#121

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 16.04.2014 13:05
von Barbara (gelöscht)
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Uni Dresden in Zusammenarbeit mit Uni Zürich, die Studie ist auf Englisch,
hier eine deutsche Zusammenfassung:

http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/201...heet_vfinal.pdf



[...]Während fast 40 Jahren DDR wurden schätzungsweise 200.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Historiker unterscheiden drei Phasen: In der Stalin-Ära (bis 1953) schreckte die DDR nicht vor physischer Folter bis hin zur Todesfolge zurück. In der Ulbricht-Ära (bis 1971) wurden zunehmend psychologische Methoden anwendet, die in der Honecker-Ära (bis 1989) dominierten, obwohl den Gefangenen auf gegen Ende der DDR durch Schlafentzug oder Flutlichtexposition körperliche Qualen zugefügt wurden.

Bereits Mitte der 1990er Jahre konnten Andreas Maercker, Universität Zürich, und. Matthias Schützwohl von der TU Dresden 146 ehemalige politische Inhaftierte untersuchen. Die meisten hatten damals traumatische Erfahrungen angegeben, die die Folterkriterien von Amnesty International und der UNO erfüllten. Bei 29 Prozent der Inhaftierten stellten die Autoren damals eine PTBS fest. Viele Exhäftlinge litten außerdem unter sozialen Phobien, auch eine Abhängigkeit von Suchtmitteln war häufiger als in einer Vergleichsgruppe (Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 1997; 32: 435-42).[...]

Pressemitteilung der beiden Uni's
http://www.dgppn.de/fileadmin/user_uploa...-25.10.2012.pdf


Ein Artikel dazu im "Ärzteblatt"

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52...er-Traumafolgen

desweiteren:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47...-Langzeitfolgen


-------------------------------------------

Universität Leipzig:

PSYCHISCHE UND KÖRPERLICHE AUSWIRKUNGEN POLITISCHER HAFT IN DER SBZ UND DDR AUF DIE BETROFFENEN UND IHRE NACHKOMMEN - die PDF Datei kann man sich hier runterladen
[url]http://www.qucosa.de/recherche/frontdoor/?tx_slubopus4frontend[id]=urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-116915[/url]

Das Trauma der zweiten Generation in Deutschland Radio Kultur
http://www.deutschlandradiokultur.de/das...ticle_id=172867

auch hier besprochen
http://www.aerzteblatt.de/archiv/66683/P...er-verschwinden


es findet sich noch einiges mehr im Netz.....

Selbstverständlich sind alle Autoren und Wissenschaftler von "fremden Mächten gekauft ujnd bezahlt" :-)


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#122

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 16.04.2014 13:25
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Ich finde solche Zahlen immer recht abenteuerlich! Erstens gibt es Personen die in ihrem Leben mehrmals verurteilt wurden und dann gibt es Personen die zwar aus politischen Gründen, aber eben nicht zu Unrecht verurteilt worden. Wie will man sich bei all diesen Möglichkeiten auf eine Zahl festlegen?

Auch die Bundesrepublik kennt politische Straftatbestände die sie willkürlich festgelegt hat und die in anderen demokratischen Staaten keine sind, sondern dort unter das Recht der freien Rede fallen. Wer will es der DDR nun verübeln ebenfalls gewisse, aus ihrer Sicht staatsfeindliche, Äußerungen und Handlungen unter Strafe gestellt zu haben? Politische Häftlinge gibt es hier und heute genauso!

Damit will ich nicht abstreiten dass einiges übertrieben war und das Strafrecht teilweise auch instrumentalisiert wurde um [berechtigte] Kritik zu kriminalisieren, aber unerwähnt lassen will ich es auch nicht.

Festmachen lässt sich das sehr gut an der so oft ins Feld geführten Meinungsfreiheit. Das GG beschränkt dieses Recht in Art. 5 (2) ebenso, wie es dazu im Art. 27 der DDR Verfassung hieß dass die freie Meinungsäußerung den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß zu erfolgen hat.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#123

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 16.04.2014 14:35
von damals wars | 12.149 Beiträge

Unter dem DDR- Flutlicht musste ich im HFC Stadion auch jahrelang leiden.
Am schlimmsten war die Niederlage im Pokalhalbfinale gegen Stendal nach der Verlängerung im Elfmeterschießen!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#124

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 16.04.2014 15:14
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #122
Ich finde solche Zahlen immer recht abenteuerlich! Erstens gibt es Personen die in ihrem Leben mehrmals verurteilt wurden und dann gibt es Personen die zwar aus politischen Gründen, aber eben nicht zu Unrecht verurteilt worden. Wie will man sich bei all diesen Möglichkeiten auf eine Zahl festlegen?

Auch die Bundesrepublik kennt politische Straftatbestände die sie willkürlich festgelegt hat und die in anderen demokratischen Staaten keine sind, sondern dort unter das Recht der freien Rede fallen. Wer will es der DDR nun verübeln ebenfalls gewisse, aus ihrer Sicht staatsfeindliche, Äußerungen und Handlungen unter Strafe gestellt zu haben? Politische Häftlinge gibt es hier und heute genauso!

Damit will ich nicht abstreiten dass einiges übertrieben war und das Strafrecht teilweise auch instrumentalisiert wurde um [berechtigte] Kritik zu kriminalisieren, aber unerwähnt lassen will ich es auch nicht.

Festmachen lässt sich das sehr gut an der so oft ins Feld geführten Meinungsfreiheit. Das GG beschränkt dieses Recht in Art. 5 (2) ebenso, wie es dazu im Art. 27 der DDR Verfassung hieß dass die freie Meinungsäußerung den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß zu erfolgen hat.


Lieber @Feliks D. , schön dass du wieder da bist. Es wurde mir etwas langweilig ohne dich. Ich muss aber leider sofort wieder "einschreiten " .
rot mark.
Ebenso abenteuerlich finde ich deine versuchte Rechtfertigung und den Vergleich zu heutigen Gesetzen. Geht gar nicht


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#125

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 16.04.2014 15:53
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Wenn ich allein individuelle freiheitliche Bürgerrechte als Maßstab nehme kommt die BRD natürlich um Längen besser weg als die DDR, dass ändert aber nichts am Wahrheitsgehalt meiner Aussage.

Schäuble hat, seinerzeit noch als Innenminister, mal gesagt der Staat sei in der Pflicht dem Rechtsextremismus zu begegnen und alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen.

Mit dieser Begründung verbot er damals einige Vereine die in 90% aller EU Staaten ungestört ihrem Vereinsleben nachgehen könnten, und mit ähnlicher Begründung ist auch das Recht der freien Rede eingeschränkt. Es wird also versucht eine, zugegeben unerträgliche, politische Meinung die unserem aktuellen Staatsziel nicht entspricht möglichst weitgehend zu kriminalisieren und ihre sichtbaren Ergebnisse zu verbieten.

Nichts anderes hat die DDR mit politischen Meinungen die ihrem soz. Staats- und Gesellschaftssystem nicht entsprachen versucht. Man sah sich halt in der Pflicht, dem Revanchismus und Kapitalismus zu begegnen und dabei alle zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen. Auch heute wird z.B. das Wahlrecht (Land-, Kreis- und Kommunalwahl) eingeschränkt indem man Kandidaten mit "falscher" politischer Ansicht durch die Wahlkommissionen gar nicht erst zulässt, da gibt's ein Schreiben des MdI M-V dazu.

War in der DDR auch nicht anders, alles was eine Änderung des politischen Systems bewirken konnte wurde möglichst verboten und natürlich waren die damals Handelnden ebenso wie die heutigen überzeugt ihr System sei das bessere. Politisch Verfolgte und politisches Strafrecht also auf beiden Seiten, und als Unterschied landen wir dann wieder bei meinem obigen ersten Halbsatz.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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zuletzt bearbeitet 16.04.2014 18:02 | nach oben springen

#126

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 16.04.2014 16:15
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #122
Ich finde solche Zahlen immer recht abenteuerlich! Erstens gibt es Personen die in ihrem Leben mehrmals verurteilt wurden und dann gibt es Personen die zwar aus politischen Gründen, aber eben nicht zu Unrecht verurteilt worden. Wie will man sich bei all diesen Möglichkeiten auf eine Zahl festlegen?

Auch die Bundesrepublik kennt politische Straftatbestände die sie willkürlich festgelegt hat und die in anderen demokratischen Staaten keine sind, sondern dort unter das Recht der freien Rede fallen. Wer will es der DDR nun verübeln ebenfalls gewisse, aus ihrer Sicht staatsfeindliche, Äußerungen und Handlungen unter Strafe gestellt zu haben? Politische Häftlinge gibt es hier und heute genauso!

Damit will ich nicht abstreiten dass einiges übertrieben war und das Strafrecht teilweise auch instrumentalisiert wurde um [berechtigte] Kritik zu kriminalisieren, aber unerwähnt lassen will ich es auch nicht.

Festmachen lässt sich das sehr gut an der so oft ins Feld geführten Meinungsfreiheit. Das GG beschränkt dieses Recht in Art. 5 (2) ebenso, wie es dazu im Art. 27 der DDR Verfassung hieß dass die freie Meinungsäußerung den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß zu erfolgen hat.



Welche politischen Straftatbestände sind denn das und wie willkürlich wurden diese von der BRD festgelegt?


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#127

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 16.04.2014 16:21
von jecki09 | 422 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #123
Unter dem DDR- Flutlicht musste ich im HFC Stadion auch jahrelang leiden.
Am schlimmsten war die Niederlage im Pokalhalbfinale gegen Stendal nach der Verlängerung im Elfmeterschießen!


Buuuuuuuh,


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#128

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 17.04.2014 10:03
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #123
Unter dem DDR- Flutlicht musste ich im HFC Stadion auch jahrelang leiden.
Am schlimmsten war die Niederlage im Pokalhalbfinale gegen Stendal nach der Verlängerung im Elfmeterschießen!



Eine bemerkenswert qualifizierte Aussage in diesem Thema.
.


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#129

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 17.04.2014 12:09
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Feliks D. im Beitrag #122
Ich finde solche Zahlen immer recht abenteuerlich! Erstens gibt es Personen die in ihrem Leben mehrmals verurteilt wurden und dann gibt es Personen die zwar aus politischen Gründen, aber eben nicht zu Unrecht verurteilt worden. Wie will man sich bei all diesen Möglichkeiten auf eine Zahl festlegen?

Auch die Bundesrepublik kennt politische Straftatbestände die sie willkürlich festgelegt hat und die in anderen demokratischen Staaten keine sind, sondern dort unter das Recht der freien Rede fallen. Wer will es der DDR nun verübeln ebenfalls gewisse, aus ihrer Sicht staatsfeindliche, Äußerungen und Handlungen unter Strafe gestellt zu haben? Politische Häftlinge gibt es hier und heute genauso!

Damit will ich nicht abstreiten dass einiges übertrieben war und das Strafrecht teilweise auch instrumentalisiert wurde um [berechtigte] Kritik zu kriminalisieren, aber unerwähnt lassen will ich es auch nicht.

Festmachen lässt sich das sehr gut an der so oft ins Feld geführten Meinungsfreiheit. Das GG beschränkt dieses Recht in Art. 5 (2) ebenso, wie es dazu im Art. 27 der DDR Verfassung hieß dass die freie Meinungsäußerung den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß zu erfolgen hat.



Ich finde solche Zahlen immer recht abenteuerlich! Erstens gibt es Personen die in ihrem Leben mehrmals verurteilt wurden und dann gibt es Personen die zwar aus politischen Gründen, aber eben nicht zu Unrecht verurteilt worden. Wie will man sich bei all diesen Möglichkeiten auf eine Zahl festlegen?



Es gibt ja auch keine Festlegungen, sondern seriöserweise nur Annäherungen
Nein, die Zahlen sind nicht abenteuerlich, ich verlinke nochmal die Studie von oben.

http://www.lzt-thueringen.de/files/pfederesed.pdf

Sie ist sehr differenziert, vermeidet irgendwelche Polemiken und weist eben auf dem Umstand hin, wie schwierig eine genau Zahlenangabe ist und dokumentiert die diesbezüglichen unterschiedliche Aussagen von verschiedenen Historikern.
Am besten finde ich die Zahlen, die durch DDR-eigene Statistiken erhoben worden sind, z.B.:

lt. DDR-Staatsanwaltschaft gab es im Zeitraum 1961-89 ca. 110.00 Verfahren wegen Republikflucht. (wie genau die Aktenführung ist und ob alle Akten bereits bekannt oder dokumentiert sind, weiß ich nicht)
Dabei wird darauf hingewiesen, dass pro Verfahren auch mehrere Personen involviert sein konnten. (Seite 28 des Berichts)

oder:
Eine Schätzung auf der Grundlage der Zentralen Entlassungskartei von Strafgefangenen der ehem. Verwaltung Strafvollzug der DDR zwischen 1949 - 1989:
200.000 - Häftlinge mit politisch begründeter Haft (die Haftgründe bzw. das Urteil werden ja in den jeweiligen Akten vermerkt worden sein) - (Seite 18 des Berichts)

Aber auch:
bis 2008 gab es ca. 200.000 Rehabilitierungsverfahren, in denen Urteil der DDR-Justiz aufgehoben worden sind (seite 19 des Berichts).


---------------------------------------

Auch die Bundesrepublik kennt politische Straftatbestände die sie willkürlich festgelegt hat und die in anderen demokratischen Staaten keine sind, sondern dort unter das Recht der freien Rede fallen.

Nein, nicht willkührlich. Sag wo etwas willkührlich ist im Strafrecht der BRD.
Wenn ich mir z.B. den Hick-Hack um das NPD-Verbot ansehe, bekommt man einen guten Eindruck davon, welche Mühe es macht, zwischen „staatsfeindlich“ und „Recht auf Meinungsfreiheit“ zu unterscheiden.

Ich glaube auch nicht, dass das Strafrecht der DDR willkührlich gesetzt wurde, sondern aus dem folgenden von dir beschriebenen Gründen:
Wer will es der DDR nun verübeln ebenfalls gewisse, aus ihrer Sicht staatsfeindliche, Äußerungen und Handlungen unter Strafe gestellt zu haben?


-------------------------------------------

Politische Häftlinge gibt es hier und heute genauso!

An wen denkst du da? Das will ich verstehen.

Bei „politische Häftlinge“ in der BRD fällt mir am ehesten Baader-Meinhoff ein, wobei die in erster Linie wegen Mord, Raub, Entführung etc. angeklagt wurden, ob jetzt auch „Volksverhetzung“ in der Anklageschrift“ , lese ich nochmal nach, ist aber wahrscheinlich, bei dem, was die so von sich gegeben haben.



Damit will ich nicht abstreiten dass einiges übertrieben war und das Strafrecht teilweise auch instrumentalisiert wurde um [berechtigte] Kritik zu kriminalisieren, aber unerwähnt lassen will ich es auch nicht.


Gut!



Festmachen lässt sich das sehr gut an der so oft ins Feld geführten Meinungsfreiheit. Das GG beschränkt dieses Recht in Art. 5 (2) ebenso, wie es dazu im Art. 27 der DDR Verfassung hieß dass die freie Meinungsäußerung den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß zu erfolgen hat.

Das ist ohne Frage richtig. Daher muss man „die Grundsätze“ zumindest aus heutiger Sicht für damals und auch für Heute hinterfragen.

Vergiss eines nicht in der Diskussion:
Egal wer in der Bundesrepublik in der Haft saß und sitzt:
Er hatte und hat eine große breite Öffentlichkeit, psycho-soziale Betreuung im Knast und er kann sich bis zur letzten Instanz durchklagen - auch gegen den Staat, und auch auf dessen Kosten, wenn er kein Geld hat - und das unter den Augen von Reportern sämtlicher Medien, wenn er denn will.

siehe Baader-Meinhoff:
sehr gerne erinnere ich mich daran, dass wir bis ins letzte wussten, wie die Haft-Räume gestaltet wurden, welche Medien genutzt werden konnte, und ob bestimmte 3-Gänge-Mittagsmenues denn Wohlergehen der Inhaftierten zuträglich sei, solche Dinge konnte man in jedem Provinzblättchen lesen. Es gab soweit ich weiß auch Proteste "normaler" Stratäter über die angebliche "Luxus-Strafvollzug" in Stammheim.


----------------------------------------------


Um auch den Bogen wieder zu Hoheneck zu spannen:

die Situation eines Häftlings und der Druck durch eine erlebte Haft hängt in einem hohen Maße von der Einsicht in das "Unrecht" ab, siehe dazu turtles's häufig geäußerte Meinung.
Wer gestohlen hat, hat, wenn auch keine Lust auf Haft, aber dennoch eine Einsicht dazu, er versteht, warum er "sitzt".
Wie war das für eine Inhaftierte aus politischen Gründen z.B. in Hoheneck? Sie hat sich höchstwahrscheinlich zu Unrecht eingesperrt gefühlt, obwohl ihr der juristische Haftgrund des §213 z.B. bekannt war.
.


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#130

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 17.04.2014 12:37
von Barbara (gelöscht)
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[quote=Nostalgiker|p347324]

Strafvollzug und eine Grundsatzdiskussion über Humanismus jeglichen Couleurs schließen sich meiner Meinung nach aus.

Gruß
Nostalgiker



Bevor ich es vergesse:

Diese Aussage oben ist falsch.


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#131

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 17.04.2014 13:23
von 94 | 10.792 Beiträge

Na das war doch keine Aussage, sondern eine Meinungsäußerung, so fasse ich zumindest '... schließen sich meiner Meinung nach aus' auf. Nur schließt sich damit nicht der Meinungsäußerer eigenhändig von einer weitern Diskussion (zu diesem Thema) aus? Zumal ja erst garnicht auf die Frage eingegangen wird, welche Spielart des Humanismus gemeint ward. Doch sollte diese 'Diskussion' dann vielleicht besser im Thread Sackgassen-Sprache geführt werden, also bevor sich hier wieder ein Opferverhöhnung ala #123 entwickelt?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#132

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 17.04.2014 17:55
von passport | 2.634 Beiträge

gelöscht


zuletzt bearbeitet 17.04.2014 17:55 | nach oben springen

#133

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 17.04.2014 18:33
von passport | 2.634 Beiträge

@Barbara


Zitat von passport im Beitrag #100@Barbara

Nur mal so eine Frage ?

Was glaubst Du was für ein Klientel im Strafvollzug der DDR eingesessen hat ?


passport




Ist das eine Frage von "glauben"? Darüber gibt es doch "harte Fakten".

Neben den Straftätern mit "üblichen Delikten" wie Raub, Mord etc:




JA, mehr nicht ?

hast Du nun Kenntnis über die in UHA bzw. im Strafvollzug einsitzenden Personenkreis ?

Die nachfolgenden Berichte im Beitrag 105 hat ja damit eigentlich nichts zu tun.

Habe mir die Zeit genommen um diesen Link zu lesen.


http://www.lzt-thueringen.de/files/pfederesed.pdf

Meine Einschätzung : Schwachsinn, Unsinn.
Hier wird mit Zahlen jongliert das einen die Augen davon tränen. Alle wollen etwas wissen und wissen nichts.
Die Zahl der "sogenannten" Opfer "politisch" Inhaftierter schwankt hier zwischen 180 000 und 380 000.
Bei der letzten Amnestie der DDR 1987 wurden 25 000 Strafgefangene (ausser Mörder und Nazi-Verbrecher) entlassen. Davon überprüfte das MfS 725 Personen die in Ihren ZuständigkeitIsbereich fielen. Das sind 2,9 % aller Amnestierter ! Selbst wenn man es auf 5 % erhöhen würde käme man nicht auf diese o.g. Zahlen Der Auszug über den Tätigkeitsbereich ställt sich mir die Frage was hier "politisch" ist ?

Hier ein Auszug über die Aufgaben der HA IX ! (MfS-Insider)

Die Untersuchungsorgane des MfS waren zuständig für die Untersuchung
von Straftaten nach Kapitel 1 und 2, Besonderer Teil des StGB/DDR.
Das betraf im einzelnen:
– Vorbereitung und Durchführung von Aggressionskriegen, Anwerbung
von DDR-Bürgern für kriegerische Handlungen, Kriegshetze, völkerrechtswidrige
Verfolgung von DDR-Bürgern, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, faschistische Propaganda, Völker und
Rassenhetze;
– Hochverrat, Spionage, landesverräterische Agententätigkeit, Terror,
Diversion, Sabotage, staatsfeindlicher Menschenhandel, staatsfeindliche
Hetze und Militärstraftaten, soweit sie von sicherheitspolitischer
Relevanz waren. (Militär- und Straftaten der allgemeinen Kriminalität
klärten Untersuchungsführer der Militärstaatsanwaltschaft auf, die in
Truppenteilen stationiert waren.)
– Straftaten der allgemeinen Kriminalität (wie Straftaten gegen die staatliche
Ordnung gemäß 8. Kap., StGB/DDR), die durch ihre Umstände
oder Auswirkungen Fragen der staatlichen Sicherheit tangierten
Und schließlich waren die Diensteinheiten der IX auch zuständig für
Straftaten von hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS und von IM, wenn diese
der Begehung von Straftaten im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für
das MfS verdächtig waren.








passport


zuletzt bearbeitet 17.04.2014 23:51 | nach oben springen

#134

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 18.04.2014 08:43
von Moskwitschka (gelöscht)
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Und hier der (letzte) Jahresbericht des MfS für das Jahr 1988 @passport

"Einschätzung der Wirksamkeit der Untersuchungsarbeit und Leitungstätigkeit" wurde Ende Januar 1989 vom Leiter der Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG), dem wichtigsten Stabsorgan der Hauptabteilung Untersuchung (HA IX), Oberst Dr. Manfred Eschberger, dem Chef aller MfS-Ermittler, Generalmajor Fister, vorgelegt.

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Und wenn man sich die Zahlen anschaut, kann man ganz genau die Schwerpunkte erkennen. Aber viel interessanter ist zum Beispiel auch die Definition von "Feindorganisationen" bzw. die Zuordung der "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte" zu diesen.

Mir jagt es heute noch einen Schauer über den Rücken, als ich auf Seite 54 las, welche "Anstengungen" unternommen wurden, Gesprächskreise "übersiedlungswilliger Personen" zu zersetzen. Nur ein kleines Beispiel, was wir in unserem "Gesprächskreis" unter dem Dach der Kirche gamacht haben - Da ging es in erster Linie darum, diesen Menschen den Rücken zu stärken, den Alltag zu bewältigen. Für mich und viele andere war das keine staatsfeindliche Tätigkeit, sondern ein wenig Menschlichkeit im Alltag für die, deren Leben sich zum Teil grundlegend änderte, wenn sie einen Ausreiseantrag gestellt haben.

LG von der Moskwitschka


thomas 48 und Harzwanderer haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 18.04.2014 08:50 | nach oben springen

#135

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 22.04.2014 12:34
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Nostalgiker im Beitrag #106


Strafvollzug und eine Grundsatzdiskussion über Humanismus jeglichen Couleurs schließen sich meiner Meinung nach aus.

Gruß
Nostalgiker


Barbara:

Bevor ich es vergesse:

Diese Aussage oben ist falsch.


[quote=94|p348099]Na das war doch keine Aussage, sondern eine Meinungsäußerung, so fasse ich zumindest '... schließen sich meiner Meinung nach aus' auf. Nur schließt sich damit nicht der Meinungsäußerer eigenhändig von einer weitern Diskussion (zu diesem Thema) aus? Zumal ja erst garnicht auf die Frage eingegangen wird, welche Spielart des Humanismus gemeint ward. Doch sollte diese 'Diskussion' dann vielleicht besser im Thread Sackgassen-Sprache geführt werden, also bevor sich hier wieder ein Opferverhöhnung ala #123 entwickelt?


Korrekter Einwand! Deshalb korrigiere ich:

Diese Meinung teile ich nicht.

Ich habe übrigens länger darüber nachgedacht, dass bzw. ob Humanismus unterschiedliche "Couleur" haben können könnte....
und ich meine - nein.
Diese meine Meinung aber ist widerum vielleicht der Inhalt der häufig geäußerten Kritik an der "west-zentrierten" Sicht der Dinge.
Da muss man bzw. ich aber auch erst mal drauf kommen.....

Also ich denke, Humanismus als errungener zivilisatorischer Wert muss vor jedem Staatsinteresse liegen, ihm also vorangehen.
In diesem Sinne ist, denke ich, die Charta der Menschenrechte zu verstehen.
.


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#136

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 22.04.2014 13:22
von Barbara (gelöscht)
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[quote=passport|p348172]@Barbara


Zitat von passport im Beitrag #100@Barbara

Nur mal so eine Frage ?

Was glaubst Du was für ein Klientel im Strafvollzug der DDR eingesessen hat ?


passport


Barbara:
Ist das eine Frage von "glauben"? Darüber gibt es doch "harte Fakten".

Neben den Straftätern mit "üblichen Delikten" wie Raub, Mord etc:





----------------------------------------------------------

passport:

JA, mehr nicht ?

hast Du nun Kenntnis über die in UHA bzw. im Strafvollzug einsitzenden Personenkreis ?

Du denn?


Die nachfolgenden Berichte im Beitrag 105 hat ja damit eigentlich nichts zu tun.

Falls du meine eingestellten Links damit meinst: jede Menge hat es damit zu tun, wenn man Strafvollzug nicht nur als einen bürokratischen Akt ansieht, sondern als tiefen Eingriff in das Leben eines Individuums, wie ja auch schon Herr Winderlich oben angemerkt hatte.


Habe mir die Zeit genommen um diesen Link zu lesen.

Prima.


http://www.lzt-thueringen.de/files/pfederesed.pdf

Meine Einschätzung : Schwachsinn, Unsinn.

Mit einer solchen Aussage wäre ich ja vorsichtig, denn zu diesem Urteil kann man erst kommen, wenn man sämtliche Quellen, die der Autor ausgewertet hat - s. Quellenangaben ca. 10 Seiten (Seite 82-93 des Berichtes) selbst gelesen und ausgewertet hat. Ich glaube, dass der Autor des Berichtes sich sehr viel Mühe gegeben hat, alles was es zum Zeitpunkt der Erstellung seiner wissenschaftlichen Arbeit an Veröffentlichungen zum Thema zusammenzutragen und gegenüber zu stellen um dann zu angenäherten Zahlen zu kommen. Wie schon gesagt, Quellen sind hier auch: die DDR-Staatsanwaltschaft und die DDR- zentrale Behörde für Strafvollzug.


Hier wird mit Zahlen jongliert das einen die Augen davon tränen. Alle wollen etwas wissen und wissen nichts.

Ja, es ist sehr anstrengend, sich einem solchen Thema seriös und wissenschaftlich zu nähern.


Die Zahl der "sogenannten" Opfer "politisch" Inhaftierter schwankt hier zwischen 180 000 und 380 000.
Bei der letzten Amnestie der DDR 1987 wurden 25 000 Strafgefangene (ausser Mörder und Nazi-Verbrecher) entlassen. Davon überprüfte das MfS 725 Personen die in Ihren ZuständigkeitIsbereich fielen. Das sind 2,9 % aller Amnestierter ! Selbst wenn man es auf 5 % erhöhen würde käme man nicht auf diese o.g. Zahlen

Nicht vergessen, es geht um eine angenäherte absolute Zahl (heißt über einen Zeitraum von 40 Jahren gesehen)


Der Auszug über den Tätigkeitsbereich ställt sich mir die Frage was hier "politisch" ist ?


Gute Frage! Was meinst du persönlich denn?




Hier ein Auszug über die Aufgaben der HA IX ! (MfS-Insider)

Die Untersuchungsorgane des MfS waren zuständig für die Untersuchung
von Straftaten nach Kapitel 1 und 2, Besonderer Teil des StGB/DDR.
Das betraf im einzelnen:
– Vorbereitung und Durchführung von Aggressionskriegen, Anwerbung
von DDR-Bürgern für kriegerische Handlungen, Kriegshetze, völkerrechtswidrige
Verfolgung von DDR-Bürgern, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, faschistische Propaganda, Völker und
Rassenhetze;
– Hochverrat, Spionage, landesverräterische Agententätigkeit, Terror,
Diversion, Sabotage, staatsfeindlicher Menschenhandel, staatsfeindliche
Hetze und Militärstraftaten, soweit sie von sicherheitspolitischer
Relevanz waren. (Militär- und Straftaten der allgemeinen Kriminalität
klärten Untersuchungsführer der Militärstaatsanwaltschaft auf, die in
Truppenteilen stationiert waren.)
– Straftaten der allgemeinen Kriminalität (wie Straftaten gegen die staatliche
Ordnung gemäß 8. Kap., StGB/DDR), die durch ihre Umstände
oder Auswirkungen Fragen der staatlichen Sicherheit tangierten
Und schließlich waren die Diensteinheiten der IX auch zuständig für
Straftaten von hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS und von IM, wenn diese
der Begehung von Straftaten im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für
das MfS verdächtig waren.



Nehmen wir die mal, die tatsächlich "westliche Spionage" betrieben, also einen Straftatbestand, den man nachvollziehen kann: wieviele waren das denn prozentual gerechnet von der Gesamtanzahl 200.000? Kann jemand dazu eine Zahl nennen?
Und auch die, die wegen NS-Verbrechen angeklagt waren, wieviele waren das?

Nicht vergessen: lt DDR.Staatsanwaltschaft 110.000 Verfahren wegen Republikflucht




Vorbereitung und Durchführung von Aggressionskriegen,
Anwerbung von DDR-Bürgern für kriegerische Handlungen
Kriegshetze
völkerrechtswidrige Verfolgung von DDR-Bürgern
Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Kriegsverbrechen
faschistische Propaganda
Völker und Rassenhetze


Bezogen auf das Thread-Thema:
Glaubst du, dass solche Anschuldigungen bzw. Straftatbestände auf die Mehrheit der "politisch" Infaftierten in der DDR zutrafen? Z.B. auch auf die betroffenen Häftlinge in Hoheneck?

.


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#137

RE: Die Frauen von Hoheneck

in DDR Staat und Regime 22.04.2014 13:28
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Barbara im Beitrag #129
Zitat von Feliks D. im Beitrag #122
Ich finde solche Zahlen immer recht abenteuerlich! Erstens gibt es Personen die in ihrem Leben mehrmals verurteilt wurden und dann gibt es Personen die zwar aus politischen Gründen, aber eben nicht zu Unrecht verurteilt worden. Wie will man sich bei all diesen Möglichkeiten auf eine Zahl festlegen?

Auch die Bundesrepublik kennt politische Straftatbestände die sie willkürlich festgelegt hat und die in anderen demokratischen Staaten keine sind, sondern dort unter das Recht der freien Rede fallen. Wer will es der DDR nun verübeln ebenfalls gewisse, aus ihrer Sicht staatsfeindliche, Äußerungen und Handlungen unter Strafe gestellt zu haben? Politische Häftlinge gibt es hier und heute genauso!

Damit will ich nicht abstreiten dass einiges übertrieben war und das Strafrecht teilweise auch instrumentalisiert wurde um [berechtigte] Kritik zu kriminalisieren, aber unerwähnt lassen will ich es auch nicht.

Festmachen lässt sich das sehr gut an der so oft ins Feld geführten Meinungsfreiheit. Das GG beschränkt dieses Recht in Art. 5 (2) ebenso, wie es dazu im Art. 27 der DDR Verfassung hieß dass die freie Meinungsäußerung den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß zu erfolgen hat.



Ich finde solche Zahlen immer recht abenteuerlich! Erstens gibt es Personen die in ihrem Leben mehrmals verurteilt wurden und dann gibt es Personen die zwar aus politischen Gründen, aber eben nicht zu Unrecht verurteilt worden. Wie will man sich bei all diesen Möglichkeiten auf eine Zahl festlegen?



Es gibt ja auch keine Festlegungen, sondern seriöserweise nur Annäherungen
Nein, die Zahlen sind nicht abenteuerlich, ich verlinke nochmal die Studie von oben.

http://www.lzt-thueringen.de/files/pfederesed.pdf

Sie ist sehr differenziert, vermeidet irgendwelche Polemiken und weist eben auf dem Umstand hin, wie schwierig eine genau Zahlenangabe ist und dokumentiert die diesbezüglichen unterschiedliche Aussagen von verschiedenen Historikern.
Am besten finde ich die Zahlen, die durch DDR-eigene Statistiken erhoben worden sind, z.B.:

lt. DDR-Staatsanwaltschaft gab es im Zeitraum 1961-89 ca. 110.00 Verfahren wegen Republikflucht. (wie genau die Aktenführung ist und ob alle Akten bereits bekannt oder dokumentiert sind, weiß ich nicht)
Dabei wird darauf hingewiesen, dass pro Verfahren auch mehrere Personen involviert sein konnten. (Seite 28 des Berichts)

oder:
Eine Schätzung auf der Grundlage der Zentralen Entlassungskartei von Strafgefangenen der ehem. Verwaltung Strafvollzug der DDR zwischen 1949 - 1989:
200.000 - Häftlinge mit politisch begründeter Haft (die Haftgründe bzw. das Urteil werden ja in den jeweiligen Akten vermerkt worden sein) - (Seite 18 des Berichts)

Aber auch:
bis 2008 gab es ca. 200.000 Rehabilitierungsverfahren, in denen Urteil der DDR-Justiz aufgehoben worden sind (seite 19 des Berichts).


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Auch die Bundesrepublik kennt politische Straftatbestände die sie willkürlich festgelegt hat und die in anderen demokratischen Staaten keine sind, sondern dort unter das Recht der freien Rede fallen.

Nein, nicht willkührlich. Sag wo etwas willkührlich ist im Strafrecht der BRD.
Wenn ich mir z.B. den Hick-Hack um das NPD-Verbot ansehe, bekommt man einen guten Eindruck davon, welche Mühe es macht, zwischen „staatsfeindlich“ und „Recht auf Meinungsfreiheit“ zu unterscheiden.

Ich glaube auch nicht, dass das Strafrecht der DDR willkührlich gesetzt wurde, sondern aus dem folgenden von dir beschriebenen Gründen:
Wer will es der DDR nun verübeln ebenfalls gewisse, aus ihrer Sicht staatsfeindliche, Äußerungen und Handlungen unter Strafe gestellt zu haben?


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Politische Häftlinge gibt es hier und heute genauso!

An wen denkst du da? Das will ich verstehen.

Bei „politische Häftlinge“ in der BRD fällt mir am ehesten Baader-Meinhoff ein, wobei die in erster Linie wegen Mord, Raub, Entführung etc. angeklagt wurden, ob jetzt auch „Volksverhetzung“ in der Anklageschrift“ , lese ich nochmal nach, ist aber wahrscheinlich, bei dem, was die so von sich gegeben haben.



Damit will ich nicht abstreiten dass einiges übertrieben war und das Strafrecht teilweise auch instrumentalisiert wurde um [berechtigte] Kritik zu kriminalisieren, aber unerwähnt lassen will ich es auch nicht.


Gut!



Festmachen lässt sich das sehr gut an der so oft ins Feld geführten Meinungsfreiheit. Das GG beschränkt dieses Recht in Art. 5 (2) ebenso, wie es dazu im Art. 27 der DDR Verfassung hieß dass die freie Meinungsäußerung den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß zu erfolgen hat.

Das ist ohne Frage richtig. Daher muss man „die Grundsätze“ zumindest aus heutiger Sicht für damals und auch für Heute hinterfragen.

Vergiss eines nicht in der Diskussion:
Egal wer in der Bundesrepublik in der Haft saß und sitzt:
Er hatte und hat eine große breite Öffentlichkeit, psycho-soziale Betreuung im Knast und er kann sich bis zur letzten Instanz durchklagen - auch gegen den Staat, und auch auf dessen Kosten, wenn er kein Geld hat - und das unter den Augen von Reportern sämtlicher Medien, wenn er denn will.

siehe Baader-Meinhoff:
sehr gerne erinnere ich mich daran, dass wir bis ins letzte wussten, wie die Haft-Räume gestaltet wurden, welche Medien genutzt werden konnte, und ob bestimmte 3-Gänge-Mittagsmenues denn Wohlergehen der Inhaftierten zuträglich sei, solche Dinge konnte man in jedem Provinzblättchen lesen. Es gab soweit ich weiß auch Proteste "normaler" Stratäter über die angebliche "Luxus-Strafvollzug" in Stammheim.


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Um auch den Bogen wieder zu Hoheneck zu spannen:

die Situation eines Häftlings und der Druck durch eine erlebte Haft hängt in einem hohen Maße von der Einsicht in das "Unrecht" ab, siehe dazu turtles's häufig geäußerte Meinung.
Wer gestohlen hat, hat, wenn auch keine Lust auf Haft, aber dennoch eine Einsicht dazu, er versteht, warum er "sitzt".
Wie war das für eine Inhaftierte aus politischen Gründen z.B. in Hoheneck? Sie hat sich höchstwahrscheinlich zu Unrecht eingesperrt gefühlt, obwohl ihr der juristische Haftgrund des §213 z.B. bekannt war.
.





OT
Nachtrag zu den Haftgründen Bader/Meinhoff-Gruppe:

[...]Den Angeklagten wurden Bankeinbrüche, Raubdelikte, Passfälschungen, Sprengstoffanschläge und vier Morde zugerechnet. Außerdem wurden sie für sechs Sprengstoffanschläge verurteilt: für den Bombenanschlag auf das Hauptquartier des V. US-Korps in Frankfurt am Main am 11. Mai 1972, die Bombenanschläge auf die Polizeidirektion Augsburg und das Bayerische Landeskriminalamt in München am 12. Mai 1972, den Autobombenanschlag auf den Bundesrichter Wolfgang Buddenberg in Karlsruhe am 15. Mai 1972, den Bombenanschlag auf das Verlagshaus der Axel Springer AG in Hamburg am 19. Mai 1972 und den Bombenanschlag auf das Europa-Hauptquartier der US Army in Heidelberg vom 24. Mai 1972. Bei den Anschlägen hatte es vier Tote und 34 Verletzte gegeben. Ihr Hauptquartier soll die RAF in der Inheidener Straße in Frankfurt am Main gehabt haben, wo umfangreiches Beweismaterial gefunden wurde.[...]

http://de.wikipedia.org/wiki/Stammheim-Prozess


Also "Volksverhetzung" war offenbar hier kein Haftgrund.
.


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