#81

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 17:01
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

DDR 1964 oder so in dem Zeitraum
Das ZDF konnte man in Eisenach nur mit einer speziellen Antenne empfangen. In der DDR gab es nur ein Programm . An der Antennenform konnte man den Verwendungszweck erkennen. Da gab es FDJ-Einsatzkräfte, die haben den Leuten die ZDF-Antennen vom Balkon geklaut oder zerstört. Da haben doch echt Leute an den Türen gelauscht, ob jemand Westfernsehen schaut. Mein Vater war Parteigenosse und beim VPKA Eisenach. Zuhause hatte er eine selbst gebaute Antenne, Sperrholz mit solchen Dreikant-Alublechen und wenn er dachte , das der Nachwuchs schlief, hat er heimlich Westfernsehen geschaut. Die Fernsehkanäle des Westfernsehens waren mechanisch blockiert (5+7 glaube ich , aber das ist schon zu lange her) und wenn unsere Eltern mal zu einer Feier waren , haben wir heimlich Westfernsehen geschaut. Einer hat die Antenne gehalten und die anderen haben den Klassenfeind gesehen (mit Schneesturm)
Dann hatten mein Vater einen neuen Fernseher besorgt, aber er hatte Angst Ärger zu bekommen das er jetzt ein Kapitalist ist , weil er 2 Fernseher hat. Da wurde der alte Fernseher im Nähschrank versteckt , damit ein zufälliger Besucher nicht sieht, dass wir jetzt 2 Fernseher haben. Der Nachbar in Parterre war übelste Sorte. Ein echter Klassenfeind. Von dem wussten alle, das er Westfernsehen guckt. Was sollte man auch bei dem Namen Schulz anderes erwarten. Ich kam als Kind aber ganz gut mit ihm aus. 10Pfennig für Pfefferminz habe ich immer abgestaubt, wenn ich ihm 10 Zigaretten Jubilar in der Papiertüte in der nächsten Kneipe gekauft habe. Damals wurden die Zigaretten auch noch einzeln verkauft.
Die Umfragen in Schulen, ob jemand Westfernsehen zu Hause sieht , kenne ich auch. Auch wurden Kinder in den ersten Klassen befragt , ob jemand in die Kirche geht. Da gab es dann gleich ein Häkchen extra in der Akte.
Meine schönen originalen Pelikan-Kugelschreiber aus dem Westpaket und meine Matchboxautos durfte ich offiziell nicht mit in die Schule nehmen. (Habe ich, trotzdem stolz meinen Klassenkameraden gezeigt)
Man muss aber bei allem auch immer die Zeit sehen , worüber wir hier schreiben. In der DDR gab es ja auch Änderungen und Erfahrungen aus den 60er Jahren ,sind andere als in den 70er oder 80er.

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“


zuletzt bearbeitet 15.10.2012 17:17 | nach oben springen

#82

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 17:28
von Ecki | 408 Beiträge

Meine Lieben,

im Zusammenhang erlaube ich mir, einen Auszug aus meinem künftigen Romanwerk wiederzugeben:

Auch in unserer Familie war der für DDR-Bürger typische Zwiespalt zwischen dem Offiziellen und dem Privaten vorhanden. So sahen wir „Westfernsehen“. Allerdings richtete sich unsere Aufmerksamkeit weniger auf die so beliebten Unterhaltungssendungen wie „Der blaue Bock“ oder „Einer wird gewinnen“ sondern mehr auf politische Sendungen, genannt seien „Panorama“ und „Kennzeichen D“, in denen die westdeutsche Gesellschaft auch durchaus kritisch bewertet wurde. Der Empfang des westdeutschen Fernsehprogramms war mit technischen Schwierigkeiten verbunden. Zum einen gab es die hierfür erforderlichen Antennen nicht im Handel. Ausweg war Selbstbau, aus zwei Aluminiumschienen, die auf einem Brett befestigt und an welche die Empfangskabel angeschlossen waren. Zum anderen konnte man die Antenne nicht einfach auf dem Dach montieren, das machte niemand, es wäre zu auffällig gewesen. Also wurde die Antenne in der Bodenkammer installiert und von dort an der Hauswand die Kabel bis zum Fernsehgerät geführt. Eine Schwierigkeit bestand darin, dass die Antenne genau auf den Fernsehsender, der sich auf dem Ochsenkopf im Fichtelgebirge befand, ausgerichtet sein musste, um einen akzeptablen Empfang zu bekommen. Hierzu wurden alle Türen vom Fernsehgerät bis zur Bodenkammer geöffnet. Vater begab sich in die Bodenkammer und Mutter saß vor dem eingeschalteten Gerät. Vaters Aufgabe bestand darin, die Antenne zu bewegen und Mutters Aufgabe war es, bei einem einigermaßen guten Bild und Ton so laut wie nötig und so leise wie möglich nach oben „Jetzt ist es gut“ zu rufen. Westdeutsche Radiosender gehörten ebenfalls zum Repertoire, vor allem der Deutschlandfunk. Im Zuge der ab 1962 aufkommenden Beat-Welle hörte ich besonders die Sendung „Schlagerderby“. Extrem spannend war, ob die Beatles oder die Rolling Stones den ersten Platz belegten (ich war Beatles-Fan). Weiterhin kamen, wegen der tollen Beat-Musik, noch Radio Luxemburg, der Deutsche Soldatensender und der Freiheitssender 904 dazu. Die beiden letztgenannten allerdings waren, wie ich später erfahren habe, Agitationssender der DDR für die Bundesrepublik.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


zuletzt bearbeitet 15.10.2012 17:42 | nach oben springen

#83

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 17:31
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Hallo Ecki

Dann kannste Deinem Roman auch meinen Namen geben Passt alles.


nach oben springen

#84

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 18:50
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Auch an die Hitparade von Radio Luxemburg kann ich mich erinnern. Da sind wir langhaarigen Verräter der Arbeiterklasse mit karierten Schlaghosen, mit einer Kofferheule vom Ausmaß eines Bierkasten gegen 13-15Uhr losgezogen und zur Wartburg gewandert und haben dem Klassenfeind gelauscht. Das Kofferradio wurde auf der Schulter getragen, wegen dem Eigengewicht, aber die Batterien haben die Hitparade durchgehalten. Wir waren die übelste Sorte , aber es hat doch irgendwie Spaß gemacht, die Schönheit der deutschen Landschaft unter den Klängen westlicher dekadenter Musik zu erkunden. Der Soldatensender 904 hatte immer verschlüsselte Infos für die Agenten gebracht, soweit ich mich recht erinnere.


zuletzt bearbeitet 15.10.2012 18:51 | nach oben springen

#85

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 18:57
von Diskus303 | 485 Beiträge

Hallo Dore Holm,
weil es gerade so schön passt: nicht nur der Walter war nicht gut auf das Yea, yea, yea zu sprechen auch sein späterer Tronstürzer und -folger, der Erich stimmte Agitations und Propagandagemäß mit ein, wie hier schön zu hören und zu sehen ist...


Ansonsten: in meiner Lehrzeit in Karl-Marx-Stadt (1975-1977) gab es einen Ausbilder, der als Jugendlicher genau diese Zeit (Anfang bis Ende der 60-ger erlebt hat) Und die Stories die der erzählte wollen so gar nicht zu Deinem hier Geschriebenen passen: Da wurden "diese Langhaarigen, zotteligen Jugendlichen von der Strasse geholt, um Ihnen dann zwangsweise einen ordentlichen Haarschnitt zu verpassen oder/und es wurden die erkennbaren Westantennen von den Häuserdächern, Fensterrahmen und Balkonen "abmontiert" und zerstört...und das alles von den damalige Blauhemden.
Auch die Westantenne, die bei uns zu Hause- es muß so 1965/ 1966 gewesen sein - wurde von Vaddern nur hinter der Gardine aufgestellt (da unsichtbar für eventuell allzu neugierige Blicke). Und irgendwas irgendwo erzählen??? Das war von Haus aus verboten !!
Auch was Du bezüglich deines Wehrdienstes bezüglich des Westsenders hören erzählst: Zu meiner Zeit (1978-1979) war es uns verboten (!) Westsender zu hören oder zu sehen! Vorhandene Radios mußten beim KC (?) angemeldet, genehmigt und mit Aufklebern der Ostsender markiert sein. Und wehe dem die Scalanadel war an einer anderen Stelle als der Markierten: Dann war das Radio bis Wehrdienstende weg (Weil eingezogen).


Gruß Axel
zuletzt bearbeitet 15.10.2012 19:17 | nach oben springen

#86

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:13
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

1979/1980 waren für Privatradios bei uns(1.LVD Preschen) Sondergenehmigungen nötig. Max. 1Radio je Zimmer. Die Senderskala wurde markiert. War bei uns an der polnischen Grenze relativer Blödsinn. Da gab es sowieso keinen guten Westempfang. Mein Bruder wurde strafversetzt von Erfurt nach Potsdam, weil er die Westfernsehblockade am Kanalwähler geknackt hatte. Das war Mitte der 70er
Da sitzen die Genossen, inklusive KC und Parteisekretär einvernehmlich und andächtig im Clubraum beim Fernsehabend beieinander und schauen einen spannnenden Film. Alle sind glücklich. Bis die Tagesschau kommt....


zuletzt bearbeitet 15.10.2012 19:14 | nach oben springen

#87

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:15
von Diskus303 | 485 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #86


... Bis die Tagesschau kommt....


Nicht schlecht ...


Gruß Axel
nach oben springen

#88

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:34
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

#85, Diskus 303, ja, ich sagte es schon, die Erlebnisse sind eben unterschiedlich und ich hatte wohl das Glück, schon beizeiten meist mit relativ liberalen Leuten zu tun gehabt zu haben. Mir geht es so, wenn meine Frau erzählt, was Ende der 70er und noch in den 80ern in ihrer Firma in bernburg abgelaufen ist. Da konnte ich nur den Kopf schütteln bei so viel Blödsinn, der da von Führungskräften (BGL, PL) losgelassen wurde.



nach oben springen

#89

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:40
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #84
Der Soldatensender 904 hatte immer verschlüsselte Infos für die Agenten gebracht, soweit ich mich recht erinnere.
Mein lieber Eisenacher,

ich erlaube mir höflichst darauf hinzuweisen, dass es den "Deutschen Soldatensender" und den "Freiheitssender 904" gab. Beide sendeten nur zu bestimmten Zeiten; wenn der eine nicht sendete dann der andere. Wahrscheinlich, weil beide aus dem gleichen Funkhaus der Stasi kamen. Das mit den verschlüsselten Informationen stimmt bei beiden, so etwa "Achtung: Rolf teilt mit, dass die Störche eingeflogen sind".

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#90

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:49
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Unser Politnik kam immer in Argumentationsnot, wenn wir in der Kompanie den Deutschen Soldatensender hörten, da jeder wußte, daß das ein DDR-Sender war. Es wurde dann i.d.R. geduldet, zumind. wurde niemand dafür bestraft.



nach oben springen

#91

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:54
von Weichmolch (gelöscht)
avatar

Zitat von Ecki im Beitrag #89
[Wahrscheinlich, weil beide aus dem gleichen Funkhaus der Stasi kamen. Das mit den verschlüsselten Informationen stimmt bei beiden, so etwa "Achtung: Rolf teilt mit, dass die Störche eingeflogen sind".

Liebe Grüße

Ecki


Das ist falsch.

Weichmolch


nach oben springen

#92

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:57
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Radio Luxemburgs Hitparade und die Schlagersendung oder Hitparade eines der beiden "Stasisenders" waren jedenfalls zeitlich abgestimmt. Wir haben immer alle beide der Reihe nach gehört. Jedenfalls, wenn mich meine Erinnerungen nicht im Stich lassen. Die seltsamen Sprüche waren immer interessant. Machmal wurden auch nur Zahlencodes durchgegeben. Das war aufregend. Kam die Hitparade nun eigentlich Samstag oder Sonntags?


nach oben springen

#93

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 19:58
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Zitat von Weichmolch im Beitrag #91
Zitat von Ecki im Beitrag #89
[Wahrscheinlich, weil beide aus dem gleichen Funkhaus der Stasi kamen. Das mit den verschlüsselten Informationen stimmt bei beiden, so etwa "Achtung: Rolf teilt mit, dass die Störche eingeflogen sind".

Liebe Grüße

Ecki


Das ist falsch.

Weichmolch


Dann kläre uns bitte auf. Wir wollen ja nicht dumm sterben.

Ich kann mich noch daran erinnern, das immer die Sendezeiten mitgeteilt wurden , so nach dem Prinzip. Wir senden täglich von 8.15-8.45 10.20uhr -11.30 usw . auf Mittellwelle 904Kilohertz oder so ähnlich, der andere kam auf 935Kilohertz


zuletzt bearbeitet 15.10.2012 20:05 | nach oben springen

#94

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 20:02
von Weichmolch (gelöscht)
avatar

Die Sender entstanden auf Beschluß des Nationalen Verteidigungsrates und unterstanden der Politischen Hauptverwaltung der NVA.
Das MfS hatte damit nichts zu tun.

Weichmolch

PS: Es gibt sogar seit fast 3 Jahren einen Nachfolgesender, der ehem. Militärführung bekannt und der ehem. Abwehr unterstellt.


zuletzt bearbeitet 15.10.2012 20:03 | nach oben springen

#95

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 20:07
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Weichmolch im Beitrag #94
Die Sender entstanden auf Beschluß des Nationalen Verteidigungsrates und unterstanden der Politischen Hauptverwaltung der NVA.
Das MfS hatte damit nichts zu tun.

Weichmolch

PS: Es gibt sogar seit fast 3 Jahren einen Nachfolgesender, der ehem. Militärführung bekannt und der ehem. Abwehr unterstellt.
Mein lieber Weichmolch,

da die Politische Hauptverwaltung der NVA mit Sicherheit vom Schild und Schwert kontrolliert und gemaßregelt wurde ist dies eh egal.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


nach oben springen

#96

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 20:13
von Weichmolch (gelöscht)
avatar

Zitat von Ecki im Beitrag #95

da die Politische Hauptverwaltung der NVA mit Sicherheit vom Schild und Schwert kontrolliert und gemaßregelt wurde ist dies eh egal.

Liebe Grüße

Ecki



Sicher? Bestimmte nicht Kennedy die Handlungen von Chruschtschow, der wieder KGB und die die Stasi? Also, Kennedy wars.

Weichmolch.


nach oben springen

#97

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 20:18
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Uns war es damals egal wer die Sendungen finanziert hat. Ich glaube, wenn wir gewußt hätten, das uns die Stasi, Top-Westmusik spendiert , wären wir vielleicht noch glücklicher gewesen. Mit soviel Fürsorge des Staates, für uns abgefahrene Gestalten, haben wir nun wirklich nicht gerechnet.
Da ergibt Mielkes : Ich liebe euch doch alle , doch noch ein anderes Gewicht.


nach oben springen

#98

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 20:55
von Ecki | 408 Beiträge

Zitat von Weichmolch im Beitrag #96
Zitat von Ecki im Beitrag #95

da die Politische Hauptverwaltung der NVA mit Sicherheit vom Schild und Schwert kontrolliert und gemaßregelt wurde ist dies eh egal.

Liebe Grüße

Ecki



Sicher? Bestimmte nicht Kennedy die Handlungen von Chruschtschow, der wieder KGB und die die Stasi? Also, Kennedy wars.

Weichmolch.
Mein lieber Weichmolch,

nicht ganz. Richtig ist: Georg Bush bestimmte die Handlungen von Gorbatschow, der wieder KGB und die die Stasi. Also, George Bush wars.

Liebe Grüße

Ecki


Gott sei Dank!


zuletzt bearbeitet 15.10.2012 20:58 | nach oben springen

#99

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 22:12
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zehn Jahre nach der Wende trafen zwei unversöhnliche Gegner inmitten einer zuweilen recht offen pöbelnden Zuschauermasse aufeinander.
http://www.youtube.com/watch?v=qflezPGufwI&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=zFxFU9_Md1E&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=aPOpWwFpI4o&feature=relmfu
Schnitzlers Einlassungen zu Gewaltenteilung, freien Wahlen oder Rechtsradikalismus sind zwar altbacken formuliert aber eben tagesaktuell.
Die Meinung, daß Wahlen eben doch nichts ändern mag sehr unpopulär sein, aber sie ändern zumindest nichts daran, daß Karten eben nicht neu gemischt werden, wenn eine neue Regierung antritt- zu endgültig ist die Verteilung des Wohlstandes in dieser Republik.
Sich inmitten eines solchen Publikums mit seinen böswilligen Unterstellungen und primitiven Anfeindungen zu begeben und Lummers platte Anmache zu ertragen dokumentiert schon eine enorme Leidensfähigkeit und Beherrschungsvermögen von Schnitzler, der im Prinzip über die ganze Sendung hinweg niemals persönlich wurde und sich verbal auf ein solch jämmerliches Niveau hinunter begab.
Schnitzler gab sogar Fehler zu ("die kommen in jedem Staat vor") äußerte sich zu Aspekten der sowjetischen und bundesdeutschen Außenpolitik denn niemand kann wissen, worüber Chruschtschow und Adenauer wirklich gesprochen haben im Zusammenhang mit dem Kalten Kriegsgeschehen auf deutschen Boden.
Angesichts der wüsten Attacken, die Schnitzler abzuwehren hatte, muß man sich nicht mehr wundern, daß jeder Ansatz zur Selbstkritik seitens des DDR- Chefagitators im Keim erstickt wurde.
Das Kontrastprogramm des Ex- Stasi- Offiziers, der in DDR- Archiven recherchierte mit der Konsequenz, daß er für seinen damaligen Einsatz an der Ideologiefront gar nicht belangt werden könne tat mindestens genauso weh wie die beinahe gleichlautende Selbstzerfleischung von Schabowski, nur daß letzterer wenigstens noch zu Selbstkritik fähig war.
Ganz nebenbei ein wirklich erstklassiger Moderator, der diese explosive ideologische Mischung sehr gut im Griff hatte, alle Achtung Herr Hoppe.



nach oben springen

#100

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 28.10.2012 22:22
von Vorwendezeittouri | 142 Beiträge

Wurde der "Schwarze Kanal" geschaut im Fernsehen? Oder eher die BRD-Sendung "Kennzeichen D"? "Kennzeichen D" habe ich damals oft geschaut, deutsches aus ost und west, wie es hieß, da konnte ich mir damals schon vor 1987 ein Bild von Ostdeutschland machen, dank der Sendung! "Schwarzer Kanal" mit dem "Sudel-Ede" (wie er bei uns umgangssprachlich hieß), konnte ich nicht schauen, da nicht direkt an der innerdeutschen Grenze gewohnt, denn nur dort war auch in der BRD das Fernsehen der DDR empfangbar!


"Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!" (Fehlfarben, 1980)
nach oben springen



Besucher
13 Mitglieder und 43 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 656 Gäste und 44 Mitglieder, gestern 3638 Gäste und 176 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14373 Themen und 558544 Beiträge.

Heute waren 44 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen