#81

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 07:47
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Eisenacher,

wir hatten zwar im Kombinat einen Parteisekretär welcher für das Kombinat zuständig war aber ich kann mich nicht Erinnern das er das Kombinat geleitet hat. Da gab es immer noch den Kombinatsdirektor und der sah weder aus wie der Parteisekretär, noch war er inkompetent was wirtschaftliche Fragen betrifft.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#82

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 07:48
von eisenringtheo | 9.162 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #80
Der ideologische Denkfehler der DDR-Genossen, war der Glaube an die Planwirtschaft. Nur eine Marktwirtschaft ist in der Lage, Waren gemäß Bedarf zu produzieren. Das habe ich schon in der 6.Klasse versucht meinem Staatsbürgerkundelehrer zu erklären.
Selbst Lenin wollte, Privatbetriebe bis zu 50Beschäftigte in Privathand lassen. Dagegen wurden in der DDR in den 70er Jahren auch noch die restlichen Privatfirmen verstaatlicht. Jegliche Private Wirtschaftsinitiative wurde konsequent behindert. Durch den Zusammenschluß zu Kombinaten wurden auch wirtschaftlich autark und gewinnorientierte Betriebe ruiniert , in dem wirtschaftliche Kompetenzen an inkompentente Parteifunktionäre übertragen wurden. Da mußte dieses System zwangsläufig den Bach hinunter gehen.


Ältere Leute sprachen oft von Ulbricht, wenn es mal nichts gab: "Unter Ulbricht gabs alles!" Ob das so war? Hat mit dem NÖSPL zu tun.
http://akademische-blaetter.de/zeitgesch...haftsgeschichte
Theo


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#83

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 09:27
von LO-Wahnsinn | 3.485 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #82
Zitat von Eisenacher im Beitrag #80
Der ideologische Denkfehler der DDR-Genossen, war der Glaube an die Planwirtschaft. Nur eine Marktwirtschaft ist in der Lage, Waren gemäß Bedarf zu produzieren. Das habe ich schon in der 6.Klasse versucht meinem Staatsbürgerkundelehrer zu erklären.
Selbst Lenin wollte, Privatbetriebe bis zu 50Beschäftigte in Privathand lassen. Dagegen wurden in der DDR in den 70er Jahren auch noch die restlichen Privatfirmen verstaatlicht. Jegliche Private Wirtschaftsinitiative wurde konsequent behindert. Durch den Zusammenschluß zu Kombinaten wurden auch wirtschaftlich autark und gewinnorientierte Betriebe ruiniert , in dem wirtschaftliche Kompetenzen an inkompentente Parteifunktionäre übertragen wurden. Da mußte dieses System zwangsläufig den Bach hinunter gehen.


Ältere Leute sprachen oft von Ulbricht, wenn es mal nichts gab: "Unter Ulbricht gabs alles!" Ob das so war? Hat mit dem NÖSPL zu tun.
http://akademische-blaetter.de/zeitgesch...haftsgeschichte
Theo


Ich hörte das von meiner Oma auch immer, dass es unter Ulbricht wirtschaftlich besser war.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#84

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 09:43
von Pit 59 | 10.129 Beiträge

Ich hörte das von meinem Opa auch immer, dass es unter Ulbricht wirtschaftlich besser war.


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#85

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 10:06
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #80
Der ideologische Denkfehler der DDR-Genossen, war der Glaube an die Planwirtschaft. Nur eine Marktwirtschaft ist in der Lage, Waren gemäß Bedarf zu produzieren. Das habe ich schon in der 6.Klasse versucht meinem Staatsbürgerkundelehrer zu erklären.
Selbst Lenin wollte, Privatbetriebe bis zu 50Beschäftigte in Privathand lassen. Dagegen wurden in der DDR in den 70er Jahren auch noch die restlichen Privatfirmen verstaatlicht. Jegliche Private Wirtschaftsinitiative wurde konsequent behindert. Durch den Zusammenschluß zu Kombinaten wurden auch wirtschaftlich autark und gewinnorientierte Betriebe ruiniert , in dem wirtschaftliche Kompetenzen an inkompentente Parteifunktionäre übertragen wurden. Da mußte dieses System zwangsläufig den Bach hinunter gehen.


Eisenacher #80, Der glaube an die Planwirtschaft war m.E. gar nicht mal der Hauptfehler. Geplant wird in den heutigen Unternehmen auch.Was meinst Du, wie wir als Außendienstmitarbeiter schon im Frühsommer Kopfstand machen mußten, um die Umsätze, Gewinn, Neukundenaquise und, und, und für das nächste Jahr aufzustellen und damit wurden wir dann festgenagelt, mit finanziellen Konsequenzen, wenn es nicht so kam. Und das bei einer so turbulenten Wirtschaftsentwicklung wie Du sie im letzten Jahrzehnt auch bemerkt hast. Man kann planen, aber dabei müssen genug Reserven auch im bewältigen von Kapazitätsengpässen als auch Überkapazitäten vorhanden sein. Damals konnte man nicht einfach mal schnell einige hundert Arbeitnehmer in Kurzarbeit schicken oder in Arbeitslosigkeit und bei Enpässen mal schnell ein paar Leiharbeiter anheuern. Was allerdings auch ein fehler war, daß von einigen wenigen Leuten entschieden wurde, ob in der Bevölkerung ein berechtigter Bedarf an einem bestimmten Artikel vorhanden ist oder nicht. Andererseits, wenn ein Artikel einmal im Warenprogramm war, konnte dessen Produktion auch nicht so einfach eingestellt werden, wenn der Bedarf zurückging. Heute wird so ein Artikel einfach aus dem Produktionssortiment gestrichen, wenn er nicht mehr mit Gewinn zu produzieren ist.

Der Zusammenschluss zu Kombinaten war m.E. auch kein größerer Fehler als die Bildung von Konzernen, wenn man überhaupt von Fehler sprechen kann. Vorteil ist, daß innerhalb eines Konzern auch mal eine finanzielle Durststrecke einer Konzerntochetr überwunden wird, wenn diese Tochter zum Kerngeschäft gehört. Nachteil ist, daß eine Tochterfirma auf Gedeih und Verderb vom guten Wirtschaften der Konzernleitung abhängig ist. Da kann man noch so gut sein, wenn es den Aktionären einfällt, ihre Anteile zu verkaufen, weil ihnen irgendjemand mehr dafür bietet oder in der Konzernleitung die falschen Weichenstellungen erfolgten oder die Zugehörigkeit zum Kerngeschäft anders definiert, dann geht auch eine gut wirtschaftende Firma den Bach runter. Da können nur alle Mitarbeiter darauf hoffen, daß sie von einem anderen Konzern zumindest mit einem Teil der Belegschaft übernommen werden. So geschehen jüngst mit meiner Firma und dem zugehörigen Konzern. Von ca. 150 Mitarbeitern wurden etwa ein Dutzend (vorwiegend der Außendienst und ein paar Entwickler) übernommen. 2014 wird der gesamte Produktionsstandort in Rhld.-Pfalz geschlossen. Da einer dieser Glücklichen, mein langjähriger Kollege, mein Kundengebiet und damit auch einen größeren Kunden hier in Erfurt übernommen hat, bin ich da recht gut informiert. Kann froh sein, daß ich die 65 erreicht habe. Gut, wenn ich jetzt erst 62 wäre, könnte ich es auch gelassen sehen.



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#86

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 10:35
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #82
Zitat von Eisenacher im Beitrag #80
Der ideologische Denkfehler der DDR-Genossen, war der Glaube an die Planwirtschaft. Nur eine Marktwirtschaft ist in der Lage, Waren gemäß Bedarf zu produzieren. Das habe ich schon in der 6.Klasse versucht meinem Staatsbürgerkundelehrer zu erklären.
Selbst Lenin wollte, Privatbetriebe bis zu 50Beschäftigte in Privathand lassen. Dagegen wurden in der DDR in den 70er Jahren auch noch die restlichen Privatfirmen verstaatlicht. Jegliche Private Wirtschaftsinitiative wurde konsequent behindert. Durch den Zusammenschluß zu Kombinaten wurden auch wirtschaftlich autark und gewinnorientierte Betriebe ruiniert , in dem wirtschaftliche Kompetenzen an inkompentente Parteifunktionäre übertragen wurden. Da mußte dieses System zwangsläufig den Bach hinunter gehen.


Ältere Leute sprachen oft von Ulbricht, wenn es mal nichts gab: "Unter Ulbricht gabs alles!" Ob das so war? Hat mit dem NÖSPL zu tun.
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Theo


rot mark.
Das halte ich aber für eine unbewiesene Behauptung. Habe die DDR vor allem unter Ulbricht kennengelernt und sage mal, dass das damalige Wirtschaftssystem der Masterplan für eine Mangelwirtschaft war. Die Höchststrafe damals, wie mein Vater sagte, 5 Jahre ohne Beziehung. Das vorhandene Geld war nur noch ein Mittel um oftmals Tauschhandel abzuschliessen oder Ungleichgewichte darin auszugleichen Der Geldwert an sich, den eine gute Währung hat, hatte die ostdeutsche Mark nicht.
Ich will zugestehen, wir haben noch lange Jahre unter den Kriegsschäden gelitten, dazu zähle ich auch die Ausplünderung der ostdeutschen Wirtschaft durch die sowj. Besatzungsmacht. Aber wie es besser und schneller ging, wieder auf die Beine zu kommen, demonstrierten beeindruckend die 3 Westzonen. Die Hilfe durch Marshallplankredite war sicher gut, aber hart arbeiten und wiederaufbauen mussten die Arbeitnehmer in den Westzonen schon selbst, genau wie in der Ostzone. Der Osten hat auch Marshallplan oder ERP Kredite angeboten bekommen hat sie aber abgelehnt, sicher aus politischen Gründen.




.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#87

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 10:44
von Rüganer (gelöscht)
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[quote=DoreHolm|

Eisenacher #80, Der glaube an die Planwirtschaft war m.E. gar nicht mal der Hauptfehler. Geplant wird in den heutigen Unternehmen auch.Was meinst Du, wie wir als Außendienstmitarbeiter schon im Frühsommer Kopfstand machen mußten, um die Umsätze, Gewinn, Neukundenaquise und, und, und für das nächste Jahr aufzustellen und damit wurden wir dann festgenagelt, mit finanziellen Konsequenzen, wenn es nicht so kam. Und das bei einer so turbulenten Wirtschaftsentwicklung wie Du sie im letzten Jahrzehnt auch bemerkt hast. Man kann planen, aber dabei müssen genug Reserven auch im bewältigen von Kapazitätsengpässen als auch Überkapazitäten vorhanden sein. Damals konnte man nicht einfach mal schnell einige hundert Arbeitnehmer in Kurzarbeit schicken oder in Arbeitslosigkeit und bei Enpässen mal schnell ein paar Leiharbeiter anheuern. Was allerdings auch ein fehler war, daß von einigen wenigen Leuten entschieden wurde, ob in der Bevölkerung ein berechtigter Bedarf an einem bestimmten Artikel vorhanden ist oder nicht. Andererseits, wenn ein Artikel einmal im Warenprogramm war, konnte dessen Produktion auch nicht so einfach eingestellt werden, wenn der Bedarf zurückging. Heute wird so ein Artikel einfach aus dem Produktionssortiment gestrichen, wenn er nicht mehr mit Gewinn zu produzieren ist.

Der Zusammenschluss zu Kombinaten war m.E. auch kein größerer Fehler als die Bildung von Konzernen, wenn man überhaupt von Fehler sprechen kann. Vorteil ist, daß innerhalb eines Konzern auch mal eine finanzielle Durststrecke einer Konzerntochetr überwunden wird, wenn diese Tochter zum Kerngeschäft gehört. Nachteil ist, daß eine Tochterfirma auf Gedeih und Verderb vom guten Wirtschaften der Konzernleitung abhängig ist. Da kann man noch so gut sein, wenn es den Aktionären einfällt, ihre Anteile zu verkaufen, weil ihnen irgendjemand mehr dafür bietet oder in der Konzernleitung die falschen Weichenstellungen erfolgten oder die Zugehörigkeit zum Kerngeschäft anders definiert, dann geht auch eine gut wirtschaftende Firma den Bach runter. Da können nur alle Mitarbeiter darauf hoffen, daß sie von einem anderen Konzern zumindest mit einem Teil der Belegschaft übernommen werden. So geschehen jüngst mit meiner Firma und dem zugehörigen Konzern. Von ca. 150 Mitarbeitern wurden etwa ein Dutzend (vorwiegend der Außendienst und ein paar Entwickler) übernommen. 2014 wird der gesamte Produktionsstandort in Rhld.-Pfalz geschlossen. Da einer dieser Glücklichen, mein langjähriger Kollege, mein Kundengebiet und damit auch einen größeren Kunden hier in Erfurt übernommen hat, bin ich da recht gut informiert. Kann froh sein, daß ich die 65 erreicht habe. Gut, wenn ich jetzt erst 62 wäre, könnte ich es auch gelassen sehen.
[/quote]


@DoreHolm,

es ist ja wohl ein riesiger Unterschied zwischen der Planwirtschaft der DDR und der Umsatz – und Gewinnplanung eines heutigen Betriebes oder eines Konzerns.
Die Planwirtschaft der DDR war darauf aufgebaut, dass Betrieb A, der meinetwegen Gebläse herstellte, vorgegeben bekam, im Jahr 200 solcher Gebläse zu bauen. Die standen auf dem Plan dann zur Verfügung für 200 andere Betriebe, vorausgesetzt, jeder dieser Betriebe hatte einen Bilanzanteil von 1 Stück Lüfter. Fiel im 201. Betrieb ein solcher Lüfter aus, war es Essig mit dem Ersatz, der Plan und die Bilanzanteile gaben keinen weiteren Lüfter mehr her...
Dies ist soz. Planwirtschaft, heute dagegen wird sich der 201. Betrieb dann seinen Lüfter eben in einem anderen Land kaufen, wenn deutsche Hersteller ihm keinen anbieten können. Natürlich schreibt auch keine Plankommission, keine staatliche jedenfalls, einem Betrieb mehr vor, was und wieviel er produzieren muss, einzig und allein regelt dies der Verkauf und die Notwenigkeit für eine Firma, Gewinn erzielen zu müssen.
Also schreibe hier nicht, dass wir quasi heute wieder eine Planwirtschaft haben, einfach sachlich nicht richtig.
In einem heutigen Konzern regelt einzig und allein die Ökonomie den Verbleib oder das Abstoßen von Sparten des Geschäftes, ebenso wie sich die Übernahme von Wettbewerbern an diesem Markt regelt. Durststrecken einzelner mag man ja noch kurze Zeit überbrücken, aber dann werden sie, notwendigerweise, schnell abgestoßen. Dies ist leider in den Kombinaten nicht erfolgt, da spielte die Ökonomie nicht diese knallharte und undankbare Rolle, da wurden durchaus schon ideologische Dinge mit hineingemischt, die solche unproduktiven Teile im Verbund verbleiben ließen.


matloh, Gert und Eisenacher haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#88

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 11:01
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Rüganer 87#, ich sehe zwischen Deiner und meiner Ausführung keinen eigentlichen Widerspruch. Jeweils mit anderen Formulierungen ausgedrückt. In unserem Konzern wurde durchaus auch das Wort "Plan" in den Mund genommen. Tut mir leid, aber einen grundlegenden Unterschied in unseren beiden Ansichten sehe ich nicht. Die Planung ist im heutigen System flexibler und weitestgehend unabhängig von staatlichen Vorgaben. Wenn, wie Du sagst, der 201. Betrieb einen Lüfter benötigte, ist ganz sicher eine Lösung gefunden worden, damit der Betrieb nicht zu Stehen kommt. Dann wurden im Herstellerbetrieb Überstunden gemacht, innerhalb des RGW Ersatz gesucht und im Extremfall auch mal Devisen lockergemacht. Und eine Planübererfüllung wurde stets angestrebt.



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#89

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 11:11
von grenzergold | 187 Beiträge

Wir haben zu den Planvorgaben noch einen Gegenplan erstellt.
grenzergold


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#90

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 11:14
von Gert | 12.354 Beiträge

die ganze Diskussion in diesem Thread erinnert mich an meine Kindheit in den 50 er Jahren. Dort wurde ich Zeuge von Gesprächen ehemaliger Wehrmachtssoldaten, die beim Glas Bier den 2. Weltkrieg strategisch neu planten "Hätten wir den Iwan bei Kursk auf die Schnau... gehauen, wäre die Winteroffensive XY ganz anders gelaufen.......... so ging das in einem fort zum Schluss hätten die beinahe den 8.Mai 45 als Tag des Sieges gefeiert.

Alles eigentlich sinnfreie Diskussionen. Es war nicht so, es ist Vergangenheit. Die Kommunisten hatten in D ihre Chance, sie haben sie vergeigt Punktum.



edit fehler


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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zuletzt bearbeitet 31.10.2012 11:16 | nach oben springen

#91

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 11:17
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #88
Rüganer 87#, ich sehe zwischen Deiner und meiner Ausführung keinen eigentlichen Widerspruch. Jeweils mit anderen Formulierungen ausgedrückt. In unserem Konzern wurde durchaus auch das Wort "Plan" in den Mund genommen. Tut mir leid, aber einen grundlegenden Unterschied in unseren beiden Ansichten sehe ich nicht. Die Planung ist im heutigen System flexibler und weitestgehend unabhängig von staatlichen Vorgaben. Wenn, wie Du sagst, der 201. Betrieb einen Lüfter benötigte, ist ganz sicher eine Lösung gefunden worden, damit der Betrieb nicht zu Stehen kommt. Dann wurden im Herstellerbetrieb Überstunden gemacht, innerhalb des RGW Ersatz gesucht und im Extremfall auch mal Devisen lockergemacht. Und eine Planübererfüllung wurde stets angestrebt.


Lieber DoreHolm,

ich kann dir das Beispiel des Lüfters ganz detailliert beschreiben, dafür wurde ein Ferienplatz auf der Insel Rügen geboten und angenommen, denn sonst hätten die hier wahrscheinlich bis zur Wende gewartet, dass da ein Lüfter kommt.
Ich weiß auch nicht, was du da nicht verstehst, wieso du den Unterschied zwischen einer Planwirtschaft, die für das ganze Land gilt und zentralistisch von einer staatlichen Plankommission vorgegeben wird und einer heutigen betrieblichen Planung nicht erkennen willst. 2 paar völlig verschiedene Schuhe. Es wäre so, als wenn heute die Bundesregierung vorschreibt, wie viele Autos BMW produzieren soll... Weil sie auch die Vergabe des Bleches an BMW regelt und demzufolge einem Stahlwerk im Ruhrgebiet vorschreibt, dass dieses exakt die Menge des Stahls für das Blech zu produzieren hat...
So ist es doch wohl heute weiß Gott nicht, DoreHolm


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#92

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 11:19
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von grenzergold im Beitrag #89
Wir haben zu den Planvorgaben noch einen Gegenplan erstellt.
grenzergold



Und ist der Plan auch gut gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen... ( Teil eines Spottgedichtes auf die Planungen )
Und dann war da noch der persönlich schöpferische Plan, der kollektiv- schöpferische Plan,...


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#93

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 11:35
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Rüganer, sagte ich doch, was Du auch meinst. Hier staatlich administrativ vorgegeben, da weitgehend unabhängig innerhalb der Firma/des Konzerns entschieden. Aber geplant wurde überall. Kann zwischen Deiner und meiner Schreibe immer noch keinen grundlegenden Unterschied erkennen.

Übrigens, unser Direktor für Planrealisierung (so hieß das wirklich), erhielt mal einen Brief von irgendeinem anderen Betrieb oder Behörde, in dem er als "Direktor für Planreduzierung" angeredt wurde. Fortan wurde er von den Betriebsangehörigen auch so genannt.



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#94

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 12:13
von matloh | 1.203 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #91
Lieber DoreHolm,

ich kann dir das Beispiel des Lüfters ganz detailliert beschreiben, dafür wurde ein Ferienplatz auf der Insel Rügen geboten und angenommen, denn sonst hätten die hier wahrscheinlich bis zur Wende gewartet, dass da ein Lüfter kommt.
Ich weiß auch nicht, was du da nicht verstehst, wieso du den Unterschied zwischen einer Planwirtschaft, die für das ganze Land gilt und zentralistisch von einer staatlichen Plankommission vorgegeben wird und einer heutigen betrieblichen Planung nicht erkennen willst. 2 paar völlig verschiedene Schuhe. Es wäre so, als wenn heute die Bundesregierung vorschreibt, wie viele Autos BMW produzieren soll... Weil sie auch die Vergabe des Bleches an BMW regelt und demzufolge einem Stahlwerk im Ruhrgebiet vorschreibt, dass dieses exakt die Menge des Stahls für das Blech zu produzieren hat...
So ist es doch wohl heute weiß Gott nicht, DoreHolm

Ich stimme hier vollinhaltlich zu.

Aus meiner Sicht kann eine zentrale Planwirtschaft nicht erfolgreich sein, da die zentrale planende Stelle einfach zu wenig Informationen vom Markt hat. Schließlich ist jede Transaktion am Markt eine Information, z.B. ist der bezahlte Preis jeder Transaktion ein Signal das wieder über Umwege in die Planung einfließt. Steigt z.B. der Preis für ein bestimmtes Produkt, sorgt die "unsichtbare Hand" (vgl. Adam Smith) verhältnismäßig schnell dafür, dass mehr produziert wird oder neue Anbieter auftauchen.
Bei der zentralen Planwirtschaft sind aus meiner Sicht die Signalwege viel zu lang - einerseits in zeitlicher Hinsicht (x-Jahresplan), andererseits in der Anzahl der notwendigen Weiterleitungsschritten (und den damit verbundenen Störeinflüßen - das bekannte "stille Post Spiel").

Hinzu kommt im Kommunismus (oder einer der verschiedenen Spielarten desselben), dass die Anreize (Signale) für hohe Leistung an verschiedenen Stellen im Prozess fehlen bzw. ungenügend ausgeprägt sind. Was z.B. bewegt einen Menschen oder eine Organisation in einem kommunistischen System besonders gut zu sein und besonders viel zu leisten? Der Orden "Held der Arbeit"? Eine ausgewiesene Planübererfüllung? Ein Schulterklopfen des Vorgesetzten? Der Idealismus etwas für die Volksgemeinschaft geleistet zu haben?
Das ist zwar alles toll, aber geht es dem Menschen danach (wirtschaftlich) besser? Bekommt er dann als Belohnung einen goldenen Trabi (und das sofort, nicht erst nach x Jahren Wartezeit) ? Bekommt er dann einen Robotron-Computer geschenkt? Was bekam man wenn man beim Kreisler auftauchte und den Orden "Held der Arbeit" gegen einen zarten Rindslungenbraten umtauschen wollte?

just my 2ct.

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#95

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 13:16
von Rüganer (gelöscht)
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Ein ganz besonderes Beisspiel war das Planen der Ersatzteile aus dem NSW.
In Neuruppin, wo einige Anlagen aus dem NSW ( nicht sozialistisches Wirtschaftsgebiet ) eingesetzt waren, bedeutete dies, Nachdenken darüber, was den an den Anlagen ausfallen könnte und was man unbedingt haben muss, im Gegensatz dazu, was man durchaus auch aus DDR-Mitteln ersetzen könnte. Dann schrieb man das auf, Artikelnummer, Bezeichnung, Stückzahl... 30 – 40 Seiten mit der Schreibmaschine geschrieben, von der Madenschraube mit amerikanischem Gewinde, bis hin zum Flügelrad für eine Pumpe aus dem Werkstoff Titan.
Die armen Sekretärinnen, die diese Listen schreiben mussten, teilweise eben auch noch die amerikanischen Bezeichnungen für das Ersatzteil. Dann hörte man einige Monate nichts mehr von den Listen, irgendwann kam eine Proformarechnung, in der dann Preise standen. Anbei ein Schreiben, dass der Bedarf an Ersatzteilen auf die Summe X zu streichen sei. Also setzte man bei der Anzahl, aber auch bei den Positionen den Stift an und strich solange, bis die Summe X erreicht war. Dann schrieben die Sekretärinnen diese Listen neu, nunmehr aktualisiert. Irgendwann kamen die Ersatzteile und wurden dann gesondert in einem Störreservelager eingelagert, aber wie das im Leben dann immer so ist, dies was man am Lager hat, geht nicht kaputt... dafür anderes und dann war Holland in Not. Irgendwann kam auch dies Teil dann auf dunklen Wegen an, aber oft durfte dies nicht geschehen, also allergrößte Improvisation war angesagt. Alle Planungen waren umsonst...
@matloh
den Menschen in dem Sozialismus ala DDR hat auch nur das Geld bewegt. Den goldenen Trabbi gab es nicht, aber den gebrauchten, der teurer war als der Neuwagen, und das Geld dafür musste man sich beschaffen, Sonderschicht, Verbesserungsvorschläge, ( damals hieß das Neuererwesen) die 300 Piepen für einen „Aktivisten“ fielen da nicht in das Gewicht.
Ich habe mehrere Sonderaktionen geleitet, die alle sehr gut bezahlt wurden, weil sie in den Zeiten stattfinden mussten, wo die Produktion stand. Da ist dann alles bis in das Detail geplant, da ist Material da, da fehlt nichts, weil man ja fertig werden muss. Außer der Genugtuung – denen haben wir mal gezeigt, wie man arbeiten kann – gab es dann Ende der Woche auch Geld auf die Hand.
Ich erinnere mich so gerne an den Kollegen, der die Tanks unseres Säurelagers instand gesetzt hat. Keinem gelang eine Instandsetzung, es gab auch keinen Ersatz der 10000 l Tanks, weil es gab keine Bilanzanteile. So wurde mit immer weniger werdenenden Tanks produziert. Der Mangel der defekten Tanks war, dass aus welchem Grund auch immer, die Emaille innen abgeplatzt war und die Säure und auch die Laugen die Stahlwand zerfraßen und die Technische Überwachung diese Tanks sperrte.
Mein Kollege erinnerte sich an eine Nachkriegsentwicklung, den Topfflicken.
Er fertigte sich 2 Scheiben aus PVC, 12 mm dick, beschaffte sich säurefesten Kitt, dichtete damit innen die beschädigte Emaille ab, legte eine PVC-Platte darüber, nachdem er diese der Tankform angepasst hatte. Von Außen machte er es ebenso und dann zog er eine Schraube dadurch, die er sich aus Titan angefertigt hatte. So etwas hatten wir dort im Werk.
Die TÜ, die technische Überwachung hat die Tanks wieder in Betrieb gehen lassen, die „Topfflicken „ ließen 7 oder 8 Tanks wieder arbeitsfähig werden. Der Kollege verdiente sich dabei das Geld für ein neues Auto sowj. Produktion, keinen Saporosh...
Das Geld und der Ruhm, schaut her, ich habe es gepackt... dies war ein ganz mächtiger Faktor... alles andere war Käse... vor solchen Leuten hat man dann den Hut gezogen.


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#96

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 13:59
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Ja, findige Köpfchen konnten sich mit Neuerervorschlägen ganz schön was dazuverdienen. Als Leiter einer Neuerervereinbarung hatte ich da auch mal gut 2.000,-Mark extra. Da ging es um Wiederverwendung und Verringerung von Rohstoffen, insbes. NSW-Importe und Lösungesmittel, also Erdöl. Das unerwartete Resultat war, daß das Endprodukt mit den Regeneraten sogar bessere Eigenschaften aufwies (Klebkraft, Wärmebeständigkeit) als der Originalklebstoff. Unsere Chemiker fanden dann auch eine Erklärung dasfür.
Für Einsparungen an besonders wichtigen Rohstoffen (NSW-Importe, Energie u.a.) gab es da Multiplikationsfaktoren, die die Vergütung noch mal erhöhten



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#97

RE: Wie wäre die DDR...

in DDR Staat und Regime 31.10.2012 21:09
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Einen lumpigen Geschirrabtropfkorb für die Spüle, waren unsere Planwirtschaftsgenossen nicht in der Lage, zu planen. Es gab ihn einfach nicht. Herstellungskosten geschätzt ca. 2.50M . Erzielbarer Verkaufserlös ca. 25-30M. Aber es gab ihn nicht, weil die Genossen aus der Planungskomission den "Spülkorb" einfach vergessen haben, ihn zu planen. Das ist uneffektive Planwirtschaft.
In einer Marktwirtschaft sucht jeder Unternehmer Marktlücken, um Profit zu machen. Da wird in 4Wochen der Bedarf an Geschirrabtropfkörben gedeckt.
Der Plan wurde erfüllt in der DDR, da haben die Idioten 5000 rosarote Herrenanzüge Grösse 44 produziert, die kein Schwein haben wollte, aber eben keine Herrensakkos Gr.48-52 aus einem hochwertigen Baumwollstoff in dunkelgrau , die der Kunde kaufen wollte.
Planwirtschaft führt zwangsläufig zu Mangel. Mangel zu einem Schwarzmarkt. Schwarzmarkt zur Pleite der Realwirtschaft.
Ist doch gar nicht so schwer.


matloh hat sich für diesen Beitrag bedankt
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