#21

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.06.2009 20:51
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Wie war das genau, Augenzeuge?
Interessiert mich sehr!

Du meinst, die Pässe wurden vorher gefälscht? Und wurden in Budapest echt durch den Einreisevermerk?
Du mußtest doch aber als Westdeutscher/-berliner für Budapest ein Foto-Visum haben, welches vorher in Berlin oder Bonn bei der Botschaft (Konsulat) beantragt wurde.
Du mußtest doch außerdem in Prag einen Ausreisevermerk bekommen, der in Budapest ja auch kontrolliert wurde..

Wie klappte der Trick denn genau?
Ich weiß auch, daß es da mal Wege über Pässe und Fliegerei gegeben hat. Die genauen Details entziehen sich aber meiner Kenntnis...


zuletzt bearbeitet 24.06.2009 20:54 | nach oben springen

#22

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.06.2009 20:56
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Augenzeuge grüß Dich!
Ja ist ein schwieriges Thema--Aber rechtlich gesehen war Fluchthilfe-nach den Grundlagenvertrag von 1972 dann eine Straftat.Also mal so gesehen--wenn man einen Fluchthelfer erwischt hat--dann hat der Mann zu Recht gesessen.Ich spreche nun nicht von den,der flüchten wollte.Denn der Fluchthelfer hat gegen gültiges Recht des Grundlagenvertrags 1972 verstoßen.Was zwischen beiden deutschen Staaten geschlossen wurde.


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#23

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.06.2009 21:07
von icke46 | 2.593 Beiträge

Hallo,

ich möchte in diesem Zusammenhang mal den Link http://www.ddr-geschichte.de/Politik/Sou...itabkommen.html

ins Spiel bringen, wo das ganze Transitabkommen dokumentiert ist. Der Punkt, um den sich alles dreht, ist wohl der darin
defininierte "Mißbrauch der Transitwege". Ob dieser Mißbrauch auch von der westlichen Seite hätte verfolgt werden müssen -
keine Ahnung.

Gruß

icke



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#24

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.06.2009 21:20
von Rostocker | 7.717 Beiträge

icke---nun ist alles klar Danke


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#25

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.06.2009 02:27
von Berliner (gelöscht)
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Zitat von FSK-Veteran
Die Fluchthilfe lief nach seinen Erzählungen folgendermaßen ab:
Nachdem er zur Verabredung seinen Fluchthelfer in der Raststätte Michendorf auf die Toilette gehen sah, zahlte er und passte seinen Fluchthelfer dementsprechend ab, daß beide zeitgleich die Raststätte gemeinsam verließen, als ob sie sie gemeinsam betreten hätten. Beide gingen zum Auto und er setzte sich nach vorne auf den Beifahrersitz des Mercedes-PKW. Sie fuhren los am frühen Sonntagmorgen(?), als die Transitstrecke erfahrungsgemäß recht leer war. An einer bestimmten Stelle der Transitstrecke gab es eine Vertiefung. So etwas, wie ein kleines Tal, in der sich das Fahrzeug kurzfristig einer Überwachung aus der Ferne entzog. Im PKW erfuhr er vom Fluchthelfer den genauen Ablauf. Das er mitten auf der Transitstrecke stoppen werde. Und das er dann nach hinten rennen solle, um sich in den Kofferraum zu legen. Das geschah dann auch so. Das Fahrzeug stoppte rasant. Er rannte nach hinten, sprang in den Kofferraum und der Fluchthelfer gab sofort wieder Vollgas. Aus dem Kofferraum hörte er dann nach eigenen Erzählungen die Abfertigungsgespräche. Das Fahrzeug fuhr ein Stück. Dann fuhr das Fahrzeug ein längeres Stück. Dann stoppte es nochmals. Genau erinnern konnte er sich dann an die Frage: "Guten Tag, gab es in der DDR besondere Vorkommnisse"? Da wußte er: "...ich hab´s geschafft...". Der Fluchthelfer verneinte die Frage und sie fuhren noch ein Stück bis auf einen abegelegenen Teil einer Raststätte. Er kann sich noch heute an die ersten Eindrücke erinnern. "Der Kofferraum öffnete sich. Und ich sah als allererstes im Westen eine Shell-Tankstellenreklame hinten auf der anderen Fahrbahnseite."

Er setzte sich wieder nach vorne auf den Beifahrersitz. Und die Fahrt ging ganz normal weiter nach Frankfurt/Main zu seinen Verwandten....

Hallo FSK-Veteran,

vielen Dank, dass Du hier bei uns das Forum bereicherst. Ich finde Deine Betraege sehr einblicksvoll, man will ja hier die Vergangenheit festhalten und abarbeiten, und Tatsachen von Augenzeugen tragen viel dazu bei.

Zum Thema.
Ich habe im diesem Clip nie 100% verstanden worum es ging, bis ich Deine Story gelesen habe. Hat es sich in diesem Clip um so einen Fluchtversuch gehandelt?

Berliner

Dieser kleiner Clip ist aus der DVD So war das DDR, Kapitel 6: Schild und Schwert. Die DVD ist hier erhaeltlich ist.



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#26

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.06.2009 02:41
von CaptnDelta (gelöscht)
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Zitat von Berliner
Zum Thema. Ich habe im diesem Clip nie 100% verstanden worum es ging, bis ich Deine Story gelesen habe. Hat es sich in diesem Clip um so einen Fluchtversuch gehandelt?
Berliner

Dieser kleiner Clip ist aus der DVD So war das DDR, Kapitel 6: Schild und Schwert. Die DVD ist hier erhaeltlich ist.



Mit dem Video haette ich mal 'ne Frage an unseren Bunkerkommandanten: War es normal das man sich da bei der 'Firma' ueberm Funk gegenseitig als 'Knallkoeppe' usw. bezeichnet hat?
-Th


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#27

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.06.2009 15:41
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von FSK-Veteran
Wie war das genau, Augenzeuge?
Interessiert mich sehr!
Du meinst, die Pässe wurden vorher gefälscht? Und wurden in Budapest echt durch den Einreisevermerk?
Du mußtest doch aber als Westdeutscher/-berliner für Budapest ein Foto-Visum haben, welches vorher in Berlin oder Bonn bei der Botschaft (Konsulat) beantragt wurde.
Du mußtest doch außerdem in Prag einen Ausreisevermerk bekommen, der in Budapest ja auch kontrolliert wurde..
Wie klappte der Trick denn genau?
Ich weiß auch, daß es da mal Wege über Pässe und Fliegerei gegeben hat. Die genauen Details entziehen sich aber meiner Kenntnis...


Nun, es gab unterschiedliche Möglichkeiten. Kauf dir mal das Buch von Wolfgang Welsch, Staatsfeind Nr.1- hier soll alles detailliert beschrieben sein. Es gab wohl auch Möglichkeiten über das Strauss-Büro. Danach wurden wohl einige Flüchtlinge in Diplomatenfahrzeugen rausgebracht. Mir ist bekannt, das u.a. ein norwegischer Diplomat erfolgreich war, er aber kurz darauf ausgewiesen wurde.
Hier habe ich aber schon mal eine Story:
In die befreundeten Ost-Block-Länder zumindest konnten die DDR-Bürger ja auch fliegen. Und genau diesen Umstand nutzte Müller für seine Fluchtidee: In den Transiträumen osteuropäischer Flughäfen wie Prag oder Budapest mischten sich zu bestimmten Zeiten immer wieder ostdeutsche und westdeutsche Flugreisende. Ideal schien der Sonntag in Prag zu sein. Dort warteten die Passagiere gegen 9 Uhr auf drei fast zeitgleiche Flüge - einen nach Schönefeld (Ost-Berlin), einen mit der Swiss Air nach Zürich und den der amerikanischen Fluglinie Pan Am nach Düsseldorf.

So einfach funktionierte es: Im Transitraum sammelte Müller die Pässe und Flugscheine der zur Flucht entschlossenen DDR-Bürger ein, die, aus anderen Ostblockstaaten kommend, in Prag eigentlich in Richtung Berlin-Schönefeld umsteigen sollten. Stattdessen erhielten sie von Müller einen gefälschten Westberliner Personalausweis und neue Tickets nach Zürich oder Düsseldorf. Für die tschechischen Grenzer waren sie so Westberliner, und statt in der Interflug-Maschine nach Schönefeld saßen die DDR-Flüchtlinge plötzlich in einem Flieger in die Freiheit. Eine mit Angst und viel Geld erkaufte Freiheit.

Im günstigen Fall kostete die Flucht 8000 D-Mark, zahlbar an die "Fluchtorganisation Loeffler" - eine Menge Geld, bei einem Durchschnittsverdienstes von knapp 600 Mark (Ost) und einem inoffiziellen Tauschkurs von damals 1:3. Angebot, Nachfrage und Risiko bestimmten auch bei den Fluchthelfern den Preis: In den achtziger Jahren, als immer mehr DDR-Bürger raus wollten und der SED-Staat eine Flucht zugleich immer mehr erschwerte, sollen sogar bis zu 20.000 DM pro Ausreisewilligen verlangt worden sein. Oft zahlte die Westverwandtschaft den Preis der Freiheit, seltener akzeptierte die Fluchtorganisation auch Abtretungserklärungen - dass ein Fluchtwilliger eine so hohe Summe selbst auf der hohen Kante hatte, war die Ausnahme. "Wer nicht zahlen konnte, wurde nicht geschleust", so Müller.

Im ungünstigen Fall jedoch entdeckte die Stasi die Fluchtvorbereitungen; dann war nicht nur das Geld weg, es drohten mindestens zwei Jahre im Gefängnis. Angst hatte deshalb jeder. Für 32 DDR-Bürger, darunter Ärzte, Chemiker, Kellner und ganze Familien, denen Müller und seine Hintermänner mit gefälschten Ausweisen via Flugzeug zur Freiheit verhalfen, endete die Flucht jedoch glücklich.

Gruß, Augenzeuge


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#28

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.06.2009 15:55
von karl143 (gelöscht)
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Zitat von Augenzeuge

In die befreundeten Ost-Block-Länder zumindest konnten die DDR-Bürger ja auch fliegen. Und genau diesen Umstand nutzte Müller für seine Fluchtidee: In den Transiträumen osteuropäischer Flughäfen wie Prag oder Budapest mischten sich zu bestimmten Zeiten immer wieder ostdeutsche und westdeutsche Flugreisende. Ideal schien der Sonntag in Prag zu sein. Dort warteten die Passagiere gegen 9 Uhr auf drei fast zeitgleiche Flüge - einen nach Schönefeld (Ost-Berlin), einen mit der Swiss Air nach Zürich und den der amerikanischen Fluglinie Pan Am nach Düsseldorf.

So einfach funktionierte es: Im Transitraum sammelte Müller die Pässe und Flugscheine der zur Flucht entschlossenen DDR-Bürger ein, die, aus anderen Ostblockstaaten kommend, in Prag eigentlich in Richtung Berlin-Schönefeld umsteigen sollten. Stattdessen erhielten sie von Müller einen gefälschten Westberliner Personalausweis und neue Tickets nach Zürich oder Düsseldorf. Für die tschechischen Grenzer waren sie so Westberliner, und statt in der Interflug-Maschine nach Schönefeld saßen die DDR-Flüchtlinge plötzlich in einem Flieger in die Freiheit. Eine mit Angst und viel Geld erkaufte Freiheit.



Es mußte ja garnicht im Chaos eines Flughafen alles erledigt werden. Die DDR Bürger machten ihren ganz normalen Urlaub in Bulgarien oder ähnlich. Ein Mitarbeiter der Fluchthilfeorganisation traf dann diese Familie. Sie bekamen von ihm westdeutsche Papiere, meißtens im Original. Außerdem Flugscheine und andere Kleinigkeiten wie westl. Zigaretten und ähnliches, was auf eine Herkunft aus dem Westen schließen ließ. Diese Personen flogen dann ganz normal in West-Berlin den Flughafen an. Es gab zu dieser Zeit viele Mitarbeiter von Ordnungsämter welche die Arbeit von Fluchthilfeorganisationen mit der Weitergabe von Papieren oder Stempeln unterstützten. Manchmal waren es auch die Behörden selber.


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#29

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.06.2009 16:05
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo karl 143, bist du sicher? Dann bräuchten sie auch Ausreisepapiere, im Transitraum nicht mehr.

Gruß, Augenzeuge


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#30

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.06.2009 16:42
von karl143 (gelöscht)
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Ja, bin ich. Das ist auch im Buch von Welsch so beschrieben. Das erste Treffen mit der Familie welche flüchten will, findet im Hotelzimmer der Familie statt. So wurde das ganze Risiko mit den Transitbereichen umgangen. Die hatten doch dann westdeutsche Papiere. In denen war die Einreise schon eingearbeitet. Die sind dann mit dem bundesrepublikanischen Pass ganz normal als Tourist wieder nach Deutschland geflogen.


zuletzt bearbeitet 26.06.2009 16:44 | nach oben springen

#31

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 26.06.2009 17:13
von Augenzeuge (gelöscht)
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Danke für die Info, ich selbst habe das Buch von Welsch nicht gelesen. Ich dachte immer, das die Einreisestempel ein Problem waren...


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#32

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 29.06.2009 10:23
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Hallo Berliner, vielen Dank für Dein Lob!

Ja, genau dort (in Michendorf) hat es sich nach den erwähnten Erzählungen abgespielt. Unmittelbar nach dem Inkrafttreten des Transitabkommens 1972 (vielleicht die ersten beiden Jahre) war nach Auskunft des Bekannten für Flüchtende und Fluchthelfer viel möglich, was dann später nicht mehr möglich war. Schon wegen der Wärmeüberwachungsanlagen an den Transitausfahrten, die eine Person im Kauferraum für die Grenzorgane sofort kenntlich gemacht haben.

Augenzeuge:
sehr, sehr interessant, Deine Ausführungen. Ein Wunder, wie lange immer wieder Löcher "im Zaun" entdeckt (und genutzt) wurden...


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#33

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 29.06.2009 15:32
von FSK-Veteran (gelöscht)
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@Augenzeuge,
nochmals vielen Dank für den Hinweis!
Habe mir das Buch von Welsch "Staatsfeind Nr.1" gerade über Amazon bestellt.
Bin sehr gespannt!


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#34

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 06.07.2009 16:22
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Ich habe inzwischen das Buch von W.Welsch gelesen. Absolut interssant: unglaublich, alles! Der Mann mit den vielen Leben. Überstand mehrere Mordanschläge der Stasi. Sein unmittelbarer Vergifter des MfS in Israel (schloß "Freundschaft" zu Welsch) gestand alles und wurde 1994 zu 6 1/2 Jahren verurteilt. Sein MfS-Führungsoffizier beging in der Untersuchungshaft Selbstmord. Das Buch ist über amazon sehr preiswert bestellbar.

Zur von mir erwähnten Flucht "Transitstrecke" habe ich jetzt übrigens einen absolut interessanten Bericht des "SPIEGEL" von 1973 entdeckt, der ausführlichst verschiedenste damals bekannt gewordene Wege, sowie die ganze Atmosphäre in jener Zeit beschreibt. Und die Angaben meines Bekannten bestätigt.

In Antwort auf:
"Wolfgang" kassierte beides, Geld wie Schmuck, beim zweiten Treff Unter den Linden und sagte: "Paß auf, hör genau zu, ich sage es dir nur einmal, morgen um sechs Uhr bist du in Michendorf."

Am anderen Morgen wartete der Ost-Berliner Lehrling bei Michendorf, 50 Kilometer von Berlin entfernt, an der Autobahn nach Helmstedt. Altmann:

So um sechs Uhr kam er, im hellen VW. Er sagte nur: Na, da bist du ja, oder so was. Ich war froh, daß er da war und stieg ein. Er sagte mir, daß ich kurz vor Helmstedt vorn in den Kofferraum reinschlüpfen muß. Nach ein paar Kilometern haben wir das erst mal probiert.

Ich stieg in den Kofferraum, aber das ging nicht. Die Klappe ging nicht zu, ein kleines Stückchen war noch Luft. Dann ist er in den Kofferraum gestiegen und hat mir das gezeigt. Er hatte ungefähr meine Körpermaße. Dann machte ich es ihm nach, und nun ging es. Ich lag seitlich, auf einem weißen Laken. Es war eng, und ich hatte Angst, ich werde husten, weil ich auch verschnupft war.

Kurz vor Helmstedt haben wir dann noch einmal bei einer Raststätte haltgemacht. Ich habe was getrunken, er hat getankt. Dann sind wir weiter. Er hielt dann, ich stieg um, einfach auf der Strecke, nicht am Parkplatz, Kofferraum auf, ich rein, das ging auf Anhieb gut, sofort zugemacht. Kurze Zeit später hörte ich Stimmen und konnte alles genau hören, da sprach ein Vopo, alles ging ganz schnell, ich merkte, wie der Wagen Slalom fuhr, wohl durch die Sperren, hin und her, dann hörte ich wieder Stimmen, ich dachte, das wäre noch immer DDR. Aber ich war schon im Westen.


Alle Story´s hier/Quelle:
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument...481&top=SPIEGEL


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#35

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 06.07.2009 18:14
von dein1945 (gelöscht)
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Dann sind wir weiter. Er hielt dann, ich stieg um, einfach auf der Strecke, nicht am Parkplatz, Kofferraum auf, ich rein, das ging auf Anhieb gut, sofort zugemacht. Kurze Zeit später hörte ich Stimmen und konnte alles genau hören, da sprach ein Vopo, alles ging ganz schnell, ich merkte, wie der Wagen Slalom fuhr, wohl durch die Sperren, hin und her, dann hörte ich wieder Stimmen, ich dachte, das wäre noch immer DDR. Aber ich war schon im Westen.[/quote]
Alle Story´s hier/Quelle:
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument...481&top=SPIEGEL[/quote]

Hallo FSK,
was ist an der Geschichte Dichtung oder Wahrheit, ich glaube kaum, daß man im Kofferraum liegend heraushören konnte, spricht hier ein Vopo oder Grenzer. Die erste Kontrolle vor Marienborn war ca. 5 KM vor der eigentlichen Kontrollstelle, da saß ein Vopo, man hat kurz gestopt, den Ausweis oder Pass gezeigt und konnte weiterfahren.Die eigentliche Kontrolle in Marienborn erfolgte in meheren Abfertigungsspuren. Am ersten Halt gab ich Pass und Transitvisum ab, es wurde mit dem Foto verglichen, dann fuhr man nach Aufforderung weiter, beim zweiten Halt, wurde nochmals die Person mit dem Ausweis oder Pass verglichen und dann ging es in vorgeschriebener Geschwindigkeit in Richtung Helmstedt. Das alles mit einem kleinen Schwenker von der Autobahn, so als ob ich über einen Parkplatz fahre. Nix von Slalom, ich bin als Westberliner einige hundertmal über die Transitstrecke gefahren. Slalom war vor 1972, als es noch kein Transitabkommen gab, da mußte ich aber den Kofferraum öffnen, zu der Zeit konnte sich wohl kaum jemand verstecken !


Dateianlage:
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#36

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 06.07.2009 19:37
von icke46 | 2.593 Beiträge

Hallo, dein1945,

ich glaube, ich muss Dir widersprechen, was den Kontrollablauf bei der Ausreise im Transit über den Grenzübergang Marienborn anbetrifft. Es stimmt, das 5 km vorher der eigentlich GÜST ein Kontrollposten der VP war - mit einem Beobachtungsturm auf dem Mittelstreifen - an der Stelle konnte man am "Horizont" schon den eigentlichen Übergang sehen, der auf einer Anhöhe lag. Allerdings bin ich an dem VP-Posten nie kontrolliert worden, bei einer ganzen Anzahl von Transitfahrten im Jahr. Der zweite Punkt, den Du beschreibst mit Passabgabe, vorrücken, Pass zurück, kam bei mir nur bei der Einreise im Transit vor - bei der Ausreise fuhr man ans Kontrollhäuschen, gab den Pass ab, Gesichtskontrolle, Visastempelkontrolle, das Visum wurde einbehalten, und man konnte weiterfahren. Im allgemeinen ging die Transitausreise schneller als die Einreise.

Das sind meine Erinnerungen - und bin mir sehr sicher, dass es so war.

Nix für ungut

icke



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#37

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 07.07.2009 11:23
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von icke46
Hallo, dein1945,

ich glaube, ich muss Dir widersprechen, was den Kontrollablauf bei der Ausreise im Transit über den Grenzübergang Marienborn anbetrifft.as sind meine Erinnerungen - und bin mir sehr sicher, dass es so war.

Nix für ungut

icke


Hallo icke,

da hab ick mich geirrt, du hast natürlich Recht, es war nur bei der Einreise so, es ist gottseidank schon fast 20 Jahre her. Mir ging es auch hauptsächlich nur um die Slalomfahrt und an die kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Ich bin mir nicht mal sicher ob es vor 1972 dies gab. Nix für ungut, ich bin nicht böse darüber, dafür ist das Forum ja da, auch auf Fehler hinzuweisen!

Ick bin Berliner


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#38

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2009 19:37
von Merkur | 1.018 Beiträge

Die Methoden, mit denen schleusungswillige DDR-Bürger außer Landes gebracht worden sind, wechselten im Laufe der Jahre und wurden den Regimebedingungen entsprechend angepasst.
In den 60er Jahren wurde u. a. die Methode des Passabtausches nach dem Ähnlichkeitsprinzip angewandt, bei der die Schleuser Personalausweise der Bundesrepublik von Personen auswählten, die mit der zur Schleusung bestimmten Person Ähnlichkeitsmerkmale aufwiesen. Diese Dokumente wurden in die DDR geschmuggelt und den Schleusungskandidaten übergeben. Diese flüchteten mit echten Personalpapieren über eine GÜSt. Diese relativ einfache und ohne große organisatorische Vorbereitung durchzuführende Schleusungsmethode war mit der Verbesserung des Kontrollsystems bei den PKE und der Einführung von Tagesaufenthaltsgenehmigungen in größerem Umfang nicht mehr anwendbar. Bevorzugt wurden auch Schleusungsmethoden unter Verwendung von ge- und verfälschten Reisedokumenten.
Eine ebenfalls in den 60er Jahren bevorzugte Methode war, dass Schleuser mit Leihwagen über die GÜSt Drewitz in die DDR einreisten, bei der Grenzpassage erhaltene Laufzettel gegen nachgeahmte und mit gefälschten Einreisestempelabdrücken präparierte Laufzettel austauschten und auf diese Weise die Einreise mehrerer Personen vortäuschten, die zur Ausschleusung bestimmten Personen mit deren Passfotos unrechtmäßig ausgestellte, der Originaldruckauflage entstammende Personalausweise ausrüsteten und auf diese Weise Schleusungen zu realisieren versuchten.
Auch die sogenannte Opfermethode wurde realisiert, indem nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählte Personen nach der Einreise in die DDR ihre Reisedokumente den zur Schleusung vorgesehenen Personen übergaben und anschließend instruktionsgemäß den Verlust ihrer Dokumente ggü. den Sicherheitsorganen der DDR vorzutäuschen hatten.
In den 70er Jahren erfolgte eine Zunahme von Ausschleusungen- und Versuchen mit Hilfe von Diplomatenpässen, darunter auch Fiktionen von UNO- und Diplomatenpässen.
Die Praktiken der illegalen Verbringung von Personen unter Ausnutzung von konstruktionsbedingten Versteckmöglichkeiten in Kfz dürften allegemein bekannt sein. Auch die Ausnutzung zollverschlusssicher eingerichteter Transportmittel, bei denen sich das Kontrollverfahren gem. Artikel 6 des Transitabkommens nur auf die Prüfung der Verschlüsse (Verschlusssicherheit) und der Begleitdokumente erstreckte wurde zahlreich angewandt.
In den 80er Jahren gab es beispielsweise den zunehmenden Trend, dass Schleusungskandidaten in größerer Entfernung zu den Transitstrecken in die Schleusungsfahrzeuge aufgenommen wurden.
Durch das MfS wurden aber auch spektatkuläre Aktivitäten krimineller Menschenhändler im Vorfeld aufgeklärt. Beispielsweise gab es Pläne, ein Passagierflugzeug der INTERFLUG zu entführen, in welchem etwa 40 DDR-Bürger während der Leipziger Messe nach Westberlin verbracht werden sollten. Diese 40 Personen sollten durch Kuriere veranlasst werden, Plätze für eine bestimmte Maschine der INTERFLUG zu buchen, ohne untereinader davon Kenntnis zu haben. Ausgewählte Schleuser sollten mit Handfeuerwaffen in die DDR einreisen, hier sollten sie mit ihren Lichtbildern präparierte Personalausweise der DDR erhalten und für das gleiche Flugzeug Plätze buchen. Nach dem Start sollte der Pilot zur Landung in Tempelhof gezwungen werden.
Das MfS klärte beispielsweise 1985 in einem OV die Ausschleusung von Bulgaren auf Bitte der Bulgarischen Sicherheitsorgane auf. Bulgaren, die sich besuchsweise in der DDR aufhielten, kehrten nicht in ihre Heimat zurück und meldeten sich bei Rückverbindungen aus Österreich. Im Ergebnis der operativen Vorgangsbearbeitung wurde geklärt, dass die Bulgaren mit dem bulgarischen Personalausweis und einer dazu ausgestellten Anlage mit den Stempelabdrücken "Par R. S. Romanio" (Reise nur über Rumänien) und "GDR" in die DDR einreisten. Während ihres Aufenthaltes in der DDR übergaben die Bulgaren einem Kurier die Anlagen, der sie nach Westberlin brachte. Hier nahm ein Jugoslawe mittels chemischer Rasur die Entfernung des Stempelabdruckes "Par R. S. Romanio" vor und es erfolgte ein Nachtrag mit kyrillischen Buchstaben "SFRJ", "UVR", und "DDR". Die verfälschten Anlagen wurden in Ostberlin den Bulgaren übergeben, die nun "berechtigt" waren über die CSSR, die UVR und die SFRJ nach Bulgarien zurückzureisen. Nach erfolgter Grenzpassage Ungarn-Jugoslawien überschritten die Bulgaren die Grenze nach Österreich.



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#39

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2009 21:17
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo Merkur, danke für die sehr interessanten Schilderungen. Man merkt, dass du "vom Fach" bist.
Ich staune über die dann doch zahlreichen Fluchten im Auto. Was weisst du über die Anwendung der Gamma-Strahler an den GÜST bzw. am Checkpoint Charlie? War diese Technik denn überwindbar?

Ach, und was passierte dann den echten BRD-Bürgern, wenn man feststellte, dass jemand mit dem Pass schon weg ist?

Gruß, Augenzeuge


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#40

RE: Fluchthilfe - Fluchthelfer

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2009 22:03
von karl143 (gelöscht)
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Hallo Augenzeuge,

wenn du den ersten Teil von Merkurs Nachricht mal aus der Sicht eines direkt betroffenen Fluchthelfers lesen willst dann
hier http://www.fluchthilfe.de/
Da ist auch genau beschrieben, wie die Pass"änderungen" usw. in den 60er Jahren durchgeführt wurden. Sehr interessante Seite.


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