#1

Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 07:59
von Duck | 1.741 Beiträge

Hatte jemand von Euch zufällig die Doku vom Frauenknast in Hoheneck gesehen? Also ich fand es grausig was für Zustände dort geherrscht hatten. Interessant waren die Kommentare der beiden ehemaligen "Aufseherinnen". So wurde z.B. das vorhandensein der sogenannten "Nasszelle" die für Diziplinarmaßnahmen genutzt wurde hartnäckig geleugnet bzw. deren Nutzung auf die Nazis geschoben, die diesen Knast schon im Dritten Reich genutzt hatten.
Was auch schlimm war das z.B. politische Gefangenen (Grenzflüchtlinge) mit ganz gewöhnlichen Mörderinnen (z.B. Kindesmörderinnen) in eine Zelle zusammengesteckt wurden und die auch noch das sagen hatten auch das hat sehr stark an eine andere Zeit erinnert wo dies ja teilweise in den Lagern auch so gehändelt wurde und die Kriminellen teilweise auch noch Zuträger waren. Der Kommentar der einen Aufseherinnen erklärt auch das :" Für mich waren die alle gleich, dass waren alles Verbrecher", dem braucht man nichts mehr hinzuzufügen.


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#2

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 09:05
von Pit 59 | 10.132 Beiträge

Hallo Duck

Es Existieren hier schon Treads über Hoheneck oder HSH. Auch ich musste mir sagen lassen das dies alles nicht so war. Die Zeitzeugen Lügen,sie haben keine Beweise.Es würde alles nur Hochgebauscht,und die Leiter von Führungen erfinden irgendwelche Gruselgeschichten.
Alle Gefangene wurden gut Behandelt und es gab keinerlei Folter.

P.S. Führungen nur mit Fachleuten,hier soll es auch welche geben.


zuletzt bearbeitet 05.10.2012 10:07 | nach oben springen

#3

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 09:11
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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"dass waren alles Verbrecher"

Diese Argumentation wirst du in einigen folgenden Beiträgen sicherlich sinngemäß lesen können.
Ich habe damals jahrelang unterhalb der Burg gewohnt, sie war da und man hat sich wenig Gedanken darüber gemacht.
Als sie dann leer war hab ich sie mir mal von innen angeschaut, war schon irgendwie gruselig und beklemmend.


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#4

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 09:15
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #2
Hallo Duck

Es Existieren hier schon Treads über Hoheneck oder HSH. Auch ich musste mir sagen lassen das dies alles nicht so war. Die Zeitzeugen Lügen,sie haben keine Beweise.Es würde alles nur Hochgebauscht,und die Leiter von Führungen erfinden irgendwelche Gruselgeschichten.
Alle Gefangene wurden gut Behandelt und es gab keinerlei Folter.


Pit das war doch keine Folter..sowas haben die "netten Männer" vom MfS nicht gemacht, das waren lediglich "Disziplinarmaßnahmen", außerdem hat man dafür gesorgt das die Inhaftierten gesund bleiben..z.B. stundenlanges kaltes Duschen, wassertreten in der Nasszelle oder meditieren in der Dunkelzelle..das stärkt die Abwehrkräfte und den Geist


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10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
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#5

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 09:53
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Duck im Beitrag #4
Zitat von Pit 59 im Beitrag #2
Hallo Duck

Es Existieren hier schon Treads über Hoheneck oder HSH. Auch ich musste mir sagen lassen das dies alles nicht so war. Die Zeitzeugen Lügen,sie haben keine Beweise.Es würde alles nur Hochgebauscht,und die Leiter von Führungen erfinden irgendwelche Gruselgeschichten.
Alle Gefangene wurden gut Behandelt und es gab keinerlei Folter.


Pit das war doch keine Folter..sowas haben die "netten Männer" vom MfS nicht gemacht, das waren lediglich "Disziplinarmaßnahmen", außerdem hat man dafür gesorgt das die Inhaftierten gesund bleiben..z.B. stundenlanges kaltes Duschen, wassertreten in der Nasszelle oder meditieren in der Dunkelzelle..das stärkt die Abwehrkräfte und den Geist



Ich halte das auch für eine "Gesundheitsmassnahme", war mal zu einer Kur, da musste ich auch Wassertreten nach der

Kneipp Methode

. na ja in einer Zelle fand das nicht statt, aber die Örtlichkeit ist doch zweitrangig.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#6

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 17:00
von passport | 2.629 Beiträge

Hier ein Beitrag zum Nachdenken :

Das „geheime“ Frauengefängnis Hoheneck und die Wahrheit



Im 20. Jahr der Grenzöffnung (die Mauer fiel erst später) ist ja schon viel Jauche auf die DDR gegossen worden. Wenn es nicht so gefährlich wäre, könnte man es als eine Lach- und Schießgemeinschaft abtun und sich darüber lustig machen. Was soll man auch erwarten, wenn selbst das Amt des Bundespräsidenten herhalten muss, um Lügen unter die Massen zu bringen, in dem man ihm unterschiebt, 1989 hätten in Leipzig Panzer, schießwütige Polizisten und Blutkonserven bereitgestanden.

Nun „beglückte“ uns auf VOX am 14.11. eine Spiegel-TV-Dokumentation: „Eingesperrt, um frei zu sein – Das geheime Frauengefängnis der DDR“.

Gleich zwei dicke Lügen in einem Titel. Was will man auch von einem Spiegelerzeugnis erwarten? In der Strafvollzugseinrichtung Hoheneck verbüßten weibliche Straftäter ihre Freiheitsstrafen für Mord, Totschlag, Kindesmisshandlung, Raub, Erpressung u. a. Delikte, ja auch für versuchte Straftaten gegen die Staatsgrenze der DDR, so genannte Republikflucht. Nach dem Film waren Mörder also eingesperrt, weil sie nur „frei“ sein wollten.



Die nächste Lüge ist die Mär vom „Geheimgefängnis“. Ich habe ja Verständnis, dass die Parteisoldatenjournalisten gerne von den immer noch nicht aufgeklärten Geheimgefängnissen der CIA in der EU ablenken wollen, wohin namenlose, gefesselte, mit einer Kapuze überzogene, gefolterte rechtslose Menschen verbracht wurden. Aber in der DDR gab es keine Geheimgefängnisse. Die Vollzugseinrichtung Hoheneck stand im Verzeichnis aller Strafvollzugeinrichtungen der DDR mit Anschrift und Telefonnummer. Dieses Verzeichnis lag bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften vor. Die Anstalt Hoheneck wurde, wie andere auch, durch die Staatsanwälte für Strafvollzugsaufsicht bei der Bezirksstaatsanwaltschaft und beim Generalstaatsanwalt, durch Kontrollgruppen der Verwaltung Strafvollzug, des Innenministeriums und durch die Arbeitsgruppe Strafvollzug der Bezirksbehörde der Volkspolizei regelmäßig kontrolliert. Darüber liegen Kontrollberichte in den Archiven. Ein tolles Geheimgefängnis!

Heute gibt es in Deutschland keine Justizvollzugsanstalt, die durch eine Institution des Bundes kontrolliert wird. Der Strafvollzug ist Ländersache, gehört zum Justizministerium des Landes und wird von diesem kontrolliert. Man kontrolliert sich selbst.

Alle Gefangenen in Hoheneck bekamen regelmäßig Post und Besuch von ihren Angehörigen. Ca 600 – 1000 Verwandte fuhren monatlich aus allen Teilen und Bevölkerungsschichten der DDR nach Hoheneck – und sie fanden das „Geheimgefängnis“!

Für alle Gefangenen in Hoheneck bestand ein Recht auf Arbeit. Sie arbeiteten überwiegend in Produktionsstätten innerhalb der Einrichtung, die Volkseigene Betriebe aus dem Territorium dort errichteten oder ausstatteten und waren in der Zeit renten- und krankenversichert. Ca 120 freie Bürger, Arbeiter dieser Betriebe, leiteten die Gefangenen fachlich an. Sie kamen zu Arbeitsbeginn in die Anstalt und gingen nach Arbeitsschluß wieder in ihr Wohnumfeld. Was für ein „Geheimgefängnis“?



Im Film wird durch Aufnahmen aus einem 100 Jahre altem Gefängnis, das seit mehr als 10 Jahren stillgelegt ist, mit all den in diesen Jahren verfallenen Gemäuern, ein Gefühl des frühen Mittelalters erzeugt: marode, alt, dreckig, verschimmelt, miefig und unmenschlich – totale Hoffnungslosigkeit. Mit solchen Aufnahmen beleidigt man nicht nur die DDR, sondern auch die Frauen, die dort eine Freiheitsstrafe verbüßten. Die Filmemacher haben vergessen, dass auch Mörder und Diebe Menschen sind. Und die Frauen in Hoheneck haben aus eigenem fraulichem Antrieb und durch Anleitung eine solide Ordnung und Sauberkeit gepflegt. Wäre dies in einer Einrichtung, wo viele Menschen auf engem Raum leben, nicht so, es käme zu Seuchen.



Da mancher Leser mir als Kenner des Strafvollzuges der DDR und anderer Länder nicht glauben könnte, will ich auf das Buch einer politischen Gefangenen verweisen, die in Hoheneck eine Freiheitsstrafe wegen Staatsverleumdung verbüßte. In ihrem, auch mich nachdenklich machendem autobiografischen Buch, „Die bröckelnde Festung“ (2002) schreibt Gabriele Stötzer u. a.:



"Essen gibt es immer genug, Kartoffeln, Soße und Gemüse können als Nachschlag geholt werden”, sagte Karla. “Zum Frühstück gibt es Brot und Sirup, manchmal Marmelade, dafür immer ein kleines Stück Butter.”

Sie setzten sich an einen der langen grauen Tische mit ebenso langen Holzbänken. Karla wies auf den Kiosk, der mit seinem Fenster in den Essenssaal reichte und in der Mittagspause geöffnet hatte. Hier konnten die Gefangenen für Knastgeld, das aus Scheinen mit einem Stempel der Strafvollzugsanstalt bestand, einkaufen. Neben Kosmetikartikeln, Obst, Zigaretten, Kuchen, Süßigkeiten, Brötchen, Milch, Quark, Vitamintabletten oder Brause auch Papierbons, für die man sich, da es zu jeder Brotmahlzeit nur Malzkaffee gab, Bohnenkaffee oder schwarzen Tee holen konnte. Außer in der Nachtschicht, da gab es besseres Essen: Leber, alle sechs Wochen ein gegrilltes Hähnchen..”(S. 35)

“..Sachen, die sie sich einmal im Monat zum Sprecher (gemeint ist der Besuch des Mannes) mitbringen lassen konnte oder die sie sich alle zwei Monate in einem Paket schicken ließ. Die Pakete waren auf zwei oder drei Kilo beschränkt, was von der Erzieherin festgelegt wurde. Die Beigaben zum Sprecher waren auf einen Geldwert von fünfzehn Mark begrenzt. Sie bestellte in den Paketen teure und vom Gewicht her leichte Sachen und zum Sprecher schwerere oder leichtverderbliche Dinge. In den Paketen ließ sie sich Parfüm, Zahnbürsten, Wimpernspiralen, Deostifte, Lidschatten und Schreibwaren schicken. Gegen den immer gleichen Geschmack des Essens bestellte sie sich einen runden Plastikstreuer mit mehreren Gewürzen, Knoblauch- und Fischpasten. Zum Sprecher wechselten Äpfel, Zitronen, Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren über das Jahr hin zu Pampelmusen, Bananen und Apfelsinen. Manchmal wünschte sie sich weichgekochte Eier, Pfannkuchen oder sinnlose Dinge wie Blumen, die außerhalb der Geldklausel mitgebracht werden durften. Alles mußte gekauft sein, Selbstgebackenes war verboten.”(S.44)



Wenn man diese Schilderung mit dem Spiegel-Film vergleicht, möchte man meinen, Gabriele Stötzer war in einem anderen Gefängnis. Übrigens, wenn Insassen bundesdeutscher Vollzugsanstalten lesen, was ein Gefangener im DDR-Knast beim Besuch seiner Angehörigen erhalten konnte, werden sie staunen. Im heutigen Knast darf der Besucher nichts übergeben was häusliche Gefühle erweckt, sondern nur aus einem Automaten in der Anstalt etwas Abgelagertes ziehen. Auf den 154 Seiten dieses beeindruckenden Buches finden sich keine Hinweise zu Folter, Wasserzelle oder andere Erfindungen in den Hirnen von Geschichtsfälschern.



Es gab in Hoheneck keine Folter und keine Wasserzelle, in der Menschen gefoltert wurden. Die gezeigte „Wasserzelle“ im Kellerverlies ist ein Nachbau und wurde für Filmaufnahmen über die Nazizeit geschaffen. Nun präsentiert der Film eine ehemalige Gefangene, die in den 70 er Jahren Zeuge einer Folter gewesen sei. Also vor rund 40 – 50 Jahren. Auf die Nachfrage, warum sie bisher geschwiegen habe, erklärte sie, sie sei von der Stasi eingeschüchtert worden. Eine Frage, die im Film nicht gestellt wurde, stelle ich: Warum hat sie sich nicht seit 1990 gemeldet oder Anzeige erstattet?

Ich hoffe, dass nach der Ausstrahlung des Films sofort die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hat.



Die Filmemacher gehen sehr geschickt vor und präsentieren ihre verdrehten Nachrichten auf eine fiese Art im Stile von Propagandafilmen von vor 1945.

Jedes Gefängnis aus der Kaiserzeit, ob Hoheneck oder Celle bei Hannover, ist von seiner baulichen Anlage, der räumlichen Enge, den dicken Mauern und kleinen Knastfenstern für einen Vollzug einer Freiheitsstrafe ungeeignet.

Das wusste man auch in der DDR und baute trotz geringen finanziellen Spielraums in den 70 er Jahren zwei neue Vollzugseinrichtungen für weibliche Strafgefangene in Berlin-Grünau und Hohenleuben. Auch dort verbüßten wegen Republikflucht verurteilte Frauen ihre Strafe, aber solche moderneren Gefängnisse hätten sich schlecht für die Hetze gegen die DDR geeignet.

In jedem alten Gefängnis, ob Hohenleuben, Brandenburg-Görden oder Celle bei Hannover gibt es Kellerverliese, die nicht für den Vollzug genutzt werden. Sie dienen als Lagerräume, sind mit brandschutzsicheren Türen versehen und sollten in Notfällen genutzt werden (z.B. als Luftschutzbunker). Nun diese seit 10 Jahren verfallenen Kellerräume als Dunkelarrest zu verkaufen, ist gelinde gesagt eine arge Täuschung der Öffentlichkeit. Die Disziplinarstrafe „Dunkelarrest“ gab es in der DDR nicht. Es gab nur den Freizeitarrest, einfachen Arrest und verschärften Arrest in einer Arreststation. Diese Strafen gibt es auch heute noch im Strafvollzug der EU.



Der Zusammenschnitt von Ton- und Bildaufnahmen ist ebenfall geschickt gemacht. Wenn die Frauen von Schikanen, Drangsalierungen und Schlägen berichten, entsteht der Eindruck sie meinten die „Wärterinnen“, „Wächterinnen“. Schon diese unkorrekte Bezeichnung soll Suggestionen an die faschistische Zeit wecken. Im Film erzählen die Frauen aber tatsächlich über die inneren Beziehungen, die Hierarchien und auch Gruppenbildungen im kriminellen Milieu der Gefangenen. Auch keine Besonderheit von Hoheneck, sondern leider Tatsache in jedem Gefängnis.



In jedem Gefängnis der Welt gibt es aus unterschiedlichen Motiven Selbstverstümmlungen, Selbstmordversuche und Selbstmorde und die Bediensteten kämpfen da gegen an, auch gegen den Willen der Betroffenen. Zur Verhinderung dienen als erste Mittel Einzelunterbringung, Zwangsjacke und Fixierungen am Bett, sowie eine verstärkte Kontrolle. Dabei schreien und toben manche Gefangenen über lange Zeit. Wenn man dies im Film nicht sagt, entsteht schnell für den nicht Eingeweihten der Eindruck, dies sei nur typisch für das „Unrechtsregime“ DDR.



Große Empörung will der Film vermitteln, dass in Hoheneck die politischen Gefangenen gemeinsam mit kriminellen Gewaltverbrechern untergebracht waren. Das Normalste im bundesdeutschen Strafvollzug! Man kann dies nachlesen in den Büchern von Egon Krenz oder Klaus-Dieter Baumgarten. Das ehem. Staatsoberhaupt der DDR kam in Moabit in eine verdreckte Zelle, nach Protest sofort in eine andere, auch verdreckte. Er bat dann um Schrubber und Eimer und machte den Dreck weg. Auch wer etwas über Schikanen im heutigen Justizvollzug wissen möchte, lese seine „Gefängnisnotizen“.



Der Spiegelpropagandafilm versucht auch ein negatives Bild über die Strafvollzugsbediensteten in Hoheneck zu zeichnen. Fälschlicher Weise wird behauptet, dort seien Volkspolizistinnen tätig gewesen. Ein Historiker, wahrscheinlich im Solde der Birthler-Behörde, sagt im Film. „In den Strafvollzug kamen die, die wo anders nicht tauglich waren.“ Dies mag auf den Einen oder Anderen zutreffen, ist aber keinesfalls richtig. Die im Aufsichtsdienst beschäftigten Strafvollzugsangehörigen hatten alle die 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule abgeschlossen, einen Beruf erlernt und einen mehrmonatigen Lehrgang an der Schule für Neueingestellte besucht. Die für 60 – 80 Gefangene zuständige Erzieherin hatte einen Abschluß einer pädagogischen Fachschule oder der Fachschule des Strafvollzuges (Studienzeit 2 Jahre). Außerdem fanden regelmäßige Weiterbildungen statt, nicht nur in Marxismus.



Da Bundesdeutsche die Welt nur mit ihrer eigenen Nabelschnur messen, verstehen sie nicht, dass die sozialistischen Länder eine ganz andere Herangehensweise an den Vollzug einer Freiheitsstrafe hatten. Man übernahm die sowjetischen Erfahrungen (kollektive gesellschaftlich-nützliche Arbeit, kollektive Unterbringung wie beim Militär, politisch-kulturelle Erziehung, zielgerichtete Wiedereingliederung von Haftbeginn usw.). Das war bis in die UNO bekannt und die erzielten Ergebnisse auch. Dies beweisen die Protokolle der Antifolterkommission der UNO und die alle vier Jahre stattfindenden Kongresse „Zur Kriminalitätsvorbeugung und – bekämpfung und der Behandlung von Strafrechtsverletzern.“ Über das Herangehen beim Vollzug der Freiheitsstrafen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Der Strafvollzug der DDR hatte Licht und Schatten und war nicht durch das MfS bestimmt. Er war eine Zwangsmaßnahme des Staates und griff tief in das persönliche Leben jedes Gefangenen ein. Er war nicht unmenschlich. Wer in der DDR im Strafvollzug war, denkt nicht mit Freude daran zurück. Wer heute im Knast sitzt auch nicht.



D. Winderlich

(Dieter Winderlich, Chefinspekteur a. D., letzter Chef der Deutschen Volkspolizei der DDR)


Die Gefängnisse der DDR unterstanden dem Strafvollzug des Ministeriums des Innern (MdI), nicht dem MfS.



passport


Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#7

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 17:30
von Backe | 480 Beiträge

"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#8

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 18:30
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #2
Hallo Duck

Es Existieren hier schon Treads über Hoheneck oder HSH. Auch ich musste mir sagen lassen das dies alles nicht so war. Die Zeitzeugen Lügen,sie haben keine Beweise.Es würde alles nur Hochgebauscht,und die Leiter von Führungen erfinden irgendwelche Gruselgeschichten.
Alle Gefangene wurden gut Behandelt und es gab keinerlei Folter.

P.S. Führungen nur mit Fachleuten,hier soll es auch welche geben.


Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Die Opfer uebertreiben, und die Stasitypen versuchen alles Unrecht voellig unter den Teppich zu kehren.


LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#9

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 18:35
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

@passport Das Problem bei Deiner Analyse ist halt nur das "Republikflucht" niemals eine Straftat haette sein duerfen. Leute die von einem Teil Deutschlands in einen anderen gehen wollten mit Moerdern und Kinderschaendern in einem Atemzug zu nennen ist moralisch unvertretbar.


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#10

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 18:45
von passport | 2.629 Beiträge

Wanderer zwischen 2 Welten : Stasitypen versuchen alles Unrecht voellig unter den Teppich zu kehren

Auf wen beziehst Du dich ? Hatte eigentlich geschrieben das die Gefängnisse dem MdI Abteilung Strafvollzug unterstellt waren


passport


zuletzt bearbeitet 05.10.2012 18:58 | nach oben springen

#11

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 19:05
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #10

Wanderer zwischen 2 Welten : Stasitypen versuchen alles Unrecht voellig unter den Teppich zu kehren

Auf wen beziehst Du dich ? Hatte eigentlich geschrieben das die Gefängnisse dem MdI Abteilung Strafvollzug unterstellt waren


passport


Ist eine allgemeine Behauptung und nicht nur gegen Stasi gerichtet. Ich haette wohl besser gesagt DDR Betonkoepfe / ewig gestrige. Aber mal ehrlich gesagt, es sind doch die ex-Stasi Leute die als Speerspitze derer handeln die begangenes DDR Unrecht unter den Teppich kehren wollen.


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#12

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 19:10
von Mike59 | 7.948 Beiträge

Zitat
Aber mal ehrlich gesagt, es sind doch die ex-Stasi Leute die als Speerspitze derer handeln die begangenes DDR Unrecht unter den Teppich kehren wollen



Da bin ich aber echt froh. Das es wieder die Stasi bzw. die ex-Stasi ist. Mal ganz ehrlich gesagt.

Mike59


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zuletzt bearbeitet 05.10.2012 19:10 | nach oben springen

#13

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 20:42
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Jo Mike gut dass es uns gibt, sonst kommt noch einer auf die Idee dass die ohne Grenzer ja nie festgenommen worden wären. Köstlich der Thread, ich lese da mal nur wieder weiter mit.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
passport hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#14

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 21:28
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #10

Wanderer zwischen 2 Welten : Stasitypen versuchen alles Unrecht voellig unter den Teppich zu kehren

Auf wen beziehst Du dich ? Hatte eigentlich geschrieben das die Gefängnisse dem MdI Abteilung Strafvollzug unterstellt waren

passport



passport, willst du uns hier wirklich weismachen, dass das Mdi bzw. Strafvollzugsbeamte das Sagen in den Haftanstalten der DDR hatten ?
Nach allem was heute bekannt ist, waren die Strippenzieher einzig die Angehörigen des MfS, das MDI waren nur ihre Puppen, die an den Strippen hingen. Das gilt vor allem für alle sogenannten Straftaten, die sich gegen das politische System der DDR richteten. Siehe hierzu auch Threads über politische Strafanstalten wie HSH, wo sie sogar das alleinige Sagen hatten. Da brauchten sie die Puppen vom MdI nicht.
Beispiel : in meiner früheren Heimatstadt Erfurt war das Stasigebäude direkt neben dem Landgericht und dem Untersuchungsgefängnis. Ich war dankenswertersweise nie darin aber ich vermute mal die habe sich alle mittags in der Gemeinschaftskantine getroffen und den nächsten "Fischzug"
gegen die Staatsfeinde beim Schnitzel mit Bratkartoffeln ausgeheckt.
Die Reaktionen der meisten ehem. MfS Leute und ihrer ideologischen Freunde in diesem Thread auf diese Fakten zeigen ganz klar, wie sie verunsichert sind und wie ihnen die Argumente dagegen fehlen. Beweis: das Ganze wird argumentativ in den Bereich Lächerlichkeit gezogen, mehr kommt da nicht rum. Sie haben nichts daraus und nichts dazu gelernt. Das ist leider so.

Schönen Abend allerseits


.
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#15

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 21:58
von Mike59 | 7.948 Beiträge

Zitat
Nach allem was heute bekannt ist, waren die Strippenzieher einzig die Angehörigen des MfS, das MDI waren nur ihre Puppen, die an den Strippen hingen. Das gilt vor allem für alle sogenannten Straftaten, die sich gegen das politische System der DDR richteten. Siehe hierzu auch Threads über politische Strafanstalten wie HSH, wo sie sogar das alleinige Sagen hatten.



Hat was von Verschwörungstheorie

Zitat
Das Ausfindigmachen von „Schuldigen“ geht mit der Schwarz-Weiß-Malerei eines moralisierenden Dualismus einher und folgt dem Wunsch, die unterstellten Geheimpläne aufzudecken, abzustellen und zu bestrafen, um so das Böse „ein für allemal“ aus der Welt zu schaffen. Daher bezeichnet man diese Verschwörungsideologien als handlungsleitend. Dass sie sich in der Realität rasch als untauglich erweisen, bestätigt dann scheinbar die ungeheure Macht alter oder neuer Sündenböcke, so dass sich das verschwörungsideologische Weltbild stets selbst erneuert.



Das ist leider so.

Mike59


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#16

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 22:41
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat
Ist eine allgemeine Behauptung und nicht nur gegen Stasi gerichtet. Ich haette wohl besser gesagt DDR Betonkoepfe / ewig gestrige. Aber mal ehrlich gesagt, es sind doch die ex-Stasi Leute die als Speerspitze derer handeln die begangenes DDR Unrecht unter den Teppich kehren wollen.



Er hat doch seine Aussage präzisiert, weis nicht wieso man sich nun weiterhin darauf einschiesst.
Ich hatte mich bedankt für seine Aussage, weil mir schon da klar war was er meinte.
Dem neuen, letzten Satz im obigen Zitat, stimme ich aber nicht grundlegend zu, das ist mir zu pauschal.
Und selbst wenn sie Speerspitze sein sollten, ist mir das lieber, als all die, die heute sagen sie waren nie dabei, und die Verantwortung gern auf die Stasi komplett abwälzen.

Und zum Thema, man darf nie vergessen, dass sicherlich die meisten dort nicht ohne Grund einsitzen mussten, ein Knast ist nunmal kein Sanatorium.
Und wer einmal Kenntnis erlangen konnte, welche Art Frauen das dort oft waren, welches Niveau viele hatten, der kann sich vielleicht reinversetzen warum sie dort gelandet sind.

Meine Freundin zu damaliger Zeit, arbeitete in Halle im Roten Ochsen, ja da hab ich mir so manche Geschichten angehört.
Da waren genug Frauen dabei, die ich keinem Mann auf den Bauch wünsche.
Das diese, mit ihrem Niveau, im gesellschaftlichen Leben anecken mussten, war nicht verwunderlich.
Man konnte Gegner der DDR sein, das System ablehnen und ein Ausreiseantrag stellen, sich dann aber noch öffentlich assozial und gesellschaftsfeindlich zu Verhalten, dass ist eine andere Kiste, und genau darum sind viele auch im Knast gelandet oder erst zu verfolgten geworden.
Leider blenden viele, die sich heute als Patrioten hinstellen, diesen Werdegang zum Verfolgten total aus.
Ich hab kein Verständnis für manches Unrecht, was in solchen Anstalten Gefangenen angetan wurde, ich hab aber auch kein Verständnis für die Menschen, die heute jeden in der DDR inhaftierten am liebsten als Opfer darstellen möchten.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#17

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 23:20
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Eventuell sollte der eine oder andere zuerst hier Frauengefängnis Hoheneck, nachlesen, so erspart man sich die Blöße eventuell bereits widerlegte Behauptungen erneut als Wahrheit zu verkünden.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#18

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 23:33
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag RE: Frauengefängnis Hoheneck,
Absichtlich mit politischen zusammengesteckt?

Hätte man für sog. politische Häftlinge eigene Anstalten betreiben sollen? Werden heute "politische Gefangene" in eigenen Anstalten untergebracht oder ist es nicht viel mehr so, dass diese auch mit Häftlingen die der gewöhnlichen Kriminalität zuzuordnen sind zusammen untergebracht werden?



Zitat von Feliks D. im Beitrag #17
Eventuell sollte der eine oder andere zuerst hier Frauengefängnis Hoheneck, nachlesen, so erspart man sich die Blöße eventuell bereits widerlegte Behauptungen erneut als Wahrheit zu verkünden.


Feliks, in dem anderen Hoheneck Thread fragst Du ob man politische mit gewoehnlichen Haeftlingen zusammen unterbringen soll. Erstmals danke, Feliks, das Du jetzt endlich mal zugegeben hast das es in der DDR rein politische Haeftlinge gab. Zweitens: Waere die DDR wirklich so ein freiheitlicher Staat der vor lauter Menschenliebe schon regelrecht ueberschaeumte gewesen wie Du und Deine ehemaligen Kollegen/Genossen hier im Forum immer wieder behaupten, dann haette es naemlich ueberhaupt keine politischen Haeftlinge gegeben bei Euch im Bauern und Arbeiterparadies.


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#19

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 23:34
von Duck | 1.741 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #6
Hier ein Beitrag zum Nachdenken :

Das „geheime“ Frauengefängnis Hoheneck und die Wahrheit



Im 20. Jahr der Grenzöffnung (die Mauer fiel erst später) ist ja schon viel Jauche auf die DDR gegossen worden. Wenn es nicht so gefährlich wäre, könnte man es als eine Lach- und Schießgemeinschaft abtun und sich darüber lustig machen. Was soll man auch erwarten, wenn selbst das Amt des Bundespräsidenten herhalten muss, um Lügen unter die Massen zu bringen, in dem man ihm unterschiebt, 1989 hätten in Leipzig Panzer, schießwütige Polizisten und Blutkonserven bereitgestanden.

Nun „beglückte“ uns auf VOX am 14.11. eine Spiegel-TV-Dokumentation: „Eingesperrt, um frei zu sein – Das geheime Frauengefängnis der DDR“.

Gleich zwei dicke Lügen in einem Titel. Was will man auch von einem Spiegelerzeugnis erwarten? In der Strafvollzugseinrichtung Hoheneck verbüßten weibliche Straftäter ihre Freiheitsstrafen für Mord, Totschlag, Kindesmisshandlung, Raub, Erpressung u. a. Delikte, ja auch für versuchte Straftaten gegen die Staatsgrenze der DDR, so genannte Republikflucht. Nach dem Film waren Mörder also eingesperrt, weil sie nur „frei“ sein wollten.



Die nächste Lüge ist die Mär vom „Geheimgefängnis“. Ich habe ja Verständnis, dass die Parteisoldatenjournalisten gerne von den immer noch nicht aufgeklärten Geheimgefängnissen der CIA in der EU ablenken wollen, wohin namenlose, gefesselte, mit einer Kapuze überzogene, gefolterte rechtslose Menschen verbracht wurden. Aber in der DDR gab es keine Geheimgefängnisse. Die Vollzugseinrichtung Hoheneck stand im Verzeichnis aller Strafvollzugeinrichtungen der DDR mit Anschrift und Telefonnummer. Dieses Verzeichnis lag bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften vor. Die Anstalt Hoheneck wurde, wie andere auch, durch die Staatsanwälte für Strafvollzugsaufsicht bei der Bezirksstaatsanwaltschaft und beim Generalstaatsanwalt, durch Kontrollgruppen der Verwaltung Strafvollzug, des Innenministeriums und durch die Arbeitsgruppe Strafvollzug der Bezirksbehörde der Volkspolizei regelmäßig kontrolliert. Darüber liegen Kontrollberichte in den Archiven. Ein tolles Geheimgefängnis!

Heute gibt es in Deutschland keine Justizvollzugsanstalt, die durch eine Institution des Bundes kontrolliert wird. Der Strafvollzug ist Ländersache, gehört zum Justizministerium des Landes und wird von diesem kontrolliert. Man kontrolliert sich selbst.

Alle Gefangenen in Hoheneck bekamen regelmäßig Post und Besuch von ihren Angehörigen. Ca 600 – 1000 Verwandte fuhren monatlich aus allen Teilen und Bevölkerungsschichten der DDR nach Hoheneck – und sie fanden das „Geheimgefängnis“!

Für alle Gefangenen in Hoheneck bestand ein Recht auf Arbeit. Sie arbeiteten überwiegend in Produktionsstätten innerhalb der Einrichtung, die Volkseigene Betriebe aus dem Territorium dort errichteten oder ausstatteten und waren in der Zeit renten- und krankenversichert. Ca 120 freie Bürger, Arbeiter dieser Betriebe, leiteten die Gefangenen fachlich an. Sie kamen zu Arbeitsbeginn in die Anstalt und gingen nach Arbeitsschluß wieder in ihr Wohnumfeld. Was für ein „Geheimgefängnis“?



Im Film wird durch Aufnahmen aus einem 100 Jahre altem Gefängnis, das seit mehr als 10 Jahren stillgelegt ist, mit all den in diesen Jahren verfallenen Gemäuern, ein Gefühl des frühen Mittelalters erzeugt: marode, alt, dreckig, verschimmelt, miefig und unmenschlich – totale Hoffnungslosigkeit. Mit solchen Aufnahmen beleidigt man nicht nur die DDR, sondern auch die Frauen, die dort eine Freiheitsstrafe verbüßten. Die Filmemacher haben vergessen, dass auch Mörder und Diebe Menschen sind. Und die Frauen in Hoheneck haben aus eigenem fraulichem Antrieb und durch Anleitung eine solide Ordnung und Sauberkeit gepflegt. Wäre dies in einer Einrichtung, wo viele Menschen auf engem Raum leben, nicht so, es käme zu Seuchen.



Da mancher Leser mir als Kenner des Strafvollzuges der DDR und anderer Länder nicht glauben könnte, will ich auf das Buch einer politischen Gefangenen verweisen, die in Hoheneck eine Freiheitsstrafe wegen Staatsverleumdung verbüßte. In ihrem, auch mich nachdenklich machendem autobiografischen Buch, „Die bröckelnde Festung“ (2002) schreibt Gabriele Stötzer u. a.:



"Essen gibt es immer genug, Kartoffeln, Soße und Gemüse können als Nachschlag geholt werden”, sagte Karla. “Zum Frühstück gibt es Brot und Sirup, manchmal Marmelade, dafür immer ein kleines Stück Butter.”

Sie setzten sich an einen der langen grauen Tische mit ebenso langen Holzbänken. Karla wies auf den Kiosk, der mit seinem Fenster in den Essenssaal reichte und in der Mittagspause geöffnet hatte. Hier konnten die Gefangenen für Knastgeld, das aus Scheinen mit einem Stempel der Strafvollzugsanstalt bestand, einkaufen. Neben Kosmetikartikeln, Obst, Zigaretten, Kuchen, Süßigkeiten, Brötchen, Milch, Quark, Vitamintabletten oder Brause auch Papierbons, für die man sich, da es zu jeder Brotmahlzeit nur Malzkaffee gab, Bohnenkaffee oder schwarzen Tee holen konnte. Außer in der Nachtschicht, da gab es besseres Essen: Leber, alle sechs Wochen ein gegrilltes Hähnchen..”(S. 35)

“..Sachen, die sie sich einmal im Monat zum Sprecher (gemeint ist der Besuch des Mannes) mitbringen lassen konnte oder die sie sich alle zwei Monate in einem Paket schicken ließ. Die Pakete waren auf zwei oder drei Kilo beschränkt, was von der Erzieherin festgelegt wurde. Die Beigaben zum Sprecher waren auf einen Geldwert von fünfzehn Mark begrenzt. Sie bestellte in den Paketen teure und vom Gewicht her leichte Sachen und zum Sprecher schwerere oder leichtverderbliche Dinge. In den Paketen ließ sie sich Parfüm, Zahnbürsten, Wimpernspiralen, Deostifte, Lidschatten und Schreibwaren schicken. Gegen den immer gleichen Geschmack des Essens bestellte sie sich einen runden Plastikstreuer mit mehreren Gewürzen, Knoblauch- und Fischpasten. Zum Sprecher wechselten Äpfel, Zitronen, Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren über das Jahr hin zu Pampelmusen, Bananen und Apfelsinen. Manchmal wünschte sie sich weichgekochte Eier, Pfannkuchen oder sinnlose Dinge wie Blumen, die außerhalb der Geldklausel mitgebracht werden durften. Alles mußte gekauft sein, Selbstgebackenes war verboten.”(S.44)



Wenn man diese Schilderung mit dem Spiegel-Film vergleicht, möchte man meinen, Gabriele Stötzer war in einem anderen Gefängnis. Übrigens, wenn Insassen bundesdeutscher Vollzugsanstalten lesen, was ein Gefangener im DDR-Knast beim Besuch seiner Angehörigen erhalten konnte, werden sie staunen. Im heutigen Knast darf der Besucher nichts übergeben was häusliche Gefühle erweckt, sondern nur aus einem Automaten in der Anstalt etwas Abgelagertes ziehen. Auf den 154 Seiten dieses beeindruckenden Buches finden sich keine Hinweise zu Folter, Wasserzelle oder andere Erfindungen in den Hirnen von Geschichtsfälschern.



Es gab in Hoheneck keine Folter und keine Wasserzelle, in der Menschen gefoltert wurden. Die gezeigte „Wasserzelle“ im Kellerverlies ist ein Nachbau und wurde für Filmaufnahmen über die Nazizeit geschaffen. Nun präsentiert der Film eine ehemalige Gefangene, die in den 70 er Jahren Zeuge einer Folter gewesen sei. Also vor rund 40 – 50 Jahren. Auf die Nachfrage, warum sie bisher geschwiegen habe, erklärte sie, sie sei von der Stasi eingeschüchtert worden. Eine Frage, die im Film nicht gestellt wurde, stelle ich: Warum hat sie sich nicht seit 1990 gemeldet oder Anzeige erstattet?

Ich hoffe, dass nach der Ausstrahlung des Films sofort die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hat.



Die Filmemacher gehen sehr geschickt vor und präsentieren ihre verdrehten Nachrichten auf eine fiese Art im Stile von Propagandafilmen von vor 1945.

Jedes Gefängnis aus der Kaiserzeit, ob Hoheneck oder Celle bei Hannover, ist von seiner baulichen Anlage, der räumlichen Enge, den dicken Mauern und kleinen Knastfenstern für einen Vollzug einer Freiheitsstrafe ungeeignet.

Das wusste man auch in der DDR und baute trotz geringen finanziellen Spielraums in den 70 er Jahren zwei neue Vollzugseinrichtungen für weibliche Strafgefangene in Berlin-Grünau und Hohenleuben. Auch dort verbüßten wegen Republikflucht verurteilte Frauen ihre Strafe, aber solche moderneren Gefängnisse hätten sich schlecht für die Hetze gegen die DDR geeignet.

In jedem alten Gefängnis, ob Hohenleuben, Brandenburg-Görden oder Celle bei Hannover gibt es Kellerverliese, die nicht für den Vollzug genutzt werden. Sie dienen als Lagerräume, sind mit brandschutzsicheren Türen versehen und sollten in Notfällen genutzt werden (z.B. als Luftschutzbunker). Nun diese seit 10 Jahren verfallenen Kellerräume als Dunkelarrest zu verkaufen, ist gelinde gesagt eine arge Täuschung der Öffentlichkeit. Die Disziplinarstrafe „Dunkelarrest“ gab es in der DDR nicht. Es gab nur den Freizeitarrest, einfachen Arrest und verschärften Arrest in einer Arreststation. Diese Strafen gibt es auch heute noch im Strafvollzug der EU.



Der Zusammenschnitt von Ton- und Bildaufnahmen ist ebenfall geschickt gemacht. Wenn die Frauen von Schikanen, Drangsalierungen und Schlägen berichten, entsteht der Eindruck sie meinten die „Wärterinnen“, „Wächterinnen“. Schon diese unkorrekte Bezeichnung soll Suggestionen an die faschistische Zeit wecken. Im Film erzählen die Frauen aber tatsächlich über die inneren Beziehungen, die Hierarchien und auch Gruppenbildungen im kriminellen Milieu der Gefangenen. Auch keine Besonderheit von Hoheneck, sondern leider Tatsache in jedem Gefängnis.



In jedem Gefängnis der Welt gibt es aus unterschiedlichen Motiven Selbstverstümmlungen, Selbstmordversuche und Selbstmorde und die Bediensteten kämpfen da gegen an, auch gegen den Willen der Betroffenen. Zur Verhinderung dienen als erste Mittel Einzelunterbringung, Zwangsjacke und Fixierungen am Bett, sowie eine verstärkte Kontrolle. Dabei schreien und toben manche Gefangenen über lange Zeit. Wenn man dies im Film nicht sagt, entsteht schnell für den nicht Eingeweihten der Eindruck, dies sei nur typisch für das „Unrechtsregime“ DDR.



Große Empörung will der Film vermitteln, dass in Hoheneck die politischen Gefangenen gemeinsam mit kriminellen Gewaltverbrechern untergebracht waren. Das Normalste im bundesdeutschen Strafvollzug! Man kann dies nachlesen in den Büchern von Egon Krenz oder Klaus-Dieter Baumgarten. Das ehem. Staatsoberhaupt der DDR kam in Moabit in eine verdreckte Zelle, nach Protest sofort in eine andere, auch verdreckte. Er bat dann um Schrubber und Eimer und machte den Dreck weg. Auch wer etwas über Schikanen im heutigen Justizvollzug wissen möchte, lese seine „Gefängnisnotizen“.



Der Spiegelpropagandafilm versucht auch ein negatives Bild über die Strafvollzugsbediensteten in Hoheneck zu zeichnen. Fälschlicher Weise wird behauptet, dort seien Volkspolizistinnen tätig gewesen. Ein Historiker, wahrscheinlich im Solde der Birthler-Behörde, sagt im Film. „In den Strafvollzug kamen die, die wo anders nicht tauglich waren.“ Dies mag auf den Einen oder Anderen zutreffen, ist aber keinesfalls richtig. Die im Aufsichtsdienst beschäftigten Strafvollzugsangehörigen hatten alle die 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule abgeschlossen, einen Beruf erlernt und einen mehrmonatigen Lehrgang an der Schule für Neueingestellte besucht. Die für 60 – 80 Gefangene zuständige Erzieherin hatte einen Abschluß einer pädagogischen Fachschule oder der Fachschule des Strafvollzuges (Studienzeit 2 Jahre). Außerdem fanden regelmäßige Weiterbildungen statt, nicht nur in Marxismus.



Da Bundesdeutsche die Welt nur mit ihrer eigenen Nabelschnur messen, verstehen sie nicht, dass die sozialistischen Länder eine ganz andere Herangehensweise an den Vollzug einer Freiheitsstrafe hatten. Man übernahm die sowjetischen Erfahrungen (kollektive gesellschaftlich-nützliche Arbeit, kollektive Unterbringung wie beim Militär, politisch-kulturelle Erziehung, zielgerichtete Wiedereingliederung von Haftbeginn usw.). Das war bis in die UNO bekannt und die erzielten Ergebnisse auch. Dies beweisen die Protokolle der Antifolterkommission der UNO und die alle vier Jahre stattfindenden Kongresse „Zur Kriminalitätsvorbeugung und – bekämpfung und der Behandlung von Strafrechtsverletzern.“ Über das Herangehen beim Vollzug der Freiheitsstrafen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Der Strafvollzug der DDR hatte Licht und Schatten und war nicht durch das MfS bestimmt. Er war eine Zwangsmaßnahme des Staates und griff tief in das persönliche Leben jedes Gefangenen ein. Er war nicht unmenschlich. Wer in der DDR im Strafvollzug war, denkt nicht mit Freude daran zurück. Wer heute im Knast sitzt auch nicht.



D. Winderlich

(Dieter Winderlich, Chefinspekteur a. D., letzter Chef der Deutschen Volkspolizei der DDR)


Die Gefängnisse der DDR unterstanden dem Strafvollzug des Ministeriums des Innern (MdI), nicht dem MfS.



passport










und die Welt ist eine Scheibe Passport


08/88 - 10/88 Eisenach
10/88 - 12/88 Räsa / Unterbreizbach (Rhön Thüringen/Hessen)
12/88 - 01/90 Erbenhausen (Rhön Thüringen/Bayern)


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#20

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 05.10.2012 23:40
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #16

Zitat
Ist eine allgemeine Behauptung und nicht nur gegen Stasi gerichtet. Ich haette wohl besser gesagt DDR Betonkoepfe / ewig gestrige. Aber mal ehrlich gesagt, es sind doch die ex-Stasi Leute die als Speerspitze derer handeln die begangenes DDR Unrecht unter den Teppich kehren wollen.


Er hat doch seine Aussage präzisiert, weis nicht wieso man sich nun weiterhin darauf einschiesst.
Ich hatte mich bedankt für seine Aussage, weil mir schon da klar war was er meinte.
Dem neuen, letzten Satz im obigen Zitat, stimme ich aber nicht grundlegend zu, das ist mir zu pauschal.
Und selbst wenn sie Speerspitze sein sollten, ist mir das lieber, als all die, die heute sagen sie waren nie dabei, und die Verantwortung gern auf die Stasi komplett abwälzen.

Und zum Thema, man darf nie vergessen, dass sicherlich die meisten dort nicht ohne Grund einsitzen mussten, ein Knast ist nunmal kein Sanatorium.
Und wer einmal Kenntnis erlangen konnte, welche Art Frauen das dort oft waren, welches Niveau viele hatten, der kann sich vielleicht reinversetzen warum sie dort gelandet sind.

Meine Freundin zu damaliger Zeit, arbeitete in Halle im Roten Ochsen, ja da hab ich mir so manche Geschichten angehört.
Da waren genug Frauen dabei, die ich keinem Mann auf den Bauch wünsche.
Das diese, mit ihrem Niveau, im gesellschaftlichen Leben anecken mussten, war nicht verwunderlich.
Man konnte Gegner der DDR sein, das System ablehnen und ein Ausreiseantrag stellen, sich dann aber noch öffentlich assozial und gesellschaftsfeindlich zu Verhalten, dass ist eine andere Kiste, und genau darum sind viele auch im Knast gelandet oder erst zu verfolgten geworden.
Leider blenden viele, die sich heute als Patrioten hinstellen, diesen Werdegang zum Verfolgten total aus.
Ich hab kein Verständnis für manches Unrecht, was in solchen Anstalten Gefangenen angetan wurde, ich hab aber auch kein Verständnis für die Menschen, die heute jeden in der DDR inhaftierten am liebsten als Opfer darstellen möchten.


Viele tun heute eben alles um an den neuen Rentenbezugsmöglichkeiten teilzunehmen...da wird mal schnell aus einem Taschendieb ein politisch verfolgter..er hat ja nur Parteifunktionäre beklaut


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