#1

Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 14:38
von Angelo | 12.391 Beiträge

Was war das denn genau ? Und wie genau hat diese Annahmestelle funktioniert ? aber bitte keine Links sonder einfach mal aus eigener Erzählung bitte


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#2

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 14:45
von EK 82/2 | 2.952 Beiträge

man hätte es auch allzweckreparaturwerkstatt nennen können. billig und gut. manchmal gibt es worte die nicht nachvollziehbar sind, auch heute noch.
es war billiger als vom fachhandel reparieren zu lassen.
andy


Alles was ich schreibe, ist nur meine Meinung und keine Feststellung.
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#3

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 15:23
von Kimble | 397 Beiträge

Dort habe ich oft Uhren zur Reparatur abgegeben. Waren ja damals mechanisch und damit ab und an mal kaputt.
Und die ersten Analog- Quarzuhren hat man zum Batterie- Wechsel auch da abgeben können.
Die wurde dann in eine Papiertüte gepackt und nach etwa 10 Tagen war alles repariert zurück. Hat wunderbar funktioniert.

Bei meiner ersten Digital- Quarzuhr Made in GdR (kostete so ca. 300 Mark wimre) war mal das Glas gebrochen.
Das konnten die leider nicht selbst erneuern. Ham mich aber freundlicherweise direkt zur Uhren- Werkstatt geschickt.
Eine alte Villa gleich in der Nähe des Rostocker Hauptbahnhofs. Die haben von Ruhla ein Glas bekommen und es eingebaut.

In der Rostocker Fußgängerzone gab es ab Anfang der 80er ein "Haus der Dienste".
Nee, nich was manche nun wieder denken. Dort konnte man neben Reparaturaufträgen auch
An- Verkaufsanzeigen für die Tageszeitung abgeben und auch Chiffre- Bewerbungsanzeigen aufgeben.


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
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#4

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 15:52
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Ja solche Annahmestellen gab es in Rostock fast in jeden Stadtteil-da wurde ebend alles so hingeschaft was an Haushaltgeräten kaputt ging von Regenschirm bis halt hin zum Staubsauger.Und nach ca.4 Wochen holte man das Zeug aus der Reparatur wieder ab.


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#5

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 16:04
von werner | 1.591 Beiträge

Hatten in unserer Stadt mehrere Annahmestellen, liefen aber in der Umgangssprache schlicht unter DLK (Dienstleistungskombinat).

Wenn wir Wäsche zum "Rollen" (meist Bettwäsche und Tischtücher in einem Pack gebündelt so groß wie ein Wäschekorb) hatten, konnte man es sich aussuchen, ob man sie zum DLK brachte oder, wenn der Fahrer der Wäscherei mit seinem 311er Kombi am Dienstag abend durchs Wohngebiet kam, ihm direkt mitgibt. Nach drei Tagen bei Abgabe beim Fahrer, nach einer Woche bei Abgabe beim DLK war alles wieder zurück.

Im DLK haben sie auch Fernseher zu Reparatur angenommen, unser COLOR 21 war zweimal da zum Bild-Einstellen - umsonst. Dann haben wir uns eine Einstellanleitung besorgt und selbst gemacht - bestens! Dann hat das DLK auch einen "zu Hause" Service eingeführt, der Techniker, den die uns dann geschickt haben, war richtig fit.

Die Urlaubsbilder konnte man dort auch zum Entwickeln geben, in der Anfangszeit - Mitte der 70er war es eher ein Glückstreffer, wenn man seine eigenen Bilder wiederbekam und die dann auch noch in ordentlicher Qualität waren. Also sind wir, wie vorher auch, zu einem der Fotografen gegangen und haben die Bilder dort machen lassen. Dauerte zwar etwas länger, hat aber funktioniert. Ende der 70er hat das DLK seine Logistik und Qualität in den Griff bekommen und man konnte dort auch Bilder und Super 8 Filme entwickeln lassen.

Rasierapparate, Kassettenrekorder, Tonbandgeräte, Staubsauger, Regenschirme - fast alles, was es im Haushalt so gab, konnte man dort zur Reparatur abgeben. Die Reparaturzeiten waren unterschiedlich, von zwei Wochen für den Staubsauger bis zu vier Wochen für einen Rasierapparat. Das war der Moment, als ich mir dann einen zweiten BeboSher (das ist ein elektrischer Rasierapparat) zulegen musste. Mit meinem polnischen Kassettenrekorder taten sie sich aber etwas schwer, weil es keine Teile dafür gab. Die habe ich dann direkt aus Gorzow geholt - 150km hin und 150 zurück für einen Treibriemen, ein neues "Annett" wäre fast billiger gewesen.

Ach ja, und Gasflaschen für unsere Laube konnten wir dort tauschen, einmal die Woche kam der LKW.

Kann mich aber erinnern, dass die Annahmestelle ab Mitte der 80er "nicht mehr nachkam" mit den Reparaturen, zumindest, wenn man nicht noch 5 DM (also Westmark) mit dazulegte. Denn die DM brauchte der Techniker, weil der Klempner nur kam, wenn von den 25Mark Stundenlohn mindestens 15DM waren. Zu mir ist der Klempner nie gekommen.


Und irgendwo saßen die ganz anonym die leitenden Hirne, die den ganzen Betrieb koordinierten und die politischen Richtlinien festlegten, nach denen dieses Bruchstück der Vergangenheit aufbewahrt, jenes gefälscht, und ein anderes aus der Welt geschafft wurde.
George Orwell, 1984
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#6

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 16:27
von Pit 59 | 10.129 Beiträge

Nicht zu Vergessen waren für die Frauen (meistens jedenfalls) die Strümpfe und Strumpfhosen welche zur Reparatur abgegeben wurden.


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#7

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 16:59
von katerjohn | 559 Beiträge

War so ähnlich wie die Polikliniken.....alles in einem Haus.Vom Zahnarzt bis zum Urologen


Nimm dir Zeit für deine Freunde,sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde !
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#8

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 17:13
von utkieker | 2.915 Beiträge

Wenn man nicht gerade auf verschwendungssüchtige Wegwerfkonsumtion aus ist machen solche Komplexannahmestellen durchaus Sinn. Die Anschaffung technischer Haushaltsgeräte und Elektronik war in der DDR relativ teuer, Reperaturleistungen hingegen wurden staatlich subventioniert, so daß eine Reparatur sich als sinnvoll erwies. Heutzutage sind Reparaturen relativ teuer und begünstigen die Wegwerfgesellschaft.
In den DLK- Annahmestellen wurden vor allem Schuhe zur Reparatur gegeben aber auch Nylon- Strumpfhosen, Täschnerwaren, Oberbekleidung und ebend Haushaltsgeräte und Elektronik. Soviel ich weiß, wurde auch chemische Reinigungen vorgenommen und heißmangeln. Fotos wurden entwickelt und Filme, Scheren und Messer wurden geschliffen u. v. a. m.
Das Schusterhandwerk hatte in der DDR Hochkonjunktur und die Reparatur war preiswert, für die Schuhreparatur habe ich selten mehr als eine Woche gewartet eher weniger. Ich fand sogar, daß die Schuhe nach der ersten Reparatur in der Qualität noch besser waren als bei der Anschaffung zumindestens hat sich das Inneleder nicht mehr gewölbt und war dann weich und anschmiegsam. Anderswo wurde aber auch gepfuscht oder es fehlten dringend benötigte Ersatzteile, so daß häufig die Wartezeiten sich in die Länge zogen.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
zuletzt bearbeitet 12.03.2012 17:14 | nach oben springen

#9

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 17:23
von eisenringtheo | 9.162 Beiträge

Zitat von katerjohn
War so ähnlich wie die Polikliniken.....alles in einem Haus.Vom Zahnarzt bis zum Urologen



Das Modell kommt heute wieder in die Diskussion, heisst neudeutsch "Managed Care" oder "Integrierte Versorgung". Man erhofft sich niedrigere Gesundheitskosten. So was ähnliches kommt demnächst bei uns zur Volksabstimmung:
http://www.bag.admin.ch/themen/krankenve...ex.html?lang=de
Da die Ärzte dagegen sind, hat die Vorlage keine gute Chancen.
Theo


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#10

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 17:40
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

ich staune immer wieder, was es damals für zivilisatorische Errungenschaften gab!

Im Zeitalter von Privat & Rentabel undenkbar.

Grüße


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#11

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 12.03.2012 17:52
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von werner
Hatten in unserer Stadt mehrere Annahmestellen, liefen aber in der Umgangssprache schlicht unter DLK (Dienstleistungskombinat).

Wenn wir Wäsche zum "Rollen" (meist Bettwäsche und Tischtücher in einem Pack gebündelt so groß wie ein Wäschekorb) hatten, konnte man es sich aussuchen, ob man sie zum DLK brachte oder, wenn der Fahrer der Wäscherei mit seinem 311er Kombi am Dienstag abend durchs Wohngebiet kam, ihm direkt mitgibt. Nach drei Tagen bei Abgabe beim Fahrer, nach einer Woche bei Abgabe beim DLK war alles wieder zurück.

Im DLK haben sie auch Fernseher zu Reparatur angenommen, unser COLOR 21 war zweimal da zum Bild-Einstellen - umsonst. Dann haben wir uns eine Einstellanleitung besorgt und selbst gemacht - bestens! Dann hat das DLK auch einen "zu Hause" Service eingeführt, der Techniker, den die uns dann geschickt haben, war richtig fit.

Die Urlaubsbilder konnte man dort auch zum Entwickeln geben, in der Anfangszeit - Mitte der 70er war es eher ein Glückstreffer, wenn man seine eigenen Bilder wiederbekam und die dann auch noch in ordentlicher Qualität waren. Also sind wir, wie vorher auch, zu einem der Fotografen gegangen und haben die Bilder dort machen lassen. Dauerte zwar etwas länger, hat aber funktioniert. Ende der 70er hat das DLK seine Logistik und Qualität in den Griff bekommen und man konnte dort auch Bilder und Super 8 Filme entwickeln lassen.

Rasierapparate, Kassettenrekorder, Tonbandgeräte, Staubsauger, Regenschirme - fast alles, was es im Haushalt so gab, konnte man dort zur Reparatur abgeben. Die Reparaturzeiten waren unterschiedlich, von zwei Wochen für den Staubsauger bis zu vier Wochen für einen Rasierapparat. Das war der Moment, als ich mir dann einen zweiten BeboSher (das ist ein elektrischer Rasierapparat) zulegen musste. Mit meinem polnischen Kassettenrekorder taten sie sich aber etwas schwer, weil es keine Teile dafür gab. Die habe ich dann direkt aus Gorzow geholt - 150km hin und 150 zurück für einen Treibriemen, ein neues "Annett" wäre fast billiger gewesen.

Ach ja, und Gasflaschen für unsere Laube konnten wir dort tauschen, einmal die Woche kam der LKW.

Kann mich aber erinnern, dass die Annahmestelle ab Mitte der 80er "nicht mehr nachkam" mit den Reparaturen, zumindest, wenn man nicht noch 5 DM (also Westmark) mit dazulegte. Denn die DM brauchte der Techniker, weil der Klempner nur kam, wenn von den 25Mark Stundenlohn mindestens 15DM waren. Zu mir ist der Klempner nie gekommen.


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#12

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 13.03.2012 09:15
von Diskus303 | 485 Beiträge

Hallo,

Zitat von eisenringtheo

Zitat von katerjohn
War so ähnlich wie die Polikliniken.....alles in einem Haus.Vom Zahnarzt bis zum Urologen



Das Modell kommt heute wieder in die Diskussion, heisst neudeutsch "Managed Care" oder "Integrierte Versorgung". Man erhofft sich niedrigere Gesundheitskosten. So was ähnliches kommt demnächst bei uns zur Volksabstimmung:
http://www.bag.admin.ch/themen/krankenve...ex.html?lang=de
Da die Ärzte dagegen sind, hat die Vorlage keine gute Chancen.
Theo




Hierzulande heißen diese Einrichtungen "Ärztehäuser" und die scheinen sich recht gut zu etablieren (es werden mehr....)

Gruß Axel


Gruß Axel
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#13

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 01.03.2015 18:50
von SET800 | 3.097 Beiträge

Zitat von Diskus303 im Beitrag #12
Hallo,

Zitat von eisenringtheo

Zitat von katerjohn
War so ähnlich wie die Polikliniken.....alles in einem Haus.Vom Zahnarzt bis zum Urologen [lachen]


Theo



Hierzulande heißen diese Einrichtungen "Ärztehäuser" und die scheinen sich recht gut zu etablieren (es werden mehr....)

Gruß Axel





Und der Bergbau mit seiner Knappschaft hielt sich auch sehr lange daran.



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#14

RE: Komplexannahmestelle

in DDR Zeiten 25.03.2015 20:04
von Esche | 22 Beiträge

Diese Annahmestellen haben wir nach der Wende sehr vermisst . Ich kann mich noch erinnern ,daß wir immer die Bettwäsche gewaschen und gemangelt dort gegen einen geringen Obolus wieder erhielten . Wenn ich es noch so halbwegs weiß ,etwa für 6 Bezüge ,6 Laken ,8 Kissen und zwei Tischdecken für etwa 6,50 Mark .
Gasflasche abgegeben und ca 10 Tage später gefüllt zurück . War auf dem Dorf eine super Erleichterung .Auch Schuhe ,defekte Elektrogeräte und Uhren abgeben und repariert zurück .
Ich denke es handelte sich um Filialen der PGH des Handwerks und der Großwäscherei der Kreisstadt .
Warum musste alles eingehen ?


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