#41

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 17:30
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Rostocker

Zitat von Gert

Zitat von Nostalgiker

Zitat von Gert
Feliks, du hattest das Wort Häftlingseinsatz in der DDR noch nicht in den Mund genommen, da kam schon der stets bekannte Fingerzeig auf die anderen(Länder). Da die DDR nicht auf allen Gebieten mit anderen zu vegleichen war, vor allem nicht im Rechtswesen, spreche ich ihr ( der DDR)diese Vergleichsmöglichkeiten ab, weil sie kein Rechtsstaat war.
Nun zum Inhalt : ich hätte beinahe ironisch gesagt, Feliks stell den Häftlingen noch eine Flachbildschirm in die Zelle. Vor lauter zur Schau gestellten Menschlichkeit wird dich die Stasi noch nachträglich fristlos kündigen- war nämlich nicht in ihrem Sinne.

Zur Häftlingarbeit. Ich habe Gespräche mit Ehemaligen geführt, die haben mir anderes berichtet. Z.B. bei Arbeiten mit stark gesundheitsgefährdenden Klebstoffen ohne jeden Schutz schwere Lungenschäden. Jahre später musste ein Schlauch ständig in der Nase bleiben um Sauerstoff dem Körper zuzuführen. Vor kurzem mit Anfang 60 in Bremerhafen gestorben.
Die von dir so herausgestellte Entlohnung reichte gerade mal, um ein paar Zigaretten zu kaufen. Ein zweiter Augenzeuge berichtet von schweren, körperlich Arbeiten im damaligen Erdölkombinat Schwedt. Sie mussten Eisenbahnschienen schleppen usw.Ich denke dass die Produktivität der Häftlingen nicht sehr hoch war, dass die DDR aber sie immer noch ausbeuten konnten um Profite zu erwirtschaften. Abschließend noch einen Kommentar zu den Politischen, die ja in nicht unerheblicher Zahl unter den Häftlingen waren. Für sie war es bestimmt besonders hart, weil sie für Delikte eingebuchte wurden, die nach internationalem Recht keine Vergehen waren. Dann noch für ein paar Silberlinge für den Staat schuften, der sie weggesperrt, das muss man dann tagtäglich im Kopf erst einmal verarbeite, Einsicht oder Resozialisierung bei diesen Häftlingen im Sinne der SED würde ich gleich 0 ansetzen.Also, die von dir erwähnte Resozialisierung mag vielleicht für Arbeitsscheue oder Kriminelle ein probates Mittel sein, einen Republikflüchtling oder Dissidenten wird das kaum beeindruckt haben.



@Gert, zu den rot gemarkerten Stellen; ja wie denn nun?
Wenn ich etwas nicht vergleichen kann weil es einmalig ist kann ich auch kein "internationales Recht" anrufen.......

Wenn die DDR kein Rechtsstaat war, was Du bestimmt stichhaltig beweisen kannst, warum wurden dann nicht spätesten alle in der DDR gesprochenen Urteile und damit meine ich ausnahmslos alle! ab dem 4.10.1990 vom Bundesgerichtshof kassiert und aufgehoben?
Oder gibt es aus Deiner Sicht etwa ein teilstaatliches Unrecht?

Gruß
Nostalgiker




die Unrechtsurteile sind doch alle aufgehoben worden. Ich habe Bekannte die wegen Republikflucht verurteilt wurde, das Urteil wurde kassiert.




Ich hatte mal einen Kollegen.der wusste alles--man konnte sich über sonst was unterhalten,der wusste alles.Wir nannte ihn,den 100 Jährigen oder Wanderprediger Aber hier gibt es einen mit der Glaskugel--der ist noch ein Stück besser




Rostocker sprichst du jetzt von dir ?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#42

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 17:34
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von Nostalgiker

Zitat von Gert
Feliks, du hattest das Wort Häftlingseinsatz in der DDR noch nicht in den Mund genommen, da kam schon der stets bekannte Fingerzeig auf die anderen(Länder). Da die DDR nicht auf allen Gebieten mit anderen zu vegleichen war, vor allem nicht im Rechtswesen, spreche ich ihr ( der DDR)diese Vergleichsmöglichkeiten ab, weil sie kein Rechtsstaat war.
Nun zum Inhalt : ich hätte beinahe ironisch gesagt, Feliks stell den Häftlingen noch eine Flachbildschirm in die Zelle. Vor lauter zur Schau gestellten Menschlichkeit wird dich die Stasi noch nachträglich fristlos kündigen- war nämlich nicht in ihrem Sinne.

Zur Häftlingarbeit. Ich habe Gespräche mit Ehemaligen geführt, die haben mir anderes berichtet. Z.B. bei Arbeiten mit stark gesundheitsgefährdenden Klebstoffen ohne jeden Schutz schwere Lungenschäden. Jahre später musste ein Schlauch ständig in der Nase bleiben um Sauerstoff dem Körper zuzuführen. Vor kurzem mit Anfang 60 in Bremerhafen gestorben.
Die von dir so herausgestellte Entlohnung reichte gerade mal, um ein paar Zigaretten zu kaufen. Ein zweiter Augenzeuge berichtet von schweren, körperlich Arbeiten im damaligen Erdölkombinat Schwedt. Sie mussten Eisenbahnschienen schleppen usw.Ich denke dass die Produktivität der Häftlingen nicht sehr hoch war, dass die DDR aber sie immer noch ausbeuten konnten um Profite zu erwirtschaften. Abschließend noch einen Kommentar zu den Politischen, die ja in nicht unerheblicher Zahl unter den Häftlingen waren. Für sie war es bestimmt besonders hart, weil sie für Delikte eingebuchte wurden, die nach internationalem Recht keine Vergehen waren. Dann noch für ein paar Silberlinge für den Staat schuften, der sie weggesperrt, das muss man dann tagtäglich im Kopf erst einmal verarbeite, Einsicht oder Resozialisierung bei diesen Häftlingen im Sinne der SED würde ich gleich 0 ansetzen.Also, die von dir erwähnte Resozialisierung mag vielleicht für Arbeitsscheue oder Kriminelle ein probates Mittel sein, einen Republikflüchtling oder Dissidenten wird das kaum beeindruckt haben.



@Gert, zu den rot gemarkerten Stellen; ja wie denn nun?
Wenn ich etwas nicht vergleichen kann weil es einmalig ist kann ich auch kein "internationales Recht" anrufen.......

Wenn die DDR kein Rechtsstaat war, was Du bestimmt stichhaltig beweisen kannst, warum wurden dann nicht spätesten alle in der DDR gesprochenen Urteile und damit meine ich ausnahmslos alle! ab dem 4.10.1990 vom Bundesgerichtshof kassiert und aufgehoben?
Oder gibt es aus Deiner Sicht etwa ein teilstaatliches Unrecht?

Gruß
Nostalgiker




die Unrechtsurteile sind doch alle aufgehoben worden. Ich habe Bekannte die wegen Republikflucht verurteilt wurde, das Urteil wurde kassiert.




Ja Gert,

selbst Spione die für BND und Co arbeiteten wurden entschädigt.
Selbst diese wurden von der DDR zu UNRECHT verurteilt.

Das ist dann der Rechtsstaat BRD.


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#43

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 17:44
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Alfred

Zitat von Gert

Zitat von Nostalgiker

Zitat von Gert
Feliks, du hattest das Wort Häftlingseinsatz in der DDR noch nicht in den Mund genommen, da kam schon der stets bekannte Fingerzeig auf die anderen(Länder). Da die DDR nicht auf allen Gebieten mit anderen zu vegleichen war, vor allem nicht im Rechtswesen, spreche ich ihr ( der DDR)diese Vergleichsmöglichkeiten ab, weil sie kein Rechtsstaat war.
Nun zum Inhalt : ich hätte beinahe ironisch gesagt, Feliks stell den Häftlingen noch eine Flachbildschirm in die Zelle. Vor lauter zur Schau gestellten Menschlichkeit wird dich die Stasi noch nachträglich fristlos kündigen- war nämlich nicht in ihrem Sinne.

Zur Häftlingarbeit. Ich habe Gespräche mit Ehemaligen geführt, die haben mir anderes berichtet. Z.B. bei Arbeiten mit stark gesundheitsgefährdenden Klebstoffen ohne jeden Schutz schwere Lungenschäden. Jahre später musste ein Schlauch ständig in der Nase bleiben um Sauerstoff dem Körper zuzuführen. Vor kurzem mit Anfang 60 in Bremerhafen gestorben.
Die von dir so herausgestellte Entlohnung reichte gerade mal, um ein paar Zigaretten zu kaufen. Ein zweiter Augenzeuge berichtet von schweren, körperlich Arbeiten im damaligen Erdölkombinat Schwedt. Sie mussten Eisenbahnschienen schleppen usw.Ich denke dass die Produktivität der Häftlingen nicht sehr hoch war, dass die DDR aber sie immer noch ausbeuten konnten um Profite zu erwirtschaften. Abschließend noch einen Kommentar zu den Politischen, die ja in nicht unerheblicher Zahl unter den Häftlingen waren. Für sie war es bestimmt besonders hart, weil sie für Delikte eingebuchte wurden, die nach internationalem Recht keine Vergehen waren. Dann noch für ein paar Silberlinge für den Staat schuften, der sie weggesperrt, das muss man dann tagtäglich im Kopf erst einmal verarbeite, Einsicht oder Resozialisierung bei diesen Häftlingen im Sinne der SED würde ich gleich 0 ansetzen.Also, die von dir erwähnte Resozialisierung mag vielleicht für Arbeitsscheue oder Kriminelle ein probates Mittel sein, einen Republikflüchtling oder Dissidenten wird das kaum beeindruckt haben.



@Gert, zu den rot gemarkerten Stellen; ja wie denn nun?
Wenn ich etwas nicht vergleichen kann weil es einmalig ist kann ich auch kein "internationales Recht" anrufen.......

Wenn die DDR kein Rechtsstaat war, was Du bestimmt stichhaltig beweisen kannst, warum wurden dann nicht spätesten alle in der DDR gesprochenen Urteile und damit meine ich ausnahmslos alle! ab dem 4.10.1990 vom Bundesgerichtshof kassiert und aufgehoben?
Oder gibt es aus Deiner Sicht etwa ein teilstaatliches Unrecht?

Gruß
Nostalgiker




die Unrechtsurteile sind doch alle aufgehoben worden. Ich habe Bekannte die wegen Republikflucht verurteilt wurde, das Urteil wurde kassiert.




Ja Gert,

selbst Spione die für BND und Co arbeiteten wurden entschädigt.
Selbst diese wurden von der DDR zu UNRECHT verurteilt.



Das ist dann der Rechtsstaat BRD.




richtig Alfred, man muss halt nur aufpassen dass man immer auf der richtigen Seite steht


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#44

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 18:00
von Polter (gelöscht)
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Zitat von Grenzwolf62
Ja, und was ist nun der tiefere Sinn der Bemühungen hier?
Die Anfangsabsicht scheint klar zu sein - irgendwas an der DDR muss nun mal gefunden werden was besser ist als in dem Jammerländle hier und nun ist es halt auch noch der Knast.
Und die angedachte Konsequenz daraus, den armen Sündern soll es endlich besser gehen oder wie?
Müsste man ja faktisch so ableiten.







http://www.spurensicherung.org/texte/Band2/rothe.htm#top

Hier beschreibt eine Zeitzeugin unter dem Titel: Häftlinge und Helden das Verhalten von Häftlingen am 17. Juni 1953
" Übrigens hatte der Leiter der Haftanstalt die Zellentüren öffnen lassen und den Häftlingen freigestellt, hinauszugehen. Es ist aufschlußreich, daß nicht einer von ihnen diese Möglichkeit nutzte. „Mit der Sache wollen wir nichts zu tun haben", erklärten sie"

Wenn es den Häftlingen so schlecht ging, warum sind die eigentlich nicht auf das Angebot eingegangen? Der Weg nach Westberlin oder in den Westen war da doch leicht möglich.


zuletzt bearbeitet 02.05.2012 18:02 | nach oben springen

#45

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 18:06
von Alfred | 6.854 Beiträge

Zitat von Gert

Zitat von Alfred

Zitat von Gert

Zitat von Nostalgiker

Zitat von Gert
Feliks, du hattest das Wort Häftlingseinsatz in der DDR noch nicht in den Mund genommen, da kam schon der stets bekannte Fingerzeig auf die anderen(Länder). Da die DDR nicht auf allen Gebieten mit anderen zu vegleichen war, vor allem nicht im Rechtswesen, spreche ich ihr ( der DDR)diese Vergleichsmöglichkeiten ab, weil sie kein Rechtsstaat war.
Nun zum Inhalt : ich hätte beinahe ironisch gesagt, Feliks stell den Häftlingen noch eine Flachbildschirm in die Zelle. Vor lauter zur Schau gestellten Menschlichkeit wird dich die Stasi noch nachträglich fristlos kündigen- war nämlich nicht in ihrem Sinne.

Zur Häftlingarbeit. Ich habe Gespräche mit Ehemaligen geführt, die haben mir anderes berichtet. Z.B. bei Arbeiten mit stark gesundheitsgefährdenden Klebstoffen ohne jeden Schutz schwere Lungenschäden. Jahre später musste ein Schlauch ständig in der Nase bleiben um Sauerstoff dem Körper zuzuführen. Vor kurzem mit Anfang 60 in Bremerhafen gestorben.
Die von dir so herausgestellte Entlohnung reichte gerade mal, um ein paar Zigaretten zu kaufen. Ein zweiter Augenzeuge berichtet von schweren, körperlich Arbeiten im damaligen Erdölkombinat Schwedt. Sie mussten Eisenbahnschienen schleppen usw.Ich denke dass die Produktivität der Häftlingen nicht sehr hoch war, dass die DDR aber sie immer noch ausbeuten konnten um Profite zu erwirtschaften. Abschließend noch einen Kommentar zu den Politischen, die ja in nicht unerheblicher Zahl unter den Häftlingen waren. Für sie war es bestimmt besonders hart, weil sie für Delikte eingebuchte wurden, die nach internationalem Recht keine Vergehen waren. Dann noch für ein paar Silberlinge für den Staat schuften, der sie weggesperrt, das muss man dann tagtäglich im Kopf erst einmal verarbeite, Einsicht oder Resozialisierung bei diesen Häftlingen im Sinne der SED würde ich gleich 0 ansetzen.Also, die von dir erwähnte Resozialisierung mag vielleicht für Arbeitsscheue oder Kriminelle ein probates Mittel sein, einen Republikflüchtling oder Dissidenten wird das kaum beeindruckt haben.



@Gert, zu den rot gemarkerten Stellen; ja wie denn nun?
Wenn ich etwas nicht vergleichen kann weil es einmalig ist kann ich auch kein "internationales Recht" anrufen.......

Wenn die DDR kein Rechtsstaat war, was Du bestimmt stichhaltig beweisen kannst, warum wurden dann nicht spätesten alle in der DDR gesprochenen Urteile und damit meine ich ausnahmslos alle! ab dem 4.10.1990 vom Bundesgerichtshof kassiert und aufgehoben?
Oder gibt es aus Deiner Sicht etwa ein teilstaatliches Unrecht?

Gruß
Nostalgiker




die Unrechtsurteile sind doch alle aufgehoben worden. Ich habe Bekannte die wegen Republikflucht verurteilt wurde, das Urteil wurde kassiert.




Ja Gert,

selbst Spione die für BND und Co arbeiteten wurden entschädigt.
Selbst diese wurden von der DDR zu UNRECHT verurteilt.



Das ist dann der Rechtsstaat BRD.




richtig Alfred, man muss halt nur aufpassen dass man immer auf der richtigen Seite steht






Gert,

dies darf jeder mit sich selbst ausmachen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich bei einer Lageveränderung wieder genügend " GEZWUNGENE" finden werden, die heute "oben schwimmen" oder heute auch wieder dieses oder jenes "mussten".


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#46

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 18:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Als ehemaliger politischer möchte ich auch meinen Senf dazugeben. Ich war allerdings nie in einem Außenkommando. Ich musste für VEB „Bella“ Schuhe für den Export Schuh Oberteile flechten. Das war in soweit in Ordnung .kam man dadurch auch in den Kontakt mit Anderen. Geld brauchte ich für den Einkauf und etwas für die Rücklage. Reich konnte man dabei natürlich wie mit jeder Knast Arbeit nicht werden. Ob nun für Bella Schuhe oder sonst wem, die Meisten wird der Preis interessieren und nicht woher das Produkt kommt. Wer von euch fragt eigentlich beim Kauf Made in India, Bangladesh, China oder aus Latein Amerika nach wie und von wem das Produkt hergestellt wurde? Ich bin ehrlich, ich nicht! Ich schaue erst einmal auf den Preis. Es gab damals auch noch die welche wegen Arbeitbsbummelei (asoziales Verhalten) AE (Arbeitsziehung) bekamen. Das würde auch heute nicht immer schaden. Im Nachhinein habe ich aber für jeden Knast Monat 600 DM Entschädigung erhalten. Soviel hätte ich damals (1964/ 1965) in der DDR nicht verdient. Ich sehe das mit der Knastarbeit nicht so verbissen. Organ Verkauf von hingerichteteten wie in China geschehen finde ich schlimmer.


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#47

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 19:11
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Zitat von Gert

Zur Häftlingarbeit. Ich habe Gespräche mit Ehemaligen geführt, die haben mir anderes berichtet. Z.B. bei Arbeiten mit stark gesundheitsgefährdenden Klebstoffen ohne jeden Schutz schwere Lungenschäden. Jahre später musste ein Schlauch ständig in der Nase bleiben um Sauerstoff dem Körper zuzuführen.

Ein zweiter Augenzeuge berichtet von schweren, körperlich Arbeiten im damaligen Erdölkombinat Schwedt. Sie mussten Eisenbahnschienen schleppen usw.





Ich beschränke mich mal auf deine Aussagen zum Thema!

Das zweite Beispiel nun ja, was willst Du uns damit sagen? Körperliche Arbeit hat noch keinem geschadet und ist jetzt ja nun nicht gerade ein Merkmal von Unrecht etc.

Das erste Beispiel mag ich Dir glauben und das wäre dann auch ein äußerst unschönes Beispiel. Zur richtigen Einordnung in das Gesamtbild stellen sich mir da jedoch zwei Fragen.

1. Um welchen Zeitraum handelte es sich?
2. Welche Maßnahmen (Beschwerde im AEB, Beschwerde im SV, Eingabe etc.) hat der SG ergriffen um auf eine Änderung der Umstände hinzuwirken?


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
zuletzt bearbeitet 02.05.2012 19:12 | nach oben springen

#48

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 20:29
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Polter

Zitat von Grenzwolf62
Ja, und was ist nun der tiefere Sinn der Bemühungen hier?
Die Anfangsabsicht scheint klar zu sein - irgendwas an der DDR muss nun mal gefunden werden was besser ist als in dem Jammerländle hier und nun ist es halt auch noch der Knast.
Und die angedachte Konsequenz daraus, den armen Sündern soll es endlich besser gehen oder wie?
Müsste man ja faktisch so ableiten.







http://www.spurensicherung.org/texte/Band2/rothe.htm#top

Hier beschreibt eine Zeitzeugin unter dem Titel: Häftlinge und Helden das Verhalten von Häftlingen am 17. Juni 1953
" Übrigens hatte der Leiter der Haftanstalt die Zellentüren öffnen lassen und den Häftlingen freigestellt, hinauszugehen. Es ist aufschlußreich, daß nicht einer von ihnen diese Möglichkeit nutzte. „Mit der Sache wollen wir nichts zu tun haben", erklärten sie"

Wenn es den Häftlingen so schlecht ging, warum sind die eigentlich nicht auf das Angebot eingegangen? Der Weg nach Westberlin oder in den Westen war da doch leicht möglich.





Wenn man diesen Beitrag liest, kann man einen Lachkrampf bekommen. Die Gefangenen sind die wahren Helden, weil sie die angebotene Freiheit nicht nutzten ( ich fasse es nicht ) Die Demonstranten sind der Abschaum Zuhälter, Ganoven und gekaufte Subjekte.

Ich frage mich wer eine solchen Sprachmüll zusammenschrieb ( die Frau des Staatsanwaltes offenbar ?) Ihr geistiger Horizont muss ziemlich flach gewesen sein, wenn sie annimmt, das diesen Text auch nur ein halbwegs gebildeter Deutscher glaubt.
Das war der Jargon der 50er Jahre, auf der anderen Seite, z.B. Rias Berlin wurde ähnlich gesprochen, kaum auszuhalten wenn man so etwas heute liest.
Ich habe als 9 jähriger den 17. Juni erlebt. Wir fanden seltsamerweise auf der Straße Parteiabzeichen der SED. Die haben wir uns ganz stolz als Kinder angeheftet. Zu Hause bei den Eltern wurde uns der Stolz ganz schnell ausgetrieben und die Abzeichen abgenommen. Schätze mal die Genossen, die am 18. Juni kein solches mehr hatten, wurden sicher einer hochnotpeinlichen Befragung unterzogen, wie das im Mittelalter hiess. Aber ich gerate schon wieder OT und tschüss.


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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Mahatma Gandhi
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#49

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 20:40
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Feliks D.

Zitat von Gert

Zur Häftlingarbeit. Ich habe Gespräche mit Ehemaligen geführt, die haben mir anderes berichtet. Z.B. bei Arbeiten mit stark gesundheitsgefährdenden Klebstoffen ohne jeden Schutz schwere Lungenschäden. Jahre später musste ein Schlauch ständig in der Nase bleiben um Sauerstoff dem Körper zuzuführen.

Ein zweiter Augenzeuge berichtet von schweren, körperlich Arbeiten im damaligen Erdölkombinat Schwedt. Sie mussten Eisenbahnschienen schleppen usw.





Ich beschränke mich mal auf deine Aussagen zum Thema!

Das zweite Beispiel nun ja, was willst Du uns damit sagen? Körperliche Arbeit hat noch keinem geschadet und ist jetzt ja nun nicht gerade ein Merkmal von Unrecht etc.

Das erste Beispiel mag ich Dir glauben und das wäre dann auch ein äußerst unschönes Beispiel. Zur richtigen Einordnung in das Gesamtbild stellen sich mir da jedoch zwei Fragen.

1. Um welchen Zeitraum handelte es sich?
2. Welche Maßnahmen (Beschwerde im AEB, Beschwerde im SV, Eingabe etc.) hat der SG ergriffen um auf eine Änderung der Umstände hinzuwirken?





Das Klebstoffbeispiel muss ungefähr 2. Halfte 60 er Jahre gewesen sein. ( War einer Schukameradin ihr Bruder und auch zufällig in der selben Kompanie Genosse von mir bei der 6.GBK )
Der Mann mit den Eisenbahnschwellen war ein Fluchtkamerad ( lebt seit 45 Jahren in Toronto/Kanada und ist dort Millionär geworden ) Die Verurteilung und Strafhaft (Republikflucht)muss so etwa 62 / 63 gewesen sein. Für ihn war die Flucht mit mir der 2.Versuch der dann glückte. Frage an dich Feliks, hätten sie uns erwischt, hätte er für den 2. Versuch eine höhere Strafe als beim 1. mal bekommen ? Ich glaube aber wir hätten sowieso ordentlich was auf die Mütze bekommen, da wir 4 waren, davon 2 ehemalige AGT, das wäre wahrscheinlich schon bandenmäßige Flucht aus der Sicht der DDR, oder seh ich das falsch ?




P.S. Feliks hast gerade die 10.000 Punkte Marke überschritten. Gratulation, allerdings weiss ich noch imer nicht den Preis dafür ?? vielleicht eine 10-tägige Baggerfahrt durch die Eifel ?


.
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Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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zuletzt bearbeitet 02.05.2012 20:42 | nach oben springen

#50

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 02.05.2012 23:28
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Gert
...hätten sie uns erwischt, hätte er für den 2. Versuch eine höhere Strafe als beim 1. mal bekommen ? Ich glaube aber wir hätten sowieso ordentlich was auf die Mütze bekommen, da wir 4 waren, davon 2 ehemalige AGT, das wäre wahrscheinlich schon bandenmäßige Flucht aus der Sicht der DDR, oder seh ich das falsch ?
...



§ 213, Absatz 2, Satz 3 und 4 StGB der DDR von 1968. Besonders schwerer Fall. Brachte ggf. 1 bis fünf Jahre. Wogegen eine Verurteilung wegen einfachem Fall gem. Absatz 1 bis zu zwei Jahre Haft oder auch nur Bewährung, Geldstrafe oder öffentlichen Tadel bringen konnte.
"Gruppe" war man jedoch schon ab zwei Mann/Frau.

Militärstraftat etwa nach § 255 StGB konnte es nur bei aktiven Militärangehörigen sein. Reservisten also nicht. Dann jedoch schwerer Fall und bis zu 6 Jahre.

In Frage kämen auch § 98 und § 99 StGB (Sammeln von Nachrichten) oder der Treuebruch, weil man ja sicher von vornherein damit rechnete, drüben dann geheimzuhaltende Informationen zu übermitteln. Das hätte bis zu 12 Jahre bringen können... Auch der Versuch war strafbar.

http://www.verfassungen.de/de/ddr/strafgesetzbuch68.htm


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


zuletzt bearbeitet 02.05.2012 23:29 | nach oben springen

#51

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 03.05.2012 08:44
von katran | 16 Beiträge

Für viele Betriebe in der DDR gehörte das Auslagern von Arbeit in Haftanstalten zur Tagesordnung. Beispiele, Kerzenherstellung Wittol Wittenberg, Fotoobjektive von Meyer Optik Görlitz, Konstruktionen aller Art in Torgau. Probleme mit der Planerfüllung gab es immer nach den Amnestie/ Freilassungen vor dem Jahrestag der DDR.



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#52

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 03.05.2012 09:12
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von S51

Zitat von Gert
...hätten sie uns erwischt, hätte er für den 2. Versuch eine höhere Strafe als beim 1. mal bekommen ? Ich glaube aber wir hätten sowieso ordentlich was auf die Mütze bekommen, da wir 4 waren, davon 2 ehemalige AGT, das wäre wahrscheinlich schon bandenmäßige Flucht aus der Sicht der DDR, oder seh ich das falsch ?
...



§ 213, Absatz 2, Satz 3 und 4 StGB der DDR von 1968. Besonders schwerer Fall. Brachte ggf. 1 bis fünf Jahre. Wogegen eine Verurteilung wegen einfachem Fall gem. Absatz 1 bis zu zwei Jahre Haft oder auch nur Bewährung, Geldstrafe oder öffentlichen Tadel bringen konnte.
"Gruppe" war man jedoch schon ab zwei Mann/Frau.

Militärstraftat etwa nach § 255 StGB konnte es nur bei aktiven Militärangehörigen sein. Reservisten also nicht. Dann jedoch schwerer Fall und bis zu 6 Jahre.

In Frage kämen auch § 98 und § 99 StGB (Sammeln von Nachrichten) oder der Treuebruch, weil man ja sicher von vornherein damit rechnete, drüben dann geheimzuhaltende Informationen zu übermitteln. Das hätte bis zu 12 Jahre bringen können... Auch der Versuch war strafbar.

http://www.verfassungen.de/de/ddr/strafgesetzbuch68.htm




Danke S51 für die Aufklärung. Dann weiss ich ja, welcher Kelch an mir vorbei ging


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#53

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 03.05.2012 14:45
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Mein Vater war im erzgebirgischem Oelsnitz Bergmann im Steinkohlenschacht und er hat mir einiges erzählt von Gefangenen die in der Grube arbeiteten, müssen in den 50/60ern viele gewesen sein, es gab am Schacht ein extra Barackenlager, habe mit meiner Firma vor Jahren die letzten davon abgerissen, so typische Flachbauten mit kleinen Fenstern und ohne Trennwände, nur Balken.
Die meisten Gefangenen hätten die schwere Arbeit unter Tage nur schwer ertragen, kann ich mir gut vorstellen, ich hätt das freiwillig auch nicht machen wollen.


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#54

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 03.05.2012 14:58
von bendix | 2.642 Beiträge

Ich habe in Leipzig gelernt und in unserem Lehrbetrieb waren auch Häftlinge beschäftigt in der Furnierherstellung(Frauen) sowie auf dem Gelände des Holzplatzes(Männer)
Die wurden mit Ello herangeschafft mit zugeklebten Fenstern, waren mit Schwarzkombi bekleidet mit breiten gelben Streifen an Armen und Beinen und auf dem Rücken.
Als Bewachung kann ich mich an 3 oder 4 Leute erinnern, ich denke auch bewaffnet,kann es aber nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.
Wir mussten immer an den Orten vorbei um zur Kantine oder zu den Lehrkabinetten zu gelangen,wohl war mir dabei nicht

Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#55

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 03.05.2012 21:43
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Im Beitrag 1 dieses Threads besteht schon ein Link zum "IKEA-THEMA".

Dieser Ausschnitt stammt aus der gestrigen Ausgabe der Volksstimme.


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#56

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 03.05.2012 23:33
von Zaunkönig | 624 Beiträge

Zur Arbeit von Strafgefangenen: Zu meiner Zeit bei den Grenzern (1959-62) haben wir ab und zu mal die Baustelle des jetzigen Sportforum in Berlin-Hohenschönhausen bewacht. Dort waren auch Strafgefangene am Arbeiten. Sie haben die Mauern hochgezogen, sind mit den Betonkarren wie die Kaputten auf der Baustelle rumgesaust, hatten wohl ne stramme Norm.
Während der Belehrung vor dem Einsatz wurde uns gesagt, es seien alles ehemalige Nazi's die dort drin arbeiten. Weiterhin hat man uns angedroht, wenn uns von denen Einer durch die doppelte Stacheldrahtreihe abhaut, können wir uns gleich zu der Truppe zugesellen. Sie wurden in Bussen zum Arbeiten rangefahren, ich weiß aber nicht wo die herkamen.
Ach so, bewaffnet waren wir zu der Zeit mit der russ. MP 41 mit 70 Schuß in der Trommel.
Peter, der Zaunkönig


März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße
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#57

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 04.05.2012 03:02
von KID | 234 Beiträge

Da das Thema Haeftlingsarbeit allgemein aufgreift, wollte ich was ueber die Arbeitsbedingungen im Armeegefaengnis Fort Leavenworth schreiben. Ich war insgesamt 10 Jahre und 5 Monate dort 'untergebracht', durfte also viel Wandel, was Haeftlingsarbeit betrifft, miterleben. Bei meiner Einlieferung im August 1992 musste jeder Haeftling arbeiten, egal wo, und zwar ohne Belohnung. Gleichzeitig gab es fuer jeden Haeftling 30 Dollar im Monat fuer den persoenlichen Gebrauch. Mit diesesm 'Geld', was jeweils von der entsprechenden Waffengattung des Haeftlings bereitgestellt wurde, musste/durfte man einmal monatlich Seife, Bleistifte, Kaffee, usw in Knast-Konsum kaufen. Nicht ausgegebenes Geld ging verloren. Da dieses 'Geld' von der Kommandantura von Leavenworth als 'Belohnung' angesehen wurde, fuehlten sie sich nicht gezwungen, den Haeftlingen Tages- oder Stundenlohn fuer ihre entrichtete Arbeit zu bezahlen. Jeder, egal, was er fuer eine Arbeit hatte, ob Maurer oder Zahnarztassistent, bekam den gleichen 'Lohn'. (Da wir alle eine Unterkunft hatten, war der Uebergang vom Sozialismus zum Kommunismus wenigstens im Knast erreicht...)

Kurz nach Ankunft in Fort Leavenworth wurde jeder einer Schriftlichen Pruefung unterzogen. Zusaetzlich, mit Hilfe eines im Leavenworth erstellten Planes, durfte (!) jeder seine 'Wunschliste' von Arbeitsstellen angeben. Es gab neben den ueblichen Reinigungs- und Kuechenkraefte auch Stellen in der Polsterei, Tischlerei, Klinik, Klempnerei usw. Obwohl man zu solcher Arbeit gezwungen wurde (je nach Bedarf der Administration), wurden fuer einige Berufe Zertifikate oder auch einen vom Bundesstaat Kansas anerkannten Abschluss verliehen. So hatte ich bis Ende 2000 je eine Ausbildung in der Polsterei, im Gewaechshaus und in der Zahnklinik hinter mir. Das einem entlassenen Gefangenen mit einem im Knast erstellten Zertifikat in der reellen Welt nicht geholfen wird, war der Administration egal.

In den letzten Jahren der 90er kam auch fuer uns im Knast Die Wende. Es wurden bestimmte Arbeitsbereiche ausgewaehlt, und diese sollten im Rahmen eines neuen Rehabilitierungsprogramms einen gestaffelten Stundenlohn anbieten. Jene Arbeitsstellen mussten aber gerade die sein, die fuer das Gefaengnis Geld einbrachten. (Wer fuer den Export arbeitete, verdiente auch. Wer nicht, verdiente nichts.) Das nutzte den armen Jungs in der Kueche oder bei der Gebaeudereinigung natuerlich nichts. Da der nun schmorende Klassenkampf im Gefaengnis angezuendet wurde, musste die Administration mehrmals eingreifen. Bald sollten die Neu-verdiener ihre monatlichen 30 Dollar verlieren, um es fair zu machen. Es drohte aber ihrerseits eine sofortige Arbeitsniederlegung und Sabotage, und dieser Vorschlag wurde schnell vergessen. Es wurden jeweils 15 Cent, 20 Cent und 25 Cent die Stunde fuer die meisten Stellen bezahlt; Ausbilder durften sogar bis 50 Cent die Stunde verdienen. Fuer Trustees, die kurz vor der Entlassung standen und in den verschiedensten Bereiche des Stuetzpunktes Fort Leavenworth arbeiteten, wurde sogar bis zu 95 Cent die Stunde bezahlt). Jeder, der die Regeln missachtete, in der Schutz- oder Isolationshaft sass oder sonst zum Problemkind wurde, bekam keine oder verlor seine Arbeitstelle, und wurde zu den Reihen der Unbezahlten relegiert. Ein Wiederaufstieg ging nur sehr langsam, da man bei einem Neubeginn bis zu 2 Jahren brauchte, ehe man 25 cent die Stunde wieder verdiente. Keine Sorge: bei den langen haftstrafen der Armee war das eher kein Problem.

Und was durfte ich fuer Arbeit verrichten?: Polsterer, Zahnarztassistent, Facharbeiter fuer Hortikultur, Maler, und Ausbilder im Textilbereich der Reparaturwerkstatt, wo u.a. blutgetraenkte und von Splitter und Patronen zerfetzten Uniformteile und Schutzwesten aus dem ersten Balkankrieg wieder nutzbar gemacht wurden. (Andere haben Humvee-Teile, Zeltplane und Rucksaecke repariert.) Spaeter durfte ich in der Nachschicht die Aufnaeher fuer die Namen der neuen Rekruten der US-Armee anfertigen, bevor diese Soldaten in den naechsten Golfkrieg entsandt wurden. Tja, jeder - jeden Tag - sein Bestes fuer den Frieden...

Als "Hoechstverdiener" wurde ich nach fast 12 jahren mit $212 Dollar (zum damaligen Kurs vielleicht etwa 100 Euro) in die sogenannte Freiheit entlassen.

Jens


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#58

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 04.05.2012 07:13
von Feliks D. | 8.887 Beiträge

Hallo Jens,

danke für deine umfangreiche Schilderung. Schön das gerade Du, als bedeutender Zeitzeuge, wieder den Weg hierher zurück gefunden hast. Ich hoffe dann demnächst viel mehr von Dir zu lesen.


Was ich zu sagen hatte habe ich gesagt, nun fürchte ich das allerletzte Wort. Der Sprache Ohnmacht hat mich oft geplagt, doch Trotz und Hoffnung gab ich niemals fort! Mir scheint die Welt geht aus den Fugen bringt sich um, die vielen Kriege zählt man schon nicht mehr. Auch dieses neue große Deutschland macht mich stumm, der Zorn der Worte und die Wut wird mehr. Die Welt stirbt leise stilles Schreien hört man nicht, es hilft kein Weinen und man sieht's nicht im Gesicht. Wer einen Menschen rettet rettet so die Welt, am Ende überleben wir uns doch. Nur wir bestimmen wann der letzte Vorhang fällt, still und leise verlassen wir die Welt!

Macht es gut Freunde!
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#59

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 04.05.2012 16:58
von KID | 234 Beiträge

Eine interessante Anekdote hatte ich ja vergessen: Die Polsterei und die Tischlerei waren Vorzeigeobjekte der Kommandantura. Auf dem Stuetzpunkt Fort Leavenworth studierten auch auslaendische Offiziere auf der Commanding General Staff College (CGSC). Zur Einweisung gehoerte auch ein Besuch des Armeegefaengnisses und dessen 'Vorzeigeobjekte'. Ich habe es noch in Erinnerung, als im Fruehjahr 1993 eine Gruppe russische und ukrainische Offiziere uns kurz in der Werkstatt besuchten. Wir hatten die strikte Einweisung erhalten, keinerlei Kontakt mit den Offizieren aufzunehmen: Kopf runter und na rabotu, hiess es. Als die Russen vor mir standen, fragte einer, was das wohl fuer Gefangene seien. Von mir kam nur die Worte des Liedes 'Schego Nachinaetsya Rodina?' (Wo faengt die heimat an?). Er hat es blitzschnell begriffen (die Aufseher auch), und sie wurden wieder schnell aus der Werkstatt gefuehrt.


zuletzt bearbeitet 04.05.2012 17:29 | nach oben springen

#60

RE: Häftlingsarbeit - Arbeitseinsatz von Strafgefangenen

in Leben in der DDR 04.05.2012 17:26
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von KID
... (die Aufseher auch), ...


Meinste?
Der Vierteiler 'Щит и меч' dürfte nicht sooo zu dem Filmcanon eines durchschnittlichen Nordamerikaners zählen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 04.05.2012 17:26 | nach oben springen


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