#21

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 16:04
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Mit dem Obst und Gemüse gebe ich dir voll recht @furry.
Meine Mutter, arbeitete bei OGS (Obst-Gemüse-Speisekartoffeln) im Büro als "Tippse" und wenn die Kleingärtner nicht gewesen wären, die ja dort auch anliefern konnten, dann hätte es noch düsterer ausgesehn.
Bestimmte Grundsorten waren aber auch immer da auch im Winter.
Kartoffeln, Weisskohl, Rotkohl, Möhren, Äpfel und wenn Saison war dann war auch Saisonobst und Saisongemüse ohne Schmiergeld erhältlich auch wenn nicht immer täglich.

ABER auch hier und im heute stellt sich mir persönlich beim Einkauf die Frage, "Muss ich Kirschen aus der Türkei haben?"
ICH muss nicht, weder vom Preis noch vom Umweltaspekt.

Gerade in Thüringen, wo ich übrigens auch her stamme, hatte doch eh fast jeder seinen Garten, man baute sein Zeug an.
Tomaten, Gurken, Erdbeeren aus eignem Anbau was gibt es besseres.
Frei von Pestiziden nur mit Pferdekacke gezüchtet.
Klar sehn die vollen Supermärkte heute hübsch aus, aber muss man wirklich exotisches Obst haben, was tausende Kilometer mit Nagel Airfreight geflogen ist?


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Arnstädter und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 16:07
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #
Zitat von furry im Beitrag #
(...)
Während meiner Dienstzeit, Nov. 70 bis Apr.72, haben wir im Erfurter Kühlhaus Waggons mit Butter entladen, deren Pakete mit dem Bundesadler gekennzeichnet war. Und das sicher nicht, weil Butter im Überfluss im Laden lag.
(...)


Vorsicht bei der Butter! Es gab in Deutschland und der gesamten EWG eine Überproduktion von Milch. Die wurde zu Butter verarbeitet, weil man diese besser lagern kann. Aber das Lagern von Tiefkühlkost ist teuer. Ich vermute deshalb, die DDR hat der BRD geholfen, die Butterberge abzubauen und die Butter wohl kostenlos erhalten.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46135792.html
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45995957.html
http://www.zeit.de/1970/14/manchmal-umsonst
Theo



Theo, das kann durchaus sein, aber kostenlos? Ich schätze mal, da durfte pro Waggon Butter ein Mensch aus dem Gefängnis in Karl-Marx-Stadt in die Gegenrichtung reisen.



.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#23

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 16:13
von Pit 59 | 10.134 Beiträge

möchte detailiert berichten und kein 1 Zeilen Spam hinterlassen nur um Senf abgelassen zu haben wie das manche in Foren gern tun.

Wie ich schon schrieb, so kann ich natürlich zu der Zeit davor nichts sagen, meine Erinnerungen reichen etwa bis 1970 zurück.@LO Wahnsinn

Dann will ich mal Versuchen in einem Satz!! was zusagen,schon vor Deiner Erinnerung gab es die DDR!! schon da musste man sich um die Versorgung der Familie kümmern, auch mit Butter die es nur auf Marken gab,ob es Senf ausreichend gab kann ich jetzt gar nicht sagen.


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#24

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 16:36
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #
möchte detailiert berichten und kein 1 Zeilen Spam hinterlassen nur um Senf abgelassen zu haben wie das manche in Foren gern tun.

Wie ich schon schrieb, so kann ich natürlich zu der Zeit davor nichts sagen, meine Erinnerungen reichen etwa bis 1970 zurück.@LO Wahnsinn

Dann will ich mal Versuchen in einem Satz!! was zusagen,schon vor Deiner Erinnerung gab es die DDR!! schon da musste man sich um die Versorgung der Familie kümmern, auch mit Butter die es nur auf Marken gab,ob es Senf ausreichend gab kann ich jetzt gar nicht sagen.


Die Lebensmittelmarken gab es bis etwa 1958. Darauf bekam man Lebensmittel die preiswert waren. Aber die preiswerten Nahrungsmittel waren so knapp, das man bei jedem 2.Artikel, den man wünschte, die Antwort mit " hammer nisch ". Beispiel : Meine Mutter backte gern Kuchen und in unserer Familie lohnte das, weil wir mit 4 Kindern waren. Ohne Westverwandtschaft hätten wir nie Kuchen backen können, weil Backpulver, Rosinen, Zitronat, Schokoladen für Guss und andere Zutaten nicht in der DDR zu bekommen waren. Kamen nur über Westpakete in unsere Haushalt.
Gleichzeitig aber bot die SED über ihr Staatsmonopol HO Geschäfte ( Privatgeschäfte hatte man den Besitzern ja längst gestohlen, also ich rede nicht von Leuna sondern von Tante Emmaläden ) Waren an, die es offenbar dem Sektor " Waren auf Lebensmittelkarten" entzogen hatte, ab zum Preis Faktor 4. Solche windigen Geschäfte macht eigentlich nur die Cosa Nostra in Sizilien. Das ist wirklicher Stamokap(>Staatsmonopolkapitalismus ) ein Schlagwort der linken Vögel der 68-er Bewegung.
Ich könnte noch weiter solche Erinnerungen aus dem Arbeiter und Bauernparadies erzählen, alles selbst erlebt.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#25

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 17:50
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

@Pit 59, ich sprach doch von manchen in FOREN (Mehrzahl)
Ich schreib halt schon immer etwas ausführlicher, da es mehr Sinn macht wenn man tiefsinniger Diskutieren möchte und das wollte ich auch nur unterstreichen.
Kommt eben aufs Thema an, auch 1 Zeilen Postings können einem Thema genügen, kommt ganz aufs Thema an.

Zitat
Theo, das kann durchaus sein, aber kostenlos? Ich schätze mal, da durfte pro Waggon Butter ein Mensch aus dem Gefängnis in Karl-Marx-Stadt in die Gegenrichtung reisen.



@Gert, diese Möglichkeit hatte ich nun nicht auf dem Tablett, aber ich halte sie durchaus für möglich vielleicht sogar für wahrscheinlich.
Ein profitables Geschäft für 3 Seiten.
Die DDR bekommt gegen Butter ihre Freiheitskämpfer los, die dem Staat eh nichts mehr nutzen eher Schaden,
die Freiheitskämpfer bekommen ihre Freiheit,
die Butter bekommt ihre Freiheit aus dem Kühlhaus und die BRD somit ihren Abfall los,
und die BRD bekommt Freiheitskämpfer gegen Butter.
Es gibt keine Verlierer ein wirklich tolles Geschäft.


Zitat von Gert im Beitrag #
Zitat von Pit 59 im Beitrag #
möchte detailiert berichten und kein 1 Zeilen Spam hinterlassen nur um Senf abgelassen zu haben wie das manche in Foren gern tun.

Wie ich schon schrieb, so kann ich natürlich zu der Zeit davor nichts sagen, meine Erinnerungen reichen etwa bis 1970 zurück.@LO Wahnsinn

Dann will ich mal Versuchen in einem Satz!! was zusagen,schon vor Deiner Erinnerung gab es die DDR!! schon da musste man sich um die Versorgung der Familie kümmern, auch mit Butter die es nur auf Marken gab,ob es Senf ausreichend gab kann ich jetzt gar nicht sagen.


Die Lebensmittelmarken gab es bis etwa 1958. Darauf bekam man Lebensmittel die preiswert waren. Aber die preiswerten Nahrungsmittel waren so knapp, das man bei jedem 2.Artikel, den man wünschte, die Antwort mit " hammer nisch ". Beispiel : Meine Mutter backte gern Kuchen und in unserer Familie lohnte das, weil wir mit 4 Kindern waren. Ohne Westverwandtschaft hätten wir nie Kuchen backen können, weil Backpulver, Rosinen, Zitronat, Schokoladen für Guss und andere Zutaten nicht in der DDR zu bekommen waren. Kamen nur über Westpakete in unsere Haushalt.
Gleichzeitig aber bot die SED über ihr Staatsmonopol HO Geschäfte ( Privatgeschäfte hatte man den Besitzern ja längst gestohlen, also ich rede nicht von Leuna sondern von Tante Emmaläden ) Waren an, die es offenbar dem Sektor " Waren auf Lebensmittelkarten" entzogen hatte, ab zum Preis Faktor 4. Solche windigen Geschäfte macht eigentlich nur die Cosa Nostra in Sizilien. Das ist wirklicher Stamokap(>Staatsmonopolkapitalismus ) ein Schlagwort der linken Vögel der 68-er Bewegung.
Ich könnte noch weiter solche Erinnerungen aus dem Arbeiter und Bauernparadies erzählen, alles selbst erlebt.




Nun daran kannst Du sehn, wie unterschiedlich die Zeiten doch waren.
Darum muss man auch aufpassen nicht den Fehler zu machen, die 50ziger und 60ziger Jahre als Massstab für bis 1989 zu nehmen.
Meine Mutter backte auch sehr viel und all die Zutaten die Du benennst, waren in der Zeit bis wohin ich mich erinnern kann -ab 1970- immer vorhanden und uns war es nie vergönnt Pakete von "drüben" zu erhalten.
Die Nachkriegszeit war aber auch im Westen kein Spaziergang und viele, die aus dem Westen was nach Osten schickten, sparten sich das auch vom Munde ab anhand von eignem Verzicht.


Nun ja wir sollten wieder zum Thema kommen wie furry schon richtig anmerkte.

Ich erinnere an die Schlangen an den Tankstellen grad zum Wochenende hin.
Da stand ich öfter, klar WolgaM21.
Zu wenige Tanksäulen, veraltete Tankanlagen, unzureichende Tanks und Mängel in der Belieferungslogistik der Tankstellen, führten auch oft dazu das man mal kein Benzin bekam.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
zuletzt bearbeitet 08.09.2012 17:54 | nach oben springen

#26

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 18:44
von eisenringtheo | 9.168 Beiträge

Die Geschichte mit den (Rationierungs-)Karten- und HO-Preisen ist schon interessant. Hat man einen kleinen Verdienst ist man arm dran und lebt "auf Karte". Verdient man viel Geld, legal oder schwarz, geht man in den HO und kriegt alles, einfach viel teurer.
http://www.60xdeutschland.de/die-ho-senk...dennoch-teurer/
Mit Sozialismus hat das nicht viel zu tun. Jetzt wird mir klar, warum es in der DDR Werbespots gab und brauchte:. Verkaufsförderung für überteuerte Ware, wie zum Beispiel Schokolade...

Theo


zuletzt bearbeitet 08.09.2012 18:45 | nach oben springen

#27

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 18:50
von Mike59 | 7.955 Beiträge

Mit der Butter und der Hilfe des Westens an die hungernden Brüder und Schwestern im Osten - das sollte man etwas vorsichtiger umgehen, auf so viel fettem Zeug kann man mal leicht ins schlittern kommen.
Wer sich nur ein klein wenig mit dem "Innerdeutschen Handel" beschäftig hat, der weiß das es da um etwas anderes ging oder gehen konnte.
Ich kann mich erinnern, das die opulenten Fleischlieferungen in den Westen auch Gegenstand vieler Geschichten sind. Eine davon ist wohl, das Fleisch von einem süddeutschen Großhändler in Afrika gekauft wurde und in die DDR geliefert wurde und von dort als subventionierter innerdeutscher Handel den Weg in den Westen nahm. Immer beteiligt auch "KoKo". Die Butter war doch auch von der EU Subventioniert? Da kann ich mir gut vorstellen das da ein ähnlicher Deal gelaufen ist.

Ist nun allerdings etwas OT und hat nicht wirklich etwas mit dem Ausgangsthema gemein.

Mike59


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#28

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 19:29
von PF75 | 3.292 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #
Zitat von Pit 59 im Beitrag #
möchte detailiert berichten und kein 1 Zeilen Spam hinterlassen nur um Senf abgelassen zu haben wie das manche in Foren gern tun.

Wie ich schon schrieb, so kann ich natürlich zu der Zeit davor nichts sagen, meine Erinnerungen reichen etwa bis 1970 zurück.@LO Wahnsinn

Dann will ich mal Versuchen in einem Satz!! was zusagen,schon vor Deiner Erinnerung gab es die DDR!! schon da musste man sich um die Versorgung der Familie kümmern, auch mit Butter die es nur auf Marken gab,ob es Senf ausreichend gab kann ich jetzt gar nicht sagen.


Die Lebensmittelmarken gab es bis etwa 1958. Darauf bekam man Lebensmittel die preiswert waren. Aber die preiswerten Nahrungsmittel waren so knapp, das man bei jedem 2.Artikel, den man wünschte, die Antwort mit " hammer nisch ". Beispiel : Meine Mutter backte gern Kuchen und in unserer Familie lohnte das, weil wir mit 4 Kindern waren. Ohne Westverwandtschaft hätten wir nie Kuchen backen können, weil Backpulver, Rosinen, Zitronat, Schokoladen für Guss und andere Zutaten nicht in der DDR zu bekommen waren. Kamen nur über Westpakete in unsere Haushalt.
Gleichzeitig aber bot die SED über ihr Staatsmonopol HO Geschäfte ( Privatgeschäfte hatte man den Besitzern ja längst gestohlen, also ich rede nicht von Leuna sondern von Tante Emmaläden ) Waren an, die es offenbar dem Sektor " Waren auf Lebensmittelkarten" entzogen hatte, ab zum Preis Faktor 4. Solche windigen Geschäfte macht eigentlich nur die Cosa Nostra in Sizilien. Das ist wirklicher Stamokap(>Staatsmonopolkapitalismus ) ein Schlagwort der linken Vögel der 68-er Bewegung.
Ich könnte noch weiter solche Erinnerungen aus dem Arbeiter und Bauernparadies erzählen, alles selbst erlebt.





Also meine eltern haben 1953 geheiratet und meine mutter hat den ganzan kuchen selbst gebacken und sie hatten keine westpakete und waren nur einfache arbeiter.
aber wahrscheinlich paßt das wieder nicht ins bild der "bösen zone " .


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#29

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 19:34
von Pit 59 | 10.134 Beiträge

Also meine eltern haben 1953 geheiratet und meine mutter hat den ganzan kuchen selbst gebacken und sie hatten keine westpakete @PF75

Man kann Kuchen auch mit Margarine Backen


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#30

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 19:44
von PF75 | 3.292 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #
Also meine eltern haben 1953 geheiratet und meine mutter hat den ganzan kuchen selbst gebacken und sie hatten keine westpakete @PF75

Man kann Kuchen auch mit Margarine Backen



es geht mir hier nicht um butter oder margarine,sondern um das pauschale schlecht machen, vorallem wenn die DDR auf die 50-iger jahre beschränkt bleibt und das gute der BRD auch nur noch aus den 70-igern herangezogen wird.


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#31

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 20:18
von eisenringtheo | 9.168 Beiträge

Zitat von Mike59 im Beitrag #
(...). Eine davon ist wohl, das Fleisch von einem süddeutschen Großhändler in Afrika gekauft wurde und in die DDR geliefert wurde und von dort als subventionierter innerdeutscher Handel den Weg in den Westen nahm. (...)

Mike59




Fleisch? Akohol und Zigaretten!!! Das bringt Gewinn..
(...)Die Bande, so die Erkenntnisse von Staatsanwalt Andreas Rammelmeyer, wurde von Italien aus gesteuert und schmuggelte nach der Maxime: "Der Zoll soll die Ware aus den Augen verlieren" (Finanz-Ministerialdirektor Hans Hutter).
Die bei den Schweizer Fabriques de Tabac Réunies SA. zum Einkaufspreis von zwei Pfennig pro Stück georderten Zigaretten der Marken Marlboro und Muratti wurden zunächst unverzollt und unversteuert in die DDR nach Drewitz transportiert. Dort luden Helfer die Zigaretten auf Ford-Sattelschlepper um, die aus West-Berlin mit Tarnfracht, wie Tonerde oder Reifenkarkassen, losgefahren waren. Unter falscher Deklarierung wurden die Zigaretten ins Bundesgebiet eingeschleust. Dann gab es für die Schleichhändler kaum noch Hindernisse. Über offene Grenzen gelangte die Ware auf österreichischen Lkw ohne Anstände nach Mailand oder Verona. In Italien war dann die Zollabfertigung lediglich Formalität: Genau kontrolliert wird nur Fracht aus Nicht-EG-Ländern. Häufig narrten die Transporteure die Behörden auch mit gefälschten Frachtpapieren.
Der Umweg über die DDR schmälerte nach den Ermittlungen den Schmuggelgewinn von 300 000 Mark pro Fuhre um 35 000 Mark, die von den ostdeutschen Helfern als Gebühr für ihre guten Dienste kassiert wurde.(...)

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40606579.html


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#32

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 20:33
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Um welche Warteschlangen in der DDR geht es hier überhaupt?
Um das tägliche "stundenlange" Anstehen nach sogenannten Grundnahrungsmitteln, dem anstehen nach raren Konsumgütern oder was?

Es wird hier als Paradebeispiel die Schlange beim Bäcker nach frischen Brötchen aufgeführt.
Diese Schlange war wirklich beachtlich, allerdings nur am Sonnabendmorgen
In der Woche öffnete der Bäcker ebenfalls 7 Uhr, und da hatte ich als berufstätiger DDR Bürger bereits die erste Runde auf Arbeit hinter mir, AZ Beginn war bei mir 6:15 Uhr und so ging es wohl dem überwiegenden Teil der Werktätigen......
Da konnte ich in der Woche keine Schlange bilden......
Zurück zum Sonnabendmorgen, es war einfach ratsam sich so zeitig wie möglich anzustellen. Bei meinem Bäcker schmeckten die handgeformten und handgemachten Schrippen sehr lecker, auch das andere Backwerk war nicht zu verachten.
In meiner Gegend waren in den 70er und 80er einige private! Bäcker und beim Favoriten war die Schlange halt am längsten.
Wartezeit in der Regel 30 bis 40 Min. ........
Geöffnet war Sonnabend bis 11 Uhr aber ab 10 Uhr war der Laden bereits besenrein, weil ausverkauft.
Den Bäcker gibt es heute noch und es werden immer noch die Schrippen nach dem alten bewährten Rezept gebacken! In der Gegend wohne ich nicht mehr und als ich mal Sonnabend früh dort zu tun hatte, dachte ich mich trifft der Schlag; die Schlange so vor dem Laden am frühen Morgen so lang wie zu besten DDR Zeiten......
Woran das wohl liegen mag?

Zitat von Gert
.....weil Backpulver, Rosinen, Zitronat, Schokoladen für Guss und andere Zutaten nicht in der DDR zu bekommen waren.


Das ist schlicht und ergreifend eine unzulässige Verallgemeinerung. Nur weil es dies auf dem Dorf angeblich nie gab bedeutet das nicht das dies auch für den Rest des Landes zutraf.

Zitat von Gert
( Privatgeschäfte hatte man den Besitzern ja längst gestohlen, also ich rede nicht von Leuna sondern von Tante Emmaläden )


Da hilft keine Zurückhaltung, das ist schlicht und ergreifend eine Lüge.
In der Gegend in der ich bis Anfang der 70ger Jahre lebte, kauften wir hauptsächlich in sogenannten Tante Emma Läden ein. Angefangen vom Bäcker über den Fleischer, Käse, Milch und Butterladen, Fischladen!, allgemeiner Lebensmittelladen usw.
Viele der Läden schlossen Ende der 70ger aber nicht weil sie "gestohlen" wurden, sondern weil die Besitzer aus alters- und gesundheitlichen Gründen geschlossen haben. Nachfolger zur Weiterführung ihres Geschäftes fanden sie nicht.....

Die "kargen" Lebensmittelrationen auf Lebensmittelkarten.

Nachfolgend je eine 'Rest'karte vom Mai 1958 aus meinem Besitz.
Je eine Karte für den Mann und eine für die Frau
Es gab unterschiedliche Rationen je nach Tätigkeit, eine Übersicht dazu gibt es hier, wobei das sehr allgemein ist.


Karte für einen Mann


Karte für eine Frau

Monatsrationen auf diesen Karten:

Frau / Mann
1380gr / 1980gr / Fleisch
915gr / 1405gr / Fett
1240gr / 1840gr / Zucker

Noch irgendwelche Fragen?

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Schmiernippel hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 08.09.2012 20:34 | nach oben springen

#33

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 20:37
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Nun ich denke man kann die Verhältnisse nicht pauschal auf die ganze DDR anwenden.
Da gab es Geschäfte, da gabs nie etwas was System bedingt schon Mangel war, und dann gabs eben auch die anderen Geschäfte.
Auch in der HO und in der Konsumgenossenschaft gab es Angestellte Vst-Leiter/innen, die sich sehr bemühten, zumindest ist das mir aus persönlichen Erfahrungen als Kunde noch bekannt.
Oft waren das Leiter, die zuvor privat waren und zwangsverstaatlicht wurden, als Leiter aber bleiben durften.
Die wollten ihre Kunden halt behalten, denn für sie war die Arbeit wohl mehr Mission als notwendiges Übel.

So zog sich das sicher durch die ganze Handelkette, vom Vst-Leiter/in bis zum Regional/Bezirksleiter der jeweiligen Kette.
In einem Bezirk, gabs eben dies oder jenes fast garnicht und in der anderen, eben öfter.
Hinzu kommt, dass gerade auch bei Mangelprodukten, in der "Befehlskette" vom Erzeuger bis zum Regal viel verschwunden ist und das nicht immer gegen Zahlung.
Vieles, was in der "Befehlskette" vom Vorstand bis zum Fahrer verschwand, landete dann im Tauschhandel gegen andere Waren, oder es wurde mit Gewinn verkauft.
Nicht wenige sind damals auch deswegen verurteilt worden.
Auf die Art ist sehr viel Ware nie in die Läden gekommen und viele haben sich bereichtert, womit wir wieder bei der Habgier wären.
Ich schrieb ja schon, dass ich mich nicht anstellte, ich nutzte auch meine Kontakte um, "unter der Hand" gegen Aufpreis, an Dinge zu kommen, die ich benötigte.
Das waren allerdings nie Dinge für den täglichen Bedarf, sondern technische für mein Hobby, die es im gewöhnlichem Handel eh kaum gab.


Es war auch so, dass regional produzierte Waren oft nur in der Region mehrheitlich verfügbar war.
Zu deutsch, ein beispielsweise im Bezirk Halle produziertes Produkt, was man dort im Bezirk auch kaufen konnte, musste es nicht auch im Bezirk Rostock geben weil zu wenig davon produziert wurde und auf dem "Dienstweg" zuviel verschwand.

Wie sagte doch Erich H. sinngemäss "...aus unseren Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen."


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
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Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#34

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 20:42
von Mike59 | 7.955 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #
Zitat von Mike59 im Beitrag #
(...). Eine davon ist wohl, das Fleisch von einem süddeutschen Großhändler in Afrika gekauft wurde und in die DDR geliefert wurde und von dort als subventionierter innerdeutscher Handel den Weg in den Westen nahm. (...)

Mike59




Fleisch? Akohol und Zigaretten!!! Das bringt Gewinn..
(...)Die Bande, so die Erkenntnisse von Staatsanwalt Andreas Rammelmeyer, wurde von Italien aus gesteuert und schmuggelte nach der Maxime: "Der Zoll soll die Ware aus den Augen verlieren" (Finanz-Ministerialdirektor Hans Hutter).
Die bei den Schweizer Fabriques de Tabac Réunies SA. zum Einkaufspreis von zwei Pfennig pro Stück georderten Zigaretten der Marken Marlboro und Muratti wurden zunächst unverzollt und unversteuert in die DDR nach Drewitz transportiert. Dort luden Helfer die Zigaretten auf Ford-Sattelschlepper um, die aus West-Berlin mit Tarnfracht, wie Tonerde oder Reifenkarkassen, losgefahren waren. Unter falscher Deklarierung wurden die Zigaretten ins Bundesgebiet eingeschleust. Dann gab es für die Schleichhändler kaum noch Hindernisse. Über offene Grenzen gelangte die Ware auf österreichischen Lkw ohne Anstände nach Mailand oder Verona. In Italien war dann die Zollabfertigung lediglich Formalität: Genau kontrolliert wird nur Fracht aus Nicht-EG-Ländern. Häufig narrten die Transporteure die Behörden auch mit gefälschten Frachtpapieren.
Der Umweg über die DDR schmälerte nach den Ermittlungen den Schmuggelgewinn von 300 000 Mark pro Fuhre um 35 000 Mark, die von den ostdeutschen Helfern als Gebühr für ihre guten Dienste kassiert wurde.(...)

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40606579.html



Fleisch!
Gehörte wohl auch dazu - über diese Verbindung wurden u.a. auch die Milliardenkredite für die DDR eingefädelt.

Quelle: Strauß - Aufstieg und Fall einer Familie, Seiten 269 ff

Mike59

Angefügte Bilder:
J.März.jpeg

zuletzt bearbeitet 08.09.2012 20:42 | nach oben springen

#35

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 20:43
von Zermatt | 5.293 Beiträge

An Warteschlangen vor Geschäften aller Art kann ich mich nicht erinnern.

Höchstens mal bei den Kassen..wenn von 4 mal wieder nur 1 besetzt war.



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#36

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 20:54
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #
Zitat von Pit 59 im Beitrag #
möchte detailiert berichten und kein 1 Zeilen Spam hinterlassen nur um Senf abgelassen zu haben wie das manche in Foren gern tun.

Wie ich schon schrieb, so kann ich natürlich zu der Zeit davor nichts sagen, meine Erinnerungen reichen etwa bis 1970 zurück.@LO Wahnsinn

Dann will ich mal Versuchen in einem Satz!! was zusagen,schon vor Deiner Erinnerung gab es die DDR!! schon da musste man sich um die Versorgung der Familie kümmern, auch mit Butter die es nur auf Marken gab,ob es Senf ausreichend gab kann ich jetzt gar nicht sagen.


Die Lebensmittelmarken gab es bis etwa 1958. Darauf bekam man Lebensmittel die preiswert waren. Aber die preiswerten Nahrungsmittel waren so knapp, das man bei jedem 2.Artikel, den man wünschte, die Antwort mit " hammer nisch ". Beispiel : Meine Mutter backte gern Kuchen und in unserer Familie lohnte das, weil wir mit 4 Kindern waren. Ohne Westverwandtschaft hätten wir nie Kuchen backen können, weil Backpulver, Rosinen, Zitronat, Schokoladen für Guss und andere Zutaten nicht in der DDR zu bekommen waren. Kamen nur über Westpakete in unsere Haushalt.
Gleichzeitig aber bot die SED über ihr Staatsmonopol HO Geschäfte ( Privatgeschäfte hatte man den Besitzern ja längst gestohlen, also ich rede nicht von Leuna sondern von Tante Emmaläden ) Waren an, die es offenbar dem Sektor " Waren auf Lebensmittelkarten" entzogen hatte, ab zum Preis Faktor 4. Solche windigen Geschäfte macht eigentlich nur die Cosa Nostra in Sizilien. Das ist wirklicher Stamokap(>Staatsmonopolkapitalismus ) ein Schlagwort der linken Vögel der 68-er Bewegung.Ich könnte noch weiter solche Erinnerungen aus dem Arbeiter und Bauernparadies erzählen, alles selbst erlebt.




bei aller diskussion sollte man aber im auge behalten wer denn für die mangelwirtschaft dieser jahre zur rechenschaft zu ziehen ist , die ddr ? , oder war es doch die verschmelzung von staat und wirtschaft (2. weltkrieg) , rot mark .!!!



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#37

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 20:55
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Ja den illegalen Fleischhandel gabs auch.
Ich könnte sogar Namen nennen, die ich mir aus rechtlichen Gründen aber verkneife.

Wo auch immer Schlange war, wenn es bestimmte Schallplatten gab.
Oder Freitags abends am Bahnhof, wenn man ein Taxi wollte und die Taxifahrer -als es die Privattaxen und Schwarztaxen noch nicht gab- irgendwo abduckten wenn ihre Trinkgeldkasse schon gut gefüllt war.
Da stand man dann auch mal länger und es gab eine Schlange.


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Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#38

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 21:27
von Schmiernippel | 244 Beiträge

In meiner Kindheit habe ich viel in Schlangen gestanden, das ist richtig. auch danach haben wir Schlange gestanden, zum Beispiel wenn es Auspuffanlagen für den Trabant oder Kinokarten für den "Otto-Film" gab.
aber wir sollten nicht vergessen, dass es in der jüngsten Vergangenheit und auch heute noch wieder Schlangen gab und gibt. Nicht wegen materiellen Dingen, da leben wir ja in einer Überflussgesellschaft. Ich denke eher an die Schlangen Anfang der 90er Jahre auf den Arbeitsämtern und heute teilweise schon wieder bei der ARGE.
Oder gönnt euch mal eine beabsichtigte Behandlung als Schmerzpatient. Da will die Schwester wahrscheinlich über Stunden ausloten, wie groß die Schmerzen denn nun wirklich sind.
Ein Stau auf der Autobahn ist übrigens genau genommen auch eine Warteschlange.
Gruß Schmiernippel



LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 21:40
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Ja, Wartezeit beim Arzt 6 Monate als ich als berufstätiger mit beginnenden Herzproblemen ganz vorsorglich und noch ohne Notarzt dort auftauchte.
Orthopäde fast das gleiche Problem, seidenn man begnügt sich mit einem der einen schlechten Ruf hat.

Ist wie beim Bäcker, da wo Qualität ist dauerts halt länger.

Wo man auch Schlange stand in der DDR war wenn ein Zirkus in der Stadt war.
Aber ob man das nun negativ bewerten kann, aus meiner Sicht absolut nicht denn heute bekommt man solchen Zirkus nicht mehr geboten.
Gibt ja im Alltag auch genug.

Ach ja, im Stau hat wohl jeder schon länger gestanden wie je in einer Schlange in der DDR.
Zumindest gehts mir so.
Oft ist die Ursache von Stau auch Mangel.


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Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
zuletzt bearbeitet 08.09.2012 21:42 | nach oben springen

#40

RE: Die Warteschlange

in Leben in der DDR 08.09.2012 21:49
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Wer hat sie noch in Erinnerung ,die Warteschlangen an den Tankstellen. Samstag war ja bekanntlich so am Nachmittag 14 Uhr sense bei den hiesigen Tankstellen ,ausgenommen waren die Intertankstellen , diese gab es nur in den Großstädten . Wer am Sonntag mal eine große Fahrt vorhatte , der machte sich schnell noch mit einem 20 Literkanister auf zur Tanke. Wenn dan noch der Tankwagen von Minol Benzin anlieferte ,wurde die Tankstelle abgesperrt und dann stand man auch so eine halbe bis eine Stund in der Reihe an der Tanke .mG ratata


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