#41

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 13.02.2013 16:54
von schulzi | 1.759 Beiträge

das stellen und auf die freunde warten kenne ich den uns wurden auch mal die stahlhelme und rpg`s an den kanten rausgebracht und auch mit der "drecksarbeit" aber die jungs hatten so wie so nicht mehr zu verlieren,hatten ihre wache nieder gemacht.doch von den kirschkernspuckern(damit meine ich nicht die granatwerfer) höre ich heute das erste mal.


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#42

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 13.02.2013 22:59
von OlsenWeilrode | 191 Beiträge

nochmal was zum AGS 17:
Nach der Zusatzausbildung hat es auf der Kompanie ja dieses "neue" Kompaniesicherungssystem gegeben. Und da war dann öfters ein "Gefechtsalarm" als vorher "Grenzalarme". Nee Quatsch, Gefechtsalarm hatten wir im dritten DHJ zweimal. Und unser AGS-Trupp hatte einen "eigenen" P3, mit dem sind wir dann nach Klettenberg gedüst, haben das AGS und die Mumpel-Trommeln aufgeladen und dann ging es weiter zum befohlenen Postenplatz. Das war einmal die Ziegelei in Ellrich, ein anderes mal ein Postenpunkt im weilroder Abschnitt, wo es die totale Einsicht ins "Feindesland" gab. Der Granatwerfer wurde immer feinwärts ausgerichtet, bissel getarnt und Vollzug gemeldet. Zum Einbuddeln war nie genug Zeit, bis wir den ganzen Kram aus Klettenberg geholt und zum Einsazort geschleppt hatten war der Alarm immer fast schon vorbei. Beim ersten Einsatz an der Ziegelei (ich denke wenigstens, daß das eine Ziegelei war, kan aber auch sein, ich verwechsel da was mit Zwinge) kam nach unserer Vollzugsmeldung ein "Höheres Führungsfahrzeug" mit drei Buckels, die sich das Ganze von weitem angesehen haben und dann wieder abgerückt sind. Später haben wir erfahren, daß es eine Rüge wegen mangelnder Tarnung gegeben hätte. Aus dem Erlebten leite ich allerdings ab, daß das AGS doch eher Richtung feindwärts eingesetzt werden sollte, um dem herannahenden "imperialistischen Gegner" einen gehörigen Schrecken einzujagen. Für ein längers Halten der Stellung hatten wir ja nicht mal genug Mumpeln. Es wurde auch immer mal gemunkelt, daß unser ganzer Zirkus nur dazu dienen sollte, den "Gegner" zwanzig Minuten AUFZUHALTEN, weil dann sowieso die sowjetischen Waffengefährten den Kampf übernehmen würden.
Wie geschrieben, ob was Ernsthaftes daran war wage ich heutzutage nicht mehr zu bestätigen.

HG 82/I
Olsen


zuletzt bearbeitet 09.03.2013 14:18 | nach oben springen

#43

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 11:18
von 80er | 569 Beiträge

Zitat von OlsenWeilrode im Beitrag #42
nochmal was zum AGS 17:
[...] Aus dem Erlebten leite ich allerdings ab, daß das AGS doch eher Richtung feindwärts eingesetzt werden sollte, um dem herannahenden "imperialistischen Gegner" einen gehörigen Schrecken einzujagen. Für ein längers Halten der Stellung hatten wir ja nicht mal genug Mupeln. Es wurde auch immer mal gemunkelt, daß unser ganzer Zirkus nur datzu dienen sollte, den "Gegner" zwanzig Minuten AUFZUHALTEN, weil dann sowieso die sowjetischen Waffengefährten den Kampf übernehmen würden.
Wie geschrieben, ob was Ernsthaftes daran war wage ich heutzutage nicht mehr zu bestätigen.

So hat man es uns auch einzureden versucht. Die ersten 20 Minuten Feuer aus allen Rohren (1 Postenpaar = 120 Schuss ...) und dann käme die "Kavallerie" der GSSD mit ihren Panzern aus Gotha!

[ironisch] Nach dem gezielten Wurf der Seitengewehre, als Mittel der letzten Wahl, empfahl es sich dann, einen "Russen" (1 Mpi Patrone) für sich selbst aufzuheben ...


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#44

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 12:26
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

diese Variante für den Ernstfall wurde uns auch so erzählt, nur.....

von Gotha bis zur Grenze sind es rund 50 km - wie schnell fährt so ein Panzer, wie weit kommt er in 20 min ? (abzüglich Alarmierungszeit)
120 Schuss für 20min - macht 6 Schuss pro Minute im Durchschnitt - reicht das, um als Postenpaar eine Einheit mit Kampffahrzeugen aufzuhalten ?

Nun, die Antworten mag sich jeder hier mitlesende, ehemalige "Militärexperte" selbst geben...
Uns war das damals klar, dass wir für den Fall der Fälle nur Kanonenfutter sind, es sei denn, wir melden die gegnerische Kampfeinheit lediglich unentdeckt über das GMN und bleiben dann ruhig, hoffen auf vernünftige Bundeswehr-Angehörige, die auch Gefangene machen.
Tja, so sieht die ungeschönte Wahrheit aus.

Andererseits, wären wir mit schweren Gerät in den normalen Grenzdienst gezogen, hätte es die westliche Seite sicher als Aufforderung verstanden, gleichzuziehen. Wie wäre das wohl ausgegangen ?

Gruss Hartmut


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#45

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 12:38
von prignitzer | 281 Beiträge

Diese Aufgabe mit den 20 Minuten halten der Stellung bestand auch schon 1969/70. Schon damals konnten wir darüber nur schmunzeln. Trotz aller Weiterentwicklung in den nachfolgenden Jahren hat sich ja scheinbar daran nichts geändert...
Gruß prignitzer


Grenzer von 11/69 bis 04/71 im GR 20 / 4. GK (Scharfenstein)


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#46

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 13:41
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

........und wahrscheinlich ist bereits damals die Militärführung des Warschauer Vertrages davon ausgegangen, dass der Gegner beim Erstschlag auch keine Luftlandetruppen und Kampfflugzeuge einsetzt (gegen die Du mit ein paar Kalaschnikov's ohnehin nicht viel ausrichten wirst).
Die USA haben im Irak-Krieg ja demonstriert, wie so etwas geht.
Nein... nur gut, dass wir der Nato in Mitteleuropa den Feind einfach weggenommen haben - so ist alles bei ein paar theoretischen Planspielen geblieben und wir können hier und heute darüber fachsimpeln.

Eigentlich gar nicht so richtig zum schmunzeln, wenn man bedenkt, welche Rolle man in dem Spiel zugewiesen bekam.

Gruss Hartmut


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#47

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 14:30
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #44
diese Variante für den Ernstfall wurde uns auch so erzählt, nur.....

von Gotha bis zur Grenze sind es rund 50 km - wie schnell fährt so ein Panzer, wie weit kommt er in 20 min ? (abzüglich Alarmierungszeit)
120 Schuss für 20min - macht 6 Schuss pro Minute im Durchschnitt - reicht das, um als Postenpaar eine Einheit mit Kampffahrzeugen aufzuhalten ?

Nun, die Antworten mag sich jeder hier mitlesende, ehemalige "Militärexperte" selbst geben...
Uns war das damals klar, dass wir für den Fall der Fälle nur Kanonenfutter sind, es sei denn, wir melden die gegnerische Kampfeinheit lediglich unentdeckt über das GMN und bleiben dann ruhig, hoffen auf vernünftige Bundeswehr-Angehörige, die auch Gefangene machen.
Tja, so sieht die ungeschönte Wahrheit aus.

Andererseits, wären wir mit schweren Gerät in den normalen Grenzdienst gezogen, hätte es die westliche Seite sicher als Aufforderung verstanden, gleichzuziehen. Wie wäre das wohl ausgegangen ?

Gruss Hartmut





20 Minuten aufhalten , wie und mit was? max. 5 Minuten....gut das es nicht dazu gekommen ist, sonst gäbe es UNS und Deutschland (Minimum) nicht mehr.


xxx
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#48

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 14:55
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Ach, ist das mit den 20 Minuten mal wieder dran ...

Also gut. Diese Aussage war, ist und bleibt Schwachsinn. Gehen wir von der Vorstellung eines konventionellen Schlages aus.

1. Keine Armee wäre in der Lage gewesen, über die gesamte Breite den Schlag zu führen und somit in einer Vorwärtsbewegung alle Grenzkompanien mit einem Schlag zu überrollen.
2. In den Richtungen der Hauptschläge (zusammen ca. 1/5 der Gesamtbreite) hält eine Kompanie mit konventioneller Bewaffnung keine Minute durch. Sie wird einfach überrollt.
3. Die Grenztruppen hatten allerdings auch nicht wie an der Perlenschnur aufgefädelt im Grenzdienst zu stehen, sondern beim Übergang zu einer Spannungsperiode mit wahrscheinlichem Kriegsbeginn hätten sie die befohlenen Kompaniestellungen bzw. -stützpunkte der Gefechtsmäßigen Grenzsicherung bezogen.
4. In der Gefechtsmäßigen Grenzsicherung wurde der Kampfsatz vollständig ausgegeben, also 1/2 Kampfsatz am Mann (150 Patronen) und 1/2 Kampfsatz in der Stellung (nochmal 150 Patronen). Das wären dann also pro Mann im Gefecht 300 Patronen gewesen und nicht nur 60 (oder 120 pro Postenpaar, wie hier genannt).
5. Die Aufgaben in der Gefechtsmäßigen Grenzsicherung konnten von Aufklärung, Sicherung bis hin zur Handlung als Gefechtssicherung eines Mot.-Schützenregiments gehen. Für letzteren Fall wurde wir auch an der Offiziershochschule ausgebildet (Gefechtsbefehl und Lagemeldungen kamen auf Russisch, der Entschluss musste ebenfalls auf Russisch gemeldet werden). Das hätte u.a. bedeutet, dass die Feuerlinien der Artillerie noch vor der eigenen Stellung der Grenzkompanie gelegen hätten.
6. Die Aufgabe einer Gefechtssicherung ist es nicht, sich bis zum Letzten zu halten und den Gegner zu vernichten oder eben, wie immer wieder rumgeistert, soundso lange aufzuhalten. Sie hat den Gegner rechtzeitig aufzuklären, seiner Aufklärung zu stören und im Angriffsfall durch Feuer zur Entfaltung seiner Kräfte in Gefechtsordnung zu zwingen. Wenn gerade die letzte Aufgabe erfüllt worden wäre, hätten die paar Hanseln, die das vielleicht überstanden hatten, sich durchaus auch zurückziehen können. Wenn in dieser Richtung der Hauptschlag mit Panzerkräften erwartet wurde, war diese Aufgabe für die Gefechtssicherung nicht erfüllbar. Aber für ein Gefecht mit einem leichten Aufklärungstrupp hätte die Bewaffnung der Grenzkompanie durchaus gereicht.
7. In Bereichen, die außerhalb der Hauptschläge lagen, wurde auch auf ein Vorrücken der Kompanie orientiert, mit der Aufgabe, beispielsweise feindliche Stäbe und Nachrichtenanlagen aufzuklären und wenn möglich zu vernichten oder zu stören. Dafür war aber die Ausrüstung der Grenzkompanie und auch die der Kompanien der III. Bataillone nur bedingt geeignet. Mit anderen Worten: Wenn man gemusst hätte, hätte es gehen müssen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 14.02.2013 15:00 | nach oben springen

#49

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 15:12
von 94 | 10.792 Beiträge

Mal 'ne blöde Frage, Anfang der 70er wurden doch die GT aus der Truppenstärken des Warschauer Vertrags 'rausgerechnet'. Ähm, hätten wir Grenzer überhaupt Kombattantenstatus gehabt? Also mal abgesehen davon, das nach fünf Minuten sich eh erstmal noch alles vor, in oder um die Waffenkammer abgespielt hätte *grins*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 14.02.2013 15:12 | nach oben springen

#50

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 15:29
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

danke für die Aufklärung durch den Insider, Rainmann - so ist es mir damals nicht vermittelt worden.

Sicher hast Du als junger Offizier damals Russisch noch etwas besser gekonnt, als es uns in der Schule vermittelt wurde.
Ich wäre nach 8 Jahren Russisch-Unterricht in der Schule + 1 Jahr nebenher in der Uni nicht in der Lage gewesen, eine Handlungsentschluss in Russisch zu formulieren.
Wenn ich so an die Bewaffnung einer Grenzkompanie zurückdenke.....Mag sein, dass noch ein paar Panzerbüchsen in der Waffenkammer standen, mehr aber nicht, sonst nur Kalaschnikov + LMG-Variante davon. Gegen gepanzerte Fahrzeuge hätten wir also schlechte Karten gehabt.
Gegen einzelne, leichtgepanzerte Aufklärungsfahrzeuge - nun ja, vielleicht, wenn sie nicht schnell genug aus der Schussdistanz kommen......... haben sie vielleicht Pech. Für so eine Aufklärungstrupp reichen vielleicht auch 60 Schuss - wenn man das Überraschungsmoment für sich nutzen kann, das mag sein.
Als ich mal Augenzeuge wurde, wie so ein Kampffahrzeug der US-Army kurz vor dem Zaun stoppte (natürlich nur Spass für die Amis, klar...), war mir das nicht egal.
Nun frage ich mich allerdings, warum haben unsere Vorgesetzten - und ich meine die Offiziere - die Geschichte mit den "20-Minuten-Aufhalten-bis-die-Rote-Armee-zu-Hilfe-kommt" so oft erzählt ? Waren die nie an einer OHS gewesen und haben es dort richtig gelernt ?
Soweit ich mich erinnere, kursierte diese Variante hauptsächlich im Ausbildungsregiment in Eisenach.

Gruss Hartmut


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#51

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 15:36
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #49
Mal 'ne blöde Frage, Anfang der 70er wurden doch die GT aus der Truppenstärken des Warschauer Vertrags 'rausgerechnet'. Ähm, hätten wir Grenzer überhaupt Kombattantenstatus gehabt? Also mal abgesehen davon, das nach fünf Minuten sich eh erstmal noch alles vor, in oder um die Waffenkammer abgespielt hätte *grins*


94, was meinst Du: An welchem äusserem Merkmal konnte der Gegner den Grenzer im Grenzdienst vom NVA-Soldaten unterscheiden ?
Die paar Postenführer an den grünen Balken auf den Schulterstücken ?
Glaubst Du, das hätte im Fall der Fälle irgendwen interessiert ?
Oder meinst Du, wir wären nach Völkerrecht ohnehin als irreguläre Truppe eingestuft worden und von denen werden keine Gefangenen gemacht. ?
Ich denke, das hängt im konkreten Fall davon ab, was Dir für Leute gegenüberstehen.
Als ich vergangenen Sommer mal im ""Point Alpha" war und dort stolz dokumentiert war, dass die letzte Ami-Einheit dort erprobte Elite-Kämpfer aus dem Vietnam-Krieg waren, dachte ich mir so meinen Teil. Ich hab mich dann, anschliessend mit meinem Nachbarn drüber unterhalten - er war genau zu der Zeit, als ich Grenzer war, Bundeswehr-Soldat. Er meinte, jene US-Einheit wäre zuvor in Fulda stationiert gewesen und hätten dort im Ausgang nur Probleme verursacht (Alkohol, Schlägereien, Vergewaltigungen) - deshalb kam die tolle Truppe in die Verbannung in die vorderste Linie, in die abgelegene Rhön. Toll, nicht...
Wir (er und ich) sind uns einig: "blos gut, dass solche Spinner nicht mehr in Deutschland sind..."


Gruss Hartmut


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zuletzt bearbeitet 14.02.2013 15:50 | nach oben springen

#52

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 16:27
von 94 | 10.792 Beiträge

Na ums mal anders zu sagen, für das von Rainman im Punkt 7 beschriebenen Szenario hätte ich schon ganz gern das Hoheitszeichen ohne grünen Ring und statt GT VA auf der Tafel gehabt. Und um irgendwie zum Thema zurückzukommen, die AO13/81 hätte in diesem Fall bestimmt nimmer gegolten? Na egal ... zum Punkt 5 auf der Rainman-Liste fällt mir ganz spontan der Begriff 'Kurgan' ein, davor und danach nie wieder gehört.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#53

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 17:14
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #50
danke für die Aufklärung durch den Insider, Rainmann - so ist es mir damals nicht vermittelt worden.

Sicher hast Du als junger Offizier damals Russisch noch etwas besser gekonnt, als es uns in der Schule vermittelt wurde.
Ich wäre nach 8 Jahren Russisch-Unterricht in der Schule + 1 Jahr nebenher in der Uni nicht in der Lage gewesen, eine Handlungsentschluss in Russisch zu formulieren.
Wenn ich so an die Bewaffnung einer Grenzkompanie zurückdenke.....Mag sein, dass noch ein paar Panzerbüchsen in der Waffenkammer standen, mehr aber nicht, sonst nur Kalaschnikov + LMG-Variante davon. Gegen gepanzerte Fahrzeuge hätten wir also schlechte Karten gehabt.
Gegen einzelne, leichtgepanzerte Aufklärungsfahrzeuge - nun ja, vielleicht, wenn sie nicht schnell genug aus der Schussdistanz kommen......... haben sie vielleicht Pech. Für so eine Aufklärungstrupp reichen vielleicht auch 60 Schuss - wenn man das Überraschungsmoment für sich nutzen kann, das mag sein.
Als ich mal Augenzeuge wurde, wie so ein Kampffahrzeug der US-Army kurz vor dem Zaun stoppte (natürlich nur Spass für die Amis, klar...), war mir das nicht egal.
Nun frage ich mich allerdings, warum haben unsere Vorgesetzten - und ich meine die Offiziere - die Geschichte mit den "20-Minuten-Aufhalten-bis-die-Rote-Armee-zu-Hilfe-kommt" so oft erzählt ? Waren die nie an einer OHS gewesen und haben es dort richtig gelernt ?
Soweit ich mich erinnere, kursierte diese Variante hauptsächlich im Ausbildungsregiment in Eisenach.

Gruss Hartmut



Verstehe garnicht solche Vergleiche.Wenn es zu militärischen Auseinandersetzung gekommen wäre,egal von welcher Seite.Dann muss die jeweilige Seite die eine militärische Auseinandersetzung anstrebt, erst einmal Truppen heran führen und ich glaube nicht das das den anderen Verborgen geblieben wäre.Und wenn,dann taugte dessen ganze militärische Aufklärung nichts.Im Fall eines solchen Falles,hätten doch die einzelnen Grenzkompanien ihre Bereitstellungsräume bezogen.Bei uns wurde das einmal im halben Jahr geübt,in dem der KC Gefechtsarlarm auslöste.Das war dann in den frühen Morgenstunden,man bezog dann den Bereitstellungsraum und Mittags war der ganze Spuk wieder vorbei.Man hielt dann Nachtruhe und Abends ging es wieder ganz normal zu Nachtschicht in den Grenzdienst. Dieses ganze gerede von 20 Minuten Aufhalten und im Ernstfall verkauft der Amy Kaugumi vor der Kaserne--das sind alles solche Sch.--Parolen--Aber wer sie sich reinziehen will ,der soll dran glauben.Entscheidend ist immer eine rechtzeitige militärische Aufklärung--eines jeden Staates.


Grete85 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#54

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 20:05
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #50
... Sicher hast Du als junger Offizier damals Russisch noch etwas besser gekonnt, als es uns in der Schule vermittelt wurde. ...
... Wenn ich so an die Bewaffnung einer Grenzkompanie zurückdenke.....Mag sein, dass noch ein paar Panzerbüchsen in der Waffenkammer standen, mehr aber nicht, sonst nur Kalaschnikov + LMG-Variante davon. Gegen gepanzerte Fahrzeuge hätten wir also schlechte Karten gehabt.
Gegen einzelne, leichtgepanzerte Aufklärungsfahrzeuge - nun ja, vielleicht, wenn sie nicht schnell genug aus der Schussdistanz kommen......... haben sie vielleicht Pech. Für so eine Aufklärungstrupp reichen vielleicht auch 60 Schuss - wenn man das Überraschungsmoment für sich nutzen kann, das mag sein.
... Nun frage ich mich allerdings, warum haben unsere Vorgesetzten - und ich meine die Offiziere - die Geschichte mit den "20-Minuten-Aufhalten-bis-die-Rote-Armee-zu-Hilfe-kommt" so oft erzählt ? Waren die nie an einer OHS gewesen und haben es dort richtig gelernt ?
Soweit ich mich erinnere, kursierte diese Variante hauptsächlich im Ausbildungsregiment in Eisenach. ...

Hallo Jobnomade,

Russisch - damals konnte ich es besser. Ich hatte auch besagte Übung (Handlung als Gefechtssicherung eines MSR der Sowjetarmee) in der Ausbildung zu führen. Der Ausbilder war sehr mit mir zufrieden (Verstehen des Verteidigungsbefehls, Entschlussfassung, Entschlussmeldung auf Russisch), bis ich dann im zweiten Teil beim befohlenen Rückzug die Kompanie in ein Minenfeld fahren ließ. Ich hatte die russische Anmerkung auf der mit dem Befehl eingegangenen Geländeskizze schlicht und ergreifend übersehen.

Die Bewaffnung - tja, was hätten wir denn noch mehr kriegen sollen? Gepanzerte Technik? Zuviel Aufwand in Wartung und Nutzung. Mehr AGS17 und SPG9? Das AGS erforderte bereits in Grundzügen eine artilleristische Ausbildung und mit dem SPG9 unter Gefechtsbedingungen etwas zu treffen ... dazu brauchte es eigentlich auch mehr Ausbildung als nur einmal im Halbjahr. Nein, der auf die eigentlichen Aufgaben der Grenzkompanie fokussierte Ausbildungsstand erlaubte eigentlich keine andere Bewaffnung. Für mehr brauchte es schon so ein strukturelles Sonderkonstrukt wie die III. Bataillone in den 80er Jahren. In unserem Abschnitt (Stedtlingen, ca. 14,5 km) hätten wir mit 2 Kompaniestützpunkten (Schmerbachwiese und Straße RV) die Richtungen Hutsberg/Neuberg und Hohe Geba gegen leichte Aufklärungstrupps (SPz., SPW) und Aufklärung zu Fuß durchaus effektiv sichern können. Der Rest war Wald. Die wenigen Straßen durch Wälder boten auch infantristischen Waffen gute Einsatzmöglichkeiten. Klar im flachen, unbewaldeten Norden sah das dann anders aus.

Das 20-Minuten-Märchen wurde nicht an der Offiziershochschule gelehrt. Zumindest habe ich es dort nicht im Rahmen der Ausbildung erzählt bekommen. Die taktische Ausbildung der Berufsoffiziere war leidlich und bis zur Ebene Bataillon halbwegs brauchbar. Die operative Schulung spielte in unseren drei Jahren kaum eine Rolle. Nur wenige Ausbilder wussten, ein Gefühl für mögliche künftige Aufgaben zu vermitteln. Wenn man denen nicht zuhörte, blieb auch das auf der Strecke. Ich merkte in der Kompanie erstmals, wie stark das mit den 20 Minuten präsent war. Es bediente die Angst oder das Gefühl, im Ernstfall eh nur verheizt zu werden. Damit wirkte fast jeder, der es gehört und nicht wirklich drüber nachgedacht hatte, wie ein Multiplikator. Es wurde aus den Ausbildungsregimentern eingeschleppt. Wer auch immer das dort erzählte, er glaubte daran oder wollte sich einfach nur wichtig machen. Und da ja ein konventioneller Krieg etwas höchst hypothetisches war, war dem Ganzen auch irgendwie nur schwer beizukommen.

Im Rahmen der Aufrechterhaltung der Kampfmoral und Gefechtsbereitschaft fiel es aber in mein Ressort, dagegen anzugehen. Mir half, dass ich an der OHS gelegentlich besser zugehört hatte, obwohl ich mich auch erinnern kann, dass mir kaum einer glaubte. Die 20-Minuten waren einfach "griffiger".

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


jecki09 und Winch haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.02.2013 20:07 | nach oben springen

#55

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 20:34
von DoreHolm | 7.696 Beiträge

An die 20 Minuten Richtlinie kann ich mich eigentlich nicht erinnern, obwohl wir ganz sicher auch Richtlinien hatten, wie wir uns bei einem gegnerischen Feuerüberfall zu verhalten hatten. Wie schon oben gesagt, eine geplante große Aktion wäre zumindest etliche Stunden, wenn nicht Tage vorher bekanntgeworden, zumindest daß da irgendeine große Sache vorbereitet würde. Da würden da nicht zwei ahnungslose Grenzer mit 120 Schuß Muni dastehen. Bei einem Überraschungsangriff auf einer Breite von, sagen wir mal ein oder zwei Kilometer (Berlin) würden da nur ein oder zwei Postenpaare stehen und die hätten nur noch sich selbst ihren schnellsten Rückzug decken oder sich ergeben können, je nach Situation Mut und Einsatzwille der beiden. Die wären sicher gleich am Anfang, da i.d.R. nicht in Deckung, abgeknipst worden.
Was die Artillerieunterstützung betrifft, klar, außer RPG hatten wir auf der GK nichts weiter, aber bei uns gab es die sog. Schwere Kompanie in jedem GR. Das waren die Ausbildungskompanien im 1.Hj, bei der auch die nicht zur Grenze abkommandierten Soldaten (aus schon diskutierten Gründen wie z.B. Schießverweigerung) des 2. u. 3 Hj dienten. Wir hatten dort jeweils drei Züge mit drei (oder mehr) Gruppen und ausgerüstet mit 57mm PAK, 81mm-GW (war ich) und das große RPG auf Lafette, größer als das SPG 9. Die Bedienung trug extra Helme mit Gehörschutz. Habe das Ding aber nicht bei Wiki gefunden.
Das war 66/68 um Berlin, GR 38, Hennigsdorf. Die SK lag in Hohenneuendorf.



zuletzt bearbeitet 14.02.2013 20:35 | nach oben springen

#56

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 14.02.2013 21:35
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Uns hätte man eh überrannt, wer glaubt das wir ein Hauch einer Chance gegenüber einer Streitmacht gehabt hätten um sie ernsthaft aufzuhalten, der tut mir leid.
Insofern tut mir auch die millitärische Führung der DDR leid, mehr wie Kononenfutter wären wir nicht gewesen.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#57

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 15.02.2013 02:11
von schulzi | 1.759 Beiträge

stimmt in der ausbildung sagte uns hauptmann py... das wir auch er im falle einer bewaffneten auseinandersetzung sowie so abgeschrieben sind


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#58

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 15.02.2013 08:05
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von schulzi im Beitrag #57
stimmt in der ausbildung sagte uns hauptmann py... das wir auch er im falle einer bewaffneten auseinandersetzung sowie so abgeschrieben sind

Hallo schulzi,

genau die Sprüche, die ich damals so geliebt habe. Im Falle einer Eskalation war ganz Mitteleuropa abgeschrieben. Also stimmte der Satz schon mal. Aber die Frage lautet: Wäre es zu dieser Eskalation gekommen im Falle einer Spannungsperiode bzw. eines beginnenden Konflikts? Es wird immer ein Riesentrara um die Kubakrise 1962 und deren Lösung gemacht. Es gehört aber eigentlich nicht viel Grips dazu, die mit einer atomaren Eskalation verbundene eigene Vernichtung zu erkennen. Also gab es selbst in einer Spannungsperiode bzw. in einem beginnenden Konflikt immer noch genügend Motivationspotential, nochmal über die Sache nachzudenken und sie abzublasen.

Aber wie dem auch sei. Der Soldat hat nicht darüber nachzudenken, ob er auf einem verlorenen Posten steht, er hat seine Aufgabe zu erfüllen. Offiziere, die diesem Grundsatz in der Ausbildung nicht Rechnung tragen können, haben ihren Beruf verfehlt.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Winch, schulzi, 94, Grete85 und jecki09 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 15.02.2013 08:50
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #56
Uns hätte man eh überrannt, wer glaubt das wir ein Hauch einer Chance gegenüber einer Streitmacht gehabt hätten um sie ernsthaft aufzuhalten, der tut mir leid.
Insofern tut mir auch die millitärische Führung der DDR leid, mehr wie Kononenfutter wären wir nicht gewesen.


Ja LO---Aber auf der anderen Seite hat es auch nicht besser ausgesehen.Jüngstes Beispiel--Afganistan---über 50 gefallene deutsche Soldaten.Sie wollten in den Krieg um angeblich dort ihre Heimat zu verteidigen.Sie waren nur kurzzeitig Helden und das bei ihrer Beerdigung.Macht man eine Umfrage im Volk und dazu noch unter Jugendlichen,kennen nicht mal 80% ihre Namen mehr.Ja der Soldat ist ein mittel zum Zweck der Politik.Und nun könnte man auch sagen---die militärische Führung der BRD tut einen leid.


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#60

RE: A, B, C - Postengebiete

in Grenztruppen der DDR 15.02.2013 09:27
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

danke nochmals für die ausführliche Aufklärung in #48 und #54, Rainmann.

Ich frage mich im Nachhinein sowieso manchmal, welcher Unfug uns damals im Ausbildungsregiment Eisenach so vermittelt wurde....
Zum einen diese 20-Minuten-Legende.... eine völlig unrealistische Geschichte. Eine andere Variante: Im Kriegsfalle vom Gegner unbemerkt überrollen lassen und dann in seinem Hinterland "Partisanen" spielen (dafür hätten bekämen wir noch eine "Einzelkämpferausbildung").
Die fiel dann aber sehr bescheiden aus - ein bisschen Nahkampf mit der Holz-MPi gegen Gummireifen. Schade, dass wir das nicht filmen/fotografieren durften - ich hätte das sonst gerne hier eingestellt, damit wir 'was zum lachen haben.
Desweiteren wurden viele Dinge über den Grenzdienst erzählt, die dann in der GK ganz anders abliefen...das haben ja hier schon mehrere berichtet.
Von den 6 Monaten, die ich dort war, hätte man sich locker die Hälfte sparen können. Das einzig Sinnvolle, an das ich mich erinnern kann, waren im Februar 1979 die 4 Wochen als Helfer im Braunkohlentagebau in Raum Borna.


Mir kamen damals, in der GK schon Zweifel, ob die Ausbilder und Vorgesetzten in Eisenach jemals ernsthaft, dh. für mehr als ein paar Wochen Praktikum, im Grenzdienst gewesen waren. Aber vielleicht äussert sich mal dazu ein ehemaliger Berufssoldat der GT, der Grenzkompanie und Grenzausbildungsregiment kennengelernt hat.

Um im Spannungsfalle weiterhin als Einheit "Grenzkompanie" handlungsfähig zusammenzubleiben - hatten wir dafür überhaupt die nachrichtentechnischen Mittel ?
Das Grenzmeldenetz war ja für den Fall des Eindringens gegnerischer Kräfte nicht mehr benutzbar, da abhörbar, die vorhandenen Funkgeräte (R126 und R109) konnte man vergessen wegen Akkuproblemen und bescheidenen Reichweiten - die taugten ja kaum für den regulären Grenzdienst. Nach meiner Einschätzung waren die Grenzkompanien bzw Teile davon im Ernstfall ohnehin nachrichtentechnisch von der militärischen Führung abgeschnitten und somit gezwungen, selbständig zu handeln - ohne so recht darauf vorbereitet zu sein...

Hmmm, Rainmann, irgendwie kommt mir da der Schwejk in den Sinn, wie er zu seinem Vorgesetzten sagt:
"Herr Obrleitnant, es ist mir eine Ehre, mit Ihnen gemeinsam sterb'n zu derfn.."

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Rainman2 und OlsenWeilrode haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.02.2013 09:35 | nach oben springen



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