#1

Der reale Grenzverletzer

in Grenztruppen der DDR 05.07.2012 08:34
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Vermutlich werden die wenigsten einfachen Soldaten während ihres Dienstes festgenomme Grenzverletzer zu Gesicht bekommen haben.
Die doch, wie habt ihr das gefühlt, den sonst recht imaginären "Feind" real von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen?
Mein persönliches Erlebnis dazu:

Während einer nächtlichen Objektwache in der Grenzkompanie saß ich als Bereitschaft im Dienstzimmer, da meist immer vollkommene Ruhe war döste ich vor mir hin und wurde aufgeschreckt als der Ochse losblökte, Grenzalarm.
Das übliche Prozedere, A-Gruppe raus und gut, in der Regel kam die ja meist nach Lagebeendigung zurück und ging wieder zu Bett.
Hier war aber nun etwas anders, nach ca. 20 Minuten rückte die gesamte Kompanieführung leicht aufgekratzt an, ich dachte was ist denn das für ein Sackstand?
Der Polit rannte ganz aufgeregt herum, oje, was ist da los?
Dann kam die A-Gruppe wieder mit einem Mitbringsel, ein Gak hatte ein Pärchen vorm GSZ gestellt und festgenommen.
Es ging unruhig auf dem Flur her und hin und nach einer Weile kam der Polit ins Dienstzimmer und schnurrte mich an "Wolf, Waffe nehmen und mitkommen", sogar das "Genosse" oder "Soldat" lies er weg.
Wir hatten am Ende des Flurs so eine Art Sitzecke und dort saßen die zwei bedauernswerten, ein Junges Mädchen und ihr Freund.
"Bewachen die zwei" kam der Befehl.
Nun war ich mit den beiden allein, ein mulmiges Gefühl.
Die zwei waren maximal 16 oder 17, sie weinte jämmerlich und er versuchte sie zu trösten.
Ich muß den beiden mit meiner Kalschnikov wohl vorgekommen sein wie Iwan der Schreckliche, jedenfalls schotterten sie beide vor Angst.
Sie entsprachen auch nicht so recht dem uns oft suggerierten Bild des beilschwingenden Unholds mit einem Messer zwischen den Zähnen.
Der Anblick hat mich lange nicht losgelassen.
Sie wurden dann abtransportiert.
Wer weiß, vielleicht ließt einer von den beiden hier ja mit und erinnert sich an den jungen Bewacher 1983 in Hanum.


zuletzt bearbeitet 05.07.2012 08:37 | nach oben springen

#2

RE: Der reale Grenzverletzer

in Grenztruppen der DDR 05.07.2012 10:39
von Rüganer (gelöscht)
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Hallo Grenzwolf,
ich habe mehrere Festnahmen erlebt, ob die Festgenommenen nun immer ernstzunehmende Fluchtabsichten hatten oder ob sie im Zustand der Volltrunkenheit oder der geistigen Verwirrung dort am Zaun aufgetaucht sind, sei mal dahingestellt.
Ich erinnere mich sehr deutlich an 2 Fälle, der erste war eine Frau, die am Ablösepunkt Dammweg stand und noch von den alten Posten am Hinterlandszaun festgenommen worden war. Sie hatte versucht, mit einer Kombizange den Draht durchzuschneiden, war vom Turm aus entdeckt worden und die Posten sind dann runter und haben sie festgenommen.
Es sprach sich dann noch während der Ablösung herum, dass die Frau zu Hause ihre beiden Kinder in der Wohnung eingesperrt hatte und sie nach Westberlin rüber wollte. Dafür hatten wir nur ehrliche Verachtung übrig, wie konnte man seine Kinde einsperren und sie im Stich lassen.
Der zweite Fall war ein Mann, der in der Laubenkolonie am Bahnhof Plänterwald am Abend vom ablösenden Paar entdeckt worden war, als er dunkel gekleidet, in einem Graben lag.
Ich fuhr damals den Kommandeur Grenzsicherung und bei der Ablösung schoss dann das Postenpaar den Stern Rot. Wir sind in das Laubengebiet gefahren, wo die beiden mit dem Festgenommenen standen. Bei der ersten Durchsuchung wurde bei dem Mann eine Pistole gefunden mit er sich: Zitat:“ Bei Euch Ulbrichtknechten den Weg freischießen“ wollte.
Der Mann musste dann vorn neben mir im Trabbi stehen und wir brachten ihn zum Dammweg, wo wir auf die VP warteten. Der Kommandeur Grenzsicherung befahl mir dann, den Mann zu bewachen, der auf der Erde lag, Arme und Beine auseinander. „ Wenn er abhauen will und sich rührt, dann schießt du“ waren die Worte des Oltn. Ich habe mir vor Angst fast in die Hose gemacht, inständig gehofft, dass der Festgenommene keinen Ärger macht. Die Waffe war schon durchgeladen, aber noch gesichert.
Zum Glück ging alles gut aus, die Polizei kam und nahm ihn dann mit.
Solche Erlebnisse trugen dazu bei, dass man flattrige Nerven bekam, gerade in Berlin am Innenring und froh war, dass dann die Zeit ohne Vorkommnis gelaufen ist.


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#3

RE: Der reale Grenzverletzer

in Grenztruppen der DDR 05.07.2012 11:03
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Hallo Rüganer,
Berlin war bestimmt ein heisseres Pflaster als die grüne Grenze, zumal in den 60ern und 70ern mit mehr "Ansturm".
Kann mir gut vorstellen das der Stressfakor enorm höher war und sich sicherlich manches Schläfchen, was woanders usus war, verkniffen wurde.


zuletzt bearbeitet 05.07.2012 11:04 | nach oben springen

#4

RE: Der reale Grenzverletzer

in Grenztruppen der DDR 05.07.2012 15:57
von küche69 | 428 Beiträge

Wenn ich mich recht erinnere, war es 1988, es wurde ein Grenzverletzer wurde im Abschnitt festgenommen. Ich hatte Dienst in der Küche und alles mitbekommen, der Mann hat sich zur Wehr gesetzt wie ein Wilder, bei der Durchsuchung wurde dann ein Messer und eine Drahtschere bei Ihm gefunden. Er musste sich dann in der Kompanie nach einer kurzen Befragung in den Offizierspeisseraum setzen, er wollte immer wieder stiften gehen. Er hat soger unseren Polit umgerannt, danach wurde er von drei Mann bewacht. Es muss so gegen 01.30 Uhr gewesen sein, es kamen dann bald die Leute von "Horch und Kuck", die haben ihm dann Handschellen verpasst und im Wagen mitgenommen.

Später bei der Auswertung des Vorfalles kam heraus, dass es der Mann schon dreimal versucht hatte, rüberzukommen und jedesmal abgebrochen hatte, Details wurden nicht genannt, aber daher war er stinksauer über seine Festnahme.

Grüsse von Küche69

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"Wer nicht mit beiden Augen sieht, wird nie die ganze Wahrheit sehn!"



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