#141

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 00:12
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Also mit Tomaten und Gurken, sowie anderem Gemüse was im Gewächshaus gedeiht, war ich auch in der Vor- und Nachsaison immer gut versorgt.
Zum einen hatten wir selber ein Gewächshaus im Garten, und zum anderen fuhren bei mir im Stadtbus immer täglich, mehrmals Kleingärtner mit, Rentner die mich immer fragten ob ich was brauche.
Viele hatten Heizung im Gewächshaus, Ofen oder auch Strom, Energie war ja nicht so teuer.
Klar, in der richtigen frostigen Zeit dann nicht mehr, aber ich muss da auch sagen, dass ich da nichts wirklich vermisst hätte was mich zu einer Flucht bewogen hätte.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#142

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 00:36
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #136



@Gert und @StabsbfeldKönig,

ich denke mal, ohne jetzt alle Beiträge dieses Thread gelesen zu haben, eher nur die ersten, um zu wissen, worum es im Grundsatz geht und die aktuelleren letzten Beiträge:

Ich glaube manchmal, wir vergleichen alle zu viel mit der heutigen Zeit und den verwöhnten Konsumenten, unseren verwöhnten Gaumen...!
Ich kann nun nicht mitreden, wie es in den alten Bundesländern vor der Wende, also 1989 war. Denke mal, einen derartigen Überfluß in den Supermärkten besonders an exotischen Früchten wie heute hat es da auch nicht gegeben. Das möchte ich auch noch für Ende 1989 behaupten, als die Grenze offen war und wir im Westen einkaufen konnten. Natürlich waren da die saisonbedingten klassischen Früchte ausreichend da, hier meine ich speziell Bananen, Orangen, Zitronen, Annanas, Graipfruit usw. . Das was in der DDR mehr oder minder Mangel- oder Bückeware war.


josy95


Ich bin auch im alten Westen aufgewachsen. Bin Jahrgang 1961 und kann mich noch gut an die Versorgung der spaeten 60ziger und auch siebziger Jahre erinnern. Sogenannte Suedfruechte gab es in Huelle unf Fuelle. Engpaesse bei Bananen, Orangen, Zitronen, Grapefruit, usw gab es nicht. Die konnte man durchs ganze Jahr im Ueberangebot kaufen. Den Ueberfluss gab es damals auch schon, aber mit Sicherheit nicht so viele Supermaerkte wie heute.Nur Mandarinen oder Satsumas gab es nur im Winter, dann aber auch im Ueberfluss. Heute kann man die zu allen Jahreszeiten kaufen.
Zu meiner Schulzeit gaben viele Eltern ihren Kindern ein Pausenfruehstueck mit auf den Weg. Meistens belegte Brote, Fruechte und Suessigkeiten zum naschen. Viele dieser Brote und Fruechte, aber niemals Suessigkeiten, landeten dann im Papierkorb und in der Hecke. Komischerweise waren es die Kinder von sozial schwaecheren Eltern die ihr Essen einfach weggeworfen haben.
Wir hatten ja Verwandtschaft in der Ostzone. Eine aeltere Tante durfte Anfang der siebziger Jahre ausreisen weil sie gerade 65 wurde. Sie war regelrecht schockiert als sie in der Naehe von Schulen die vielen weggeworfenen Brote und Fruechte sah. Was sie noch mehr ueberraschte war das niemand die Bananen und Orangen wieder aufhebte. "Sowas wuerde bei uns nicht lange auf der Strasse liegen" sagte sie dann immer.


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#143

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 01:20
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Ja, durch Überfluss kann man auch leider schnell vergessen Dinge zu schätzen.
Hat eben alles Vor- und Nachteile.
Bei mir in der Schulzeit flog aber auch so manches Pausenbrot weg.
Jeden Tag Leberwurst ist auch nicht so der Bringer.


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#144

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:02
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Bekanntlich ist Skorbut gut mit Sauerkraut und evtll, mit anderen Krautsorten zu verhindern. Ich habe ja nicht gesagt, Kraut hat keine Vitamine aber als Salate waren nur Krautvarianten im Angebot. Nichts gegen Kraut, ich esse es mitunter auch gern aber bitte nicht ausschließlich.
Ich jedenfalls habe im Winter nichts anderes in der DDR gesehen. @ Gert

Halt Gert, verdreckte Möhren hatten wir auch reichlich .Und die waren Naturbelassen,zur Sicherheit mit jeder menge Dreck Ringsum,sollte sicher vor Druckstellen schützen

Über alles andere zu Diskutieren ist doch Blödsinn,Hunger in der DDR = Definitiv NEIN !!


zuletzt bearbeitet 10.10.2012 07:14 | nach oben springen

#145

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:15
von furry | 3.580 Beiträge

Wenn wir hier über Hunger oder besser ausgedrückt Lebensmittelversorgung in der DDR diskutieren, sollten wir erstmal grundsätzlich unterscheiden zwischen dem physiologischen Bedarf an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen und dem, was man so gern mal gegessen hätte. Ich behaupte einfach mal, dass dieser genannte physiologische Bedarf spätestens ab den 50ern gedeckt war.
Sicher hätte ich auch gern zu DDR-Zeiten in der kalten Jahreszeit eine Tomate oder frischen Paprika gegessen. Aber wir leben nun mal in einer Region auf diesem Globus, in der die Vegetationsperioden für bestimmte pflanzlichen Produkte nur unter großem Aufwand verlängert werden können.
1990 hatte ich ein Gespräch mit dem Grafen von Hardenberg sen. (das ist der, von dem auch der Korn mit dem Keilerkopf stammt). Er sagte mir damals, dass er es überhaupt nicht verstehen kann, dass es 12 Monate im Jahr z.B. Erdbeeren geben muss. Dieser Mann könnte sich diesen Luxus sicher problemlos leisten, aber sein moralischer Anspruch war scheinbar ein anderer.
Vielleicht sollten wir unsere Ansprüche nur ein kleinwenig relativieren, denn diese bewegen sich permanent in einer Schraube nach oben. Wenn es anfangs die Südfrüchte waren, müssen es nun Trüffel von sonstwo, verpestete Rosen aus Südafrika, aktuell Äpfel aus Neuseeland, Kaviar und und und sein.
Ich für mein Teil kann gern auf den Hummer aus Alaska, den Spargel aus Griechenland und Kartoffeln aus Ägypten verzichten.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#146

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:19
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Die Kartoffeln waren auch naturbelassen dreckig, aber die haben wirklich besser geschmeckt als die von heute, die meisten Sorten schmecken ja eigentlich nach nichts.


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#147

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:26
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Ich für mein Teil kann gern auf den Hummer aus Alaska, den Spargel aus Griechenland und Kartoffeln aus Ägypten verzichten.@furry

Ist ja alles richtig,aber da muss es sein,ob wir es Kaufen ist eine ganz andere Sache.Das ist für mich Internationaler Handel.


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#148

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:41
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #145

Ich für mein Teil kann gern auf den Hummer aus Alaska, den Spargel aus Griechenland und Kartoffeln aus Ägypten verzichten.


Also Kartoffeln aus Ägypten gab es schon zu DDR Zeiten zu kaufen.
Das waren ein Teil der sogenannten Frühkartoffeln..........

Ok, Ok, Ok, ich habe sie immer in Berlin gekauft......., und mit nach Sachsen gekarrt. Meine Eltern hat's gefreut, ebenso war das andere "Grümzeug" willkommen im Frühjahr.

Was "naturbelassene" Möhren und ähnliches angeht, so ähnlich "dreckig" wie es damals in den DDR Kaufhallen auffindbar war wird es heutzutage in den besonders ökologisch korrekten Bioläden in Berlin für ein Heidengeld verkauft.......

Saisonale Ernährung, gerade bei Obst und Gemüse, finde ich so schlecht nicht.
Unsere Großeltern litten auch nicht an Vitaminmangel und ehrlicherweise ist mir eine Erdbeere im Sommer vom Freiland im Winter eingeweckt oder tiefgefroren geschmacklich lieber wie Eine "frische" aber dafür geschmacklich nach nichts schmeckende Frucht.......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#149

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:50
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Was "naturbelassene" Möhren und ähnliches angeht, so ähnlich "dreckig" wie es damals in den DDR Kaufhallen auffindbar war wird es heutzutage in den besonders ökologisch korrekten Bioläden in Berlin für ein Heidengeld verkauft.......

Saisonale Ernährung, gerade bei Obst und Gemüse, finde ich so schlecht nicht.
Unsere Großeltern litten auch nicht an Vitaminmangel und ehrlicherweise ist mir eine Erdbeere im Sommer vom Freiland im Winter eingeweckt oder tiefgefroren geschmacklich lieber wie Eine "frische" aber dafür geschmacklich nach nichts schmeckende Frucht.......


Gruß
Nostalgiker

Rot= Glaube Ich Dir nicht,solche Verdreckten die ich meine würde Niemand geschenkt nehmen.(oder die Berliner )
Grün = 100 Prozentige Zustimmung


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#150

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:51
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #147
Ich für mein Teil kann gern auf den Hummer aus Alaska, den Spargel aus Griechenland und Kartoffeln aus Ägypten verzichten.@furry

Ist ja alles richtig,aber da muss es sein,ob wir es Kaufen ist eine ganz andere Sache.Das ist für mich Internationaler Handel.

Das ist Deine Meinung, ich sehe es leider etwas anders.
Wenn jeder Mensch auf dieser Welt diese Ansprüche stellen würde, dass alles auf dieser Welt Verfügbare ihm vor die Füße gepackt wird, nur damit es da sein muss. Mir graut vor dieser Vorstellung.


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#151

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:56
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Das ist Deine Meinung, ich sehe es leider etwas anders.
Wenn jeder Mensch auf dieser Welt diese Ansprüche stellen würde, dass alles auf dieser Welt Verfügbare ihm vor die Füße gepackt wird, nur damit es da sein muss. Mir graut vor dieser Vorstellung. @furry

Furry dann muss es Dir doch seit Jahren schon grauen.Man kann doch Heute für Geld alles kaufen (alles auf dieser Welt Verfügbare) oder etwa nicht ?


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#152

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 07:58
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Pit 59

ich dachte auch als ich dies sah das ich im falschen Film bin.
vielleicht habe ich mal zufällig den Fotoapparat bei und dann mache ich ein paar Bilder von Möhren mit Acker dran....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#153

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 08:06
von furry | 3.580 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #151
Das ist Deine Meinung, ich sehe es leider etwas anders.
Wenn jeder Mensch auf dieser Welt diese Ansprüche stellen würde, dass alles auf dieser Welt Verfügbare ihm vor die Füße gepackt wird, nur damit es da sein muss. Mir graut vor dieser Vorstellung. @furry

Furry dann muss es Dir doch seit Jahren schon grauen.Man kann doch Heute für Geld alles kaufen (alles auf dieser Welt Verfügbare) oder etwa nicht ?

Dass man für Geld alles bekommt, damit hast Du völlig recht. Es soll sogar Menschen geben, die sich selbst verkaufen.
Du hast aber zuvor geschrieben, es muss da sein. Aus der Sicht der gesamten Menschheit auf unserem Globus find ich dieses "muss" sehr überzogen.


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#154

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 09:21
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten im Beitrag #142
Wir hatten ja Verwandtschaft in der Ostzone. Eine aeltere Tante durfte Anfang der siebziger Jahre ausreisen weil sie gerade 65 wurde. Sie war regelrecht schockiert als sie in der Naehe von Schulen die vielen weggeworfenen Brote und Fruechte sah. Was sie noch mehr ueberraschte war das niemand die Bananen und Orangen wieder aufhebte. "Sowas wuerde bei uns nicht lange auf der Strasse liegen" sagte sie dann immer.

Also manchmal habsch den Eindruck, Du saugst Dir Deine Erlebnisse aus den Fingern oder sonstwo her. Nimms mir nicht übel, aber nicht nur bei mir entsteht dieser Eindruck. Andererseits hast Du, lieber Wandersmann, ja schon öfters erfolgreich unter Beweis gestellt, das exakte Zahlenangaben Dir am A... vorbeigehen, ums mal vorsichtig auszudrücken. Das Renteneintrittsalter für Frauen lag in der DDR bei 60. Und vielleicht war ja auch der VEB (K) Stadtreinigung einfach nur mehr auf Zack, so das in der, ich zitiere, Ostzone die Straßen sauberer waren.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#155

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 10:14
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat Josy
@Gert, schreib doch mal bitte was dazu, alte Bundesländer vor der Wende im Gegensatz zu der Überversorgung von heute!)

Also Josy, schon 1965 als ich in die Bundesrepublik kam, waren zwischen den Gemüse- und Obstläden der beiden deutschen Staaten Welten. Mir fielen die Augen raus, was ich nach meiner Flucht sah- die erste Zeit habe ich Südfrüchte Kiloweise gekauft und gegessen. Das liess natürlich nachher nach und man gewöhnte sich daran, dass das normal ist und dass keine Mangel herrscht, also morgen die Geschäfte genauso voll sind wie heute. Einige exotische Dinge wie Kiwis gab es damals noch nicht auch keine Trauben und Erdbeeren aus Südafrika im Januar. Wenn ich mich recht erinnere, gab es auch noch nicht diese vielfältige Angebot an Joghurten. Das kam erst später auf. Auch war die Lebensmittelversorgung noch vielfach in den Händen der Tante Emma Läden wie Edeka und Rewe. Die Großmärkte auf der grünen Wiese entwickelten sich erst in den 70er Jahren. Auch bei anderen Produkten lief noch viel über den Einzelhandel Beispiel : Unterhaltungselektronik , es gab keinen Saturn oder Mediamarkt.
Ganz besonders hat mich die Entwicklung von Aldi beeindruckt. Aldi in den 60 er Jahren war ein kurioser Laden. Ganz einfach ausgestattet, Fliesenboden, Holzregale vorne 'ne Kasse und das wars. In den Holzregalen standen Kartons, an der Front aufgeschnitten und da waren überwiegend Konserven drin mit alle möglichen Inhalte von Fisch bis Aprikosen alles extrem billig aber eben ein fragmentarisches Angebot. Der Laden hinterliess damals bei mir keinen guten Eindruck und war für meinen Anspruch nicht geeignet. Ich ging lieber in die Vollsortimenter. Das hat sich natürlich bis heute gravierend verbessert und heute kaufe ich auch dort teilweise ein.
Noch eine Bemerkung zum Wiederaufbau. Im Herbst 65 kam ich in meine heutige Heimatstadt Düsseldorf. Die Stadt machte 20 Jahre nach Kriegsende einen modernen und vollständigen Eindruck. Man muss bedenken, das Düsseldorf wie die meisten rheinischen Großstädte im Mai 45 nahezu plattgemacht war von Bombenangriffen. Davon war 1965 so gut wie nichts mehr zu sehen. Ich hatte einen Onkel in den USA der nahm als Captain der US Army an der Invasion in der Normandie teil und kämpfte sich über Frankreich, Süddeutschland bis Österreich durch. Er sagte, als er die zerstörten deutschen Städte sah,das bauen die Deutschen in 50 Jahren nicht wieder auf. In Düsseldorf ( und sicher auch in anderen Städten) wurde seine Einschätzung deutlich widerlegt. Ein Beweis für die Leistung, die die soz. Marktwirtschaft damals erbrachte.
Zusammengefasst, wenn man aus der DDR kam, war man erschlagen von dem Eindruck, den die Geschäfte hier machten. Allerdings war der Gewöhnungsprozess auch sehr schnell, sodass es nach einiger Zeit Alltag wurde. Ich persönlich bin aber dankbar und sehe es nicht als Selbstverständlichkeit an, in diesem Wohlstand zu leben. Den habe sich die Menschen dieses Lándes erarbeitet. Wie es auch anders laufen kann, dafür gibt es Beispiele auf unserem Kontinent.

Gruß in den Harz aus dem sonnigen, aber kühlen Rheinland

Gert


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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#156

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 11:02
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Also ich möchte hier auch mal ein kurzes Erlebniss aus meiner Kindheit erzählen.Und das war so gegen Ende der 60er Jahre.
Meine Mutter war noch Hausfrau und im Rostocker Überseehafen suchte man hin und wieder Hausfrauen die für 6 Std in der Sotierung arbeiteten.Die Frauen wurden dann von einen Sammelpunkt mit Bussen abgeholt.Und so kam es vor,das Mutters manchmal morgens bei ihrer Heimkehr mit einer fast halben Bananenstaude in der Tür stand---zum Erstaunen von uns Kindern.Muss aber dazu sagen--das die Bananen überreif waren und nicht mehr zum weiter Transport geeignet waren.Hin und wieder brachte sie auch Erdnüsse mit,aber sie sagte sie hat sie unter der Kittelschürze versteckt.Ich kann mich auch noch erinnern,wenn sie so und so viele Stunden zusammen hatten,dann gab es so eine Art Valutaschecks mit denen sie in Seemannsshop der sich am Alten Hafen an den Silos befand,Einkaufen konnte.Es war zwar nicht viel,aber für Kaffee und Schokolade hat es gereicht.Aber dazu gesagt,man musste lange diese Art Valutaschecks sammeln.


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#157

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 11:03
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich glaube aus diesen Beiträgen hat sich herrausgestellt das in der DDR keiner verhungern musste. Das ist doch sehr positiv.Im Prinzip war es doch zweitrangig woher die Vitamine kamen. Einige Exotische Früchte wurden sowieso nicht vermisst da sie keiner kannte.Logisch mir stank es auch manchmal an wenn bei den Gerichten mit Beilage stand. Die Beilage war tatsächlich in der Regel Krautsalat.Aber da ich das immer nur kurzzeitig bei Besuchen in der DDR hatte ,konnte ich das verkraften. Mehr angestunken hat mir "sie werden platziert" obwohl ich genug leere Tische sah. Aber die Preise entschädigten doppelt. Mit Hunger möchte ich mal noch erwähnen wieviel Lebensmittel in der westlichen Welt vernichtet wurden um die Preise hoch zu halten. Tonnenweise Obst wurde da auf die Müllhalde gefahren oder Massenweise Milch weg gegibt.
Das es in der DDR am Anfang weitaus schwerer war mit dem Neuanfang und der Versorgung ist unbestritten. Das lag auch mit an der Demontage und als Wiedergutmachung in die Sowjetunion geschafft. Ja klar mussten die sowjetischen Truppen zum großen Teil mit versorgt werden.
Ich habe aber auch gesehen das die Sowjets teilweise Selbstversorger waren. Schweinehaltung habe ich selber gesehen,und einige Granaten in den Fluss brachte frischen Fisch auf die Teller.
Besonders tragisch war damals allerdings wenn die Lebensmittelkarten geklaut wurden oder verloren gingen. Es gab keinen Ersatz.
Da kam es tatsächlich vor mal mit einer Mehlsuppe auszukommen. Aber ich habe auch mal ein Huhn von den Russen geklaut,denn die hatten auch nur vorher geklaute. Wir waren als Kinder oft bei den Russen ,und zu wir bekamen da immer was zu Essen ab. Die wussten wie es im allgemeinen aussah. Ich hoffe das es einmal eine Zeit kommt in der tatsächlich niemand mehr auf unserer Erde hungern muss. Auf der einen Seite Leben im Überfluss mit sinnlosen wegwerfen von Lebensmitteln und auf der anderen Seite verhungern Menschen. Aber solange Rüstung für einige wichtiger ist-------------


Mike59, LO-Wahnsinn, Eisenacher, josy95, Feliks D. und Svenni1980 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#158

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 12:40
von eisenringtheo | 9.179 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #157
(...) Mehr angestunken hat mir "sie werden platziert" obwohl ich genug leere Tische sah. (...)

Viele leere Tische mit der Tafel "Reserviert". Wenn ich fragte für wen, sagten sie mir "für Delegationen"... Habe nie Delegationen gesehen..
Theo


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#159

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 13:24
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #143
Ja, durch Überfluss kann man auch leider schnell vergessen Dinge zu schätzen.
Hat eben alles Vor- und Nachteile.
Bei mir in der Schulzeit flog aber auch so manches Pausenbrot weg.
Jeden Tag Leberwurst ist auch nicht so der Bringer.



Ja, Überfluß und das Maß der Dinge, gewissen Wohlstand einfach zu schätzen, ein ganz klein wenig dankbar zu sein, was uns die Natur, die Arbeitskraft und Inovation vieler Menschen tagtäglich gibt, uns auf den Essentisch serviert.

Und, @Wanderer zwischen den Welten, es ist schon interessant, wie Du berichtest, das gerade dort Pausenbrote und andere Dinge einfach in Papierkorb und Büsche flogen, wo man es eigentlich nicht erwarten sollte. Aber solche Phänomene gab es im ganz kleinen in der DDR auch. Nur gab es hier wieder Verwerter. Will mal nicht sagen, das einer eine weggeworfene Südfrucht, auch wenn sie noch so unbeschädigt aussah, deren Herkunft er nicht kannte, aufhob und verspeiste. Aber z. Bsp. hatten wir einen Hausmeister in der Schule, mit Spitznamen "Leutenant Schmidt", der ging mit einem gekürzten Besenstiel, vorn ein Nagel als Piekser drin nach jeder Hofpause, zum Schulschluß seine Runde und sammelte alles an diesen Resten von weggeworfenen Stullen & Co ein. Man erzählte sich, als Nebenverdienst fütterte, mästete er jedes Jahr 3 Schweine davon......!

Also, für die letzten Zweifler, wenn es in der DDR, zumindest in den 60-er Jahren Hunger gegeben hätte, dann hätte unser "Leutenant" bestimmt seine Schweine nicht dick und rund bekommen...


josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 10.10.2012 13:34 | nach oben springen

#160

RE: Hungern in der DDR

in DDR Staat und Regime 10.10.2012 13:56
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #158
Zitat von turtle im Beitrag #157
(...) Mehr angestunken hat mir "sie werden platziert" obwohl ich genug leere Tische sah. (...)

Viele leere Tische mit der Tafel "Reserviert". Wenn ich fragte für wen, sagten sie mir "für Delegationen"... Habe nie Delegationen gesehen..
Theo



Das war die tägliche Delegation die dafür sorgte, dass man nicht zuviel laufen muss, nicht zuviele Tische nach Benutzung herrichten.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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