#141

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 13.05.2012 13:33
von damals wars | 12.218 Beiträge

Ich wollte Dich nicht persönlich angreifen.
Es war nur meine Beobachtung während der Wendezeit, wer da schon immer dagegen war, und trotzdem hatten sie alle Karierre gemacht.
Oftmals hatten sie zu DDR Zeiten mehr "Freiheiten" als ich.


Und Gauck, der Abitur machte beschreibt seine Kindheit wie folgt (wiki):
"Das Schicksal unseres Vaters wurde zur Erziehungskeule. Die Pflicht zur unbedingten Loyalität gegenüber der Familie schloss auch die kleinste Form der Fraternisierung mit dem System aus. Das machen wir nicht, vermittelte uns die Mutter unmissverständlich. Ich hatte dieses Gebot so verinnerlicht, dass ich nicht einmal mehr durch die Freizeitangebote der FDJ in Versuchung geriet."


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#142

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 13.05.2012 15:49
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von damals wars
Ich wollte Dich nicht persönlich angreifen.
Es war nur meine Beobachtung während der Wendezeit, wer da schon immer dagegen war, und trotzdem hatten sie alle Karierre gemacht.
Oftmals hatten sie zu DDR Zeiten mehr "Freiheiten" als ich.


Und Gauck, der Abitur machte beschreibt seine Kindheit wie folgt (wiki):
"Das Schicksal unseres Vaters wurde zur Erziehungskeule. Die Pflicht zur unbedingten Loyalität gegenüber der Familie schloss auch die kleinste Form der Fraternisierung mit dem System aus. Das machen wir nicht, vermittelte uns die Mutter unmissverständlich. Ich hatte dieses Gebot so verinnerlicht, dass ich nicht einmal mehr durch die Freizeitangebote der FDJ in Versuchung geriet."



Das Theologiestudium war aber auch zwangsläufig mit etwas anderen Voraussetzungen als andere Studiengänge verbunden.
Die Kirchen standen etwas außerhalb der üblichen ideologischen Doktrien innerhalb der DDR-Gesellschaft.
Hier konnten selbstredend auch nicht ganz so glühende Sozialisten studieren.


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#143

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 13.05.2012 18:05
von damals wars | 12.218 Beiträge

Aber Abi war trotzdem erforderlich.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
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#144

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 13.05.2012 18:08
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von damals wars
Aber Abi war trotzdem erforderlich.




Ich habe mal gehört - ohne anständigen Abschluss in M/L war auch im Priesterseminar kein grüner Zweig zu gewinnen. Hat dazu jemand mehr wie Gerüchte?

Mike59


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#145

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 13.05.2012 20:03
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von damals wars
Aber Abi war trotzdem erforderlich.



Das Abitur konnte an der EOS ohne politische Beeinflussung abgelegt werden, also war nur leistungsorientiert, die Studienzulassungen waren dann an gewisse Bedingungen geknüpft.


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#146

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 13.05.2012 20:05
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Mike59

Zitat von damals wars
Aber Abi war trotzdem erforderlich.




Ich habe mal gehört - ohne anständigen Abschluss in M/L war auch im Priesterseminar kein grüner Zweig zu gewinnen. Hat dazu jemand mehr wie Gerüchte?

Mike59




Mach dich mal kundig wie der Unterschied zwischen Priesterseminar und Theologiestdium aussieht, verlangst ja sonst von anderen auch unbedingte Wissenheit


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#147

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 13.05.2012 20:17
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62

Zitat von Mike59

Zitat von damals wars
Aber Abi war trotzdem erforderlich.




Ich habe mal gehört - ohne anständigen Abschluss in M/L war auch im Priesterseminar kein grüner Zweig zu gewinnen. Hat dazu jemand mehr wie Gerüchte?

Mike59




Mach dich mal kundig wie der Unterschied zwischen Priesterseminar und Theologiestdium aussieht, verlangst ja sonst von anderen auch unbedingte Wissenheit





nee nee - verlange ich nicht - deswegen setze ich Zeichen z.B.

?

Aber du kennst offensichtlich den Unterschied - dann mal los!

Mike59


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#148

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 14.05.2012 16:30
von linamax | 2.022 Beiträge

Zitat von Mike59

Zitat von damals wars
Aber Abi war trotzdem erforderlich.




Ich habe mal gehört - ohne anständigen Abschluss in M/L war auch im Priesterseminar kein grüner Zweig zu gewinnen. Hat dazu jemand mehr wie Gerüchte?

Mike59



Hallo Mike 59
Was Du so immer mit bekommst Hauptsache dagegen .
linamax


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#149

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 14.05.2012 18:39
von Mike59 | 7.980 Beiträge

Zitat von linamax

Zitat von Mike59

Zitat von damals wars
Aber Abi war trotzdem erforderlich.




Ich habe mal gehört - ohne anständigen Abschluss in M/L war auch im Priesterseminar kein grüner Zweig zu gewinnen. Hat dazu jemand mehr wie Gerüchte?

Mike59



Hallo Mike 59
Was Du so immer mit bekommst Hauptsache dagegen .
linamax




Der Zusammenhang zwischen dem von dir zitierten und deinem Post erschließt sich mir nicht. Ansonsten bin ich schwer dafür.

Mike59


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#150

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 14.05.2012 19:00
von utkieker | 2.929 Beiträge

Mein Vater wurde zunächst nicht zum Studium zugelassen, weil er seine FDJ- Marken nicht geklebt hatte. Später hat mein Vater ein wachsames Auge auf meine FDJ- Marken geworfen. Nur zu meiner Zeit spielte es keine Rolle mehr für die Studienzulassung ob die Marken geklebt waren. So ändern sich die Zeiten und rückblickend wirkt alles balla balla und es wirkt nicht nur so es war auch so.
Wenn ich Marx' ens Philosophie wie eine Religion handhabe, so wird jegliche Kritik an der "staatstragenden" Philosophie, egal ob berechtigt oder nicht, zur Blasphemie.
M/ L war Bestandteil jedes Regelstudiums in der DDR also auch der Theologie. Das Priesterseminar war kein Regelstudium! Wer sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigt kommt an Marx nicht vorbei, es ist aber töricht sich auf Marx zu beschränken. Philosophie wird zu Recht als Mutter der Wissenschaft bezeichnet, von Scheuklappen war nie die Rede.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#151

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 14.05.2012 21:55
von Fritze (gelöscht)
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Sehr treffend ausgedrückt .Immer das grosse Ganze im Blick ! Das geht nun mal nicht ohne Philosphie.Und ob im Staatsbürgerkunde ,GWA,Polit,ML oder Politische Schulung,es wurde nicht nur Marx und Lenin behandelt.
Auch weniger bekannte Philosophen,wie Weidling oder Hegel.


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#152

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 07.06.2012 21:59
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Eine Attacke der Stasiunterlagenbehörden oder neueste Ente aus des Knaben Wunderhorn? – Zwangsarbeiter arbeiteten in der DDR für IKEA!


Der schwedische Rundfunksender SVT meldete Anfang Mai, gestützt auf Dokumente der Stasiunterlagenbehörde, dass IKEA seine Möbel auch von politischen Gefangenen in der DDR produzieren ließ. Sofort ging eine Presselawine in Gang und die Mitteldeutsche Zeitung bezog sich auf den Leiter der Stasigedenkstätte Dr. Knabe, der von Zwangsarbeit sprach und eine Entschädigung forderte.

Nach Zufall sieht die ganze Geschichte nicht aus, eher nach einer gezielten Aktion derer, die noch in den Stiefeln des Kalten Krieges stecken. Warum verwenden die vielen hörigen Journalisten und Redaktionen den Begriff „Zwangsarbeit“ oder „Zwangsarbeiter“, obwohl dies der schwedische Sender und auch Dr. Knabe so direkt nicht taten? Diese Begriffe sind in Deutschland und den Ländern der Anti-Hitler-Koalition besetzt mit den Verbrechen der deutschen Faschisten an den Zwangsverschleppten, den KZ-Häftlingen, vor allem den Juden und dem brutalen Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen.


Wer hat ein politisches Interesse an der Verharmlosung dieser Verbrechen durch Gleichsetzung mit Verhältnissen in der DDR? Wer hat ein ökonomisches Interesse und wer ein persönliches?
Das „Neue Deutschland“ schrieb am 03.05.2012: „Retro ist in, die Stasi-Industrie weiß, wie man mediale Ladenhüter neu auf den Markt bringt.“ Zum Komplex der Stasi-Industrie zählen all jene Institutionen, die nun schon über zwanzig Jahre durch die Stasi-Hetze und Stasi-Hysterie gutes Geld verdienen und mit Steuergeldern promovieren. Man kann auch die Nutznießer dazu zählen, die vom Ausschalten der Konkurrenten und dem Freischießen gut bezahlter Posten profitieren.


Was ist Zwangsarbeit?
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definierte 1930 in Artikel 2 Abs. 1 des Übereinkommens über Zwangs- und Pflichtarbeit die Zwangsarbeit als unfreiwillige Arbeit oder Dienstleistung, die unter Androhung einer Strafe ausgeübt wird.

Im Abs. 2 heißt es weiter dazu: „ Als Zwangs- oder Pflichtarbeit im Sinne dieses Übereinkommens gelten jedoch nicht …..c) jede Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person auf Grund einer gerichtlichen Verurteilung verlangt wird, jedoch unter der Bedingung, dass diese Arbeit oder Dienstleistung unter Überwachung und Aufsicht der öffentlichen Behörden ausgeführt wird und dass der Verurteilte nicht an Einzelpersonen oder privaten Gesellschaften und Vereinigungen verdingt oder ihnen sonst zur Verfügung gestellt wird.“

Der Einsatz der Gefangenen zur Arbeit im Strafvollzug der DDR erfüllte alle internationalen Bedingungen und ging darüber hinaus. Gefangene arbeiteten nicht für Privatunternehmen und es gab auch kein auf privatkapitalistischer Basis betriebenes Gefängnis, wie dies heute leider immer mehr zugelassen wird.



Wie sah es in der DDR in den 70-er Jahren aus?
Die Verfassung der DDR garantierte jedem Bürger ein Recht auf Arbeit. Dies galt auch für gerichtlich zu Freiheitsentzug verurteilte Bürger. Der Strafvollzugeinrichtung war es nicht erlaubt, einen Gefangenen vom Arbeitsprozeß auszuschließen. Dieses Verfassungsrecht konnte in den Mauern der Gefängnisse nicht verwirklicht werden und führte zu dem breiten System des Einsatzes Strafgefangener in den volkseigenen Betrieben fasst aller Wirtschaftszweige. Mehr als 65 % aller Strafgefangenen arbeiteten außerhalb der Vollzugseinrichtung in volkseigenen Betrieben. Dort wurden sie von Betriebsangehörigen fachlich angeleitet und kontrolliert, arbeiteten teils gemeinsam mit ihnen. Während des Arbeitseinsatzes galten die gleichen Lohnbestimmungen, Arbeitszeit-, Arbeitsschutz und Gesundheitsbestimmungen wie für freie Bürger/Arbeiter dieses Betriebes. Was und wie produziert wurde, entsprach den Richtlinien der Betriebe für ihre Arbeiter. Über den Verkauf der produzierten Güter entschied der Betrieb. Viele Betriebe, in denen auch Strafgefangene arbeiteten, lieferten ihre Waren oft unter hohen Verlust zu Niedrigpreisen an Unternehmen der BRD und des westlichen Auslandes, weil Devisen gebraucht wurden. Wenn alle Strafgefangenen eines Landes nicht in gefängniseigenen Werkstätten, sondern integriert in den Betrieben fasst aller Wirtschaftszweige arbeiten, dann bleibt es nicht aus, dass sie durch Teilprodukte und Zulieferketten an einer breiten Warenpalette beteiligt sind. In der DDR waren Strafgefangene in Bezug auf die produktive Arbeit gleichberechtigte Arbeitskräfte und wurden zentral vermittelt.

Das Strafvollzugsgesetz der DDR legte, wie auch das der Bundesrepublik Deutschland, für alle Strafgefangenen eine Arbeitspflicht fest. Warum nun die Arbeitspflicht im Strafvollzug der DDR Zwangsarbeit sein soll und die der Gefangenen in der Bundesrepublik nicht, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Der Unsinn geht ja noch weiter: Alle Strafgefangenen, egal nach welchem Gesetz sie verurteilt waren, mit oder ohne politische Hintergründe und Begleitumstände, waren zur produktiven, gesellschaftlich nützlichen Arbeit eingesetzt und erhielten die gesetzlich festgelegte Vergütung (18 % des Lohnes eines freien Arbeiters und 100% aller Zuschläge und Prämien). Warum nun politische Gefangene eine Entschädigung bekommen sollen und die anderen Gefangenen nicht, kann uns bisher keiner sagen.

IKEA, Neckermann und andere Abnehmer von Waren, an deren Herstellung Strafgefangene beteiligt waren, hatten keine Kenntnis von den Verpflechtungen der DDR-Wirtschaft und welche Betriebsabteilungen am Produkt arbeiteten. Auf Wunsch der Abnehmer wurde die Ware so verpackt und deklariert, dass deren Herkunft aus der DDR nicht erkennbar war. Es gab schließlich den Kalten Krieg, Hallstein-Doktrin und Boykottaufrufe.

Wer Gefangenen während der Haft einen bezahlten und mit freien Arbeitern vergleichbaren Arbeitseinsatz ermöglicht, macht nichts moralisch oder juristisch Anstößiges. Gesellschaftlich nützliche Arbeit trägt zur Resozialisierung bei, dies weiß jeder, der sich mit Fragen der Behandlung von Strafrechtsverletzern und deren Wiedereingliederung beschäftigt.

Der Arbeitseinsatz machte erst die sozialen Komponenten für den Strafgefangenen und deren Angehörige möglich. Wie in jedem Strafvollzug dieser Welt, erhielten die Strafgefangenen in der DDR nicht den vollen, erarbeiteten Lohn ausgezahlt, sondern nur einen kleinen Prozentsatz. Die Masse behält der Staat als Kompensation für seine Aufwendungen für Unterbringung, Versorgung, med. Betreuung, Bewachung und Sicherstellung ein. Strafgefangene in der DDR erhielten 18 % des Nettolohnes eines vergleichbaren freien Arbeiters, jugendliche Strafgefangene 35 % des vergleichbaren Lehrlingsentgeltes als Vergütung ausgezahlt. Alle Zuschläge wegen Nachtschicht, gesundheitsgefährdender Arbeit und alle Prämien ( für Materialeinsparungen, Planerfüllung, Neuerervorschläge usw.) wurden zu 100 % gezahlt.

In der DDR stand die Fürsorge für Kinder im Mittelpunkt sozialer Anstrengungen. Die Sicherstellung des Unterhalts für Kinder der Strafgefangenen wurde gesetzlich verankert. Die Angehörigen bekamen den Unterhalt von der Strafvollzugseinrichtung monatlich überwiesen, auch wenn der unterhaltsverpflichtende Vater nicht leistungsfähig war. Dies traf zu, wenn ein Strafgefangener durch Gerichtstermine, Krankheit, Verbüßung von Arreststrafen oder Verweigerung einer Arbeit nicht von seinem Recht auf Arbeit Gebrauch machen konnte. Eine solche Situation sollte sich nicht auf die unschuldige Familie auswirken. Die Höhe des Unterhalts war abhängig vom Nettoverdienst des Strafgefangenen, also von dem was ein freier Arbeiter verdiente, also von den 100 %, nicht den 18 %, die der Gefangene als Vergütung bekam.

Ähnlich verhielt es sich mit der Sozialversicherung für Gefangene. In der DDR war die Dauer des Arbeitseinsatzes der Gefangenen einer versicherungspflichtigen Tätigkeit gleichgestellt, d. h. der Gefangene war kranken- und rentenversichert. Damit wurde verhindert, dass für ihn und seine Familie noch lange nach der Entlassung aus dem Strafvollzug, finanzielle Auswirkungen der Straftat das Leben belasteten.


Wer Angesichts eines solchen sozial gefederten Arbeitseinsatzes der Strafgefangenen in der DDR von Zwangsarbeit spricht, kann nur böswillig oder aus Unwissenheit handeln. Letztere können hinzu lernen, die Böswilligen tun dies aus politischer Blindheit nicht.


Wie ist die Lage im Strafvollzug der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2011?
Nach der Förderalismusreform ist der Vollzug von Freiheitsstrafen Ländersache. Jedes Land hat auf der Basis des Strafvollzugsgesetzes von 1977 eine eigene Strafvollzugsgesetzgebung. Dadurch liegen Gesamtzahlen zur Arbeit der Gefangenen und anderen Fragen nicht vor.

Nach dem Grundgesetz besteht für alle Gefangenen eine Arbeitspflicht, aber kein Recht auf Arbeit. Sollten Gefangene die zugewiesene Arbeit verweigern, kann der Staat ihnen die Gefängnisunterbringung in Rechnung stellen. Zudem drohen Sanktionen innerhalb des Vollzuges, wie Isolationshaft und Einschränkung der Bildungs- und Informationsrechte.

Der Leiter des Strafvollzugsarchivs in Bremen, Johannes Feest schätzte in einen Gespräch mit der Zeitung „Junge Welt“ am 19.07.2011 die Lage so ein:

Frage: „Längst nicht alle Strafgefangenen erhalten die Möglichkeit, einer Ausbildung oder einer Arbeit nachzugehen – wovon hängt das ab?“

„Das kommt darauf an, wie viel Arbeit in der jeweiligen Anstalt vorhanden ist. Ob Firmen Aufträge dorthin vermitteln oder die Anstalt über eigene Betriebe verfügt, beispielsweise eine Wäscherei oder Druckerei. Tatsächlich haben mitunter nur die Hälfte der Gefangenen einer Anstalt Arbeit.“

Frage: „Wie sind denn die Strafgefangenen, denen es gelungen ist, Arbeit zu ergattern, ansonsten sozial abgesichert?“

„In die Unfall- und Arbeitslosenversicherung sind sie minimal einbezogen, aber nicht in die Krankenversicherung…. Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall gibt es nicht, weil der Arbeitslohn zu gering ist. Sie erhalten nur neun Prozent dessen, was durchschnittlich außerhalb gezahlt wird.“

Im Gespräch informierte er auch, dass Gefangene in der Bundesrepublik Deutschland nicht in die Rentenversicherung einbezogen sind, obwohl dies im Strafvollzugsgesetz von 1977 vorgesehen war. Es fehlt bis heute ein damals dazu versprochenes Bundesgesetz.

Im Jahre 2008 arbeiteten in NRW 60 % der 17 000 Inhaftierten und erwirtschafteten 48 Millionen Euro. Sie arbeiten bis zu 41 Stunden in der Woche und erhalten dafür durchschnittlich 13 Euro pro Tag. Von dieser Vergütung dürfen sie 50 % zum Einkauf als Hausgeld behalten.
In Berlin erhalten Gefangene, die für ein Modeunternehmen arbeiten einen Tageslohn von 8 bis 14 Euro. Das entspricht einem Stundenlohn von 1,75 Euro. Rechtlich sind diese Löhne nicht zu beanstanden. Sie liegen für Gefangene zwischen 1,01 bis 1,68 Euro.

Um die laufenden Unterhaltszahlungen kümmern sich die Vollzugseinrichtungen nicht.



Fazit:


Beim Vergleich des unterschiedlichen Herangehens in Fragen Arbeitseinsatz Gefangener im Osten und Westen Deutschlands muss beachtet werden, dass die Zahlen und Fakten im Osten mehr als 30 Jahre zurück liegen. Werte aus dem Westen Deutschlands der 70-er Jahre liegen nicht vor. Wenn man bewerten will, was einem arbeitenden Gefangenen als Lohn oder zum persönlichen Verbrauch übrig blieb, müsste man die niedrigen Preise für Lebensmittel in der DDR heranziehen.

In beiden Teilen Deutschlands wurden und werden die Strafgefangenen einer Arbeitspflicht unterworfen. Der Gesundheits- und Arbeitsschutz unterscheidet sich im Arbeitsprozeß nicht von dem freier Arbeiter. Die Entlohnung ist in beiden Systemen gesetzlich geregelt, ein unmittelbarer Nutzen aus der Arbeit verspürte jeder arbeitende Gefangene.

Die Einbeziehung arbeitender Gefangener in die Rentenversicherung erfolgte nur in der DDR. Die Fürsorge der Vollzugseinrichtung für die regelmäßige Unterhaltszahlung an die Kinder war in der DDR ein Akt der Menschlichkeit.


Es gibt und gab nach 1945 in Deutschland keine Zwangsarbeit, weder in der DDR noch in der BRD.


D. Winderlich
Chefinspekteur a. D.

http://www.mfs-insider.de/


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 07.06.2012 22:03 | nach oben springen

#153

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 07.06.2012 22:36
von DoreHolm | 7.714 Beiträge

Ja, Feliks, alles gut und schön, aber wenn es die dumpfe Masse nicht wahrhaben will ? Da winken doch Entschädigungssummen. Da kann man schon mal versuchen, die Tatsachen so hinzustellen, daß sie passen und es gibt leider eine Menge Bürger, die ob solcher schreienden Ungerechtigkeit in DDR-Gefängnissen gleich empört sind. Zwangsarbeit ! Die armen unterdrückten und gequälten Häftlinge in der DDR mußten arbeiten ? Und dazu noch um Devisen in´s Land zu holen, für die sich die Bonzen in Wandlitz dann ihre West-Armaturen in´s Badezimmer einbauen ließen ? Was für ein Skandal ? Naja, das Sommerloch kommt ja und mit irgendwas muß man ja die Massen vom Nachdenken über die tatsächlichen Gauner ablenken.



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#154

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 08.06.2012 09:37
von Gert | 12.368 Beiträge

wen interessiert das Themas noch ? Ich glaube in der öffentlichen Meinung ausser den Betroffenen wohl Niemanden.
Allerdings sind die Schilderungen der eh. Gefängnisinsassen mitunter sehr tiefgehend negativ, vor allem von Frauen die in der Strafanstalt Hoheneck einsassen und eben nicht nur von Haft sprechen sondern auch von Schikanen, Demütigungen und auch von Arbeiten für westdeutsche Versandhäuser.
Ich hatte mit einem eh. Häftling gesprochen, der in Untermassfeld /Thr. einsaß, der berichtete von einem Mitgefangenen, politischen Häftling, der sich weigerte für den Mehrwert der DDR zu arbeiten, aber dafür anbot den Hof zu kehren. Dem hat man stattgegeben.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 08.06.2012 09:37 | nach oben springen

#155

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 08.06.2012 10:11
von damals wars | 12.218 Beiträge

Ich habe noch keinen ehemaligen Insassen getroffen, der nicht von von Schikanen und Demütigungen berichtete.
Aber auch noch keine Soldaten.
------------------------------------------------------------
Das Problem heutzutage ist, das nicht alle Arbeit bekommen.

Und mit den 15 Euronen, die Angehörigen den Insassen zukommen lassen können, können die keine großen Sprünge machen.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
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#156

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 08.06.2012 13:51
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Ich werde nächste Woche in meinem Blog über Arbeit im Strafvollzug berichten, übrigens in der StVE Naumburg, dort habe ich im Bereich "MeWa" gearbeitet, dort wurden Möbelteile für IKEA produziert. Aber wahrscheinlich muß ich dann wieder ein paar Kommentare lesen das ich lüge oder mir etwas ausdenke oder bestochen bin.....:-)
Andreas


http://kaube-blog.de/


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#157

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 08.06.2012 16:18
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Gert
wen interessiert das Themas noch ? Ich glaube in der öffentlichen Meinung ausser den Betroffenen wohl Niemanden.



Gert, mit diesem Argument als Grundlage könnte man hier wohl 90% der Themen schließen lassen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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#158

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 08.06.2012 20:29
von Gert | 12.368 Beiträge

Zitat von Ameisenferdinand
Ich werde nächste Woche in meinem Blog über Arbeit im Strafvollzug berichten, übrigens in der StVE Naumburg, dort habe ich im Bereich "MeWa" gearbeitet, dort wurden Möbelteile für IKEA produziert. Aber wahrscheinlich muß ich dann wieder ein paar Kommentare lesen das ich lüge oder mir etwas ausdenke oder bestochen bin.....:-)
Andreas




Schreib einfach, ohne schon von vornherein in die Opferrolle zu schlüpfen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#159

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 08.06.2012 20:31
von Gert | 12.368 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von Gert
wen interessiert das Themas noch ? Ich glaube in der öffentlichen Meinung ausser den Betroffenen wohl Niemanden.



Gert, mit diesem Argument als Grundlage könnte man hier wohl 90% der Themen schließen lassen.






......da bin ich mir nicht sicher


.
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#160

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 08.06.2012 20:35
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Gert
Schreib einfach, ohne schon von vornherein in die Opferrolle zu schlüpfen.



Bist Du nicht auch der Meinung hier etwas unangemessen zu reagieren?!


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

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