#81

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 18:41
von andy | 1.199 Beiträge

Ich habe mal ne Frage an Armeisenferdinand:

Du schreibst von diesem UFO in der U-Haft, das Teil kenne ich aus meiner Armeezeit.
Wie aber kam man in der U.Haft an die nötigen Bauteile und hatte ein Verwahrraum tatsächlich eine Steckdose?

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
nach oben springen

#82

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 18:52
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Rasierklingen, Isolator aus Plastikgabel und ein Stück Kabel. Strom von Steckdose, falls vorhanden,hilfsweise von der Beleuchtung. Das sind alles Künstler in so einem Knast. Überlebenskünstler. Da kommt so viel Kreativität zum Vorschein. Da kannst Du nur staunen. Da ist es natürlich gut, wenn ein BVer auf der Bude ist. Der kennt da schon alle Tricks.


zuletzt bearbeitet 14.02.2013 18:57 | nach oben springen

#83

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 19:24
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

U-Haft? Er meint sicher die anschließende Haft beim MdI, beim MfS schließe ich das jetzt mal aus.

Es gab eigentlich keine Möglichkeit an die beschriebenen Dinge zu kommen, bzw. diese im VR zu behalten. Steckdosen waren da, jedoch von außen geschaltet.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
nach oben springen

#84

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 19:31
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Ufo oder wie auch immer,eine gute Wilkinson-Rasierklinge...an die 2 Löcher 2 isolierte meist 1qmm Kabel als Phasen befestigt und die Enden in die Steckdose...und der Elektrozähler ...raste....die Klinge natürlich vorher in das Gefäß mit dem Wasser hängen. In nullkommanicht war das Kaffeewasser heiß .


xxx
nach oben springen

#85

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 19:45
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von silberfuchs60 im Beitrag #84
Ufo oder wie auch immer,eine gute Wilkinson-Rasierklinge...an die 2 Löcher 2 isolierte meist 1qmm Kabel als Phasen befestigt und die Enden in die Steckdose...und der Elektrozähler ...raste....die Klinge natürlich vorher in das Gefäß mit dem Wasser hängen. In nullkommanicht war das Kaffeewasser heiß .


Und in Kürze gabs durchgebrannte Leitungen ,die waren auf so einen "Ansturm" nicht ausgelegt!!

Nicht inder UHA sondern in der GK erlebt
Die Elektriker standen immer vor einem Rätsel


nach oben springen

#86

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 19:50
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #85
Zitat von silberfuchs60 im Beitrag #84
Ufo oder wie auch immer,eine gute Wilkinson-Rasierklinge...an die 2 Löcher 2 isolierte meist 1qmm Kabel als Phasen befestigt und die Enden in die Steckdose...und der Elektrozähler ...raste....die Klinge natürlich vorher in das Gefäß mit dem Wasser hängen. In nullkommanicht war das Kaffeewasser heiß .


Und in Kürze gabs durchgebrannte Leitungen ,die waren auf so einen "Ansturm" nicht ausgelegt!!

Nicht inder UHA sondern in der GK erlebt
Die Elektriker standen immer vor einem Rätsel


...Pitti53 da hast Du Recht, möchte nicht wissen wie die Leitungen geglüht haben.
Ist aber glücklicherweise nichts passiert.


xxx
nach oben springen

#87

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 19:55
von Lutze | 8.039 Beiträge

in der U-Haft kannte ich die Ufos auch noch nicht,zum rasieren hat jeder eine Klinge erhalten,die im
Anschluss wieder abgegeben werden musste,steckdosen in den Zellen kannte ich überhaupt nicht,erst
im Strafvollzug hab ich diese Ufos gesehen(wir haben dazu Fuchs gesagt),wurde viel Tee damit
gekocht in Blecheimern,der Strom kam von der Deckenleuchte
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
nach oben springen

#88

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 20:37
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

In der UHA Stendal in der ich war, gab es Steckdosen, es gab auch pro Verwahrraum einen Elektrorasierer. Das war in der zeit in der ich dort war die allgemein übliche Art sich zu rasieren. Man konnte sich auch nass rasieren, dann bekam man die Rasierklinge in den Verwahrraum und musste sie nach erfolgter Rasur wieder abgeben.
In der UHA gab es trotzdem die Möglichkeit per Schmuggel an Rasierklingen zu kommen, dazu die Schnur vom Elektrorasierer. Allerdings war die Steckdose nur bestimmte Zeiten eingeschaltet. Ich selber hatte mir ein UFO aus dem Blech einer Zigarilloschachtel "Dannemann Brasil" gebastelt.
Und bis zu meinem Transport in die STVE wurde das UFO nie gefunden

Andreas


http://kaube-blog.de/


nach oben springen

#89

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 20:42
von silberfuchs60 | 1.458 Beiträge

irgendwie hatten wir ein runde Dose vielleicht 4 - 5 cm in der Breite 2 Deckelhälften zusammen gesteckt höhe 3cm die zwei Hälften je eine Phase, überlege...hmm war das der Behälter für die "Membran" von der GM ( Gasmaske ) ?

Weiß da jemand etwas ?


xxx
nach oben springen

#90

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 21:04
von jecki09 | 422 Beiträge

Es wurden die Behälter/Dose der Klarsichtfolien für die Schutzmaken zum UFO-Bau verwendet.

Die Plasteknöpfe vom Schutzanzug oder der Tragetasche der Schutmaske eigneten sich besonders gut die beiden Teile der Klarsichtfoliendose von einander zu trennen und zu isolieren.
Da die Knöpfe bzw. Knopflöcher des Schutzanzuges die dazu verwendet wurden jeweils aus zwei zusammen schraubbaren Teilen bestanden, konnte auch das stromführende Kabel mit verschraubt werden. Das war praktisch, da so die Teile gut auseinander gebaut und verstaut werden konnten.


nach oben springen

#91

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 21:40
von andy | 1.199 Beiträge

Zitat von jecki09 im Beitrag #90
Es wurden die Behälter/Dose der Klarsichtfolien für die Schutzmaken zum UFO-Bau verwendet.

Die Plasteknöpfe vom Schutzanzug oder der Tragetasche der Schutmaske eigneten sich besonders gut die beiden Teile der Klarsichtfoliendose von einander zu trennen und zu isolieren.
Da die Knöpfe bzw. Knopflöcher des Schutzanzuges die dazu verwendet wurden jeweils aus zwei zusammen schraubbaren Teilen bestanden, konnte auch das stromführende Kabel mit verschraubt werden. Das war praktisch, da so die Teile gut auseinander gebaut und verstaut werden konnten.



Ist wohl aber nicht die Variante für die UHA, oder

andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
nach oben springen

#92

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 21:46
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

@andy
das habe ich ja ein paar Beiträge weiter oben gesagt. Entweder aus Rasierklingen oder wie in meinem Fall aus irgendwelchen Blechteilen. Ich hatte dazu eine Zigarilloschachtel aus Blech verwendet.

Andreas


http://kaube-blog.de/


zuletzt bearbeitet 14.02.2013 21:46 | nach oben springen

#93

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 22:36
von Barbara (gelöscht)
avatar

Hallo Polter,

ich möchte dir gerne eine Frage stellen.

Major Tom sagte oben:

Ich hatte in der U-Haft in der Potsdamer Bauhofstrasse eine fuerchterliche Grippe, mir ging es hundeelend. Als ein Arzt kam sagte der mir frech ins Gesicht: ''Ziehen sie kaltes Wasser mit der Nase hoch, das hilft'' und zack war die Tuere wieder zu... Scheinbar war zu diesem Zeitpunkt mein Freikauf noch nicht in trockenen Tuechern denn spaeter in Karl-Marx-Stadt erlebte ich das Gegenteil, da wurde man von den Schliessern fast liebevoll ins Bett gebracht und zugedeckt.

Als ich das las, dachte ich spontan „Armer Kerl“, in U-Haft und dann noch Grippe ......

Ich hatte gerade mal wieder eine Grippe, also Schüttelfrost, Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, geschwollener Hals – so wie wir das alle kennen – wie elend man sich dann fühlen kann. Also so in der Richtung stelle ich mir vor wird Major Tom wahrscheinlich gefühlt haben, neben der wahrscheinlich Stress-Belastung wegen der U-Haft. Nicht schön - so ein Mensch hat in allererste Hinsicht mein Mitgefühl, egal was er getan hat, und dass war hier ja noch nicht mal klar.
Der offenbar herbei gerufene Gefängnis-Arzt ist ja in seiner Reaktion mal haarscharf am hypokratischen Eid vorbei geschliddert – aus meiner Sicht. Also würde mein Arzt so reagieren, wenn ich mit „Grippe“ zu ihm käme, würde ich ihn a) wechseln und b) vielleicht mal bei der Bundesärztekammer anrufen. Nein, ich bin gewohnt, und du wahrscheinlich auch, dass der Doktor in den Hals guckt, die Lunge abhört, irgendwas verschreibt etc., also seiner ärztlichen Pflicht nachkommt. Warum der Gefängnis-Arzt das nicht tat (oder hat er Major Tom?), wissen wir nicht. Er hat ihn jedenfalls nicht als Patient angesehen, das steht mal fest. Warum denn nicht? Das war seine Aufgabe!

Jetzt meine Frage an dich:
Du reagierst auf den oben genannten Umstand mit:
Das kalte Wasser in der Nase.......Rezept auch meiner Großmutter. Muß also gut sein.

Als ich das las dachte ich, was hat denn seine Oma jetzt hier zu suchen? War das einfach nur die Bestätigung eines alten Hausmittelchens, so ganz sachlich? Wäre das dann hier thematisch angebracht?
(Deine Oma hätte übrigens gesagt „eine Meersalzlake“ - nicht einfach kaltes Wasser. Das wäre ja eine Maßnahme gewesen, hätte der Gefängnis-Arzt eine Meersalzlakezum Abschwellen der Schleimhäute für Major Tom angewiesen. Das hätte mich wirklich beeindruckt.)

Fandest du die Vorgehensweise des Arztes - also eine offensichtlich kranken Menschen nicht angemessen zu behandeln -ok? Wenn ja - warum?
Oder habe ich alles falsch verstanden?

Freu mich wenn du mir antwortest!
Herzlichen Gruß
Barbara


nach oben springen

#94

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 14.02.2013 22:54
von Barbara (gelöscht)
avatar

Hallo Grenzverletzerin,

@Barbara, ich finde es von Turtle gut, ehrlich zu sagen, dass er nicht physisch misshandelt wurde...das soll nicht immer der Fall gewesen sein. Psychisch wird jeder Gefängnisaufenthalt Spuren hinterlassen. Wenn dann noch politische bzw. ideologische Gründe dahinterstehen, geht es zwangsläufig um das Brechen des Charakters und der Ideologie. Und selbstredend ist Turtle in meinen Augen nie ein Krimineller gewesen -aber- nach geltendem DDR-Recht, war er es. Und jeder Grenzverletzer/Flüchtling war sich dessen und der Folgen bei Misserfolg bewusst...

ja klar, ich habe das schon verstanden. Mein Punkt ist hier:
es gab geltendes DDR-Recht, an dass sich alle zu halten hatten. Turtle hat dieses Recht gebrochen, war also eine Straftäter. Das ist Fakt. Das Recht der DDR an dieser Stelle zu diskutieren ist gar nicht meine Absicht.
Aber: dass was er erzählt, hat nichts mit „Recht“ zu tun – mit Sicherheit auch nicht mit DDR-Recht.
Einen Strafgefangenen der Willkür mieser Typen /Wärter) auszusetzen, einen so jungen Menschen von Licht und Luft abzuschneiden, ihm klar zu machen, dass er der letzte Dreck ist, ist - wie ich schon sagte - Barbarei.
Es macht mich mega-BÖSE! Denn: die Politik, die Justiz und der Strafvollzug, die sowas zugelassen haben, war die der Eltern-Generation von Turtel, also die, die die DDR mal gegründet haben, die was neues wollten und ich unterstelle ihnen dass sie gute Absichten hatten!
Die Genration, die als ehem. Kommunistische Partei Deutschlands sich Straßenschlachten mit der SA geliefert haben, um gegen deren Terror zu kämpfen. Die Generation, die in den Gestapokellern und KZs der Nazis gefoltert und gemordet wurden.

Wenn diese Generation zulässt, dass ein jungen Mann, ein „Sohn“! unter derartigen Haftbedingungen leiden, muss ist das eine Bankrotterklärung. Ich brauche hier auch keine Ideologie mehr, hier gilt auch nicht mehr Ost oder West, das ist eine Frage der Menschlichkeit, der Menschenrecht, das, was wir alle ganz tief in uns fühlen wenn wir denn wollen. Also sollte es mehr Leute geben, die so etwas erleiden mussten, stehe ich auf jeden Fall neben ihnen.

Herzlicher Gruß!
Barbara


nach oben springen

#95

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 15.02.2013 00:49
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich erinnere mich nicht daran im Verwahrraum Steckdosen gehabt zu haben.Ich glaube eher nicht. Rasiereklingen hatte ich nur bekommen wenn es sein musste ,zB. um mich zu einer Verhandlung hübsch zu machen. Damals musste ich mich sowieso nicht jeden Tag rasieren,da freute ich mich mehr wenn überhaupt was zu sehen war.Natürlich wurde darauf geachtet das die Rasiereklinge zurück gegeben wurde. So ein Gemisch aus Wollfusseln und Plastikspäne abgekratzt von einer Seifebdose z.B. wurde auf die Glühbirne gelegt.Wenn man Glück hatte glimmte es oder fing Feuer . So konnte man die Zigarette anzünden. Doch oft knallte es und die Glühbirne war geplatzt. Da gab es Ärger. Beim nächstem Rundgang konnte der Wärter nichts sehen.Ich glaube allein durften sie in so einer Situation nicht die Zelle betreten ,da holte er einen Kollegen dazu.
Irgendwas war da noch glaube die sagten Bombe schrubben dazu ein Gemisch aus Wollfäden und Asche wurde zu einer festen Wurst gedreht.Zwischen zwei Stück Holz wurde diese Wurst kräftig gerollt.Wenn es heiß genug war ,wurde diese Wurst zerbrochen und man konnte sich eine anzünden.Nagelt mich jetzt nicht fest aber so ähnlich war es jedenfalls.Alle anderen Tricks die hier aufgezählt wurden sind mir fremd.
In der U Haft hatte ich sowieso nur 5 Zigaretten pro Tag ,und 5X bekam ich auch nur Feuer.Ich habe auch schon Bücher gelesen in denen beschrieben wird wie es im DDR Knast so war. Da muss ich in einer Haft Außenstelle auf dem Mond gesessen haben,oder die Alzheimer hat mich schon.Aber man kann immer nur mitreden was man selber erlebt hat. Und da muss ich eben passen. Ich glaube aber schon das die Haftbedingungen ab den 70 er Jahren besser wurden.Aber da war ich schon unterwegs auf den Weltmeeren.Angemustert in Hamburg!

Ja ich hatte gegen gültiges DDR Gesetz verstoßen. Aber kann ein Gesetz das mir verbietet meinen Wohnsitz da zu wählen wo ich leben möchte rechtens sein? Da dürfte ich doch höchstens nur Probleme wegen einer Einreise und Aufenthalt bekommen. Aber ein Land zu verlassen ist strafbar oder noch schlimmer das der illegale Versuch dazu auch das Leben kosten kann? Das soll sich mit Demokratie und persönlicher Freiheit vereinbaren lassen?Nein so ein Gesetz war Unrecht!! Auch wenn ich mich wiederhole ,warum ich keinen Ausreiseantrag gestellt habe. Das gab es damals noch nicht.


zuletzt bearbeitet 15.02.2013 09:15 | nach oben springen

#96

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 15.02.2013 03:08
von Major Tom | 854 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #93
Nein, ich bin gewohnt, und du wahrscheinlich auch, dass der Doktor in den Hals guckt, die Lunge abhört, irgendwas verschreibt etc., also seiner ärztlichen Pflicht nachkommt. Warum der Gefängnis-Arzt das nicht tat (oder hat er Major Tom?), wissen wir nicht.


Es gab keinerlei Untersuchung, nichts ausser dieser unmoeglichen Bemerkung. Ich denke mal es waere damals durchaus moeglich gewesen sich zu bescherden aber ich wollte den Ball flach halten und nirgends anecken da ja schon ein den ersten Wochen meiner U-Haft mein Freikauf so gut wie besiegelt war.


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
http://www.costarica-forum.net
http://directorios-costarica.com
http://www.link-team.net
nach oben springen

#97

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 15.02.2013 10:19
von Polter (gelöscht)
avatar

Zitat von Barbara im Beitrag #93
Hallo Polter,

ich möchte dir gerne eine Frage stellen.

Major Tom sagte oben:

Ich hatte in der U-Haft in der Potsdamer Bauhofstrasse eine fuerchterliche Grippe, mir ging es hundeelend. Als ein Arzt kam sagte der mir frech ins Gesicht: ''Ziehen sie kaltes Wasser mit der Nase hoch, das hilft'' und zack war die Tuere wieder zu... Scheinbar war zu diesem Zeitpunkt mein Freikauf noch nicht in trockenen Tuechern denn spaeter in Karl-Marx-Stadt erlebte ich das Gegenteil, da wurde man von den Schliessern fast liebevoll ins Bett gebracht und zugedeckt.

Als ich das las, dachte ich spontan „Armer Kerl“, in U-Haft und dann noch Grippe ......

Ich hatte gerade mal wieder eine Grippe, also Schüttelfrost, Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, geschwollener Hals – so wie wir das alle kennen – wie elend man sich dann fühlen kann. Also so in der Richtung stelle ich mir vor wird Major Tom wahrscheinlich gefühlt haben, neben der wahrscheinlich Stress-Belastung wegen der U-Haft. Nicht schön - so ein Mensch hat in allererste Hinsicht mein Mitgefühl, egal was er getan hat, und dass war hier ja noch nicht mal klar.
Der offenbar herbei gerufene Gefängnis-Arzt ist ja in seiner Reaktion mal haarscharf am hypokratischen Eid vorbei geschliddert – aus meiner Sicht. Also würde mein Arzt so reagieren, wenn ich mit „Grippe“ zu ihm käme, würde ich ihn a) wechseln und b) vielleicht mal bei der Bundesärztekammer anrufen. Nein, ich bin gewohnt, und du wahrscheinlich auch, dass der Doktor in den Hals guckt, die Lunge abhört, irgendwas verschreibt etc., also seiner ärztlichen Pflicht nachkommt. Warum der Gefängnis-Arzt das nicht tat (oder hat er Major Tom?), wissen wir nicht. Er hat ihn jedenfalls nicht als Patient angesehen, das steht mal fest. Warum denn nicht? Das war seine Aufgabe!

Jetzt meine Frage an dich:
Du reagierst auf den oben genannten Umstand mit:
Das kalte Wasser in der Nase.......Rezept auch meiner Großmutter. Muß also gut sein.

Als ich das las dachte ich, was hat denn seine Oma jetzt hier zu suchen? War das einfach nur die Bestätigung eines alten Hausmittelchens, so ganz sachlich? Wäre das dann hier thematisch angebracht?
(Deine Oma hätte übrigens gesagt „eine Meersalzlake“ - nicht einfach kaltes Wasser. Das wäre ja eine Maßnahme gewesen, hätte der Gefängnis-Arzt eine Meersalzlakezum Abschwellen der Schleimhäute für Major Tom angewiesen. Das hätte mich wirklich beeindruckt.)

Fandest du die Vorgehensweise des Arztes - also eine offensichtlich kranken Menschen nicht angemessen zu behandeln -ok? Wenn ja - warum?
Oder habe ich alles falsch verstanden?

Freu mich wenn du mir antwortest!
Herzlichen Gruß
Barbara




Die Vorgehensweise des Arztes, einen Häftling in der Zelle aufzusuchen, finde ich schon bemerkenswert. In welchem Knast dieser Welt
erfolgt das ? Mit Husten oder Schnuppen wird der Häftling vorgeführt zur Sprechzeit und ins Sprechzimmer des Anstaltarztes. Also, ich sehe hier nichts, was man verurteilen könnte!
An die Qualifikation des Arztes ( war es überhaupt ein Arzt und nicht nur ein Hilfspfleger im weißen Kittel ? ) kann ich keine Zweifel anmelden. Erkältung oder Grippe wurde vor über 25 Jahren anders diagnostiziert und therapiert.
Salzlake kam bei den Hausmittel in der gesteigerten Form der Erkältung zur Anwendung. Meeressalzlake? woher sollte die denn kommen? Im Osten hatten sie doch nüschd.
Aber, liebe Barbara, nun hab ich mal eine Frage an Dich. Warum verurteilst Du, in Deinen so sehr mütterlich geprägten Beiträgen, nicht die selbstmörderischen Basteleien der Häftlinge? Diese Basteleien waren eine Gefahr für die Allgemeinheit da im Knast.
Ich will nichts verniedlichen. Knast ist immer Scheiße. Alles was gegen meinen Willen mit mir passiert ist Zwang, Folter und Nötigung. Das kann essen und trinken sein. Freigang und sogar arbeiten.....na ja...

Schönes Wochenende.


nach oben springen

#98

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 15.02.2013 10:28
von 80er | 572 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #94


[...] ja klar, ich habe das schon verstanden. Mein Punkt ist hier:
es gab geltendes DDR-Recht, an dass sich alle zu halten hatten. Turtle hat dieses Recht gebrochen, war also eine Straftäter. Das ist Fakt. Das Recht der DDR an dieser Stelle zu diskutieren ist gar nicht meine Absicht.
Aber: dass was er erzählt, hat nichts mit „Recht“ zu tun – mit Sicherheit auch nicht mit DDR-Recht.
Einen Strafgefangenen der Willkür mieser Typen /Wärter) auszusetzen, einen so jungen Menschen von Licht und Luft abzuschneiden, ihm klar zu machen, dass er der letzte Dreck ist, ist - wie ich schon sagte - Barbarei.
Es macht mich mega-BÖSE! Denn: die Politik, die Justiz und der Strafvollzug, die sowas zugelassen haben, war die der Eltern-Generation von Turtel, also die, die die DDR mal gegründet haben, die was neues wollten und ich unterstelle ihnen dass sie gute Absichten hatten!
Die Genration, die als ehem. Kommunistische Partei Deutschlands sich Straßenschlachten mit der SA geliefert haben, um gegen deren Terror zu kämpfen. Die Generation, die in den Gestapokellern und KZs der Nazis gefoltert und gemordet wurden.

Wenn diese Generation zulässt, dass ein jungen Mann, ein „Sohn“! unter derartigen Haftbedingungen leiden, muss ist das eine Bankrotterklärung. Ich brauche hier auch keine Ideologie mehr, hier gilt auch nicht mehr Ost oder West, das ist eine Frage der Menschlichkeit, der Menschenrecht, das, was wir alle ganz tief in uns fühlen wenn wir denn wollen. Also sollte es mehr Leute geben, die so etwas erleiden mussten, stehe ich auf jeden Fall neben ihnen. [...]


Wer gegen Gesetze (hier: DDR) verstossen hat, kam zwischen die Räder der Justiz. Soweit richtig.
Ich lese gerade einen - wie ich meine - sehr sachlichen Bericht einer Frau, die NICHTS im Sinne einer strafbaren Handlung
begangen hat und unter psychischem Druck ein Geständnis unterschrieben hat, nur um ihre Ruhe zu haben, also endlich schlafen zu können.

Ich kann Dir diesen Bericht nur empfehlen, auch wenn er sehr umfassend, schlecht zu lesen, weil ungegliedert und kontrastarm in das Netz gestellt wurde.
Auch ohne physische Gewaltexszesse (bisher noch über keine gelesen), die ihr erspart geblieben sind, finde ich diesen Bericht erschütternd und ein weiteres Zeugnis über den menschenverachtenden Strafvollzug in der ehemaligen DDR und ich bin heute noch froh, dass meine Flucht zur gleichen Zeit gelungen ist!

Erlebnisbericht

PS: Ich habe mir erlaubt, der besseren Lesbarkeit wegen, aus dem Text ein PDF zu erstellen, das ich gerne per Email an Interessierte weiter sende.

Edit: Link korrigiert, @94 danke für den Hinweis!


zuletzt bearbeitet 15.02.2013 12:44 | nach oben springen

#99

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 15.02.2013 12:00
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von silberfuchs60 im Beitrag #84
Ufo oder wie auch immer,eine gute Wilkinson-Rasierklinge...

Hä?

P.S. @80er im #42 gibts den Link auch in funktionieren.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


80er hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.02.2013 12:10 | nach oben springen

#100

RE: Strafgefangener in der DDR

in DDR Staat und Regime 15.02.2013 12:29
von Barbara (gelöscht)
avatar

Hallo Polter,

gleich vorweg: der Arzt hat seinen Job nicht gemacht – das ist eine Feststellung und selbstverständlich eine Kritik!

Die Vorgehensweise des Arztes, einen Häftling in der Zelle aufzusuchen, finde ich schon bemerkenswert. In welchem Knast dieser Welt erfolgt das ?
Das können wir ja mal erruieren .....
.

Mit Husten oder Schnuppen wird der Häftling vorgeführt zur Sprechzeit und ins Sprechzimmer des Anstaltarztes.

Hier war das nicht so. Ich halte mich ausschließlich an das, was Major Tom schreibt.

Also, ich sehe hier nichts, was man verurteilen könnte!
Der Arzt ist seiner ärztlichen Pflicht nicht nachgekommen. Wobei „Verurteilung“ finde ich hier nicht passend, Kritik reicht völlig.


An die Qualifikation des Arztes ( war es überhaupt ein Arzt und nicht nur ein Hilfspfleger im weißen Kittel ? ) kann ich keine Zweifel anmelden.

An der Qualifikation des Arztes melde ich auch keine Zweifel an, aber an seiner Behandlungsmethode, nämlich einem Menschen der sich wegen Grippesymptomen beklagt zu sagen: „ziehen sie mal kaltes Wasser durch die Nase.“ Und dann wieder abrauscht.
Major Tom sprach von „Arzt“ und nicht von „Hilfspfleger“.


Erkältung oder Grippe wurde vor über 25 Jahren anders diagnostiziert und therapiert.

Das ist nicht dein Ernst!

Salzlake kam bei den Hausmittel in der gesteigerten Form der Erkältung zur Anwendung. Meeressalzlake? woher sollte die denn kommen? Im Osten hatten sie doch nüschd

Ostsee? Da würde ich mal die Oma fragen. Man kann übrigens auch Kochsalz nehmen....
Aber darum geht es doch auch gar nicht.....

Aber, liebe Barbara, nun hab ich mal eine Frage an Dich. Sehr gerne!

Warum verurteilst Du,....
genau das tat ich nicht sondern habe statt dessen gefragt. Und meine zentrale Frage war: warum hast du auf Major Toms Beitrag so reagiert? Diese Frage hast du noch nicht beantwortet.

..... in Deinen so sehr mütterlich geprägten Beiträge :-))) - gerne , wenn du meine Beiträge so interpretieren möchtest.
Ich halte „Verständnis“ nicht für die schlechteste menschliche Eigenschaft und wenn du meinst dass das „Mama“ ist dann bin ich gerne Mama :-)
Im Übrigen hoffe ich doch sehr, dass Mitgefühl nicht ausschließlich eine weibliche Eigenschaft ist oder doch? Wärest du übrigens in Major Toms Situation gewesen, hätte ich dir dieses auch angedeihen lassen, vielleicht hätte es dir gut getan, auch nach all den Jahren? Alles eine Frage von Perspektive....


..... nicht die selbstmörderischen Basteleien der Häftlinge?
Das war hier nicht Thema. Und ich bin ein Mensch, der versucht, Dinge differenziert zu betrachten, weil es im Sinne der Aufklärung keinen Sinn macht, alles in einen Topf zu werfen, und schon gar nicht bei diesen hochsensiblen Themen, die hier besprochen werden.

Diese Basteleien waren eine Gefahr für die Allgemeinheit da im Knast.

Ich werde mir diese Beiträge alle genau durchlesen, und auf jeden Fall dazu Stellung nehmen. Ich kann allerdings jetzt schon sagen, dass ich nicht „verurteilen“ werde, genau so wie ich oben nicht verurteilt habe, sondern schlicht und ergreifend fest gestellt und kritisiert habe, dass ein Arzt seinen verdammten Job nicht gemacht hat.

Ich will nichts verniedlichen. Knast ist immer Scheiße.
Das glaube ich auch. Und Knast und krank ist doppelt Scheiße!

Alles was gegen meinen Willen mit mir passiert ist Zwang, Folter und Nötigung. Das kann essen und trinken sein. Freigang und sogar arbeiten.....na ja...
Diese Meinung teile ich nicht. Es gibt wahrscheinlich auch Dinge, die gegen meinen Willen getan werden (vielleicht nicht unbedingt im Knast), die zu meinem Besten sind .... fällt mir zwar gerade nichts zu ein, aber.... Dieses untersteht allerdings einem Höchstmaß an Verantwortung und Sorgfaltspflicht derjenigen die solches tun.

Also lieber Polter, ich sprach nicht von Folter, (Major Tom auch nicht!) - ich sprach überhaupt nicht von übergreifender Systemkritik sondern von einer Einzelsituation, die ein ehem. Häftling geschildert hat.
Kommen wir hier irgendwie gemeinsam weiter?

Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende
und herzlicher Gruß!
Barbara







94: bitte nicht wieder schimpfen wegen "zitieren", ich nehme mit demnächst Zeit mich mal genau zu schulen (da zähle ich auf dich :-) um die richtige Form zu finden. Im Augenblick kommt es mir vor allem auf Inhalte an ....


nach oben springen



Besucher
30 Mitglieder und 90 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Andre Lambert
Besucherzähler
Heute waren 2952 Gäste und 161 Mitglieder, gestern 3660 Gäste und 197 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558302 Beiträge.

Heute waren 161 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen