch grad ausm Urlaub,dachte sich Edgar.Er nahm das Kuvert in die Hand und drehte es um, aber weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite gab es einen Absender . Der Briefumschlag sah auch sehr gut aus. Edgar roch dran und ein leichter Veilchenduft war zu bemerken. Er zog die drückenden Halbschuhe aus und dachte ,warum er auch noch fürs letzte Diensthalbjahr Neue brauchte. Seine Alten waren noch in Ordnung ,aber er wollte noch das zweite Paar eintragen.Er hängte seine Jacke auf einen Bügel , und den ans Bett.
Setzte sich danach an den Tisch und öffnete den Brief . Die halbe Seite hatte er schnell überflogen ,steckte den Bogen ins Kuvert,schüttelte den Kopf und warf den Brief in seinen Schrank.
Im Bett schüttelte er wiederrum seinen Kopf und dachte ,das ist ja typisch . Der Absender jenes Briefes war eine Kurzbekanntschaft aus dem zweiten Diensthalbjahr. Sie freute sich,daß er ja nun bald seinen Dienst beenden würde und forderte ihn auf ,sich mal wieder zu melden . Diese Weiber ,dachte Edgar,und schlief mit dem Gedanken an seine Nadja ein.
Edgar erwachte ,als jemand die Tür schloss und sah auf seine Armbanduhr . Das war bestimmt sein Stubengenosse welcher zum Speiseraum unterwegs war. 0735,da war Zeit fürs gemütliche Aufstehen und Frühstück.Vom Gang her war vielfüssiges Getrappel zu hören. Er richtete sich auf ,suchte seine Schlappen und verschwand mit Handtuch und Zahnbürste in Richtung Waschraum.

ff

Gruss Fritze


exgakl und praeceptor507 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#49

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 17.01.2013 16:06
von 94 | 10.792 Beiträge

Da hatte dein Edgar einen gar nachsichtigen Spieß, Brief ohne Absender oder ohne Dienstgrad gar in der Anschrift.
Sehr ... koka, also *tschuldschung schone ma vorab und neuer Thread *blödfrag*

Okee, neuer Thread ... Sie haben Post ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 17.01.2013 16:06 | nach oben springen

#50

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 19.01.2013 02:12
von Fritze (gelöscht)
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Mensch @94 jetzt muss ich Dir schon Vorlagen für neue Themen geben . Weeßte meiner ,auf Dich trifft Korinther I. Kap.14 V.35 auch zu !

Aber nun für alle Leseratten die Fortsetzung vom Waffenkeim.
Edgar kaute mit vollem Mund und sah etwas träumerisch aus dem Fenster . Sein Gegenüber ,der Uffz Glasmacher schlürfte seinen Kaffee und bemerkte: "Na Eddy ,das war wohl ein Urlaub vom Feinsten ? " Der Angesprochene beugte sich etwas vor und meinte :"Ein Gentleman geniesst und schweigt ! "
Dann sah er sich zu Nachbartisch um und fügte noch hinzu :"Hätte nicht gedacht,daß es vier Tage so schön sein kann ! " ,dabei liess er ein leisen Seufzen vernehmen . " Nun sind es gut 6 Wochen bis zum nächsten Urlaub." Mit dem Löffel in der Tasse rührend ,fragte er :"Was warn hier los ?Hab vorhin im Waschraum ,etwas von Sackstand gehört. " Der Glasi schluckte runter und entgegnete: " Sei froh ,daß du nicht hier warst ! Zwei Lagen am Wochenende und noch Besuch vom Regiment .Die Kiste war ständig gefragt und im Speiseraum der Sackies gaben sie sich die Klinke in die Hand.
Du hast heute abend übrigens UvD ,aber das wirste dir ja schon gedacht haben ." Edgar kratzte Butter auf eine Brotscheibe und hakte nochmal nach:"Wieso Lagen ? " Der Glasi rief an den Nebentisch : "Müller Zwo ,erzähl doch mal dem Eddy,was er verpasst hat ! " Der Angesprochene winkte ab und sagte :"Lass mal Glasi ,die Auswertung kommt heute noch ,und wir wollen ja nicht die Spannung nehmen! "
Jetzt war sogar Edgars Interesse geweckt .Was war denn bloss los gewesen ? Er liess sich aber nix anmerken,so konnte wenigstens nachher beim Hauptfeld den Unwissenden geben. Und wie er Spezie Zirn kannte ,würde dieser es mit zynischen Bemerkungen nicht mangeln lassen. So ein bisschen Spannung ist ja auch nicht schlecht,wenn es einen nicht selbst betraf !
Kurz vor 0900 stand Edgar auf dem Flur vor der Kiste und fragte den Uffz Arnold ,welcher in der Waffenkammer stand : "Wenig Schlaf für euch am Wochenende ? " "Naja ,kann man so sagen ,"liess dieser vernehmen . "Weisste noch nix ? " Nee ,ich bin der Unwissende vom Dienst ! "Schnaufte Edgar . So langsam könnte mal einer von sich aus ,die Katze aus dem Sack lassen. "Naja , haben wir bloss Glück,daß unser Haufen nicht die Scheisse von den Anderen an der Backe hat ! " jetzt wurde es Edgar zu bunt :" Nu red schon ! Was war los ?" Der so angesprochene Uffz, wiegte den Kopf und begann dann zu erzählen :" Am Samstag morgen gab es nen Versuchten in Fünf ,und alles rannte planlos rum.Dann haben sie in der Hektik das Batallion nicht verständigt oder besser gesagt zu spät. Dann fuhren noch der GMN -Trupp und der Trecker zum K 6 bearbeiten in den Abschnitt,wo sowieso schon Stress war ." Ja und was haben wir damit zu tun ?"fragte Edgar. " Na der Müller Zwo und der Gefreite Seelig haben die zwei Specker hops genommen ." Edgar pfiff leise durch die Zähne :" Na das riecht mir aber nach Belobigung ! " Der Arnold fügte hinzu :"Und nur weil die Pfeiffen von Fünften so planlos waren."
Hinter seinem Rücken ging eine Tür auf und Edgar drehte sich um. Der Zirn stand in der Tür seines Dienstzimmers und lächelte hintergründig:" Na, Edgar gehste mit zum Haupftfeld ? " " Jo ,wollen wir ? " Sie gingen die wenigen Schritte bis zur Tür des Hauptfeldzimmers und der Zirn klopfte kurz und trat ein ohne auf das "Rein ! " zu warten.
Der Stabsoberfähnrich blickte von seinen Unterlagen auf und zur Wanduhr ,welche eine Minute nach 0900 zeigte."Na nur keine Scheu ,immer rein in die gute Stube ! " Der Spiess ist ja richtig aufgekratzt ,dachte Edgar . Der zog einen Fünfmarkschein und sagte zum Zirn :" Lass mal ne grosse Kanne holen ! " Der Stabsfeld zog die Augenbrauen hoch und riss die Tür auf "GUvD zu mir ! " Der Gefreite trabte an und verschwand mit dem Geld .
Als sie am Tisch sassen ,wählte der Spiess eine Nummer und sagte ins Telefon :"Oberleutnant ,wir wären soweit ! " Gemeint war der Polit ,der bestimmt schon an seiner Appellrede schrieb,wie der Zirn süffisant bemerkte.
Die Tür öffnete sich und der Oberleutnant hielt dem Gefreitem die Tür auf. Dieser stellte eine grosse Kanne und mehrere Tassen auf den Tisch , salutierte und schloss hinter sich die Tür.
Der Polit zog scharrend einen Stuhl heran und setzte sich zu den Anderen an den Tisch . Mit seiner gewohnt schnellen Art eröffnete er das Gespräch .
"Die Kontrolle vom Regiment hatte nichts auszusetzen,auch deine Waffenkammer ist gut weggekommen." Edgar atmete tief durch und der Spiess und der Zirn klopften mit den Knöcheln auf den Tisch. "Besonders positiv ist unsere Werkstatt aufgefallen. Wo istn eigentlich unser Meister ? " "Der muss heute zum Zahnarzt ! " warf der Spiess ein.
"Warst du eigentlich am Samstag auch in Fünf ? "fragte der Polit den Zirn. Dieser richtete sich auf dem Stul auf und entgegnete ."War nicht zu umgehen,die Hunde wollte trotz der Lage was zu fressen. Aber da war schon alles gegessen."
"Tja ,"sagte der Spiess : "da wirds wohl für unsere Leute was Feines geben ." Der Polit warf ein :"Ganz schön blamabel für die Fünfte Kompanie ,wenn schon die Sicherstellungkompanie ihre Specker fangen muss." Der Zirn stiess Edgar unterm Tisch mit dem Fuss an und grinste .
Der Polit redete sich in Eifer :" Heute kommt noch die Entscheidung vom Regiment wie die Belobigungen ausfallen und morgen wird wohl Appell vorm Batallion sein."
Der Hauptfeld nahm seine Zigarettenschachtel und blickte den Polit fragend an . "Ach so ja ,Feuer frei ! " Der Hauptfeld reichte die Schachtel rum und der Polit und der Zirn bedienten sich . Edgar lehnte dankend ab. " Mensch Edgar ,was die richtige Frau so alles bewirkt ! " Edgar errötete und spürte wie ihm ein heisser Schauer durchströmte.Der Zirn gab allen Feuer und schon wabberte ein blaue Wolke durch das Zimmer.
"Und Edgar wie wars im Interhotel ? " fragte der Spiess. "Sehr schön und ohne Vorkommnisse ." sagte Edgar .Er hatte ja von zu Hause angerufen und die Kompanieführung über seinen Aufenthaltsort informiert. Dies war ihm bei aller Vorfreude noch rechtzeitig eingefallen.Es hätte ja auch bei der Anmeldung im Hotel Nachfragen wegen dem WDA und dem Urlaubsschein geben können.( nix blödfrag ,grins )
" Und das Essen ? " wollte der Zirn wissen . "Edgar gab zu : "Essen war Spitze ,aber eigentlich zweitrangig ." Daraufhin brachen sie alle in schallendes Gelächter aus.

ff
Ps Hallo Hartmut ! Erotisches zur nacht war natürlich interessanter !


praeceptor507 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.01.2013 02:15 | nach oben springen

#51

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 19.01.2013 16:41
von PF75 | 3.292 Beiträge

hat einem richtig gefehlt diese nette Geschichte,Danke und bald eine Fortsetzung


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#52

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 22.01.2013 13:36
von Fritze (gelöscht)
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Edgar sass in der Wachbutze und überprüfte alle Unterlagen ,welche er eben vom alten UvD übernommen hatte.Der Buffer stand hinter ihm und sagte :" Der Wohlgetan kann keine Stiefel anziehen,hat geschwollene Füsse ". "Und wieso ist dieser Klops nicht heute beim Battalionsmed.gewesen und hat sich Innendienstkrank schreiben lassen ? Wer soll denn gleich ans Tor gehen ,auf Posten 1 ?" "Na der Meyer ,der ist schon fertig."
Edgar drehte sich um steckte seine Daumen unter die Achselhöhlen und sinnierte laut : "Oh die Herren Gefreiten haben alles im Griff ! "Mann jetzt kann ich noch dem Hauptfeld den Feierabend vermiesen ,bloss weil dieser Wohlgetan nicht rechtzeitg seine Mauken pflegt ! "
Er erhob sich ,stöhnte leis und verschwand in Richtung Hauptfeldbude.Nicht,daß sie dies nicht in den Griff bekommen hätten,aber der Spiess hatte gerade noch heute darauf verwiesen,wenn er in der Kompanie sei ,wolle er auch informiert sei.
Als er wieder die Butze betrat, klopfte er mit den Knöcheln auf die Ablage und gab seine Anweisungen an den Buffer:"So den Meyer auf Posten 1 und dann den Mietzner holen ,der übernimmt vom Wohlgetan! Und der Knallkopp soll sich die Füsse kühlen !Morgen früh direkt zum Sani ins Batallion !"
Der GUvD ging mit dem Meyer in Richtung Lade-Entladeplatz und Edgar setzte sich wieder an den Tisch vor die Klappe .
Die Eingangstür klappte und aus dem Treppenhaus war ein " Achtung " zu hören .Edgar kippte sich das Käppi auf den Kopf und stob ins Treppenhaus .Der Stabschef vom Battallion und zwei weitere Offiziere kammen die Stufen hoch.Edgar machte seine Meldung und der Major dröhnte in seinem gewohnten Bass :" Danke ,lassen sie weitermachen ! "
Die Offiziere verschwanden in ihrem Speiseraum und ein Tischdienst hinterher.Edgar widmete sich wieder seinen Aufgaben als UvD.
Vom Hof her waren Fahrzeuggeräusche zu vernehmen und an der Eingangstür war ein ständiges Kommen und Gehen.Als Edgar zwei Gakls die Treppe hochkommen sah , ging er zur Kiste und schloss die Gittertür auf .Der Spiess verliess eben sein Dienstzimmer ,kam an die Luke und sagte: So ,bin jetzt nach Hause ,gabs noch was ? " Edgar entgegnete :" Stabschef ist noch im Speiseraum." Der Stabsoberfähnrich nickte nur und ging in Richtung Ausgang.
Nachdem Edgar den Gakls und noch mehreren Soldaten aus der Kompanie deren Waffen abgenommen hatte , sah er sich in der Kiste um und nahm sich vor bei der nächsten Gelegenheit n bisschen Staub zu wischen.An seinem Urlaubswochenende musste reichlich Bewegung gewesen sein ,denn er hatte noch in der letzten Woche gut gereinigt.
Wieder in der Wachbutze ,nahm er als erstes den Telefonhörer und wählte die Nummer vom Diensthabenden des Battallions :"Hier UvD Kompanie zur Sicherstellung,alle Aussenkräfte und Fahrzeuge wieder im Objekt,Dienst ohne Vorkommnisse." Er legte den Hörer auf und ging zum Fenster .Draussen war immer noch schönes Wetter und auf den Bänken vor der Kompanie sassen einige Soldaten ,die schon ihr Abendbrot beendet hatten und rauchten.
Hinter ihm war ein Bimmeln zu hören und er drehte sich um.Dort standen zwei Uffze die auch mit ihm im Herbst nach Hause gehen würden."Na Edgar ,alles dabei ? " Edgar liess nur ein müdes Lächeln blicken." Als ob Ihr zwei mich ausnaschen könntet ?! Die so Gescholtenen gaben sich mächtig aufgekratzt.Edgar bemerkte jetzt erst ihre Ausgehuniform und fragte :" An die Tränke heut abend ?" " Jau ,und das wird schmecken !" wieherte der Eine und der Andere schnippste sich mit dem linken Zeigefinger an den Hals. Edgar schob die Zwei auf den Flur: "So jetzt ab mit Euch und machts halblang ,ihr Mündungsschoner ! "
Nachdem die zwei die Treppe runter waren fragte er sinen UvD :"Willst Du erst essen ? " Dieser nickte ,nahm sein Essbsteck und trabte in Richtung Speisesaal.
Edgar ging wieder zum Fenster und sah auf den Raucherplatz . Der müsste heut auch beim Revierreinigen dran sein.Etliche Kippen lagen auf den Platten welche den Boden bedeckten.Er öffnte das Fenster und rief hinaus : " Soldat Mehring,der Platz ist heut Deiner beim Reinigen ,und pikobello bei mir abmelden ! " Er schloss das Fenster wieder und dachte an seinen Aufenhalt im Interhotel. Dort hatten im Eingangsbereich des Hotels auch einige Standaschenbecher gestanden.Aber keine Holzbänke sondern pompöse Ledersessel und Ledersofas.
Als der GUvD vom Essen wiederkam nahm er sein Besteck und ging in den Speiseraum..An seinem Tisch sass nur noch ein einzelner Uffz von der Hundestaffel. "Na Waldi so allein hier ? Dieser nickte nur mit vollem Mund und rückte seinen Teller dichter zu sich ran.
Waldemar ,so hiess der Uffz.schluckte runter und fragte :" Noch was los heute ?" Dabei deutete er in Richtung Offiziersspeiseraum.
"Nichts Aussergewöhnliches ! "entgegnete Edgar :" Vielleicht wollen Die noch raus ,aber ich weiss noch nix.Dafür hatte der Staber auch zu gute Laune."
Waldi nickte und schmierte sich eine neue Scheibe Brot.danach hingen sie Beide wieder ihrem Gedanken nach. Waldi war auch nicht der Typ mit dem man sich gepflegt unterhalten konnte. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt,daß er mehr mit den Hunden rede als wie mit Menschen.
Der Tischdiensttuende Soldat lief nervös vor der Luke auf und ab.Edgar winkte ihm und er kam an den Tisch der Uffze.
"Watt rennste so hin und her ?"wollte Edgar wissen."Hoffentlich sind die bald fertig !"dabei deutete er mit dem Kopf in Richtung Offz.Speiseraum.Als die Tür aufging war er schnell weg.Die Offiziere verliessen den Speiseraum und der Schirrmeister betrat den Speiseraum.Als er Edgar bemerkte,steuerte er dessen Tisch an und liess vernehmen ." Alle Fahrzeuge sind wieder einsatzbereit,Papiere wie gehabt .Bin dann w..nach Hause .Komme morgen erst wieder nach 1000.Muss wieder zum Zahnarzt." Dabei bestastete er seine linke Backe. " Danke weiss ich Bescheid , "sagte Edgar.Er sah dem Oberfeldwebel hinterher und schob sich den nächsten Happen in de Mund.
ff


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#53

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 24.01.2013 22:29
von Fritze (gelöscht)
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Der Frühling war auf seiner Höhe ,Edgars Bandmass hatte schon 5cm weniger und in der Kasse der Herbstgänger befanden sich etwas mehr als 320Mark.Auf dem Raucherplatz der Kompanie stand ein Grill und auf diesem lagen schön in Reihe drei Dutzend Würstchen und und ein gutes Dutzend Bouletten.Zwei Bierkästen standen vor den Bänken und harrten der Dinge.
Einige Gefreite und zwei Uffze standen rauchend herum und warteten darauf ,daß jemand was sagen würde und die kleine Feier eröffnen würde.
Der UvD kam mit einem Wachposten aus der Eingangstür und strebte mit Diesem in Richtung Lade-Entladeplatz. Der Hauptfeld , in der Linken
eine Zigarette kam heraus und fragte : "Na wer eröffnet das Buffet ? "
Verlegenes Grinsen bei einigen Protagonisten. Der Gefreite Frenz klapperte mit der Grillzange und sagte : Wenn Die nicht bald kommen ,fang ich an ,bevor nur noch Kohle aufm Grill liegt !"


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#54

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 24.01.2013 22:59
von erkoe | 301 Beiträge

Mensch Fritze, das wurde ja auch Zeit!!!! Vielen Dank! Ich bitte um weitere Geschichten ehe Edgar der Heimgang ereilt....

VG
Erik


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#55

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 25.01.2013 18:26
von PF75 | 3.292 Beiträge

Gut wie immer


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#56

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 26.01.2013 20:28
von Fritze (gelöscht)
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Die Gängerfete am vergangenen Tag war richtig toll verlaufen .Sogar der Spiess hatte es sich nicht nehmen lassen , einige Anekdoten von ehemaligen EKs zum Besten zu geben.So hatten sie sich draussen auf den Bänken einige Male vor Lachen auf die Schenkel gekloppt . Ein gelungener Abend ,so daß auch niemand maulte,als gegen 2130 die Veranstaltung beendet wurde.
Am nächsten Morgen hatte Edgar einen gar pelzigen Geschmack im Mund. Das lag wohl nicht an den 3 Flaschen Bier ,welche er beim Grillen und danach konsumiert hatte. Sondern eher an des Glasmanns Früchtemischung ,mit der er noch spät bei Edgar eintrudelte.Edgar sah vorsichtig ins untere Bett.Der Unterfeldwebel von der PIK schlief noch. Edgar hangelte sich so vorsichtig es ging , vom oberen Bett .Aber er rutschte auf seinen Latschen aus und plumste auf den Allerwertesten.Zu dem Geschmack kam nun auch noch ein Ziehen hinter seiner Grosshirnrinde.Er quälte sich hoch und blickte in das gequälte Gesicht des Unterfelds. Dieser brabbelte :"hast du auch son Brand ,wie ich ?" "Nee , "entgegnete Edgar :"aber dafür Haarwurzelkatharr."
Sie quälten sich in Richtung Waschraum und liessen das kalte Wasser sprechen. Ein Gefreiter,welcher sich sorgfältig rasierte, staunte über die zwei angeschlagenen Uffze. Während er sich abfrottierte liess er ein kennerisches :"Zuviel Met ,Edgar ?" vernehmen.Der winkte nur ab ,schwabbte sich eine weitere Hand kaltes Wasser ins Gesicht und betrachtete sein Spiegelbild .
Die Tür flog auf und der Gefreite Wohlgetan erschien mit einem Wasserkocher zum Befüllen.Er musterte Edgar und liess sich zu einem :"ganz schön gelb,wa Edgar ", hinreissen. Edgar hielt seine rechte Hand unter den geöffneten Wasserhahn und spritzte in Richtung des Gefreiten.Dieser lief mit seinem Wasserkocher schnell auf den Flur .
Im Speiseraum waren schon etliche Tische gefüllt . Edgar und sein Stubenkamerad setzten sich und schlürften erstmal einen doppelten Kaffee .
Im Flur und Wachbutzebereich war schon eifriges Getrappel und Gerufe zu hören.Auch vom Hof war Gebrumm von ausrückenden Fahrzeugen zu hören.
Am ZT 300 hing hinten ein Grubber dran.Edgar dachte mit Grausen an das Gerappel und Gedröhne ,als er selbst einmal mit dem Gefreiten in den Abschnitt gefahren war .Zusammengekauert auf dem Notsitz taten ihm schon nach 2 h alle Gliedmassen weh.Nur gut ,daß ihm so etwas heute erspart blieb.
Nach dem Frühstück übernahm er die Waffenkammer und schickte sich auch gleich an etwas aufzuräumen ,Staub zu wischen und hier und dort etwas zu ordnen .Ein zerkratzter Magazindeckel fiel ihm ins Auge ,genau wie ein Seitengewehr ohne Schutzgummi. Er sah auf eine Liste und brummte :"war ja klar ,diese Hundeschlampe !" Ein Räuspern liess ihn herumfahren. Dort stand der Zirn und fragte grinsend nach dem Unmut des Waffenuffz.
"Na guck dir doch diese Kacke an ! hat der mit dem Magazin gegrubbert ?oder wollte der aufm Kolonnenweg Funken schlagen?"
Der Zirn staunte nicht schlecht,als Edgar ihm das lädierte Magazin und das unvollständige Seitengewehr präsentierte.
" Da muss ich nen Vermerk schreiben ! " Haste nich was in deiner Ersatzteilkiste ? Der Waldi ist schon genuch lädiert ,der ist nämlich ziemlich unsanft vom LO abgestiegen ," bemerkte der Zirn . " Naja ,wollen sehn was sich machen lässt ! " entgegnete Edgar versöhnlich.
Aber ein Grinsen konnte er auch nicht verkneifen.
Der Polit steckte den Kopf in die Waffenkammer und sagte : " Oh ,hier wird wohl die gestrige Fete ausgewertet ? " Nee,nee "sagte der Stabsfeldwebel:"Wir sprachen von Waldis Unfall ." Achso ",entgegnete der Oberleutnant :" Dem seine Knie heilen auch wieder ."
Zwei Uffze und ein Oberfeldwebel holten ihre Waffen und gingen wieder . Draussen fuhr ein Stoffhund vor und nahm die Drei auf.
Der Zirn flätzte sich wieder auf die Klappe und fragte Edgar :" na wieviel Tage biste schon rauchfrei ? " Edgar kratzte sich am Kinn ,überlegte kurz und sagte:" müssen wohl gut 40 Tage sein ! " Nicht schlecht !" staunte der Zirn .
Zum Mittag war recht wenig im Speiseraum los ,was wohl nicht am Essen lag. Sind wohl jede Menge Kräfte in den Abschnitten,dachte Edgar.
Die Schnitzel wetteiferten mit dem Blumenkohl im Geruch um die Wette .Edgar hatte seinen Appetit wiedergefunden und liess sich alles schmecken.
Der gegenübersitzende Nachrichtenuffz. schob ihm seinen Pudding hin :"Willste ?" Gib her ! " sagte Edgar :" Für ne Portion Milch ist man doch nie zu alt !" beide lachten .
Nach dem Essen sah sich Edgar noch kurz in der Wachbutze um und verschwand dann auf sein Zimmer.Wenn nix dazwischen käme , könnte er gleich Nadjas gestrigen Brief beantworten.
Er hatte sich aber noch nicht am Tisch niedergelassen,als mehrmaliges kurzes Hupen des Ochsen ihn wieder im Laufschritt in das Erdgeschoss trieb.Er fragte den schon im Flur hetzenden UvD ."Wasn los ? " "Lage in Abschitt sechs,also gleich hier ."Ich mach schonmal die Kiste auf ."sagte Edgar nicht zu spät.Und schon kammen etliche Uffze und Offiziere im Laufschritt vom Stab des Batallions.Etliche Kalaschnikows und Makarows gingen aus der Kiste .Ein LO fuhr auf den Hof und wendete mit wimmernden Reifen .Die Klappe flog zu und schon war er wieder weg.
Edgar steckte den Kopf über die Klappe auf den Flur,sah den UvD und winkte ihm.Dieser kam näher und Edgar fragte : " Weisste was ? "
Der Uffz. wiegte den Kopf und meinte:" Vom Nachbarort sollen Personen gesehen worden sein,welche übern Acker liefen. Aber wer oder was ?" dabei zuckte er mit den Schultern.
ff


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#57

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 07.04.2013 00:13
von Fritze (gelöscht)
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Ich versuch mal den faden wieder aufzunehmen .

Das monotone Rattern des Zuges liess Edgar müde werden,und das obwohl er die Nacht vor dem Urlaubsantritt richtig geschlafen hatte.Er sinnierte ein wenig . Seit dieser Woche lief sein Bandmass zweispurig.Vielleicht noch dreimal Urlaub ?
Diesmal sass er ganz allein im Zug Richtung Berlin.Die zwei Anderen aus seiner Kompanie waren in Richtung Rostock weitergefahren.
Er war schon ganz gespannt auf seine Nadja,mit der er nun 6 Tage verbringen konnte. Seine guten Beziehungen zum Hauptfeld hatten ihm zu VKU plus zwei Dienstfrei verholfen. So müsste er zwar am Do. früh kommender Woche allein mit dem Taxi von Schwerin fahren ,aber das nahm er gern in Kauf.
Er schaute aus dem Abteilfenster . Draussen wo an einem grauen Himmel dicke Wolken vom Wind gescheucht wurden,war ein rötliches Leuchten zu sehen. Nach der Hitze der vergangenen Tage waren mehrere Gewitter niedergegangen,welche etwas Abkühlung gebracht hatten.
Als der Zug in Bln.-Lichtenberg einfuhr,waren nur wenige Leute auf den Bahnsteigen zu sehen.Er hastete zu seinem Umsteigebahnsteig ,die Imbissgaststätte links liegen lassend. Zu Hause würde es Kaltschale mit Mehlklüten und Eischnee geben,hatte er im gestrigen Telefongespräch mit seinem Bruder erfahren.
Der Zug Richtung Frankfurt / Oder stand schon auf dem Gleis. Eine ältere Frau mühte sich vergeblich ihren schweren Koffer in den Zug zu bekommen.
Edgar schwang seine Tasche über die Schulter und mit einem : "Darf ich ?" hievte er den Riesenkoffer in den Zug .Vor dem ersten Abteil im Waggon blieb er stehen." Ist es hier recht ?" fragte er die alte Dame.Sie sah nervös auf ihre Fahrkarte." Ich weiss nicht ." Stammelte sie .
Edgar sah auf den Zettel zum Waggonbeginn. " Hier ist ohne Platzkarten und noch ist alles frei,heut nachmittag sieht das anders aus.Da sind die Pendler unterwegs." " Danke Herr Unteroffizier ! "sagte,die Dame nach einem Blick auf seine Gurkenschalen.
Edgar half der Frau ins Abteil und ging einige Türen weiter. Er war zwar immer hilfsbereit,aber auf ein Gespräch mit der älteren Dame hatte er heute keine Lust und er war mit seinen Gedanken auch schon woanders .

ff


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#58

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 07.04.2013 17:46
von PF75 | 3.292 Beiträge

Danke für die Fortsetzung,jetzt fällt einem ein was hier gefehlt hat


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 07.04.2013 22:00
von Fritze (gelöscht)
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Auf dem Bahnhofsvorplatz dampfte der Ashalt,gerade eben war noch ein Schauer niedergegangen und nun stach die Augustsonne wieder durch die Wolken.Edgar schlenderte zum Parkplatz ,als ein Trabbi mit wimmernden Reifen in die Einfahrt einbog und direkt vor ihm zu stehen kam.Die Beifahrertür flog auf und sein Bruder rief : "Rein du Friedenswächter ! " Edgar liess sich in den Sitz fallen,streifte Tasche und Mütze auf die Rückbank,zog die Beine an und schloss die Tür. Sein Bruder krachte den Gang rein und düste los." Und , unter Hundert ?" Edgar rollte sein Bandmass ab und liess nur ein kurzes "Jo" erklingen.Er hielt sich vorn fest,denn sein Bruder fuhr schon wieder wie ein verkappter Ralleypilot.
"Warum rast n so ?" fragte er mit einem Seitenblick. " Müssen gleich zum Alten in die Werkstatt !" Wasn los ?Brennts irgendwo ?"
Sein Bruder verzogs Gesicht und sagte nur :"Familienhilfe".
Auf dem Hof der kleinen Werkstatt angekommen stiegen sie aus,doch niemand war zu sehen.Plötzlich kam Edgar alles Spanisch vor.
Sein Bruder schubbste ihn leicht zur Eingangstür,öffnete diese , mit einem Stubbs war Edgar im Dunklen.
Er versuchte etwas zu erkennen. Aber dann flammte das Licht auf und ein Chor der Gratulanten sang vielstimmig :" 97,siebenundneunzig ,97 Taaage hatt er noch ! " Um eine weissgedeckte Tafel standen seine Eltern, Freunde und plötzlich hing "sie" an ihm.
Edgar war baff . Solch eine Überraschung !
Nachdem sie sich alle mit Kaltschale und Sekt gestärkt hatten,dröhnte Vaters Bass durch die Werkstatt .: "Und bei Deiner Entlassung lädts Du uns ein ! "
Edgar hatte sich mittlerweile umgezogen in die Sachen ,welche seine Mutter mitgebracht hatte.Son T-Shirtkragen war ja doch bequemer.Nadja wich nicht von seiner Seite und er bemerkte ein heimliches Flackern in ihren Augen.Er wusste sofort,daß sie auch noch was in Petto hatte.
ff


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#60

RE: Erzählung. Der Waffenkeim

in Grenztruppen der DDR 08.04.2013 12:39
von Fritze (gelöscht)
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Edgar und Nadja sassen in ihrer Wohnung auf dem Sofa .Sie hatten Badetücher um und Kerzen und Weingläser standen vor ihnen auf dem Tisch.Nachdem Edgars Bruder sie zu Nadjas Wohnung gefahren hatte ,war alle Anspannung von ihnen gewichen und sie hatten sich ausgiebig geliebt.
Nun musste Nadja erstmal erzählen , wie es ihr in den letzten Wochen ergangen war und dann war Edgar dran.
Er konnte seine Neugierde nun nicht mehr zügeln und fragte:"Und was hast Du noch für eine Überraschung?" Nadja kam ganz dicht an ihn heran und kuschelte sich bei ihm ein.Dann fing sie leise zu erzählen an: "Mein Mann und ich waren gemeinsam beim Anwalt,er will nun doch in die Scheidung einwilligen. " Edgar zog die Augenbrauen hoch :"Das sind ja prima Neuigkeiten !"
Sie umarmten sich ,küssten sich und ein jeder von ihnen konnte das Knistern zwischen ihnen spüren.
Später dann machten sie sich fertig für einen Restaurantbesuch. Nadja hatte einen Tisch im Stadtkeller bestellt.
Edgar staunte nicht schlecht.Er war seit mehr als zwei Jahre nicht mehr im Stadtkeller gewesen . Nach Beendigung seiner Lehrzeit hatten er und noch drei Andere ,welche ebenfalls die Lehre verkürzt hatten und für drei Jahre zur Fahne gingen ,im Stadtkeller gefeiert.
Damals waren ihm besonders die vergilten Wände aufgefallen .Nun erstrahlte alles in einem warmen Orange und die Tischordnung war komplett umgestellt.Es gab viele Zimmerpflanzen und sogenante Raumteiler zwischen den Tischen.Der Kellner führte sie nun in so ein Separee.
Nachdem sie sich gesetzt hatten,vertiefte sich beide in die Karte ,welche in einem ansprechendem Einband steckte.Gleich bei den Suppen fiel Edgar etwas exotisches auf. Kängeruhschwanzsuppe hatte er noch nirgendwo gelesen.Leider war der beliebte Kadarkar nicht vorrätig und so bestellten sie erstmal Apfelmost. Beim Aufgeben ihrer Speisenbestellung empfahl ihnen der Kellner den lieblichen Murfatlar. Dieser war zwar kein Rotwein ,aber genau das Richtige für Liebende.Dabei hatte er tiefgründig über sein Hornbrille geschaut.Nach der Suppe ,welche Edgar an Ochsenschwanzsppe erinnerte , wurden ihnen die "Räuberspiesse" serviert."Schön scharf " bemerkte Nadja :"das ist man ja nicht von nem Restaurant gewöhnt."
Edgar nickte ,auch er war nicht auf solch exotische Zubereitung gefasst. Er nahm sein Glas und stiess mit ihr an :"Seit wann ist denn der Laden hier so vornehm ?" Nadja schmunzelte : "Ich glaube,die sind grade mit dem Umbau fertig geworden.Der Tip kam von einer Kollegin."
"Aha "liess Edgar vernehmen:"deshalb isses hier auch so voll und nur mit Bestellung ein Reinkommen. "
Nach dem Essen wollte ihnen der Kellner einen Aschenbecher auf den Tisch stellen,aber Edgar winkte nur ab."Wird nicht benötigt,bin von ab !"
Der Kellner liess ein anerkennendes "Bravo ,junger Mann ! "hören und fragte ob er ihnen noch eine Flasche Wein bringen dürfte.Edgar sah Nadja an, welche nickte." Ich denke schon ."sagte er zum Kellner.
Später dann auf dem Weg zur Strassenbahn schlenderten sie Arm in Arm und erfreuten sich an der klaren Nachtluft. Vor einem baufälligem mehrstöckigen Haus mit zerschlagenen dunklen Fensterhöhlen blieb Nadja stehen." Hier haben meine Eltern fast 20 Jahre gewohnt , " sagte sie leise.
"Auf dem Hinterhof hab ich mit meiner Schwester immer Gummihopse gespielt." Sie war etwas nachdenklich geworden und Edgar nahm sie fest in seine Arme.Dann war das Bimmeln der Strassenbahn zu hören und sie liefen Hand in Hand zur Haltestelle.In der Bahn grölten ein paar Fussballfans und Nadja und Edgar setzten sich in die letzt Sitzreihe.
Bei Nadja im Wohnzimmer legten sie dann eine Schmuseplatte auf ..........
ff


PF75 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.04.2013 18:25 | nach oben springen


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