#61

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 12:34
von LO-Wahnsinn | 3.485 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #51
Der erste Silberstreif, gerade entdeckt: Angela Merkel, Rede vom 12.10.12 Wahlkampf Stuttgart
http://www.youtube.com/watch?v=-Tp-AspPvmg
www.youtube.com/watch?v=mQIkxvHluwk

Vielleicht ist die nächste Wende näher, als wir alle denken.


Merkel ist da am falschen Ort, dieser Ort ist wegen Stuttgart21 wenig repräsentativ für die Gesamtstimmung, da der Volkszorn wegen S21 dort zu hoch ist.
Nach dem Protest steigen sie wieder in ihre Mercedes und fahren ins Einfamilienhaus.
Protest auf einem hohen Niveau.

Der Film wo sie spricht, ist klar ersichtlich bearbeitet.
Bild und Ton stimmen nicht überein.
Hinzu, wurde offenbar aus weiterer Entfernung aufgenommen und Merkel heran gezoomt, sonst hätte man mehr Bildbreite und man würde von Merkels Rede mehr hören.
Der Film ist vorn und hinten nicht stimmig.
Ich will Merkel und die Politik nicht verteidigen, aber die Macher des Films, oder die Bearbeiter, oder wer auch immer, sollten schon bei der Wahrheit bleiben.
Lustig auch, wie sich Bürger der Pleiteländer da auf YT als Kommentatoren einklinken und ein neues Feindbild bauen, statt mal den Dreck weg zu schaufeln, den sie über die letzten 10-15 Jahre in ihren Ländern selber angehäuft haben, während sie satt und fett in der Sonne lagen und auf pump gelebt haben, den neuen Wohlstand verprasst und für noch mehr schnelles Geld falsch angelegt haben statt Sicherheiten anzulegen.

Ich denke wenn Karl E. heute in Stuttgart auftreten würde, würde er wie ein Held gefeiert.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#62

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 13:44
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

An den Konflikt SU - China kann ich mich auch erinnern. Es hieß damals, die SU hätte ohne großes Gefecht und ohne nenneswerte Opfer die Chinesen in einer Blitzaktion vertrieben. Es soll sich um eine chemische Waffe gehandelt haben, bei der die Chinesen sehr schnell eingepennt seien und die Russen sie dann nur noch aufsammeln brauchten. Könnte sein, daß es ein ähnliches Mittel wie vor einigen Jahren in einem Kino in Moskau eingesetzt, wo Islamisten mit Sprengstoffgürteln eingedrungen waren. Aber ich will hier nicht vom Thema abschweifen. Also zurück zu Karl-Eduard.



nach oben springen

#63

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 20:25
von Kimble | 397 Beiträge

Weil es so schön paßt, Zitat aus Biermann's Ballade von den verdorbenen Greisen:

"He Schnitzler, du elender Sudel-Ede, Sogar wenn Du sagst: Die Erde ist rund, ja dann weiß jedes Kind: Unsre Erde ist eckig"

Ich sag mal, viele haben doch nur geguckt weil man so schön unterhalten wurde.
Niedere Bedürfnisse wurden befriedigt als da wären Mißgunst, Schadenfreude, Rechthaberei und über andere schlecht daherreden.

Die allermeisten haben bestimmt nur so gerne beim Ede reingezappt, weil sie selber kein West gucken konnten/durften und es dort
wenigstens ein paar klitzekleine Bröckchen Westfernsehen frei Haus gab.

Andere die selber Westfernehen hatten haben bestimmt geguckt, um für sich abzuhaken:
die Sendung aus dem der Ausschnitt X war hab ich selber gesehen, oder eben nicht.

Die gewünschte Wirkung ist bei der Masse der Zuschauer wohl nicht eingetreten, schade um die viele Zeit und die Kosten.


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
zuletzt bearbeitet 14.10.2012 20:26 | nach oben springen

#64

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 20:44
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Kimble, na klar hatte EvS polarisiert, aber daß die allermeisten, wie Du schreibst, den Kanal nur geguckt haben, um mal ein paar Brocklen Westfernsehen abzubekommen, weil sie sonst diese Sender nicht empfangen konnten, halte ich schlichtweg für Unsinn. Die allermeisten haben Westfernsehen bekommen, auch wenn es mit allerlei Tricks war, wie besonders hohe Antennenmasten. Und die Westfernsehen hatten, haben es aus Interesse oder gar nicht angeguckt. Wer die Sendung nicht mochte, hat sie sich auch nicht regelmäßig reingezogen, auch nicht als Alibi, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Westfernsehen gesehen haben, war spätestens seit Ende der 60er kaum noch erwähnenswert und Vorgesetzte, die das noch interessiert hätte, konntest Du von ihrem geistigen Niveau her in der Pfeife rauchen.



nach oben springen

#65

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 20:52
von Jawa 350 | 676 Beiträge

Was für eine Reaktion bei dem Namen Karl-Eduard von Schnitzler !?

Er war kein Dummer - die Westmedien haben manchmal Gift & Galle gespuckt !
Irgendjemand hat einmal gesagt; wenn Dich Deine Feinde loben, da hast Du etwas falsch gemacht !

Mir hat auch seine Sendung besonders gefallen, wo er gezeigt hat wie die Westmedien Ihn betitteln.

Bei Ihm war es wie mit dem MFS er war einfach besser wie die anderen!


MfG
Jawa350
frank hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#66

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 21:55
von Carolus (gelöscht)
avatar

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen Herrn von Schnitzler persönlich erleben zu dürfen. Als Technischer Einkaufsleiter unseres Unternehmens, dass weitgehende Kontakte zur DRR unterhielt, war ich pro Monat für eine Woche in der DDR. Überwiegend im Palast Hotel in Ost-Berlin. In der Piano Bar(nur fur Valuta-Zahler) brach,etwa im Sommer 1989, eines Abends lautstark eine Gruppe von 4 neuen Gästen ein. Einer von ihnen, auch für Westbürger unverkennbar, KEvS. Alle waren alkoholisiert und diskudierten über eine vorhergehendeTagung ,verstanden habe ich nicht viel.Man orderte schottischen Wiskey,die Flasche blieb am Tresen stehn. Die Herren bedienten sich reichlich. In Erinnrung bliieb mir der Spruch von KEvS, als er das Glas hob, um seinen Begleitern zuzuprosten (sinngemäss) " Geniesst die letzten Züge des Sozialismus, die Zukunft wird für uns grausam sein. Hoffentlich steinigen sie uns nicht. Hoffentlich hab ihr eure Zukunft in trockene Tücher. Ich hab meinen Arsch frei":

Dann verlies man die Bar. Gezahlt hat niemand. Mein Stellvertreter und und ich haben noch eine leckere Drinks (gemeinsam mit der Bedienung ) genommen. Bezahlt haben wir nichts. "Zahlt alles die Partei" meinte die Bedienung und setzte 2 Flaschen auf das Sonderkonto.

Wasser predigen und Wein trinken.

Gruss
Michael


nach oben springen

#67

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 22:41
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #43
Zitat von frank im Beitrag #42
na klar , die wahrheit kam 'per' fernsehen !!!


Ja frank ich weiss du hörst das nicht gern aber im Gegensatz zu uns, gab es im Westen sowas wie freie Medien, vielleicht nicht immer aber bestimmt zu 90% mehr wie in der DDR.



Frei waren die Medien damals im Westen auch nicht. Privatsender kamen erst viel spaeter. ARD und ZDF sind "oeffentlich rechtliche" Medienanstalten, d.h. sie sind staatlich. Wohl freier als die DDR Medien, aber trotzdem regierungsabhaengig.


nach oben springen

#68

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 22:46
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Und die Privatsender sind insofern frei, wie die Inhaber es zulassen und die stehen i.d.R. der CDU näher als der SPD oder gar den Grünen. Berichterstattung erfolgt heute genauso tendenziös wie früher. Da wird gern mal was Mißliebiges weggelassen und etwas Passendes herausgehoben. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, um weiter glaubhaft zu bleiben.



Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#69

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 23:43
von 94 | 10.792 Beiträge

Rethorisch hatte er's schon irgendwie drauf, da ist der Vergleich mit dem Doktor mal nicht sooo weit hergeholt. Aufgefallen ist mir dies erst, als ich begann regelmäßiger den Kanal zu gucken. Das war aber erst ab 88 der Fall,als der Westempfang freigegeben wurde. Ich hatte damals mit unserm 680 eine 'Privatwette' zu laufen, jeder benannte drei Beiträge aus dem einschlägigen Programm der ehemaligen Feindsender der letzten Woche, welche seiner Meinung nach in der aktuellen Sendung auftauchen. Nach Punkten hatte der Politruk die Nase weit vorne, und trotzdem hatte ich viel Freude an diesem Spiel.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


nach oben springen

#70

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 14.10.2012 23:53
von Duck | 1.741 Beiträge

Ich glaube Karli-Boy hätte sich gefreut, dass wir uns mittlerweile schon ganze zwei Tage mit ihn befassen und ihn zum Thema machen. Also wenn ich ehrlich bin freiwillig habe ich den Typ nie gesehen. Pflicht war nur in der Schule (Staatsbürgerkunde) oder später bei den GT im Politunterricht. Die einzige Politsendung die mir später gut gefallen hat, sie kam allerdings nicht aus dem Osten und ist mit Karli auch nicht zu vergleichen, war Kienzle & Hauser.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


nach oben springen

#71

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 10:04
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

"Kennezichen D - Deutsches aus Ost und West", war eine Sendung des Westens, die ich ebenfalls sehr gern gesehen hatte



nach oben springen

#72

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 12:38
von furry | 3.562 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #71
"Kennezichen D - Deutsches aus Ost und West", war eine Sendung des Westens, die ich ebenfalls sehr gern gesehen hatte

...und hinzuzufügen wären noch Monitor, Panorama. Und was die uns nicht erklärt haben, das kam dann von Dieter Hildebrandt.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
nach oben springen

#73

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 13:27
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Ein einziges Mal war der "schwarze Kanal" eine gern gesehene Sendung.
Wie das?

Am 15. September 1965 spielte in der Waldbühne Berlin-West eine Gitarrrengruppe mit dem Namen Rolling Stones ......

Der entsetzte Bericht der SFB Abendschau am Folgetag:


(Das ist der damalig Originalkommentar vom SFB)

Lieferte Karl Eduard eine Steilvorlage um in seiner Sendung gegen die Verderbtheit der Jugend im allgemeinen und besonders durch diese imperialistische Beatmusik zu wettern welche als die Wurzel allen Übels erkannt und gebrandmarkt wurde.
Da auch noch kurze Konzertmitschnitte, von anderen Konzerten, eingeblendet wurden um zu illustrieren wie solche falschen Idole mit "zottigen Haare bis zum abgestoßenen Hemdkragen, verbeulten Hosen und Zigarette im Mundwinkel" (Zitat: Kronenzeitung Wien 1965, 16. September) überhaupt aussahen war es für uns ein Fernsehereignis, weil wir einen Blick auf auf diese Band werfen konnten.

Zu der Zeit lief gerade in Leipzig die zentrale Messe der Meister von Morgen, kurz MMM, und wir mußten an einem Vormittag als Schulklasse dorthin.
Auf einem Ausstellungsstand waren Fernseher aufgebaut und da lief gerade die Wiederholung der Sendung im Vormittagsprogramm.
So schaute fast eine gesamte Schulklasse begeistert den schwarzen Kanal, allerdings auch nur den Teil welcher sich mit dieser verruchten Musik beschäftigte.

Sechs Wochen später war die Beatmusik in der DDR weitgehend verboten und dem verderbenden Einfluß von Mick Jagger und seine vier Heulboys oder Heulfritzen (ebenfalls Kronenzeitung 1965) auf die DDR Jugend ein Riegel vorgeschoben. Die Jugend der DDR konnte sich wieder ihrer natürlichen Bestimmung zuwenden um unter anderem in der Volkskunstbewegung Freude, Erholung, Bildung und ästhetische Befriedigung suchen und finden, wenn sie nicht gerade den Sozialismus aufbaute.........

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#74

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 13:46
von furry | 3.562 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #73

Sechs Wochen später war die Beatmusik in der DDR weitgehend verboten und dem verderbenden Einfluß von Mick Jagger und seine vier Heulboys oder Heulfritzen (ebenfalls Kronenzeitung 1965) auf die DDR Jugend ein Riegel vorgeschoben. Die Jugend der DDR konnte sich wieder ihrer natürlichen Bestimmung zuwenden um unter anderem in der Volkskunstbewegung Freude, Erholung, Bildung und ästhetische Befriedigung suchen und finden, wenn sie nicht gerade den Sozialismus aufbaute.........

Gruß
Nostalgiker


Sechs Wochen später, am 30. Oktober, war von den Rolling Stones eine Aufzeichnug im Beat-Club (Radio Bremen) zu sehen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
nach oben springen

#75

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 13:53
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Na, Nostalgiker, übertreibst Du da nicht ziemlich, wenn die Beatmusik nach dem Waldbühnenereignis weitgehend verboten gewesen sein soll ? Unter welchem drittrangigen Kreissekretär hast Du denn gelebt ? An ein weitehendes Verbot kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Es wurde nicht gern gesehen und dagegen polemisiert, das war´s dann aber von offizieller Stelle auch. Ich schließe nicht aus, daß es sog. "150 %ige" mit Befugnissen gab, die hier in vorauseilendem Gehorsam ideologischen Schaden angerichtet haben. Die Beatles-Songs wurden auch gespielt, wenn auch nicht auf großen Bühnen. Von 63 bis 65 war ich in Leuna in Lehre (damals wurde auch der Western "Die glorreichen Sieben" in den Kinos gezeigt). Das war zwar vorher, aber ich kann mich an einen offiziell als "Twistabend" angekündigten Tanzabend in einem dortigen Klubhaus mit einer Band erinnern. Jeder zweite Tanz war ein Twist und das waren ja nahezu alles Schlager aus dem Westen. Twist und Boogie haben wir 1962 offiziell auch in der Tanzschule gelernt und Rock´n Roll habe ich damals auch getanzt, ohne daß ein Saalaufpasser eingeschritten wäre. Also ganz so mit den Verboten wird es nicht gewesen sein. Kann mich aber noch daran erinnern, daß es in Erfurt eine Band gab, die sich die "Orions" nannten und deren Erkennungsmelodie die der gleichnahmigen Filmserie "Raumpatroullie Orion" war. Irgenwann spielten sie diese Melodie nicht mehr und ein Bandmitglied sagte mir auf meine Frag weshalb nicht, daß es ihnen verboten worden wäre.



nach oben springen

#76

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 15:06
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@DoreHolm

um Deine Erinnerung ein wenig aufzufrischen:



aus einem Beitrag eines "drittrangigen" Sekretärs auf dem 11. Plenum des ZK der SED, in die Geschichte als das unrühmliche "Kahlschlagsplenum" hinsichtlich des gesamten kulturellem Spektrums der DDR eingegangen.

Auf Anregung Erich Honeckers im Oktober 1965 sollen die “staatlichen Finanzorgane” nach Steuerhinterziehung bei den Gruppen fahnden, mit dem Ziel, den Musikern die Lizenz zu entziehen.

Dankbar griffen die Genossen im Bezirk Leipzig die Empfehlung auf und verbieten sofort 44 Amateurbands „auf Lebenszeit”.
Ähnlich wurde auch in anderen Bezirken verfahren.
Ist es das was Du mit den Worten "das war's dann aber auch" umschreibst.

Auch wenn es jetzt etwas vom Ursprungsthema abgleitet, hier mal eine kurze Zusammenfassung der damaligen Zeit nach dem Buch "Beat in der Grauzone", DDR-Rock 1964 bis 1972, Politik und Alltag, BasisDruck Verlag 1993, ISBN: 978-3-86163-063-0:

Mit dem Siegeszug der Beatles 1964 hielt auch eine Veränderung in der Musiklandschaft Ostdeutschlands Einzug. Die Faszination des Beat gründete sich auf dem Bruch mit den Konventionen bisheriger Tanzmusik.
Zu Beginn der 60er Jahre kam es in der DDR zu zaghaften Reformüberlegungen hinsichtlich der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielsetzungen.
Die Jugendkommission beim ZK der SED verabschiedete 1963 ein Kommuniqué unter dem Titel „Der Jugend Vertrauen und Verantwortung”.
Eingefordert wurden neben dem Zugeständnis der Mündigkeit, ohne Gängelei und Administrieren, das Zugeständnis zu großzügigeren Freiheiten, für Toleranz und Individualität. Dies wirkte sich natürlich auch auf den Musiksektor aus, ohne jedoch das Leitbild des arbeitsamen und linientreuen Jugendlichen aufzugeben. Im Zuge des Deutschlandtreffens 1964 entdeckten Plattenverleger, Jugendmedien (wie DT 64) und Teile der FDJ das Phänomen Beat für sich und engagierten sich zum Teil recht stark für diese Bewegung.
Die FDJ .... versuchte ... einen Teil der jugendlichen Euphorie einzufangen und Einfluss.... [auf diese Musikrichtung] zu gewinnen.

Gegen Ende des Jahres 1965 kippte dann die zwischenzeitlich wohlwollende Berichterstattung über die Beatbands und der Umgang mit ihnen. Waren die Beatles die „netten” Jungs von nebenan, deren Platten man auch gerne mal verlegte, war die härtere Gangart des Beat hingegen verpönt. Nach dem Konzert der Rolling Stones im September 1965 in der Waldbühne und einer sich anschließenden Straßenschlacht kippte auch die Stimmung im Osten. Die DDR Medien gaben die Skandalmeldungen der westlichen Klatschpresse 1:1 wieder und schürten somit auch die Stimmung gegen Beatfans in der DDR.

Das "Neue Deutschland" schrieb am 17. Oktober 1965:
Die Jugend unserer Republik ärgert sich über ‚Mitesser’, die das Antlitz der Jugend ver-unstalten und den weit über die Grenzen der DDR bekannten guten Ruf unserer Jugend beflecken: die Amateurgammler. Das sind junge Menschen, die Helden zu sein wähnen indem sie die Gammler westdeutscher Prägung nachahmen, die dort auf Straßen und Plätzen herumlungern, herumpöbeln und herumrempeln. Ihr Anblick bringt das Blut vieler Bürger in Wallung: verwahrlost lange zottelige, dreckige Mähnen, zerlumpte Twist-Hosen. Sie stinken zehn Meter gegen den Wind. Denn Waschen haben sie ‚freiheitlich’ aus ihrem Sprachschatz gestrichen. Und von einer geregelten Arbeit halten sie auch nichts. […] Was bezwecken sie damit? Sie möchten auffallen. Das tun sie auch. Sehr unangenehm. Sie benehmen sich wie die Axt im Walde, als seien sie von der Waldbühne herübergeweht worden.

Die sog. „Halbstarken”, ihr Gebaren, der unnormierte Umgang mit dem anderen Geschlecht, dem Alkohol, den Manieren oder dem Tanz- und Kleiderstil ließen bei den Machthabern neuerlich die Alarmglocken schrillen. Beat wurde als Nervengift des Klassenfeindes abgestempelt, seine Anhänger, allesamt „Rowdys” und „Gammler”, seien dumm, faul, asozial und hässlich. Erich Honecker, zur damaligen Zeit Sekretär für Sicherheitsfragen, ließ die weitgehenden Zugeständnisse von 1963 aufkündigen. Am 11. Oktober 1965 fasste das Politbüro den Beschluss „Zu einigen Fragen der Jugendarbeit und dem Auftreten der Rowdygruppen“ Von nun an sollte jeder Band, die westliches Musikgut aufführte, die Auftrittserlaubnis entzogen werden, ihre finanziellen Verhältnisse hinsichtlich der Steuerabgaben überprüft und bei härteren Fällen auch die Einweisung in ein Arbeitslager verfügt werden. Dies blieb jedoch nicht ohne Konsequenzen.

Dem medialen Feldzug gegen die „Westmusik“ schloss sich ein koordiniertes, staatliches Vorgehen in Form politischer Beschlüsse an. Mit der „Anordnung Nr. 2 über die Ausübung von Tanz- und Unterhaltungsmusik“ vom 15. November 1965 legte man auch juristisch die Grundlage für ein Verbot einzelner Gruppen.
Fortan bedurfte es für öffentliche Auftritte einer staatlichen Spielgenehmigung, die von den örtlichen Behörden ausgestellt wurde und bei Bedarf widerrufen werden konnte, „wenn die Voraussetzungen für die Spielerlaubnis nicht mehr erfüllt sind oder der Inhaber gegen Auflagen einer Spielerlaubnis verstößt oder durch sein Verhalten Anlaß zu Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit bietet“.
Einer willkürlichen Verbotspraxis wurde Tür und Tor geöffnet.

Regional wurde diese unterschiedlich durchgeführt.
In Leipzig, deren Stadtobere durch ein besonders hartes Durchgreifen gegenüber den Bands auffielen, fand am 31. Oktober 1965 eine "Demonstration" mehrerer hundert Jugendlicher gegen das Verbot der Amateurbands statt.
Die Polizei griff, wie gewohnt, hart durch und verhaftete über 260 von ihnen und verhängte harte Strafen.

Dennoch bildete diese "Demonstration" für die Führung des Staatsapparates die Bestätigung, dass die Beatbewegung Teil einer ideologischen Diversionskampagne des Westens war. Diese Argumentation spielte zudem all jenen in die Hände, die sich für eine massive finanzielle und personelle Aufstockung des Ministeriums für Staatssicherheit einsetzten. So stellte die Stasi selbst in einem „Bericht über Gruppierungen Jugendlicher in der DDR“ fest, dass „die operative Basis unter diesen Kreisen der Jugendlichen […] als völlig unzureichend einzuschätzen“ ist und deshalb „wesentlich verbreitert“ werden müsse.

Nach der 11. Tagung des ZK der SED im Dezember 1965 erlosch jegliche staatliche Förderung des Beat. Einige der politisch Verantwortlichen hatten ihren Platz zu räumen und die FDJ begann eine Alternativbewegung, die „Singebewegung”, zu installieren. Der Amateurstatus der Bands wurde neu geregelt und ließ bürokratischer Willkür im Hinblick auf Verbote von Bands freien Raum, da fortan nicht nur künstlerische Fähigkeiten, sondern auch das Auftreten und das Aussehen für die Erteilung einer Spielerlaubnis mit einbezogen wurden. Songformen, die von nun an gefördert und gespielt werden sollten, waren Antikriegs-, politische Kampf-, Volks- und Liebeslieder.

Das ständige Auf und Ab zwischen Ablehnung und Anerkennung gitarrenlastiger Musik nahm 1967 eine neuerliche Wendung. Vor dem Hintergrund des VII. Parteitages der SED und den damit verbundenen sozialpolitischen Neuerungen gewannen Kultur und Freizeitverhalten sowie deren Steuerung an Gewicht. Man wollte von staatlicher Seite dem kulturellen Einfluss des Westens etwas eigenes, besseres, entgegensetzen. Außerdem war ersichtlich geworden, dass man mitnichten die Szene der Beatbands unter Kontrolle bringen, geschweige denn den Stil verbieten könnte.

Derartige Praktiken konnten die Beatszene in der DDR zwar empfindlich schwächen, der erhoffte Kahlschlag blieb jedoch aus.
Stattdessen beförderten der Zickzackkurs der Partei und das harte Durchgreifen die politische Desillusionierung innerhalb der Jugend.
_________________________________________________

Soweit der komprimierte Textauszug aus oben genanntem Buch.
Daraus ist wohl ersichtlich das es nicht der Laune einzelner Kreissekretäre geschuldet war wie nach dem Herbst 1965 mit diesem Teil der Jugendkultur von staatlicher Seite in der DDR umgegangen wurde.
Es waren schon sehr klare und sehr zentrale Direktiven und Weisungen von "ganz oben" die es durchzusetzen galt.

Wie das jetzt in den einzelnen Landkreisen praktisch geschah ist ein anderes Thema und könnte eventuell woanders diskutiert werden.

Meine Einlassung bei dem Beispiel wie der Schwarze Kanal die damals auf der Waldbühne stattgefundenen Krawalle im Umfeld des Rolling Stones Konzertes geschickt nutzte, um mit seinem Fingerzeig auf den negativen Einfluß den diese Musik auf Jugendliche ausübt, den damaligen DDR Bürger darauf einzustimmen das die Partei endlich mal durchgreifen wird, damit "unsere Jugend" nicht ebenso verlottert.

Fazit: Es hatte alles System und der Karl war nicht nur eine Ulknummer im Fernsehen.
Den dieser kleine Ausschnitt eines Berichtes über den Auftritt einer Beatband im Westen hatte in der DDR zur Folge das viele der Amateurgruppen verboten wurden, durch Steuernachzahlungsforderungen kriminalisiert, Jugendliche welche dagegen protestierten empfindlich bestraft wurden,
den Hardlinern im Politbüro die "Argumente" geliefert wurden, dass der weitere Ausbau des MfS in Richtung totaler Überwachung der Menschen in der DDR forciert werden müsse, um in Zukunft bereits die ersten Ansätze solcher Art "ideologischer Diversion des Imperialismus" zu unterbinden.

Das alles im Zusammenhang gesehen würde ich nicht als "Übertreibung" abtun, da steckte doch ein ausgeklügeltes Kalkül der Machthaber in Richtung weiteren umfassenderen Eindringens in das persönliche Leben der DDR Bürger zugrunde.

Nur was ich kontrolliere kann ich auch beherrschen.

Sorry für den etwas längeren Text, erschien mir aber notwendig.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

furry hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#77

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 15:23
von Rüganer (gelöscht)
avatar

Endlich einmal ein Beitrag der Hand und Fuß und noch mehr - nämlich Herz - hat. Gut gemacht, Nostalgiker....


nach oben springen

#78

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 15:30
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Alles so weit gut und richtig, was Du schreibst, so war es offiziell auch. Wie Du aber auch sagst, wurde im Bezirk Leipzig besonders hart gehandelt und an die Verunglimpfung der Beatlesmode, insb. der langen Haare, kann ich mich auch gut erinnern. Theorie und wie es dann in der Praxis gehandhabt wurde, dazu hat eben jeder seine eigenen Erfahrungen, je nachdem, welcher Funktionär in seinem Territorium das Sagen hatte. Kann mich auch an die Vorgabe 60 : 40 erinnern, d.h. Bands mußten in ihrem Repertoir 60% Ostschlager und max. 40% Westschlager anzeigen. Wie ich schon schrieb, der Twistabend 1964 in Leuna, das war mind. 80% Westmusik und keiner ist eingeschritten. Ob intern danach die Band Probleme bekam, weiß ich nicht, aber sie spielte weiterhin dort jeden Sonnabend.
Heute frage ich mich aber auch, warum wir uns solchen Humbug gefallen lassen haben.



nach oben springen

#79

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 16:06
von Kimble | 397 Beiträge

So viele hatte nun auch kein West- Fernsehen. Schätze mal wenn man Berlin und andere gut versorgte Gebiete außen vor läßt,
werden höchstens ca. 40 Prozent, eher sogar weniger, der übrigen Haushalte überhaupt technisch Westfernsehen gehabt haben.

Und für den Rest war der Schwarze Kanal sehr wohl das einzige Schlüsselloch, um bewegte Bilder vom Alltag im Westen zu erheischen.
Ende der 60er war es noch keinesfalls egal, ob man West guckte. Das kam erst Jahre später.

1972 wurden in unserer POS noch Umfragen von Lehrern gemacht, ob Zuhause Westempfang üblich war.
So richtig mit Strichliste und Eltern am nächsten Elternabend zur Rede stellen.
Und diesen "Unsinn" schreibe ich deßhalb, weil ich es selbst erlebt habe, in meiner Klasse, bei meiner Lehrerin die Strich führte.

Der Westfernsehen- Empfang war erst Ende der 70er (fast) kein ernsthafter Makel mehr.
Das war die Zeit nach der Entstehung der vielen privaten Antennengemeinschaften.
Als Lady Di heiratete, das war 1981, hatten wir bereits offiziell 2 oder 3 Westprogramme über Kabel.

MMM ist auch so ein schönes Stichwort zu einer selbst erlebten Begebenheit:
Ich war Anfang der 80er als Lehrling vom Betrieb aus zu so einer Messe, es war wahrsch. die 26. ZMMM 1983 in Leipzig.
Wir wohnten bei privaten Zimmer- Vermietern. Als ich mit meinem Einquartierungszettel die Wohnstube der Vermieterin betrat,
da lief doch ausgerechnet dieses böse Westfernsehen. Für die Vermieterin war es zu spät, da war nichts mehr zu richten.
Es war ihr sichtlich unangenehm weil, zu so einer Messe in der DDR kamen gewöhnlich eher nur besonders systemtreuen Mitbürger.

Als sie mich fragte ob se die Kiste ausmachen solle, erlöste ich sie mit einem grinsenden "nicht nötig" und der Bonbon war gelutscht.
Ich hatte eine wirklich schöne Zeit in Leipzig.


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
zuletzt bearbeitet 15.10.2012 16:09 | nach oben springen

#80

RE: Karl-Eduard von Schnitzler

in DDR Staat und Regime 15.10.2012 16:41
von DoreHolm | 7.677 Beiträge

Siehste, Kimbel, so unterschiedlich waren die Erfahrungen. Ich kann mich noch an einen Appel auf dem Schulhof erinnern, es muß 1962/63 rum gewesen sein, da hielt unser Direx eine Rede gegen das Westfernsehen unnd ich vermute heute, ohne eigene innere Überzeugung dafür. Er war LDPD-Mitglied. Ich weiß, daß überall Westfernsehen geguckt wurde und ich kenne keinen Fall, wo einer aus unserer Klasse dafür belangt wurde. Als die sog. "Ochsenkopf"-Aktion stattfand, es muß auch um diese Zeit gewesen sein, hat mein Vater klar gesagt, daß ihm keiner auf´s Dach steigt, um ihm die Antenne abzudrehen. Er sagte, er entscheidet allein, was zu Hause gesehen wird. Und wir haben als Kinder bzw. Jugendliche (ich war 15) zu Hause auch Shilo-Ranch und Bonanza geschaut und das obwohl mein Vater damals BGL-Vorsitzender und Stadtverordneter war, also nicht ganz unten in der Funktionärsskala und ich weiß auch, daß er nicht zwei verschiedene Meinungen vertrat, eine nach draußen und eine in der Familie. Klar gab es, wie ich schon schrieb, Übereifrige, aber die handelten m.E. so auf eigenen Antrieb, aus Anbiederei und ohne einen Auftrag dazu, so meine Erfahrungen.
Aber das Deiner Meinung nach nur ca. 40% der DDR-Haushalte technisch in der Lage war, Westfernsehen zu empfangen, nehme ich Dir nicht ab. Habe dazu mal gegoogelt. Nach Wikipedia war nur ganz oben im Nordosten und im Dresdener Raum ohne umfangreiche technische Hilfsmittel kein durchgehender Empfang möglich. Auch erfolgten lt. Wikip. von Seiten der DDR nie Störversuche.
Und was das Westsenderhören betrifft, wir haben auch als Grenzer, und das war 66/68, Westradio gehört und das wußte jeder. Außer das mich mal unser KC beim illegalen DF-Hören mit einem nicht angemeldeten Kofferradio erwischte, kenne ich diesbezüglich keine ähnlichen Erlebnisse anderer Kammeraden. Das hatte für mich zwar ein Nachspiel (ich schrieb darüber schon mal was), aber es blieb folgenlos, obwohl ich mich beim "Gespräch" mit unserem KC und einem mir unbekannten Offizier weigerte, meine Kammeraden zu verpfeifen, wenn ich sie beim Westsenderhören sehe.



nach oben springen



Besucher
23 Mitglieder und 67 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: DerKurze
Besucherzähler
Heute waren 2366 Gäste und 150 Mitglieder, gestern 3466 Gäste und 184 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14356 Themen und 557031 Beiträge.

Heute waren 150 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen