#721

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 14:35
von Hans | 2.166 Beiträge

Malzeit, Gemeinde...
Eh , Gerd--- Du meinst doch jetzt nicht ernsthaft , das § 249 und § 215 StGB (DDR) zu den politischen Straftaten zu zählen sind ? Sag nur einmal das Stichwort "Assi" und sofort springt jeder "politische" Dich an ! Und 215?
"Das Strafgesetzbuch der DDR kannte ab 1968 den Straftatbestand des Rowdytums. § 215 (Rowdytum), Abs. 1 StGB(DDR) lautete:

Wer sich an einer Gruppe beteiligt, die aus Mißachtung der öffentlichen Ordnung oder der Regeln des sozialistischen Gemeinschaftslebens Gewalttätigkeiten, Drohungen oder grobe Belästigungen gegenüber Personen oder böswillige Beschädigungen von Sachen oder Einrichtungen begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren "

Was bitte ist da politische Straftat ?
Wiki ist ja was schönes aber ersetzt nicht die eigene Meinung, auf die Du doch sicher Wert legst.

73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#722

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 16:03
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #721
Malzeit, Gemeinde...
Eh , Gerd--- Du meinst doch jetzt nicht ernsthaft , das § 249 und § 215 StGB (DDR) zu den politischen Straftaten zu zählen sind ? Sag nur einmal das Stichwort "Assi" und sofort springt jeder "politische" Dich an ! Und 215?
"Das Strafgesetzbuch der DDR kannte ab 1968 den Straftatbestand des Rowdytums. § 215 (Rowdytum), Abs. 1 StGB(DDR) lautete:

Wer sich an einer Gruppe beteiligt, die aus Mißachtung der öffentlichen Ordnung oder der Regeln des sozialistischen Gemeinschaftslebens Gewalttätigkeiten, Drohungen oder grobe Belästigungen gegenüber Personen oder böswillige Beschädigungen von Sachen oder Einrichtungen begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren "

Was bitte ist da politische Straftat ?
Wiki ist ja was schönes aber ersetzt nicht die eigene Meinung, auf die Du doch sicher Wert legst.

73 Hans

Ich denke mal, die Angabe dieser beiden Paragrafen bezieht sich auf den Begriff Gummiparagrafen
Das MfS konnte dir mittels dieser Paragrafen jeden gewünschten Strick drehen, also missliebige Personen unter Anklage stellen auch wenn keine konkreten Straftaten nachweisbar waren. Das ist politische Strafverfolgung .

P.s. Den 215 konntest du auf jede politische Demo anwenden oder nicht ? Musste nur illegal,also nicht genehmigt sein. Genehmigte Proteste als Demo gab es wohl nicht. So war jede Protestdemo gegen den Staat Rowdytum


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 15.11.2013 16:08 | nach oben springen

#723

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 16:13
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi, Gerd..
Das sind eben die Tücken, wenn bei Wiki einfach alles in einen Topf geworfen wird, geworfen werden soll-je nach Ersteller der "Wiki"
Gerade bei den beiden § ist das "einen Strick drehen".sicher nicht so einfach.
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
zuletzt bearbeitet 15.11.2013 16:13 | nach oben springen

#724

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 16:23
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ich würde den §249 nicht einfach so beiseite schieben, zumal sich nach der Wende er auch im Blickpunkt der Aufarbeitung war. Und das nicht ohne Grund.

Bis zu zwei Jahre Haft sah das DDR-Strafgesetzbuch für „asoziales Verhalten“ vor. Genau definiert war der Tatbestand des § 249 nicht. So konnten Unangepasste diszipliniert, aber auch sozial Auffällige und eigentlich eher therapiebedürftige Menschen weggesperrt werden. Auch Ausreiseantragsteller wurden kriminalisiert und manch Kleinkrimineller trotz eines geringfügigen Delikts zusätzlich nach diesem Paragraphen zu einer „richtigen“ Haftstrafe verurteilt.

Der § 249 des DDR-StGB war gerade wegen des unklaren Tatbestands und seiner vielfältigen Sanktionsmöglichkeiten hervorragend als Drohpotential geeignet. Die Norm war ein Instrument sozialer Entmündigung, das Gegenstück zur Verheißung der sozialen Rundumfürsorge.


http://www.horch-und-guck.info/hug/archiv/2008/heft-60/inh/

Es gab nach der Wende sogar Fälle von Rehabilitierung:

http://www.horch-und-guck.info/hug/archi.../heft-60/06012/

http://www.personen-suche-ddr.de/kontakt...9-stgb-der-ddr/

Und auch bei den Zwangsadoptionen spielte er eine nicht unwesentliche Rolle:

http://www.horch-und-guck.info/hug/archi.../heft-60/06011/

LG von der grenzgaengerin

EDIT Hier wurde das Thema auch schon einmal diskutiert Recht auf Arbeit oder Pflicht zur Arbeit in der DDR


zuletzt bearbeitet 15.11.2013 16:30 | nach oben springen

#725

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 17:31
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #713
Unrechtsstaat ist ein Kampfbegriff,um den kalten Krieg noch nachträglich zu gewinnen. Blöd nur, das es noch Millionen gibt, die es anders erlebt haben. Recht auf Bildung, Recht auf Arbeit.Konnte jeder Wahrnehmen.Und haben die DDR Bürger auch,ohne auf Erlaubnis irgendwelcher Rechthaber zu warten.


Es geht nicht nur darum, einen Krieg im Nachhinein zu gewinnen, der ist schon gewonnen, sondern es geht schlicht und ergreifend darum, tretmühlenartig den Menschen einzuhämmern, das diese andere Gesellschaftsidee etwas völlig Undenkbares ist, um den eigenen Status quo auf Ewigkeit zu zementieren.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


Wahlhausener und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#726

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 17:38
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend ,Gemeinde....
Jetzt habe ich mich durch deine Links gekämpft, Grenzgängerin . Insbesondere der Zweite hats in sich. (von der juristischen Seite aus) Allerdings bleibt auch danach der eine oder andere Haken hängen. Die Frage ist natürlich, wofür oder besser wogegen setzt man das Strafrecht ein .
Diesem Satz: Der § 249 des DDR-StGB war gerade wegen des unklaren Tatbestands und seiner vielfältigen Sanktionsmöglichkeiten hervorragend als Drohpotential geeignet. Die Norm war ein Instrument sozialer Entmündigung, das Gegenstück zur Verheißung der sozialen Rundumfürsorge. würde ich sogar zustimmen wenn da nicht das Grüne Wort währe.( Ich hoffe mal, das einfärben ist gelungen) Unklar ist das (Jur. gesehen) nicht , allerdings könnte man dehnbar dazu sagen. Wie zu so vielen.Gesetze und Paragrafen haben nämlich immer ein "Drohpotenzial". Aber Du hast ja recht, ist schon recht ausgiebig beackert worden. Und eigendlich gehts hier ja um Befindlichkeiten, um das Wahrnehmen des Rechtsstaates durch den Menschen, den Bürger im Alltag.Und da interresiert den Bürger wohl sein geklautes Fahrrad mehr als als "Rechts-bzw. Unrechtsstaat." Hab ich oft genug erlebt und kann ich auch verstehen.
73 Hans


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#727

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:03
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #713
Unrechtsstaat ist ein Kampfbegriff,um den kalten Krieg noch nachträglich zu gewinnen. Blöd nur, das es noch Millionen gibt, die es anders erlebt haben. Recht auf Bildung, Recht auf Arbeit.Konnte jeder Wahrnehmen.Und haben die DDR Bürger auch,ohne auf Erlaubnis irgendwelcher Rechthaber zu warten.


Rot: Noch gibt es die Zeitzeugen. Wie es unter dem Kaiser oder dem Zaren oder noch früher war, kann uns keiner mehr aus eigenem Erleben berichten. So wird es auch mit der DDR-Geschichte sein, wenn wir mal alle tot sind. Je nach politischer Konstellation hat es dann kein Recht auf Arbeit und Bildung gegeben, dann war es Zwang zur Arbeit Bildung u.s.w. Und die meisten dann Lebenden ohne Opa/Oma-Erinnerungen werden´s glauben.



4.Zug 4.Kompanie GAR-40 und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#728

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:11
von Diskus303 | 485 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #721
Malzeit, Gemeinde...
Eh , Gerd--- Du meinst doch jetzt nicht ernsthaft , das § 249 und § 215 StGB (DDR) zu den politischen Straftaten zu zählen sind ? Sag nur einmal das Stichwort "Assi" und sofort springt jeder "politische" Dich an [/b]! Und 215?
"Das Strafgesetzbuch der DDR kannte ab 1968 den Straftatbestand des Rowdytums. § 215 (Rowdytum), Abs. 1 StGB(DDR) lautete:
Wer sich an einer Gruppe beteiligt, die aus Mißachtung der öffentlichen Ordnung oder der Regeln des sozialistischen Gemeinschaftslebens Gewalttätigkeiten, Drohungen oder grobe Belästigungen gegenüber Personen oder böswillige Beschädigungen von Sachen oder Einrichtungen begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren "
Was bitte ist da politische Straftat ?
Wiki ist ja was schönes aber ersetzt nicht die eigene Meinung, auf die Du doch sicher Wert legst.

73 Hans


Obwohl ich denke, zu wissen, was Du damit meinst
Assi vs. "politsche" (=andersdenkender)
bringt es der §249 in Absatz 3, Zitat:

[b]§ 249 des StGB der DDR
Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten:
doch ansatzweise auf den Punkt:
(3) Ist der Täter nach Absatz 1 oder wegen eines Verbrechens gegen die Persönlichkeit, Jugend und
Familie, das sozialistische, persönliche, oder private Eigentum, die allgemeine Sicherheit oder die
staatliche Ordnung bereits bestraft, kann auf Arbeitserziehung oder Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren erkannt werden.

geht man von den "Verhaltensnormen" in der DDR aus können doch (da) nur "sozialistische" Verhaltensnormen gemeint sein... , zumal sich ja die DDR seiner Zeit die "Sozialistische Gesellschaftordnung" zumindest als Zielsetzung auf die Fahne geschrieben hat. und spätestens(?) in der Strafrechtssprechung wird dann eben entsprechend argumentiert und strafmaßbemessen..
Und spätestens dann wird doch (fast) alles politisch...
Und was bedeutet schon (A)sozial ??, perse erstmal das Gegenteil von sozial. Und auch hier wirds kompliziert (?) Was sozial ist, ist doch auch kaum noch langzeitbeständig zu definieren.. weil es doch ständigen gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen ist.(heute mehr denn je, Stichwort Sozialstaat)


Gruß Axel
Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.11.2013 18:17 | nach oben springen

#729

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:12
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hans im Beitrag #726
Und eigendlich gehts hier ja um Befindlichkeiten, um das Wahrnehmen des Rechtsstaates durch den Menschen, den Bürger im Alltag.Und da interresiert den Bürger wohl sein geklautes Fahrrad mehr als als "Rechts-bzw. Unrechtsstaat." Hab ich oft genug erlebt und kann ich auch verstehen.



Mag sein, es kommt sowieso auf die Erfahrungen des einzelnen und damit auf den Standpunkt des Betrachters an.

Ein gestohlenes Fahrrad kann man ersetzen.

Meine schlechten Erinnerungen klaut komischerweise keiner. Will keiner haben. Dabei würde ich manches so gerne los werden, damit die guten Erinnerungen mehr Platz haben.

LG von der grenzgaengerin


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#730

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:20
von Hans | 2.166 Beiträge

Hi...
Würd ich ja gern-geht aber nicht. Was bleibt---ab und zu drüber reden, (manchmal hilfts-leider nicht immer)
Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#731

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:27
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #719
Zitat von DoreHolm im Beitrag #709
Zitat von studfri im Beitrag #705
Ein Staat in dem die Meinung Andersdenkender als "staatsfeindliche Hetze" im Strafgesetzbuch bezeichnet und sanktioniert wird, in dem das bloße Sprechen mit einem Journalisten als "ungesetzliche Verbindungsaufnahme" bezeichnet und kriminalisiert wird und in dem Menschen, die einfach nur ihr Recht auf informelle Selbstbestimmung und Freizügigkeit wahrnehmen wollen, mit Waffengewalt daran gehindert werden, diesem "Paradies" zu entfliehen......

wie anders will man diesen Staat bezeichnen?????




Studfri, dann hast Du wohl noch keine Probleme mit der Rechtsauslegung unserer freiheitlich-demokratischen Justiz gehabt ? Meine Erfahrungen sind die, daß sich der begriff "Unrechtsstaat! hier nur vom mehr politischen Gebiet auf das Zivilrecht verlagert hat und dieses macht jedem Bürger Probleme, wenn sein Verfahrensgegner zwar der Schädigende ist, aber den besseren Anwalt hat oder einem die eigene Vertrauensseligkeit auf die Füße fällt und nicht nur einigen sehr wenigen politischen Oppositionellen.
Aber dazu hatte ich in einem anderen Thread schon mal meinen Senf dazugegeben. Dieses hier ist ein Staat, den ich keinesfalls als Rechtsstaat im besten Sinne des Wortes betrachte und da komme mir auch keiner mit der Phrase, daß das der Preis für eine imaginäre Freiheit wäre.

Nachtrag zu Orange: Das muß Du mir mal zeigen, wo steht, daß die andere Meinung schon als "staatsfeindliche Hetze" im Strafgesetzbuch bezeichnet und sanktioniert wurde. Du bist doch juristisch bewanders ? Und da schreibst Du so einen Müll ?




@DoreHolm, hier mal der "Müll", den Wiki dazu schreibt mit Angabe konkreter Hausnummern (§§)

...im Bereich des politisch motivierten Strafrechts herrschte Willkür, insbesondere in den Jahren des Kalten Krieges. Typische Staatsdelikte mit großen Interpretationsspielräumen (umgangssprachlich „Gummiparagraph“) durch Richter und Staatsanwälte waren z. B. „Sabotage“, „staatsfeindlicher Menschenhandel“ bzw. „staatsfeindliche Hetze“ (§§ 104, 105, 106 DDR-StGB), „Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“ (§ 249 DDR-StGB)[8], „Rowdytum“ oder „ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ (§§ 215, 219 DDR-StGB).

Das Recht auf den gesetzlichen Richter war durch Polizei und Stasi manipulierbar durch den besonderen Gerichtsstand des Ortes der Untersuchungshaft. Höhere Gerichte hatten das Recht, jede Strafsache an sich zu ziehen, und öffentliche Geschäftsverteilungspläne waren an den Gerichten unbekannt.

Hast du bessere Fakten ?



Gert, daß Wiki mit etwas Vorsicht zu genießen ist, weißt Du sicher auch. Aber Du hast meine Zeilen wohl nur quergelesen ? Von studfri wurde "andere Meinung" geschrieben und nicht Aktionen gegen den Staat. Deshalb habe ich ein Problem damit wenn es heißt, es hat keine "Meinungsfreiheit" gegeben bzw. man ist für eine andere Meinung belangt worden. Das würde suggerieren, die Staatsmacht wäre in der Lage gewesen, Gedanken zu lesen.



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#732

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:32
von Hans | 2.166 Beiträge

Kurz zu Axel:
Familie, das sozialistische, persönliche, oder private Eigentum, die allgemeine Sicherheit oder die

Hier ist das aber nur die Eigentumsform-es gab drei -die gemeint ist.
Selbstverständlich ist "Recht" in der DDR -IMMER -sozialistisches Recht . Jeder Staat schafft sich das Recht -oder eben Unrecht- das er zum Erhalt seiner Gesellschaft braucht. Obs dann hilft oder Erfolgreich ist, entscheidet die Geschichte, und das ist ja im Fall DDR schon geschehen.
Aber -etwas neben dem Thema-obwohl das auch ne Rolle spielt---Wobei :Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat- da ist der 249 wohl in der Empfindlichkeit ganz weit hinten.
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
zuletzt bearbeitet 15.11.2013 18:34 | nach oben springen

#733

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:47
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Diskus303 im Beitrag #728
Zitat von Hans im Beitrag #721
Malzeit, Gemeinde...
Eh , Gerd--- Du meinst doch jetzt nicht ernsthaft , das § 249 und § 215 StGB (DDR) zu den politischen Straftaten zu zählen sind ? Sag nur einmal das Stichwort "Assi" und sofort springt jeder "politische" Dich an [/b]! Und 215?
"Das Strafgesetzbuch der DDR kannte ab 1968 den Straftatbestand des Rowdytums. § 215 (Rowdytum), Abs. 1 StGB(DDR) lautete:
Wer sich an einer Gruppe beteiligt, die aus Mißachtung der öffentlichen Ordnung oder der Regeln des sozialistischen Gemeinschaftslebens Gewalttätigkeiten, Drohungen oder grobe Belästigungen gegenüber Personen oder böswillige Beschädigungen von Sachen oder Einrichtungen begeht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren "
Was bitte ist da politische Straftat ?
Wiki ist ja was schönes aber ersetzt nicht die eigene Meinung, auf die Du doch sicher Wert legst.

73 Hans


Obwohl ich denke, zu wissen, was Du damit meinst
Assi vs. "politsche" (=andersdenkender)
bringt es der §249 in Absatz 3, Zitat:

[b]§ 249 des StGB der DDR
Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten:
doch ansatzweise auf den Punkt:
(3) Ist der Täter nach Absatz 1 oder wegen eines Verbrechens gegen die Persönlichkeit, Jugend und
Familie, das sozialistische, persönliche, oder private Eigentum, die allgemeine Sicherheit oder die
staatliche Ordnung bereits bestraft, kann auf Arbeitserziehung oder Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren erkannt werden.

geht man von den "Verhaltensnormen" in der DDR aus können doch (da) nur "sozialistische" Verhaltensnormen gemeint sein... , zumal sich ja die DDR seiner Zeit die "Sozialistische Gesellschaftordnung" zumindest als Zielsetzung auf die Fahne geschrieben hat. und spätestens(?) in der Strafrechtssprechung wird dann eben entsprechend argumentiert und strafmaßbemessen..
Und spätestens dann wird doch (fast) alles politisch...
Und was bedeutet schon (A)sozial ??, perse erstmal das Gegenteil von sozial. Und auch hier wirds kompliziert (?) Was sozial ist, ist doch auch kaum noch langzeitbeständig zu definieren.. weil es doch ständigen gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen ist.(heute mehr denn je, Stichwort Sozialstaat)




Rot:: Wenn ich mich so daran erinnere, was für Typen wir in unserer Firma zeitweise beschäftigten, entweder selbst beworben oder zugewiesen bekommen und was für Sprüche die manchmal losgelassen habe, ohne daß sie gleich wieder ein gefahren sind, dann kann ich nur sagen, daß die ganze Sache mit den "sozialistischen Verhaltensnormen" weitaus lockerer gehandhabt wurde als uns hier glauben gemacht werden soll. Da mußte schon einiges mehr passieren, bevor jemand einrücken mußte. Das wird sicher in den 50er Jahren anders, rigoroser gewesen sein als in den 60ern und wieder anders als den 70er und erst recht den 80er Jahren. Es ist also eine unzulässige Verallgemeinerung, hier von den frühen Jahren auf spätere Zeiten zu schließen. Da ging es auch in den 50ern in der BRD anders zu als in den 80ern und Beispiele für Veränderungen kann man in jedem Land finden. Wer bringt denn heute noch das moderne China mit dem Mao-Kult zu Zeiten der "Kulturrevolution" in Verbindung ?



Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.11.2013 18:49 | nach oben springen

#734

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hans im Beitrag #732
Wobei :Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat- da ist der 249 wohl in der Empfindlichkeit ganz weit hinten.



Die Stigmatisierung ist aber geblieben. Wahrscheinlich, weil es sehr einfach ist, jemanden in eine soziale Schublade zu stecken. Das haben Ost und West komischerweise gemeinsam.

LG von der grenzgaengerin


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#735

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 18:52
von Hans | 2.166 Beiträge

Ja, (Eigentlich müßte man das ganz groß schreiben) Stimmt. leider.
Aber ich hab da noch so ein wenig Hoffnung.
88 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#736

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 19:11
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #733
Wenn ich mich so daran erinnere, was für Typen wir in unserer Firma zeitweise beschäftigten, entweder selbst beworben oder zugewiesen bekommen und was für Sprüche die manchmal losgelassen habe, ohne daß sie gleich wieder ein gefahren sind, dann kann ich nur sagen, daß die ganze Sache mit den "sozialistischen Verhaltensnormen" weitaus lockerer gehandhabt wurde als uns hier glauben gemacht werden soll.


Dore, das sind Deine Erfahrungen. Meine sind, dass man mir mehr als einmal entgegengeschleudert wurde, dass ich erst mal arbeiten lernen soll, bevor ich das Maul aufmache. Oder, das ich eine gesellschaftliche NULL sei. Tolle Motivation durch ein sozialistisches Arbeitskollektiv.

Als ich nach Monaten nach meiner "Zuführung" vorsichtig begann über die Gründe meiner Zuführung zu erzählen, war ich bei der Arbeitklasse erst recht durch. Schön blöd, dass Du das Maul aufgemacht hast. Mach uns aber hier keinen Ärger. Mit ehemlas "kriminellen" hat man schneller eine gemeinsame Sprache gefunden.

Ich will die Zeit nicht missen. Irgendwo habe ich schon mal geschrieben. Es ist das beste was mir passieren konnte - der Arbeiterklasse aufs Maul schauen. Und deren Probleme und Ansichten waren meilenweit entfernt von der entwickelten sozialistischen Gesellschaft.

LG von der grenzgaengerin


Hans und Hapedi haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#737

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 19:22
von Diskus303 | 485 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #733
Zitat von Diskus303 im Beitrag #728
Zitat von Hans im Beitrag #721

...
...
73 Hans


Obwohl ich denke, zu wissen, was Du damit meinst
Assi vs. "politsche" (=andersdenkender)
bringt es der §249 in Absatz 3, Zitat:

§ 249 des StGB der DDR
Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten:
doch ansatzweise auf den Punkt:
(3) Ist der Täter nach Absatz 1 oder wegen eines Verbrechens gegen die Persönlichkeit, Jugend und
Familie, das sozialistische, persönliche, oder private Eigentum, die allgemeine Sicherheit oder die
staatliche Ordnung bereits bestraft, kann auf Arbeitserziehung oder Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren erkannt werden.

geht man von den "Verhaltensnormen" in der DDR aus können doch (da) nur "sozialistische" Verhaltensnormen gemeint sein... , zumal sich ja die DDR seiner Zeit die "Sozialistische Gesellschaftordnung" zumindest als Zielsetzung auf die Fahne geschrieben hat. und spätestens(?) in der Strafrechtssprechung wird dann eben entsprechend argumentiert und strafmaßbemessen..
Und spätestens dann wird doch (fast) alles politisch...
Und was bedeutet schon (A)sozial ??, perse erstmal das Gegenteil von sozial. Und auch hier wirds kompliziert (?) Was sozial ist, ist doch auch kaum noch langzeitbeständig zu definieren.. weil es doch ständigen gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen ist.(heute mehr denn je, Stichwort Sozialstaat)



Rot:: Wenn ich mich so daran erinnere, was für Typen wir in unserer Firma zeitweise beschäftigten, entweder selbst beworben oder zugewiesen bekommen und was für Sprüche die manchmal losgelassen habe, ohne daß sie gleich wieder ein gefahren sind, dann kann ich nur sagen, daß die ganze Sache mit den "sozialistischen Verhaltensnormen" weitaus lockerer gehandhabt wurde als uns hier glauben gemacht werden soll. Da mußte schon einiges mehr passieren, bevor jemand einrücken mußte. Das wird sicher in den 50er Jahren anders, rigoroser gewesen sein als in den 60ern und wieder anders als den 70er und erst recht den 80er Jahren. Es ist also eine unzulässige Verallgemeinerung, hier von den frühen Jahren auf spätere Zeiten zu schließen. Da ging es auch in den 50ern in der BRD anders zu als in den 80ern und Beispiele für Veränderungen kann man in jedem Land finden. Wer bringt denn heute noch das moderne China mit dem Mao-Kult zu Zeiten der "Kulturrevolution" in Verbindung ?

Hallo @DoreHolm,
es ging hier aber gerade um den "Umkehrschluß" (siehe #719, 721, 722 fortfahrend)
wie schnell konnte es gehen, daß ein eigentlich bodenständiger arbeitssamer (und eben nicht straffällig gewordener) Bürger durch politisierte Anwendung diverser Paragraphen "kriminalisiert" wurde.
Aus meinem pers. Freundeskreis kann ich sagen, das ein Leiter einer Fernheizkraftwerkes nach bloßer Antragstellung auf "ständige Ausreise aus der DDR"(also der völlig legale und seinerzeit gesetzeskonforme Weg, die DDR Richtung BRD verlassen zu wollen) seines Postens enthoben wurde und fortan "Gabelstapler fuhr und Hof kehrte..." Hier kam es allerdings nicht zur Anwendung des(r) genannten Paragraphen, sondern man erledigte dies auf dem "kleinen innerbetrieblichen Dienstweg"...


Gruß Axel
Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.11.2013 19:24 | nach oben springen

#738

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 19:25
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #736
Zitat von DoreHolm im Beitrag #733
Wenn ich mich so daran erinnere, was für Typen wir in unserer Firma zeitweise beschäftigten, entweder selbst beworben oder zugewiesen bekommen und was für Sprüche die manchmal losgelassen habe, ohne daß sie gleich wieder ein gefahren sind, dann kann ich nur sagen, daß die ganze Sache mit den "sozialistischen Verhaltensnormen" weitaus lockerer gehandhabt wurde als uns hier glauben gemacht werden soll.


Dore, das sind Deine Erfahrungen. Meine sind, dass man mir mehr als einmal entgegengeschleudert wurde, dass ich erst mal arbeiten lernen soll, bevor ich das Maul aufmache. Oder, das ich eine gesellschaftliche NULL sei. Tolle Motivation durch ein sozialistisches Arbeitskollektiv.

Als ich nach Monaten nach meiner "Zuführung" vorsichtig begann über die Gründe meiner Zuführung zu erzählen, war ich bei der Arbeitklasse erst recht durch. Schön blöd, dass Du das Maul aufgemacht hast. Mach uns aber hier keinen Ärger. Mit ehemlas "kriminellen" hat man schneller eine gemeinsame Sprache gefunden.

Ich will die Zeit nicht missen. Irgendwo habe ich schon mal geschrieben. Es ist das beste was mir passieren konnte - der Arbeiterklasse aufs Maul schauen. Und deren Probleme und Ansichten waren meilenweit entfernt von der entwickelten sozialistischen Gesellschaft.

LG von der grenzgaengerin



Grün: Hatte es schon mal woanders geschrieben. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß es in unserer Firma liberaler zuging als in einigen, vor allem größeren Firmen mit hauptamtlichen Funktionären in SED, FDJ und FDGB. Mit unseren ca. 200 Beschäftigten, hoher Warenproduktion wertmäßig mit viel Importrohstoffen waren wir nun auch nicht unbedingt eine kleine Klitsche.
Als weiteres kann ich nicht so recht glauben, daß dieses "sozialistische Arbeitskollektiv" so geschlossen 150%ig auftrat oder haben sich da nur eine Wenige hervorgetan, die meinten Dir zeigen zu müssen, wie man sich zu verhalten hat ?



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#739

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 19:41
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #732
Kurz zu Axel:
Familie, das sozialistische, persönliche, oder private Eigentum, die allgemeine Sicherheit oder die

Hier ist das aber nur die Eigentumsform-es gab drei -die gemeint ist.
Selbstverständlich ist "Recht" in der DDR -IMMER -sozialistisches Recht . Jeder Staat schafft sich das Recht -oder eben Unrecht- das er zum Erhalt seiner Gesellschaft braucht. Obs dann hilft oder Erfolgreich ist, entscheidet die Geschichte, und das ist ja im Fall DDR schon geschehen.
Aber -etwas neben dem Thema-obwohl das auch ne Rolle spielt---Wobei :Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat- da ist der 249 wohl in der Empfindlichkeit ganz weit hinten.
73 Hans


An dieser Stelle möchte ich mal kurz einwerfen, daß es in meinem Lehrberuf ein Unterrichtsfach "Sozialistisches Recht" gab, das war eines der interessantesten Erinnerungen an meine Lehrzeit, weil der Lehrer an der BBS der Rbd Halle ein promovierter Rechtsgelehrter war.
Dr. S. brachte gelegentlich Fälle aus der Praxis in den Unterricht ein, wenngleich es überwiegend ums Große ging, wie Besitzverhältnisse und Verantwortung für das Volksvermögen.
Aber auch das Recht auf Ehekredite und weitere sozialpolitische Maßnahmen kamen zur Sprache und es gab erstaunlicherweise nur ganz wenige Noten, daran erinnere ich mich noch sehr gut, ich glaube wir schrieben im Jahr nur eine oder zwei Arbeiten.
Leider weiß ich nicht, ob dieses Fach Standard im Ausbildungswesen der DDR war und ob das auch auf der EOS (Erweiterte Oberschule...10.-12. Klasse zu meiner Zeit) gelehrt wurde.
Es gab auch nach meiner Erinnerung Ratgeberliteratur für Rechtsangelegenheiten relativ leicht zu kaufen, die waren zumindest immer als Buchprämien für FDJ- Kollektivmitglieder gern gesehen und in größeren Stückzahlen im Handel verfügbar, mithin auch ein kleiner Indikator für den Rechtsstaat.



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#740

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 15.11.2013 19:53
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #738

Als weiteres kann ich nicht so recht glauben, daß dieses "sozialistische Arbeitskollektiv" so geschlossen 150%ig auftrat oder haben sich da nur eine Wenige hervorgetan, die meinten Dir zeigen zu müssen, wie man sich zu verhalten hat ?


Dore, da hast Du mich missverstanden. Die Leute wollten einfach ihre Ruhe haben und keinen Querschläger, die vielleicht noch spinnerte theoretische sozialistische Flausen im Kopf hat, die ihr beim Studium von M/L und Parteitagsdokumenten einbeleut wurden. Wie zum Beispiel - "Jeder liefert jedem Qualität". Nach dem ersten Versuch hat mich der Meister, kein Genosse, aus der Schusslinie genommen, und ins Meisterbüro als Werkstattschreiberin zur Berechnung der Bruttolöhne versetzt. Auch wieder ein Glücksfall, der meine weitere berufliche Entwicklung bestimmt hat.

So ein Glück hatte nicht jeder.

LG von der grenzgaengerin


DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.11.2013 19:54 | nach oben springen



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