#1

Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 01:16
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hall,
hatte mal jemand nach dem 9.9.1989 der vielleicht von PKE oder Grenztruppe in die Bundesbehörde Grenzschutz übernommen wurde,Frage auch an EX-NVA UND Bundeswehrler, Gelegenheit gehabt die Qualität der fremden Karten für das eigene Gebiet zu vergleiche?

Wie gut waren Bundeswehr/BGS Karten vom Raum Wernigerode gegenüber DDR-Karten z.B. oder NVA/Grenztruppe vom Raum Coburg gegenüber Westkarten?

Wieviel zeitliches Nachinken in der Aktualisierung jeweils?

Neue Straßen werden ja allein schon durch Spazierfahrten der Militämissionen legal erfasst worden sein.



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#2

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 06:35
von furry | 3.580 Beiträge

Für Interessenten von Karten www.topomapper.com/index.html

Oben rechts Germany eingeben und dann im Base layer die erste Variante anklicken.
Viel Spaß beim Suchen und Spielen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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zuletzt bearbeitet 18.10.2012 06:35 | nach oben springen

#3

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 09:42
von utkieker | 2.925 Beiträge

Die offizielen Topografischen Karten (nach DIN/ TGL) der damaligen beiden deutschen Staaten sind genauso "richtig" wie "falsch"! Falsch deswegen, weil bei der Projektion der Erdoberfläche die Meridiane verzerrt wiedergegeben werden. Außerdem geht man von einem "Idealkörper" aus (Kugel oder Elipsoid). Tatsächlich hat die Erde aber eher die Form einer "Knolle". Auch wenn in beiden Teilen Deutschlands die Gauß- Krüger- Projektion zur Anwendung kam haben beide unterschiedliche Referenz- Elipsoide benutzt. Während im Westen Deutschlands Bessel "orientiert" wurde, wurde im Osten Krassowski "orientiert". Damit waren aber beide Kartensysteme nicht mehr miteinander kompartibel, zu mal in DDR sogenannte Wirtschaftskarten und militärtopografische Karten existierten. In der BStU spricht man von "Kartenverfälschung" was totaler hirnrissiger Quatsch ist. Heutzutage erfolgt eine Angleichung an die UTM- Projektion um einheitliche weltweite Standards etwa bei GPS oder Google- Map festzustellen.
Möglicherweise ist hier Jemand im Forum, der sich besser mit Kartografie und Geodäsie auskennt.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#4

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 10:58
von eisenringtheo | 9.180 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #3
(...). In der BStU spricht man von "Kartenverfälschung" was totaler hirnrissiger Quatsch ist. (...)

Gruß Hartmut!


Kartenverfälschung war ein gängiges Verfahren der Geheimhaltung, nicht nur in der DDR. Karten für Volkswirtschaft und Tourismus sind stark vereinfacht. Strassen werden dicker dargestellt und sind etwas grader, militärische Objekte (Kasernen usw) werden in die gelben Flächen (bebaute Flächen) integriert und verschwinden so. Und so weiter.
Später im Zeitalter des GPS war das nicht mehr so einfach. Dann hat man einfach das Signal verfälscht.
http://www.tramsoft.ch/gps/gps_newsflash.html
Theo


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#5

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 16:36
von utkieker | 2.925 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #4
Zitat von utkieker im Beitrag #3
(...). In der BStU spricht man von "Kartenverfälschung" was totaler hirnrissiger Quatsch ist. (...)

Gruß Hartmut!


Kartenverfälschung war ein gängiges Verfahren der Geheimhaltung, nicht nur in der DDR. Karten für Volkswirtschaft und Tourismus sind stark vereinfacht. Strassen werden dicker dargestellt und sind etwas grader, militärische Objekte (Kasernen usw) werden in die gelben Flächen (bebaute Flächen) integriert und verschwinden so. Und so weiter.
Später im Zeitalter des GPS war das nicht mehr so einfach. Dann hat man einfach das Signal verfälscht.
http://www.tramsoft.ch/gps/gps_newsflash.html
Theo


Hallo Theo,

Topografische Karten unterlagen einer verbindlichen Norm! Darüber hinaus gab und gibt es eine Reihe thematischer Karten, die außerhalb jeder Norm liegen. Häufig erkennt man diese Karten an den fehlenden Isohypsen. Mein GPS- Lehrgang am Institut für Agrar und Umwelt der Uni Rostock, liegt zwar schon ein paar Jahre zurück aber einiges ist "hängengeblieben".
In der DDR gab es drei Geheimhaltungsstufen (VVS, GVS, GKdoS), die Topografiekarten "Wirtschaft", hatten den Vermerk nur für den Dienstgebrauch mußten noch nicht mal unter Verschluß gehalten werden. Bei militärtopografischen Karten der DDR bin ich mir nicht ganz sicher.
Irritationen gab es unmittelbar nach der Wende hinsichtlich des in der DDR verwendeten Krassowski- Elipsoids. Die Informationen die ich brauche finde ich abhängig vom Maßstab und Verwendungsszweck Wirtschaft/ Militär in den genormten Topografie- Karten. Ansonsten müßte ich auch Jemanden unterstellen dürfen er kann die Karten nicht lesen.
Was die thematischen Karten anbelangt, benötige ich keine Informationsflut vieleicht eine bessere Anschaulichkeit in Form und Farbe, sie sind vor allem eines hübsch bunt. http://de.wikipedia.org/wiki/Thematische_Karte

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#6

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 16:51
von Alfred | 6.853 Beiträge

Hier was zum Thema:

"Hysterisch ist die Reaktion, wenn sich kompetente Zeitzeugen aus den Reihen des MfS zu Wort melden und dem Alleinvertretungsanspruch der BStU zum Thema DDR-Geschichte widersprechen.
Aus diesem Grund musste die in Berlin anberaumte wissenschaftliche Konferenz über die HVA - die Auslandsaufklärung des MfS - nach Dänemark verlegt werden.

Eine wissenschaftliche Arbeit über das „Militärische Geowesen der DDR“ erschien kürzlich nicht in Deutschland sondern in Österreich. Diese Veröffentlichung ist in keiner Weise mit der BStU-Darstellung von Kartenfälschungen durch das MfS übereinstimmend und dadurch in Deutschland politisch nicht gewollt. Unter dem Aspekt wird nachfolgend dieses Thema betrachtet:





„Kartenfälschung durch das MfS ?
Oktober 2007





Kartographie, gewiss ein sehr spezielles Thema. Sich damit zu befassen, lohnt sich im konkreten Fall deshalb, weil es die Methodik zur „Aufarbeitung“ der DDR-Geschichte kennzeichnet.

Zuerst wird mit großem Krakeel dem Volk eine sensationelle Enthüllung vorgesetzt. Man lehnt sich zurück, nimmt die Abscheu des Publikums zur Kenntnis und meint, der Erfolg sei perfekt.

Seriöser, wissenschaftlich belegter Widerspruch der Fachwelt wird gar nicht oder wenn überhaupt, nur abwertend und fern der Massenmedien zur Kenntnis genommen. Eine für die Wissenschaft sehr destruktive Atmosphäre.



Es stellt sich die Frage, ob es künftig erforderlich sein wird, objektive Informationen über den Kalten Krieg, über NATO und Warschauer Vertrag oder über die Verhältnisse jener Zeit zwischen BRD und DDR aus ausländischen Quellen zu beschaffen? Manchmal erscheint es, als hätte eine solche Etappe begonnen. Eine Atmosphäre der Abgeklärtheit und Nüchternheit der Bewertung der Geschichte scheint hierzulande nicht möglich.



Eine realistische und komplexe Darstellung zum Thema Kartographie und Geodäsie der DDR ist kürzlich in Österreich erschienen. Die politische Situation erlaubt wohl bisher in Deutschland eine solche Herausgabe nicht.



Das „Institut für Militärisches Geowesen“ des Bundesministeriums für Landesverteidigung der Republik Österreich widmet sich in dem Heft „MILGEO“ Nr. 20/2006 „Schriftenreihe des Militärischen Geowesens“, in einer außerordentlich sachlichen und zeitgeschichtlich fundierten Ausgabe dem Thema:



„Militärisches Geowesen der DDR - Von den Anfängen bis zur Wiedervereinigung“



Auf 237 Seiten kommen Wissenschaftler, kompetente Zeitzeugen und Experten zu Wort. Wissenschaftler, Generale und Stabsoffiziere des Österreichischen Bundesheeres, der deutschen Bundeswehr und Stabsoffiziere a.D. der NVA gehören zu den Verfassern. Das Wort Staatssicherheit erscheint in der Veröffentlichung etwa dreimal, nicht polemisch, sondern sachbezogen.



Völlig im Gegensatz dazu, steht das von der BStU im November 2002 herausgegebene Buch



„Kartenverfälschung als Folge übergroßer Geheimhaltung? Eine Annäherung an das Thema Einflußnahme der Staatssicherheit auf das Kartenwesen der DDR“



Von Wissenschaft und Fachwelt ignoriert oder widersprochen, erscheint dieses Werk wie ein trauriger Witz.



Frau Birthler, die Chefin der BStU, stellte auf der Pressekonferenz im Jahr 2002 anlässlich der Veröffentlichung fest, der Nachweis der Fälschung von kartographischen Kartenwerken durch das MfS sei mit dieser Veröffentlichung erbracht. Das Buch sei erst der Anfang eines großen Projektes der Aufarbeitung dieses natürlich dunklen Kapitels kommunistischer Diktatur.

Die Bundesbeauftragte berichtete von einer ganzen Abteilung im MfS, die mit der Manipulation topographischer Kartenwerke befasst war („Berliner Zeitung“, Ausgabe am 16./17. November 2002).

Schlagzeile: „Ministerium für Staatssicherheit fälschte massenhaft Landkarten.“ Der Leser konnte sich von nun an bildlich vorstellen, wie es ablief. Eine ganze Abteilung des MfS über Karten und Plänen gebeugt und fälschte was das Zeug hielt, dem Bürger zum Schaden. Teuflisch.

Sämtliche Pressekommentare und die veröffentlichten Leserbriefe anläßlich der Vorstellung des im Auftrag der BStU herausgegebenen Buches folgten diesem Tenor.



Hiervon ausgenommen sind wissenschaftliche Beiträge der Zeitschrift „Kartographische Nachrichten“, die von Beginn an der BStU–Veröffentlichung widersprachen.





Kartographie eine Disziplin der Naturwissenschaft?


Das führende deutschsprachige Fachorgan für diesen Zweig der Wissenschaft ist die Zeitschrift „Kartographische Nachrichten“ (KN), die „Fachzeitschrift für Geoinformation und Visualisierung, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Kartographie.“



In Heft 5/2004 erschien ein Aufsatz zum Thema

„Kartenverfälschung in Deutschland?!“
Hier heißt es u.a., die BStU suggeriere der Leserschaft eine führende Rolle des MfS bei der Geheimhaltung von geodätischen und kartographischen Erzeugnissen. Wörtlich:



„Es werden Thesen aufgestellt, die von systematischen Verfälschungen in den kartographischen Erzeugnissen der DDR sprechen und dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) eine bedeutende Rolle auf dem Gebiet der Geheimhaltung von kartographischen Produkten zuweisen.“ Jedoch „...sämtliche Festlegungen zur Einstufung geheim zu haltender Angaben im Bereich des Vermessungs- und Kartenwesens wurden vom Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR in Abstimmung mit dem Stab der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages im Zusammenwirken mit dem Ministerium des Innern erlassen. Grundlage waren die einschlägigen Vorgaben, abgeleitet aus der Militärdoktrin des Warschauer Vertrages. Sie wurden bestimmt durch die Erfahrungen der Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg in Bezug auf die Bedeutung von Kartenmaterial für die Kriegsführung..... Das MfS überprüfte lediglich die als Geheimnisträger vorgesehenen oder verpflichteten Personen, das gesamte Fachpersonal und die Nutzer klassifizierter Unterlagen sowie deren Umfeld und Kontakte. Es bestimmte nicht die Klassifizierungen und Einstufungen von Staatsgeheimnissen anderer Bereiche der Sicherheitsorgane.“



Das ist für die BStU nun doch zu starker Tobak. Der wissenschaftliche Anspruch des Buches der BStU ist mir nichts dir nichts unterminiert. Der Anspruch, DDR-Geschichte nur in BStU-Lesart zu dulden, ist lädiert. Das darf nicht sein, deshalb wird zurück geschossen. Im konkreten Fall auf englisch. In der inzwischen erschienenen Ausgabe des o.g. Buches der BStU für den englischen Sprachraum erklärt Frau Birthler im Vorwort, dass ehemalige „DDR-Eliten“ die „Kartographischen Nachrichten“ benutzen, um die DDR-Vergangenheit in einer verklärenden Version darzustellen.

Dabei lässt der Artikel in den „KN“ eine solche Sicht in keiner Weise erkennen. Im Gegenteil, es werden die in der DDR herrschenden widrigen Umstände des damaligen wirtschaftlichen und politischen Systems hervorgehoben. Eine solche Aussage dürfte nicht aus der Feder eines verbohrten Vertreters der DDR–Elite stammen.

Autor des besagten Beitrages in den „KN“ ist ein Herr René Pfahlbusch.

In der o.g. österreichischen Ausgabe „MILGEO“ Nr. 20, an der Herr René Pfahlbusch mitgearbeitet hat, wird dessen Biographie vorgestellt. Danach ist er im Jahr 1974 geboren und im Jahr 1989 mit seinen Eltern in die BRD übersiedelt.

War nicht die DDR-Elite mehrheitlich überaltert? Hier finden wir eine Ausnahme. 15 Jahre alt und schon Elite.



Die Redaktion der Zeitschrift „Kartographische Nachrichten“ ließ sich die ihr vorgeworfene politische Instrumentalisierung durch Frau Birthler nicht gefallen und reagierte in der Ausgabe Heft 3/2007.

Dem Vorwort in der englischsprachigen Ausgabe wird entgegengehalten, es sei wenig verständlich, „wenn sie (Frau Birthler) in den sich zu Wort meldenden Kritikern des Buches zuerst und vor allem „Mitglieder der ehemaligen Elite“ sieht, die sich beschweren, dass ihre Stimmen als Zeitzeugen nicht gehört wurden. Denn ein Blick auf Vita und Alter der Autoren der kritischen Beiträge hätte genügt, zu einem gänzlich anderen Schluss zu kommen.“ Es bleibe der Eindruck haften, dass Kritik an dem BStU-Werk von den Herausgebern von vornherein als suspekt eingestuft wird.



Mit wissenschaftlicher Exaktheit belegt der Artikel in den „KN“, Heft 5/2004, dass die Karten der DDR nicht gefälscht oder verfälscht waren. Sie seien „nicht falsch in dem Sinne, daß sie technische Fehler oder eine irreführende Gestaltung aufweisen, sondern die Informationen wurden ausgedünnt und vereinfacht“ - da, wo man es für notwendig hielt.

Auch heute, trotz modernster Satellitensysteme, deren Aufnahmen zum Teil für die Allgemeinheit zugänglich sind, ist eine exakte Darstellung militärischer Sperrgebiete auf Landkarten nicht zu finden. An Sperrgebieten enden Straßen, Wege, Bebauung, bundesweit, also auch in den neuen Bundesländern. Wie gehabt. Den Flughafen der US-Air Force in Ramstein findet man beispielsweise auf keiner handelsüblichen Karte, sondern nur einen unstrukturierten hellen Fleck, und der gehört angeblich zum Staatsforst Kaiserslautern. Die öffentlich erreichbaren Karten stellen die Gebiete der Truppenübungsplätze Grafenwöhr, Bergen, Munster oder Colbitz-Letzlinger-Heide genauso inhaltslos dar, wie das in den Karten der DDR war. Ein Gebiet, welches nicht für jedermann zugänglich ist, muß auch nicht für jedermann abgebildet sein. Jedes Land hat gewisse Sicherheitsinteressen. Das ist nichts Verwerfliches. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde in Deutschland im Bereich des Kartenwesens vieles liberalisiert, jedoch gibt es selbst heute noch EU- und NATO-Staaten, bei denen amtliche Kartenwerke nicht frei zugänglich sind.



Um aber an der „Stasi-Fälscherthese“ festzuhalten, autorisierten gleich vier „Experten“ der BStU, in der Zeitschrift „Vermessung Brandenburg“, Heft 1/2006, einen Artikel unter dem Titel:

„Die Topographische Karte „Ausgabe für die Volkswirtschaft“ – Staatssicherheit und Kartenverfälschung in der DDR.“

Hier heißt es, im Widerspruch zu Frau Birthler: Die Staatssicherheit brauchte nicht selber zu fälschen, „....weil andere, die sie gegebenenfalls auf Linie hielt, dieses taten. ....sie (das MfS) besaß viele Fähigkeiten zur Repression und Zersetzung und weitgehende Überwachungsfunktionen - nicht zuletzt mit Inoffiziellen Mitarbeitern, die ja kein Phantom sind und ihr auch den nötigen Sachverstand zur Beurteilung des Kartenwesens vermittelten, um Einfluß zu nehmen.“



Es wird nicht anerkannt, daß es in der DDR Menschen gegeben hat, die aus freiem Willen und eigenem Antrieb bereit waren, selbst schöpferisch tätig zu werden, ihre Kraft einbrachten und eine solch hervorragende Arbeit leisteten, wie das z.B. die Kartographen der DDR vollbrachten. Das zu akzeptieren würde letztendlich die heilige Mission der Behörde in Frage stellen.



Der „Deutschlandfunk“ wiederholte am 12. August 2006 das bereits im Jahr 2003 ausgestrahlte Feature mit dem Titel:

„Als der Hauptbahnhof verschwand.“ Hier wird u.a. erzählt, ein ehemaliger DDR-Bürger, der über die Ostsee die DDR verlassen wollte, habe die „nasse Grenze“ nicht erreicht. Wegen gefälschter oder verfälschter Karten kam er nicht an der Küste an und verirrte sich im Wald. Der Leser möchte sich diesen Vorfall bitte selbst interpretieren. Jedes Jahr verbrachten hundert Tausende Menschen aus der ganzen Republik ihren Urlaub an der Ostsee. Es stellt sich die Frage, wie haben die sich hierher gefunden?



Die „Berliner Zeitung“ schreibt am 8.August 2006 in dem Beitrag „Keine Angst mehr vor deutschen Bomben“:

„Seit März 2006 darf das britische Kartenamt Landkarten drucken, die nicht vom Militär und Geheimdienst zensiert werden.“ Bis dahin galt ein geheimer Regierungserlass: „Keine Verteidigungsanlagen dürfen auf frei verkäuflichen Karten und Luftaufnahmen erscheinen.“

Die Firma „Orbitale Hochtechnologie Bremen“ schickte Anfang 2007 in Zusammenarbeit und im Auftrag des deutschen und des französischen Verteidigungsministeriums einen Satelliten in den Weltraum, dessen Technik es ermöglicht, an jedem Ort der Erde Objekte bis zu einer Größe von 50 Zentimetern zu erfassen. Die Aufnahmen der sogenannten „SAR-Lupe“ (SAR -Synthetic Aparture Radar) werden nicht etwa einen lustigen Wandersmann sicher durch den Wald geleiten, sondern der obersten militärischen Führung zur Planung und Vorbereitung militärischer Einsätze und den Einsatzkräften zum zeitgerechten Gewinnen aktueller Lageinformationen dienen.



Das Kartenwesen des MfS


Bei der Beschreibung der Archivbestände der BStU im Internet ist u.a. folgendes vermerkt:



„Im MfS hielt die Arbeitsgruppe des Ministers (AGM) einen großen Umfang an topographischen Karten bereit.“



Dazu ist folgendes zu bemerken:

Die AGM hielt für die Diensteinheiten des MfS und für den eigenen Bedarf topographische Karten bereit. Die Bevorratung in der AGM umfaßte im wesentlichen jeweils 25 Exemplare der Maßstäbe 1:25 000, 1:50 000, 1:100 000 und 1: 200 000 des Territoriums der DDR, der BRD und Westberlins. Soweit vorhanden und erforderlich wurden auch Stadtpläne der Maßstäbe 1:10 000 beschafft. Weiterhin wurden auch Bestände der Maßstäbe 1:500 000 und 1: 1 000 000 geführt. Sämtliche topographische Karten wurden vom Militärtopographischen Dienst des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR käuflich erworben.



Welchen Stellenwert man innerhalb des MfS der Topographie bzw. Kartographie tatsächlich widmete, unterstreicht allein die personelle Besetzung.

Die Versorgung des gesamten MfS mit topographischen Karten erfolgte bis zum Ende des MfS im März 1990 durch einen einzigen Mitarbeiter der AGM, der nur etwa fünfundzwanzig Prozent seiner Arbeitszeit dieser Aufgabe widmen konnte. Der Bedarf und das Interesse an topographischen Kartenmaterial im MfS war äußerst gering.



Die vorstehend genannten Kartenmaßstäbe waren, wie in allen Staaten des Warschauer Vertrages festgelegt, durchweg als Vertrauliche Verschlußsache (VVS) gekennzeichnet. Dieser Aufdruck wurde vom Militärtopographischen Dienst des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR schon während der Herstellung vorgenommen. Spezialkarten mit Sondereinträgen, wie z. B. dem System der Pipelines zur Treibstoffversorgung im Bereich des NATO-Kommandos Zentraleuropas, der Kernwaffendepots auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland u.a. waren als Geheime Verschlußsache (GVS) registriert. Weiterhin waren Karten der Maßstäbe 1:500 000 und 1:1 000 000 mit der Geheimhaltungsstufe „Vertrauliche Dienstsache (VD)“ des genannten Territoriums und darüber hinaus vorhanden.

Mit dieser Ausstattung wurde der Bedarf des gesamten MfS im wesentlichen sichergestellt. Neben den in der AGM vorhandenen Karten existierte eine kleine überschaubare Kartenstelle im Wachregiment des MfS in Adlershof.

Nach 1967 wurden die Bezirksverwaltungen des MfS nach einer bestätigten Norm mit mehreren Sätzen topographischer Karten des Territoriums ihrer Bezirke mit entsprechender Überlappung ausgestattet. Teilweise erhielten auch zentrale Diensteinheiten eine geringe Ausstattung. Diese Bestände wurden periodisch erneuert. Der vorhandene Bestand an topographischen Karten war in der AGM übersichtlich in einem relativ kleinen Raum im Haus 1, Zimmer 206, gelagert. Dieser Raum 206 gehört zur heutigen „Gedenkstätte“ und hier

befindet sich jetzt eine wirklich grausige Gefängniszelle. Ohne Fenster, mit schwarzen Wänden; der „Graf von Monte Christo“ lässt grüßen. Die Zelle soll aus der ehemaligen Strafvollzugsanstalt des Ministeriums des Innern, Berlin-Rummelsburg, stammen.



Die im MfS vorhandenen Karten wurden regelmäßig aktualisiert und die verbrauchten Exemplare ergänzt.

Aus finanziellen Erwägungen wurden die veralteten Kartenblätter als Verbrauchsmaterial weiter verwendet und im wesentlichen nicht der Vernichtung zugeführt. Das hat gewiss den Gesamtbestand an Kartenmaterial erhöht.



Der heute von der BStU verwaltete Archivbestand an topographischen Karten wird mit insgesamt 210 laufenden Metern angegeben. Vermutlich wurden die in den Bezirken vorhandenen Bestände bzw. die des Wachregiments des MfS hier zugeordnet.

Das heißt, man hütet mit entsprechendem Aufwand die Gesamtmenge der alten, im MfS vorhandenen topographischen Karten, die sämtlich vom Militärtopographischen Dienst des Ministeriums für Nationale Verteidigung erworben wurden. Bei Archivführungen verweisen die Mitarbeiter der BStU auf das noch aufzuarbeitende beträchtliche Ausmaß von „Herrschaftswissen“, was sich in diesen Beständen verbirgt.



In der o.g. Veröffentlichung schildert Oberstleutnant Dr. Thomas Palaschewski, als Leiter der Militärgeographischen Stelle des Wehrbereichs VII der Bundeswehr, die Übernahme des Militärtopographischen Dienstes der NVA in die Struktur der Bundeswehr. Er berichtet u.a. über die „Absteuerung“ des Materials und der Kartenlager der NVA mit ihren Inhalten sowie deren Überführung in die Bundeswehr.

Wörtlich:

„Spezialkarten, Reliefkarten und Sonderkarten wurden jedoch vernichtet bzw. als Belegexemplare an das Bundesarchiv – Militärarchiv in Freiburg i.B. respective an das Militärgeschichtliche Museum nach Dresden abgegeben. Maßstäbe von topographischen Karten ohne militärische Relevanz wurden zusätzlich an die neuen Landesvermessungsämter übergeben, die sie entweder als historische Karten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen oder sie für die Produktion amtlicher topographischer Karten oder anderer Karten nutzen.“ (Seite 158, 159 der genannten Publikation)

Es ist aber hervorzuheben, dass der Vertreter der Bundeswehr die hohe Qualität der Topographischen Karten der Nationalen Volksarmee würdigte.



Von den 2205 Mitarbeitern der BStU(2005), arbeiten 4 hauptamtliche Mitarbeiter dieser Behörde, darunter zwei ausgebildete Karthographen, an der Verwaltung der Kartenbestände.



Im MfS befaßten sich in etwa genau so viel Personen mit der operativen Abwehrarbeit bzw. mit der Beschaffung und Verwaltung der vorhandenen Bestände, dieses im Kalten Krieg wichtigen und außerordentlich brisanten Bereiches.

Mit gleichem Personalaufwand wird eine Aufarbeitung zu einem Thema betrieben, welches im MfS so niemals zur Debatte stand.



Gemäß den biographischen Angaben des Buches „Kartenverfälschung als Folge übergroßer Geheimhaltung? Eine Annäherung an das Thema Einflußnahme der Staatssicherheit auf das Kartenwesen der DDR“ haben 14 Autoren an der genannten Veröffentlichung der BStU mitgewirkt.

Aus den alten topographischen Karten, die bei der NVA abgesteuert wurden, stellte man sehr sinnvoll zum Beispiel Briefumschläge her. Siehe www.direktrecycling.de. In der BStU dagegen dienen sie wie schon betont, als Beleg der Anhäufung von Herrschaftswissen und von Fälschungsarbeit des MfS. Eine „Absteuerung“ der Bestände hat vermutlich nicht stattgefunden. So hat man sehr viel zu verwalten.



Im MfS war das Referat 2 der Hauptabteilung VII/7 neben anderen Aufgaben für die Abwehrarbeit in den Bereichen Vermessungs- und Kartenwesen des Ministeriums des Innern und im VEB Kombinat Geodäsie und Kartographie Dresden einschließlich der Betriebsberufsschule Eichwalde verantwortlich.



Ein Referat war im MfS die kleinste Struktureinheit. In der Regel hatten operative Referate fünf bis fünfzehn Mitarbeiter. Die Aufgabenbereiche waren in Hauptsachgebiete und Sachgebiete aufgeteilt.

Im Referat 2 der Hauptabteilung VII/7 gab es außer der Abwehrarbeit im Vermessungs- und Kartenwesen auch noch andere Verantwortungsbereiche. Daraus ist abzuleiten, dass nur ein Teil der Mitarbeiter dieses Referates mit der operativen Abwehrarbeit in jenem speziellen Bereich tätig war.

Soll das die kartenfälschende Abteilung gewesen sein?



Anfang der 1960er Jahre verwendete der 1.Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit, Generalleutnant Bruno Beater, verschiedentlich die Bezeichnung „Linie Vermessungswesen“ im MfS. Prompt benutzt man in der heutigen Veröffentlichung der BStU den Begriff „Linie“ für diesen winzigen speziellen Bereich. Beater hat damit nichts anderes gemeint, als die Notwendigkeit der Schaffung eines solchen, für die operative Abwehrarbeit sachkundigen Arbeitsbereiches innerhalb der Hauptabteilung VII.



Allgemein bezeichnete im MfS der Begriff „Linie“ eine Haupt- oder Selbständige Abteilung mit gleichartigen Aufgabenbereichen in den Bezirksverwaltungen und Kreisdienststellen. Der Definitionsdschungel, der später in einem Wörterbuch systematisiert wurde, spielte in der damaligen Zeit glücklicherweise keine große Rolle, er wurde erst entwickelt. Bedeutung hatten diese Begriffe für die praktische operative Arbeit weniger. Das Wörterbuch blieb ein Utensil für den Panzerschrank oder ein Arbeitsmittel für Analytiker.



Heute wendet man diese Definitionen nach Belieben, häufig entstellt, je nach Bedarf interpretiert und stets zum Schaden des Urhebers an.



Die Autoren lassen bei der Bewertung der Arbeit des Referates 2 der HA VII/7 den festgeschriebenen und tatsächlichen Auftrag der „operativen Abwehrarbeit“ beiseite und unterstellen, einfach mal so, das Referat sei für die „Einflußnahme“ auf das Kartenwesen verantwortlich gewesen.

Damit hat man sich einen Forschungsgegenstand geschaffen, an dem man sich auch personell gut besetzt festhalten kann.



Eine Fälscherabteilung des MfS, wie von Frau Birthler behauptet, gab es nicht.



Die topographischen Karten der Staaten des Warschauer Vertrages waren seinerzeit für sämtliche Geheimdienste der NATO-Staaten und darüber hinaus interessant und sehr begehrlich. Neben den Karteninhalten bestand das Hauptinteresse an der Beschaffung des Koordinatensystems. Wissenschaftlich-technische Errungenschaften ermöglichen es heute, mit anderen Mitteln eine Rakete exakt ins Ziel zu führen. Eine militärische Karte der NATO mit UTM-Koordinatensystem erhält man trotzdem nicht im Handel.

Ein Autor kommt nicht umhin zu erwähnen, daß allein zur Bestallung der US-Botschaften in den Staaten des Warschauer Vertrages sogenannte Geographie-Attaches wirkten, deren Aufgabe in der Spionage auf dem Gebiet der Kartographie und Geodäsie lag. Zu erwähnen sind aber auch die vielfältigen Aktivitäten der anderen, besonders bundesdeutscher Dienste, die mit gleicher Angriffsrichtung operierten.





Weiterhin wird es zivile und militärische Karten geben, und weiterhin wird die Geschichte der DDR verzerrt, verbogen und entstellt. Weshalb gibt es diese Schwierigkeiten mit der Wahrheit? Die Bundesrepublik Deutschland ist doch nicht so schwach, um sie zu ertragen. Auf alle Fälle scheint die BStU personell und finanziell bestens ausgestattet, um sich diesem untauglichen Thema zu widmen. Wissenschaftliche Anerkennung wird sie damit nicht erfahren. Fachkreise belächeln das Ergebnis.

Statt sich dem Urteil der BStU unterzuordnen, wie es politisch opportun wäre, verweisen die Wissenschaftler darauf, dass „die Kartographie, das Vermessungswesen und die Geodäsie Disziplinen der Naturwissenschaften sind, keine Ideologien.“





Karl-Heinz Kämmer"
Quelle: www.mfs-insider.de

Das genannte Buch "„Militärisches Geowesen der DDR - Von den Anfängen bis zur Wiedervereinigung“ kann ich sehr empfehlen.


passport und Kurt haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 22:26
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Die Bösen, wie können sie nur die Stasi entlasten.
Die standen bestimmt auch beim Mielke auf der Gehaltsliste. *Ironie off*
Manchmal tut mir das MfS echt leid, man weis ja nun das es für so ziemlich alles herhalten muss, was man anderen nicht mehr anheften kann, oder will.
Aber wenn es nun auch noch die Karten verfälscht hat, dann bin ich mir sicher, als mein Opa in den 50zigern besoffen die Treppe runter rollte und sich das Genick brauch, da war das MfS auch Schuld.
Auch als meiner Oma, 10 Jahre später die Kartoffeln in der Küche anbrannten, müssen die Stasischergen ihre Hand im Spiel gehabt haben.
Wird Zeit, dass ich meine alten von der Stasi gefälschten DDR-Landkarten vernichte, nicht das ich mich noch verfahre.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
DoreHolm und Diskus303 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 23:20
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Alfred, eine wirklich fundierter Beitrag. Ich vermute, daß die Birthler-Behörde auch absichtlich vieles gewaltig aufbauscht. Einmal werden dort vorrangig Leute arbeiten, die 1.) schon immer die DDR lieber heute als morgen den Bach runtergehen ließen, 2.) ihren Kopf um 180° gedreht haben 3.) einfach nur den Job haben und nicht tiefer darüber nachgrübeln und 4.) eine Menge unerledigte und wichtige Arbeit vortäuschen, damit sie möglichst lange ihre Daseinsberechtigung nachweisen können. Einzig die Treuhandanstalt war mal mit der Aufgabe angetreten, ihre Überflüssigkeit zu erreichen. Es gibt sie aber trotzdem immer noch, aber das ist ein anderes Thema.
Mit der Kartengeheimhaltung kenne ich das ein bischen von meinen Geologen-Bekannten. Da ist freilich die Geheimhaltung übertrieben worden, obwohl die Geologie eine Wissenschaft ist, die sich nicht um politische Grenzen schert. Um Geologie zu verstehen, muß man über die Grenzen schauen und die internationale Zusammenarbeit, die nun mal auch zur Ausbildung der Studenten an den geowiss. Unis notwendig ist, war wohl nur einigen Profs vorbehalten.



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#9

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 23:32
von CAT | 351 Beiträge

Hallo Hartmut, wir haben beim Katastrophenschutz mit dem UTM-Koordinatensystem gearbeitet, genau wie die Bundeswehr und die anderen NATO-Streitkräfte. Es war somit ein einheitliches System. Mit dem Gauss-Krüger-System arbeiten sogar heute noch die Vermessungsämter wenn ich mich nicht irre. Ich habe vor vielen Jahren mal bei Ebay eine Karte mit russischer Schrift ersteigert. Mich hat einfach mal interessiert was die andere "Feldpostnummer" so über meine Region wusste. Ich hab dann einfach mal nach markanten Punkten geschaut, und siehe da, einge fehlten tatsächlich auf der Karte. Ich habe zum Beispiel eine Karte, wo Tiefflugschneisen Richtung Osten eingezeichnet sind, mit Höhenangaben von Hindernissen über Grund. Gegnerische Flugplätze sind auch eingezeichnet. Im Dezember 1989 habe ich mir im Thüringer Wald in einer Buchhandlung eine topographische Karte (1.50 000) der Region gekauft. Oben Rechts war "Vertrauliche Verschlußsache" aufgedruckt. Gab es diese Karten vor der Wende auch schon in den Buchhandlungen zu kaufen? Muss dazu sagen, das die Region nicht im Grenz-Sperrgebiet lag. Ein Teil vom damaligen Truppenübungsplatz Ohrdruf mit den Schiessbahnen war aber mit drauf!!! Ich vermute mal, das die betreffenden Karten ursprünglich von den militärischen Karten abstammen. Diese Karte war für mich sehr detailliert, Brückenlasten, Fließgeschwindigkeit der Flüsse, Kopf- und Seitenrampen usw. waren alle eingezeichnet. Auf westlichen (zivilen) Karten waren diese Sachen zur damaligen Zeit eigentlich nicht eingezeichnet. Gruß Uwe.

Zitat von utkieker im Beitrag #3
Die offizielen Topografischen Karten (nach DIN/ TGL) der damaligen beiden deutschen Staaten sind genauso "richtig" wie "falsch"! Falsch deswegen, weil bei der Projektion der Erdoberfläche die Meridiane verzerrt wiedergegeben werden. Außerdem geht man von einem "Idealkörper" aus (Kugel oder Elipsoid). Tatsächlich hat die Erde aber eher die Form einer "Knolle". Auch wenn in beiden Teilen Deutschlands die Gauß- Krüger- Projektion zur Anwendung kam haben beide unterschiedliche Referenz- Elipsoide benutzt. Während im Westen Deutschlands Bessel "orientiert" wurde, wurde im Osten Krassowski "orientiert". Damit waren aber beide Kartensysteme nicht mehr miteinander kompartibel, zu mal in DDR sogenannte Wirtschaftskarten und militärtopografische Karten existierten. In der BStU spricht man von "Kartenverfälschung" was totaler hirnrissiger Quatsch ist. Heutzutage erfolgt eine Angleichung an die UTM- Projektion um einheitliche weltweite Standards etwa bei GPS oder Google- Map festzustellen.
Möglicherweise ist hier Jemand im Forum, der sich besser mit Kartografie und Geodäsie auskennt.

Gruß Hartmut!


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#10

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 23:33
von Marder | 1.413 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #8
Alfred, eine wirklich fundierter Beitrag. Ich vermute, daß die Birthler-Behörde auch absichtlich vieles gewaltig aufbauscht. Einmal werden dort vorrangig Leute arbeiten, die 1.) schon immer die DDR lieber heute als morgen den Bach runtergehen ließen, 2.) ihren Kopf um 180° gedreht haben 3.) einfach nur den Job haben und nicht tiefer darüber nachgrübeln und 4.) eine Menge unerledigte und wichtige Arbeit vortäuschen, damit sie möglichst lange ihre Daseinsberechtigung nachweisen können. Einzig die Treuhandanstalt war mal mit der Aufgabe angetreten, ihre Überflüssigkeit zu erreichen. Es gibt sie aber trotzdem immer noch, aber das ist ein anderes Thema.
Mit der Kartengeheimhaltung kenne ich das ein bischen von meinen Geologen-Bekannten. Da ist freilich die Geheimhaltung übertrieben worden, obwohl die Geologie eine Wissenschaft ist, die sich nicht um politische Grenzen schert. Um Geologie zu verstehen, muß man über die Grenzen schauen und die internationale Zusammenarbeit, die nun mal auch zur Ausbildung der Studenten an den geowiss. Unis notwendig ist, war wohl nur einigen Profs vorbehalten.


Ich denke du verwechselt hier Geologie mit Geodäsie. Wenn dein Bekannter Geodät und nicht Geologe ist, kannste meinen Beitrag ignorieren!

MfG Marder


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
zuletzt bearbeitet 18.10.2012 23:33 | nach oben springen

#11

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 23:33
von erkoe | 301 Beiträge

Ich werfe kurz ein: Unsere Karten für die Fliegerei hatten WGS84-Standard und waren sehr genau. Deshalb wohl auch VVS. Jeder hatte sein Fach, in welchem die Karten und andere Utensilien gelagert wurden, incl. eigener Schlüssel und eigene Petschaft. Ich hatte diese damals mit dem Shell-Atlas und den DDR-Straßenkarten verglichen. Eigentlich ein Witz... Maßstab übertragen und siehe da, nichts war an dem Ort, wo es hätte sein sollen. Komisch, oder?


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#12

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 23:44
von DoreHolm | 7.705 Beiträge

Marder, ich meine Geologen. Hier ging es nicht so sehr um die Koordinaten, sondern um die Geologie, d.h. Gesteinsarten und Alterseinstufung, also mehr die Lagerstätten. Man wollte hier verhindern, daß die unfreundlich gesinnten Staaten genauere Einblicke in die Rohstoffresourcen der DDR bekamen. Das Koordinatensystem war nach Gauss-Krüger und den alten Längen- und Breitengraden ausgerichtet. Neuere Karten tragen auch zusätzlich noch die UTM-Koordinaten.



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#13

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 18.10.2012 23:49
von Marder | 1.413 Beiträge

Ok,

dachte nur weil das Thema topographische Karten war.

Ignoriert einfach meinen Beitrag ;-)

MfG Marder


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
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#14

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 19.10.2012 09:46
von utkieker | 2.925 Beiträge

Zitat von erkoe im Beitrag #11
Ich werfe kurz ein: Unsere Karten für die Fliegerei hatten WGS84-Standard und waren sehr genau. Deshalb wohl auch VVS. Jeder hatte sein Fach, in welchem die Karten und andere Utensilien gelagert wurden, incl. eigener Schlüssel und eigene Petschaft. Ich hatte diese damals mit dem Shell-Atlas und den DDR-Straßenkarten verglichen. Eigentlich ein Witz... Maßstab übertragen und siehe da, nichts war an dem Ort, wo es hätte sein sollen. Komisch, oder?


Nein erkoe,

wenn Koordinaten genauer als auf Kilometer werden sollen, muss das Geodätische Bezugssystem mit angegeben werden, da ein Koordinatenwert in unterschiedlichen Bezugssystemen verschiedene Positionen bezeichnen.
Das Bezugssystem (West) war das Bessel- Elipsoid im Osten das Krassowski- Elipsoid. Kann ich sagen das eines der beiden Bezugssysteme falsch sind, eigentlich sind beide falsch, weil beide nur an einen Idealkörper festhalten!
Den Erdkörper nennt man auch Geoid
Hier der "Erdklumpen", wie er von der NASA gesehen wird: http://de.wikipedia.org/w/index.php?titl...=20120615172335
Übrigens noch nachträglich alles Gute zum Geburtstag!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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zuletzt bearbeitet 19.10.2012 09:57 | nach oben springen

#15

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 19.10.2012 15:52
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
ich meinte weniger die Frage nach Koordinaten oder Bezugsystem sondern was wußte man jeweils und wieviel von der anderen Seite? Z.B. vorbereitete Flußübergangstellen, Sprengstoffbunker im Wald mit Brückenzerstörungsmateriel der Wallmeister, Treibstoffdepots, Pipelinesysteme usw.



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#16

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 19.10.2012 17:24
von erkoe | 301 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #14
Zitat von erkoe im Beitrag #11
Ich werfe kurz ein: Unsere Karten für die Fliegerei hatten WGS84-Standard und waren sehr genau. Deshalb wohl auch VVS. Jeder hatte sein Fach, in welchem die Karten und andere Utensilien gelagert wurden, incl. eigener Schlüssel und eigene Petschaft. Ich hatte diese damals mit dem Shell-Atlas und den DDR-Straßenkarten verglichen. Eigentlich ein Witz... Maßstab übertragen und siehe da, nichts war an dem Ort, wo es hätte sein sollen. Komisch, oder?


Nein erkoe,

wenn Koordinaten genauer als auf Kilometer werden sollen, muss das Geodätische Bezugssystem mit angegeben werden, da ein Koordinatenwert in unterschiedlichen Bezugssystemen verschiedene Positionen bezeichnen.
Das Bezugssystem (West) war das Bessel- Elipsoid im Osten das Krassowski- Elipsoid. Kann ich sagen das eines der beiden Bezugssysteme falsch sind, eigentlich sind beide falsch, weil beide nur an einen Idealkörper festhalten!
Den Erdkörper nennt man auch Geoid
Hier der "Erdklumpen", wie er von der NASA gesehen wird: http://de.wikipedia.org/w/index.php?titl...=20120615172335
Übrigens noch nachträglich alles Gute zum Geburtstag!

Gruß Hartmut!


Hallo Hartmut,
vielen Dank für die Glückwünsche und deinen Beitrag. Ich hatte das eher aus der politischen Ecke gesehen. Respektive die Grenzverläufe, um die Leute zu verwirren. Wir haben Gauss-Krüger gelernt. Mittlerweile wird auf UTM umgestellt und ich hab dadurch ne Menge Arbeit (bin im GIS-Bereich tätig).
VG
Erik


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#17

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 19.10.2012 20:55
von utkieker | 2.925 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #15
Hallo,
ich meinte weniger die Frage nach Koordinaten oder Bezugsystem sondern was wußte man jeweils und wieviel von der anderen Seite? Z.B. vorbereitete Flußübergangstellen, Sprengstoffbunker im Wald mit Brückenzerstörungsmateriel der Wallmeister, Treibstoffdepots, Pipelinesysteme usw.

Hallo SET,

Ich behaupte, daß man sehr viel mehr von einander wußte als wir uns vorstellen können und das ist gut so. Eine ziemlich hinterlistige Geheimdiplomatie spielte selten mit offenen Karten. Das was Kundschafter/ Spione unter mutigen Einsatz ihres Lebens herausfanden hat die Politik vor vollendeten Tatsachen gestellt. Gefahr erkannt - Gefahr gebannt!

Gruß Hartmut!


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#18

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 11.01.2013 19:53
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge

Seit den sechziger Jahren gab es sehr gute und seit den siebziger Jahren extrem gute Satelliten. Seitdem dürfte das meiste gegenseitig aufgeklärt worden sein. Und zwar schon in der Bauphase. Bis auf Nummernschildgröße.
Im Westen konnte man auch schon immer zivil unglaublich gute US-Militärkarten kaufen (ONC und TPC hießen die Serien). Von der gesamten Erdoberfläche.
Die Spionage wird m.E. ggü. der Satellitenaufklärung überschätzt. Wie die Ernte wird, oder ob jemand seine Panzer warmlaufen lässt, kann man aus dem All sehen.


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#19

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 09.04.2013 16:25
von gitarre52 | 127 Beiträge

hallo,
zum thema kartenmaterial bin ich auf eine gute seite gestoßen.
guckst du:http://ddr.dienstkarten.de/
hier kann man auch den grenzverlauf und umgebung seiner damaligen gk verfolgen.ist sehr umfangreiches material!
viel spass beim stöbern wünscht klaus


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#20

RE: Topoggraphische Karten jeweisl "Feindgebiet"...

in Grenztruppen der DDR 15.04.2013 12:18
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von erkoe im Beitrag #11
Ich werfe kurz ein: Unsere Karten für die Fliegerei hatten WGS84-Standard und waren sehr genau. Deshalb wohl auch VVS. Jeder hatte sein Fach, in welchem die Karten und andere Utensilien gelagert wurden, incl. eigener Schlüssel und eigene Petschaft. Ich hatte diese damals mit dem Shell-Atlas und den DDR-Straßenkarten verglichen. Eigentlich ein Witz...

... eignes Fach, dann wird's wohl GVS gewesen sein, odär? War an der Grenze ähnlich. Das Basismaterial (danke @gitarre für den link, gleich gesaugt *grins*) war 'nur' VVS. Doch ab 1:25000, spätestens ab 1:10.000 und sobald mit der Karte 'gearbeitet', sprich Eintragungen vorgenommen wurden, war's auf jedenfall GVS.
Und biste Dir mit WGS84 für den Bereich des Warschauer Paktes so sicher *blödfrag*
Oder eher doch СК63 ... http://internetgeo.ru/uploads/journals/g...y_koordinat.pdf


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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