#1

Die Warteschlange

in Leben in der DDR 07.09.2012 17:54
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Die Warteschlange ist ein neues Gesellschaftsspiel aus Polen. Hier koennen Leute den Kampf um alltaegliche Dinge unter dem Sozialismus nachspielen.

http://www.welt.de/politik/ausland/artic...ion_object_map={%22340192502737586%22%3A390440651021065}&action_type_map={%22340192502737586%22%3A%22og.recommends%22}&action_ref_map=[]


zuletzt bearbeitet 07.09.2012 17:54 | nach oben springen

#2

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 07.09.2012 18:04
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Wanderer zwischen 2 Welten im Beitrag #
Die Warteschlange ist ein neues Gesellschaftsspiel aus Polen. Hier koennen Leute den Kampf um alltaegliche Dinge unter dem Sozialismus nachspielen.

http://www.welt.de/politik/ausland/artic...ion_object_map={%22340192502737586%22%3A390440651021065}&action_type_map={%22340192502737586%22%3A%22og.recommends%22}&action_ref_map=[]



das ist sicher eine amüsante Sache, so lange es ein Spiel ist. man kann ja jeden Augenblick aussteigen. Im wirklichen Leben war das aber sehr nervig, ich habe nur noch kurze Zeit das erleben müssen.
Sehr schön finde ich in dem angehängten Beitrag das Beispiel TO-Papier. Wenn ich zu Besuch in der DDR war, erinnerte mich das To-Papier immer an Schmirgelpapier von Obi, so etwa Körnung 40.
Aber nach dem Krieg bis in die 50er Jahre war es noch schlimmer. Da haben wir Zeitungspapier aufgeschnitten zu To-Papier. Das war nicht so gut geeignet, es war faktisch schwarz ka...en.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#3

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 07.09.2012 18:06
von Alfred | 6.841 Beiträge

Man sollte das Spiel um Arbeitsamt und Co ergänzen.

Aber da wird wohl einigen der Spaß vergehen .. berechtigt.


PF75 und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#4

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 07.09.2012 18:27
von eisenringtheo | 9.168 Beiträge

Was mir damals aufgefallen ist. Die vielen Rentner, die angestanden sind!!! Wenn es was gab, konnte man die angeblich zum Anstehen "mieten" und selber zur Arbeit gehen. Ob das für die DDR wirklich stimmte oder nicht, keine Ahnung, genau weiss ich es nur für NSW Länder. Die Schlange stammt ja bekanntlich aus England.

Theo


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#5

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 07.09.2012 19:06
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #

Aber nach dem Krieg bis in die 50er Jahre war es noch schlimmer. Da haben wir Zeitungspapier aufgeschnitten zu To-Papier. Das war nicht so gut geeignet, es war faktisch schwarz ka...en.




@Gert, vielleicht ist es Dir nicht so bewußt oder Du hast es vergessen. Das aufschneiden von Zeitungen zu Toilettenpapier war in den 50er Jahren allgemein üblich. Toilettenpapier war etwas "vornehmes" für die reichen Bürgerlichen, auch und gerade in der Zeit vor der DDR.......

Übrigens gab es in der Zeit vor den 50er Jahren, also 30er und erste Hälfte der 40er zu beachten das beim zurechtschneiden der Blätter nie ein Porträt des Führers und anderer Größen mit in den Papierstapel geriet.
Wem das passierte und dabei auch noch erwischt wurde brauchte sich zukünftig keine Gedanken mehr über einen Friseurbesuch machen, geht auch schlecht ohne Kopf......
Solche drakonischen Ahndungen sind mir aus der DDR mit ihrer Toilettenpapierknappheit nicht bekannt.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

nach oben springen

#6

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 07.09.2012 19:17
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Ja meist sind die Omas und Opas auf "Schnäppchenfang" gegangen, die hatten ja Zeit.

Am lustigsten war es, als der Silvesterknallerverkauf los ging.
So ab 1-2 Uhr sassen die ersten mit Hocker und reichlich flüssigem Proviant vor den Drogerien und Schreibwarengeschäften.

Naja man kann ja alles schlecht sehn wenn man möchte, aber ich fand das immer extrem lustig.
Nicht zu verachten die Kontakte die man knüpfen konnte in so einer Schlange, um an weiter Schnäppchen zu kommen die es in der Regel nur unterm Ladentisch gab.

Zum Toilettenpapier, fällt mir noch eine sehr lustige Anekdode ein, die ich in meiner Ausbildungszeit selbst erlebte.
Aber ehe ich wieder eine Verwarnung wegen tacheless bekomme spar ich mir sowas.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
nach oben springen

#7

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 06:57
von Pit 59 | 10.133 Beiträge

Sozialistische Wartegemeinschaft nannte sich das.

Naja man kann ja alles schlecht sehn wenn man möchte, aber ich fand das immer extrem lustig.@ LO Wahnsinn

Da wirste wohl der einzigste gewesen sein,zum Teil Stunden gestanden,um dann zu Hören "Hammer nicht" wirklich sehr Lustig.


Gert und linamax haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#8

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 07:06
von furry | 3.572 Beiträge

@ LO: Naja man kann ja alles schlecht sehn wenn man möchte, aber ich fand das immer extrem lustig.

Frage mal Deine Eltern, ob sie es auch lustig fanden, sich in einer Schlange einzureihen, nur um dir ein paar ausgefallene Kleinigkeiten zu besorgen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#9

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 10:33
von Mike59 | 7.951 Beiträge

Das einzige wo ich mich angestellt habe war die Kasse - für Silvesterfeuerwerk auf keinen Fall - das habe ich nur einmal gekauft und das war zu chines. Neujahr in Peking.

Wegen irgend eines Produktes habe ich mich nicht und werde es wohl auch nicht machen, angestellt!

Mike59


nach oben springen

#10

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 10:44
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #
Das einzige wo ich mich angestellt habe war die Kasse - für Silvesterfeuerwerk auf keinen Fall - das habe ich nur einmal gekauft und das war zu chines. Neujahr in Peking.

Wegen irgend eines Produktes habe ich mich nicht und werde es wohl auch nicht machen, angestellt!

Mike59


Hallo Mike, dann hast du aber hier und da unter Mangelerscheinungen gelitten, oder ?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
nach oben springen

#11

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 10:53
von Mike59 | 7.951 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #
Zitat von Mike59 im Beitrag #
Das einzige wo ich mich angestellt habe war die Kasse - für Silvesterfeuerwerk auf keinen Fall - das habe ich nur einmal gekauft und das war zu chines. Neujahr in Peking.

Wegen irgend eines Produktes habe ich mich nicht und werde es wohl auch nicht machen, angestellt!

Mike59


Hallo Mike, dann hast du aber hier und da unter Mangelerscheinungen gelitten, oder ?





Kann mich nicht erinnern das es so gewesen ist - vielleicht bin ich deswegen auch kein Angestellter geworden *lol*

Mike59


nach oben springen

#12

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 11:37
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Ich habe mich einmal angestellt, es gab kurz in unserem Provinz-HO-Kaufhaus einen erschwinglichen Farbfernseher, ich glaube den Colormat für ca. 3000 Mark.


zuletzt bearbeitet 08.09.2012 11:39 | nach oben springen

#13

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 12:59
von Pit 59 | 10.133 Beiträge

Ich habe mich einmal angestellt, es gab kurz in unserem Provinz-HO-Kaufhaus einen erschwinglichen Farbfernseher, ich glaube den Colormat für ca. 3000 Mark.@Grenzwolf62

Ohne Bezugsschein vom Betrieb?


nach oben springen

#14

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 13:04
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von Pit 59 im Beitrag #
Ich habe mich einmal angestellt, es gab kurz in unserem Provinz-HO-Kaufhaus einen erschwinglichen Farbfernseher, ich glaube den Colormat für ca. 3000 Mark.@Grenzwolf62

Ohne Bezugsschein vom Betrieb?


Bei dem Betrieb wo ich gearbeitet habe gab es leider keine Bezugsscheine, die wurden alle nebenan am Marktplatz benötigt.
Aber so ab 87 kam auch ich endlich in den Genuss bevorzugter Konsumgüter- und Bückwarenversorgung, unsere Pfuschertruppe hatte privat beim HO-Chef eine Doppelgarage hochgezogen


zuletzt bearbeitet 08.09.2012 13:39 | nach oben springen

#15

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 13:21
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat
Da wirste wohl der einzigste gewesen sein,zum Teil Stunden gestanden,um dann zu Hören "Hammer nicht" wirklich sehr Lustig.



Deine Aussage wiederspricht sich doch.
"Hammer nicht" heisst doch das es sowas nicht gibt.
Wieso stellen sich aber die Menschen an?
Also muss es doch was geben, oder meinst Du nicht?
Natürlich konnte es passieren, dass kurz "vor der Nase" das Angestrebte alle, also nicht mehr erhältlich war.

Ich muss Dich (Euch) von der Elbschwimmerfraktion aber enttäuschen, ich hab mich nie angestellt, schon garnicht für Knallzeug -tue ich heute auch nicht-, fand nur lustig wie sich andere anstellten und dann berichteten was in der Schlange so los war, und zumindest in meiner erlebten Lebenszeit in der DDR, musste man, für das was man zum Leben wirklich brauchte, nicht anstehn.

Ich bin so arm aufgwachsen, all die Luxusgüter für die man anstehn musste, waren für meine Eltern nie erschwinglich, und darum hatte und hab ich bis heute auch keinen Bedarf oder bestimmte Ansprüche an Dinge, wo sich andere bis über die Ohren verschulden.

Natürlich leiste ich mir heute auch dies und jenes, was in der DDR nicht erschwinglich oder erhältlich war und dann ist Geiz für mich auch nicht geil, aber bei weitem nicht jeden Mist den der Nachbar auch hat, oder wo andere meinen etwas haben zu müssen um nach aussen dynamisch und erfolgreich auszusehn, jeden Abend aber die Kontoauszüge wälzen weil sie sich finanziell total verhoben haben.

Die letzten Jahre der DDR, 85-90, als ich selber Geld verdiente, und nicht zu wenig -je nach Stundenleistung (bis 320 Arbeitsstunden) zwischen 1200-1800 Ostmark netto-, da hab ich mein Geld in mein Hobby gesteckt und nicht für irgendwelche sinnlose Luxusgüter verbraten.
Das einzige, was ich mir schon damals als einzigen Luxus kaufte, war Bekleidung die nicht aus dem HO oder Konsum kam.
Ich meine damit aber keine Markenartikel ala addidas etc.pp., sondern einfach schicke modische Kleidung die es in Boutiquen und im Exquisit-Laden gab.
Bin halt etwas eitel, auch heute noch, aber schöne Männer müssen sich auch schick kleiden.

Zitat
Frage mal Deine Eltern, ob sie es auch lustig fanden, sich in einer Schlange einzureihen, nur um dir ein paar ausgefallene Kleinigkeiten zu besorgen.


Siehe oben.
Für Grundnahrungsmittel, musste man nicht Stunden anstehn, vielleicht beim Fleischer mal 30 Minuten, meist Donnerstags vorm Wochenende.
Ist aber heute auch nicht anders, dass man vorm Wochenende beim Fleischer etwas anstehn kann, wenn man den Privatfleischer den Supermärkten vorzieht die es in der DDR so nicht gab.
Ausgefallene Kleingikeiten waren in meiner Familie, als ich Kind war, wie oben schon angemerkt, nicht möglich.
Wir hatten auch kein Auto, dass hätten wir auch in 15 Jahren Wartezeit aufs Auto nie zusammen bekommen.
Unser einziger Luxus, bestand aus einer "Sil" Kühl-Tiefkühlkombination und einem "Raduga" Farbfernseher, wofür meine Mutter von ihren 450 Ostmark Jahre vom Mund abgespart hat.
Und wohl vorallem deswegen, weil ich so spärlich gehalten aufgewachsen bin, hatte ich nie das Bedürfnis in irgend eine Freiheit flüchten zu müssen und hab es bis heute nicht.

Zitat
Wegen irgend eines Produktes habe ich mich nicht und werde es wohl auch nicht machen, angestellt!


dito!
Wer geil auf Luxus war der musste das halt in kauf nehmen.
Das Luxuskonsumartikel im Osten klein gehalten waren, war nicht nur dem grundsätzlichen Mangel, sondern auch dem sozialistischen/kommunistischem Gedanken geschuldet und macht bezüglich des Gedankens der Gleichheit schon einen Sinn.
In der Realität machte das natürlich keinen Sinn, da es die Gleichheit, die ein erfolgreicher Kommunismus gebraucht hätte, auch in der DDR nicht gab.
Das war aber kein Systemproblem der marxistischen Lehre, sondern auch ein Problem der Habgier von Menschen, die sich im Kommunistenpelz versteckten.

Zitat
Hallo Mike, dann hast du aber hier und da unter Mangelerscheinungen gelitten, oder ?


Zumindest kein Mangel an Intelligenz, auch wenn ich nicht Mike bin.
Wie es zu Deiner Zeit war, @Gert, kann ich nicht sagen, ich bin 1964 geboren, aber ich könnte mich nicht erinnern, dass man sich für Grundnahrungsmittel, zumindest in meiner erlebbaren Zeit, Stunden anstellen musste.
In Deiner Zeit, der Nachkriegszeit, war es überall in Europa schwierig, dass ist kein rein sowjetzonales (wie man im Westen die DDR abwertend gern benannte) Problem.
Aber @Gert dafür stehst Du heute in NRW öfter im Stau und ich hier im Osten nicht, auch blöd oder?


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#16

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 14:04
von furry | 3.572 Beiträge

Hallo LO,
Du legst Dich ja mächtig ins Zeug mit Deinem Beitrag #15. Wie ich lese bist Du 1964 geboren. Frage doch mal Deine Eltern, wie es war, als Du nochmit der Trommel um den Christbaum gerannt bist. Da hat man sich keine Gedanken um Silvesterscherze gemacht, sondern da waren manche Grundnahrungsmittel ab und an ziemlich knapp. Und wie war es denn auch noch in den 80er Jahren, wenn man am Samstag beim Bäcker ein paar frische Brötchen ergattern wollte, weil man nicht unbedingt auf diese "gummierten" Teile von HO oder Konsum Wert legte? Der Bäcker hat die Dinger nicht ins Haus gebracht.
Während meiner Dienstzeit, Nov. 70 bis Apr.72, haben wir im Erfurter Kühlhaus Waggons mit Butter entladen, deren Pakete mit dem Bundesadler gekennzeichnet war. Und das sicher nicht, weil Butter im Überfluss im Laden lag.
Und weil Du Deine Intelligenz so hervorhebst, nicht nur immer von Zwölf bis Mittag denken.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#17

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 14:57
von eisenringtheo | 9.168 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #
(...)
Während meiner Dienstzeit, Nov. 70 bis Apr.72, haben wir im Erfurter Kühlhaus Waggons mit Butter entladen, deren Pakete mit dem Bundesadler gekennzeichnet war. Und das sicher nicht, weil Butter im Überfluss im Laden lag.
(...)


Vorsicht bei der Butter! Es gab in Deutschland und der gesamten EWG eine Überproduktion von Milch. Die wurde zu Butter verarbeitet, weil man diese besser lagern kann. Aber das Lagern von Tiefkühlkost ist teuer. Ich vermute deshalb, die DDR hat der BRD geholfen, die Butterberge abzubauen und die Butter wohl kostenlos erhalten.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46135792.html
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45995957.html
http://www.zeit.de/1970/14/manchmal-umsonst
Theo


LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#18

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 15:32
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #
Hallo LO,
Du legst Dich ja mächtig ins Zeug mit Deinem Beitrag #15. Wie ich lese bist Du 1964 geboren. Frage doch mal Deine Eltern, wie es war, als Du nochmit der Trommel um den Christbaum gerannt bist. Da hat man sich keine Gedanken um Silvesterscherze gemacht, sondern da waren manche Grundnahrungsmittel ab und an ziemlich knapp. Und wie war es denn auch noch in den 80er Jahren, wenn man am Samstag beim Bäcker ein paar frische Brötchen ergattern wollte, weil man nicht unbedingt auf diese "gummierten" Teile von HO oder Konsum Wert legte? Der Bäcker hat die Dinger nicht ins Haus gebracht.
Während meiner Dienstzeit, Nov. 70 bis Apr.72, haben wir im Erfurter Kühlhaus Waggons mit Butter entladen, deren Pakete mit dem Bundesadler gekennzeichnet war. Und das sicher nicht, weil Butter im Überfluss im Laden lag.
Und weil Du Deine Intelligenz so hervorhebst, nicht nur immer von Zwölf bis Mittag denken.


Ich berichte halt nur wie ich das kenne und bis wohin ich mich zurück erinnern kann.
Und natürlich lege ich mich da ins Zeug, geht immerhin um meine gelebte Vergangenheit, wie ich sie wahrgenommen habe und möchte detailiert berichten und kein 1 Zeilen Spam hinterlassen nur um Senf abgelassen zu haben wie das manche in Foren gern tun.

Wie ich schon schrieb, so kann ich natürlich zu der Zeit davor nichts sagen, meine Erinnerungen reichen etwa bis 1970 zurück.
Und da ich sehr oft, eigentlich immer, mit meiner Mutter einkaufen war, so kann ich mich nicht erinnern, dass wir für das Nötigste und Lebensnotwendigste STUNDEN anstehn mussten.
Das man Schlangen im Laden hatte war doch normal bei den oftmals kleinen Läden.
Denk Dir mal die Supermärkte weg, die es heute überall gibt, die die kleinen Läden alle kaputt gemacht haben.
Wären die nicht da, würde man vermutlich auch heute in Läden durchaus noch eingie Minuten in der Schlange stehn.
Geh mal in ein Dorf wenn der Bäckerwagen oder Fleischerwagen kommt, dort steht man auch ein weilchen.

Was den Bäcker betrifft, da kann ich Dir genau Auskunft geben denn das war mein Part.
Brot und Brötchen gab es immer auch am Samstag.
Seidenn man kam kurz vor Ladenschluss.
Das lag dann wohl an dem Bäcker in Deinem Umfeld wenn es Samstags keine Brötchen gab, mit Mangel hat das nichts zutun.
Das beim Bäcker morgens eine Schlange war, ist der Frische der Brötchen geschuldet und nichts anderem.
Bedenke das es damals -auch im Westen nicht- noch keine elektrischen Bäcköfen gab, wie man sie heute überall stehn hat, stehn haben muss um das Tiefkühlzeug aufzubacken.
HO und Konsum Gummibrötchen ja das waren die wohl, Grossbäckerei halt, ist heute nicht anders nachdem die Brötchen 3-4 Stunden aus dem Ofen sind.
Waren sie frisch, waren die aber auch geniessbar, vorallem die vom Konsum.

Und auch hier wieder, vergleiche mit heute, die Brötchen von Steinecke, Kamps oder wie die Grossbäcker alle heissen, sind doch nicht wirklich geniessbar sobald sie wie oben beschrieben 3-4 Stunden aus dem Ofen sind.
Von den Zuständen in den Grossbäckereien oder anderen Grossherstellern von Lebensmitteln -womit ich hinreichende Erfahrungen habe- will ich garnicht erst anfangen, da sollte man besser garnichts mehr essen.
Obendrein viel zu teuer und dermassen Umwelt schädigend -ja Du hörst richtig, Umwelt schädigend, denn die werden hunderte und tausende Kilometer als Tiefkühlbrötchen durch Europa gekachelt- sodass man schon alleine von der Energieeffizienz her darauf auch verzichten kann, wenn man es kann.
Da stellte ich mich lieber wie beim Bäcker in der DDR an, wo der Bäcker die Brötchen von Hand aus frischen Zutaten selber geknetet hat.
Geh mal heute vor Ladenschluss und frag nach Brötchen, da wird man Dir auch oft leere Fächer zeigen und musst nehmen was übrig ist.

Wenn man also Mangel vergleichen möchte dann tut das doch bitte ehrlich.

Das es in der DDR Mangel gab, streitet niemand ab, und auch nicht das ewiges Schlange stehn was unschönes ist.
Aber jeden Mangel nur aufs System zu schieben, wie das manche gern tun, und alles dem Sytem anhaften wollen weil sie es ablehnten, ist auch nicht richtig, denn wenn Bäcker A Samstag 11.30 Uhr noch reichlich Brötchen hat und Bäcker B nicht mehr, dann liegt das wohl am Bäcker der zu wenig gebacken hat, oder die Leute einfach unverhofft mehr kauften wegen Familienfeierlichkeiten etc.pp..
Deswegen meldete man beim Bäcker um die Ecke solch grösseren Bedarf auch an.
Ich finde daran nichts schlechtes, oder ist es besser Tonnen an Lebensmitteln zu vernichten wie es im heuitgen System üblich ist?
Nun ja, ich habe da halt meine Grundeinstellung zu solchen Dingen, Deine möge da etwas anders sein, so ist das nunmal jeder hat andere Bedürfnisse und soll auch jeder haben.

Betreff Butter, ja da kann ich nichts sagen, bei uns war immer Butter im Haus.
Zumindest laut Verpackung war die aus dem Osten.
Wessen das geschuldet war mit der Butter, sofern sie für DDR-Bürger gedacht war, dass kann ich nicht sagen.
Zumindest in meinem Umfeld, gabs reichlich Milchwirtschaft und keinen Mangel an Butter.
Bist Du Dir 110% sicher, dass diese Butter für den Verbrauch und der Abdeckung von Mangel gedacht war?
Oder waren es Bestände aus dem so genannten Butterberg, der Vernichtung von Butter, wo die DDR dann einfach nur günstig Abkaufte oder gar Geld für die Abnahme bekam, oder die Butter zur Vernichtung gedacht war?
Ich meine, dass die DDR gegen Valuta Abfall sowie Sondermüll der BRD aufnahm, ist ja bekannt.
Das nur Betreff 12 bis Mittag denken im Bezug zur Butter und zum Bäcker.


Edit:
Theo kam mir nun zuvor mit der Butter da war ich noch beim tippen.
Damit scheint die Butterangelegenheit wie Butter angehakt.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Feliks D. und Udo haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.09.2012 15:44 | nach oben springen

#19

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 15:43
von furry | 3.572 Beiträge

@Theo, ich weiß über die Sache mit dem EWG-Butterberg. Bis Anfang der 70er Jahre hatte die Landwirtschaft der DDR aber doch so einige Probleme die Bevölkerung mit einem etwas breiter gefächerten Angebot an Nahrungsmitteln zu versorgen. Mal war Schweinfleisch knapp, mal Rindfleisch und auch bei der Butter klemmte manchmal die Säge. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Butter lose und in begrenzten Mengen verkauft wurde. Obst und Gemüse war eigentlich bis zum letzten Tag der DDR ein Engpass. Ich meine hier nicht Bananen, sondern z. B. Frühkartoffeln, Tomaten oder Erdbeeren und von Paprika gar nicht zu reden, für die man sich gern mal die Beine in den Bauch gestanden hat. Berliner werden jetzt sicher schmunzeln, aber in der thüringer Provinz war es nun mal so.
Eine merkbare Änderung trat dann Anfang der 70er Jahre ein mit dem Übergang zur sogenannten industriemäßigen landwirtschaftlichen Produktion. Wobei, auch hier lagen auch noch einige Hemmschuhe im Wege.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
nach oben springen

#20

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 15:56
von furry | 3.572 Beiträge

@LO, Ausgangspunkt dieses Themas war Schlangen in der DDR. Und ich habe einfach nur geschrieben, wofür man sich anstellen musste, dazu gehörten auch die frischen Brötchen. Ob die Brüder und Schwestern in Altbundesgermanien das Gleiche tun mussten, stand doch gar nicht zur Debatte.
Zum Butterberg habe ich mich weiter oben geäußert. Auch wenn Du meinst, ihr hattet immer reichlich Butter, hatten die Bauern mächtig zu kratzen, dass sie genügend Milch aus ihren Kühen bekamen. Auf diesem Gebiet kenne ich mich nun ein wenig aus, musste jedenfalls hier meine Brötchen verdienen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Was mir heute passiert ist...
Erstellt im Forum Themen vom Tage von josy95
77 10.06.2013 00:12goto
von Fritze • Zugriffe: 5192

Besucher
24 Mitglieder und 67 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 2317 Gäste und 164 Mitglieder, gestern 3810 Gäste und 192 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14366 Themen und 557589 Beiträge.

Heute waren 164 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen