#1

Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 09:35
von GeMi | 556 Beiträge

Guten Morgen,

als die Wende sich deutlich abzeichnete und die Kampfgruppen zur Auflösung von Demos eingesetzt werden sollte, habe ich meine "Kündigung" an die Dienststellen von VP und Stasi geschrieben. Das war es dann.
Musste man als Berufsoldat bis zum bitteren Ende ausharren oder konnte man sich auch selbst entlassen. Zum Beispiel, um an lukrative Jobs heranzukommen - noch vor dem Massenansturm ehemaliger Grenzer auf den Arbeitsmarkt.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#2

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 10:06
von damals wars | 12.204 Beiträge

Nannte man das nicht "entpflichten"?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#3

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 10:18
von moreau | 384 Beiträge

Hallo GeMi,
im Novemder 89 wusten doch 99,9% der DDR-Bürger nicht was für gravierende Folgen die Wende hat. Jeder dachte doch zu dem Zeitpunkt er bleibt in Lohn und Brot. Das aber so Viele ,so schnell auf der Straße stehen würden, ahnte noch keiner. Jeder dachte es geht weiter halt nur viel Besser. Das gilt auch für die BO und BU. Deshalb wird sich mMn die Selbstentpflichtungsrate extrem kleinhalten, wenn nicht gar null sein. Das war sicherlich bei den KG anders, aber die Kämpfer haben ja nicht von dieser Tätigkeit ihren Lebensunterhalt bestritten.

Gruß
Moreau


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#4

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 10:45
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Soweit ich mich erinnern kann, war die große Welle der Entpflichtungen der "Eppelmann-Eid". Da sind bei uns damals viele gegangen. Für die Grenztruppen stand da die Auflösung schon fest, deshalb spielte es dort, glaube ich, nicht so die Rolle. Ich war zu dem Zeitpunkt offiziell zur NVA versetzt und erlebte an der Militärpolitischen Hochschule in Berlin das große Gehen.

Im Oktober 1989 war ich aus dem Studum heraus nochmal an die Grenze geschickt worden, CSSR-Grenze bei Bärenstein. Dort erhielten wir eines Tages eine Lieferung Schlagstöcke und Knebelketten. Die offizielle Begründung war, dass wir in diesen Abschnitten nicht die Schusswaffe einsetzen durften, aber dennoch Grenzverletzer festzunehmen hatten (heute würde man wohl von Zwangsmitteln zur Ausübung unmittelbaren Zwangs sprechen, solche Begrifflichkeiten haben wir damals für uns nicht verwendet). Das dies auch für den Einsatz gegen Demonstranten Verwendung finden konnte, war mir klar. Mit der Frage des Einsatzes gegen das Volk hatten wir uns schon seit Mai 89 in unserer Gruppe auseinandergesetzt. Grundsätzlich lehnten wir einen solchen Einsatz ab, aber da wir auch immer hofften, dass wir nicht zu so einem Einsatz müssen, gingen wir weder in der Auseinandersetzung noch in der Ablehnung in die Tiefe.

1989 bestand auch noch ein gewisser Glaube an die Reformierbarkeit des Sozialismus. Dieser Glaube endete bei mir schlagartig am 10.11.1989, als ich von der Öffnung der Grenze erfuhr. Ab da blieb ich dabei, um wenigstens noch mein Studium abzuschließen ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 24.07.2012 10:46 | nach oben springen

#5

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 11:06
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Hallo GeMi,
im Novemder 89 wusten doch 99,9%DDR-Bürger nicht was für gravierende Folgen die Wende hat. Jeder dachte doch zu dem Zeitpunkt er bleibt in Lohn und Brot. @moreau

Na das zweifle ich aber stark an.Wir wussten doch alle das es reichlich Arbeitslose in der BRD gegeben hat.Wer so Blauäugig gewesen ist,hat es bald gemerkt das die Absatzmärkte,überwiegend ins RGW Weggebrochen sind.Ich selbst habe mich gleich nach der Wende um einen Job für die Zukunft gekümmert.das war nicht leicht noch mal einen anderen Beruf zu Lernen.Also ich denke jeder Normal denkende Mensch hat schon gewusst was auf einen Zukommt.


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#6

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 11:08
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #4


1989 bestand auch noch ein gewisser Glaube an die Reformierbarkeit des Sozialismus. Dieser Glaube endete bei mir schlagartig am 10.11.1989, als ich von der Öffnung der Grenze erfuhr.
ciao Rainman


Die Öffnung der Grenze hat bei Dir den Glauben an die Reformierbarkeit des Sozialismus zerstört?
Kannst Du das näher erläutern?

Gruss

icke



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#7

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 11:19
von Alfred | 6.854 Beiträge

Hallo,

wem im Dezember 1989 nicht klar war, dass es Massenentlassungen geben würde, der war aber sehr BLAUÄUGIG.


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#8

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 11:34
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Absolut Richtig Alfred,deshalb glaube ich ja nicht das es 99,9%waren,welche glaubten das sie weiter so geht.


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#9

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 11:46
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #7
Hallo,

wem im Dezember 1989 nicht klar war, dass es Massenentlassungen geben würde, der war aber sehr BLAUÄUGIG.


Stimmt Alfred das war vorhersehbar ! Die Schlacht um die Filet Stücke der Wirtschaft hatte da bereits begonnen.Der Osten wurde erst einmal zum riesigen Absatzmarkt. Das brachte Profit und erst einmal ging es nur darum.Das Kaufverhalten der DDR Bürger trug mit dazu bei schneller in eine Firmenpleite zu kommen.Es musste erst einmal alles aus dem Westen sein. So konnten die kaputten VEBs noch günstiger übernommen werden."Glücksrittern und Versicherungsbetrügern" wurden die Türen all zu gern und schnell geöffnet.Über die Rolle der Treuhand kann gestritten werden! Ruhmvoll war die Treuhand für mich nicht. Wer die Zeichen der Zeit früh erkannte,hatte bessere Chancen. Für einige Staatsdiener kam der Absturz noch tiefer.Deren Chancen waren erst einmal gleich null.Aber das ist alles nur meine Meinung und keine Behauptung.


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#10

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 12:16
von Alfred | 6.854 Beiträge

Turtle,

so war es.

Wie sich einige DDR - Bürger aufführten war nur noch peinlich. Es gab Ende 1989 genügend Personen - aus Ost wie West - die Warnungen aussprachen. Viele waren bilnd. Sie dachten wirklich, dass alles GUTE aus der DDR - wie günstige Mieten, geringe Nebenkosten usw.- übernommen werden und ab "MORGEN" kommt noch alles GUTE aus dem Westen hinzu.
Nach einger Zeit merkten die Bürger aber, dass in der DDR hergestellte Produkte nicht schlechter sein mussten, sie aber vielleicht nicht so schön verpackt waren.

Nur war es zu diesem Zeitpunkt für viele Betriebe schon längst zu s p ä t .


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#11

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 12:22
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #6
Zitat von Rainman2 im Beitrag #4


1989 bestand auch noch ein gewisser Glaube an die Reformierbarkeit des Sozialismus. Dieser Glaube endete bei mir schlagartig am 10.11.1989, als ich von der Öffnung der Grenze erfuhr.
ciao Rainman


Die Öffnung der Grenze hat bei Dir den Glauben an die Reformierbarkeit des Sozialismus zerstört?
Kannst Du das näher erläutern?

Gruss

icke



Hallo icke,

mit der Öffnung der Grenze war mir klar, dass es die DDR nicht mehr lange geben würde. Konkret wurde ich am 10.11.1989 Vormittags zu Beginn des geplanten Seminars im Fach "Politische Ökonomie" gefragt, was ich als Grenzer von der Grenzöffnung halte. Meine Antwort begann mit den Worten: "Das war's. Wir sind ein neues Bundesland ..."

Interessanterweise rückte ich von dieser Meinung im unmittelbaren Erleben der Versuche einer demokratischen Erneuerung (Runde Tische, Militärreform) noch einmal ab. Aber das entsprang eher dem Prinzip Hoffnung und hielt auch nur wenige Wochen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#12

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 12:31
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Nach einger Zeit merkten die Bürger aber, dass in der DDR hergestellte Produkte nicht schlechter sein mussten, sie aber vielleicht nicht so schön verpackt waren. @Alfred

Das stimmt nun wieder nicht Alfred.Nach einiger Zeit merkte man wie billig eigentlich das ist wofür wir im Osten Sparen mussten.
Fernseher für 6.500.- war doch nicht Normal.Videorecorder 10.000.- war das Normal?
Alfred und wegen Deinen Mieten u. Nebenkosten.ich habe immer auch schon zu DDR zeiten gesagt,wenn ich 3 oder 4000.- verdiene,dann kann ich auch 500.-Miete zahlen.Und schau mal wo Erichs Wohnprogramm heute ist.Abgerissen, diese Wohncontainer mit Mini WC . Ja ,ich habe mich zu DDR Zeiten auch gefreut,über so eine Wohnung ,aber es geht auch anders.


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#13

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 13:35
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #9
Zitat von Alfred im Beitrag #7
Hallo,

wem im Dezember 1989 nicht klar war, dass es Massenentlassungen geben würde, der war aber sehr BLAUÄUGIG.


Stimmt Alfred das war vorhersehbar ! Die Schlacht um die Filet Stücke der Wirtschaft hatte da bereits begonnen.Der Osten wurde erst einmal zum riesigen Absatzmarkt. Das brachte Profit und erst einmal ging es nur darum.Das Kaufverhalten der DDR Bürger trug mit dazu bei schneller in eine Firmenpleite zu kommen.Es musste erst einmal alles aus dem Westen sein. So konnten die kaputten VEBs noch günstiger übernommen werden."Glücksrittern und Versicherungsbetrügern" wurden die Türen all zu gern und schnell geöffnet.Über die Rolle der Treuhand kann gestritten werden! Ruhmvoll war die Treuhand für mich nicht. Wer die Zeichen der Zeit früh erkannte,hatte bessere Chancen. Für einige Staatsdiener kam der Absturz noch tiefer.Deren Chancen waren erst einmal gleich null.Aber das ist alles nur meine Meinung und keine Behauptung.


Die Treuhand war wohl nur die Feuerwehr, die erst mal den Brand zu löschen hatte, da konnte man nicht erst noch Wertgegenstände aus dem Haus holen und so blieben jede Menge Ruinen zurück, man konnte aber noch sehen, daß es mal eine Stadt war.
Natürlich waren nun die "Aufbauhelfer" gefragt, die am schnellsten und sichtbarsten helfen konnten, vor lauter Qualm hat man noch nicht vernichtete Substanz übersehen oder absichtlich ignoriert.
Die Ossis selbst hatten zu wenig Kapital um diese Substanz wieder flott zu machen, zu großen Teilen wurde das Geld auch in die Verkleinerung der Gebrauchtwagenhalde West investiert und die elektronische Aufrüstung in Angriff genommen, anstatt über eine mögliche Selbstständigkeit oder Firmenrettung per Eigenkapital nachzudenken.
Übrigens ist bis heute nicht geklärt, ob Rohwedder von den Gewinnern oder den Verlierern des Systems umgebracht wurde, Bekennerschreiben kann man auch fälschen, schließlich ging es ja um was und wo die RAF so plötzlich hergekommen sein soll, ist mir persönlich unklar.
Im Buch "Die Treuhand- Wie Helden und Halunken die DDR verkauften" wird aber klar, daß damals vieles nicht besser zu machen war, zu rasant waren die Abläufe, es war ähnlich der gerissenen Antilope, da sind auch die Löwen zuerst da und die Geier und Hyänen machen den Rest.
Da war kaum Zeit für eine Absprache und es ist gut, daß die Ossis sehr frühzeitig Bekanntschaft mit dem Raubtierkapitalismus machen konnten.



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#14

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 13:48
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo,

nach 10 Antworten sind wir wieder meilenweit vom Thema entfernt.
Ging es ohne Probleme, sich zu entpflichten. Wie sah es mit Ansprüchen aus - Versicherungen, Renten ...?


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#15

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 13:54
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #12
Nach einger Zeit merkten die Bürger aber, dass in der DDR hergestellte Produkte nicht schlechter sein mussten, sie aber vielleicht nicht so schön verpackt waren. @Alfred

Das stimmt nun wieder nicht Alfred.Nach einiger Zeit merkte man wie billig eigentlich das ist wofür wir im Osten Sparen mussten.
Fernseher für 6.500.- war doch nicht Normal.Videorecorder 10.000.- war das Normal?
Alfred und wegen Deinen Mieten u. Nebenkosten.ich habe immer auch schon zu DDR zeiten gesagt,wenn ich 3 oder 4000.- verdiene,dann kann ich auch 500.-Miete zahlen.Und schau mal wo Erichs Wohnprogramm heute ist.Abgerissen, diese Wohncontainer mit Mini WC . Ja ,ich habe mich zu DDR Zeiten auch gefreut,über so eine Wohnung ,aber es geht auch anders.




Hallo,

ich kann nur das schildern, was ich erlebt habe. Ich habe nie einen Videorekorder für 10.000 Mark gesehen. Man wird immer über die Preispolitik streiten können. Du musst aber mal sehen, wie viel % heute zurm Teil für Mieten ausgegeben wird, dies ist auch nicht normal. Gestern hab ich einen Beitrag gesehen, dass jedes Jahr rund 600.000 Haushalten der Strom abgeklemmt wird. Ist dies normal ? Und es soll nicht wenige geben, die leben gern in "ihrer Platte" .Und es soll auch Personen geben, die können sich eben nur bestimmte Wohnungen leisten. Erzähl mir bitte nicht, dass heute jeder - umgerechnet 2.000 Euro - raus hat.

Ich habe einen Kumpel in Berlin, der wohnt in einer Reko - Platte. Der würde eventuell raus, nur will - kann - er nicht für eine kleinere Wohnung mehr Miete zahlen.

Was heute alles von der DDR verlangt wird. Am liebsten jeder eine Wohnung mit 160 Quadratmetern, direkt am Wasser, Parkettfussboden und dies dann alles für 50,00 Mark ?
Ich war erst vor einigen Tagen in Berlin. Ich konnte nicht feststellen, dass "Erichs Wohnbauprogramm" abgerissen wurde. Ich kenne aber Ecken, da wohnt heute wirkich keiner mehr in der Platte, dass liegt aber hauptsächlich mit daran, dass die Leute aus der Orten abgewandert sind, weil sie einen Job an einen anderen Ort gefunden haben.

Sicher gab es auch "Rückbau" , man sollte auch hier bei den Tatsachen bleiben. So zu tun als wäre dies alles Schrott ist nicht korrekt.

Und selbstverständlich merkten die Leute, dass einige Produkte in der DDR i.O . waren. Nimm nur die "Spreewald - Gurken", "Rotkäppchen" um nur 2 Beispiele zu nennen. Jeder kann sicher noch andere Beispiele anfügen.


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#16

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 13:56
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von GeMi im Beitrag #14
Hallo,

nach 10 Antworten sind wir wieder meilenweit vom Thema entfernt.
Ging es ohne Probleme, sich zu entpflichten. Wie sah es mit Ansprüchen aus - Versicherungen, Renten ...?





Ja, dies ging.

Es war vielleicht kein einfacher Weg , war aber möglich. Ich kenne selbst Personen, die diesen Weg gingen.


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#17

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 14:13
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von GeMi im Beitrag #14
... nach 10 Antworten sind wir wieder meilenweit vom Thema entfernt.
Ging es ohne Probleme, sich zu entpflichten. Wie sah es mit Ansprüchen aus - Versicherungen, Renten ...? ...

Hallo GeMi,

das sollten wir vielleicht zur Kür machen: Alle 10 Antworten muss die Ausgangsfrage nochmal wiederholt werden ... und zwar kurz und klar ... Danke! Gute Idee!

Die Antwort würde in zwei Teile zerfallen: Vor dem 09.11.1989 und nach dem 09.11.1989.

Davor konnte ein normales Entpflichtungsgesuch gestellt werden. In Abhängigkeit von den Gründen der Entpflichtung konnte die Sache relativ reibungslos über die Bühne gehen, wenn sich alle Beteiligten einig waren, dass Gehende doch besser gehen sollte, oder es konnte zu Parteiverfahren und Degradierungen führen, wenn man von der Führungsseite meinte, "kapitulantenhaftes Verhalten" dürfe nicht geduldet werden.

Nach dem 09.11.1989 war eine Entpflichtung meines Wissens nach überhaupt kein Problem mehr. Antrag stellen, Vielleicht noch ein paar Gespräche, Laufzettel abholen und "auf Nimmerwiedersehen". Die Gründe waren verschieden: Sicherung eines guten Arbeitsplatzes (oftmals Vertrieb), Überzeugung oder auch Verbitterung. Aus meiner Lehrgruppe an der Militärpolitischen Hochschule gingen zwischen dem 09.11.1989 und 02.10.1990 8 von 15 Mann und davon war nur einer, der gehen musste (Wachregiment Felix E.).

Die Ansprüche aus der Sozialversicherung blieben in jedem Fall erhalten, egal wann man ging. zum Teil werden auch heute noch Dienstzeiten bei den bewaffneten Organen der DDR auf die Dienstzeit von Beamten angerechnet. Anders sah es mit Abfindungen aus. Wer sich entpflichten ließ, erhielt keine Abfindung. Dazu muste man bis zum bitteren Ende durchhalten. Als ich am 31.12.1990 entlassen wurde erhielt ich 7.000 DM Abfindung und eine schöne Urkunde als Dankeschön für den Aufbau der Bundeswehr Ost.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#18

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 15:03
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #5
Hallo GeMi,
im Novemder 89 wusten doch 99,9%DDR-Bürger nicht was für gravierende Folgen die Wende hat. Jeder dachte doch zu dem Zeitpunkt er bleibt in Lohn und Brot. @moreau

Na das zweifle ich aber stark an.Wir wussten doch alle das es reichlich Arbeitslose in der BRD gegeben hat.Wer so Blauäugig gewesen ist,hat es bald gemerkt das die Absatzmärkte,überwiegend ins RGW Weggebrochen sind.Ich selbst habe mich gleich nach der Wende um einen Job für die Zukunft gekümmert.das war nicht leicht noch mal einen anderen Beruf zu Lernen.Also ich denke jeder Normal denkende Mensch hat schon gewusst was auf einen Zukommt.


Also bezüglich der wirtschaftlichen Aussichten meiner Branche dem Bahnverkehr, konnte man doch nur optimistisch sein.
Einerseits war zu erwarten, daß die Ossiflutung westwärts mangels Pkw vorläufig noch anhalten sollte und die Westwaren mangels Aufklärung und Patriotismus stabil in die Gegenrichtung unterwegs sein sollten, so war es anfangs schließlich auch.
Dazu kamen gigantische ´Verkehrsprojekte zu Gunsten der Bahnbau- Unternehmen zwecks Lückenschlusses zur Bundesbahn und ein gewisser technischer Fortschritt, wobei wir abgesehen von der Drehstromtechnik der Loks, mindestens Gleichwertiges aufzubieten hatten.
Ohne die Reichsbahn wäre der neue Ost- West- Schienenverkehr wie er damals war nicht durchführbar gewesen.
Es war zwar viel leichter, allen Ossis für 100 Mark neue Stereorekorder zu beschaffen, aber mit dem DB- Fuhrpark den gesamtdeutschen Bahnverkehr abzuwickeln, wäre nicht lösbar gewesen.
Hätte man die Reichsbahnsubstanz auch noch abgewickelt, würden wenigstens keine Bahntrassen mehr die blühenden Landschaften zerteilen.
Übrigens ist der Verfall des Bahnstandorts Ostdeutschland erst mit Mehdorn richtig gut voran gekommen, CDU- Leute wie Wissmann oder Ludewig hatten trotz aller Zwänge noch Visionen und standen damals noch recht starken Bahngewerkschaften gegenüber.
Hätte es diese Kultur der zusammen stehenden Arbeitnehmerschaft damals flächendeckend gegeben, wäre vieles anders gekommen.
Leider waren die Frühdemonstanten in der Regel Vertreter der arbeitsfernen Schichten, die rekrutierten sich überwiegend aus Theoretikern und Berufsoppositionellen, die nur das System als Feind betrachteten, die Arbeiter und Bauern aber nicht als Freunde und so geschah es, daß man die Gewerkschaften vollkommen außen vor ließ, zumindest war das mein Eindruck außerhalb der Bahn und vielleicht noch des öffentlichen Dienstes in der unmittelbaren Nachwendezeit.
Als dann schließlich der "Wecker klingelte", waren längst alle Messen gesungen, etwas neu zu organisieren, was bereits zerschlagen ist, das war unlösbar und wieder mal hatte Marx recht, wenn er die mangelnde Organisierung der Arbeiterschaft als Einfallstor für die Ausbeutung betrachtete.
Längst hätten sich im Lokfahrdienst die jämmerlichen Löhne des Speditionsgewerbes durchgesetzt, lange vor Mehdorn wäre der personelle Kahlschlag durchgezogen wurden, hätte die GDL damals keine Feldarbeit in den Dienststellen vor Ort geleistet.



zuletzt bearbeitet 24.07.2012 15:40 | nach oben springen

#19

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 15:17
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von GeMi im Beitrag #14
Hallo,

nach 10 Antworten sind wir wieder meilenweit vom Thema entfernt.
Ging es ohne Probleme, sich zu entpflichten. Wie sah es mit Ansprüchen aus - Versicherungen, Renten ...?




Also in meiner Bahndienststelle tauchten auch in der Nachwendezeit Personen auf, von denen keiner so recht wußte, wo die wirklich her kamen.
Sofern sie nicht selbst davon erzählten, blieb alles ziemlich im Dunkeln.
Es gab aber Kollegen, die ein absolut intaktes Feindbild gegenüber der Stasi hatten und solche Neuankömmlinge auch verbal angriffen mit Bezeichnungen wie Gummiohr oder Major Wendezug usw.
Es gab ferner einen gewissen Kündigungsschutz für Eisenbahner mit mehr als 15 Dienstjahren bzw. erreichter Lebensaltersstufe "40" mit Stand irgendwann Anfang der 1990er Jahre.
Dieser Status hatte richtig Wert und so kam es tatsächlich auch vor, daß ein solcher Neuankömmling älteren Jahrgangs mit einem früher erworbenen Eisenbahn- Facharbeiterbrief einen Lokführer mit 10 Dienstjahren in Richtung Westdienststellen vergrängen konnte, der eigentlich noch gar nicht "dran" war.
Mich persönlich betraf das zwar nicht, man kann sich aber vorstellen, daß hier allerhand Mißtrauen, bewußt oder unbewußt gestreut wurde.
Ich finde, es gehört auch zum Thema wenn sich Außenstehende mit einbringen, da es ja eine "DDR- offene" Rubrik ist und noch längst nicht alles dazu wirklich aufgeklärt ist.



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#20

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 15:25
von exgakl | 7.237 Beiträge

Hallo GeMi,

ich habe mich im August 1989 entflichten wollen, zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich zur NVA versetzen lassen (hatte mit meiner Heirat und Standortwechsel zu tun)
Zu der Zeit führte kein Weg dahin..... ;-) ich bin dann im Februar 1990 weg, musste nur eine Arbeitsstelle nachweisen und die Sache war erledigt.... ;-)

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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