#1

Der Umbruch...

in Leben in der DDR 26.05.2009 21:38
von manudave (gelöscht)
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Wem haben wir eigentlich den Umbruch 1989 alles zu verdanken?

Ich mehrfach gehört, dass die Ungarn selbst darüber verwundert sind, dass sie so wenig damit in Verbindung gebracht werden...


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#2

RE: Der Umbruch...

in Leben in der DDR 26.05.2009 22:19
von Augenzeuge (gelöscht)
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Hallo manudave,

hierüber kann man lange debattieren. Ursachen gab es viele. Am Anfang war immer der Wunsch vieler DDR-Bürger, raus zu kommen. Daneben gab es die immer schlechter werdende Wirtschaft der DDR mit dem riesigen Valuta-Bedarf. Auch mit ursächlich hierfür die plötzliche Öldrosselung der UdSSR an die DDR. In der Mitte kam die Veränderung in Ungarn, die den Druck forcierte. Am Ende gab es Gorbi, der erstmals den militärischen Widerstand der DDR verweigerte. (Ansonsten hätte es schon 1953 geklappt). Meiner Meinung nach, war die erste große Ausreisewelle 1983 maßgebend für die weitere Entwicklung zum Ende.
Durch die Rückverbindungen (Stasi-Wort aus meiner Akte), in denen detailliert und wahrheitsgetreu berichtet wurde, bekamen immer mehr Menschen Einblick in den Start der Ausreisenden in der anderen Welt. Man bekam mit, wie doch auch nicht so hoch qualifizierte Leute, die man als verrückt bezeichnete, das sie in den Westen gingen, sich in kürzester Zeit einen Lebensstandard aufbauten, der so schnell in der DDR nicht zu erreichen war. Wie sie nach Mallorca fuhren, wie sie die Kings in Ungarn mit ihrer DM waren. Als ich selbst als späterer Wessi in Ungarn war, ich war Student mit Bafög und bezahlte für 6 Leute das Mittagessen für umgerechnet 25 DM. Und ich fühlte mich nicht gut dabei! Wir haben dort eine Unterkunft für DDR-Leute gesucht. Erst als wir mit dem Westauto vorfuhren klappte es. Trotzdem bekamen die dann nur Forint. Das waren mehr als demütigende Erfahrungen, und diese machten immer mehr Leute.
Auch die nach der Ausreise folgende Einreisesperre half der DDR-Regierung nicht. Kinder durften nicht zur Beerdigung ihrer Eltern. Meiner Mutter ging es so. Das wurde in der DDR diskutiert, auch das schadete der DDR wahnsinnig. Die Menschen suchten sich und fanden sich. Ich habe selbst erlebt, was an der BRD/ CSSR Grenze über alle Feiertage los war. Man hörte nur sächsisch im BMW, Audi, Nissan etc.
Natürlich wusste man auch in der DDR, was hier passierte. Ich kenne viele Freunde, die an der DDR Grenze offen gesagt haben, wir treffen uns mit unseren Freunden vor denen ihr Angst habt und sie nicht einreisen lasst. Die dann folgende Kontrolle haben sie lächelnd hingenommen.

Die Möglichkeit über die Botschaft den Ausreisedruck aufzubauen gab die DDR selbst. Es gab nicht einen Fall, wo sich der Weg über die Botschaft nicht gelohnt hätte. Das war ein falsches Signal, aus späterer DDR-Sicht. Hier habe ich nochmal, weil er sehr passt, einen bereits geschrieben Artikel hineinkopiert:

Nun, letztlich waren es diese vielen Ausreisenden, die zu einer politischen Kraft geworden waren, die alles Weitere in Gang gesetzt hat. Hier war eine richtige Bürgerrechtsbewegung entstanden. Begonnen hatte alles am 20.1.1984 mit der ersten Besetzung der US-Botschaft in Ostberlin und der folgenden genehmigten Ausreise innerhalb weniger Tage. Danach folgte eine Kettenreaktion, welche mit der Flucht der Stoph-Nichte bzw. Schürer-Verwandte(und einer 35-köpfigen Gruppe) am 24.2.1984 in die Prager Botschaft einen weiteren Höhepunkt fand, der erstmals von der DDR bestätigt wurde. Die Stoph-Nicht wurde mit ihrer Familie für 180.000 US-Dollar "freigekauft".
Was wahrscheinlich niemand weiß: Im Oktober 1989 saß auch ein DDR-Bürger in der westdeutschen Botschaft auf Cuba. Auch er durfte raus.

Nun, das war mein Rückblick und meine Einschätzung für alle.

Gruß, Augenzeuge


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