#21

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 14:23
von S51 | 3.733 Beiträge

Schau, erkoe, das ist wie mit deinen Fragen anderenorts. Da kann ich leider nicht helfen doch das mit dem "Nutzen" ist immer relativ.
Nein, ein Toter, ob nun ein Flüchtling, von GT oder einer anderen Feldpostnummer hat selbst nichts mehr davon. Das stimmt natürlich.
Für seine Hinterbliebenen jedoch gilt das schon nicht mehr so absolut. Denn mancher fühlt sich eben doch besser, weiß er nicht nur allenfalls von Hörensagen, was wo passiert ist. Gibt es einen Ort, wo er gedenken kann.
Für jene, die dort Verletzungen davontrugen, kann es hilfreich sein, wenn Zeit, Ort und Umstände neutral bestätigt werden können.
Für all jene, die mit der ehemaligen Grenze Politik machen, so oder so, ist es schon besser müssen sie sich nicht dauernd selbst berichtigen.
Bei den alten (wohlhabenden) Agyptern gab es seinerzeit die Praxis, ihr Andenken auszulöschen indem man ihre Zeichen ausmeißelte. So ähnlich muss sich heute mancher vorkommen wenn er außer auf Vermutungen nur auf ein statistisches Nichts stößt. Diesen Leuten kann so geholfen werden. Denen nützt es.
Doch, objektive Arbeit vorausgesetzt, es kann auch uns ehemaligen Grenzern nützen. Wenn man sich nicht mehr mit vagen Vorwürfen nach dem Motto "ihr habt ja sowieso immer...diesmal ganz bestimmt auch..." herumschlagen muss sondern sauber nachweisen kann, was wo wirklich passiert ist. Oder eben nicht passiert ist.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


erkoe hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 14:35
von erkoe | 301 Beiträge

Hi S51,

aus diesem Blickwinkel gesehen unterschreibe ich dein Statement. Vielen Dank!

VG
Erik


Nicht alle Beulen im Helm eines Offiziers stammen vom Klassenfeind...


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#23

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 17:49
von Fritze (gelöscht)
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Zitat von Thunderhorse im Beitrag #5
Wartet es doch einfach mal ab!!!


Wieso abwarten ? Haben wir das nicht schon 22 Jahre gemacht ? Geht es hier nicht wieder um eine neue Zurschaustellung des "Unrechtssystems " und damit eine Warnung an alle ,welche etwas "Gutes" in der DDR sahen und um Ostalgie abzuwürgen ???


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#24

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 17:56
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von Fritze im Beitrag #23
Zitat von Thunderhorse im Beitrag #5
Wartet es doch einfach mal ab!!!


Wieso abwarten ? Haben wir das nicht schon 22 Jahre gemacht ? Geht es hier nicht wieder um eine neue Zurschaustellung des "Unrechtssystems " und damit eine Warnung an alle ,welche etwas "Gutes" in der DDR sahen und um Ostalgie abzuwürgen ???




Warts einfach ab.
In dieser Arbeit gehts auch nicht um die neue Zurschaustellung wie du so dä..... schreibst.
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...Index/id/593792
Du kannst Dir das Buch aber auch selbst zulegen.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#25

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 18:02
von Fritze (gelöscht)
avatar

ne lass mal ! Habe in meinem Leben schon ne Menge guter Bücher gelesen,aber dafür gebe ich kein Geld aus und auch die Zeit ist mir dafür zu schade.


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#26

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 19:12
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #2
Für mich wäre da mal die Frage interessant:
Wie weit wird dort der Begriff "Opfer" gefasst ?

Aus meiner Sicht gehören auf diese Liste nicht nur solche Namen wie
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Fechter und
http://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Gueffroy
sondern auch
die Kameraden Klaus Peter Seidel und Jürgen Lange.

Ansonsten wäre das für mich wieder nur eine sehr einseitige Sicht auf die Vergangenheit.

Gruss Hartmut


Davon sollte man ausgehen..nicht nur Flüchtlinge sondern auch Fluchthelfer und Grenzer.



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#27

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 19:42
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #11

Es sollte doch in 22 Jahren längst mal gelungen sein, EINE Statistik aufzustellen, gefördert und gefordert vom BUND, historisch verwertbar, die dann ggf. nur aktualisiert wird und nicht jedesmal eine neue, ein ganz neues Projekt, welches dann auch noch mit Steuergeldern klammer Bundesländer gefördert wird.
Stattdessen verfährt man nach dem Prinzip "alle Jahre wieder", um das am Ende sich die Zahlen kaum bewegen.
Wer sich informieren möchte findet alle Infos detailiert im Web, es bedarf nicht wirklich einer neuen Statistik.
Aber naja, der Wasserkopf in den Behörden will halt auch seine Existenzberechtigung haben.


Die Aufarbeitungsindustrie hat in den letzten 22 Jahren eben auch eine Menge gut dotierter Stellen geschaffen und diese brauchen noch eine lange Zeit ihre Berechtigung und müssen verteidigt werden. Da bieten sich doch immer neue Studien geradezu an um den eigenen Lehrstuhl, oder die eigenen Behörde, nicht der Gefahr einer eventuellen Budgetkürzung auszusetzen. Da spielt das Ziel der Aufarbeitung, Delegitimierung etc. nur eine untergeordnete Rolle.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
passport und erkoe haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.08.2012 19:44 | nach oben springen

#28

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 20:34
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Die Ergebnisse eines Kaffeesatz auslesens, der noch nicht gebrüht ist, sind bewundernswert.


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#29

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 20:43
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Nabend Thunder!

Zum [vermutichen] Ergebnis dieser Studie habe ich doch gar kein Wort verloren, ich schrieb lediglich über die sie begünstigenden Umsände die sich etabliert haben. Das Ergebnis ist durchaus offen und kann daher aktuell gar nicht bewertet werden, da gehen wir also konform.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#30

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 20:54
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Es geht ja weniger um Kaffeesatz, sondern um die Erfahrungen der letzten 22 Jahre und die sind wohl zum grossen Teil negativ, weil zuviel zusammengewürfelt wurde.

Ich bin aber der Hoffnung, dass dieses Werk, wenn es vollendet ist, tatsächlich umfassend und auch gut strukturiert ist, damit der gemeine Leser klar unterscheiden kann, wer, wo, wann, wie und warum Opfer war.
Und ich hoffe, dass dieses höchst offizielle Werk dann ein Generalstandartwerk für alle Historiker wird, woran sich jeder zu richten hat und seine Forschungsarbeit aufbauen muss.
Und das damit, dass "immer wieder neue Studien" ein Ende hat, es gepflegt wird wie eine Software, Updates und Bugs beheben durch weitere Foschung, nicht mehr und nicht weniger.

NUR solch ein Ansinnen ist legitim, alles andere gehört in die Mülltonne.
Ich lass mich überraschen.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#31

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 20:58
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von Feliks D. im Beitrag #29
Nabend Thunder!

Zum [vermutichen] Ergebnis dieser Studie habe ich doch gar kein Wort verloren, ich schrieb lediglich über die sie begünstigenden Umsände die sich etabliert haben. Das Ergebnis ist durchaus offen und kann daher aktuell gar nicht bewertet werden, da gehen wir also konform.



Scho seltsam, habe nur einen Satz geschrieben, ohne jemanden damit direkt anzusprechen und schon kommt Rechtfertigung darauf.
COOL.

Und Grins.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#32

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 24.08.2012 21:01
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #15
[...]
Andererseits jedoch läßt z.B. der mittlerweile offizielle Umgang mit E. Schultz befürchten, dass man auch diesmal nicht ohne Bleistift, den besonders spitzen meine ich, auskommen wird.

Ich beziehe mich dabei mal auf die offizielle Verlautbarung hierzu:
http://www.bundesregierung.de/Content/DE..._site=Mauerfall

Hallo S51,

ist evtl. der offizielle Umgang mit Peter Fechter gemeint oder doch Egon Schultz? Ich war bisher der Meinung, daß Egon Schultz der Öffentlichkeit kaum bekannt ist.

Danke

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#33

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 06:23
von S51 | 3.733 Beiträge

Nein, ich meine schon Egon Schultz und hierbei ausdrücklich die Art der Bearbeitung dieses Vorfalls in der Chronik der Mauer

http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593926/page/8

Wo eben ganz ähnlich nur seitenverkehrt der DDR gearbeitet wird indem das Obduktionsergebnis und Hr. Prof. Dr. Prokop mit der Feststellung "...das tödliche Geschoß hatte das Kaliber 7,65 mm..." (sinngemäß, der Schuß durch beide Lungenflügel), an der er zeitlebens festhielt, nicht gerade unterschlagen aber verharmlost wird. Mit dem Ergebnis, dass heutzutage dieser Treffer als fast schon harmlos öffentlich mehrfach dargestellt wird.
Einerseits besticht diese Arbeit (Chronik der Mauer...) durch eine vergleichsweise objektivere Darstellung als zuvor von Ost und West geliefert. Andererseits sind für jene, die schon öfter mal Ermittlungsberichte geschrieben haben durchaus Merkmale erkennbar, die auf Parteilichkeit und teilweise sogar Vertuschung hindeuten. Da ist dies ist nur ein, allerdings sehr deutliches Beispiel.
Nun könnte man argumentieren, dass die DDR-Seite in dieser Beziehung keineswegs harmlos war, kräftig vertuscht hat. Sicher, das stimmt. Wenn auch die neue Arbeit sich an so etwas orientiert oder orientieren sollte (so können die Formulierungen von Hr. Neumann durchaus verstanden werden), dann stellt sich die Frage, wieso Parteipolitik von öffentlichen Geldern bezahlt werden soll. Oder wer das dann zurückzahlt.
Warten wir es ab.
Denn auch das ist Fakt, viel schlechter als gegenwärtig geht es gar nicht und bei so manchem Mangel ist die "Chronik der Mauer" (auch Totenbuch I) immer noch besser als alles Andere. Als Maßstab durchaus brauchbar.


GK Nord, GR 20, 7. GK
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#34

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 09:57
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #33
Nein, ich meine schon Egon Schultz und hierbei ausdrücklich die Art der Bearbeitung dieses Vorfalls in der Chronik der Mauer

http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593926/page/8

Wo eben ganz ähnlich nur seitenverkehrt der DDR gearbeitet wird indem das Obduktionsergebnis und Hr. Prof. Dr. Prokop mit der Feststellung "...das tödliche Geschoß hatte das Kaliber 7,65 mm..." (sinngemäß, der Schuß durch beide Lungenflügel), an der er zeitlebens festhielt, nicht gerade unterschlagen aber verharmlost wird. Mit dem Ergebnis, dass heutzutage dieser Treffer als fast schon harmlos öffentlich mehrfach dargestellt wird.
Einerseits besticht diese Arbeit (Chronik der Mauer...) durch eine vergleichsweise objektivere Darstellung als zuvor von Ost und West geliefert. Andererseits sind für jene, die schon öfter mal Ermittlungsberichte geschrieben haben durchaus Merkmale erkennbar, die auf Parteilichkeit und teilweise sogar Vertuschung hindeuten. Da ist dies ist nur ein, allerdings sehr deutliches Beispiel.
Nun könnte man argumentieren, dass die DDR-Seite in dieser Beziehung keineswegs harmlos war, kräftig vertuscht hat. Sicher, das stimmt. Wenn auch die neue Arbeit sich an so etwas orientiert oder orientieren sollte (so können die Formulierungen von Hr. Neumann durchaus verstanden werden), dann stellt sich die Frage, wieso Parteipolitik von öffentlichen Geldern bezahlt werden soll. Oder wer das dann zurückzahlt.
Warten wir es ab.
Denn auch das ist Fakt, viel schlechter als gegenwärtig geht es gar nicht und bei so manchem Mangel ist die "Chronik der Mauer" (auch Totenbuch I) immer noch besser als alles Andere. Als Maßstab durchaus brauchbar.



Ich gehe mal davon aus, S 51 ist der ""original" Obduktionsbericht bekannt!

http://www.tagesspiegel.de/berlin/portra...int/259950.html

http://www.triller-online.de/g0566.htm

http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_365260.html

http://www.welt.de/print-welt/article646...-der-Mauer.html


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#35

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 10:31
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #34
...Ich gehe mal davon aus, S 51 ist der ""original" Obduktionsbericht bekannt!
...


Ohne "..." ja.
Freilich nicht aus den Printmedien. Da bin ich zu mißtrauisch. Das Wechselspiel zwischen Text, redaktioneller Bearbeitung und politischer Orientierung kenne ich zu gut. Auf die Quelle wird in meinem Link unter der Fußnote 24 und ergänzend 25 auch hingewiesen. Diese Quelle ist weitaus besser. Es war halt doch kein "einfacher" (das ist jetzt meine Interpretation, das steht so dort nicht. Ergibt sich als Analogie durch die eher beiläufige Abhandlung) Pistolensteckschuß. Und ja, er war mehrfach getroffen. Und ja, die anderen Treffer waren "tödlicher" aber der erste Treffer war nun mal jener aus der Waffe des Fluchthelfers. Der hätte zur damaligen Zeit für sich allein das gleiche Ergebnis gehabt. Dies jedoch hatten wir schon mal öfter...
Aufmerksam geworden bin ich seinerzeit schon zu DDR-Zeiten darauf durch ein Buch Prof. Dr. Prokop, indem sich dieses Zitat als Auszug befand. Solch eine Formulierung aus seiner Feder machte neugierig weil sie durchblicken ließ, dass es eben nicht nur diesen Treffer gab. Sonst hätte er nicht das Kaliber so betont. Das hat mich beruflich auch interessiert.

Es kommt mir in diesem Thread aber nicht auf diese spezielle Sache an für sich an. Das ist ja schon zigfach diskutiert. Und "polarisiert" nach wie vor. Sie dient mir nur als recht anschauliches Beispiel dafür, das gewisse Praktiken in der Aufarbeitung halt nicht einseitig begrenzt sind oder gar waren. Die Worte von Hr. Neumann lassen in dieser Beziehung einiges befürchten. Selbst wenn man ihm zugute hält, dass dies nun mal der übliche Politslang ist.
Nachtrag: Fehler berichtigt, ich brauch wohl doch bald eine Brille...


GK Nord, GR 20, 7. GK
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zuletzt bearbeitet 25.08.2012 11:04 | nach oben springen

#36

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 11:00
von Fritze (gelöscht)
avatar

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #28
Die Ergebnisse eines Kaffeesatz auslesens, der noch nicht gebrüht ist, sind bewundernswert.


Dieser Kaffesatz ist schon desöfteren aufgebrüht worden.Ist doch immer die alte Leier.Hauptsache es kommt am Ende raus,wie menschenfeindlich,rückschrittlich und desolat das System war.
Weisst Du Thunderhorse,wenn irgend etwas geschieht oder in Auftrag gegeben wird ,haben sich schon die alten Römer gefragt,"Wem nützt das ?"
So ,den Opfern nützt es nichts mehr ! Ergo ?


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#37

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 12:17
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von Fritze im Beitrag #36
[quote=Thunderhorse|p206703]Weisst Du Thunderhorse,wenn irgend etwas geschieht oder in Auftrag gegeben wird ,haben sich schon die alten Römer gefragt,"Wem nützt das ?"
So ,den Opfern nützt es nichts mehr ! Ergo ?



Heute gelesen, Forschungsprojekt eines jungen Forschers zu den Kämpfen am Isonzo (1. WK 1914 - 1918) fertig gestellt. Nächstes Jahr jährt sich der Beginn des 1. WK zum 100-sten mal.

Wem nützt dies?

Gedanken darüber kann sich jeder selber machen.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#38

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 12:19
von Thunderhorse | 4.008 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #35
[quote=Thunderhorse|p206748]...Ich gehe mal davon aus, S 51 ist der ""original" Obduktionsbericht bekannt!
...


Ohne "..." ja.
Freilich nicht aus den Printmedien. Da bin ich zu mißtrauisch. Das Wechselspiel zwischen Text, redaktioneller Bearbeitung und politischer Orientierung kenne ich zu gut. Auf die Quelle wird in meinem Link unter der Fußnote 24 und ergänzend 25 auch hingewiesen. Diese Quelle ist weitaus besser. Es war halt doch kein "einfacher" (das ist jetzt meine Interpretation, das steht so dort nicht. Ergibt sich als Analogie durch die eher beiläufige Abhandlung) Pistolensteckschuß. Und ja, er war mehrfach getroffen. Und ja, die anderen Treffer waren "tödlicher" aber der erste Treffer war nun mal jener aus der Waffe des Fluchthelfers. Der hätte zur damaligen Zeit für sich allein das gleiche Ergebnis gehabt. Dies jedoch hatten wir schon mal öfter...
Aufmerksam geworden bin ich seinerzeit schon zu DDR-Zeiten darauf durch ein Buch Prof. Dr. Prokop, indem sich dieses Zitat als Auszug befand. Solch eine Formulierung aus seiner Feder machte neugierig weil sie durchblicken ließ, dass es eben nicht nur diesen Treffer gab. Sonst hätte er nicht das Kaliber so betont. Das hat mich beruflich auch interessiert.

quote]


Etwas undeutlich von mir wohl formuliert. Ich meinte natürlich inhaltlich durch Lesen des Originalberichts.
Nicht aus Bücher bzw. Darstellungen der Sichtweisen aus der Zeit des Kalten Krieges.


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#39

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 15:18
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Ari@D187 im Beitrag #32
Zitat von S51 im Beitrag #15
[...]
Andererseits jedoch läßt z.B. der mittlerweile offizielle Umgang mit E. Schultz befürchten, dass man auch diesmal nicht ohne Bleistift, den besonders spitzen meine ich, auskommen wird.

Ich beziehe mich dabei mal auf die offizielle Verlautbarung hierzu:
http://www.bundesregierung.de/Content/DE..._site=Mauerfall

Hallo S51,

ist evtl. der offizielle Umgang mit Peter Fechter gemeint oder doch Egon Schultz? Ich war bisher der Meinung, daß Egon Schultz der Öffentlichkeit kaum bekannt ist.

Danke

Ari


Nun wenn ich mich richtig erinnere , hiess jede 2.Schule in der DDR Egon-Schultz-Schule ? Also ist doch bekannt, aber vielleicht wusste nicht jedes Schulkind wer er eigentlich war. Eine Peter-Fechter-Schule habe ich nie gesehen


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#40

RE: Neues Forschungsprojekt über Opfer der DDR-Grenze

in Flucht und Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer 25.08.2012 15:31
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #39
Nun wenn ich mich richtig erinnere , hiess jede 2.Schule in der DDR Egon-Schultz-Schule ? Also ist doch bekannt, aber vielleicht wusste nicht jedes Schulkind wer er eigentlich war. Eine Peter-Fechter-Schule habe ich nie gesehen



Wir reden aber schon von 2012 und der heutigen Darstellung des Falles?

Von den im Westen groß gewordenen und dort lebenden Leuten werden den Namen Egon Schultz schätzungsweise - Achtung Kaffeesatzhinweisgeber - 95% gar nicht zuordnen können. Mit einer bzw. diversen Tunnelbauten und Fluchten wird die Ausbeute evtl. schon ein paar % höher sein.

Peter Fechter ist dagegen einer breiten Öffentlichkeit durch häufige Medienberichte und immer wieder gezeigte, dramatische Bilder bekannt. Ein großes Gedenkkreuz erinnerte Jahrzehnte lang im Westen an den Fall, heute steht dort eine Steele. Ähnliches Gedenken fand für Egon Schultz im Westen nicht statt.

Nachfolgend eine Kurzzusammenfassung, die ich an anderer Stelle mal eingestellt hatte.

####################
Ende 2008 war ich im Rahmen einer 2 1/2 Tage Berlin-Tour auch im Dokumentationszentrum Berliner Mauer in der Bernauer Straße 111. Unten im Erdgeschoß gibt es ein Besucherarchiv, d.h. dort sind Text-, Ton-, Film- und Bilddokumente zur Geschichte der Bernauer Straße frei zugänglich. U.A. ist dort ein Ordner zum Fall Egon Schultz mit 128 Seiten Umfang. Er enthält alle bisher genannten, und weitere, mir bisher nicht bekannten Dokumente:

Sektionsprotokoll
Ballistisches Gutachten
Bilddokumentation des MfS
Die Antwort von Dr. Prokop auf die Frage ob die Verletzung durch den Pistolenschuß alleine für das Ableben von Egon Schultz ursächlich sein könnte
Verhöre von Anwohnern der Strelitzer Straße 55
Die Verhöre von dem Grenzsoldaten, welcher versehentlich einen Feuerstoß auf den am Boden liegenden Egon Schultz abgab
Tatortsskizzen
etc.


Eine aufwendige Recherche bei der BStU ist somit nicht erforderlich, wenn sich jemand eingehender mit dem Fall beschäftigen möchte. Mir war vorher nicht bewusst, daß es in dem Dokumentationszentrum derartig umfängliche Dokumente zur Verfügung stehen, sonst hätte ich mehr Zeit für die Recherche eingeplant.

Fotos der Dokumente durften nicht gemacht werden, daher folgende Angaben als Gedächtnisprotokoll:

1. Zu der Antwort von Dr. Prokop auf die Frage ob die Verletzung durch den Pistolenschuß alleine für das Ableben von Egon Schultz ursächlich sein könnte:
Zusammenfassend antwortet er, daß die Verletzung als schwere Körperverletzung anzusehen ist. -> Alleine betrachtet also nicht tödlich.

2. Zu dem Verhör bzw. den Aussagen des Grenzsoldaten, welcher versehentlich einen Feuerstoß auf den am Boden liegenden Egon Schultz abgab:
Er vernahm Schüsse, welcher er eindeutig als Pistolenschüsse identifizierte. Gleichzeitig stöhnte Postenführer Egon Schultz auf und fiel dann zu Boden. Er erwiderte das Feuer nicht, da er aufgrund der Dunkelheit nichts sah.
Ein Mitarbeiter des MfS gab ihm dann allerdings den Befehl das Feuer zu erwidern. Daraufhin hat der Grenzsoldat ohne erkennbares Ziel das Feuer eröffnet, ein Feuerstoß 9 in Dauerfeuerstellung.

Das Dokumentationszentrum befindet sich lediglich 300m Luftlinie von dem Tatort entfernt. Dort konnte ich dann feststellen, daß mittlerweile der Wunsch von Egon Schultz' Freund, Michael Baade, in Erfüllung ging, nämlich in der Strelitzer Straße 55 wieder eine Gedenktafel anzubringen.
###########################

Ob die Unterlagen dort heute noch immer einsehbar sind entzieht sich meiner Kenntnis.

Ari


Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
zuletzt bearbeitet 25.08.2012 15:47 | nach oben springen


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