#821

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 14.02.2016 17:09
von TOMMI | 1.988 Beiträge

@Zange

Verfassung des Landes Hessen, Artikel 21:
"Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden worden, so können ihn auf Grund der Strafgesetze durch richterliches Urteildie Freiheit und die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen oder beschränkt werden. Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden. Die Strafe richtet sich nach der Schwere der Tat. Alle Gefangenen sind menschlich zu behandeln."


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#822

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 14.02.2016 22:51
von SET800 | 3.104 Beiträge

Eisenbahnunfall in Leipzig 15.05.1960, Gerichtsverfahren schwere Zuchthausstrafe, Berufung andere Tatwürdigung, geringere Strafe. Ist das Rechtsstaat oder Unrechtsstaat?

https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_von_Leipzig



Der Unfall wurde vor einer Leipziger Strafkammer verhandelt, der auch zwei Eisenbahner als Schöffen angehörten. Das Gericht stufte das Verhalten der Stellwerksmitarbeiter als vorsätzliche Transportgefährdung ein. In der Konsequenz wurden in einem Urteil am 16. Dezember 1960 langjährige Zuchthausstrafen verhängt. Dies waren für den Signalwärter 15 und den Weichenwärter vom Stellwerk W7 12 Jahre. Der Fahrdienstleiter erhielt 10 Jahre und sein Helfer 8 Jahre. Beide waren Mitarbeiter im Stellwerk B 3. In der Berufung folgte das Oberste Gericht der DDR diesem Urteil nicht. Es erkannte auf Fahrlässigkeit durch nachlässige Dienstausübung. Entsprechend wurden die Strafmaße erheblich herabgesetzt. Es wurden auch keine Zuchthaus-, sondern nur noch Gefängnisstrafen ausgesprochen. Signal- und Weichenwärter erhielten je 5 Jahre Freiheitsstrafe, der Fahrdienstleiter 3 und sein Helfer 2 Jahre.



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#823

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 14.02.2016 23:27
von thomas 48 | 3.574 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #800
Nun, wäre tatsächlich alles so abgelaufen, wie es in der Verfassung stand, es wäre wohl nichts zu bemängeln gewesen.
Tatsächlich war es doch so, dass sich der Staat DDR nicht an die eigenen Gesetze hielt. Ein spezielles Machtorgan, dessen
Aufgabe es war, über die Verfassung zu wachen, wurde teilweise dazu eingesetzt, gegen bestimmte Bestimmungen daraus zu verstoßen.
Dazu ist zu bemerken, dass die DDR insgesamt 3 Verfassungen hatte. Die erste von 1949 wies sogar Ähnlichkeiten zum westdeutschen
Grundgesetz auf. Abgesehen gegen den fortlaufenden Verstoß gegen die Grundrechte schaffte man 1952 die Länder ab und ersetzte sie
durch Bezirke, obwohl die 49er Verfassung die Länder vorsah. Außerdem verlangte die Verfassung als Staatsoberhaupt einen Präsidenten.
Doch nach dem Tode des ersten und einzigen Präsidenten Wilhelm Pieck wurde dieses Amt entgegen der Verfassung zugunsten eines
Staatsrates abgeschafft. Erst 1968 kam eine neue Verfassung, die den neuen Verhältnissen in etwa entsprach. Die 3.Verfassung kam 1974, die der von 1968 bis auf einige Einzelheiten (die wichtigste, der Begriff "Deutsche Nation" verschwand) ähnelte. Bevor jetzt jemand mit dem Zeigefinger auf die heutigen Verhältnisse zeigt: Ja, auch heute wird reihenweise gegen die Verfassung verstoßen.
Also: Wo fängt der Unrechtsstaat an und hört der Rechtsstaat auf bzw. umgedreht?

Hast völlig recht.
Konntest du im normalen Buchhandel die Verfassung kaufen?


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#824

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 00:04
von StabsfeldKoenig | 2.649 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #822
Eisenbahnunfall in Leipzig 15.05.1960, Gerichtsverfahren schwere Zuchthausstrafe, Berufung andere Tatwürdigung, geringere Strafe. Ist das Rechtsstaat oder Unrechtsstaat?

https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_von_Leipzig



Der Unfall wurde vor einer Leipziger Strafkammer verhandelt, der auch zwei Eisenbahner als Schöffen angehörten. Das Gericht stufte das Verhalten der Stellwerksmitarbeiter als vorsätzliche Transportgefährdung ein. In der Konsequenz wurden in einem Urteil am 16. Dezember 1960 langjährige Zuchthausstrafen verhängt. Dies waren für den Signalwärter 15 und den Weichenwärter vom Stellwerk W7 12 Jahre. Der Fahrdienstleiter erhielt 10 Jahre und sein Helfer 8 Jahre. Beide waren Mitarbeiter im Stellwerk B 3. In der Berufung folgte das Oberste Gericht der DDR diesem Urteil nicht. Es erkannte auf Fahrlässigkeit durch nachlässige Dienstausübung. Entsprechend wurden die Strafmaße erheblich herabgesetzt. Es wurden auch keine Zuchthaus-, sondern nur noch Gefängnisstrafen ausgesprochen. Signal- und Weichenwärter erhielten je 5 Jahre Freiheitsstrafe, der Fahrdienstleiter 3 und sein Helfer 2 Jahre.


Das erstinztanzliche Gericht erkannte auf Grund von Dienstverfehlungen auf bedingten Tatvorsatz. Das Berufungsgericht hat dagegen Fahrlässigkeit, wenn auch in besonders schweren Fall gestgestellt. Das es eine Berufung gab, zeigt das die DDR bereits damals ein Rechtsstaat mit unabhängiger Justiz war.



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#825

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 00:08
von StabsfeldKoenig | 2.649 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #823
Zitat von TOMMI im Beitrag #800
Nun, wäre tatsächlich alles so abgelaufen, wie es in der Verfassung stand, es wäre wohl nichts zu bemängeln gewesen.
Tatsächlich war es doch so, dass sich der Staat DDR nicht an die eigenen Gesetze hielt. Ein spezielles Machtorgan, dessen
Aufgabe es war, über die Verfassung zu wachen, wurde teilweise dazu eingesetzt, gegen bestimmte Bestimmungen daraus zu verstoßen.
Dazu ist zu bemerken, dass die DDR insgesamt 3 Verfassungen hatte. Die erste von 1949 wies sogar Ähnlichkeiten zum westdeutschen
Grundgesetz auf. Abgesehen gegen den fortlaufenden Verstoß gegen die Grundrechte schaffte man 1952 die Länder ab und ersetzte sie
durch Bezirke, obwohl die 49er Verfassung die Länder vorsah. Außerdem verlangte die Verfassung als Staatsoberhaupt einen Präsidenten.
Doch nach dem Tode des ersten und einzigen Präsidenten Wilhelm Pieck wurde dieses Amt entgegen der Verfassung zugunsten eines
Staatsrates abgeschafft. Erst 1968 kam eine neue Verfassung, die den neuen Verhältnissen in etwa entsprach. Die 3.Verfassung kam 1974, die der von 1968 bis auf einige Einzelheiten (die wichtigste, der Begriff "Deutsche Nation" verschwand) ähnelte. Bevor jetzt jemand mit dem Zeigefinger auf die heutigen Verhältnisse zeigt: Ja, auch heute wird reihenweise gegen die Verfassung verstoßen.
Also: Wo fängt der Unrechtsstaat an und hört der Rechtsstaat auf bzw. umgedreht?

Hast völlig recht.
Konntest du im normalen Buchhandel die Verfassung kaufen?


Die Verfassung und alle wichtigen Gesetze (StGB, ZGB, ArbGB usw.), sowie das Gesetzblatt der DDR konnte man im Buchandel kaufen bzw. in öffentlichen Bibliotheken ausleihen und in Lesesälen einsehen. Darüberhinaus wurde die Verfassung mit Beginn des Staatsbürgerkundeunterricht jedem Schüler ausgehändigt.



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#826

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 09:51
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #825


Die Verfassung und alle wichtigen Gesetze (StGB, ZGB, ArbGB usw.), sowie das Gesetzblatt der DDR konnte man im Buchandel kaufen bzw. in öffentlichen Bibliotheken ausleihen und in Lesesälen einsehen. Darüberhinaus wurde die Verfassung mit Beginn des Staatsbürgerkundeunterricht jedem Schüler ausgehändigt.

Verfassung, Gesetzbücher und Gesetzblätter ect. waren käuflich erwerbbar, Gesetzblätter sogar im Abo zu beziehen.
Eine Fachbuchhandlung gab es z.Bsp. in der Neustädtischen Kirchstraße in Berlin.

Ab wann gab es denn die Verfassung zum Stabü-Unterricht ? Zu meiner Schulzeit jedenfalls nicht.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
zuletzt bearbeitet 15.02.2016 09:51 | nach oben springen

#827

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 10:10
von Moskwitschka | 2.531 Beiträge

Wahrscheinlich seit 1974

Verfassung der DDR (Okt. 1974) und Jugendgesetz (Jan. 1974) - Schulausgabe http://www.helle-panke.de/topic/7.antiqu...?productId=2702

Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#828

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 10:12
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Schade , zu früh zur Schule gegangen...
.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#829

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 10:21
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #828
Schade , zu früh zur Schule gegangen...
.



Siehe mein Beitrag # 797. Linkes oberes Foto. Überreicht zur Jugendweihe, allerdings nicht zu meiner, denn die war schon 1961.



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#830

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 10:21
von TOMMI | 1.988 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #827
Wahrscheinlich seit 1974

Verfassung der DDR (Okt. 1974) und Jugendgesetz (Jan. 1974) - Schulausgabe http://www.helle-panke.de/topic/7.antiqu...?productId=2702

Moskwitschka


Genau die hatte ich auch, war so 'ne rote Broschüre. Außerdem kam 1989, noch vor der Wende, ein Buch heraus, in welchem eine Sammlung deutscher Verfassungen abgedruckt war (die 3 DDR-Verfassungen, das Grundgesetz der BRD, die Verfassungen der Weimarer Republik, des Kaiserreiches, die Paulskirchenverfassung von 1848/49, einige Landesverfassungen sowie Gesetze der Nazis, die nach und nach die Weimarer Verfassung aufhoben)


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#831

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 10:25
von Moskwitschka | 2.531 Beiträge

Für @TOMMI habe ich mir mal die Mühe gemacht



Moskwitschka


„Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“

Kurt Tucholsky

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#832

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 10:53
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von TOMMI im Beitrag #830
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #827
Wahrscheinlich seit 1974

Verfassung der DDR (Okt. 1974) und Jugendgesetz (Jan. 1974) - Schulausgabe http://www.helle-panke.de/topic/7.antiqu...?productId=2702

Moskwitschka


Genau die hatte ich auch, war so 'ne rote Broschüre. Außerdem kam 1989, noch vor der Wende, ein Buch heraus, in welchem eine Sammlung deutscher Verfassungen abgedruckt war (die 3 DDR-Verfassungen, das Grundgesetz der BRD, die Verfassungen der Weimarer Republik, des Kaiserreiches, die Paulskirchenverfassung von 1848/49, einige Landesverfassungen sowie Gesetze der Nazis, die nach und nach die Weimarer Verfassung aufhoben)


Habe hier auch noch zwei dicke Wälzer stehen: Verfassung der DDR - Dokumente, Kommentare, Bd. I u II.



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#833

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 10:55
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #829
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #828
Schade , zu früh zur Schule gegangen...
.



Siehe mein Beitrag # 797. Linkes oberes Foto. Überreicht zur Jugendweihe, allerdings nicht zu meiner, denn die war schon 1961.


So geht es uns Frühgeborenen, mußten auf vieles verzichten. Zu meiner Jugendweihe 1963 gab es lediglich
das Buch "Weltall-Erde-Mensch".


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„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
DoreHolm und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.02.2016 10:56 | nach oben springen

#834

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 11:06
von Rostocker | 7.726 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #833
Zitat von DoreHolm im Beitrag #829
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #828
Schade , zu früh zur Schule gegangen...
.



Siehe mein Beitrag # 797. Linkes oberes Foto. Überreicht zur Jugendweihe, allerdings nicht zu meiner, denn die war schon 1961.


So geht es uns Frühgeborenen, mußten auf vieles verzichten.
Zu meiner Jugendweihe 1963 gab es lediglich
das Buch "Weltall-Erde-Mensch".


Der Satz ist gut--den wird sich wohl jede Generation stellen-wenn man älter geworden ist.


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#835

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 12:56
von Stringer49 | 700 Beiträge

Guten Tag,

Die Diskussion um das Wort « Unrechtsstaat » hat mich stets verwundert. Vor vielen Jahren habe ich das Wort « Polizeistaat » gelernt, aber es trifft gewiss nicht die D.D.R.

Ein Staat des Unrechts ? Warum sind verschiedene Niveau der deutschen Jurisprudenz nur in einzelnen Fällen der Anklage der Rechtsbeugung gefolgt ? Dieser Antagonismus zwischen dem Wort und der Realität hat mich stets verwundert.
Das eigentliche Problem ist weitaus subtiler. Die Verfassung ist wie jede andere Rechtsnorm hierarchisch aufgebaut. Der Artikel 1 fixiert die führende Rolle der S.E.D. innerhalb der politischen Organisation (sic!) welche die D.D.R. ist (1974) , so sind alle folgenden Artikel diesem ersten Artikel unterworfen.

Wie Mampel schreibt, sist die Pressefreiheit oder Die Redefreiheit ein « Tochterrecht » aus diesem ersten Artikel. Wenn also die freie Rede die führende Position der S.E.D. in Frage stellt, ist der Akt verfassungsfeindlich. So ist es folgerichtig die untergeordneten Rechtsnormen darauf auszurichten (Strafrecht).

«Artikel 27. 1 Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern.» (1974) Grundsatz prioritär (Hierarchie) ist Artikel 1, ihm muss die Meinung folgen.

Ich darf auch an den Artikel 6, Satz 2 erinnern. Eine Kritik an der Sovietunion, geäussert in der freien Rede, (Artikel 27, also untergeordnet), ist ebenso verfassungswidrig.

Interessant ist das Verbot des Sputnik - es darf diskutiert werden, ob es verfassungskonform war.

Ich bin neugierig zu wissen, ob und welchen Platz Beccaria in der juristischen D.D.R. besetzte. Ich meine, dans Henrich in seinem hervorragenden Werk « Der vermundschaftliche Staat » auf Beccaria Bezug nahm.

Ich schreibe das nicht ohne Grund: Die Orientierung des Obersten Gerichts schafften (z. B. Ausreiseproblematik) eine Rechtsnorm, welche den von der D.D.R. angeklagten Straftätern verborgen blieb, sie sollten nicht einmal wissen, dass eine solche Norm existierte.

Die sogenannten « Kaderakten » waren nach dem Beschluss des Ministerrates vom 22.8.1977: „Ordnung zur Führung von Personalakten“ zu einem weitesgehend geheimen Dossier geworden, so scheint mir. Der Interessierte konnte nicht mehr wissen, was in diese Akte über ihn hineingegeben wurde. Er konnte so nicht dagegen protestieren. Wer oder was wurde hier vor wem geschützt / verborgen ? Ich meine Auch, dass der D.D.R.-Bürger nicht wissen sollte, dass dieser (reglementäre Akt, Akt der Executive) bestand. Oder ?

Ein letztes Wort zum Unrecht im Recht. Auch in unserem Teil Europas hat es Unrecht gegeben. Frank Arnau hat sich damit sehr tiefgehend beschäftigt. Einige Bücher von ihm wurden auch in der D.D.R. veröffentlicht.

Was wäre mit einem ostdeutschen Arnau geschehen ? Henrich ? Das Problem des Staats- und Rechtswesens der D.D.R. ist, ich sagte es, weitaus subtiler und erlaubt m. E. nicht von Unrechtsstaat oder Polizeistaat zu sprechen.

Ich kann die milden Urteile, die Bestätigung von D.D.R. durch die deutsche Justiz und die faktische Straffreiheit beklagen, aber wenn ich einem « Rechtsstaat » verpflichtet bin, so muss ich dessen Regeln akzeptieren - sonst erreiche ich, was ich kritisiere - mit dem Wort « Unrechtsstaat ».
Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#836

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 14:50
von matloh | 1.204 Beiträge

Geht es bei dem Begriff "Unrechtsstaat" nicht primär um Gewaltentrennung?

Was konnte man tun, wenn sich der Staat nicht an die Verfassung oder an Gesetze hielt?
=> Gab es einen Verfassungsgerichtshof den man anrufen konnte?
=> Gab es einen Verwaltungsgerichtshof den man anrufen konnte?
=> Konnte man den Staat klagen?
=> Wohin konnte man sich wenden, wenn man meinte Unrecht durch den Staat (bzw. seiner Institutionen) zu erfahren?

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#837

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 15:57
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #836
Geht es bei dem Begriff "Unrechtsstaat" nicht primär um Gewaltentrennung?

Was konnte man tun, wenn sich der Staat nicht an die Verfassung oder an Gesetze hielt?
=> Gab es einen Verfassungsgerichtshof den man anrufen konnte?
=> Gab es einen Verwaltungsgerichtshof den man anrufen konnte?
=> Konnte man den Staat klagen?
=> Wohin konnte man sich wenden, wenn man meinte Unrecht durch den Staat (bzw. seiner Institutionen) zu erfahren?

cheers matloh


Formal gab es eine Gewaltenteilung, Jean-Jacques Rousseau hatte einen Platz in den Geschichts-Lehrbüchern der D.D.R.

Aber diese Institutionen, welche Du nennst, waren nicht notwendig, denn in der ml-Ideologie waren Staat und Volk in Harmonie, der Staat war das Volk - unter Fûhrung der Partei. Wer dies anzweifelte ...

Ab 1988 findet sich in der juristischen Literatur der D.D.R. das Verwaltungsgerichtsverfahren und das Wort « sozialistischer Rechtsstaat » (sic!)

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#838

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 15:59
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
ich übersetze es anders, die historische Katastrophe vom 30.01.1933 solltte sich nicht wiederholen, es war nicht vorgesehen die Staatsform von dem SED-Demokratieverständniss weg zu einem Kapaitalismusmodell legal zu ermöglichen.

Im Übrigen hat auch unser Grundgesetz Ewigkeitsklauseln und mit dem Verfassungsgericht wird auch sichergestellt das es so bleibt wie es ist.

In der DDR war die Führung der SED öffentlich deklariert.

Hier die von Bertelsmann, Deutscher Bank und WallStreet aber nicht in Artikel gegossen.

Und wenn auch im Westen die Gefahr bestand zu echten Veränderungen, gar demokratisch in Wahlen, dann denkt an "Strategie der Spannung mit Bolongna", München Oktoberfest, Griechenlands Obristen, Stüzung von Franco und Salazar, Chile. nicht anders als Jaruselski in Polen, Ungarn 1956, Prag 1968 und Berlin 1953.....



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#839

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 16:08
von hotzel | 89 Beiträge

Was ist Recht und Unrecht, was Demokratie? Wohl doch nur Begriffe um die Macht der Mächtigen zu stützen! Ein Blick in die Welt und das Zeitgeschehen spricht Bände. Wer fragt die Völker? Niemand!



Heckenhaus, bürger der ddr und 1941ziger haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#840

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.02.2016 17:29
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

Zitat von hotzel im Beitrag #839
Was ist Recht und Unrecht, was Demokratie? Wohl doch nur Begriffe um die Macht der Mächtigen zu stützen! Ein Blick in die Welt und das Zeitgeschehen spricht Bände. Wer fragt die Völker? Niemand!


So gesehen nichts anderes wie beim Sozialismus.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
DoreHolm und Heckenhaus haben sich für diesen Beitrag bedankt
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