#1

es war nicht einfach

in Leben in der DDR 30.05.2012 23:28
von Hans55 | 763 Beiträge

Hallo,zusammen!
1983 haben wir unseren ersten "Trabbi"bekommen,Baujahr 1968!
Nach etwa 6 Monaten hatte der Motor sein leben ausgehaucht! In der Werkstatt waren keine Ersatzteile vorhanden,also selber die Sache in die Hand nehmen!
Das hier:http://www.youtube.com/watch?v=0U1XD8s8iFM&feature=related hatte auch nicht geklappt!
Da halfen nur ein paar Säcke Zement und Schalungsbretter zum Tausch,sonst wäre es wohl nichts geworden! War schon alles verrückt damals! Hans55


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#2

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 06:25
von furry | 3.580 Beiträge

@Hans55,
da aktivierst Du Bereiche in meinem Langzeitgedächtnis, die es wert sind, mal etwas weiter auszuholen. Unser erstes bezahlbares Auto war ein Wartburg 311 mit fast 20 Jahren auf dem Buckel. Und wie waren wir glücklich, mit 2 Kindern gemeinsam reisen zu können. Nach der ersten Fahrt bei Regen bekam das große Glück aber seine ersten Dämpfer. Die Karre war innen total nass. An diversen Stellen hat sich das gute Blech aufgelöst. Diese Stellen ließen sich mit 2-Komponetenkunstharz, den ich von unserem Techniker im Betrieb bekommen konnte, wieder abdichten. Was er mir nicht geben konnte, war das dazugehörige Glasfaservlies. Dieses konnte aber durch Glasfasertapete, die es damals gab, ersetzt werden. Nun war die Karre frisch "tapeziert" und dicht. Diesen 2-Komponentenkunstharz gab es zwar auch im einschlägigen Fachhandel, hieß wimre "Hobbyplast", aber der ging nur an besonders gute Kunden im Bückverfahren.
Als nächstes meldete sich der Vorschalldämpfer. Von einem Kollegen, ebenfalls 311er Fahrer, bekam ich den Tipp, mich mal an Herrn Die... bei der PGH "Gute Fahrt" mit einem schönen Gruß von besagtem Kollegen zu wenden. Aber der Herr Die... konnte mir angeblich nicht helfen. Vorsorglich hatte ich aber 10 DM aus unserer bescheidenen Schatzkammer dabei. Diese dem Herrn unter die Nase gehalten, auf einen Kurs von 1:5 geeinigt und den Rest in gewöhnlicher Währung, und schon öffnete sich das Lager. Am Ende bin ich mit meinem Vorschalldämpfer, einem Hauptschalldämpfer, 2 Antiebswellen und den zugehörigen Mitnehmergummis durch die Hintertür von dannen gezogen.
Mitte der 80er hatten wir dann einen Trabant-Kombi, auch entsprechend alt und teuer. Für den brauchte ich Stoßdämpfer. Habe auch einen Laden im damaligen Speckgürtel von Berlin gefunden, der diese Dinger regeneriert (siehe Dein verlinktes Video) vorrätig hatte. Der Haken an der Sache war aber, regenerierte Teile bekam man dort nur, wenn man die alten auf den Tisch gelegt hat. Also habe ich die Karre vor dem Laden auf einer Seite aufgebockt, zwei Stoßdämpfer ausgebaut, rein in den Laden, alte auf den Tisch, regenerierte zu mir und natürlich bezahlt, die neuen wieder eingebaut und dann das gleiche Spiel auf der anderen Seite nochmal von vorn.
Das war schon fast wie Abenteuerurlaub, für den man heute viel Geld bezahlen muss. Wir hatten nur die Materialkosten.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#3

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 07:59
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Mein erstes Auto in der DDR war ein Wartburg Tourist in so einem häßlichen gelblichen Farbton, ich glaub das nannte sich samtocker. Mit Knüppelschaltung, das sah bescheuert aus wie da der Schalthebel aus dem Boden ragte. Das war Anfang der Achziger, mit der Anmeldung von der Oma. Aber den habe ich ohne Probleme bis 1992 gefahren und dann für 1DM an einen Kumpel verkauft.
Andreas


http://kaube-blog.de/


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#4

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 08:01
von Pit 59 | 10.153 Beiträge

Der Slogan war ja damals "Das Geld für einen Neuen habe ich,einen gebrauchten kann ich mir nicht leisten".Unvorstellbar für einen Bundesbürger. Ich hatte das grosse Glück reichlich Verwandtschaft mit Auto Anmeldungen zu haben,dazu kam noch anderes Glück.
Wenn man einmal im Rhytmus war,hatte man immer ein Neues Auto.Der Automarkt in Erfurt war mein liebster Platz,Scheibe kleines Stück runter,und die Angebote flatterten rein. Mein letztes Auto ein 353 mit Knüppelschaltung habe ich dort im Oktober 1989 Verkauft.Kann nur ein Genosse ohne Westfernsehen gewesen sein.
Schade das die Zeit vorbei war,hat Spass gemacht.


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#5

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 08:20
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo,

wenn ich die ersten beiden Berichte lese, könnte ich doch glatt einen Beitrag in "Wofür sich ehemalige DDR-Bürger schämen sollten" schreiben.
Es war schlichtweg zum Kotzen, wenn man vor dem Ladentisch stand und das Gegenüber grinst einen an und sagt: "Hamwer nich!".
Jeder wusste, dass die Wunschteile hinten im Lager waren. Man musste bloß ein bestimmtes Codewort sagen und schon lief der Laden. Schlimm war es für Diejenigen, die keine Beziehungen hatten.
Eine Batterie für meinen Trabbi hat mir meine Mutter besorgt, weil die Hinz und Kunz kannte und auch was zu bieten hatte (Kuren über den FDBG).
Meine Frau hat mit Schmiergeld und guten Worten eine ganze Zugladung Möbel nach Halle umgeleitet. Diese kamen gar nicht in den Handel, sondern wurden gleich ab Lagerhalle unter der Hand verscherbelt. Pech für die Berliner.
Ich glaube, die meiste Tauschware war geklaut oder halbgeklaut. Unter halbgeklaut verstehe ich eine Ware, die zwar im Betrieb gekauft wurde, aber meist weit unter Wert.
Bei uns konnte man neue Blechtafeln für sehr viel Geld kaufen. Bleche mit Bearbeitung liefen unter Privatarbeit und wurden billiger. Eine kleine 1mm-Bohrung in einer Ecke hat das Blech auf einen Spottpreis gesenkt.
Noch billiger war Schrott. Also wurden neue Blechtafeln auf den Hof gelegt, mit der Gießkanne gewässert , damit sie schön anrosten. Und schon waren die Bleche fast kostenlos. Damit konnte man noch prima was anfangen.
Ich glaube, wir haben einen gehörigen Teil zur Misswirtschaft beigetragen. Klauen war schon Volkssport.
Welcher Bauer hat denn nicht nach dem letzten Drusch seinen Bunker übers eigene Hoftor entleert?


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#6

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 09:26
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

"Damals" gab es noch kein Youtube mit Reparaturtipps aber für den Hobbybastler und stolzen Trabantbesitzer folgende Bücher:

"Reparaturhandbuch Personenkraftwagen Trabant 601“
„Ich fahre einen Trabant“
"Wie helfe ich mir selbst - Trabant"
In verschiedenen Auflagen ist das letztgenannte Buch die Fibel für den Selbstschrauber gewesen – waren doch die Werkstattkapazitäten in der DDR äußerst knapp bemessen und von Anfang an Hilfe auf Selbsthilfe gefordert.
Das Buch enthält Zeichnungen von Spezialwerkzeugen und Hilfsvorrichtungen und jeder Reparturschritt wurde sehr ausführlich beschrieben.
Fast wie ein Kochbuch für Anfänger wenn der Vergleich auch hinkt.
Ohne bedenken konnte danach zum Beispiel der Vergaser ausgebaut, gereinigt und wieder zusammengebaut werden.....
Als ich mal völlig Naiv in einer Trabantwerkstatt um einen Reparaturtermin nachsuchte wurde ich doch glatt auf dieses Buch verwiesen mit dem Hinweis das Problem könne ich damit selber beheben.
Es erwies sich als wahr und ich war froh das wir in der Schule dieses Fach 'Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion' (UTP) hatten.

Ähnliche Bücher gab es auch für den Wartburg und Lada, sie sind mir jedenfalls bekannt.

Entsprechend der technischen Verbesserungen an den Fahrzeugen wurden auch die Nachauflagen der Bücher aktualisiert.

Batterie für den Trabant habe ich mal durch die halbe DDR mit dem Zug transportiert weil es in meiner Wohngegend gerade keine gab aber Bekannte sie anderen Ortes organisierten......

Einmal hatte ich einen "Blechschaden", mir war jemand reingefahren und einige Teile im Frontbereich waren zersplittert......
Werkstattermin, ja auch bekommen......
In der Nähe der Arbeit war ein IFA Laden, ich wohnte faktisch dort um die begehrten Teile zu bekommen. Linker vorderer Kotflügel (ein Rarität, weil er bei sehr oft bei Vorfahrtunfällen drauf ging, Motorhaube, Frontgrill, vordere Stoßstange, Vorschalldämpfer und noch einige andere Kleinteile)
So nach und nach ergatterte ich alle Teile, bis zum Werkstattermin war es eine Weile und am bewußten Morgen fuhr ich in der Früh auf den Werkstatthof und in der Annahme wurde mir gleich beschieden das ich zwar einen Termin habe aber die Werkstatt zufälligerweise keine Teile um den Auftrag auszuführen......
Ich bat den Meister nach draußen. ließ ihn einen Blick auf die Rückbank und in den Kofferraum werfen und nachdem er sich davon Überzeugt hatte das alle benötigten Teile vorhanden waren wurde das Fahrzeug angenommen.
Leider durfte ich bei der Reparatur dann nicht mitmachen.......

Die neu angebauten Teile waren natürlich unlakiert und von einer selten häßlichen Grundfarbe, so ein dunkles Braun.
Erst da fiel es mir bewußt auf wie viele Trabant mit unlackierten Karosserieteilen auf den Straßen unterwegs waren.
Einen Termin in solch einer Werkstatt zu bekommen, schier unmöglich. Wartezeit (Berlin) knapp anderthalb Jahre.

Auch hier wieder verwandtschaftliche Hilfe.
Es wurde eine Werkstatt im 5 Km Streifen aufgetan, ein Passierschein für mich besorgt und am Abend vor dem Werkstattermin zur Verwandtschaft, an anderen Morgen alles was Innen war ausgebaut (Sitz, Rückbank, Innenverkleidung etc.) der Lackierer wollte es so.
Mit dem ausgeweideten Trabant ins Sperrgebiet, ihn in der Werkstatt abgeben und wieder zurück.
Eine Woche später mit dem Zug wieder hin, den lackierten Wagen abgeholt, alles wieder eingebaut und ab nach Hause.

Zum Glück hatte ich nur diesen einen Unfall in meinem Autofahrerleben.

Aus heutiger Sicht unmöglich aber schon mal versucht einen 140 Liter Kühlschrank in einem ähnlich großen Kleinwagen zu transportieren?
Im Trabant ging das.......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#7

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 11:09
von Backe | 480 Beiträge

Hier die beliebten Bücher ...........

Angefügte Bilder:
"Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab" Gotthold E. Lessing
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#8

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 14:21
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
Es wurde eine Werkstatt im 5 Km Streifen aufgetan, ein Passierschein für mich besorgt und am Abend vor dem Werkstattermin zur Verwandtschaft, an anderen Morgen alles was Innen war ausgebaut (Sitz, Rückbank, Innenverkleidung etc.) der Lackierer wollte es so. Mit dem ausgeweideten Trabant ins Sperrgebiet, ihn in der Werkstatt abgeben und wieder zurück.
Eine Woche später mit dem Zug wieder hin, den lackierten Wagen abgeholt, alles wieder eingebaut und ab nach Hause.


Verstehe ich das jetzt richtig, das Deine Verwandtschaft nicht im, sondern kurz vorm Sperrgebiet ihren Wohnsitz hatte?
Irgendwie klingt die Geschichte mit dem Passierschein dann, hmm, ... Unrund? Na egal, diese Selbsthilfebücher sind keine Erfindung des Ostens und es soll heutzutage auch noch Ladekünstler geben ... mit dem smart bei ikea (mir gefällt die Antwort von @wayniex sehr gut *grins*)


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#9

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 14:45
von Mholzmichel | 381 Beiträge

Mein erster Trabbi war auch Bj. 68, gekauft für 8000 M in Chemnitz auf`m Automarkt. Kurze Zeit später hab ich den kpl. geklempnert.
Sogar ei neues Geweih und neue Schweller hatte ich mir besorgt. Alle Pappen runter, Radläufe (Viertelschalen) gemacht.
Den Motor zerlegt, Zylinder schleifen lassen und eine Komplettlackierung, Himmelblau. Sitze vom Sapo rein, Webepelz auf`s Armaturenbrett geklebt, Benzinhanverlängerung nachgerüstet. Der Lack war noch nicht mal ausgehärtet, Einberufung Reserve. .
Da es wieder nach Erkner ging Trabbi mitgenommen, mein Bruder wohnte in Berlin. Tja nach 3 Tagen ging aber die Post ab nach Süden.
In einem VKU bin ich dann aber mit nem Kumpel nach Bln. gedüst und hab meinen Trabbi geholt. Der sah vlt. Scheiße aus..
Der Lack total dreckig und verklebt (Lindenbaum). Das war dann auch mein VKU , putzen, polieren.


EK 81/2
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#10

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 31.05.2012 16:48
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von 94

Zitat von Nostalgiker
Es wurde eine Werkstatt im 5 Km Streifen aufgetan, ein Passierschein für mich besorgt und am Abend vor dem Werkstattermin zur Verwandtschaft, an anderen Morgen alles was Innen war ausgebaut (Sitz, Rückbank, Innenverkleidung etc.) der Lackierer wollte es so. Mit dem ausgeweideten Trabant ins Sperrgebiet, ihn in der Werkstatt abgeben und wieder zurück.
Eine Woche später mit dem Zug wieder hin, den lackierten Wagen abgeholt, alles wieder eingebaut und ab nach Hause.


Verstehe ich das jetzt richtig, das Deine Verwandtschaft nicht im, sondern kurz vorm Sperrgebiet ihren Wohnsitz hatte?
Irgendwie klingt die Geschichte mit dem Passierschein dann, hmm, ... Unrund? Na egal, diese Selbsthilfebücher sind keine Erfindung des Ostens und es soll heutzutage auch noch Ladekünstler geben ... mit dem smart bei ikea (mir gefällt die Antwort von @wayniex sehr gut *grins*)




@94,
die Verwandtschaft wohnte im frei zugänglichem Teil der DDR, nur die Werkstatt des Lackierers befand sich in einem Dorf ca. 2,5 km vor der Grenze West, also in dieser 5 km Sperrzone.
Da ich dort hinwollte und dazu eine offizielle Strasse benutzen mußte brauchte ich einen Passierschein um durch den "Kontrollpunkt" zu kommen...... War da überhaupt einer?
Falls Du jetzt überlegst warum Onkel mein Auto nicht hingefahren hat, denn er hatte so einen Dauerschein; es war Sonnabend und es fuhr kein Bus! Deswegen zwei Autos hin und eins zurück und am nächsten Sonnabend ein Auto hin und zwei zurück......
Alles klar?
Vielleicht erzählt mir auch ein Grenzer hier das es nicht notwendig war für diesen 5 km Streifen einen Passierschein zu haben und man sich dort als dort nicht wohnender Bürger unbehelligt aufhalten konnte.......

Jedenfalls bei einer anderen Gelegenheit, als ich mal dringend benötigtes Material holen mußte, sind wir mit dem LKW bis zu einem dieser bewußten Punkte gefahren und wurden dort von einem Betriebsvertreter erwartet. Er nahm die Kanister mit Diesel und Benzin (?) in Empfang; es war kurz vor Monatsende und sie hatten ihr Kontingent bereits verbraucht, fuhr damit nach Vacha zurück und kam etwas später mit LKW und Gabelstapler angetuckert um auf offener Strasse, vor dem Kontrollpunkt, die von uns so dringend für die Planerfüllung benötigten Kabel umzuladen.
Da die Zeit viel zu kurz war um erst die Passierscheine zu beantragen etc., siehe Monatsplanerfüllung, wurde diese doch recht skurrile Aktion veranstaltet.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#11

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 01.06.2012 22:27
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Es war ja nun wirklich nicht einfach, wie ich bereits mal erwähnte fuhr ich zu DDR Zeiten ein "Wolga GAS 24". Zumindest die letzten Jahre. Aber wie es so mit den Autos ist sie gehen auch mal kaputt, im konkreten Fall musste ich die Auspuffanlage erneuern.Die Reperatur war kein Problem,aber die Teile. Bei einer Werkstatt die ca. 25 km von meinem damaligen Wohnort entfernt war konnte ich leider keine Hilfe erwarten. So machte ich mich auf den Weg in das damalige sehr weit entfernte Schwarzenberg wo es eine Wolgawerkstatt gab die auch einen relativ guten Ruf hatte. Nun kam zum Anfang der schwierigste Teil, denn ich musste so einen Eindruck hinterlassen, dass er mich in drei Wochen auch wieder erkennt. Das ging ja nun am besten mit Naturalien und Devisen. Nach dem ich es ihm verständlich gemacht habe, habe ich tatsächlich vier Wochen später einen Termin bekommen.Zwei Tage später konnte ich mein liebes Stück wieder abholen. Zu meinem Erstaunen, zur vollsten Zufriedenheit. Wie es eben so war habe ich ihm bei der Verabschiedung nochmal 20 ( DDR Mark) in die Hand gedrückt, um mich beim nächsten Mal wieder zu erkennen.
Ca. ein halbes Jahr später hat sich der Regler verabschiedet. Da war natürlich wieder guter Rat teuer. Mit Schwarzenberg telefoniert, doch relativ niedrige Erfolgsaussichten und das kurz vor dem Urlaub. Da kam ich auf den Gedanken mich auf den Weg zu machen zu unseren" Freunden" die ja mit Ural und Sil gut vertraut waren. Mir war bekannt das der Regler vom Ural auch beim Wolga passt.Zwei Stunden später ist mir am Seitenzaun der Kaserne verständlich gemacht wurden das ich so einen Regler bekommen kann, ich solle dafür aber auch zwei Flaschen Schnaps mitbringen. Da war ich heilfroh. Ansonsten muss ich sagen das der Wolga ein sehr zuverlässiges Fahrzeug war. Ich habe ihn auch sehr geschont. Bei einer anständigen Fahrweise mit ca. 90 KM/h ist man mit 11,5 Liter gut hingekommen im Durchschnitt,Stadt,Landstrasse und Autobahn.


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#12

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 01.06.2012 23:30
von Pitti53 | 8.791 Beiträge

Wolga fahren war aber nur ein "bissel"previgiliert?


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#13

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 01.06.2012 23:38
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von Pitti53
Wolga fahren war aber nur ein "bissel"previgiliert?


das hast du mir schon mal vorgeworfen, Pitti. Ich habe es mir aber auf meine eigene Weise erarbeitet. Jeder ist des Glückes eigener...........


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#14

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 02.06.2012 00:03
von Gert | 12.356 Beiträge

habe nun alle Posts durchgelesen und sage mal für mich, "eure" ( bewusst "eure", weil mich ja einige hier bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, dass ich nach 1965 keine Ahnung mehr habe ) DDR war autotechnisch gesehen einfach "Sch... e ".
Das konnte ich bei Besuchsreisen immer so sehen, in was für armseligen Mühlen ihr doch umhergefahren seid. OK, ihr konntet nix dafür, das weiss ich aber wenn man komfortabel im BMW oder Mercedes an euch vorbei rollte, dann kam doch Mitleid auf für diese Neandertalerautos.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#15

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 02.06.2012 00:54
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Nostalgiker
............
die Verwandtschaft wohnte im frei zugänglichem Teil der DDR, nur die Werkstatt des Lackierers befand sich in einem Dorf ca. 2,5 km vor der Grenze West, also in dieser 5 km Sperrzone.
Da ich dort hinwollte und dazu eine offizielle Strasse benutzen mußte brauchte ich einen Passierschein um durch den "Kontrollpunkt" zu kommen...... War da überhaupt einer?
Falls Du jetzt überlegst warum Onkel mein Auto nicht hingefahren hat, denn er hatte so einen Dauerschein; es war Sonnabend und es fuhr kein Bus! Deswegen zwei Autos hin und eins zurück und am nächsten Sonnabend ein Auto hin und zwei zurück......
Alles klar?
Vielleicht erzählt mir auch ein Grenzer hier das es nicht notwendig war für diesen 5 km Streifen einen Passierschein zu haben und man sich dort als dort nicht wohnender Bürger unbehelligt aufhalten konnte.......
Gruß
Nostalgiker



IMHO 5km Zone roter Schein, 500m-Zone grün. Aber die Scheine gabs eigtl. nicht mal eben so, nur weil dort der Lackierer deines Vertrauens seine Bude hatte.



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#16

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 02.06.2012 01:06
von uffz_nachrichten | 475 Beiträge

Zitat von Gert
habe nun alle Posts durchgelesen und sage mal für mich, "eure" ( bewusst "eure", weil mich ja einige hier bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, dass ich nach 1965 keine Ahnung mehr habe ) DDR war autotechnisch gesehen einfach "Sch... e ".
Das konnte ich bei Besuchsreisen immer so sehen, in was für armseligen Mühlen ihr doch umhergefahren seid. OK, ihr konntet nix dafür, das weiss ich aber wenn man komfortabel im BMW oder Mercedes an euch vorbei rollte, dann kam doch Mitleid auf für diese Neandertalerautos.




Das mag für die 80er gegolten haben. Aber ich wüßte nicht, daß in den 70ern die Mehrheit der Alt-BuBü in großen BMW oder Strich8 rumgefahren sind. Und mit dem Fahrkomfort eines Kadett A oder 1er Golf, geschweige denn eines Käfers oder auch eines BMW ( Isetta - daß ich nicht lache ) konnte es jeder WaBu locker aufnehmen. Ich bin gewiß nicht Ost-Sentimental, wenn ich meinen 1.3er Touristen dem 1er Golf meiner Madam nach der Wende vorgezogen habe.
Leider ist bei "uns" der automobile Fortschritt weisungsgebunden in den 70ern stehen geblieben.
Trotzdem kann man auch heutzutage noch jedem bajuwarischen BMW-Fetischisten ein Staunen ins Gesicht drücken. Man muß ihm nur die Wahrheit erzählen. Nämlich daß z.B. in ESA schon Autos gebaut wurden, als die in der bayrischen Landeshauptstadt noch mit Fiakern umanand gefahrn sind



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#17

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 02.06.2012 07:23
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von uffz_nachrichten
IMHO 5km Zone roter Schein, 500m-Zone grün. Aber die Scheine gabs eigtl. nicht mal eben so, nur weil dort der Lackierer deines Vertrauens seine Bude hatte.



@uffz, wie mein Onkel an den Schein rangekommen ist, wie er die ganze Sache überhaupt eingefädelt hat, weiß ich nicht mehr......
Wichtig war für mich das dort mein Auto lackiert wurde.

@Gert, kann es sein das ich aus Deinem letzten Beitrag die so wertgeschätzte Überheblichkeit und Arroganz, diese "mitfühlende" Herablassenheit des Westlers (in Deinem Fall auch noch nicht mal ein Echter) erkenne, der sich aus unerfindlichen Gründen für den besseren Deutschen hielt und hält und dieses den "armen" Brüdern und Schwestern bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit unter die Nase reiben mußte und immer noch muß.....

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
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wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#18

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 02.06.2012 10:01
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Nostalgiker

Zitat von uffz_nachrichten
IMHO 5km Zone roter Schein, 500m-Zone grün. Aber die Scheine gabs eigtl. nicht mal eben so, nur weil dort der Lackierer deines Vertrauens seine Bude hatte.



@uffz, wie mein Onkel an den Schein rangekommen ist, wie er die ganze Sache überhaupt eingefädelt hat, weiß ich nicht mehr......
Wichtig war für mich das dort mein Auto lackiert wurde.

@Gert, kann es sein das ich aus Deinem letzten Beitrag die so wertgeschätzte Überheblichkeit und Arroganz, diese "mitfühlende" Herablassenheit des Westlers (in Deinem Fall auch noch nicht mal ein Echter) erkenne, der sich aus unerfindlichen Gründen für den besseren Deutschen hielt und hält und dieses den "armen" Brüdern und Schwestern bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit unter die Nase reiben mußte und immer noch muß.....

Gruß
Nostalgiker





Nostalgiker, du bist absolut berechenbar, den Post habe ich nur für dich geschrieben und du bist voll auf den Zug aufgesprungen.
Selbstverständlich fühle ich mich nicht als besserer Deutscher und für die Autos die in der DDR verkauft wurden konnte keiner etwas. Aber armselig waren sie schon, das musst du doch zugeben. Mein Vater war ein Liebhaber von Autos und ich hätte ihm weissgott ein schöneres gewünscht, nach der Wende konnte er sich dann einen Ford Fiesta kaufen und war glücklich, den ersten "Westwagen" zu besitzen.


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#19

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 02.06.2012 10:16
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von uffz_nachrichten

Zitat von Gert
habe nun alle Posts durchgelesen und sage mal für mich, "eure" ( bewusst "eure", weil mich ja einige hier bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, dass ich nach 1965 keine Ahnung mehr habe ) DDR war autotechnisch gesehen einfach "Sch... e ".
Das konnte ich bei Besuchsreisen immer so sehen, in was für armseligen Mühlen ihr doch umhergefahren seid. OK, ihr konntet nix dafür, das weiss ich aber wenn man komfortabel im BMW oder Mercedes an euch vorbei rollte, dann kam doch Mitleid auf für diese Neandertalerautos.




Das mag für die 80er gegolten haben. Aber ich wüßte nicht, daß in den 70ern die Mehrheit der Alt-BuBü in großen BMW oder Strich8 rumgefahren sind. Und mit dem Fahrkomfort eines Kadett A oder 1er Golf, geschweige denn eines Käfers oder auch eines BMW ( Isetta - daß ich nicht lache ) konnte es jeder WaBu locker aufnehmen. Ich bin gewiß nicht Ost-Sentimental, wenn ich meinen 1.3er Touristen dem 1er Golf meiner Madam nach der Wende vorgezogen habe.
Leider ist bei "uns" der automobile Fortschritt weisungsgebunden in den 70ern stehen geblieben.
Trotzdem kann man auch heutzutage noch jedem bajuwarischen BMW-Fetischisten ein Staunen ins Gesicht drücken. Man muß ihm nur die Wahrheit erzählen. Nämlich daß z.B. in ESA schon Autos gebaut wurden, als die in der bayrischen Landeshauptstadt noch mit Fiakern umanand gefahrn sind




@uffz
Von Mehrheit habe ich nicht geschrieben, der Durschnittsbundi fuhr Golf, Kadett, Fiesta usw.. BMW Isetta ? Die habe ich 1965, als ich in die Bundesrepublik kam, schon gar nicht mehr gesehen. Das war ein Gefährt ( Auto kann man nicht sagen ) der 50er. in den 70 ern gab es den legendären BMW 2002 , eine ganz heisse Kiste damals, angefangen hat der Erfog von BMW Mitte der 60er Jahre mit dem BMW 1500, so hiess der glaube ich, ein eleganter Mittelklassewagen in der klassischen Pontonform. Davor war BMW ziemlich angeschlagen, wegen des Sammelsuriums von Modellen. Auf dem 1500 bauten dann ander Erfolgsmodelle, wie der 2002, auf.

Es ist richtig, dass die Eisenacher Motorenwerke schon 1902 Autos bauten ( Dixi), aber in den 20er Jahren schon von BMW übernommen wurden. BMW war aber zunächst ein Flugmotorenwerk war, Gründung im 1.WK.


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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zuletzt bearbeitet 02.06.2012 10:17 | nach oben springen

#20

RE: es war nicht einfach

in Leben in der DDR 02.06.2012 14:01
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Hier mal was zu EMW und DKW mit schönen Bildern.

http://de.wikipedia.org/wiki/EMW_340

http://de.wikipedia.org/wiki/Automobilwerk_Eisenach

Gruß ek40


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