#1

Was bedeutet "schwere Kompanie"?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 14.03.2012 10:25
von bendix | 2.642 Beiträge

Hallo DoreHolm,
in deiner Vorstellung schriebst Du etwas von "schwerer Kompanie",was ist darunter zu verstehen?
GR 38 war ja das Nachbarregiment zum GR 34,also zu meiner Zeit(1981-1982),die Ortslage Niederneuendorf gehörte zum Grenzabschnitt 4 des GR34,war das bei euch anders oder verwechsel ich da etwas?

Gruß bendix


Das Zufriedene ist leise,das Unzufriedene ist laut.
Gefreiter der Grenztruppen -1980 GAR 40 Oranienburg/Falkensee-GR 34 Groß-Glienicke 1981-1982
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#2

RE: Was bedeutet "schwere Kompanie"?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 14.03.2012 13:29
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Hallo Bendix,
wir hatten 1967 bis, ich schätze mal, Ende 67 noch Kompaniesicherung. Das heißt, jede Kompanie hat ihren eigenen Abschnitt gesichert. Das bedeutete für mich als Kradfahrer ganz konkret, daß ich im Zimmer zusammen mit anderen Kradfahrern lag und jeder eine andere Schicht hatte, ebenso die einzelnen Züge. Es hatte also immer irgendjemand Nachtruhe. Das bedeutete, daß kein Spieß und kein Uffz auf dem Flur rumschrie. Geweckt zum Dienst wurde man ganz sacht, wie zu Hause vom Ehedrachen. Ein leichtes Rütteln und verhaltenes Flüstern "He, Kumpel, Du mußt aufstehen". Die Küche hatte demzufolge rund um die Uhr geöffnet und man ist quasi zum Essen gegangen, wannn einem danach war. Wir lagen in einer Baracke, weit weg vom Regimentsstab, also den anderen GK. Einen besseren Verpflegungssatz als die Mot-Schützen hatten wir sowieso, weil für uns ebenfalls der "Zusatzlohn" wie für Beschäftigte der Zivilbetriebe im Grenzgebiet galt (1,50 Mark/Tag zusätzlich). Von der Baracke ist nichts mehr übrig, es wurde ein "Biotop" eingerichtet mit Schautafel als beispiel, wie sich die Natur alles wieder zurückholt. Erst im letzten Hj. gingen wir dann zur Regimentssicherung über und die einzelnen Kompanien hatten jeder die gleiche Schicht und sicherten den ganzen Regimentsabschnitt.
So, ich habe mir mal den Stadtplan (Falk-Faltkarte) hergeholt. Unser Kompaniebereich ging von der Havel (gegenüber Teinickendorf) bis etwa Siedlg. Schönwalde. Wo der Wald des Berliner Forstes Spandau westlich endete, stand noch ein BT. Das Stück von Südrand Niederneuendorf bis zum BT war ein Plattenweg (50cm breit) für die Kradstreife. An der Straße (Spandauer Landstr.) war ein Schlagbaum, von dort ging dann der Kradweg bis zum BT entlang eines kleinen Grabens. Auf diesem Stück hätte mich beinahe mein Posten als Sozius mit der Leuchtpistole erschossen und dort hatte ich meine einzige Festnahme. Die Havel wurde durch die Bootskompanie gesichert. Dort, wo die Havel begann, befand sich damals bis zum Gebietsaustausch noch eine Enklave. Die Westberliner hatten dort auf etwa einem Hektar eine Schrebergartenanlage und mußten ca. 100 m durch unser Gebiet. Es gab ein Tor für sie zum Passieren und das Postenpaar dort war noch mal extra ausgesucht. Ich muß wohl einen dunklen Punkt in meiner Vergangenheit gehabt haben, daß ich nicht dazu eingeteilt war. Nichtsdestotrotz trieben wir mit den Westberlinern einen "kleinen Grenzhandel", bei dem wir im Stahlhelm gesammelte Pilze gegen Schokolade und Zigaretten tauschten. Zusammen mit meinem Gruppenführer, ein normaler Gefreiter, der aber mangels Uffze als Gruppenführer fungierte, hat uns das andere Postenpaar mal durchgelassen und wir haben uns gegenseitig vor dem Schild "End of British Sector" fotographiert. da waren wir schon ca. 20 m im Westen.. Ich habe ein Foto eines dieser Posten gesehen, auf dem er Arm in Arm mit einem Tommy zu sehen ist. Es gab da noch ganz andere Sachen, aber dazu später. Bei einer Aushilfe, weil das Nachbarregiment ein Manöver hatte, war ich dann auch mal im Bereich Spandau/Staaken eingesetzt. Der Regimentsabschnitt ging dann in östlicher Richtung etwa bis Glienicke/Frohnau. Vom Stadtgebiet habe ich aber wenig gesehen, da ich zumeist mit dem Krad Kontrollstreife am KS gefahren bin.
Unter "Schwerer Kompanie" verstanden wir damals folgendes. Bevor es nach der Einziehung zur grenze ging, war erst mal ein halbes Jahr Grundausbildung fällig. Und dafür gab es in unserem Regiment eine sog. Schwere Kompanie. Das war ganz einfach eine Geschützkompanie. Die bestand jeweils aus einem Zug PAK 57mm, RPG (die großen) und Granatwerfer 81mm. Ich war Richtschütze am "Kirschkernspucker", so nannten wir die Granatwerfer. Wir haben noch Munition von 1944 verschossen. Die Ausbildungseinheit in Oranienburg hatte die großen, 120mm. Für die haben wir in Annaburg mal Vorfeldbeleuchtung geschossen. War interessant. Wir lagen ca. 2km vor dem Zielgebiet, drei km hinter uns die 120er, die dann über uns drüberweggeschossen haben. Vorher hatte es mal einen schweren Unfall gegeben, als beim Batterieschießen ein Ladeschütze nicht mitbekommen hat, daß das Ding noch im Lauf steckte und hat die nächste Granate reingesteckt. Rohrkrepierer mit Toten. Danach wurde eine Sicherungsklappe aufmontiert, die verhindert, daß eine weitere Granate reingeschoben werden kann wenn die erste noch nicht draußen ist.
So, nun hoffe ich, daß ich Deine Frage erschöpfend beantworten konnte und noch ein paar kleinere Episoden geschildert, die aber das Grenzerleben so richtig würzen.



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#3

RE: Was bedeutet "schwere Kompanie"?

in Reste des Kalten Krieges in Deutschland 14.03.2012 14:25
von stutz | 568 Beiträge

Ja @ DoreHolm, den Begriff der schweren Kompanie kenne ich auch aus meinem GWD und er bezeichnete die Artillerie des Regiments im 33..
Ich musste mal einen Stabsoffizier fahren, der das 3- tägige Schiessen dieser Kompanie auf dem Schiessplatz Glietz beobachtete.


"Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk;
und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, ist die deutsche Nation.
Eine ritterliche, stolze und harte Nation." ( Ernst Thälmann )
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