#1

Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 31.10.2012 00:08
von Gelöschtes Mitglied
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Über diesen Ausnahme-Radfahrer Wolfgang Lötzsch hatte ich bis jetzt noch nie etwas gehört.
Konntet ihr mit diesem Sportler&Namen etwas anfangen?
Habt ihr seine Geschichte gekannt?
Wieder einmal kann man sehen,nicht immer die Leistung zählte,sondern die politische Gesinnung,sie war den Genossen wichtiger......
Was ihm wiederfuhr kann man nachstehend lesen oder man sieht sich Videos mit diesem Zeitzeugen an.
Es gibt auch eine 86 min. DVD zum Kauf. http://www.mfa-film.de/kinofilme/kino-ti...reund-loetzsch/

ek40

"Schild und Schwert der Partei" legten ein extra Augenmerk auf ihn......und zerstörten seine Träume.
(Sicherlich wird hier von einer bestimmten Klientel wieder sehr zeitnah erklärt,das er doch Täter und nicht Opfer war.......)

"Lötzsch darf nie ein großer Rennradfahrer werden mit Starts bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Denn er will nicht in die SED eintreten, so wie es Pflicht war unter den Spitzensportlern der DDR. Die meisten taten es, beugten sich der Heuchelei – und holten internationale Medaillen. Lötzsch wolle nur Rad fahren, nicht heucheln."

"Politik war ihm egal", sagt sein alter Trainer Werner Marschner. Also bekommt der schnelle Sachse Schwierigkeiten mit der Obrigkeit. Er wird aus dem staatlichen Fördersystem ausgeschlossen, darf nur noch bei bestimmten nationalen Rennen antreten, wird von der Staatssicherheit überwacht und muss 1977 wegen angeblicher "Staatsverleumdung" für zehn Monate ins Gefängnis. Als er freikommt, setzt er sich aufs Rad – und deklassiert gleich in seinem ersten Rennen die DDR-Kadersportler. "

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/kino/doku-s...m-a-566500.html






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#2

RE: Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 31.10.2012 04:53
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ich kann mich noch an Wolfgang Lötzsch erinnern, da ich selbst Radsportler war. Bei einem Rundstreckenrennen in Schleusingen, malten seine Fans heimlich in der Nacht seinen Namen mit Schlämmkreide auf die Straße. Das wurde dann schon als staatsfeindlicher Akt betrachtet und die Feuerwehr wurde beauftragt, diese Schmach zu beseitigen. Damals kreiste unter uns Radsportlern das Gerücht, dass Lötzsch wegen westlicher familiärer Kontakte(da hat er sich auch westliche Radsporttechnik besorgt) aus dem Sportclub entlassen wurde.
Er war schon ein Ausnahmesportler, denn als BSG-Sportler (Amateur) mit den Clubsportlern(Staatsprofis) ernsthaft zu konkurrieren, ist nur wenigen gelungen. Da hatte sicher auch die Unterstützung seiner Familie bei der Ernährung, beim Training und der Materialbeschaffung eine Rolle gespielt. Damals war es ein Problem einen simplen 27“ Schlauchreifen zu kaufen. Da wurden die Dinger dann in Heimarbeit geflickt. Mit Rasierklinge aufschneiden, Kondom flicken, zunähen, Speichenschutz ankleben. In Waltershausen wurden die Reifen zwar hergestellt, aber das war alles nur für Export. Für die ersten 3 Plätze bei einem Bezirksrennen gab es dann mal einen Reifen als Prämie.
Leistungssport wurde zwar in der DDR stark gefördert und schon im Kindesalter wurden Talente rekrutiert, aber der Staat hat schon früh darauf geachtet das auch das politische Umfeld gestimmt hat und so konnte eine zu enge West-Verwandtschaft schon ein Ausschlusskriterium werden.
Wer zur Sportelite gehören wollte, musste schon mit den Wölfen heulen. An seiner Rolle als konsequenter DDR-Widerstandskämpfer bleibt bei mir aber, ein leichtes „Gschmäckle“ wenn es stimmt, dass er lt. Wikipedia 1985 doch noch Mitglied der SED wurde.


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#3

RE: Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 31.10.2012 08:54
von utkieker | 2.915 Beiträge

Als Radsport- Fan ist mir natürlich der Name Wolfgang Lötzsch geläufig ein wirklich Riesen- Talent. Ich finde, daß man ihn sehr übel mitgespielt hat. Das er als verurteilter "Staatsverleumder" doch noch in die SED eigetreten ist, ist wohl ungewöhnlich wenn nicht sogar außergewöhnlich. Aber außergewöhnlich war vor allem seine Leidenschaft für den Radsport.
Ein ähnliches Talent stellte auch Martin Götze dar, aber der DDR- Radsport hatte in den 80er Jahren ein Luxus- Problem - viele gute Fahrer! Als 1990 viele Radrennfahrer ins Profilager wechselten nahm Wolfram Lindner Martin Götze doch noch ins Friedensfahrt- Team auf. Götze hat sich gefreut wie ein Schneekönig und die Fans nicht ennttäuscht und gewann sogar eine Etappe!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#4

RE: Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 31.10.2012 10:27
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich war immer ein riesengroßer Fan der Friedensfahrt. Allein wenn die Fanfare erklang setzte diese bei mir Emotionen frei.
In meiner Zeit Anfang der 60 er hatte die DDR eine der besten Mannschaften überhaupt. Persönlich kannte ich Erich Hagen. Lötzsch war nicht der Einzige Rebell . Der Manfred Weißleder war auch einer. Seine "Luftpumpenschlacht"1961 mit Juri Melichow ist immer noch legendär.
(Melichow hatte Weißleder beim Sprint massiv behindert,was Weißleder zur Luftpumpe greifen lies um dem Melichow eins über zu braten.
Es stellte sich herraus das Melichows Luftpumpe stabiler war.) Aber dem Weißleder hatte die Aktion sehr geschadet. Die sowjetischen Sportler waren "Heilige". Als Weißleder später einiges kritisierte schmiss man ihm aus dem Kader und entzog ihm die Lizenz.
Ja die deutsch-sowjetische Freundschaft war heilig,und die Fahrer hatten noch Luftpumpen dabei.


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#5

RE: Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 31.10.2012 13:51
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #2
Ich kann mich noch an Wolfgang Lötzsch erinnern, da ich selbst Radsportler war. Bei einem Rundstreckenrennen in Schleusingen, malten seine Fans heimlich in der Nacht seinen Namen mit Schlämmkreide auf die Straße. Das wurde dann schon als staatsfeindlicher Akt betrachtet und die Feuerwehr wurde beauftragt, diese Schmach zu beseitigen. Damals kreiste unter uns Radsportlern das Gerücht, dass Lötzsch wegen westlicher familiärer Kontakte(da hat er sich auch westliche Radsporttechnik besorgt) aus dem Sportclub entlassen wurde.
Er war schon ein Ausnahmesportler, denn als BSG-Sportler (Amateur) mit den Clubsportlern(Staatsprofis) ernsthaft zu konkurrieren, ist nur wenigen gelungen. Da hatte sicher auch die Unterstützung seiner Familie bei der Ernährung, beim Training und der Materialbeschaffung eine Rolle gespielt. Damals war es ein Problem einen simplen 27“ Schlauchreifen zu kaufen. Da wurden die Dinger dann in Heimarbeit geflickt. Mit Rasierklinge aufschneiden, Kondom flicken, zunähen, Speichenschutz ankleben. In Waltershausen wurden die Reifen zwar hergestellt, aber das war alles nur für Export. Für die ersten 3 Plätze bei einem Bezirksrennen gab es dann mal einen Reifen als Prämie.
Leistungssport wurde zwar in der DDR stark gefördert und schon im Kindesalter wurden Talente rekrutiert, aber der Staat hat schon früh darauf geachtet das auch das politische Umfeld gestimmt hat und so konnte eine zu enge West-Verwandtschaft schon ein Ausschlusskriterium werden.
Wer zur Sportelite gehören wollte, musste schon mit den Wölfen heulen. An seiner Rolle als konsequenter DDR-Widerstandskämpfer bleibt bei mir aber, ein leichtes „Gschmäckle“ wenn es stimmt, dass er lt. Wikipedia 1985 doch noch Mitglied der SED wurde.

Zitat utkieker:

"Das er als verurteilter "Staatsverleumder" doch noch in die SED eigetreten ist, ist wohl ungewöhnlich wenn nicht sogar außergewöhnlich. "
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Hallo@Eisenacher und @utkieker,

ja,er ist dann noch ziemlich spät in die SED eingetreten,es stimmt was du,@Eisenacher im Wiki gelesen hast.
(Manchmal kann man sich auf Wiki auch verlassen)

@Eisenacher,hättest du dir die Videobeiträge aufmerksam angesehen,wäre deine Frage beantwortet!
Dein "Geschmäckle" hätte sich erübrigt,diese (SED)-Frage wurde ihm dort gestellt und er hat sie beantwortet.
Im übrigen wollte er nie ein "DDR-Widerstandskämpfer" sein,er wollte nur seien Sport unpolitisch ausüben.
Das mit dem "W-Kämpfer" ist für mich nur allzu billige Polemik von dir.

Gruß ek40


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#6

RE: Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 31.10.2012 20:27
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Das man in der DDR als Leistungssportler nur vorwärts kommt , wenn man politisch auf der richtigen Linie ist, war Allgemeinwissen. Das wusste auch ein W.Lötzsch. Erst 10Jahre in den besten Jahren verlieren und dann doch noch , um Karriere zu machen, mit den Wölfen heulen , finde ich persönlich inkonsequent. Das hätte er ja schon früher haben können.
Ich war da in meinem Leben anders, geradliniger. Ich habe meine Entscheidung getroffen , das ich dieses Heucheleispiel nicht mitspiele und habe bewußt mit den Konsequenzen gelebt.
Menschlich natürlich voll zu respektieren und auch nachvollziehbar die Entscheidung von W.L. Mein Ding wäre es nicht gewesen, da hatte ich zu viel Selbstachtung.


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#7

RE: Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 01.11.2012 16:24
von Backe | 480 Beiträge

"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#8

RE: Sportsfreund Lötzsch_Der Rebell, der unters Rad kam

in Themen vom Tage 01.11.2012 20:26
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Backe im Beitrag #7
Heute im MDR 23:40 Dokumentarfilm 2007

http://www.prisma.de/fernsehen/sendung.h...%3a40%3a00%2b01


Hmmm,büschn schpäääht
Mal morgen in der Mediathek schnüffeln....

Gruß ek40


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