#41

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 16.08.2012 21:45
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #34
Danke Nostalgiker,
exakt SO hatte ich die Absicht des Threads auch verstanden.
Vielleicht verstehn ja nun alle was gemeint ist.
Der Kalte Krieg ist erst dann zuende und Deutschland erst dann EIN Land, wenn diese überformten -um es mal diplomatisch auszudrücken- Geschichten ein Ende haben.
Und ja, es ist durchaus im Detail wichtig, ob auf dem B1000 Obst und Gemüse stand oder nicht, da damit den Menschen die sich informieren wollen ein noch böseres Bild suggeriert werden soll, als es ohnehin teils berechtigt teils unberechtigt schon ist.
Jeder der etwas Intelligenz besitzt, sollte dazu fähig sein, zu Wissen, dass die DDR viele Fehler gemacht hat und es auch reichlich Unrecht gab, was es alles aufzuarbeiten gilt.
Jeder der Intelligenz besitzt, wird aber auch erkennen, wo die Aufarbeitung endet und wo Probanganda und Deligimierung beginnt.
Da es aber auch viele Menschen gibt, die zu bequem oder unfähig sind ihre grauen Zellen zu bemühen, darum ist es wichtig, dass Zeitzeugen wie wir den Finger dort erheben wo es notwendig ist.

Uns Ossis wird oft vorgeworfen wir hätten die Mauern noch im Kopf.
Das mag teilweise auch stimmen, wobei man allerdings den Kontext nicht aus den Augen lassen darf.
Mein persönlicher Stand ist der, dass die Mauer bei mir wieder wächst weil der immer stärkere Werteverfall in dieser Gesellschaft, inklusive der immer grösseren Lügen -nicht nur in Bezug auf die Ex-DDR-, einfach nicht mehr zu ertragen ist.
Meine Mauer, basiert aber nicht auf Fundamenten zwischen Ost und West, sondern in der deutlichen Abgrenzung der momentanen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und in Europa.

Wenn aber Leiter solcher Einrichtungen, wie Museen, welche (die Leiter und Orgas) vorzugsweise auch aus den alten Bundesländern stammen, mit übereifrigen Darstellungen das Geschichtsbild verzerren, dann darf man sich mehrere Fragen stellen.
Sind diese Leute gesteuert?
Sind diese Leute dumm?
Haben diese Leute ein psychisches Problem?
Oder sind es genau diese Leute, die den kalten Krieg weiter betreiben, selbst Mauern in den Köpfen haben und diese in den Köpfen der Menschen wieder errichten möchten und mit ihrem Handeln auch errichten?
Oder haben diese Leute einfach nur Angst, immer mehr Menschen könnten ihr System ablehnen?

Für mich persönlich, geht die Gefahr gegen das Zusammenwachsen Deutschlands viel weniger von der "alten Garde" aus, die es teils immernoch nicht geschafft hat ihr Gehirn ins 20/21.. Jhd. zu befördern.
Vielmehr geht die Gefahr von denen aus, die Deutschland mit ihren "Bildungs"einrichtungen weiter entzweit, zumindest solange noch Zeitzeugen leben.

Am Rande und als Vergleich zum Threadthema.
Ich war am Wochenende im Grenzmuseum Schifflersgrund und hab mir einen ganzen Tag Zeit genommen.
Die Hardware dort, wenn auch nicht perfekt und 100% authentisch, war ja ganz OK, aber die Software, mit der ich mich auch eingehend beschäftigt habe, war erschreckend einseitig (nein so erschreckend wars dann für mich doch nicht weil man es ja gewohnt ist).
Mehr dazu die Tage im entsprechendem Thread über das Grenzmuseum.



Aber wir sind es ja gewohnt.
Wir -alle Deutschen- kriechen immerhin schon seid 1945 auf den Knien und offenbar ist es auch so gewollt, dass die Ostdeutschen für die DDR auch auf ewig auf allen vieren kriechen sollen.
Ich hoffe ich erlebe den Tag noch, an dem alle Deutsche sich die ganze Scheisse nicht mehr gefallen lassen.
Und bevor hier Unklarheiten aufkommen, ich meine damit keinen neuen Führer und kein 4. Reich, sondern ein besseres Deutschland, ein Vorbild für die ganze Welt.

Vor 4 Jahren, stand ich mal an der weissrussischen Grenze an der Passabfertigung während Schichtwechsel war und kam mit einem russichem Geschäftsmann ins Gespräch.
Wir unterhielten uns über die Deutschen nach 1945 und er äusserte sein Unverständnis, wieso wir uns soviel gefallen lassen und gebückt durch die Welt gehn.
Dieses Gespräch, mit einem Nachkommen der Opfer deutscher Gewalt, gab mir bezüglich positivem Stolz und Kopf erheben sehr zu Denken.

guter beitrag @ LO... . rot mark : glaube ich nicht ! sind sehr intelligente zeitgenossen die die zeichen dieser erkannt haben und im angesicht der zunehmenden unwissenheit der nachfolgenden generationen , man kann auch von der verdummung des volkes sprechen , hier ihre chance sehen um viel 'kohle' zu machen !!! ob diese gesteurt werden : man könnte vermuten ja ! beschäftige das volk damit keiner uns hinter die kulissen guckt und ist kein 'amoklauf ' zu melden muß eben die böse ddr - diktatur und die stasi ran !!!




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#42

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 16.08.2012 22:26
von Gert | 12.354 Beiträge

[quote=Nostalgiker|p205949]@Gert, in Berlin gibt es keine mittelalterlichen Burgen, mal abgesehen von Spielburgen auf Spielplätzen.

Du solltest meine Empfindungen welche ich bei der Besichtigung einer "authentisch" hergerichteten Stätte schon mir überlassen.
Wenn sie Dir nicht passt, Dein Problem und nicht meins.

Es kommt auch immer auf die Erwartungshaltung an mit der ich solche Stätten der "Erinnerung" betrete und wenn ich schon mit dem Vorbehalt nach HSH fahre das dort alles viel schlimmer dargestellt wird wie es durch die wertfreie, objektive Geschichtsschreibung tagtäglich durch sämtliche Medien verbreitet wird und meine (in diesem Falle wohl Deine) "Erwartungen" bezügliche des dargestelltes Terrorregimes, sprich der unmenschliche DDR und ihrer bestialischen Schergen von der Stasi gegen die die NSDAP, GESTAPO, SD und SS wie Vereinigungen unschuldiger christlicher Männer wirken, ja dann ist doch Deine Erwartung erfüllt worden.
Meine, wenn ich je eine hatte, eben nicht und dies solltest Du mir zugestehen.

Übrigens gehen auch die Auffassungen darüber was Folter sei sehr weit auseinander.
Für den einen ist schon die Hausordnung einer Haft- oder Untersuchungsanstalt der Ausdruck bestialischer Folter, von Verhören und deren Zeitdauer und Zeitpunkt ganz zu schweigen.

Richtig ist das Folter oder was dafür gehalten wird in der DDR nicht erlaubt war oder geduldet wurde. Ebenso ist es richtig das es in Haftanstalten des MdI zu Übergriffen von einzelnen Mitgliedern des Wachpersonals gegenüber Häftlingen kam.

Genauso wahr ist es das es bis 1953 dem NKDW gesetzlich erlaubt war durch Anwendung von physischer Gewalt Geständnisse von Verhafteten zu erpressen. Selbiges hatte bis 1951 dort Hausrecht.

Und solange keine glaubwürdigen Zeitzeugen über bestimmte Dinge berichten können welche zur Zeit in dieser "Gedenkstätte" nach Hörensagen berichtet werden oder/und nachgebaut wurden hat das alles einen sehr schalen Beigeschmack.
Es dürfte doch kein Problem sein bei angeblich Hunderttausenden dort Inhaftierten mal einen Lebenden Häftling zu finden der diese Geschichten glaubhaft bestätigen kann.
Bekanntlich sind die ja alle verstahlt und deshalb Tod; was ist eigentlich mit dem Wachpersonal passiert oder wurden die Häftlinge während dieser Aktion allein gelassen?

Wenn ich ganz fest daran Glaube dann glaube ich auch daran und damit die nachfolgende Generation ganz fest daran glaub das die DDR und die Reduzierung selbiger auf Stasi letztendlich das schrecklicher Terrorregime auf deutschem Boden im 20. Jahrhundert war werden weder Kosten noch Mühen gescheut um das auch dem letzten Begriffstutzigen Jugendlichen nahezubringen.

Nicht nur das in der DDR alle nur erdenklichen sogenannten natürlichen Menschrechte mit den Füssen getreten wurden sie hatte auch noch die Dreistigkeit das grundlegende und natürliche Menschenrecht für Einige an privaten Großgrundbesitz und umfangreichen Privatbesitz an Produktionsmitteln nicht nur in Frage zu stellen, nein auch noch aufzuheben.
Das ging nun wirklich zu weit.
Das Verhältnis von lupenreinen Demokraten zu Diktaturen auf dieser Welt ist solange entspannt solange die Interessen des Kapitals nicht in Frage gestellt werden.


Gruß
Nostalgiker


[/quote
Nostalgiker

Was du für eine Erwartungshaltung beim Besuch dieser Stätte der Gewalt mitgebracht hast ist dein Problem. Ich bin dort hingegangen, ohne irgendwelche Vorstellungen und Erwartungshaltung. Ich habe einfach nur zugehört und bin genauso nachdenklich und auch geschockt da herausgekommen, wie ich es 1955 als 11 jähriger schon bei dem Besuch des KL Buchenwald erlebt habe.
Kommunistische Gewaltorgien sind mir genauso zuwider wie anders politisch bemäntelte Gewaltanwendung gegen Menschen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Für mich ist die Freiheit des Menschen ein hohes Gut dem hat sich alles andere unterzuordnen.
Nun kannst du wieder seitenweise dein Parteichinesisch herumsülzen es wird nichts an meiner Grundauffassung ändern.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.08.2012 22:26 | nach oben springen

#43

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 16.08.2012 23:03
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@Gert bist der irrigen Meinung hier beleidigen zu müssen nur weil Du etwas inhaltlich nicht verstehst?
Das ist äußerst unnett.

Nett Dein lahmer Versuch "Kommunistische Gewaltorgien" mit Deinem Buchenwaldbesuch welchen Du als 11jähriger absolviertest zu Verbinden um die Gleichsetzung von 3.Reich = DDR hinzubekommen.
Glaube mir, Du hast als 11jähriger nicht ansatzweise verstanden was Nationalsozialismus oder besser gesagt Faschismus bedeutet und ich befürchte Du hast es bis Heute nicht.

Weißt was Dein fundamentaler Fehler ist?
"Ich bin dort hingegangen, ohne irgendwelche Vorstellungen und Erwartungshaltung. Ich habe einfach nur zugehört und bin genauso nachdenklich und auch geschockt da herausgekommen"

Wenn ich irgendwo hingehe wo mir Geschichte aufbereitet präsentiert wird versuche ich mir zumindest einen Grundüberblick über Zeit, Verhältnisse(politische, ökonomische etc.), ein warum und weshalb zu verschaffen.
Blauäugig und ahnungslos in soetwas reinstolpern......, da ist man natürlich geschockt wenn einem dann gar fürchterliches offeriert wird. Ich habe ja durch eigene Ahnungslosigkeit überhaupt keinen Maßstab für die Glaubwürdigkeit oder auch nicht der aufgetischten Räuberpistolen, es wird für bare Münze genommen was mir erzählt wird.
Genau das ist es auch worauf die "Gestalter" solcher objektiven, nur der "Wahrheit" verpflichteten Gedenkstätten bauen, die Ahnungslosigkeit, die Uninformiertheit des größten Teils der Besucher.

Es ist ja nicht nur so das in HSH kritisch nachfragenden Besuchern mit Hausverbot gedroht wird, es wurden nachweisbar auch ehemalige Häftlinge, welche dort als Referenten tätig waren, von der Gedenkstättenleitung entfernt nachdem sie sich weigerten weiterhin offensichtliche Geschichtsfälschungen zu verbreiten. Das sagt auch sehr viel darüber aus was Knabe und Konsorten von Freiheit und in diesem Falle von freier Meinungsäußerung halten.

Ach ja und weil wir gerade von Freiheit reden als höchstes menschliches Gut, was ist überhaupt "Freiheit"?
Das bitte aber in einem gesonderten Thread.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#44

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 16.08.2012 23:12
von Gert | 12.354 Beiträge

@Nostalgiker
Glaube mir, Du hast als 11jähriger nicht ansatzweise verstanden was Nationalsozialismus oder besser gesagt Faschismus bedeutet und ich befürchte Du hast es bis Heute nicht

Korrekt, deine Analyse für das Jahr 1955. Aber beim Anblick von Lampenschirmen aus tätowierter Menschenhaut dort oben auf dem Ettersberg habe ich damals als 11-jähriger verstanden, was Menschen Menschen antun können. Das war einer der Grundsteine für mein abgrundtiefes Misstrauen gegen jegliche Diktatur. Und für mich sind Diktatoren alle Faschisten, egal welche Lackierung sie sich zulegen. Noch Fragen, Hauser?



P.S wenn du parteichinesisch als Beleidigung auffasst, dann verrechne sie mit deinen öfters erklärten Attesten von Dummheit für meine Person.


.
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zuletzt bearbeitet 16.08.2012 23:16 | nach oben springen

#45

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 16.08.2012 23:28
von Mike59 | 7.946 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #44

... Und für mich sind Diktatoren alle Faschisten, egal welche Lackierung sie sich zulegen. ...



Naja - das macht das Leben einfacher. Kann ich verstehen.
Wir sollten mal einen Tread aufmachen, etwa so : Was macht eine Diktatur aus? Hatten wir so was schon mal im Forum?

Mike59


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#46

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 08:41
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #44
@Nostalgiker
Glaube mir, Du hast als 11jähriger nicht ansatzweise verstanden was Nationalsozialismus oder besser gesagt Faschismus bedeutet und ich befürchte Du hast es bis Heute nicht

Korrekt, deine Analyse für das Jahr 1955. Aber beim Anblick von Lampenschirmen aus tätowierter Menschenhaut dort oben auf dem Ettersberg habe ich damals als 11-jähriger verstanden, was Menschen Menschen antun können. Das war einer der Grundsteine für mein abgrundtiefes Misstrauen gegen jegliche Diktatur. Und für mich sind Diktatoren alle Faschisten, egal welche Lackierung sie sich zulegen. Noch Fragen, Hauser?



P.S wenn du parteichinesisch als Beleidigung auffasst, dann verrechne sie mit deinen öfters erklärten Attesten von Dummheit für meine Person.



@Gert, es ist schon erstaunlich welche Vorzugshandlung Du als 11jähriger genossen hast da Du bereits 1955 die erst am 14. September 1958 eröffnete Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald besichtigen konntest.

Ein Anruf in selbiger Gedenkstätte am heutigen Morgen erbrachte folgende Auskunft:
Organisierte Führungen durch das Lagergelände ab Eröffnung der Gedenkstätte, also ab 1958
In den Jahren davor gab es immer wieder Besuche von überlebenden Häftlingen welche ihren Angehörigen diese Stätte zeigen wollten.
Ab 1950/51 war für einige Zeit in der Nähe des Lagergeländes eine Abteilung der Kasernierten Volkspolizei stationiert welche am Rückbau des Lagers und der Errichtung der Gedenkstättenanlage mitwirkte. Es sei durchaus möglich das Angehörige der Mitglieder der KVP diese besuchten und bei dieser Gelegenheit auch das Lager 'besichtigten'.
Zu DDR Zeiten gab für den Besuch der Gedenkstätte die Empfehlung nicht unter 14 Jahren, dieses gilt etwas modifiziert auch noch Heute, Kinder/Jugendliche ab 9. Klasse.
Ein offizieller Besuch unter 14 Jahren zum Beispiel im Rahmen einer Klassenfahrt zu DDR Zeiten war nicht ! möglich, ein privater Besuch mit Erziehungsberechtigten durchaus; aber siehe Empfehlung.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
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#47

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 09:33
von GeMi | 556 Beiträge

Guten Morgen,
na das nenn ich doch deutsche Gründlichkeit. Ein Anruf auf dem Ettersberg und schon ist der Gert als elender Lügner entlarvt.
Man könnte über das Geplänkel eigentlich lachen.
Fakt ist doch, dass die DDR-Bevölkerung berechtigte Angst hatte, in die Mühlen des MfS zu geraten. Obwohl doch deren Chef E.Mielke alle geliebt hat. Die Aufarbeitung der ganzen Misere gestaltet sich als schwierig, weil die Zeitzeugen sich nicht auf einen Nenner einigen können. Schwarz oder Weiß oder doch grau?
Diese "Gedenkstätten" sollte man sich vieleicht doch nicht antun. Der Wahrheitsgehalt liegt irgendwo und die hochmotivierten Mitarbeiter können erzählen und zeigen, was sie wollen. Wer wagt es bei diesem Thema schon zu widersprechen?
Wenn dann irgendwann alles erforscht und berichtigt ist, wird es keinen oder sehr wenige mehr interessieren. Die Opfer sind immer noch Opfer und die Täter sind ...
Und mal ehrlich. Die Wahrheit wird doch immer verbogen, je nachdem was gerade gebraucht wird.
Was war doch vor ein paar Jahren die Angela um die Welt gesaust und wollte sie retten. Das Klima drohte zu kippen und das CO2 war der Sündenbock. Alles Schnee von gestern. Die Klimakurven waren manipuliert, Al Gore behauptete dummdreist die tollsten Sachen, allen lief der Angstschweiß über die Stirn und heute hört man nichts mehr davon.
Also dann, auf in die nächste Runde.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#48

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 09:47
von Alfred | 6.841 Beiträge

GeMi,

man hätte auch keinen Anruf führen müssen. Mit etwas Suche findest du diese Angaben auch im www.

Warst du schon 1 x in HSH.

Ich habe mir dies mehrfach angeschaut.

Man gewinnt den Eindruck, dass es überhaupt nicht um eine objektive Darstellung geht. Für jemanden der nie im Knast war, mag dies alles schlimm sein. Da wird doch wirklich verlangt, dass man sich auszieht und ein Blick u.a. in die Körperöffnungen geworfen wird. Für Herrn XY ist dies sicher schlimm aber auch heute gibt es dies. In Moabit trug dies die Bezeichnung "Aktion Sonnenschein". Entsprechende Kontrollen gibt es wohl in allen Haftanstalten der Welt.

Einer der ersten Hinweise die man z.B. in Moabit bekommt ist, dass man die Öffnung der Toilette entsprechend sichern sollte, da es sonst möglich wäre, dass sich eine Ratte meldet.

Leider ist es in HSH so, dass kritische Fragen nicht gern gesehen werden. Warum dies so ist , da mag sich jeder sein Bild machen.


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#49

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 10:10
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von GeMi im Beitrag #47

Fakt ist doch, dass die DDR-Bevölkerung berechtigte Angst hatte, in die Mühlen des MfS zu geraten.


Wer damals reinen Herzen war brauchte auch keine Angst zu haben das er/sie in die Mühlen des MfS geriet.

Nur wenn ich tagtäglich zu hören bekomme das die gesamte Bevölkerung der DDR; abzüglich der Täter selbstverständlich; in permanenter Angst und Schrecken dahinvegetierte, alles Grau in Grau und dementsprechend trostlos war, sich keiner getraute auch nur seine Gedanken zu denken geschweige denn sie auszusprechen und so vieles mehr was mir heutzutage eingeredet wird; ja dann denke ich das ich damals in einem anderen Bereich der Matrix gelebt haben muß, denn das Wissen um die schreckliche Wirklichkeit damals hätte in mir nicht nur einen Gefühlsstau ausgelöst.

Ich muß nicht immer alles für bare Münze nehmen was mir über das alltägliche Leben in der DDR erzählt wird.

Ein sachbezogene Betrachtung und Diskussion über Strukturen, Wirkungsweise und Auswirkungen des Systems auf den Einzelnen um zum Wesen selbigen vorzudringen erfordert schon etwas mehr wie allgemeine Ansichten und Äußerungen welche doch meist subjektiv und emotional gefärbt sind.
Unsensible Zeitgenossen sagen auch 'Stammtischniveau' dazu.

Wenn ich mich für jüngere Geschichte interessiere sollte ich mich auch damit beschäftigen.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
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Text: Kurt Demmler

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#50

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 10:53
von GeMi | 556 Beiträge

[quote=Nostalgiker
Wer damals reinen Herzen war brauchte auch keine Angst zu haben ...
[/quote]

Hallo,

der Spruch erinnert mich an: "Ich bin klein, mein Herz ist rein ..."

Ein reines Herz, was ist das?

Konnte man, und jetzt sage ich bei uns, ohne Bedenken immer und überall seine Meinung sagen oder Kritik an der Staats- und Parteführung äußern? Konnte man die führende Rolle der SED anzweifeln und dies auch laut sagen?.
Was hatte meine ehemalige Arbeitskollegin (ich war im Praktikum während des Studiums) verbrochen, daß sie nicht mehr als Konstrukteurin arbeiteten durfte - ihr Sohn wollte doch bloß in einem anderen Land leben und hat es über Ungarn versucht. Warum musste sie dafür bezahlen.?
Und jetzt bitte nicht, daß alles auch legal mit Ausreisantrag gegangen wäre.

Wir scheinen nicht im selben Land gelebt zu haben !!!


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#51

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 10:55
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von GeMi im Beitrag #50
[quote=Nostalgiker
Wer damals reinen Herzen war brauchte auch keine Angst zu haben ...



Hallo,

der Spruch erinnert mich an: "Ich bin klein, mein Herz ist rein ..."

Ein reines Herz, was ist das?

Konnte man, und jetzt sage ich bei uns, ohne Bedenken immer und überall seine Meinung sagen oder Kritik an der Staats- und Parteführung äußern? Konnte man die führende Rolle der SED anzweifeln und dies auch laut sagen?.
Was hatte meine ehemalige Arbeitskollegin (ich war im Praktikum während des Studiums) verbrochen, daß sie nicht mehr als Konstrukteurin arbeiteten durfte - ihr Sohn wollte doch bloß in einem anderen Land leben und hat es über Ungarn versucht. Warum musste sie dafür bezahlen.?
Und jetzt bitte nicht, daß alles auch legal mit Ausreisantrag gegangen wäre.

Wir scheinen nicht im selben Land gelebt zu haben !!!

[/quote]


GeMI,

konnte ich einen Antrag auf ständige Ausreise stellen ? Ja oder nein ?


zuletzt bearbeitet 17.08.2012 10:56 | nach oben springen

#52

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 11:05
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@GeMi,

vielleicht überlegst Du mal warum ich 1982 keinen Ausreisantrag* stellte, meine Eltern hatten beide gute Anstellungen, andere Familienmitglieder arbeiten in der Forschung......
Noch Fragen?

Gruß
Nostalgiker

*für einen speziellen Triatlon, bestehend aus Schwimmen, rennen und über hohe Metall-Zäune klettern befand ich mich zu unsportlich und wo hätte ich auch gerade letzte Disziplin trainieren können?


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

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Text: Kurt Demmler

zuletzt bearbeitet 17.08.2012 11:07 | nach oben springen

#53

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 12:41
von linamax | 2.018 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #49
Zitat von GeMi im Beitrag #47

Fakt ist doch, dass die DDR-Bevölkerung berechtigte Angst hatte, in die Mühlen des MfS zu geraten.


Wer damals reinen Herzen war brauchte auch keine Angst zu haben das er/sie in die Mühlen des MfS geriet.

Nur wenn ich tagtäglich zu hören bekomme das die gesamte Bevölkerung der DDR; abzüglich der Täter selbstverständlich; in permanenter Angst und Schrecken dahinvegetierte, alles Grau in Grau und dementsprechend trostlos war, sich keiner getraute auch nur seine Gedanken zu denken geschweige denn sie auszusprechen und so vieles mehr was mir heutzutage eingeredet wird; ja dann denke ich das ich damals in einem anderen Bereich der Matrix gelebt haben muß, denn das Wissen um die schreckliche Wirklichkeit damals hätte in mir nicht nur einen Gefühlsstau ausgelöst.

Ich muß nicht immer alles für bare Münze nehmen was mir über das alltägliche Leben in der DDR erzählt wird.

Ein sachbezogene Betrachtung und Diskussion über Strukturen, Wirkungsweise und Auswirkungen des Systems auf den Einzelnen um zum Wesen selbigen vorzudringen erfordert schon etwas mehr wie allgemeine Ansichten und Äußerungen welche doch meist subjektiv und emotional gefärbt sind.
Unsensible Zeitgenossen sagen auch 'Stammtischniveau' dazu.

Wenn ich mich für jüngere Geschichte interessiere sollte ich mich auch damit beschäftigen.

Gruß
Nostalgiker


Hallo
Ich frage mich in was für einer DDR hast Du gelebt . Das grenzt ja schon an Meister Nadelöhrs Märchenstunde deine Beitäge .
linamax


Backe hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#54

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 12:56
von Uleu | 528 Beiträge

Siegmund Freud hätte seine Befriedigung an diesem Thread. Unterschwelliger DDR- und MfS-Hass wegen nicht Angekommemseins in der Gegenwart. Unzufriedenheit mit dem Heute als Grund für verbales Prügeln auf das Gestern. *Gähn*

Hubertus Knabe und seinem Märchenwald wünsche ich eine Überprüfung durch das Gesundheitsamt, das ist ja schon gesundheitsschädigend was da abgelassen wird.


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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#55

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 13:09
von GeMi | 556 Beiträge

...

konnte ich einen Antrag auf ständige Ausreise stellen ? Ja oder nein ?


Hallo,

ja das konnte man - wie vieles anderes auch.
Die Konsquenzen waren aber manchmal sehr hart. Mein Vorgänger, auf meiner ersten Stelle nach dem Studium, wurde erst mal für einige Jahre auf meiner Stelle geparkt, bis er ausreisen durfte. Immerhin er hatte noch Arbeit. Anderen ging es da wesentlich schlechter. Die wollte oder konnte niemand einstellen. Für die hat sich dann oft die Kirche erbarmt.
Mein Vorgänger war Konstruktionsleiter im Maschinenbau und sein Problem war die mangelnde medizinische Versorgung seines Sohnes. Der war Bluter.
Meinem Schreibtischnachbarn wurde die Liebe seiner Tochter zu einem ausländischen Studenten zum Verhängniss. Beide wollten in der DDR leben, er durfte aber nicht. So sind sie nach Österreich ausgereist und Manfred W. war seine Posten los. Tragisch war jedoch, daß er als guter Genosse, Parteigruppenorganisator und Kampfgruppenkämpfer dafür noch ein Einsehen hatte.
Nach der Wende hat er erst mal begriffen, was das für ein Spiel war - leider konnte er die neuen Freiheiten nur kurz geniesen.
Mein Trainer hat die Todesursache seines Sohnes beim Wachregiment F.D. nicht erfahren - was ist da loß gewesen? War er ein Kundschafter auf geheimer Mission?

Da könnte man stundenlang erzählen. Aber was soll es.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#56

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 13:14
von matloh | 1.204 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #51
Zitat von GeMi im Beitrag #50
...
Konnte man, und jetzt sage ich bei uns, ohne Bedenken immer und überall seine Meinung sagen oder Kritik an der Staats- und Parteführung äußern? Konnte man die führende Rolle der SED anzweifeln und dies auch laut sagen?.
...

GeMI,

konnte ich einen Antrag auf ständige Ausreise stellen ? Ja oder nein ?

Betrifft jetzt nicht Alfred im Speziellen, aber könnte man vielleicht dazu übergehen Fragen zu beantworten anstatt mit Gegenfragen zu antworten?

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
zuletzt bearbeitet 17.08.2012 13:14 | nach oben springen

#57

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 13:26
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Na dann sag ich mal man konnte das, Einschränkungen gibt es immer und überall, haben ja einige auch gemacht.

Jetzt Alfreds Frage...


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 17.08.2012 13:28 | nach oben springen

#58

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 16:46
von LO-Wahnsinn | 3.489 Beiträge

Zitat von GeMi im Beitrag #55
...

konnte ich einen Antrag auf ständige Ausreise stellen ? Ja oder nein ?


Hallo,

ja das konnte man - wie vieles anderes auch.
Die Konsquenzen waren aber manchmal sehr hart. Mein Vorgänger, auf meiner ersten Stelle nach dem Studium, wurde erst mal für einige Jahre auf meiner Stelle geparkt, bis er ausreisen durfte. Immerhin er hatte noch Arbeit. Anderen ging es da wesentlich schlechter. Die wollte oder konnte niemand einstellen. Für die hat sich dann oft die Kirche erbarmt.
Mein Vorgänger war Konstruktionsleiter im Maschinenbau und sein Problem war die mangelnde medizinische Versorgung seines Sohnes. Der war Bluter.
Meinem Schreibtischnachbarn wurde die Liebe seiner Tochter zu einem ausländischen Studenten zum Verhängniss. Beide wollten in der DDR leben, er durfte aber nicht. So sind sie nach Österreich ausgereist und Manfred W. war seine Posten los. Tragisch war jedoch, daß er als guter Genosse, Parteigruppenorganisator und Kampfgruppenkämpfer dafür noch ein Einsehen hatte.
Nach der Wende hat er erst mal begriffen, was das für ein Spiel war - leider konnte er die neuen Freiheiten nur kurz geniesen.
Mein Trainer hat die Todesursache seines Sohnes beim Wachregiment F.D. nicht erfahren - was ist da loß gewesen? War er ein Kundschafter auf geheimer Mission?

Da könnte man stundenlang erzählen. Aber was soll es.





Hallo GeMi,

da ich nun auch Bürger dieser DDR war, möchte ich zu Deinem Beitrag meine Ansicht schreiben.

Meiner Erfahrung nach, aus meinem Lebensumfeld, gab es bei vielen, vielleicht sogar bei der Mehrheit, Konsequenzen, dass kann ich aber nicht mit Zahlen belegen das ist nur mein Eindruck.
Mein Eindruck ist aber auch, dass die Konsequenzen, zumindest für die die geduldig warteten und kein Terror machten, sehr klein und oft garnicht messbar waren.

Die Fälle die Du beschreibst sind logisch nachvollziehbar, aus einem einfachen Grund.
Würdest Du heute, als Chef, jemanden auf einem führenden Posten in Deiner Firma sitzen lassen, dem Du nicht mehr voll vertrauen kannst?
Ich denke, Du kannst diese Frage eindeutig mit NEIN beantworten, wenn Du ehrlich mit Dir selber bist.

Maschinenbau war in der DDR ein wichtiges Standbein und einen leitenden Konstrukteur dort in der Leitung zu belassen, der dem Staate möglicherweise nicht mehr positiv gesonnen ist, wäre im höchsten Masse fahrlässig, besonders im Bezug auf Sabotage, die es in der DDR sehr oft gab durch Ausreisewillige Menschen.
Ob das unter den Gründen die er zur Ausreise hatte -sein Sohn-, so gekommen wäre, dass darf man nicht unterstellen aber das Risiko war da.

Die Sache mit Deinem Schreibtischnachbarn, kann man mit dem Risiko möglicher Spionage begründen.
Für heutige Ansicht vielleicht etwas weit her geholt, aber so ängstlich war die DDR-Führung nunmal.
Das er dafür Einsicht zeigte lag vermutlich daran, dass er das System der DDR ausreichend verinnerlicht hatte.

Was Deinen Trainer und sein Sohn betrifft, die Stasiunterlagen könnten Aufschluss geben.
Es wäre möglich, dass er durch einen Unglücksfall, z. B. Schusswaffengebrauch, welche es in jeder Armee gibt, zu Tode kam, oder er war flüchtig und wurde erschossen was auch nicht auszuschliessen wäre.

Ja, man kann da sicher stundenlang Fälle aufzählen, das stimmt, Repressalien gabs genug, aber ebenso kann man auch für viele Fälle die Handlungsweisen begründen, zumindest aus Sicht der Regierenden.

Ich stimme Nostalgiker zu bei dem was er sagt, denn er sagt eigentlich nur, dass man die Repressalien nicht auf das ganze Volk umlegen kann und jeden Fall, einzeln und vorallem detailiert betrachten muss.
Darum fragt er sich wohl ob er woanders gelebt hat, auch ich frag mich das manchmal.

Das natürlich viele derer, insbesondere teilweise auch seitens von Flüchtlingen und Ausgereisten, die die DDR damals wie heute total ablehnen, ohne dabei über den Tellerrand zu gucken, heute gern alles pauschalisieren wollen und oft seitens westlich der Elbe dabei ziemlich starke unterstützung bekommen, dass wissen wir ja aus dem Tagesgeschehen.
Ich hab aber immer mehr den Eindruck, dass selbst westlich der Elbe immer mehr Menschen begreifen, dass so manche Darstellungen nicht ganz oder auch garnicht den Tatsachen entsprechen.
Die im Westen geborenen treten mir da viel offener gegenüber als ehemalige Flüchtlinge und Ausgereiste.

Wir können Geschichte nur aufarbeiten, wenn wir allseitig zueinander fair sind.
Pauschalisierungen sind niemals fair.


Ich hab z. B. einige Ausreisewillige kennen gelernt, einer davon war mein Schulkamerad und Spielfreund.
Da waren wir noch Kinder, Kinder die garnicht an Politik dachten.
Der war auf die DDR bezogen, dermassen negativ von seinen Eltern beeinflusst und geimpft, dass war schon nicht mehr normal.
Was der an Hass abgelassen hat, bis er 14 war als sie ausreisen konnten, da frage ich mich heute oft, ob ich mit dem falschen Freund spielte.
War allerdings auch so eine, wie viele ausreisewillige Familien, die im Jahr +/-20 Pakete und 4 mal Besuch aus dem anderen Deutschland bekamen und der Ausreisegrund 100% kein politischer war.
Der war dann eher ein familiärer oder wirtschaftlicher.
Und das war vermutlich bei den meisten der Fall und kein politischer.
Ich kenne aus meinem Umfeld, welches durch mein Hobby Musik sehr gross war, KEINEN, der aus rein politischen Gründen das Weite suchte.
Nur heute wird alles so ge(ver)dreht, dass alles politisch war und das ist einfach im höchsten Masse unfair, und um diese Unfairness gehts auch in diesem Thread.

Es war natürlich klar, wer den Lauten machte und anfing öffentlich Antiterror zu verbreiten und Leute aufzuhetzen, -ja solche hab ich auch kennengelernt, mein Schulfreund (immerhin noch als Kind) ist nur ein Beispiel von vielen-, der musste sich nicht wundern, dass es dann das Einschreiten des Staatsschutzes gab.
Und keiner kann mir heute sagen, er hätte das nicht gewusst das es Stasi gab und jede Menge Spitzel.
Wenn mir ein Flüchtling sagt, er wusste nichts von Minen und Schiessen, dass kann ich ja gern abkaufen, denn bis zu meiner Einziehung wusste ich von der Grenzsicherung auch nichts.
Aber wer nichts vom MfS wusste, was es tut und das es Spitzel gibt der muss wohl seid Geburt zugedröhnt gewesen sein.


Stell ich mich heute öffentlich hin und verbreite Antiterror gegen den Staat dann kann ich darauf warten bis der Verfassungsschutz anfängt mich zu observieren.
Es reicht schon an der richtigen Stelle -damit meine ich keine Kneipe- öffentlich kund zu tun, dass man den Staat und sein Grundgesetz ablehnt.
Der VS liest auch hier mit da bin ich mir ganz sicher.

Viele Grüsse übrigens dahin

Der Hit war aber immer das mein Schulfreund in der Schule in Staatsbürgerkunde eine 1 bekam


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 20:07
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

@LO-Wahnsinn, fast jeder kennt solche oder ähnliche Geschichten wie Du sie schilderst, von Schulfreunden, von Arbeitskollegen usw.

Auch ich bin das erste mal mit dem Problem 'Ausreise' ungefähr 1972 konfrontiert worden.
In der zu einem Schulclub gehörenden Diskothek, in welcher ich damals als Stammgast verkehrte und auch ab und an auflegte wie man heutzutage sagt, verkündete eines Abends ein Mädchen tränenüberströmt das ihre Eltern ihr mitgeteilt haben das dem elterlichen Antrag auf ständige Ausreise stattgegeben sei und sie umgehend; glaube innerhalb von 48 Std. damals; ausreisen müßten. Da sie minderjährig war mußte sie mit.
Tränen deshalb weil ihr und den dann kollektiv mitheulenden klar war das sie sich wahrscheinlich für zig Jahre nicht wiedersehen werden, Freundschaften auseinandergerissen werden, das Mädchen war auch gerade bis über beide Ohren verliebt....., ein Drama damals und auch nicht weniger aus heutiger Sicht.

Im Verlaufe meines weiteren Lebens habe ich noch oft mit mir mehr oder minder nahestehenden Menschen am letzten Abend zusammengesessen, auf gepackten Koffern in einer fast leeren Wohnung um sich gegenseitig zu verabschieden weil am nächsten Morgen die dauerhafte Ausreise anstand.
Das vorletzte Mal war das im August 1989 und den letzten mit bewilligtem Ausreiseantrag begleitete ich Anfang Dezember 1989 an seinem Zug im Bahnhof Friedrichstrasse.
Bei all den genannten und ungenannten war es ein diffuses 'hier rauswollen', keine offene politische Konfrontation oder Ablehnung des politischen Systems der DDR.
Fast alle hatten bis zum letzten Tag ihren Arbeitsplatz behalten, einschränkend muß ich dazu sagen das sie sogenannte 'normale' Mitarbeiterstellen innehatten. Es waren auch Hochschulabsolventen darunter.
Ich kenne auch welche die in sogenannten leitenden Funktionen waren und/oder in Sicherheitsrelevanten Bereichen wie Entwicklung, Konstruktion und Lehrer arbeiteten und einige Zeit nach Antragstellung, also in der 'Bearbeitungszeit' ohne das eine Zustimmung erfolgte, ihre ursprüngliche Arbeit verloren. Leider weiß ich den Grund nicht mehr mit denen ihnen gekündigt wurde.
Allen wurde eine minderqualifizierte Arbeit nachgewiesen welche sie antreten konnten aber nicht zwingend mußten (auch wenn Vergleiche hinken, Hartz IV Bezieher sind verpflichtet Arbeit unterhalb ihrer Qualifikation anzunehmen anderenfalls spüren sie staatliche Sanktionen wie Entzug der Leistungen)
Das ein Betrieb aufgrund eines laufenden Ausreiseantrages jemanden nicht einstellte ist mir persönlich nicht bekannt, schließe es aber grundsätzlich nicht aus.

Besonders komisch war die Geschichte einer Freundin. Es gab ja die Möglichkeit durch Heirat eines Ausländers die Ausreise im Rahmen der Familienzusammenführung durchzusetzen.
Besagte Freundin fand einen Westberliner welcher sie unbedingt heiraten wollte weil er unsterblich in sie verliebt war; nachdem sie ihm das erklärt hatte. Heiraten mußten sie im Osten wenn ich mich nicht irre und die Heiratserlaubnis hatten sie bekommen mit der Zusicherung das sie dann zeitnah ausreisen dürfe. Soweit so gut. Alle wurden zum Polterabend eingeladen.
Einen Tage vorher wurde wieder ausgeladen, denn das "Projekt Heirat" hätte sich erübrigt, der wirkliche Grund (vermisste Freizügigkeit) nicht mehr vorhanden.
Der Termin im Standesamt war am 11.11.89.......
Gefeiert haben wir trotzdem.....

Was den weiten Bereich Ungerechtigkeiten, erlittene Schmach und falsche Behandlung angeht ist für mich immer noch mein Umgang mit dem Buch "Die wunderbaren Jahre" einer Sammlung von Prosa-Texten von Reiner Kunze, welche 1976 in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht wurden.
Gelesen habe ich diesen dünne Büchlein im Winter 76/77 ........
Alle gelesenen Texte konnte ich damals nachvollziehen und für wahr einstufen.
Einzig was ich damals nicht konnte oder wollte war zu der Erkenntnis zu kommen dass das geschilderte eben keine bedauerlichen Einzelfälle und ideologisch/politischer Engstirnigkeit einzelner handelnder Personen war welche aber auch garnichts mit dem System in denen sie geschahen zu tun hatten. Die agierenden, in diesem Fall diejenigen welche die "Macht" hatten handelten legentlich falsch, überspitzt und unüberlegt und diejenigen welche das zu spüren bekamen haben eben etwas übertrieben.

Das hineingeraten in solch Kreise in denen die Bevormundung, die Reglementierung, das ausspielen der staatlichen Macht, dieses nicht nur zeigen wir können auch anders wenn ihr nicht konform seit empfinde ich auch im nachhinein als fließend und von sehr vielen Zufällen abhängig.
Inwieweit der Staat Repressionen gegenüber Einzelnen anwendete oder der Einzelne das Gefühl hatte das er diesen in vielfältigster Weise ausgesetzt war ist einfach nicht als flächendeckend zu bezeichnen.

Zwei Beispiele dazu aus meinem Leben.
Des öfteren lese ich hier oder anderswo das einem aus den vielfältigsten Gründen, meist fehlende politische Überzeugung so wird vermutet, der Beruf eines Matrosen der Handelsflotte verwehrt wurde.
Nun kannte ich einige Matrosen welche bei der Handelsflotte waren und nicht nur "rechtsrum", sondern auch "linksrum" fahren konnten.
Wenn ich mir im Nachhinein die Gespräche ins Gedächtnis rufe welche wir an vielen Abenden führten nachdem sie von großer Fahrt zurück waren, wir die mitgebrachten Platten hörten und den Erzählungen über Brasilien zum Beispiel lauschten, da wurden Ansichten von den Matrosen geäußert, ja danach hätten sie noch nichtmal wissen dürfen das es in der DDR eine Handelsflotte gab und diese mit echten Matrosen aus genau diesem Land betrieben wurde. Mir kann keiner weismachen das diese jungen Männer sich genau bis zu diesem Zeitpunkt bis sie grünes Licht für große Fahrt in den NSW Bereich bekamen dermaßen ideologisch verbogen haben, nur um den Beruf zu erlernen und um auf solch ein Schiff zu kommen.
So wie es in der DDR Usus war hatten auch wir damals unseren "Eckermann" wie ich anhand der Gesprächsnotizen vor Jahren nachlesen konnte........

Das andere Erlebnis betrifft einen etwas prominenteren DDR Bürger und seine Behandlung durch staatliche Stellen in nämlicher Zeit, also zweite Hälfte der Siebziger.
Durch irgendeinen Formfehler verantwortlicher Stellen, so vermute ich, konnte Manfred Krug mit dem Günter Fischer Quintett 1977 nachdem er de fakto bereits kaltgestellt war eine Konzerttournee absolvieren.
Große Aufregung bei den Verantwortlichen in der Stadt in der ich damals lebte. Der Klassenfeind in Form von Manfred Krug singt, und wenn wir das schon nicht verhindern können dann soll er wenigstens vor dem Publikum singen welches wir aussuchen.
Gesagt, getan der größte Teil der Karten kam überhaupt nicht in den Verkauf, die Veranstaltung wurde auch nicht plakatiert.
Vor leeren Saal sollte er nun aber auch nicht auftreten, also wurde versucht die Karten über Betriebe und Einrichtungen an den ideologisch gefestigten Mitbürger abzugeben.
In meiner Arbeitsstelle stieß das Angebot auf höfliches Desinteresse. Also kaufte ich fast das gesamte uns zur Verfügung stehende Kartenkontingent auf und gab es im Freundeskreis weiter. Sie ebenfalls sehr skeptisch ob das Konzert überhaupt stattfindet.
Es fand statt und es war eine teilweise gespenstische Atmosphäre, ein Teil wartete wohl darauf das M. Krug irgendwas heikles sagt damit sie ihm dann ihre Verachtung entgegenbrüllen können und der andere Teil welcher aus Interesse an der Musik da war traute sich kaum zu klatschen, wer weiß wie solche Sympathiebekundungen für einen Abtrünnigen in aller Öffentlichkeit aufgenommen werden würde .

Die Angst vor der Macht der Kunst trieb manchmal sehr seltsame Blüten.
1988 besuchte ich seit langen und ich glaube das erste mal freiwillig das "Festival des sowjetischen Films in der DDR".
In einer völlig Paranoide Situation fanden sich meine Begleitung und ich wieder als wir am 28.10. den Saal des Kinos Kosmos in Berlin betraten, zu unseren Plätzen gingen um uns den Film "Kalter Sommer '53", (auch ' Der kalte Sommer des Jahres '53'); Filmhandlung hier , anzusehen.
Ersteinmal wurden wir angestarrt wie zwei widerrechtliche Eindringlinge, nachdem wir unsere Plätze eingenommen hatten erstarben sämtliche Gespräche im unmittelbaren Umfeld und durch Zufall bekamen wir mit das sich die um uns sitzenden leise fragten zu welcher Abteilung wir denn wohl gehören würden, weil wir nie gesehen....
Wir wurden sogar direkt gefragt......
Meiner Begleitung war das ganze äußerst unangenehm und sie sagte mir leise das sie sich diesen Film unter den Augen von fast 1000 Angehörigen des MfS nicht ansehen werde.
Zum Glück konnte ich ihr diesen Gedanken ausreden mit der Begründung das wir diesen Leuten nicht die Genugtuung geben werden den Saal zu verlassen, egal was auch während der Filmvorführung passieren sollte.
Es passierte nichts, auch keine Störungen von Seitens der offensichtlich abkommandierten Genossen.
Bloß unheimlich war uns schon vor Beginn des Filmes.
Wer sitzt schon gerne inmitten von wachsamen Tschekisten welche die Kontenrevolution in Form eines Filmes verhindern wollten.....

Ja, so ging es zu in "meiner" DDR der ich unendlich hinterher traure wie der eine oder andere User hier und anderswo zu wissen meint.
Vielleicht liegt es wirklich nur an meinem reinen Herzen das mir die eine eine oder andere Repressalie erspart geblieben ist.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#60

RE: Parteiauftrag teilweise erfüllt!

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 17.08.2012 20:53
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat Nostalgiker:
"Zwei Beispiele dazu aus meinem Leben.
Des öfteren lese ich hier oder anderswo das einem aus den vielfältigsten Gründen, meist fehlende politische Überzeugung so wird vermutet, der Beruf eines Matrosen der Handelsflotte verwehrt wurde.
Nun kannte ich einige Matrosen welche bei der Handelsflotte waren und nicht nur "rechtsrum", sondern auch "linksrum" fahren konnten.
Wenn ich mir im Nachhinein die Gespräche ins Gedächtnis rufe welche wir an vielen Abenden führten nachdem sie von großer Fahrt zurück waren, wir die mitgebrachten Platten hörten und den Erzählungen über Brasilien zum Beispiel lauschten, da wurden Ansichten von den Matrosen geäußert, ja danach hätten sie noch nichtmal wissen dürfen das es in der DDR eine Handelsflotte gab und diese mit echten Matrosen aus genau diesem Land betrieben wurde. Mir kann keiner weismachen das diese jungen Männer sich genau bis zu diesem Zeitpunkt bis sie grünes Licht für große Fahrt in den NSW Bereich bekamen dermaßen ideologisch verbogen haben, nur um den Beruf zu erlernen und um auf solch ein Schiff zu kommen."
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100% Bestätigung!


zuletzt bearbeitet 17.08.2012 20:54 | nach oben springen



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