#21

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 15:45
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #17


Die Antwort würde in zwei Teile zerfallen: Vor dem 09.11.1989 und nach dem 09.11.1989.

Davor konnte ein normales Entpflichtungsgesuch gestellt werden. In Abhängigkeit von den Gründen der Entpflichtung konnte die Sache relativ reibungslos über die Bühne gehen, wenn sich alle Beteiligten einig waren, dass Gehende doch besser gehen sollte, oder es konnte zu Parteiverfahren und Degradierungen führen, wenn man von der Führungsseite meinte, "kapitulantenhaftes Verhalten" dürfe nicht geduldet werden.

Nach dem 09.11.1989 war eine Entpflichtung meines Wissens nach überhaupt kein Problem mehr. Antrag stellen, Vielleicht noch ein paar Gespräche, Laufzettel abholen und "auf Nimmerwiedersehen". Die Gründe waren verschieden: Sicherung eines guten Arbeitsplatzes (oftmals Vertrieb), Überzeugung oder auch Verbitterung. Aus meiner Lehrgruppe an der Militärpolitischen Hochschule gingen zwischen dem 09.11.1989 und 02.10.1990 8 von 15 Mann und davon war nur einer, der gehen musste (Wachregiment Felix E.).

Die Ansprüche aus der Sozialversicherung blieben in jedem Fall erhalten, egal wann man ging. zum Teil werden auch heute noch Dienstzeiten bei den bewaffneten Organen der DDR auf die Dienstzeit von Beamten angerechnet. Anders sah es mit Abfindungen aus. Wer sich entpflichten ließ, erhielt keine Abfindung. Dazu muste man bis zum bitteren Ende durchhalten. Als ich am 31.12.1990 entlassen wurde erhielt ich 7.000 DM Abfindung und eine schöne Urkunde als Dankeschön für den Aufbau der Bundeswehr Ost.

ciao Rainman


Da muss ich Dir Recht geben, es kommt schon ziemlich auf das Datum an. Vor diesem Ereignis war es möglich, jedoch sollte man schon genau darauf achten welche Gründe man anführte denn es konnte sonst schnell ungemütlich werden. Natürlich wurden diese Personen dann im zivilen entsprechend gesichert, auf der anderen Seite erhielten sie aber auch jede Menge Unterstützung und bekamen eine adäquate Stellung zugewiesen. Sie sollten ja nicht aus Unzufriedenheit ein noch größeres Sicherheitsrisiko werden als sie es nun eh schon waren.

Nach diesem Ereignis ging es recht schnell, man war quasi um jeden froh den man losbrachte und versuchte jeden in eine neue Stellung zu vermitteln. Es ging in die Wirtschaft aber auch zu anderen staatlichen Organen, wie Zoll u. Zollfahndungsdienst, die DVP, in die Volksbildung und zu den örtlichen Räten. Das Problem was sich dabei ergab war, dass es meist gerade die Besten waren, die die Zeichen der Zeit erkannten und so schnell wie möglich versuchten woanders Fuß zu fassen.

Das durchhalten bis zum bitteren Ende habe ich nie verstanden, dies jedoch speziell auf das MfS bezogen! Da der allgemeine Personalabbau und die Hexenjagd auf das MfS schon in vollem Gange waren, war doch eigentlich klar das eine weitere Verwendung in anderen bewaffneten Organen nur von sehr kurzer Dauer sein konnte. Trotzdem gab es [naive?] Genossen die hofften diese Schiene fahren zu können und dafür bei ihren Neueinstellungen sogar Herabstufungen im Dienstgrad hinzunehmen bereit waren. Das große Pickelschießen hatte begonnen und ich kenne Genossen die wurden bei ihrem Wechsel zur DVP vom Major zum Hauptwachtmeister der VP, der Genosse OSL M. wurde gar als Obermeister der VP übernommen. Dies fand ich absolut entwürdigend und habe auch nie verstanden wie man dieses auf sich nehmen konnte.

Kurzum zur Frage, ab November ging es problemlos!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 24.07.2012 15:54 | nach oben springen

#22

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 15:59
von Alfred | 6.841 Beiträge

Feliks,

auch vor 1989 war dies möglich.

Sicher spielte auch immer eine Rolle, welchen Dienstgrad / Dienststellung diese Person hatte.

Ich kenne Fälle im MfS, da war dies in wenigen Tagen entschieden und die Person wurde entlassen / entpflichtet.


zuletzt bearbeitet 24.07.2012 15:59 | nach oben springen

#23

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 16:03
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Alfred, nichts anderes habe ich im ersten Absatz geschrieben.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#24

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 16:42
von Uleu | 527 Beiträge

Bin weder entpflichtet noch entbunden worden ... so gesehen, bin ich immer noch dabei


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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#25

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 18:55
von Marder | 1.413 Beiträge

Zitat von Uleu im Beitrag #24

Bin weder entpflichtet noch entbunden worden ... so gesehen, bin ich immer noch dabei


Musste mal auf deien Kontoauszüge gucken. Da müsste ja dann noch jeden Monat Geld kommen

Wenn nicht kannste ja mal ne Mahnung schreiben.

MfG Marder


Er wirft den Kopf zurück und spricht: "Wohin ich blicke, Lump und Wicht!" Doch in den Spiegel blickt er nicht.
Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selber. Er lässt auch anderen eine Chance.
Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten.
zuletzt bearbeitet 24.07.2012 18:56 | nach oben springen

#26

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 24.07.2012 20:21
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von Uleu im Beitrag #24

Bin weder entpflichtet noch entbunden worden ... so gesehen, bin ich immer noch dabei


Also das stimmt nicht ganz---entbunden hat Dich Deine Mutter.


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#27

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 25.07.2012 17:47
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Das haut mich vom Hocker ,was ich hier so von Euch erfahre.
Das ihr mir hier von überzeugter Soldat und was nicht noch schreibt und auf die jenigen eindrischt ,welche gegen über Euch eine andere Meinung haben ????? .
Da hieß es: , Nichts wie weg :
Als Vater eines 1988 zur NVA eingezogen Sohnes , mal meine Schilderung über seine Entlassung. Er diente bei den Luftstreitkräften im Raum Neubrandenburg. (Radarstation) . Er hatte sich für 3 Jahre verpflichtet ,weil er zum Studium wollte.
Im Februar 1990 kam er mit einem Lungenzusammenfall des linken Lungenflügels auf Urlaub.
Am gleichen Tag mußte er noch operiert werden . Schon während des Aufenthaltes im Krankenhaus versuchten wir mit dem Direktor der Lungenklinik Kontakt aufzunehmen , damit er uns bei bei einer vorzeitigen Enlassung unterstützt.
Da gab es nur die Information ,er muß wieder zur NVA, das sollen die entscheiden.
Im März 1990 meldete er sich wieder in seiner Dienststelle zurück. , ( er wollte ja studieren ) also nicht abhauen ,durchhalten bis zum
Schluß.
Im April 1990 wurde er entlassen , und hat sich damals gleich um einen Studiumplatz gekümmert und konnte ihn gleich im September beginnen, welches er dann 1995 erfolgreich beendete.
Ja es gab auch noch Soldaten ,die nicht so überzeugt waren , aber bis zum Schluss aushielten . Mfg ratata


Arnstädter hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.07.2012 17:50 | nach oben springen

#28

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 25.07.2012 18:24
von furry | 3.562 Beiträge

Zitat von ratata im Beitrag #27
.... Er hatte sich für 3 Jahre verpflichtet ,weil er zum Studium wollte.
....Ja es gab auch noch Soldaten ,die nicht so überzeugt waren , aber bis zum Schluss aushielten . Mfg ratata


Wenn auch etwas vom Thema abweichend, war Dein Sohn nun überzeugt von der Sinnhaftigkeit seines dreijährigen Dienstes oder hat er nur "ja" gesagt, um seinen Studienplatz, den er sonst, aus welchen Gründen auch immer, nicht bekommen hätte?


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#29

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 25.07.2012 18:49
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Hallo furry,
aus Überzeugung natürlich nicht, aber bedingt durch die damalige Beeinflussung von Oben , gab es doch keine andere Möglichkeit dem auszuweichen. Schon in der Schule 8 Klasse kam er mal heulend nach Hause , da war ein Oberleutnant für wehrpolitische Erziehung in der Klasse und hat für Berufsoldaten geworben, da wir aber Christen sind ,wurde gleich gesagt . du kommst sowieso als Berufsoffizier nicht in Frage ,du gehst zur Kirche. Das war doch ein gefundenes Fressen für die etwas zurückgeblieben Mitschüler , denn er war mit Klassenbester. Die hatten doch gleich etwas zum hänseln. Da ich aber im Elternaktiv der Klasse 10 Jahre war , konnte ich den Klassenlehrer aber mal ein paar Takte erzählen. Mfg ratata
Solltst Du noch nie etwas von dem Fach wehrpolitische Erziehung gehört haben, es gibt bestimmt Mitglieder hier ,die genau darüber informieren können. und Schluss


zuletzt bearbeitet 25.07.2012 18:52 | nach oben springen

#30

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 25.07.2012 18:54
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von ratata im Beitrag #29
. Das war doch ein gefundenes Fressen für die etwas zurückgeblieben Mitschüler , denn er war mit Klassenbester.



Solche Sätze finde ich immer stark....


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#31

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 25.07.2012 22:39
von Uleu | 527 Beiträge

Zitat von Marder im Beitrag #25
Zitat von Uleu im Beitrag #24

Bin weder entpflichtet noch entbunden worden ... so gesehen, bin ich immer noch dabei


Musste mal auf deien Kontoauszüge gucken. Da müsste ja dann noch jeden Monat Geld kommen

Wenn nicht kannste ja mal ne Mahnung schreiben.

MfG Marder



Oho, dann muss ich befördert worden sein ...


" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )
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#32

RE: Nichts wie weg

in Das Ende der DDR 27.07.2012 00:22
von StabsfeldKoenig | 2.618 Beiträge

1990 wurden die Dienstzeiten von 18 auf 12 Monate (bzw. für UaZ von 3 auf 2 Jahre) verkürzt. Ein Kollege bei mir im Betrieb kam deswegen auch ein Jahr früher zurück.



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