#601

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 16:35
von Moskwitschka (gelöscht)
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Gert schreibt doch selbst:

Zitat von Gert im Beitrag #587
Ich habe es in meinem kurzen Arbeitsleben in der DDR selbst erlebt, da wurde aus einer halbstündigen Mittagspause schnell mal eine ganze Stunde, damit man z.B. das Skatspiel noch zu Ende bringen konnte.



Wo hast Du gearbeitet Gert? Ich will nicht bestreiten, dass es so etwas gab. Ich habe solche Erfahrungen nicht gemacht. In der Mittagspause bin ich eher in die nächste Kaufhalle gehechelt um ein frisches Brot zu ergattern, das abends kaum noch zu erhalten war. Und wehe, das hat 5 Minuten länger gedauert.

In Großbetrieben, ob am Band, an Spinn- oder Webmaschinen usw. war durch den Produktionsablauf selbst das nicht möglich. Wenn es durch die stockende Zulieferung zu Unterbrechungen kam, wurden Maschinen und der Arbeitsplatz geputzt.

"Verschwendung" von Arbeitszeit habe ich eher nach der Wende erlebt. Da wird stundenlang in Projektgruppen die Lösung von Problemen diskutiert, protokolliert und dokumentiert und anschließend durch das web gejagt, bis der letzte das Protokoll abgesegnet hat. Da kann man zur Kettenraucherin werden, bevor man loslegen kann. Die Lösung an sich, wenn sie endlich die Zustimmung aller gefunden hat, dauert in der Umsetzung im Extremfall nur Minuten. Das Problem ist heute eher, das keiner Verantwortung übernehmen will und sich nach allen Seiten absichert - Im weitesten Sinne "Rechtsicherheit" erlangen möchte.

Mag sein, dass es ein blödes aktuelles Beispiel ist. Aber unser heutiges Leben wird von nun mal von Dienstleistung und Beratung beherrscht.

LG von der grenzgaengerin


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#602

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 16:50
von DoreHolm | 7.690 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #591
Zitat von Rainman2 im Beitrag #588
Zitat von Gert im Beitrag #587
Zitat von DoreHolm im Beitrag #585
Zitat von Glaswand im Beitrag #584
Als ich geboren wurde gab es noch die vier Besatzungszonen.Weder DDR noch BRD existierten. Die Aufteilung Deutschlands war das Produkt des Krieges. Alle Bürger der ehemaligen DDR die auch heute noch von diesem System schwärmen,waren entweder überzeugte Kommunisten, oder wie sehr viele Von ihnen Bevorteilte des Systems. Offiziere, hohe Funktionäre oder MfS-Mitarbeiter hatten sicher Vorteile vom Staat, aber der normale DDR-Bürger nicht.
Man wurde doch schon als Kind zum heucheln und lügen erzogen.Wer seine ehrliche Meinung vertrat, bekam Probleme. Meine Mutter mußte z.B.
bei einem Elternabend in der Schule unterschreiben,daß ihr Sohn kein westliches Radio oder Fernsehen hört bzw,sieht. In welchem Land in Europa hat es sowas gegeben? Die wenigen guten Seiten dieses Staates wiegt das aber nicht auf. Ich durfte nie meine Tante In Frankfurt am Main besuchen.Mit welchem Recht.Wenn ich dann solche Artikel von einem Feliks lese,wird mir schlecht.Diese ewig gestrigen sollen schweigen, was sie zu sagen haben interessiert nur eine Minderheit. Und genau diese Minderheit bekommt noch heute glänzende Augen wenn von der DDR gesprochen wird. Mit Sicherheit ist auch heute nicht alles richtig und gut.aber wo gibt es das? Man darf auch nicht vergessen das vereinte Deutschland existiert ja auch erst 20 Jahre-es braucht eben alles seine Zeit.Außerdem verändert sich ja auch die Weltpolitik stets.Die Kommunisten hatten ihre Chance und wo haben sie sie genutzt?


Rot: Soso, alles hohe Funktionäre, Offiziere und Horch&Guck-Leute. Mann-oh-Mann, wenn ich da die Meinungen von Leuten höre, die in der DDR ganz normale Arbeiter und Angestellte waren, die zwar nicht von der DDR schwärmen, aber Vieles heute mit anderen Augen sehen als damals in der Wende- und Nachwendezeit, als es noch jede Menge Euphorie und Glauben in die Worte von Westpolitikern gab, dann muß dann wohl zumindest jeder Zweite einer der von Dir oben Genannten gewesen sein. Kennst Du die Ergebnisse zu Meinungsumfragen in Ostdeutschland an Ostdeutsche zur ehemaligen DDR ? Was meinst Du, woher die 20 -25% Wahlstimmen für die Linke kommen ?
Das Deine Mutter sowas wegen dem Westfernsehen unterschreiben mußte, scheint Dir noch ganz schön auf der Leber zu liegen. Solche Aktionen waren blanker Blödsinn, ausgedacht von m.E. von Übereifrigen in den Bezirksräten. Unterschreiben ist die eine Sache, was zu Hause passiert die andere und nun erzähle mir noch, daß sie eingesperrt worden wäre, wenn sie nicht unterschrieben hätte. Solche ähnlichen Aktionen gab es in den 50ern und Anfang der 60er noch

rot, @DoreHolm das können nur Leute sein, die von den 3000 DM Gehältern träumten und glaubten ansonsten geht der alte DDR Schlendrian weiter so. Ich habe es in meinem kurzen Arbeitsleben in der DDR selbst erlebt, da wurde aus einer halbstündigen Mittagspause schnell mal eine ganze Stunde, damit man z.B. das Skatspiel noch zu Ende bringen konnte.
Diese Leute sind mit einer falschen Erwartungshaltung in die Wende gegangen des halb mussten sie zwangsläufig enttäuscht werden.


Ach Jotteken,

da wird wieder mal alles durcheinandergeschmissen.

Die Tatsache, dass es schwer ist, die eigenen Wurzeln mit Dreck zu bewerfen oder beworfen zu sehen, bzw. die Tatsache, dass man sich u.U. von ihnen lösen muss, hat nicht vordringlich etwas mit Ideologie zu tun. Da spielt wesentlich mehr rein. Das ganze auf wenige Sätze oder Haltungen zu reduzieren ist schlicht und ergreifend Schwarz-Weiß-Malerei. Können wir mal den Schaum vom Mund wegwischen und uns normal über unsere Lebenswege austauschen? Ich habe es schon oft geschrieben, wiederhole mich aber gern:
- Ich bin nicht in kritischer Distanz zur DDR aufgewachsen, was nicht in erster Linie an den Ideologemen lag, sondern sich aus der Geschichte der Menschen ergab, bei denen aufzuwachsen ich das Glück hatte.
- @ Glaswand, ich war Offizier, aber ich hatte keine mir bekannten Privilegien. Das Geld? Nun ja, ich hatte inklusive meiner Urlaubstage weniger freie Tage, als der normale Arbeiter schon allein mit Wochenenden und Feiertagen. Statt dessen hat man mir immer wieder entgegengeschleudert: Dein einziges Privileg als Genosse ist es, voran zu gehen.
- @ Gert, ich bin ein bekennend fauler Hund und meine Mittagspausen ... damals und heute ... und trotzdem habe ich ein Gehalt ... naja, Berater eben. Und nun bin ich doch mit vielem unzufrieden. Heiliger Himmel, wie passt denn das nun in Dein Beispiel.

Also, richtige Lebensgeschichten erzählen, denn dieses Gedöns ist einfach nur lästig.

ciao Rainman


Gedöns hin, Gedöns her, die Wahrheit kann manchmal hart sein. Mein Beispiel ist auch nicht allgemeinverbindlich, nur mal so ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben in der größten und schönsten DDR der Welt. Ich habe andererseits 1965 sehr schnell gesehen, dass die Wessis auch nur mit Wasser kochen. Es war eben nur mehr Disziplin in der Arbeitsorganisation. Da war ein Chef und der sagte wo es lang geht und den gabs eben im VEB nicht. War alles Volkseigentum und so hat jeder seine eigenen Regeln in"seinem" Betrieb aufgestellt.




Grün: Gert, da sind wir mal einer Meinung. Es wurde ohne Hektik gearbeitet. Auch mal ein Fünf-Minuten-Schwatz über Außerdienstliches. Aber es wurden die Pausenzeiten eingehalten und Zielvorgaben wurden konsequenter verfolgt. Da fehlte in den meisten Firmen im Osten den Chefs ein bischen das Durchsetzungsvermögen und auch mal der Rückhalt durch die Gewerkschaft. Nichts gegen die Gewerkschaft, aber in der DDR war es m.E. nicht selten so, daß ein Bummelant oder Faulpelz erst mal in Schutzgenommen wurde. Deswegen hatte ich zu DDR-Zeiten auch schon mal die meinung geäußert, daß uns 2 oder 3 % Arbeitslose (die es eigentlich ohnehin schon gab) nicht schaden würden.



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#603

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 16:59
von DoreHolm | 7.690 Beiträge

Zitat von glasi im Beitrag #594
Über die Arbeitsmoral im Osten kann ich nichts sagen. Was aber der DDR Wirtschaft geschadet hat war meiner Meinung die veraltete Technik. Wurde überhabt mal was in euren Betrieben investiert? Wenn ich so manche farbrik gesehen habe viel die ja bald selbst zusammen.


Das kann man keinesfalls verallgemeinern. Die Betriebe mit hohem NSW-Exportanteil hatten sehr oft ziemlich moderne Technik, teilweise moderner als vergleichbare Westbetriebe. Das weiß ich aus der Möbelindustrie, in der mein Vater als Leiter tätig war und der mit westdeutschen Kunden zu tun hatte. Wenn ich unseren Betrieb mit dem in PS vergleiche, ebenfalls Lösungsmittel-Klebstoffe als Produkte, so wurde dort mit haargenau den gleichen Rührwerken gearbeitet wie wir. Besser war lediglich die Abfülltechnik, da elektronisch die Dosierung gesteuert, daß ja kein Gramm zu viel in die Behälter abgefüllt wurde. Bei meinen Kundenbesuchen in Westbetrieben, vor allem in der Schuh- und Lederwarenindustrie, wo ich eben zu tun hatte, gab es nicht selten noch einzelne Technik aus Kaisers Zeiten. Wenn jemand von der durchweg maroden Industrie im osten redet, weiß er nicht, wovon er spricht. Die gab es, klar, und auch nicht zu knapp, aber eben auch anders.



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zuletzt bearbeitet 01.09.2013 16:59 | nach oben springen

#604

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 17:26
von Commander | 1.055 Beiträge

Hallo Männers,
da ich nie in einen Industriebetrieb gearbeitet habe,kann ich nichts über starre Pausenzeiten sagen.Einzig in der LPG,am Anfang meines Arbeitslebens.Offiziell war von 12-13 Uhr Mittag.Eingerückt wurde 11.30 Uhr,ausgerückt 13.30 Uhr.Und schon waren es 2 Std.Pause.Viele mußten ja in ihrer privaten Landwirtschaft auch was tun.Viele nahmen auch den Spruch "Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr `rauszuholen" sehr ernst.Futtermittel aller Art wurden doch nicht gekauft,etwas fiel immer ab für die priv.Wirtschaft.
Als ich dann zur Wende in ein westd.Reisebüro ging,war ich erstaunt.Bei der Präsentation in meiner Stadt wurde mit dem modernsten aufgefahren,was die Busindustrie zu bieten hatte.(Neoplan"Spaceliner",480 PS).Im Reiseverkehr durfte ich diese Busse auch gleich bewegen.Aber in Bad M.,wo auch Linienverkehr betrieben wurde,sah das ganz anders aus.Reifen nachschneiden kannte ich.Aber nicht bei Bussen.Dort gang u. gäbe(auf der Hinterachse).Uralte AEG-Drucker taten ihren Dienst.Und die Fahrzeuge!Zu meiner Zeit wurden 2 gebrauchte Linienbusse(MB u.MAN) für jeweils 10.000,-DM gekauft.Die Dinger waren 12-15 Jahre alt u.so instandgehalten worden,das sie gerade durch den TÜV kamen.Wenn ich so ein Gerät lenken mußte,habe ich doch wehmütig an Kraftverkehrszeiten gedacht.Unsere Ikarus-Linienbusse waren um Längen besser.Aber der Chef sagte,wir müssen auf jeden(damals noch)Pfennig achten u.für die Linie reicht das.
Was solls,das Unternehmen gibt es heute noch,als Reisebüro,ohne Busse.
Schönen Sonntag,Gruß C.



zuletzt bearbeitet 01.09.2013 17:40 | nach oben springen

#605

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 18:48
von Pit 59 | 10.134 Beiträge

Offiziell war von 12-13 Uhr Mittag.Eingerückt wurde 11.30 Uhr,ausgerückt 13.30 Uhr.Und schon waren es 2 Std.Pause.@Commander

Richtig Commander,aber 13.30 Uhr zurück zur Arbeit gehen hat sich auch nicht gelohnt denn bei uns war 14.00Uhr kaffee Pause (Offiziell). Naja und von 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr hat man Feierabends Vorbereitungen gemacht.


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#606

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 19:07
von glasi | 2.815 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #605
Offiziell war von 12-13 Uhr Mittag.Eingerückt wurde 11.30 Uhr,ausgerückt 13.30 Uhr.Und schon waren es 2 Std.Pause.@Commander

Richtig Commander,aber 13.30 Uhr zurück zur Arbeit gehen hat sich auch nicht gelohnt denn bei uns war 14.00Uhr kaffee Pause (Offiziell). Naja und von 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr hat man Feierabends Vorbereitungen gemacht.

Herrlich. Habe sowas nie kennengelernt. Bei uns ist eine Minute vor der Stempeluhr stehen ein Verbrechen.



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zuletzt bearbeitet 01.09.2013 19:29 | nach oben springen

#607

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 19:41
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #601
Gert schreibt doch selbst:

Zitat von Gert im Beitrag #587
Ich habe es in meinem kurzen Arbeitsleben in der DDR selbst erlebt, da wurde aus einer halbstündigen Mittagspause schnell mal eine ganze Stunde, damit man z.B. das Skatspiel noch zu Ende bringen konnte.



Wo hast Du gearbeitet Gert? Ich will nicht bestreiten, dass es so etwas gab. Ich habe solche Erfahrungen nicht gemacht. In der Mittagspause bin ich eher in die nächste Kaufhalle gehechelt um ein frisches Brot zu ergattern, das abends kaum noch zu erhalten war. Und wehe, das hat 5 Minuten länger gedauert.

In Großbetrieben, ob am Band, an Spinn- oder Webmaschinen usw. war durch den Produktionsablauf selbst das nicht möglich. Wenn es durch die stockende Zulieferung zu Unterbrechungen kam, wurden Maschinen und der Arbeitsplatz geputzt.

"Verschwendung" von Arbeitszeit habe ich eher nach der Wende erlebt. Da wird stundenlang in Projektgruppen die Lösung von Problemen diskutiert, protokolliert und dokumentiert und anschließend durch das web gejagt, bis der letzte das Protokoll abgesegnet hat. Da kann man zur Kettenraucherin werden, bevor man loslegen kann. Die Lösung an sich, wenn sie endlich die Zustimmung aller gefunden hat, dauert in der Umsetzung im Extremfall nur Minuten. Das Problem ist heute eher, das keiner Verantwortung übernehmen will und sich nach allen Seiten absichert - Im weitesten Sinne "Rechtsicherheit" erlangen möchte.

Mag sein, dass es ein blödes aktuelles Beispiel ist. Aber unser heutiges Leben wird von nun mal von Dienstleistung und Beratung beherrscht.

LG von der grenzgaengerin






@Grenzgängerin,dazu ein aktuelles Beispiel von mir.

In unserer Firma ging eine große Abkantbank kaputt und es wurden Monteure aus Westfalen angefordert,da diese Maschine dort auch hergestellt wird.
Die kamen auch mit 2 Mann,bauten die Maschine auseinander und stellten fest,ein Teil ist defekt.Dauer der Aktion,ganze 4 Tage.
Endergebnis,das Teil muss bestellt werden und könnte in 2 Wochen eingebaut werden.Somit ein geldmäßiger Ausfall von rund 10.000 Euronen pro Tag.Dann gingen ein pfiffiger Schlosser und Elektriker von uns an die Sache(wohlgemerkt nach Feierabend)feilten,bohrten und frästen ein neues Teil und siehe da,nach acht Stunden lief unser Schnuckelchen wieder.Also es geht auch anders.So wie Glasi fragte,zwecks Investitionen,die waren oftmals nur Wunschdenken.Aber im improvisieren waren unsere Schlosser usw.absolute Weltmeister.Die Bude wurde immer irgendwie zum laufen gebracht.
Will damit zum Ausdruck bringen,das wir auch unter scheiß Bedingungen trotzdem weitergearbeitet haben und nicht nur die Pausen überzogen.Ich will hier auch nicht den Monteuren einen Vorwurf machen,die kennen es nicht anders,weil verwöhnt in der Teilebeschaffung.
Aber dieses Beispiel zeigt,das man durchaus noch was dazulernen kann,aus der maroden DDR.


Heckenhaus und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#608

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 19:43
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #605
Offiziell war von 12-13 Uhr Mittag.Eingerückt wurde 11.30 Uhr,ausgerückt 13.30 Uhr.Und schon waren es 2 Std.Pause.@Commander

Richtig Commander,aber 13.30 Uhr zurück zur Arbeit gehen hat sich auch nicht gelohnt denn bei uns war 14.00Uhr kaffee Pause (Offiziell). Naja und von 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr hat man Feierabends Vorbereitungen gemacht.


Warst du beim Rat der Stadt angestellt?


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#609

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 19:47
von Commander | 1.055 Beiträge

Ok Pit,
da lohnt sich wirklich nicht mehr,so richtig weiterzumachen! Zu meiner Ehrrettung sei gesagt,je nach Jahreszeit haben wir schon noch etwas gearbeitet!
Und Glasi,es gab sicher in der DDR-Industrie auch Stechuhren.Meine Frau hat im Karosseriewerk gearbeitet,da gab es m.W.keine Stechuhr,aber die Arbeitszeiten wurden eingehalten.Der Meister achtete schon darauf.

Gruß C.



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#610

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 19:58
von DoreHolm | 7.690 Beiträge

Zitat von Küchenbulle 79 im Beitrag #607
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #601
Gert schreibt doch selbst:

Zitat von Gert im Beitrag #587
Ich habe es in meinem kurzen Arbeitsleben in der DDR selbst erlebt, da wurde aus einer halbstündigen Mittagspause schnell mal eine ganze Stunde, damit man z.B. das Skatspiel noch zu Ende bringen konnte.



Wo hast Du gearbeitet Gert? Ich will nicht bestreiten, dass es so etwas gab. Ich habe solche Erfahrungen nicht gemacht. In der Mittagspause bin ich eher in die nächste Kaufhalle gehechelt um ein frisches Brot zu ergattern, das abends kaum noch zu erhalten war. Und wehe, das hat 5 Minuten länger gedauert.

In Großbetrieben, ob am Band, an Spinn- oder Webmaschinen usw. war durch den Produktionsablauf selbst das nicht möglich. Wenn es durch die stockende Zulieferung zu Unterbrechungen kam, wurden Maschinen und der Arbeitsplatz geputzt.

"Verschwendung" von Arbeitszeit habe ich eher nach der Wende erlebt. Da wird stundenlang in Projektgruppen die Lösung von Problemen diskutiert, protokolliert und dokumentiert und anschließend durch das web gejagt, bis der letzte das Protokoll abgesegnet hat. Da kann man zur Kettenraucherin werden, bevor man loslegen kann. Die Lösung an sich, wenn sie endlich die Zustimmung aller gefunden hat, dauert in der Umsetzung im Extremfall nur Minuten. Das Problem ist heute eher, das keiner Verantwortung übernehmen will und sich nach allen Seiten absichert - Im weitesten Sinne "Rechtsicherheit" erlangen möchte.

Mag sein, dass es ein blödes aktuelles Beispiel ist. Aber unser heutiges Leben wird von nun mal von Dienstleistung und Beratung beherrscht.

LG von der grenzgaengerin






@Grenzgängerin,dazu ein aktuelles Beispiel von mir.

In unserer Firma ging eine große Abkantbank kaputt und es wurden Monteure aus Westfalen angefordert,da diese Maschine dort auch hergestellt wird.
Die kamen auch mit 2 Mann,bauten die Maschine auseinander und stellten fest,ein Teil ist defekt.Dauer der Aktion,ganze 4 Tage.
Endergebnis,das Teil muss bestellt werden und könnte in 2 Wochen eingebaut werden.Somit ein geldmäßiger Ausfall von rund 10.000 Euronen pro Tag.Dann gingen ein pfiffiger Schlosser und Elektriker von uns an die Sache(wohlgemerkt nach Feierabend)feilten,bohrten und frästen ein neues Teil und siehe da,nach acht Stunden lief unser Schnuckelchen wieder.Also es geht auch anders.So wie Glasi fragte,zwecks Investitionen,die waren oftmals nur Wunschdenken.Aber im improvisieren waren unsere Schlosser usw.absolute Weltmeister.Die Bude wurde immer irgendwie zum laufen gebracht.
Will damit zum Ausdruck bringen,das wir auch unter scheiß Bedingungen trotzdem weitergearbeitet haben und nicht nur die Pausen überzogen.Ich will hier auch nicht den Monteuren einen Vorwurf machen,die kennen es nicht anders,weil verwöhnt in der Teilebeschaffung.
Aber dieses Beispiel zeigt,das man durchaus noch was dazulernen kann,aus der maroden DDR.




Grün: Und genau aus diesem Grund hat die Instandhaltungschefin in unserem Schwesterbetrieb in Pirmasens nach der Wende vornehmlich ostdeutsche Kraftfahrer für den Fuhrpark eingestellt. Die kannten nicht nur W 50, die warteten bei einer Panne nicht, bis der Service da ist, die reparierten selbst, wenn es reparabel war und der Truck rollte wieder und brachte der Firma Geld.



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#611

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 19:59
von DoreHolm | 7.690 Beiträge

Zitat von glasi im Beitrag #606
Zitat von Pit 59 im Beitrag #605
Offiziell war von 12-13 Uhr Mittag.Eingerückt wurde 11.30 Uhr,ausgerückt 13.30 Uhr.Und schon waren es 2 Std.Pause.@Commander

Richtig Commander,aber 13.30 Uhr zurück zur Arbeit gehen hat sich auch nicht gelohnt denn bei uns war 14.00Uhr kaffee Pause (Offiziell). Naja und von 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr hat man Feierabends Vorbereitungen gemacht.

Herrlich. Habe sowas nie kennengelernt. Bei uns ist eine Minute vor der Stempeluhr stehen ein Verbrechen.


Grün:
Sei froh, sonst wäre die BRD auch ganz schnell Pleite gegangen. Das war einer der größeren Sargnägel.



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#612

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 20:14
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #611
Zitat von glasi im Beitrag #606
Zitat von Pit 59 im Beitrag #605
Offiziell war von 12-13 Uhr Mittag.Eingerückt wurde 11.30 Uhr,ausgerückt 13.30 Uhr.Und schon waren es 2 Std.Pause.@Commander

Richtig Commander,aber 13.30 Uhr zurück zur Arbeit gehen hat sich auch nicht gelohnt denn bei uns war 14.00Uhr kaffee Pause (Offiziell). Naja und von 14.30 Uhr bis 16.00 Uhr hat man Feierabends Vorbereitungen gemacht.

Herrlich. Habe sowas nie kennengelernt. Bei uns ist eine Minute vor der Stempeluhr stehen ein Verbrechen.


Grün:
Sei froh, sonst wäre die BRD auch ganz schnell Pleite gegangen. Das war einer der größeren Sargnägel.



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#613

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 01.09.2013 20:30
von Harra318 | 2.514 Beiträge

@DoreHolm ,ich bin froh dass es sie gibt. Es ist die gerechteste Zeiterfassung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Denn, warum soll der Arbeitgeber für etwas bezahlen wovon er nichts hat. Von der andern Seite gesehen, warum soll der Arbeitnehmer einbüßen oder Arbeitszeit geschenkt bekommen
Deine Sargnägel kamen aber woanders her.


zuletzt bearbeitet 01.09.2013 20:52 | nach oben springen

#614

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 02.09.2013 02:17
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Harra318 im Beitrag #613
@DoreHolm ,ich bin froh dass es sie gibt. Es ist die gerechteste Zeiterfassung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Denn, warum soll der Arbeitgeber für etwas bezahlen wovon er nichts hat. Von der andern Seite gesehen, warum soll der Arbeitnehmer einbüßen oder Arbeitszeit geschenkt bekommen Deine Sargnägel kamen aber woanders her.


die realität : immer mehr teilzeitkräfte , nicht honorierte schichtsysteme , urlaubsverweigerung des unternehmers , kündigung bei krankheit und shwangerschaft , immer mehr bewußter psychischer und physischer druck auf die angestellten , schlechte bezahlung gerade bei frauen usw.
was will uns der user damit sagen , liebe mitlesenden ?? ausbeuter sind auch nur menschen ???



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#615

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 02.09.2013 06:20
von ddr-bürger (gelöscht)
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Schlendrian in Betrieben und Unrechtsstaat, in der Schule wäre das "Thema verfehlt".....

Wenn die Arbeitsmoral bzw. Arbeitsbedingungen hier als Indikator für Rechtsstaatlichkeit gelten dann bitte auch diese:
Das Bundesurlaubsgesetz sagt eindeutig aus, ab halber Urlaubstag wird auf den ganzen Tag aufgerundet....
Soweit so gut, nur wird in solchen Bereichen das Gestz mit Füßen getreten, mit Aussagen man soll doch auch mal was für "sein" Unternehmen geben....
Arbeitskräften im Bereich der sog. 400 € Jobs wird der Urlaub oft "verweigert", er steht den Leuten genauso zu...

Nur ein paar kleine Beispiele wie im "Rechtsstaat" BRD mit dem Recht umgegangen wird.

So nun viel Spaß noch beim "weiterbasteln" des Märchens "Der wackere Rechtsstaat BRD und der böse Unrechtsstaat DDR"


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#616

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 02.09.2013 09:48
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Commander im Beitrag #609
Ok Pit,
da lohnt sich wirklich nicht mehr,so richtig weiterzumachen! Zu meiner Ehrrettung sei gesagt,je nach Jahreszeit haben wir schon noch etwas gearbeitet!
Und Glasi,es gab sicher in der DDR-Industrie auch Stechuhren.Meine Frau hat im Karosseriewerk gearbeitet,da gab es m.W.keine Stechuhr,aber die Arbeitszeiten wurden eingehalten.Der Meister achtete schon darauf.

Gruß C.


Das kann ich in etwa so bestätigen.Bei uns gab es auf der Werft Stechuhren.Und als Beispiel mal--wenn die Arbeitszeit bis 14 Uhr oder bis 23 Uhr ging.Dann wurde in der Regel erst 8 bis 10 Minuten später ausgestempelt,denn die Waschzeit gehörte nicht zu Arbeitszeit.Und nun zu den Pausenzeiten,wenn die Frühstücks und Mittagspause um wahr.Dann stand schon der Meister,Brigadier oder Schichtleiter mit den Worten auf der Matte--Na meine Herren,dann wollen wir mal wieder,---.Genauso sah es aus,wenn der Meister seinen Rundgang an Bord machte und er traf keinen am Arbeitsplatz an.Und die letzten cm der Schweißnaht waren schon abgekühlt,dann kam später die Frage--wo warste denn gewesen.Also mir brauch heute keiner was von Einhaltung der Arbeits und Pausenzeit erklären.Und wenn jemand es anders erlebt hat,dann soll er doch bitte schreiben wo.Und es doch nicht so formulieren,das es im ganzen Land so war.Aber am besten ist immer,man kehrt mit den Besen erstmal vor der eigenen Tür.


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#617

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 02.09.2013 10:40
von ddr-bürger (gelöscht)
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Ich denke das wäre ein eigenes Thema:

Arbeitsmoral und Arbeitbedingungen in der DDR

aber das gibt es hier bestimmt schon....

Arbeitsbummelei als ein Kriterium für Rechtsstaatlichkeit halte ich für weit her geholt. Hier in dem Thema geht es doch um eine "ideologische" Abrechnung mit dem sog. "Unrechtsstaat" und der "Uneinsicht" der DDR Bürger.
Weiter oben wurde schon oft versucht das Thema "wissenschaftlich" fest zu machen, ist aber so richtig nie gelungen.

Formell war die DDR eindeutig ein Rechtsstaat, alles andere ist eine Auslegungssache. Auch die "Gewltentrennung" war durch die Gesetze abgesichert. Das hier natürlich (je nach Standpunkt) das geleugnet oder bestätigt wird ist doch klar.
Im Beitrag (#584) wurden emotionale Gründe für Aufgeführt.
Die sind aber nicht wirklich zielführend, übrigens ist zwar hier OT paßt besser in das Thema "Werbung für Berufssoldaten in den Schulen", habe vor kurzem im "HR I" Nachrichten gehört, das zwei Schulen (eine in Hessen, eine in Berlin) mit einem Friedenspreis ausgezeichnet wurden, da sie die Werbung verboten haben. das im Jahr 2013...., hier wird aber über eine zeit von vor 1989 geurteilt.
Ähnlich wird auch hier mit Argumenten spekuliert.....


zuletzt bearbeitet 02.09.2013 10:41 | nach oben springen

#618

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 02.09.2013 10:42
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Passend zum Thema hab ich mal eines meiner Bücher aus der historischen Abteilung herausgekramt.
Jener Ratgeber "Recht im Alltag" (Verlag für die Frau 1987) war übrigens eine beliebte Buchprämie verdienter FDJler in meinem Betrieb.
Hier handelten die Autoren Zivil-, Arbeits- und Familienrecht auf 300 Seiten ab indem sie alle möglichen Lebensbereiche mit ihren Szenarien und möglichen Komplikationen beschrieben, angefangen damit wie ein Herr Schmidt seinem Nachbarn versprochen hat, ihn wegen dessen kaputten Weckers am Morgen zu wecken, bereits in einem zivilrechtlich relevaten Vorgang verwickelt ist, wenn er das Wecken vergißt.
Hier hätte Herrn Schmidt den Arbeitsausfall oder den fälligen Taxitransfer in den Betrieb bezahlen müssen....klingt schon ganz schön nach BRD oder ?
Die Autoren beschreiben, wie man Minute für Minute eigentlich von Paragrafen verfolgt, bedroht oder geschützt wird je nach der aktuellen Position, fast nichts wird ausgelassen und somit bleibt auch kein Raum für Willkür.
Leider hat man Themen wie "Schwarz fahren", "Assiparagraf...asoziales Verhalten", "Körperverletzung" oder "Republikflucht" ausgespart, obwohl das ja auch zum Alltag gehörte, aber man unterschied offensichtlich, daß hier das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen war, eben nur die kleinen Konflikte.
Wenn man den Rechtsstaat über die großen Konflikte definieren will, wie Todesstrafen, illegalem Waffenbesitz, Sabotage usw., kommt man mit solchen Büchern erst mal nicht weiter, es war aber der Entscheidung des DDR- Bürgers überlassen, in große Konflikte hineinzugeraten oder eben nicht, wenngleich ein Verkehrsunfall aus Unachtsamkeit schwerwiegender sein kann als eine geklaute Polizeiwaffe, will heißen, daß der Ratgeber ja nicht das System analysieren soll sondern Normalbürgern zur Rechtssicherheit verhelfen möge.
Bemerkenswert sind auch Passagen, wonach Arbeiter zu empfohlenen Schutzimpfungen vom Betrieb freizustellen und zu bezahlen sind, weil es das höherwertige Anliegen ist, die Grippewelle zu stoppen bevor sie in Gang kommt anstatt den Traktor noch schnell fertig zu reparieren, der wegen der Schutzimpfung nun erst zwei Stunden später auf den Acker kommt.
Vielleicht ist es gar nicht so rückständig, wenn der Staat vorgibt was wirklich wichtig ist und die Kapitalschöpfer erst mal an ihre Verantwortung für das Gesamtsystem erinnert werden.



zuletzt bearbeitet 02.09.2013 10:47 | nach oben springen

#619

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 02.09.2013 11:09
von DoreHolm | 7.690 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #616
Zitat von Commander im Beitrag #609
Ok Pit,
da lohnt sich wirklich nicht mehr,so richtig weiterzumachen! Zu meiner Ehrrettung sei gesagt,je nach Jahreszeit haben wir schon noch etwas gearbeitet!
Und Glasi,es gab sicher in der DDR-Industrie auch Stechuhren.Meine Frau hat im Karosseriewerk gearbeitet,da gab es m.W.keine Stechuhr,aber die Arbeitszeiten wurden eingehalten.Der Meister achtete schon darauf.

Gruß C.


Das kann ich in etwa so bestätigen.Bei uns gab es auf der Werft Stechuhren.Und als Beispiel mal--wenn die Arbeitszeit bis 14 Uhr oder bis 23 Uhr ging.Dann wurde in der Regel erst 8 bis 10 Minuten später ausgestempelt,denn die Waschzeit gehörte nicht zu Arbeitszeit.Und nun zu den Pausenzeiten,wenn die Frühstücks und Mittagspause um wahr.Dann stand schon der Meister,Brigadier oder Schichtleiter mit den Worten auf der Matte--Na meine Herren,dann wollen wir mal wieder,---.Genauso sah es aus,wenn der Meister seinen Rundgang an Bord machte und er traf keinen am Arbeitsplatz an.Und die letzten cm der Schweißnaht waren schon abgekühlt,dann kam später die Frage--wo warste denn gewesen.Also mir brauch heute keiner was von Einhaltung der Arbeits und Pausenzeit erklären.Und wenn jemand es anders erlebt hat,dann soll er doch bitte schreiben wo.Und es doch nicht so formulieren,das es im ganzen Land so war.Aber am besten ist immer,man kehrt mit den Besen erstmal vor der eigenen Tür.



Rot: Nein, es war nicht im ganzen Land so. Zu einem großen teil war es auch davon abhängig, wie sehr sich die staatliche Leitung, vom Direktor angefangen bis zum Meister und Brigadier, sich von ihren ihnen unterstellten Kollegn/innen auf der Nase herumtrampeln ließen. Natürlich muß da auch die Gewerkschaft am gleichen Strang in der gleichen Richtung ziehen. Wenn einmal erst etwas eingerissen ist, dann ist es schwer zu korrigieren. Hatte es schon mal geschrieben, mit den Pausenzeiten bei uns. 8 u. 3/4 Stunden werden bezahlt. Da im gesamten Betriebsgelände, außer im Verwaltungsbereich und den Pausenräumen nicht geraucht werden durfte, mußten Raucherpausen gewährt werden. Diese dauerten dann eben 15, 20 Minuten oder auch mal länger. Tatsächlich gearbeitet wurde in der Produktion und den Prod.-Hilfsabteilungen i.d.R. etwa 5 - 6 Stunden. Vermutlich sah es in der Verwaltung nicht wesentlich anders aus. Ein Prod.-Arbeiter behauptete mal, das wäre eine Ausbeutung schlimmer als beim Kapitalisten. Woher weiß er das, habe ich mich gefragt ? Da haben einige nach der Wende ganz schnell ihre Arbeitseinstellung geändert. Frauen, die immer nur verkürzt arbeiteten und um nichts in der Welt zur Vollzeit zu bewegen waren, rissen sich plötzlich um eine Vollzeitstelle. Unser Prod.-Direktor, gläubiges CDU-Mitglied und ebenso nie für eine ehrenamtliche Aufgabe zu bewegen, hatte plötzlich alle Hebel in Bewegung gesetzt und das auch erfolgreich, um als Betriebsratvorsitzender gewählt zu werden.
Rostocker, Du hast eben einen strafferen Führungsstil erlebt als ich. Wenn das überall so gewesen wäre, dann wäre es m.E. nicht so rasch den berg runtergegangen mit der Ökonomie der DDR und allem was daraus folgte. Als wir 1977 vom Zeitlohn zum Leistungslohn übergingen und ich mit der Erstellung von Arbeitsnormen beauftragt wurde, war die staatliche (und gewerkschaftliche) Vorgabe: Bisherige Leistung = 100 %. Sicherheitshalber wurde noch etwas dazugegeben, jedenfalls waren uns von Anfang an die Hände gebunden und die 3 Stunden Zusatzpause waren somit legalisiert.



zuletzt bearbeitet 02.09.2013 11:13 | nach oben springen

#620

RE: Ostdeutsche halten DDR nicht für Unrechtsstaat

in Das Ende der DDR 02.09.2013 12:23
von Grenzgänger (gelöscht)
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Na, dann will ich auch mal meinen "Klecks Senf" zu diesem augenscheinlich allumfassenden Thema dazugeben:

Zitat unseres ehemaligen Betriebsjustitiars (VEB), welches aber letztlich von den "Klassikern" stammen dürfte.

"Das geltende Recht ist der zum Gesetz erhobene Wille der herrschenden Klasse"

galt immer / gilt / wird gelten....


Siggi


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