#1

Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 10:06
von stefanDD | 14 Beiträge

Ein Gedanke, der mich (geb. 1978) im Wissen um alle möglichen Fluchten und Fluchtversuche immer mal wieder umtreibt:

Was wäre wohl - mit dem Wissen von heute - in den späten 1980er Jahren der beste Weg gewesen, um an der Grenze zu Berlin (West) oder BRD zu flüchten (also nicht via Ausreise oder über Drittstaaten)?

So im Nachhinein scheint das System ja relativ perfektioniert gewesen zu sein. Trotzdem liest man ja auch immer wieder mal von erfolgreichen Fluchten bis in die späten 80er Jahre hinein.
Vielleicht kann ja einer der Zeitzeugen hier mal "aus dem Nähkästchen" plaudern, wo sich eventuell Schwachstellen/Chancen ergeben hätten...?

Und dann mal weitergesponnen: Wäre die Grenze in ihrer Form von 1989 noch lange zu halten gewesen? Mit Internet und Satellitenfotos von Google Maps hätte sich doch vielleicht so manch neuer kreativer Weg finden lassen? (Oder wäre die DDR vorher längst kollabiert, weil bspw. die Rohölpreise auf dem Weltmarkt ihr die Existenz entzogen hätten?)

Viele Grüße,

Stefan



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#2

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 12:06
von terraformer1 | 193 Beiträge

Zitat von stefanDD im Beitrag #1
Ein Gedanke, der mich (geb. 1978) im Wissen um alle möglichen Fluchten und Fluchtversuche immer mal wieder umtreibt:

Was wäre wohl - mit dem Wissen von heute - in den späten 1980er Jahren der beste Weg gewesen, um an der Grenze zu Berlin (West) oder BRD zu flüchten (also nicht via Ausreise oder über Drittstaaten)?

So im Nachhinein scheint das System ja relativ perfektioniert gewesen zu sein. Trotzdem liest man ja auch immer wieder mal von erfolgreichen Fluchten bis in die späten 80er Jahre hinein.
Vielleicht kann ja einer der Zeitzeugen hier mal "aus dem Nähkästchen" plaudern, wo sich eventuell Schwachstellen/Chancen ergeben hätten...?

Und dann mal weitergesponnen: Wäre die Grenze in ihrer Form von 1989 noch lange zu halten gewesen? Mit Internet und Satellitenfotos von Google Maps hätte sich doch vielleicht so manch neuer kreativer Weg finden lassen? (Oder wäre die DDR vorher längst kollabiert, weil bspw. die Rohölpreise auf dem Weltmarkt ihr die Existenz entzogen hätten?)

Viele Grüße,

Stefan


Mit meinem Insider-Wissen über den Hochharz und dem Wissen als gedienter UaZ Ende der 80er an der Mauer in Berlin wäre ich wohl ohne Probleme im Harz-Bereich durchmarschiert. :-)


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#3

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 12:31
von RalphT | 878 Beiträge

Interessante Frage. Wenn die DDR noch bestanden hätte und jetzt die technischen heutigen Möglichkeiten nutzen könnte, wäre es bestimmt etwas einfacher. Aber das Risiko würde ich noch weiterhin als zu hoch einstufen. Was man dort nicht sehen kann, ist die tatsächliche Bewachung.
Ich hätte mich vielleicht auf Insiderwissen verlassen. Viele Grenzer kannten Schlupflöcher. Nur ich weiß nicht, ob ich einen Externen vertrauen kann. Ist ja schon paar mal schief gelaufen.

Ich denke, dass die Grenzer einfach eine bessere Position hatten. Man weiß auch nicht, ob die Technik bei den DDR Bürgern verfügbar gewesen wäre. Vielleicht hätte man das Internet etwas "abgespeckt". Und Du kannst auch davon ausgehen, dass Mielke oder sein Nachfolger, diese Grenze auch technisch weiter perfektioniert hätten.

Wahrscheinlich würdest Du im Jahre 2013 genau so blöd vorm Zaun stehen wie früher und wüsstest nicht, wie es am leichtesten geht.


zuletzt bearbeitet 22.10.2012 12:32 | nach oben springen

#4

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 15:05
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Jo @terraformer die Insider hatten wohl meist die besten Chancen.

Jedenfalls waren große Feiertage und wichtige Staatsbesuche bis ca. 1988 kein guter Zeitpunkt, denn da herrschte meist verstärkte Grenzsicherung.

Es war jedenfalls ab Mitte 1989 selbst bei der Staatsführung absehbar, dass das ganze in der Form nicht hätte weitergehen können.
Ein erstes Reisegesetz, so unvollkommen es auch war, gab es ja bereits ab November 1988.


zuletzt bearbeitet 22.10.2012 15:17 | nach oben springen

#5

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 15:15
von utkieker | 2.920 Beiträge

Nachdem die DDR die Minen an der innerdeutschen Grenze geräumt hatte, war es im Grunde genommen relativ einfach die deutsch/ deutsche Grenze zu passieren. Die Tücke liegt aber im Detail und in der Unkenntnis des Terrains. Jeder "Fluchtwillige" hätte sich besser von Insidern beraten lassen um Gefahren zu minimieren. Selbst in der Zeit als es noch sogenannte "Selbstschußanlagen" gab, gab es Möglichkeiten über eine minenfreie Gasse zu entkommen. Tips hätte ich den Fluchtwilligen bestimmt gegeben aber ihn zuvor gewarnt, sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben. Aber wer den Nervenkitzel sucht.....

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Speedbus hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 15:16
von stefanDD | 14 Beiträge

Was wäre denn eine konkrete Option gewesen?

Man spinnt (im Nachhinein) ja gern mal herum... Hätte man es bspw. am Brandenburger Tor schaffen können zu nächtlicher Stunde vom vorderen Zaun durchs Tor bis an die Mauer zu rennen? Gut, mit Leiter über der Schulter, aber prinzipiell...? Hätte man da irgendwo Alarm ausgelöst, gab es im Torhaus evtl. "Greiftrupps"? Wäre man hinter dem Tor für den Grenzposten-Turm rechts vom Tor im "toten Winkel" gewesen? Bzw. hätten die Grenzposten dort gnadenlos geschossen, auch wenn im Westen Touristen, Politiker, ... das Geschehen verfolgt hätten?!?

Gab es an der Grenze (egal, ob zu W-Berlin oder BRD) eigentlich Bereiche, die nicht von Grenztürmen aus einzusehen waren? Falls ja: Hätte man dort einige Minuten Zeit gehabt (selbst dann, wenn man Alarm auslöst), mit Leiter & Co. die Sperren zu überwinden?



zuletzt bearbeitet 22.10.2012 15:20 | nach oben springen

#7

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 15:16
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
Insiderwissen, Extremschneelagen, Hochharz oder Rennsteig, breite Hochtourenschi und weiße Tarnkleidung? 1m Schnee, Signaldrähte und Minen? Wieweit, wielange ist bei starkem Schneetreiben in der Dämmerung eine frische Spur sichtbar?



zuletzt bearbeitet 22.10.2012 15:17 | nach oben springen

#8

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 15:25
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Zitat von stefanDD im Beitrag #6
Was wäre denn eine konkrete Option gewesen?

Man spinnt (im Nachhinein) ja gern mal herum... Hätte man es bspw. am Brandenburger Tor schaffen können zu nächtlicher Stunde vom vorderen Zaun durchs Tor bis an die Mauer zu rennen? Gut, mit Leiter über der Schulter, aber prinzipiell...? Hätte man da irgendwo Alarm ausgelöst, gab es im Torhaus evtl. "Greiftrupps"? Wäre man hinter dem Tor für den Grenzposten-Turm rechts vom Tor im "toten Winkel" gewesen? Bzw. hätten die Grenzposten dort gnadenlos geschossen, auch wenn im Westen Touristen, Politiker, ... das Geschehen verfolgt hätten?!?

Gab es an der Grenze (egal, ob zu W-Berlin oder BRD) eigentlich Bereiche, die nicht von Grenztürmen aus einzusehen waren? Falls ja: Hätte man dort einige Minuten Zeit gehabt (selbst dann, wenn man Alarm auslöst), mit Leiter & Co. die Sperren zu überwinden?


Nun das BBT wäre wohl ne schlechte Option gewesen, jedenfalls für die "sofortige Ausreise".

Lies selbst: Gepinkelt wird später (eine Geschichte vom Brandenburger Tor)


Für ne durchdachte "Ausreise", das ganze Thema hier: Mödlareuth 1987


zuletzt bearbeitet 22.10.2012 15:43 | nach oben springen

#9

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 15:56
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #7
Hallo,
Insiderwissen, Extremschneelagen, Hochharz oder Rennsteig, breite Hochtourenschi und weiße Tarnkleidung? 1m Schnee, Signaldrähte und Minen? Wieweit, wielange ist bei starkem Schneetreiben in der Dämmerung eine frische Spur sichtbar?

Hallo SET,

Weißt du wann es "Extremschneelagen" gibt? Im Übrigen machen Extremwetterlagen das Unternehmen "illegaler" Grenzübertritt nicht leichter. Schwer genug mit einer Skiausrüstung in's Sperrgebiet zu gelangen. Im Extremwinter '78/ '79 hatten sich bei uns im Altmarkabschnitt (Grenzregiment 24) die Schneewehen auf 3m aufgetürmt aber erst einmal durch die Schneewehen kommen....

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#10

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 18:01
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Ja,was wäre wenn? Fast keine Chance mehr dank High Tech.Der Metallgitterzaun ist auch vom Westen produziert worden.http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_150932.html


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#11

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 18:12
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von stefanDD im Beitrag #6
Gab es an der Grenze (egal, ob zu W-Berlin oder BRD) eigentlich Bereiche, die nicht von Grenztürmen aus einzusehen waren? Falls ja: Hätte man dort einige Minuten Zeit gehabt (selbst dann, wenn man Alarm auslöst), mit Leiter & Co. die Sperren zu überwinden?

Solche Bereiche gabs mehr als genug und ein 'Speedrun' war bestimmt mit die einfachste Variante. Aber nur die Wenigsten kamen ja überhaupt bis ins Grenzgebiet. Der Zaunkletterer wurde ja schon erwähnt, er hatte mehrfaches Riesenglück und das gehörte zu einer erfolgreichen Flucht einfach dazu.
Sicherheit ist ebend immer eine Illusion, die funktioniert weil daran geglaubt wird.
Ich erinnere mich noch an einige Gespräche nach dem 9.November, als Bürger damals noch beider deutscher Staaten sich fast enttäuscht über den einfachen Aufbau der Grenzsicherungsanlagen zeigten und nicht nur einmal äußerten ... 'also wenn wir das gewußt hätten, dann ...'


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 22.10.2012 18:13 | nach oben springen

#12

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 18:24
von DoreHolm | 7.697 Beiträge

So mancher wird auch nur deshalb Glück gehabt haben, weil das Postenpaar lediglich gepennt hat oder zumind. nicht vorschriftsmäßig kontrolliert wurde.
Bei uns hieß extremes Wetter schlichtweg "Banditenwetter" (bitte alle GVs um Verzeihung ob dieses Begriffes, aber es hieß nun mal so). Da war der KS hartgefroren und keine Spur zu sehen. Durch den Draht konnte man, wo die Wildschweine durchmachten, mit dem guten Anzug durchgehen. Die, die festgenommen wurden, hatte sich oft so saublöd angestellt, die mußte man ja einfach kriegen. Hatte auch mal so einen Fall (Spuren im Neuschnee ca. 5 Min. nach Schichtwechsel und 200m weit weg).



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#13

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 22.10.2012 19:58
von Icke | 95 Beiträge

Gnadenlos geschossen wurde von verantwortungsvollen AGT nicht! Aber es wurde auch am BBT geschossen. Während meiner Dienstzeit einmal und auch nur in die Luft der GV hatte es schon hinter das BBT geschafft. Nun hatte der Gruppenführer übernommen den GV zu stoppen und er schoss in die Luft. Der Erfolg war verblüffend. Das war am Tag und mit reichlich Publikum.


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#14

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.10.2012 09:18
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #7
Hallo,
Insiderwissen, Extremschneelagen, Hochharz oder Rennsteig, breite Hochtourenschi und weiße Tarnkleidung? 1m Schnee, Signaldrähte und Minen? Wieweit, wielange ist bei starkem Schneetreiben in der Dämmerung eine frische Spur sichtbar?


Im Schnee Signaldrähte - wurden bei entsprechender Schneelage einfach abgeschaltet (GSZ und Signalaufsatz), genauso bei Eisregen. Also keine Funktion. Räumen war im Oberharz nicht immer möglich. Zwischen Schierke (oberer Königsberger Weg oberhalb der Haarnadelkurve) und Scharfenstein hat es bis 1988/89 keinen GSZ gegeben. Nur den Zaun I und nur teilweise Signalaufsatz. Posten alle 3 Kilometer..., Spurenstreifen mehr so "Steinstreifen" da nach jedem Regen der Sand weggewaschen war. Flucht bei Schnee erforderte wegen der schwierigen Geographie und guten Sicht auch in der Nacht aber extreme Kondition. Das war eher erfolglos. Es ist ein riesen Unterschied auch auf Skiern, ob man querfeldein durch die Schneewehen muss oder über bekannte, zumindest gewalzte Kolonnenwege oder gar per Motorschlitten den Weg abschneiden kann. Die meisten Fluchten gelangen bei bestem, trockenen Wetter oder in den Übergangszeiten. Da ist mancher durch, ohne dass man Spuren gleich gefunden hat. Eine reine Zeitfrage.
Minen - Tretminen haben, wo es sie noch gab, bei hoher Schneelage meist nicht ausgelöst. Bei der 501 (Zaunminen, auch SM 70) gab es keine Einschränkung. Wo der Schnee über den Auslösedraht reichte und durch sein Gewicht bei Tauwetter zur Auslösung führen konnte, wurde die Reihe abgeschaltet durch die Pioniere. Dito bei Eisregen. Das bedeutete dann verstärkte Grenzsicherung mit hohem Posteneinsatz. Deshalb hat man mitunter eben einfach so abgeschaltet. Ohne Eintrag im Buch. Damit es weniger rumste.
Nein, hat man natürlich nicht gemacht, nieeeee (höchstens ein bischen...).
Spurenstreifen - anders als wohl im Flachland wurden Spurenstreifen im Winter im Oberharz nicht beräumt, allenfalls fuhr die Pistenraupe oder der Motorschlitten drüber um die Lage nicht zu hoch werden zu lassen. Spuren waren dort allerdings eben durch den Schnee im Winter besser zu sehen als im Sommer. Aber auch länger... So manche alte Spur ist bei Tauwetter noch mal aufgetaucht und sorgte für Streß in Form von eigentlich unnötigen Lagen.
Bei Schneetreiben ist eine Spur oft nur Sekunden zu sehen. Weil man da aber schnell die Orientierung verliert...
Bei schlechtem Wetter hat so mancher Flüchtling einfach nur aufgegeben.
Ansonsten konnte ein Insider oder auch jemand, der einfach nur Glück hatte, bei entsprechend nicht zu schlechtem Wetter im Oberharz einfach nur durchmarschieren, musste dabei "nur" einen Zaun überklettern und eben nicht gesehen werden. Das gab es durchaus öfter. Es ist aber auch passiert, dass Flüchtlinge zu sehr auf "zwei Zäune" fixiert waren und dann eben noch mal rüber sind. In der Gegenrichtung...


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 24.10.2012 09:38 | nach oben springen

#15

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.10.2012 10:08
von josy95 | 4.915 Beiträge

Die Vorredner haben es schon anschaulich dargestellt. Insiderwissen sowohl über Aufbau des Grenzaun- und Signalsystems, der Bewachungsstrukturen als auch über Örtlichkeit (Gelände), das unbedingt notwendige Quentchen Glück und eigene Kondition gepaart mit Durchhaltewillen und einer gewissen Kaltschnäuzigkeit gegenüber dem eigenen Leben, der eigenen Gesundheit waren eine Art Unterpfand für einen geglückten Grenzdurchbruch.

Das hätte alles sehr sorgfältig geplant werden müssen. So wußte der Insider z. Bsp. auch, das nach Entlassungen bei den GT bestimmte Pläne von Wach- und Postenablösungen, Bestreifungen ect. geändert wurden. Also schon einmal für z. Bsp. einen fluchtwilligen ehem. GT- Angehöhrigen eine andere Situation. Einem Fluchtwilligen derartiges Insiderwissen zu vermitteln, ist im Detail sehr schwierig, anderseits war es ja auch hochgefährlich. Man wußte ja nie ob man a) einem MfS- Spitzel aufgesessen war oder der vermeintliche Freund, Kumpel, Verwandte bei mißglückter Flucht und Festnahme zu "singen" begann und einen in die Pfanne haute.

Naja, und wenn sich einige nach dem Fall der Grenze 1989 hingestellt haben, wie angeblich einfach es doch gewesen wäre ..., da hab ich meine argen Zweifel! Diese Grenze war schon gut gesichert und bewacht. Nicht zur Perfektion ausgereift, aber bei Fortbestand und finanziellen Leistungsfähigkeit der DDR hätte so mancher techn. Fortschritt auch hier Einzug gehalten. Der senile Machtapparat der stalinistischen Mordbubenriege hätte nichts gescheut, unversucht gelassen, hier auch fürv horrente Deviesen Hightech aus dem Westen zu beschaffen. Und der westen hätte es verkauft...!

Eine erneuerte (Partei- und) Staatssführung der DDR, damit verbundene gelockerte Reise- und Ausreisebestimmungen hätten den illegalen Grenzübertritt im Wesentlichen für die reinen Belange "nur das Land, die DDR verlassen zu wollen..." relativ uninteressant gemacht. Illegale Grenzübertritte wären nur noch von einem rein kriminellen Klientel wie Schmuggler, Straftäter ect. zu erwarten gewesen. Es wäre vielleicht keine Art grüne Grenze geworden, wie wir sie aus einem Europa vor dem Schengenabkommen kennen, aber für diesen Fall wären die Grenzsicherungsmaßnahmen mit hoher Sicherheit schon allein aus Kostengründen zurückgefahren wurden. An Schwerpunkten hätte man vermutlich auch mehr auf Technik wie z. Bsp. Kameraüberwachung kombiniert mit Posteneinsatz ähnlich der amerikanisch- mexikanischen Grenze gesetzt.


Das sind meine Spekulationen zu diesem doch nicht uninteressanten Thema..., Fortsetzung folgt!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 24.10.2012 10:09 | nach oben springen

#16

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.10.2012 14:25
von Duck | 1.741 Beiträge

Hallo Stefan,

die Rhön galt ja bis Mitte der achtziger Jahre als ziemlich schneesicher, unser KC hat uns erzählt das der Signalzaun bis ende der siebziger Jahre in unseren höchsten Abschnitt (Rhönkopf) regelmäßig komplett eingeschneit war, so das rote Signalfähnchen als Markierung für den Signalzaun herhalten mussten. Erst in den achtzigern Jahren wurde der Signalzaun in diesem Abschnitt auf glaube ich 4 m erhöht und Signaldrähte befanden sich nur oberhalb des Zauns. Das ist jetzt nur spekulativ, wäre man ein guter Skiläufer gewesen und bei guter Schneedecke hätte man bequem bis zum Grenzzaun vordringen können, wenn man dann noch gewußt hätte das der Rhönkopf postenmäßig nicht immer besetzt war bzw. wenn besetzt wo der "Abschiss" war, hätte es klappen können....wie gesagt wenn


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


zuletzt bearbeitet 25.10.2012 09:13 | nach oben springen

#17

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.10.2012 15:29
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #11
Zitat von stefanDD im Beitrag #6
Gab es an der Grenze (egal, ob zu W-Berlin oder BRD) eigentlich Bereiche, die nicht von Grenztürmen aus einzusehen waren? Falls ja: Hätte man dort einige Minuten Zeit gehabt (selbst dann, wenn man Alarm auslöst), mit Leiter & Co. die Sperren zu überwinden?

Solche Bereiche gabs mehr als genug und ein 'Speedrun' war bestimmt mit die einfachste Variante. Aber nur die Wenigsten kamen ja überhaupt bis ins Grenzgebiet. Der Zaunkletterer wurde ja schon erwähnt, er hatte mehrfaches Riesenglück und das gehörte zu einer erfolgreichen Flucht einfach dazu.
Sicherheit ist ebend immer eine Illusion, die funktioniert weil daran geglaubt wird.
Ich erinnere mich noch an einige Gespräche nach dem 9.November, als Bürger damals noch beider deutscher Staaten sich fast enttäuscht über den einfachen Aufbau der Grenzsicherungsanlagen zeigten und nicht nur einmal äußerten ... 'also wenn wir das gewußt hätten, dann ...'

Nun 94,

ganz so einfach war es wohl nicht, weil ganz einfach der nötige Einblick fehlte. Noch Anfang der 80er Jahre, waren an der innerdeutschen Staatsgrenze Selbstschußanlagen am Metallgitterzaun und Tretminen verbuddelt. Wer nicht wußte, wo eine minenfreie Gasse vorhanden ist spielte mit dem Schicksal.
Zitat von DoreHolm im Beitrag #12
So mancher wird auch nur deshalb Glück gehabt haben, weil das Postenpaar lediglich gepennt hat oder zumind. nicht vorschriftsmäßig kontrolliert wurde.
Bei uns hieß extremes Wetter schlichtweg "Banditenwetter" (bitte alle GVs um Verzeihung ob dieses Begriffes, aber es hieß nun mal so). Da war der KS hartgefroren und keine Spur zu sehen. Durch den Draht konnte man, wo die Wildschweine durchmachten, mit dem guten Anzug durchgehen. Die, die festgenommen wurden, hatte sich oft so saublöd angestellt, die mußte man ja einfach kriegen. Hatte auch mal so einen Fall (Spuren im Neuschnee ca. 5 Min. nach Schichtwechsel und 200m weit weg).

Ach DoreHolm

"Banditenwetter" war nicht wirklich ein Vorteil für GV's und Flüchtende. Schietwetter war eine schwer zu kalkulierende Größe und wenn man bedenkt wie stümperhaft sich der eine oder andere Grenzgänger auf seine Flucht vorbereitet hat, kann man nur staunen, daß sie überhaupt den Grenzsignalzaun überwinden konnten.
Hut ab vor den Strelczyks, die ihre Flucht akribisch geplant haben und nichts den Zufall überlassen haben, nicht einmal bei der Windrichtung. Spaßvögel sollen ja sogar den "Ballonachter" als Sportmannschaft des Jahres bei der "Jungen Welt"- Umfrage gemeldet haben

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#18

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.10.2012 16:32
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Ich schätze mal das sogar wenn du über deinem eigenen Abschnitt flitzen wolltest, die Chance maximal 50% war.
Ich kenne keine Stelle wo man einfach locker rübermarschieren konnte, alleine schon die Steighilfe für Zaun oder Mauer mitzuschleppen, vorausgesetzt man wäre überhaupt so weit gekommen.
War schon mächtig Glück von nöten.
Wenn sich dagegen, was auch nicht so einfach war, zwei im Dienst einig waren, dann waren sie weg.


Schmiernippel und Sennewald haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.10.2012 16:48
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,

was ich nun hier schreibe hat überhaupt nichts mit irgendeiner Verteidigung des DDR-Regimes zu tun. Aber meine Meinung als gewesener DDR-Bürger ist folgende: Wer aus der DDR in die BRD "fliehen" wollte setzte sein Leben auf das Spiel. Das hat Jeder gewusst. Es gab keinen "sicheren" Fluchtweg. Umso mehr konnte und kann ich es nicht verstehen, dass ganze Familien Fluchtversuche unternommen haben. Sie spielten mit dem Leben ihrer Kinder.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


LO-Wahnsinn, DoreHolm, Lefti und Schreiberer haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Mit dem Wissen von heute: Bester Fluchtweg?

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.10.2012 09:06
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Ecki im Beitrag #19
Meine Lieben,

was ich nun hier schreibe hat überhaupt nichts mit irgendeiner Verteidigung des DDR-Regimes zu tun. Aber meine Meinung als gewesener DDR-Bürger ist folgende: Wer aus der DDR in die BRD "fliehen" wollte setzte sein Leben auf das Spiel. Das hat Jeder gewusst. Es gab keinen "sicheren" Fluchtweg. Umso mehr konnte und kann ich es nicht verstehen, dass ganze Familien Fluchtversuche unternommen haben. Sie spielten mit dem Leben ihrer Kinder.

Liebe Grüße

Ecki



Hat mal einer von euch, wo die Grenze komplett ausgebaut war, eine Familie mit kleinen Kindern rennen sehen?
Kann ich mir nicht vorstellen.
Wurde wohl eher im Kofferraum versucht, ist aber auch schon grenzwertig, ich hätte das meinen Kindern nicht antun wollen.


zuletzt bearbeitet 25.10.2012 09:09 | nach oben springen



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