#1

Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 30.09.2012 22:17
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Eine Dokumentation ueber das Leben in Ost Berlin.


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#2

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 01.10.2012 16:38
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Nun ja mit Berlin verbindet mich nicht viel, die Beiträge bringen aber sehr viel von der damaligen Stimmung rüber.
Die Modeverkäuferin beispielsweise hätte es auch in Halle oder Sangerhausen geben können.
Ich kann mich an eine Bekannte von damals erinnern, die dauernd irgendwelche futuristischen Fummel am Leib hatte, die sie eben aus dem Angebot der HO-Verkaufsstelle neu kreierte, allerdings nur für den privaten Bedarf.
Hätte man so etwas ausgebaut, so wären ganz perspektivreiche Existenzen dabei heraus gekommen, möglicherweise sogar im valutarelevanten Bereich.
Ein anderer Bekannter nennt seine Zeit auf den Berliner Baustellen als die schönste seines Lebens und auch wenn ich eine hohe DDR- Affinität habe, der heutige Hartz 4- Empfänger sieht es noch rosiger, sei es drum.
Fakt ist, daß weder Mauerschützen noch Wandlitz unsere Themen waren, im Alltag war anderes Ton angebend.
Immer wieder aufschlußreich ist es, Prominente wie z.B. die Schauspielerin Walfriede Schmidt zu den Abläufen von damals zu hören, so daß man sich zuweilen darüber wundert, was damals alles unter die Teppiche gepaßt hat unter die man all die Probleme gekehrt hat und wie nah eine Lösung dieser Mißstände durch mehr Offenheit eigentlich gewesen wäre.



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#3

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 01.10.2012 18:51
von nimmnix | 196 Beiträge

.


zuletzt bearbeitet 02.10.2012 02:58 | nach oben springen

#4

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 01.10.2012 20:20
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Schade...leider hat es nur für Tagesaufenthalte gereicht.Wäre gerne mal länger dageblieben ...um mehr zu sehen als das übliche Programm.



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#5

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 01.10.2012 20:59
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Zermatt im Beitrag #4
Schade...leider hat es nur für Tagesaufenthalte gereicht.Wäre gerne mal länger dageblieben ...um mehr zu sehen als das übliche Programm.

Gemeinerweise brauchten Bürger der BRD und Westberlins eine Einladung eines DDR Bürgers für mehrtägige Privataufenthalte (im Gegensatz zu Bürgern anderer NSW Staaten).
Theo


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#6

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 01.10.2012 21:42
von Fritze (gelöscht)
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Zitat von Zermatt im Beitrag #4
Schade...leider hat es nur für Tagesaufenthalte gereicht.Wäre gerne mal länger dageblieben ...um mehr zu sehen als das übliche Programm.

Ich hätte Dich bestimmt eingeladen,wenn Du mir n Kölsch mitgebracht hättest !


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#7

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 20:18
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ich habe von 1980-1990 in Berlin die aufregendsten Jahre meines Lebens verbracht. Eisenach war Provinz, Berlin war Weltstadt. Deswegen kam ich nach meiner NVA-Zeit nach Berlin. Erst im Arbeiterwohnheim, dann Wohnungsbesetzung. Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Weissensee, Marzahn, Karlshorst überall mal gewohnt. 10min. hatte ich bis zum Alex. Als Tagelöhner habe ich gejobt am Ostbahnhof Waggons ausladen für 27M die Nachtschicht, aber auch Zeiten mitgemacht, wo ich 1000M oder auch 5000M an einem Tag verdient habe. Ich habe mit dem Abschaum der menschlichen Gesellschaft und auch den Parteibonzen Feten gefeiert , wie sie gefallen sind. Selbst die Keibelstrasse und auch Rummelsburg durfte ich von innen für ein paar Tage näher kennenlernen. In der 37Etage des Hotel Stadt Berlin habe ich auch mal einen Tausender gelassen an einem Abend. Aus der 19Etage haben mich die Kameraden vom MfS beobachtet, haben aber nie etwas gefunden. Berlin war die einzige Stadt in der DDR wo es keine Polizeistunde gab, da konnte man bis früh um 5Uhr feiern. Die erste Kneipe hat dann um 5.30Uhr aufgemacht. Bei den irakischen Gastarbeiter aus Westberlin habe ich DM eingetauscht, mit den Leuten aus der vietnamesischen Botschaft in Karlshorst Super-Geschäfte gemacht, die ersten PCs Schneider 1640 mit 10MB Festplatte kostete in Westberlin 2500DM und in Ostberlin wurden Preise bis 100 000Ostmark bezahlt, bin Freitag und Sonnabend Schwarztaxi gefahren , bei den Polen am Ostbahnhof vor dem Kaufhaus Jeans, Haargummis, Uhren und anderen Plunder eingekauft und dann ging es Sonntag zum Flohmarkt. 100-1000% Gewinnspanne. Alles steuerfrei. In Grünau gab es neben dem S-Bahnhof einen Automarkt. Trabant für 16500M gekauft, Kaufvertag in blanco und eine halbe Stunde später kam der Bauer aus Rostock und gab mir 19500M dafür.
Nähe Friedrichstrasse Richtung Schiffsbauerdamm gab es das Schild Grenzgebiet Betreten verboten. 3m vom Schild entfernt gab es einen Sichtschutz aus gelben Wellpolyester. Einmal habe ich mir erlaubt da Richtung Reichstagsgebäude zu schauen. Es dauerte keine 30sec., und da stand quietschten die Bremsen und ein LADA mit 3 Vopos stand neben mir, ins Auto rein und auf das VP-Revier 1 Friedrichstrasse. Nach 3-4 Stunden Vernehmung nach allen Regeln der Kunst und körperliche Durchsuchung bis in die Anusgegend, haben sie mich dann doch laufen lassen.
Die vorletzten Tage der DDR habe ich auch noch miterlebt, die 40Jahrfeier Unter den Linden, die ersten Demonstrationen am Alex und auch früher schon die Aktionen in der Samariterstrasse und auch in der Gethsemanekirche Stargarder Str./Ecke Schönhauser.
Es war eine schöne und aufregende Zeit, an die ich mich gerne erinnere.


zuletzt bearbeitet 02.10.2012 20:19 | nach oben springen

#8

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 20:36
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #7
Ich habe von 1980-1990 in Berlin die aufregendsten Jahre meines Lebens verbracht. Eisenach war Provinz, Berlin war Weltstadt. Deswegen kam ich nach meiner NVA-Zeit nach Berlin. Erst im Arbeiterwohnheim, dann Wohnungsbesetzung. Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Weissensee, Marzahn, Karlshorst überall mal gewohnt. 10min. hatte ich bis zum Alex. Als Tagelöhner habe ich gejobt am Ostbahnhof Waggons ausladen für 27M die Nachtschicht, aber auch Zeiten mitgemacht, wo ich 1000M oder auch 5000M an einem Tag verdient habe. Ich habe mit dem Abschaum der menschlichen Gesellschaft und auch den Parteibonzen Feten gefeiert , wie sie gefallen sind. Selbst die Keibelstrasse und auch Rummelsburg durfte ich von innen für ein paar Tage näher kennenlernen. In der 37Etage des Hotel Stadt Berlin habe ich auch mal einen Tausender gelassen an einem Abend. Aus der 19Etage haben mich die Kameraden vom MfS beobachtet, haben aber nie etwas gefunden. Berlin war die einzige Stadt in der DDR wo es keine Polizeistunde gab, da konnte man bis früh um 5Uhr feiern. Die erste Kneipe hat dann um 5.30Uhr aufgemacht. Bei den irakischen Gastarbeiter aus Westberlin habe ich DM eingetauscht, mit den Leuten aus der vietnamesischen Botschaft in Karlshorst Super-Geschäfte gemacht, die ersten PCs Schneider 1640 mit 10MB Festplatte kostete in Westberlin 2500DM und in Ostberlin wurden Preise bis 100 000Ostmark bezahlt, bin Freitag und Sonnabend Schwarztaxi gefahren , bei den Polen am Ostbahnhof vor dem Kaufhaus Jeans, Haargummis, Uhren und anderen Plunder eingekauft und dann ging es Sonntag zum Flohmarkt. 100-1000% Gewinnspanne. Alles steuerfrei. In Grünau gab es neben dem S-Bahnhof einen Automarkt. Trabant für 16500M gekauft, Kaufvertag in blanco und eine halbe Stunde später kam der Bauer aus Rostock und gab mir 19500M dafür.
Nähe Friedrichstrasse Richtung Schiffsbauerdamm gab es das Schild Grenzgebiet Betreten verboten. 3m vom Schild entfernt gab es einen Sichtschutz aus gelben Wellpolyester. Einmal habe ich mir erlaubt da Richtung Reichstagsgebäude zu schauen. Es dauerte keine 30sec., und da stand quietschten die Bremsen und ein LADA mit 3 Vopos stand neben mir, ins Auto rein und auf das VP-Revier 1 Friedrichstrasse. Nach 3-4 Stunden Vernehmung nach allen Regeln der Kunst und körperliche Durchsuchung bis in die Anusgegend, haben sie mich dann doch laufen lassen.
Die vorletzten Tage der DDR habe ich auch noch miterlebt, die 40Jahrfeier Unter den Linden, die ersten Demonstrationen am Alex und auch früher schon die Aktionen in der Samariterstrasse und auch in der Gethsemanekirche Stargarder Str./Ecke Schönhauser.
Es war eine schöne und aufregende Zeit, an die ich mich gerne erinnere.


ein bewegtes leben wenn es denn alles der wahrheit entspricht oder doch nur märchen !!??



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#9

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 20:55
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Nix mit Märchen , alles Tatsachen. Um nach Berlin zu kommen brauchte ich eine Arbeit und eine Unterkunft. Den Job gab es in der Nähe vom Ostbahnhof in der Galvanik eines Grossbetriebes. Die hatten ein Arbeiterwohnheim in Karlshorst. Da habe ich es ein knappes Jahr ausgehalten. Die Arbeit war schwer und ziemlich ungesund , so mit den nitrosen Gasen aus der Gelbbrenne. Täglicher Umgang mit Zyankali oder unter Fachleuten auch Natriumcyanidin genannt. Mit dem Fass im Giftraum hätte man ganz Berlin ausrotten können. Die MAK-Werte waren katastrophal. Der rotbraunen Dämpfe gingen ohne funktionierenden Filter genau auf die Balkons der gegenüberliegenden Neubaublocks. Die Abwässer fast ungeklärt in die Kanalisation. Ich habe mal unseren Umweltexperten den es im Betrieb gab gefragt , wie denn die Werte aussehen. Der hat mir schon gesagt, das es nicht so toll ist mit dem Umweltschutz, aber was sollte er denn machen. Er war ja Angestellter des Betriebes. Wer sägt schon gerne den Ast ab, auf dem er sitzt.
Die Filter der Absaugung der Gelbbrenne sollten normalerweise jeden Monat gewechselt werden, da gab es jedoch kein Geld dafür, da Importware aus dem Goldenen Westen und für so einen Blödsinn wie Umweltschutz war ja nun wirklich die Westmark zu schade.


zuletzt bearbeitet 02.10.2012 22:49 | nach oben springen

#10

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 21:13
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Das Arbeiterwohnheim war auf Dauer nichts. Da machte ich mich an die Wohnungssuche. Offiziell war da nichts zu machen. Aber es gab ein Gesetz in Ostberlin, das wenn man mehrere Wohnungen nachweisen kann, die schon länger leer stehen , man eine abbekommt. Gehört und getan. Als alter Jeansträger besorgt ich mir erst einmal einen Anzug , eine Krawatte und borgte mir von meinem Papa ein SED-Parteiabzeichen. Dann ging es auf Tour durch den Prenzlauer Berg. Stargarder , Schönhauser und die ganzen Nebenstrassen. Zuerst wurde observiert ob sich Gardinen an den Fenstern befanden. Dann zum Nachbarn. Guten Tag Mein Name ist.. und wir erfassen im Auftrag der Partei leerstehenden Wohnraum. Die Anwohner waren begeistert, das sich endlich jemand um die leerstehenden Wohnungen kümmert und gaben mir bereitwillig Auskunft. Alle Daten wurden schriftlich erfasst und innerhalb einer Woche hatte ich 40 leerstehende Wohnungen auf meiner Liste.
Nun ging es stolz zur Abteilung Wohnraumlenkung, um die Zuweisung für meine Wohnung zu beantragen. Der Parteibonze besah sich meine Liste und hörte mein Anliegen. Er war ratlos. Nach einigen Minuten rief er mich wieder in den Raum und teilte mir mit: Sie sind kein Berliner Bürger und deshalb haben sie keinen Anspruch auf eine Wohnung in Berlin. Dann kam noch der Superspruch: Die Partei baut im Rahmen des Wohnungsbauprogramms tausende neue Wohnungen und bis 1990 haben auch sie eine Wohnung. Ich verabschiedete mich mit dem bekannten deutschen Gruß: Arschloch und verliess den Raum.


zuletzt bearbeitet 02.10.2012 22:57 | nach oben springen

#11

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 21:28
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #10
Das Arbeiterwohnheim war auf Dauer nichts. Da machte ich mich an die Wohnungssuche. Offiziell war da nichts zu machen. Aber es gab ein Gesetz in Ostberlin, das wenn man mehrere Wohnungen nachweisen kann, die schon länger leer stehen , man eine abbekommt. Gehört und getan. Als alter Jeansträger besorgt ich mir erst einmal einen Anzug , eine Krawatte und borgte mir von meinem Papa ein SED-Parteiabzeichen. Dann ging es auf Tour durch den Prenzlauer Berg. Stargarder , Schönhauser und die ganzen Nebenstrassen. Zuerst wurde observiert ob sich Gardinen an den Fenstern befanden. Dann zum Nachbarn. Guten Tag Mein Name ist.. und wir erfassen im Auftrag der Partei leerstehenden Wohnraum. Die Anwohner waren begeistert, das sich endlich jemand um die leerstehenden Wohnungen kümmert ubnd gaben mir bereitwillig Auskunft. Alle Daten wurden schriftlich erfasst und innerhalb einer Woche hatte ich 40 leerstehende Wohnungen auf meiner Liste.
Nun ging es stolz zur Abteilung Wohnraumlenkung, um die Zuweisung für meine Wohnung zu beantragen. Der Parteibonze besah sich meine Liste und hörte mein Anliegen. Er war ratlos. Nach einigen Minuten rief er mich wieder in den Raum und teilte mir mit: Sie sind kein Berliner Bürger und deshalb haben sie keinen Anspruch auf eine Wohnung in Berlin. Dann kam noch der Superspruch: Die Partei baut im Rahmen des Wohnungsbauprogramms tausende neue Wohnungen und bis 1990 haben auch sie eine Wohnung. Ich verabschiedete mich mit dem bekannten deutschen Gruß: Arschloch und verliess den Raum.


langsam bekommen die 'brocken' einen sinn !?!



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#12

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 21:29
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Sehr schöne Geschichten Eisenacher......
Denke bitte daran das in diesem Forum mehrere Berliner sind, das zum einen und andereseits so lustig sich Deine Schnurren aus dem 'realen' Leben der Ost-Berliner Vergangenheit lesen, es klingt alles verdammt nach gescripteter reality Doku Soap wie das Heute so Neudeutsch heißt......

Tut mir leid aber auch kannte Leute die PCs Schneider 1640 vertickt haben aber nicht für solche Phantasiepreise. Übrigens war der etwas "andere" Preis dafür 4 Jahre geregeltes Leben in einer sehr festen Unterkunft und auch dies weiß ich aus sehr sicherer Quelle.....

Einzig die Wohnungsgeschichte ist ansatzweise realistisch da ich ähnliches selber durchgezogen habe. Allerdings brauchte man sich 1978 nicht mit einem Anzug und Parteiabzeichen "verkleiden", denn das hätte eher Mißtrauen erregt und die Auskunftsfreudigkeit der Mieter arg gebremst.

Welcher "Großbetrieb" in unmittelbarer Nähen des Ostbahnhofes soll das denn gewesen sein? Würde mich mal interessieren.

Gruß
Nostalgiker

PS.: In Ost-Berlin gab es sehr wohl, wie überall in der Republik eine Polizeistunde. Schließlich sollten auch die Berliner am anderen Morgen frisch und ausgeschlafen am Sozialismus werkeln.
Das einige Kneipen, nach 24 Uhr den Laden für 'Geschlossene Gesellschaft' weiter offen hielt ist eine andere Geschichte und Bars und Diskotheken hatten eine Ausnahmegenehmigung.
Wahr ist hingegen das es in West-Berlin damals keine Polizeistunde gab. Es war übrigens die einzige Stadt in Ost und West.....


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

zuletzt bearbeitet 02.10.2012 21:34 | nach oben springen

#13

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 21:39
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Der erste Anlauf einer Wohnungsbestzung wurde ein Reinfall. Wir hatte kurz nach Mittag bereits die Wohnungseinrichtung in einen Luftschutzraum im Keller entrümpelt und waren schon fast mit der malerei im ersten Zimmer fertig als ein Vertreter des Wohnungsamtes kam und uns herauswarf., denn die Wohnung gehörte einem Knasti der schon 5Jahre saß und noch 5Jahre vor sich hatte, aber da war nichts zu machen,. Wir mussten gehen.
Der zweite Anlauf wurde dann schon erfolgreicher. Die Wohnung stand schon 3-4Jahre leer und ich konnte den Schlüselbesitzer der im selben Haus wohnte von meinen guten Absichten überzeugen und er gab mir den Schlüssel. Proskauerstr. 7 Hinterhof Quergebäude (für Insider) Die Wohnung wurde renoviert. Beim Nachbarn hab ich mir die Kontonummer der Kommunalen Wohnungsverwaltung geben lassen und einfach auf gut Glück jeden Monat 14.50M Miete überwiesen. Strom habe ich auch angemeldet und regelmässig bezahlt. In der Frankfurter Allee gab es ein VP-Revier, dort meldete ich mich erst einmal als Nebenwohnsitz an. Nach ein paar Monaten ging ich noch einmasl zum Meldeamt und ließ meinen Hauptwohnsitz eintragen. Die Dame der VP wollte zwar den Mietvertrag sehen , aber als ich ich sagte das ich da schon länger wohne, sah sie den Eintrag Nebenwohnsitz und so wurde ich ein richtiger Berliner im schönen Friedrichshain.


zuletzt bearbeitet 03.10.2012 01:12 | nach oben springen

#14

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 21:54
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Der An-und Verkauf war in der Rosenthalerstrasse. 100 000M war der Ankaufpreis. Davon gingen 15% als Provision ab. DDR-Betriebe mit 600Mitarbeitern haben damal ihre Buchhaltung mit diesem PC abgewickelt und waren bereit diese Wahnsinnspreise zu bezahlen, da jede DM damals beim DDR Aussenhandelsministerium beantragt werden musste. Extern gab es noch ein weitere 10MB Festplatte gegen einen saftigen Aufpreis. Die Zehnerpackung 51/4 Disketten kostete in Westberlin 14.50DM . Im staatlichen DDR An-und Verkauf gab es satte 640Mark der DDR abzüglich 15% Provision.
Mehr als einen PC habe ich auch nicht riskiert, da es dann die berühmten 4Jahre geben sollte. Die Vietnamesen wollten mir 10 000M dafür geben das ich weiter PC s im An-und Verkauf auf meinen PA verkaufe . Das war mir aber dann doch zu heiß. Denn es gab bei jedem Geschäft 4 Durchschläge. Einer war für den Verkäufer, einer für die Buchhaltung , einer für das Geschäft und der Letzte ging direkt an die Kripo.


zuletzt bearbeitet 02.10.2012 22:46 | nach oben springen

#15

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 22:03
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Der Betrieb war in der Andreasstrasse 71-74 kurz vor der Brücke. VEB Fahrzeugausrüstung Berlin

Ob das nun in Ostberlin Polizeistunde hieß oder nicht , war mir egal. Ich habe auch als Kellner gearbeitet und da gab es auch nach Feierabend um 01Uhr noch genügend Gaststätten und Möglichkeiten zu feiern. Allein in der Schönhauser gab es 3 Bars die bis frühs um 5 oder 6Uhr geöffnet hatten. Eine Kneipe in Friedrichshain hat erst abends um 22Uhr aufgemacht. Da wurde es erst um 2Uhr so richtig lustig. Mainzer Eck ging auch bis frühs um 4-5Uhr wenn ich mich recht erinnere.

Die ersten Kneipen haben dann schon wieder um 6Uhr aufgemacht, so das das sozialistische Werktätigenleben feucht-fröhlich weitergehen konnte.


zuletzt bearbeitet 03.10.2012 01:11 | nach oben springen

#16

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 22:46
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

In Ost-Berlin gab es sehr viele Menschen deren Familienangehörige in Westberlin wohnten. So hatte auch ich einen Arbeitskollegen dessen Mutter in Westberlin wohnte. So machte er mir eines Tages ein Sonderangebot 5000DM zu nur 4.5 in Ost. Natürlich kamen wir sofort ins Geschäft , da sonst 5-6M für DM üblich waren. Ich sattelte also meinen Trabant Kombi 601 Bj 1971 Neupreis 7800M als 13jährigen Gebrauchtwagen für 8500M als Schnäppchen erstanden und klapperte alle Intershops in berlin ab. Friedrichstrasse, Alexanderplat, Flughafen Schönefeld , Palasthotel usw. und kauft Scotch-Tonbandkassetten. 60min für 1.60DM und die 90min für 2.40DM . Dann ging es zum staatlichen An-und Verkauf. 35Ostmark und 45Ostmark minus 15% gab es pro Stück. 100Stück auf den Tisch , einen Hunderter für den Aufkäufer und das Geld gleich bar auf die Hand. War natürlich auch ein paar Tage harte Arbeit, alle Läden der Reihe nach abzuklappern, aber war ganz einträglich.

Bis dann eines Tages die Einladung im Briefkasten lag: "Klärung eines Sachverhaltes" Nächsten Morgen pünktlich um 8.00Uhr im Polizeirevier Friedrichshain bei der Kripo

Doch davon mehr im nächsten Kapitel


zuletzt bearbeitet 02.10.2012 22:48 | nach oben springen

#17

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 23:21
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #16
(...) Ich (...) klapperte alle Intershops in berlin ab. Friedrichstrasse, Alexanderplat, Flughafen Schönefeld , Palasthotel usw. und kauft Scotch-Tonbandkassetten. 60min für 1.60DM und die 90min für 2.40DM . (...)




Wer mit Devisen bezahlen wolllte, musste doch einen NSW Ausweis vorzeigen; von DDR Bürgern wurden nur Forum-Schecks akzeptiert...Oder nahm man da in der Haupstadt der DDR nicht so genau?

Theo


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#18

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 02.10.2012 23:33
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

So Forumschecks habe ich auch mal in der Hand gehabt, aber bei mir hat nie einer gemeckert wenn ich in richtiger DM bezahlt habe. Das war den Verkäufern ziemlich egal. Vielleicht wenn da einer in VP-Uniform in den Intershop gekommen wäre...
Ich glaube mit den Forumschecks war in den siebziger Jahren aktuell. Da wollten die in Eisenach in der Bahnhofstrasse im Intershop Forumschecks haben. Da brauchtest Du nur den erstbesten Westdeutschen ansprechen und das Problem war gelöst.


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#19

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 03.10.2012 00:37
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Wenn das Schreiben "Klärung eines Sachverhaltes" gingen einem natürlich alle möglichen Dinge durch den Kopf: um was kann es gehen, was können die Jungs alles wissen, aber alles Grübeln half nichts. Den nächsten Morgen war ich um 8.00Uhr in der Wedekingstrasse und mich erwartete ein anstrengender Tag. Das obligatorische Warten vor dem Vernehmungszimmer um den Kandidaten zu zermürben, war nur der Auftakt zum ganzen Program.
Sie wissen doch weshalb sie hier sind? Nein natürlich nicht. Ich bin ja ein anständiger DDR-Bürger der nichts Böses macht. Doch dann wurde ich blass. Der Vernehmer brachte gleich einen ganzen Stapel der An-Verkaufquittungen und legte sie auf den Tisch. Für weit mehr als 100000M hatte ich Waren auf meinen Personalausweis verkauft. Das war ja eigentlich nicht verboten, aber die große Frage war. Woher hatten sie die DM um z.B. die Kassetten zu kaufen. Der Besitz von DM oder anderen westlichen Devisen war in der DDR nicht strafbar. Strafbar war einzig der Schwarzumtausch, da dies ein Verstoß gegen das Devisengesetz der DDR. Zum Glück hatte ich meine Pappenheimer recht schnell durchschaut und ich begann mit meiner Story. Woher hatten sie die DM?
Von meiner Oma, die hat mir 5000DM geschenkt
Wer weiß noch davon?
Niemand , ich war der Lieblingsenkel und wenn meine Brüder das mitbekommen hätten , das meine Oma so großzügig ist, hätten sie auch Westmark haben wollen.
Wo wohnt ihre Oma?
Ich gebe Adresse und Wohnort an
Wir werden das überprüfen, ob sie die Wahrheit sagen
Das wird schwierig
Warum wird das schwierig?
Meine Oma ist vor 2Jahren verstorben
Der Vernehmer hat bald einen Herzanfall bekommen
Dann ging es weiter.
Weshalb haben sie Kassetten gekauft um sie zu verkaufen?
Ich saß am Mittwoch abend in der Bänschklause und habe da Micha kennengelernt. Micha war DJ und wir kamen ins Gespräch. Der Micha jammerte wegen der Qualität der ORWO Kassetten, immer nur Bandsalat. Da kam ich auf die Idee Micha die Kassetten zu besorgen. Ich sagte ihm, das ich DM habe die ich nicht brauche und um ihm einen Gefallen zu , kaufte ich für ihn die West-Kassetten
Der Vernehmer schreibt die ganze Zeit eifrig mit.
Am nächsten Mittwoch waren wir wieder um 18.00Uhr in der Bänschklause verabredet . !8.30Uhr das 2. Pils für 0.63M ist schon wieder leer und kein Micha weit und breit. So habe ich den ganzen Abend gewartet und kein DJ. Nun hatte ich 1700Kassetten und wußte nicht was ich damit machen sollte. Ich habe ja nicht mal einen Kassettenrecorder. So suchte ich eine Lösung und kam auf die Idee die Kassetten im A&V zu verkaufen.
Aber das ist doch ein Wucherpreis 45Mark für eine Kassette.
Da kann ich doch nichts dafür, wenn ein staatlich geprüfter Auktionator mir soviel Geld dafür gibt. Ich wollte ja nur meine Kassetten los werden, da ich keinen Kassettenrecorder habe und der DJ Micha nicht gekommen ist.
Die Vernehmung dauerte von 8-16Uhr durch die K und dann gab es noch von 16Uhr -20Uhr die Vernehmung vom Zoll.
Mal auf die Harte dann wieder auf Kumpel (mir kannst Du es doch ruhig sagen)
Dann noch die Frage : Wieviel Geld haben sie zu Hause?
Ich wußte es selber nicht so genau. So 60-70000M sagte ich ihm.
Wo in der Wohnung haben sie das Geld?
In der Westminsterstanduhr
Warum haben sie ihr Geld nicht auf der Sparkasse?
Das habe ich von meiner Oma , die hat da schon schlechte Erfahrungen mit gemacht.
Mein Glauben das ich die Nacht zu Hause schlafen werde , war nicht all zu groß. Keibelstraße am Alex vermutete ich. Haussuchung, Geld weg

Aber Ende Gut alles Gut. Nach einem harten Tag für Vernehmer und Vernommenen, lies man mich nach 16Stunden Verhör laufen.
Mit dem festen Versprechen: Wir kriegen Dich noch.

Aber ansonsten eine faire Vernehmung, alles ohne körperliche Züchtigung und doch recht kultiviert für die damaligen DDR-Verhältnisse.


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#20

RE: Ost Berlin

in Leben an der Berliner Mauer 03.10.2012 17:38
von StabsfeldKoenig | 2.644 Beiträge

DM (oder auch Dollar) in Forum-Schecks zu tauschen, war kein Problem. Wenn ich mich richtig erinnere, brauchte man da nicht mal einen Ausweis. Un da es in Berlin viele Wechselstuben der Staatsbank gab, konnte man auch größere Beträge gestückelt tauschen.



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